30. September 2007

Die Top 5: The Hire

Whatever you do, don't get to close, never meet their eyes.

Im Jahr 2000 entschied BMW aufgrund einer Studie, welche besagte dass ihre Hauptabnehmer verheiratete Männer mittleren Alters mit Internetbezug seien, dass sie gerade dieses Medium, auf diese Zielgruppe ausgerichtet, für ihre Werbung verwenden wollten. Jim McDowell, nordamerikanischer Marketingvizepräsident von BMW kam schließlich auf die Idee von Kurzfilmen, welche sich um die Automobile des bayrischen Herstellers drehen sollten. Und wie bereits Sir Richard Attenborough in Jurassic Park sagt: es wurden keine Kosten gescheut. Fallon Worldwide, BWMs Werbeagentur, wurde mit dem Projekt beauftragt, als Produzent konnte David Fincher gewonnen werden. Wenn sich jemand fragt, was Hollywoodstar Clive Owen eigentlich vor dem Jahr 2002 gemacht hat...richtig - Werbung für BMW.

Insgesamt entstanden so acht Kurzfilme von sieben bis acht Minuten Lauflänge, alle mit Clive Owen in der Hauptrolle als unbenannter mysteriöser "Driver" und alle mit einem BMW Modell als Spielzeug. Hier dürfte Luc Besson seine Idee für The Transporter mit Jason Statham gewonnen haben, welcher 2002 entstand. Was die acht Kurzfilme unterschied war die Handlung und ihre Regisseure, die international angesehen waren. So ließen sich Legenden wie John Frankenheimer oder Ang Lee nicht lumpen, ihren Beitrag zum Projekt zu leisten. Genauso wenig wie es bei den Darstellern der Fall ist, zu sehen sind Oscarpreisträger wie Forest Whitaker und F. Murray Abraham, aber auch Stars wie Madonna, Gary Oldman oder Ray Liotta haben Auftritte.

In seiner Episode Chosen ließ es Ang Lee sich nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb auf sein damals in Planung stehendes Projekt Hulk (2003) abzugeben.

Ursprünglich waren nur fünf Folgen geplant, da BMW aber einen Anstieg von 12% bei den Verkaufszahlen für 2001 feststellte, entschied man sich die Serie mit drei weiteren Folgen zu erweitern. Schließlich sprangen für die drei Folgen der inoffiziellen zweiten Staffel die Scott Brüder Tony und Ridley als Produzenten ein, ersterer von beiden führte schließlich sogar Regie bei einem der Werbespots. Dies markiert auch eine Änderung des Grundtons der Werbefilme, war die erste Staffel von ihrem Charakter her eher ernst (z.B. Alejandro Gonzáles Iñárritus Powder Keg), kamen die drei Folgen der Zusatzstaffel knallbunt und actionreich daher. Obschon verschiedene DVD-Versionen der Serie für BMW-Kunden zugänglich gemacht wurden, verschwand die Serie im Herbst 2005 von der Homepage des Konzerns.

Das besondere, bzw. besonders schöne an The Hire ist, dass alle Episoden den jeweiligen Touch und die Hand ihrer Regisseure tragen, obwohl sie von verschiedenen Autoren, unter anderem Andrew Kevin Walker, stammen. Besonders auffällig ist dies bei Tony Scotts Beat The Devil, dass stark an Domino erinnert, oder auch bei Joe Carnahan's Ticker und Guy Ritchie's Star. Dabei haben die Geschichten mal mehr (Ticker) und mal weniger (Chosen) Handlung. Hierbei handelt es sich in der Tat um hochklassige Werbespots mit den teilweise besten Regisseuren unserer Zeit und den dazugehörigen Stars der Filmbranche. An sich ist The Hire folglich interessanter für Filmfans, als für Autonarren, denn irgendwie spielen die jeweilgen BMW-Typen immer eine untergeordnete Rolle. Ansehen lassen sich die Folgen auf YouTube, die Titel sind jeweils verlinkt.


5. Hostage (Regie: John Woo): Der "Driver" muss nach einer missglückten Geldübergabe versuchen das Leben der Geisel zu retten. Furiose Action, wie man sie von dem Asiaten gewöhnt ist.

4. Ambush (Regie: John Frankenheimer): Der "Driver" gerät in einen Hinterhalt, sein Passagier ist scheinbar im Besitz wertvoller Diamanten. Fortan inszeniert Frankenheimer eine Verfolgungsjagd a la Ronin.

3. Ticker (Regie: Joe Carnahan): Sein heutiger Auftrag (Don Cheadle) beschert dem "Driver" einen Helikopter und MG-Feuer. Alles hängt davon ab, dass Staatsagenten (Ray Liotta, Robert Patrick, Dennis Haysbert) einen mysertiösen Koffer rechtzeitig erhalten.

2. Beat The Devil (Regie: Tony Scott): Der "Driver" holt Soul-Legende James Brown ab und fährt diesen zu Luzifer (Gary Oldman) höchstpersönlich, damit Brown diesen und dessen Fahrer (Danny Trejo) zu einem Rennen um Brown's Seele herausfordern kann. Scott at his best - True Romance meets Domino!

1. The Follow (Regie: Wong Kar-Wai): Von einem Hollywood-Produzenten (Forest Whitaker) erhält der "Driver" die Mission die Ehefrau (Adriana Lima) seines Hauptdarstellers (Mickey Rourke) zu beschatten. Mit unglaublich schöner Musik untermalt liefert Wong Kar Wai den poetischsten der Werbespots ab.

Schwarze Schafe

Alter, ich will doch kein Nashorn operieren!

Man könnte fast meinen, es herrscht eine neue deutsche Welle in unserer Filmlandschaft. Dort ist es inzwischen zur Mode verkommen, seine Filme unabhängig zu produzieren, sodass man keinerlei kreative Eingriffe zu befürchten hat. Daher verzichtete Regisseur und Co-Autor Oliver Rihs auf Fördermittel für seinen Film und im Gegenzug dazu arbeiteten die Schauspieler/innen – darunter namhafte Vertreter wie Robert Stadlober, Tom Schilling und Marc Hosemann – auch ohne Bezahlung an Schwarze Schafe. Gemeinsam mit fünf Kollegen, darunter Kameramann Olivier Kolb, schrieb Rihs dieses kleine Potpourri fünf verschiedener Episoden, welche sich um finanzschwache Berliner Randgruppen drehen.

