27. Juni 2007

Live Free or Die Hard

You just killed a helicopter with a car!

Aller guten Dinge sind drei, bzw. vier (wenn das Geld stimmt auch fünf). Nach zwölf Jahren wollte es der gute Bruce mal wieder wissen, wahrscheinlich auch, weil ihm wie anderen Dinosauriern der 80er a la Ford, die Tauglichkeit für Actionfilme abgesprochen wurde. Sowas kann sich der Mann, der laut Entertainment Weekly in dem besten Actionfilm aller Zeiten mitspielt, nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er in seine Paraderolle des John McClane zurückkehrte. War es ursprünglich angedacht, dass John McTiernan, Regisseur des ersten und dritten Teils, wieder Regie führt, wurde er dann doch gegen die Underworld-Pflaume Len Wiseman ersetzt. Vermutlich lag dies dann doch an der Tatsache, dass McTiernan letztes Jahr wegen Meineides verurteilt worden ist.

Bei IMDb listet der Film bereits ein Rating von 8.5 auf, wobei zu bedenken ist, dass die Ratings dort zu Beginn immer höher sind, zudem ist der Film in den USA noch nicht mal angelaufen. Unterstützt wird das Ganze dann auch noch von Bruce Willis selbst, welcher den vierten Film angeblich gedreht hat, da er mit den beiden Vorgängern unzufrieden war. Dabei lehnt er sich ziemlich weit aus dem Fenster und behauptet tatsächlich, dass Live Free Or Die Hard besser sei als der Original Die Hard. Diese Aussage relativiert sich dann, wenn man berücksichtigt, dass er dies auch bei seinen beiden Vorgängern gesagt hat, als diese ins Kino kamen. Mr. Willis, Sie alter Fuchs!

Im Film selber geht es darum, dass McClane den Hacker Matt (Justin Long) zu einer Polizeiwache eskortieren soll, da er von einer Terroristengruppe bedroht wird. Diese, unter der Führung von Thomas Gabriel (Timothy Olyphant) will das gesamte elektronische Netz der USA lahmlegen und entführt, als McClane ihnen allmählich auf die Pelle rückt, auch noch seine Tochter Lucy. Verständlicherweise wird ein John McClane da erst richtig stinkig und macht sich gemeinsam mit Matt auf "Schnitzeljagd", um Gabriel dingfest zu machen.

McClane gegen den Rest der Welt, lautet wieder einmal die Prämisse. Dabei hat Live Free Or Die Hard mehr mit Die Hard With A Vengeance denn mit Die Hard/2 gemein. Mein Bloggerkollege Rajko hat dies in seiner Review sehr treffend auf den Punkt gebracht, wenn er meint, dass der Film wie sein direkter Vorgänger darunter krankt, "die eigentlichen Qualitäten der Serie fast gänzlich zu ignorieren und stattdessen auf herkömmliche Buddyfilm-Muster zu setzen (…)". Eben dieses Schema passt an sich gar nicht zu McClane und läuft auch dem Ideal des ersten Teiles zuwider. Indem man McClane dezentralisiert und (sei es in New York oder Washington D.C.) ihn von einem Punkt zum nächsten hetzt, beraubt man ihn seiner eigentlichen Stärke. Die Unterstützung eines meist mehr schlechten wie rechten Kumpels, dem er ständig den Arsch retten muss, wirkt diesem Selbstzerstörungsprozess noch bei.

Nicht nur wegen dem PG-13 Rating zielt Live Free Or Die Hard auf eine ganz andere Zielgruppe, wie die Vorgänger. Mit Long bekommt Willis einen jungen und Teenies durch Filme wie Jeepers Creepers bekannten Darsteller an die Seite gestellt. Auch sein Gegenspieler ist in Olyphant ziemlich jung besetzt, ein eyecatcher ist auch Mary Elizabeth Winstead, diese jedoch zu Recht! Dazu dann die Konzentration auf die Internetszene, mit der gerade McClane und die ältere Generation, für die er steht, nichts anfangen kann. Das macht erstens keinen rechten Sinn und wirkt zweitens unglaubwürdig. Eine handvoll Hacker legt das gesamte Sicherheitsnetz der USA - inklusive FBI und NSA - lahm, die Regierung kann nichts dagegen unternehmen, lediglich Matt schafft es ein ums andere Mal dazwischen zu funken. Da verwundert es nicht, dass der Drehbuchautor derselbe wie in Enemy of the State ist.

Wiseman folgt dem Sequel-Rezept Höher-Schneller-Weiter: Hier wird ständig geballert und Sachen in die Luft gesprengt, im Prinzip fliegt alles in die Luft, was die Kamera einfängt. Wiseman ist dabei zugute zu halten, dass er sich seit den Underworlds weiterentwickelt hat, auch wenn viele Kameraeinstellungen dilettantisch sind. Da jede Szene aber die vorangegangene an Action noch übertreffen will, wirkt das alles im Finale ziemlich lächerlich, wenn es McClane dann mit einem Kampfjet aufnehmen muss, nachdem er bereits einen Hubschrauber zerstört und drei Explosionen überlebt hat. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass Live Free Or Die Hard im Prinzip gar nichts mit Die Hard zu tun hat, außer dass der Cop, um den es sich dreht, McClane heißt. Als Fortsetzung einer unsterblichen Actionreihe versagt der Film daher. Als eigenständiger Actionfilm ist er jedoch ziemlich gelungen und im Gegensatz zu Willis' Hostage ein Meilenstein. Die Szenen sind technisch auf höchstem Niveau, gut choreographiert und mit witzigen Dialogen unterlegt. Das Logikloch, dass Gabriel von der Regierung Lösegeld verlangt, wo er doch im Besitz aller Bankkontodaten ist, will man da mal verzeihen und mein persönliches Highlight war der Auftritt von Kevin Smith (You're a fan of the Fett?). Wer mit Die Hard Nostalgie ins Kino geht, läuft Gefahr enttäuscht zu werden, wer auf Action steht, wird hervorragend unterhalten.

7/10

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