Boris (Marc Hosemann) ist ehemaliges Handmodel, tut aber so als wäre er reich und erschleicht sich einen One-Night-Stand mit einer Vogue-Redakteurin. Dummerweise verliebt er sich in diese und will sich daraufhin seiner Hand entledigen, da diese schließlich versichert ist. Breslin (Robert Stadlober) und Julian (Tom Schilling) bauen ihr Hasch öffentlich an und wollen eine Ökokommune dazu ausnutzen, ihre Wohnung zu renovieren. Da sich Breslin jedoch in einen der Kunden verschaut, werden die beiden selber rekrutiert. Charlotte (Jule Böwe) arbeitet auf einem Touristikboot, wo sie ihre ehemalige und inzwischen verheiratete Studienkommilitonin wiedertrifft. Da Charlotte ihr alkoholkranker Pennerfreund (Milan Peschel) peinlich ist, versucht sie sich in netten Gesprächen und Champagnerschlürfen. Ganz andere Probleme haben sowohl die Türkengang um Birol (Oktay Özdemir) als auch die beiden Punker Arnold (Daniel Zillmann) und Fred: beide Gruppen brauchen eine Frau. Während Fred ein satanistisches Ritual mit Arnolds Großmutter durchziehen will, müssen Birol und seine Kumpels den Freier einer Prostituierten bezahlen.

Dass Oliver Rihs gelernter Grafikdesigner ist, merkt man der Optik des Filmes an. Diese ist hauptsächlich Schwarz-Weiß, schwankt jedoch hin und wieder in ausgeblichene oder szenisch eingesetzte kräftige Farben. Die internationale Presse am Filmfestival von Edinburgh war scheinbar begeistert, gelobt wurde hier – wie mitunter an anderer Stelle kritisiert – die Verwendung verschiedener Körperflüssigkeiten durch den Film hinweg. Und in Schwarze Schafe gibt es ohne Frage alles zu sehen, von Erbrochenem über Kot bis hin zu erregierten Gliedern. Wer den Film jedoch darauf beschränkt tut ihm sicherlich unrecht. Selbstverständlich inszenatorisch unnötig sorg(t)en die Einbindung dieser Bilder für Lacher im Publikum und wird von den Machern wohl unter ihre anarchisch-schwarzhumorige Flagge gekehrt. Andere Kritiker hielten dem Film inhaltliche Schwächen vor und diese sind mitunter auch berechtigt, obschon seiner geringen Lauflänge kommt Schwarze Schafe auf der Leinwand wie ein Epos daher und zieht sich mitunter extrem.

Der Titel des Films ist dabei die bildende Maxime, hier ist jeder ein schwarzes Schaf, von Handmodel Boris über Birol, zu Arnold und Charlottes Freund Peter. Die schwarzen Schafe der Gesellschaft leiden unter Finanznöten und Liebeskummer, denn jede der Figuren zieht es zur Liebe – auf die eine oder andere Weise – hin. Und auch Regisseur Rihs und Kameramann Kolb sind schwarze Schafe mit diesem kleinen Werk, dass trotzdem Laune macht und in manchen Szenen zu gefallen weiß. Nimmt man das Gegenbeispiel Video Kings zur Hand, welches ebenfalls mit namenhaften Darstellern und ohne Fördermittel gedreht wurde, sieht man, wie man es richtig macht, bzw. machen kann. Fraglos kein Meisterwerk und äußerst kurzweilig ist es für seine Verhältnisse betrachtet dennoch ein respektables Stück Film.

7/10

29. September 2007

Vorlage vs. Film: Thank You for Smoking

Thank You for Smoking (1994)

Die Studentenverbindung Skull & Bones ist nicht unbekannt, nicht zuletzt dank des entsprechenden Spielfilms The Skulls (2000) mit Paul Walker. In der Tat ist Skull & Bones eine ausgesprochen einflussreiche Verbindung, die unter anderem US-Präsident George W. Bush und zwei seiner Vorgänger hervorgebracht hat. Zudem stellt sie weitere mächtige Wirtschaftsbosse, Journalisten und viele mehr. Einer dieser Männer ist Christopher Buckley, kein berühmter und kein berüchtigter Mann. Im Prinzip relativ unscheinbar verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Verfassen satirischer Romane. Aber er studierte an der Yale University, war Mitglied von Skull & Bones und später Chefredakteur des Magazins Esquire, sowie der Redenschreiber des ehemaligen Präsidenten George Bush. Größere Bekanntheit erlangte Buckley dann 1994, als sein zweiter Roman Thank You for Smoking für einige Kontroversen sorgte.

Der Held seiner Handlung ist Nick Naylor, Vizepräsident der Akademie für Tabakstudien und zugleich ihr Pressesprecher. Naylor war früher Journalist, ehe er fälschlicherweise den Tod des Präsidenten verkündete, und ist ein geborener Tatsachenverdreher oder wie er sich nennt: ein Möglichmacher. Als Sprachrohr der Tabaklobby ist er zugleich das Gesicht, das 300 Millionen Amerikaner mit Zigaretten in Verbindung bringen (und 250 Millionen von ihnen zum Hass auf ihn verleitet). Nick liebt jedoch seinen Job, schon allein deswegen, weil er ihn gut beherrscht. Und außerdem muss er auch noch seine Hypothek abbezahlen. Als Nick in einer landesweiten Talkshow einen Punktsieg für die Tabaklobby landet, avanciert er zum Liebling des Tabak-Tycoons Doak Boykin, allgemein nur „Captain“ genannt. Dies wiederum fährt Nicks Chef BR in die Parade, der eigentlich bereits seine Assistentin Jeanette auf Nicks Posten hieven wollte.

Nicks Leben gerät schließlich besonders aus den Fugen, als eine seiner vielen Morddrohungen beinahe wahr gemacht wird. Er wird von Terroristen einer Anti-Raucher-Bewegung entführt und durch Nikotinpflaster beinahe ins Jenseits befördert. Fortan genießen er und sein Arbeitgeber zwar die daraus folgende Publicity, hat aber neben Bodyguards nun auch das FBI an den Fersen. Seine Karriere gerät derweil immer mehr ins Schlingern. Was Nicks Leben dabei bestimmt, ist der Druck seiner Firma - sowie von 55 Millionen Rauchern -, der auf seinen Schultern lastet. Und seine Libido. Denn Nick muss sich auch mit mehreren Affären herumschlagen, unter anderem mit seiner potentiellen Nachfolgerin Jeanette, aber auch mit der neugierigen Lokalreporterin Heather Holloway. Da ist er schon froh, wenn ihm mal die Zeit bleibt, sich mit seinen beiden Freunden Polly und Bobby Jay zum Essen zu treffen oder seinen Chiropraktiker aufzusuchen.

Besonders zu Beginn wirken Buckleys Worte dabei oft hölzern und er verliert sich in vielen kurzen, beschreibenden Sätzen. Diese lassen ihn mitunter stümperhaft erscheinen und seine ausufernden Beschreibungen von nebencharakterlichen Hintergrundgeschichten sind etwas unnötig. Dies lässt dann allerdings in der Mitte des Buches nach und es entwickelt sich ein so lustig wie flotter Plot, dessen Herr in jeder Lage Nick ist. Buckley macht einem nichts vor, lässt den Leser an jedem Gedanken und jeder Einschätzung Nicks teilhaben. Hierbei nimmt er durch Nicks argumentative Art eine anti-lobbyistische Haltung ein, denn Nick ist sich sehr wohl bewusst, dass er immer Möglichkeiten sucht, die Wahrheit zu verdecken, dass Rauchen schädlich ist. Thank You for Smoking ist ein passabel geschriebenes, unterhaltsames Buch, wobei von einem Yale-Absolventen und Redenschreiber des US-Präsidenten mehr zu erwarten gewesen wäre.


Thank You for Smoking (2005)

If you argue correctly, you`re never wrong.

Auch wenn Planungen für mindestens ein anderes Buch bestehen, ist Thank You for Smoking der bis dato einzige verfilmte Roman von Christopher Buckley. Und es ist äußerst löblich, dass sich Regisseur und Autor Jason Reitman nicht auf die Hilfe und Unterstützung seines Vaters (Ivan Reitman, Ghostbusters) verlassen hat (im Gegensatz zu beispielsweise Sofia Coppola). Reitman, der von 1998 bis 2004 in sechs komödiantischen Kurzfilmen filmische Erfahrung gesammelt hat, adaptierte Buckleys Drehbuch zu einer kleinen, spitzfindigen Film-Satire mit einem bescheidenen Budget von lediglich sieben Millionen Dollar. Dafür konnte er viele Stars bis in die Nebenrollen gewinnen, die er alle persönlich mit einem Brief anschrieb, um ihnen nahe zubringen, weshalb gerade sie für die Rolle geeignet wären. Jede seiner ersten Wahlen hat akzeptiert.

Nick Naylor (Aaron Eckhart) ist geschiedener Vater und Pressesprecher sowie Vize-Präsident der Akademie für Tabakstudien in Washington D.C. Während er sich mit seiner politischen Nemesis, Vermonts Senator Ortolan Finisterre (William H. Macy), über Bilderwarnungen auf den Packungen von Zigaretten herumschlägt, will sein direkter Vorgesetzter, BR (J.K. Simmons), dass Nick in Hollywood dafür sorgt, dass Zigaretten wieder sexy gemacht werden - im Kino. Als wäre das noch nicht genug, versucht Nick zudem noch seinen Sohn Joey (Cameron Bright) richtig zu erziehen, seine Affäre mit der hiesigen Lokalreporterin Heather Holloway (Katie Holmes), die auch noch einen Artikel über ihn verfasst, am Laufen zu halten und lebend aus einer Geldübergabe mit dem an Lungenkrebs erkrankten Marlboro Man Lorne Lutch (Sam Elliott) heraus zu kommen.

Am meisten Aufsehen erregte Reitmans Film wohl deswegen, weil Katie Holmes’ Ehemann Tom Cruise darauf bestand, eine Nacktszene aus dem Film zu schneiden. Dabei weiß doch spätestens seit Sam Raimis The Gift jeder, wie die Brüste von Holmes aussehen. Großartig geschadet hat es dem Film scheinbar nicht und Thank You for Smoking konnte weltweit das Sechsfache seiner Kosten einspielen. Dass es nicht mehr war, lag wohl an der Einstellung, der Film sei anti-raucherfreundlich eingestellt, dabei hebt Reitman hervor, dass seine Intention durchaus neutral sei. In der Tat geht der Film sehr viel weniger als die Buchvorlage auf die nackten Zahlen ein, welche Nick gerne und in den meisten Fällen verdreht, sodass das Endbild seiner Idee entspricht. Wie er seinem Sohn Joey im Film so schön dialektisch erklärt: Wenn man richtig argumentiert, liegt man nie falsch.

Und wenn Nick etwas kann, dann reden. Dementsprechend setzt Reitman dessen Worte einem Gewehrmündungsfeuer gleich und hält den gesamten Film in einem sehr satirischen Ton, untermalt mit innovativen Schnitten und Kameraeinstellungen. Über allem strahlt dann das Zahnpastalächeln von Aaron Eckhart, der den geleckten Nick ebenso geleckt spielt. Auch die anderen Darsteller von Sam Elliott über J.K. Simmons bis hin zu Robert Duvall (Doak Boykin), Rob Lowe (Jeff Megall), David Koechner (Bobby Jay) und Maria Bello (Polly) erweisen sich als sprichwörtliches Faust-aufs-Auge. Die Figur der Jeanette wurde dagegen gestrichen und Teile ihres Charakters in die Figur von Heather Holloway eingearbeitet. Das ist an sich nicht weiter schlimm, fährt dem erzählerischen Ende der Vorlage jedoch in die Parade, weshalb das Filmende abgewandelt werden musste.

Hauptkritikpunkt der Adaption ist ihre emphatische Verschiebung der Ideale. So erhält Senator Finisterre eine ausführliche Portraitierung und nimmt mehr am Geschehen teil. Ebenso fällt die Gewichtung der Vater-Sohn-Beziehung aus. Sieht Nick im Roman Joey lediglich ein Mal, nimmt er ihn im Film sogar auf Geschäftsreisen mit und lässt ihn als sein Gewissen fungieren. Die Intention ist klar: Durch die Beziehung zu Joey soll Nick sympathischer wirken. Statt um Frauengeschichten geht es also um seinen erzieherischen Auftrag. Nur ist diese 0815-US-Familienmoral von gestern. Auch die fehlerhafte Gewichtung des Mordanschlags und dessen Hintergründe hätten dem Film mehr Zug gegeben. So ist Thank You for Smoking eine immer noch gelungene Adaption, die allerdings etwas vor sich hinplätschert und die Gewichtung auf die falschen Ideale setzt.

6.5/10

26. September 2007

Entourage - Season Two

Let's hug it out, bitch.

Das amerikanische Fernsehen blüht, es herrscht sozusagen ein Goldenes Zeitalter, nie gab es mehr hochklassige Serien, nie tummelten sich mehr Stars im Fernsehen. Galten TV-Serien früher für Hollywood-SchauspielerInnen noch als absolutes No-Go – so empfahl beispielweise Danny Aiello der jungen Natalie Portman beim Set von Leon – The Professional niemals fürs Fernsehen zu arbeiten – haben sich diese Zeiten nunmehr gewandelt. Zwar besteht das Grundgerüst der meisten Serien immer noch aus ehemaligen Stars eingestellter Serien (bsp. Matthew Fox in Lost oder Michael C. Hall in Dexter), aber die meisten Kinoschauspieler lassen es sich nicht nehmen, für eine oder zwei Episoden auch im TV aufzutreten. Ein Beispiel für eine solche Serie war Friends, die Stars wie Bruce Willis und Brad Pitt beherbergte, keine andere Serie scheint jedoch mit so vielen Gaststars aufwarten zu können, wie Entourage.

Wer meinen Beitrag zur ersten Staffel gelesen hat (falls das überhaupt auf jemand außer bullion zutrifft *g*), wird er sich erinnern, dass ich von dieser nicht sonderlich begeistert war und mir die zweite Staffel gegebenenfalls in der nächsten Sommerpause zu Gemüte führen wollte. Daraus ist dann doch schon/noch diese Sommerpause geworden. Aus einem ganz einfachen Grund: die Serie ist mir in der zweiten Staffel mehr ans Herz gewachsen. Ist zwar immer noch keine Offenbarung das Ganze, aber eine Steigerung. Trotzdem besteht die Serie hauptsächlich noch aus Kiffen und Vögeln, wobei dies besonders in der zweiten Hälfte abnimmt und sogar verschwindet, da die Serie hier einen (erstaunlich) ernsteren Ton einnimmt. Enttäuschenderweise bleiben dennoch die meisten Figuren oberflächlich und lassen eine gewisse Tiefe, bzw. Motivation vermissen. Mir fehlt hier eine Entwicklung, die bei Charakteren wie Vince oder Turtle nicht stattfindet.

Die Staffel ist von einem einzigen Thema durchzogen: Aquaman! Warner Bros. neuer Blockbuster soll unbedingt Vincent Chase (Adrian Greenier) in der Hauptrolle aufbieten. Befürworter des ganzen ist Vinces Agent Ari Gold (Jeremy Piven), der seinen Mandanten mal wieder in einem erfolgreichen Film sehen will. Doch Vince ist überhaupt nicht davon begeistert in einem hautengen Trikot durchs Wasser zu schwimmen, obschon ihm sein bester Freund und inzwischen auch Manager Eric “E“ Murphy (Kevin Connolly) das Drehbuch anpreist. Als sich die Jungs schließlich durchringen können erhalten ihre Hoffnungen erstmal einen Dämpfer durch die Mitteilung das James Cameron Regie führen wird. Während Vinces Bruder Johnny “Drama“ (Kevin Dillon) sich in einem Vorsprechen nach dem anderen und Turtle (Jerry Ferrara), das Mädchen für alles, in anderen Gefilden versuchen, müssen Vince, E und Ari um ihr begehrtes Aquaman-Projekt kämpfen.

War die erste Staffel noch verspielt und zwanglos, erhält die zweite nunmehr einen ernsteren Touch. Die Entscheidung den Indie-Film Queens Blvd. zu machen, hat Vinces Ruhm vorerst erkalten und die Filmangebote rar werden lassen. Als er sich für mehrere Millionen Dollar das Haus von Marlon Brando kauft sinken seine Finanzen auf einen Tiefstand. Nunmehr ist er gezwungen Aquaman zu machen, praktisch um seine Karriere zu retten. Erst als Oscarpreisträger James Cameron die Regie übernimmt, beginnt das Projekt auch Reize für Vince zu gewinnen. Drama versucht immer noch Rollenangebote zu ergattern und Turtle ist die Ulknudel der Serie, der keinen anderen Zweck als Stimmungslockerung erfüllt. Mehr in den Fokus geraten die beiden für Vince wichtigsten Männer: sein Manager E und sein Agent Ari. Wobei E mit seiner überheblichen und eingebildeten Art mit jeder Folge unerträglicher wird. So dermaßen von sich selbst überzeugt bringt er effektiv gesehen rein gar nichts für Vince.

Ganz im Gegensatz zu Ari, der sich inzwischen zu meiner Lieblingsfigur gemausert hat. Von allen Darstellern liefert Piven auch die beste Leistung, sodass er verdientermaßen dreimal hintereinander für den Emmy nominiert und zweimal davon Sieger wurde. Ari legt sich wirklich ins Zeug für Vince und dessen Karriere, riskiert dabei mehrmals seinen Job und seine Ehe. Traurigerweise wissen das Vince und E nicht zu schätzen oder zu würdigen, stattdessen treiben sie mehrmals ihre Spielchen mit dem armen Ari und verschlechtern seine Probleme auch noch. Stargast der Staffel ist zweifellos James Cameron, aber auch andere Größen wie Hugh Heffner, Mandy Moore und weitere geben sich die Ehre. Meine persönliche Lieblingsfolge ist dabei An Offer Refused, in welcher Drama sich einen Streit mit Ralph Macchio liefert und versucht sich in Hugh Heffner’s Poolparty einzuschleichen. Unter den gegebenen Umständen scheint es Entourage in die Sphäre meiner persönlichen Serien geschafft zu haben – auch wenn deren Zahl immer größer wird.

7.5/10

25. September 2007

Shoot ’Em Up

You know what I hate?

So recht wusste ich ja nicht was ich machen sollte. Als ich hin und wieder den Produktionsstatus dieses Werkes überprüfte, machte mich die Handlung nicht sonderlich an. Dann gab es jedoch eine positive Kritik in der Premiere-Fernsehzeitung, die den Film als „genial“ titulierte – zudem kann man zu Paul Giamati und Clive Owen irgendwie auch nicht nein sagen. Mr. Vincent Vega und der Kleriker haben mich dann auch bereits auf das eingestimmt, was zu erwarten war und was schließlich bestätigt wurde. Shoot `Em Up ist fraglos "die kurzweiligste Dauerschießerei seit langem“, und es lässt sich wohl einstimmig nicht verneinen, dass "Monica Bellucci, (…) keinesfalls eine Idealbesetzung“ ist. Ähnliches gilt auch für Owen, welcher hier „etwas deplaziert“ wirkt. Doch zu allen gleich noch mehr, zuvor habe ich auch noch eine schöne Zusammenfassung des ganzen Filmes in einem Satz gefunden. Und zwar stammt diese von Peter Travers vom Rolling Stone, der Shoot `Em Up als „wet dream for action junkies [that] leaves out logic and motivation“ beschreibt. Die Frage, welche sich an dieser Stelle stellt: worum geht es eigentlich?

Es geht um Folgendes: Mr. Smith (Clive Owen) sitzt an einer Bushaltestelle und mampft eine Karotte. Da wird er in eine Schießerei verwickelt, Ursache hierfür ist eine schwangere Frau, die von einem Mann verfolgt wird. Mit behänden Fingern schafft es Mr. Smith sich aller Antagonisten zu entledigen, bringt nebenher das Kind zur Welt und trifft auf seine designierte Nemesis: Hertz (Paul Giamatti). Die Mutter verstirbt leider und Smith ergreift mit dem Jungen die Flucht. Unterschlupf sucht er bei der Prostituierten Donna (Monica Bellucci), welche anfangs wenig begeistert ist als Adoptivmutter einzuspringen. Als Hertz und seine Männer die Verfolgung aufnehmen und neben dem Jungen und Smith auch Donna zur Zielscheibe wird, kommt diese etwas andere Patchworkfamilie einen Regierungskomplott auf die Spur.

Auf gewisse Weise mutet die Story etwas wie Babylon A.D. von Mathieu Kassovitz an, aber prinzipiell tut das nichts zur Sache. Regie und Drehbuch zu Shoot `Em Up stammen von Michael Davis, der einem nicht wirklich etwas sagt, genauso wenig wie seine Projekte. Die Tatsache, dass er zuerst die Szenen mit der Schießerei und danach die Handlung geschrieben hat, ist kein gutes Zeichen (und war es schon bei M:I: 2 nicht). Mit Shoot `Em Up ist ihm jedenfalls - an dieser Stelle paraphrasiere ich mal – eine Comicverfilmung gelungen, welche gar keinen Comic verfilmt. Von daher sollte man auch nicht nach Logik suchen, bzw. die Charaktere den Gesetzen der Physik unterordnen. Wobei sich eigentlich alle daran halten, nur eben Smith nicht. Dieser rennt wie Bugs Bunny auf Speed durch die Gegend und kaut eine Karotte nach der anderen, wenn er nicht seiner Leidenschaft über Flächen zu rutschen frönt.

Zweifelhaft ob eine Karotte wirklich zu all den Dingen taugt, für die sie Smith während des Filmes einsetzt. In einer Szene sagt Smith, dass Karotten gut für die Augen wären. Dabei hat mir meine Mutter immer gesagt, dass das Carotin nur richtig reinbombt, wenn man Karotten als Bestandteil einer Nahrung ist und nicht pur. Owen will hier ohnehin nicht so recht in die Rolle von Smith passen. Ziemlich lustlos oder überzogen cool präsentiert er seine Einzeiler. Da wäre man mit Gerard Butler besser beraten gewesen, was gleich zu der Bellucci führt, die spielt nämlich richtig mies (wie des öfteren). In die Rollen besser gepasst hätten vermutlich Butler und an seiner Seite Sophie Marceau. Zudem wirkt Owen/Smith wie ein Verschnitt aus MacGyver und Frank Castle - sehr bizarr. Besser gefällt einem da Giamatti, welcher in seiner Rolle mehr aufgeht und ihr auch mehr Leben einhaucht. Dies wird jedoch wieder dadurch zerstört, dass Davis Hertz ständig die dümmsten Dialogzeilen in den Mund legt.

Besonders gut gefielen mir die Zweckentfremdungen der Karotten und die Fallschirmszene, meine Lieblingsszene war die Aktion mit dem Neonzeichen, diese hatte am meisten Witz und Esprit. Ansonsten ist Shoot `Em Up erwartungsmäßig blutreich und handlungsarm geraten, wobei ich ihm die politische Nebenhandlung als red hering viel interessanter fand, wie das sinnlose Rumgeballer. Hier hätte Davis etwas mehr drauf eingehen, bzw. es ausarbeiten können, wobei der Film nur dann funktioniert würde, wenn man das ganze Drehbuch umgeschrieben hätte. Wenn man Moviebodycounts trauen kann, hat Mr. Smith immerhin seinen Platz in den Annalen gesichert und schiebt sich mit einem Bodycount von 141 nur knapp hinter Ogami Itto (Lone Wolf and Cub) auf Platz 2. Wer einen zugkräftigen sinnlosen Ballerfilm sehen will, dem lege ich dann doch lieber Domino ans Herz. Shoot `Em Up scheitert wie Smokin’ Aces an seinem coolen Narzissmus und seiner daraus folgenden Inkonsequenz.

5.5/10

24. September 2007

Superbad

McLovin in da fuckin’ house!

Der amerikanische Filmkritiker Sean Burns von Philadelphia Weekly behauptete, dass 2007 das Jahr sei, in welchem Seth Rogen und Judd Apatow die Filmkomödie gerettet haben. Zurückführen lässt sich dieses Statement auf Apatow’s im Juni gestarteten Knocked Up, der in den USA ein ebenso großer sleeper hit war, wie der zwei Monate später gestartete Superbad. Nicht nur zementierten beide Filme den durch The 40-Year-Old Virgin neu errungenen Comedy-Status von Apatow, sondern sie verhalfen sowohl Seth Rogen zum Durchbruch, als auch den beiden Hauptdarstellern Jonah Hill und Michael Cera. Dass Superbad die erfolgreichste High-School-Komödie aller Zeiten ist, passt da irgendwie ins Bild.

Die Teenager Seth (Jonah Hill), Evan (Michael Cera) und Fogell (Christopher Mintz-Plasse) sind das, was man im Allgemeinen als Nerds bezeichnet. Keiner von ihnen sieht sonderlich gut aus und hinzu kommt, dass sie bei ihren Mitschülern und besonders Mitschülerinnen nicht unbedingt beliebt sind. Hinzu kommt, dass sie in drei Wochen ihren Schulabschluss machen und noch immer nicht ihre Unschuld verloren haben. Aber was noch viel schlimmer ist: Seth und Evan sind Freunde seit Kindestagen und werden in wenigen Monaten durch den Besuch unterschiedlicher Universitäten getrennt. Da kommt es gerade recht, dass Seth auf die Party der kessen Jules (Emma Stone) eingeladen wird.

Als Ausgleich soll er den Alkohol für die Party besorgen, schließlich erhält Fogell am selben Tag (s)einen gefälschten Ausweis. Und da auch Evans Schwarm Becca (Martha MacIsaac) sich für die Party angekündigt hat, lautet Seths Plan, die Damen so abzufüllen, dass sie sich zu allen Schandtaten bereit erklären (“We could be that mistake!”). Erste Probleme treten auf, als Fogells Ausweis ihn zu einem 25-jährigen Hawaiianer namens „McLovin“ deklariert. Als er dann beim Alkoholeinkauf von den durchgeknallten Streifenpolizisten Slater (Bill Hader) und Michaels (Seth Rogen) abgeführt, während Seth und Evan andere Mittel finden müssen, um an Alkohol zu kommen, nimmt der Abend ungeahnte Entwicklungen.

Das Drehbuch zum Film schrieben Nebendarsteller Seth Rogen und sein Jugendfreund Evan Goldberg mit 13 Jahren. Die autobiographischen Elemente schlagen sich in den der zentralen Figuren nieder, die nach Rogen, Goldberg und ihrem Freund Sam Fogell benannt wurden. Und wer kann sich nicht an ein derartiges „Party“-Erlebnis erinnern, das Evan in der Pause Becca euphemistisch vorschwärmt? Wenn auch nicht alle, so kommen einem viele Momente des Films sehr vertraut vor. Schließlich dreht sich die Pubertät, beziehungsweise deren Endphase insbesondere um Partys, Alkohol und Sex - meist in Verbindung miteinander. Den Kern von Superbad bildet jedoch die Freundschaft von Seth und Evan.

Während die sich anbahnende Trennung der beiden zu emotionalen Ausbrüchen führt und damit dem Film eine gewisse charakterliche Tiefe verleiht, konzentriert sich Fogells nächtlicher Patrouillenausflug mit Slater und Michaels darauf, Brachialhumor zu zelebrieren. Rogen und SNL-Mitglied Hader spielen die beiden Anti-Bullen, die im Dienst trinken und bei roten Ampeln das Blaulicht aktivieren, mit soviel Hingabe und Spaß, dass sie den drei Jungdarstellern bisweilen sogar die Schau stehlen. Eine nette Ergänzung, aber aufgrund fehlender Präsenz unterfordert, stellt Emma Stone dar, die Jahre später durch ihre eigene High-School-Komödie Easy A ebenfalls vollends den Durchbruch in Hollywood schaffen sollte.

Während Mottolas Debütfilm zwar dem klassischen Ein-Tages-Szenario á la American Graffiti oder Dazed and Confused folgt, konterkariert sein Soundtrack etwas den klassischen Gentrebeitrag. Weniger auf Kontemporärmusik ausgelegt, als sich für peppigen Funk und Soul entscheidend, spiegelt die Musik mehr die Stimmung des Filmes wider, als die Zeit, in der er spielt. Löblich ist ebenso die sehr zur Schau gestellte und durchaus auch homoerotisch konnotierte Freundschaft der beiden Hauptfiguren, wie man sie eher selten in der Branche findet. Dementsprechend ist es für Seth weitaus tragischer, in Zukunft von Evan getrennt zu sein, als möglicherweise als Jungfrau aufs College zu gehen.

In seiner Summe ist Superbad nicht nur eine grandiose High School Komödie, mit unvergesslichen Figuren, sowie viel Charme und Herz, sondern auch zu recht die gelungenste Komödie des Filmjahres 2007. Der einzige Vorwurf, den man dem Drehbuch von Rogen und Goldberg machen kann, ist die fast zweistündige Laufzeit, die speziell während Evans und Seths Ausflug zu Marks (Kevin Corrigan) Hausparty ein paar Längen aufweist, wie man auch Exposition und Epilog hätte straffen können. Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau, machen die Beteiligten doch die meiste Zeit alles richtig. Vielleicht haben Rogen und Apatow 2007 nicht die Filmkomödie gerettet, aber immerhin die Filmkomödie 2007.

9.5/10

True Romance

I like you, Clarence. Always have. Always will.

Manchmal sieht man einen Film und obwohl man weiß von wem er ist, besteht dennoch kein Zweifel, dass selbst wenn man es nicht wüsste, man es dennoch erkennen würde. Wenn die Filme die Handschrift ihrer „Väter“ so sehr tragen, dass sie an sich von niemand anderem sein können, als ebenjener Person. In True Romance schreit jede Szene und jeder einzelne Satz „Tarantino!“, immer wieder „Tarantino!“ – daher verwundert es auch nicht, dass das Drehbuch tatsächlich von Tarantino stammt. Das Drehbuch schrieb Quentin Tarantino damals um seinen eigenen Film Reservoir Dogs zu finanzieren, welcher ein Jahr vor True Romance in die Kinos kam. Tarantino bekam damals das Mindestsalär von $50,000 ausbezahlt und ursprünglich bestand True Romance aus einem sehr viel längeren Skript, dessen andere Hälfte schließlich in den Film Natural Born Killers eingearbeitet wurde, der wenige Jahre später von Oliver Stone inszeniert worden ist. Es verwundert also nicht, wenn es zwischen True Romance und Reservoir Dogs Querverweise gibt.

Clarence (Christian Slater) ist ein Tunichtgut, der Comics verkauft, mit Elvis redet und an seinem Geburtstag ein Kung-Fu-Triple-Feature ansieht. Bei ebenjenem Sonny-Chiba-Triple-Feature lernt Clarence dann die Hure Alabama (Patricia Arquette) kennen, dabei ist Alabama eher ein Call-Girl als eine Hure. Obschon sie eigentlich nur für Clarence als Geburtstagsgeschenk engagiert wurde, verlieben sich beide unsterblich ineinander und heiraten am Morgen danach. Jetzt muss Clarence allerdings noch mit Alabamas Zuhälter Drexl (Gary Oldman) ein Wörtchen reden und ehe er sich versieht ist Drexl tot und Clarence hat dessen Kokain in Wert von einer halben Million Dollar bei sich. Ebenjenes Koks will er dann in Kalifornien verkaufen, während hinter ihm und seiner hübschen Frau fortan die sizilianische Mafia (Christopher Walken, James Gandolfini) her ist, die ihre Drogen wiederhaben will.

Ein Attribut das sicherlich auf True Romance – und auf viele andere Tony Scott Filme – zutrifft, ist: durchgeknallt. Clarence, dem Elvis nicht nur Mentor ist, sondern der mit diesem auch Sex haben würde, sollte dies je von ihm verlangt werden, lebt ebenso wie Alabama in seiner eigenen kleinen Welt, in der alles so ablaufen kann, wie er sich das vorstellt. Hier gibt es keine Regeln und manchmal auch keine Logik. Ein erstaunlicher Goof ist es daher, dass die Polizei zwar Clarence nicht des Mordes an Drexl verdächtigt, die Mafia ihn aber aufgrund seines Führerscheins in der Hand des Toten ausfindig macht. Solche Diskrepanzen nimmt man der Handlung jedoch nicht krumm, dafür ist sie viel zu liebenswürdig. Dies rührt insbesondere durch Hans Zimmers „Musica Poetica“ her, welches die einzige musikalische Untermalung darstellt und den meisten auf Terrence Malick’s Badlands bekannt sein dürfte (dieser war wiederum Tarantinos Inspiration zu Natural Born Killers). Ohnehin sind sowieso alle Charaktere hier sympathisch, selbst die unsympathischen wie der Killer Virgil (James Gandolfini), Cop Nicholson (Tom Sizemore) oder Produzent Lee (Saul Rubinek).

Dies ist auch ein weiterer Faktor, welcher den Film so kultig macht: sein Starensemble. Damals, als Christian Slater noch angesagt war, als man noch keine Ahnung hatte, wer Brad Pitt eigentlich ist. Da tauchen Stars wie Val Kilmer oder Christopher Walken in kleinen Nebenrollen auf, ebenso wie der leider verstorbene Chris Penn oder Samuel L. Jackson (auch wenn letzterer in der Mehrheit aller Hollywood-Filme mitspielt). Aber bereits hier lässt sich die erstaunliche Tendenz der Stars feststellen, auf Tarantinoschen Stoff abzufahren. Dieser wollte ursprünglich selber Regie führen, durfte jedoch nicht. Interessanterweise wollte auch Regisseur Tony Scott sowohl hier als auch bei Reservoir Dogs Regie führen, doch auch er durfte nicht. Eine entscheidende Abwandlung machte Scott jedoch insofern, als dass er Tarantinos unchronologische Erzählstruktur aufbrach und den Film linear erzählte, damit der Zuschauer weniger irritiert wäre. Vielleicht das gröbste Manko, denn dies hätte True Romance sicherlich noch einen Extratouch, bzw. einen tieferen Tarantino-Touch verliehen.

Mit den Jahren hat True Romance einige Abnutzungserscheinungen hinter sich und wirkt zu meinem eigenen Erstaunen relativ ruhig über weite Strecken, besonders zu Anfang, insofern ist er also doch weniger ein Action-, wie ein Liebesfilm und erinnert teilweise an David Lynch’s Wild At Heart. Besonders das Finale des Films (obschon von Tarantino geschrieben) trägt wieder die eindeutige Handschrift von Scott, der seine Affinität zu kräftigen Shoot-Outs auszuleben sucht, wie auch in Enemy of the State oder Domino zu sehen ist. Natürlich ist True Romance ohne Frage Kult, aber im Vergleich zu anderen Scott Filmen ist er erstaunlich ruhig und weißt nichts von seiner trashigen Seite wie in Domino auf, tendiert also doch sehr stark in Richtung Tarantino und dessen Dialoggeschwängerten Filmen. Ansonsten wird jedoch geballert und gevögelt was das Zeug hält, immer untermalt von Zimmers schönem Theme und untermalt von irgendeinem Hollywoodstar.

8.5/10

22. September 2007

Die Top 5: Stanley Kubrick

If it can be written, or thought, it can be filmed.

Stanley Kubrick wurde am 26. Juli 1928 in New York geboren. In seiner frühen Jugend wurde er mit zwei Beschäftigungen konfrontiert, die sein restliches Leben bestimmen sollten: mit zwölf lehrte ihn sein Vater Schach und ein Jahr später schenkte er ihm eine Kamera – Kubricks Begeisterung für Filme war geboren. Nun, gute achtzig Jahre später, wird Kubrick von vielen Menschen, darunter Steven Spielberg und mich eingeschlossen, als der beste und perfekteste Regisseur unserer Zeit aufgefasst. Seine unvergleichliche Art Geschichten über Bilder und Musik zu erzählen ist in dieser Form einzigartig und hat andere große Regisseure wie Ridley Scott, Spielberg und Quentin Tarantino beeinflusst. Vielmehr wird Kubrick jedoch distanziert begegnet, galt er doch als exzentrisch und größenwahnsinnig. Besonders seine Arbeit am Set und sein Umgang sowohl mit den Schauspielern wie der restlichen Crew sorgte immer wieder für Streit und Disput. Obschon selbst Stars wie Kirk Douglas oder Malcolm McDowell ihre Probleme mit dem Regisseur hatten, bestätigen sie ihm sein unermessliches Talent und sein Genie.

Zeitlebens als Perfektionist verschrien, tat sich Kubrick auch später daran die Abendschule zu besuchen, um seinen Notenschnitt zu verbessern, für welchen er sich während seiner Schulzeit nie begeistern konnte. Seine frühen Pfade des filmischen Weges bestritt er dabei als Photograph für Magazine, ehe er sich 1951 an ersten Dokumentarfilmen versuchte. Hier findet sich bereits die Liebe zum Detail, der Sinn für die richtige Einstellung und Ausleuchtung einer Szene, die seine späteren Filme, insbesondere Barry Lyndon (1975) beeinflussen sollten. Innerhalb von zwei Jahren drehte Kubrick von 1951 bis 1953 drei Dokumentarfilme von Kurzfilmcharakter, die heutzutage jedoch nur noch archivarisch vorhanden und nicht öffentlich zugänglich sind. Schließlich wagte dich Kubrick 1953 an sein erstes Spielfilmprojekt. In Fear and Desire (1953) erzählt er die Geschichte einer Soldateneinheit, die hinter feindlichen Linien festsitzt. Damals inszenierte Kubrick den Film alleine mit seiner damaligen Frau Toba Metz und den Darstellern. Obwohl der Film von den Kritikern löbliche Worte fand, versagte er kommerziell und Kubrick war später so beschämt von seinem Erstlingswerk, dass er fast alle Kopien aufkaufte und vernichtete. Nur wenige Kopien sind noch vorhanden und ebenso wie seine Dokumentarwerke nicht öffentlich zugänglich.

Zwei Jahre später unternahm Kubrick einen neuerlichen Versuch und es gelang ihm mit Killer’s Kiss (1955), zu Deutsch Der Tiger von New York, einen respektablen Film Noir abzuliefern. Killer’s Kiss markiert den letzten von Kubricks Filmen, der nicht auf einer literarischen Vorlage basiert und enthält bereits ebenjene Markenzeichen des Regisseurs, die in seine späteren Filme ebenfalls Einzug finden sollten, darunter ein Dreiecksverhältnis der Charaktere oder Badezimmerszenen. Wie so oft wurde der Film in unmittelbarer Nähe von Kubricks damaligen Wohnort gedreht und zu diesem Zeitpunkt von einem Darlehen seines Onkels und Kubricks eigenen Wohlfahrtsbezügen finanziert. Ein Jahr später konnte Kubrick dann schließlich seinen filmischen Durchbruch verbuchen, mit dem erneuten Film Noir The Killing (1965), in Deutschland unter dem Titel Die Rechnung ging nicht auf vertrieben. Hier revolutionierte Kubrick das Erzählkino durch unchronologische Zeitsprünge innerhalb der Handlung, was später die Werke von Tarantino beeinflussen und Kubrick selbst Auseinandersetzungen mit dem Studio bescheren sollte. Für Kubricks Verhältnisse wurde der Film damals in erstaunlichen 24 Tagen abgedreht, eine Dauer, die er später nicht mehr erfüllen sollte.

Markenzeichen von Kubrick war es in alle seine Filme eine Badezimmer-Szene einzubauen, wie hier in Barry Lyndon (1975)

Sein erstes größeres Studioprojekt durfte er im Jahr darauf mit Paths of Glory (1957) abliefern, welches aufgrund seiner Thematik in Frankreich und Spanien jahrelang auf dem Index stand. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Kubrick sich (s)einen unwideruflichen Ruf als Regisseur geschaffen. Drei Jahre später mit Spartacus (1960) hatte er sich auch seine berüchtigte Seite im Business geschaffen: Zwiste mit seinen Schauspielern (Douglas), immer wieder wiederholende Aufnahmen und eine extrem lange Drehzeit von fast einem Jahr. Und Spartacus bildet auch den Anfang für Kubricks vielleicht größtem Makel: die Tendenz sich in seinen eigenen Bildern zu verlieren. Bei jedem seiner folgenden Projekte wird er mehrere Stunden Filmmaterial drehen und sich oftmals ungern von diesem trennen, sodass die wenigsten seiner Filme kürzer als zwei Stunden sind und viele beinahe drei Stunden dauern. Mit Spartacus beginnt ebenfalls die wiederkehrende Verwendung von Musik, welche vor dem Film und in seiner Mitte als Überbrückung eingesetzt wurde. Spartacus und der zwei Jahre später entstandene Lolita (1962) bescherten Kubrick aber auch immer wiederkehrende Probleme mit der Zensur und nach beiden Filmen ließ er sich die alleinige kreative Kontrolle über seine Filme zusichern, was ab den siebziger Jahren in wiederkehrende explizite sexuelle Darstellung mündete, welche vorher nicht zu sehen war.

Seine größte und erfolgreichste Schaffensperiode hatte Kubrick wohl in den Sechzigern, welche in den Meisterwerken Dr. Strangelove or: How I Learned To Stop Worrying and Love The Bomb (1964) und 2001: A Space Odyssey (1968) mündete. Anschließend vergrößerten sich die Abstände zwischen seinen Filmen und er trat seltener als zuvor als Regisseur auf. Seine große Stärke war seine Perfektion, jede Szene ist perfekt eingestellt, perfekt ausgeleuchtet, alles auf den Punkt gebracht. Mitunter ließ Kubrick Szenen an die siebzig Mal wiederholen, solange, wie Nicole Kidman später sagte, bis er jede Möglichkeit, jeden Ausbruch an potentieller Magie, den die Szene haben konnte, eingefangen hatte. Immer mit passender und oftmals klassischer Musik untermalt erzählte Kubrick nie dieselbe Geschichte. Keiner seiner Filme war einem anderen ähnlich, sei es eine Science Fiction Oper, eine Politsatire, Kriegsportraitierung oder Horrorverfilmung. Er verfilmte ein Monumentalepos, einen Kostümfilm, sowie Film Noir, Heistmovie oder Gerichtsdrama. Und unabhängig von dem Genre traf er immer den richtigen und den notwendigen Ton. Und wenn Kubrick mit dem Ergebnis seiner Arbeiter nicht zufrieden war, war er auch gewillt deren Arbeit – beispielsweise als Kameramann – selber auszuüben.

Mit Paths of Glory (1958) gelang Stanley Kubrick schließlich der Durchbruch und er etablierte sich als Hollywood-Regisseur.

Durch seine Karriere hindurch wurde Kubrick oft als taktlos und rüde bezeichnet, als ein Mann der viel Kälte zeige und keine Rücksicht auf die Gefühle anderer Menschen nehme. Einblick darin kann man im Making Of zu The Shining (1980) erhalten, wo Kubrick mehrfach harsch mit Hauptdarstellerin Shelley Duvall umgeht. Diese verteidigte Kubrick jedoch im Nachhinein und schrieb grade seinem Verhalten zu, dass sie im Film das Beste aus sich herausgeholt hatte. Schauspieler James Earl Jones vertrat die weithin verbreitete Meinung, dass Kubrick respektlos mit seinen Schauspielern umging und sie als Instrumente seiner Inszenierung sah, anstatt ihnen ihren kreativen Freiraum zu lassen. Beispiele aus Dr. Strangelove und A Clockwork Orange oder Full Metal Jacket (1987) beweisen jedoch das Gegenteil, wo er Änderungen in der Handlung vornahm, nachdem Peter Sellers oder Malcolm McDowell entsprechende Vorschläge vorgebracht hatten. Mit Lob am Set war Kubrick auch äußerst sparsam, teilte es jedoch hinterher – besonders den Technikern von 2001 – gerne und bereitwillig aus. Kubrick war folglich kein herzloser kalter Mann, sondern Kollegen wie Sidney Pollack, Steven Spielberg oder auch Tom Cruise, Jack Nicholson und Nicole Kidman beschreiben ihn als liebevollen guten Menschen, der ein großes Herz für Tiere hatte

Noch ein Vorwurf, welchem ich auch in der Bloggersphäre begegnet bin, ist, dass Kubricks Filme kalt seinen, lieblos inszeniert und die Schauspieler hinter die Handlung zurückstellend. Kubrick erzählt seine Geschichten in der Tat so, dass der Zuschauer nichts anderes ist, als ein ebensolcher Zuschauer. Er wird nicht in die Handlung eingebunden und fühlt nicht so mit seinen Figuren mit, wie es beispielsweise bei Steven Spielberg oder Tim Burton der Fall ist. Kubrick rückt meisten aber auch keine Figuren in den Mittelpunkt, welche die Sympathien des Publikums verdient hätten, Kubrick interessierte sich für das Schlechte im Menschen, für die Gewalt. Zu einer Figur wie Jack Torrance (The Shining), Alex (A Clockwork Orange) oder Redmond Barry (Barry Lyndon) muss man die entsprechende Distanz aufbauen, es handelt sich um schlechte, um böswillige Charaktere, diese stehen meistens hinter ihren Taten zurück, bzw. werden durch ebenjene charakterisiert. Seine inszenatorische Fähigkeit macht Kubrick nicht nur zu einem Regisseur, sondern zu einem Künstler, sodass fast jedes seiner Werke nicht nur als Meisterwerk per se, sondern als Kunstwerk zu betrachten ist. Obschon es schwer ist, da sich die meisten seiner Filme auf demselben hohen Niveau befinden, wird im folgenden eine – selbstverständlich subjektive und nicht repräsentative – Liste der fünf besten Filme von Stanley Kubrick gegeben – eines der größten Geschichtenerzählers unserer Zeit:


5. The Killing (1956): Kubricks meisterhafter Heistmovie, der trotz eher schwachem Ende das Erzählkino mit seinen unchronologischen Zeitsprüngen revolutionierte und damit Vorarbeit zu Tarantinos Reservoir Dogs leistete. Mit allen Elementen des klassischen Film Noirs ausgezeichnet, inklusive femme fatale, Gangster und korrupten Bullen. Wegen ebenjener Erzählstruktur den Vorzug vor Paths of Glory erhalten.

4. A Clockwork Orange (1971): Romanadaption von Anthony Burgess über einen sozial orientierungslosen Teenager, welcher mit zweifelhaften Methoden vom Täter zum Opfer getrimmt wird. Mitunter zwar etwas over the top, von seiner Thematik aber (fehlerhafte Erziehung, laxes Sexualverständnis, Gewaltbereitschaft) jedoch aktueller wie nie, mit Anleihen an Charles Dickens Weihnachtsgeschichte.

3. Eyes Wide Shut (1999): Kubricks persönlicher Lieblingsfilm, basierend auf Arthur Schnitzlers Traumnovelle über die verquere Odyssee eines New Yorker Arztes zur Weihnachtszeit. In kräftigen Farben und sehr poetischer Musik wird die Stellung, Faszination und Umgang von Sex in der heutigen Gesellschaft thematisiert und zudem ein erschreckend ehrliches Bild einer Beziehung, bzw. Ehe abgeliefert.

2. Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb (1964): Unglaublich mutige und zugleich realistische, hauptsächlich jedoch satirische Portraitierung des Kalten Krieg Konfliktes. Paraderolle für Peter Sellers in einem zynischen Stück über Existenzangst und Xenophobie, dabei zeitlos aktuell und obschon seines Charakters politisch wertvoll.

1. 2001: A Space Odyssey (1968): Der Science-Fiction Film schlechthin, Kubrick gelingt hier eine visuelle Oper von epischer Bandbreite. Bildkino in seiner Reinform, taucht in der Hälfte des Films keiner Dialog auf. Technisch eine Meisterleistung stellt Kubrick die Gefahr einer künstlichen Intelligenz dar, wie es nicht einmal James Cameron vermag. Ein atemberaubendes metaphysisches Erlebnis über Sein und Nichtsein, welches selbst Papst Johannes Paul II. so begeistert hat, dass der Vatikan den Film zu den Besten aller Zeiten erwählte.

21. September 2007

Artificial Intelligence

He who is without “sim”, cast the first stone.

Gegen Ende der 1980er Jahre hatte Regisseur Stanley Kubrick eine Vision für eines seiner vielen Film-Projekte, basierend auf der Kurzgeschichte Super-Toys Last All Summer Long von Brian Aldiss. Obschon Aldiss und Kubrick bis Mitte der 1990er hinein an einer Realisierung des Projektes arbeiteten, schieden sie aufgrund kreativer Differenzen schließlich auseinander. Stattdessen arbeitete Kubrick mit dem britischen SF-Autor Ian Watson an einer filmischen Umsetzung der Handlung. Nachdem Kubrick an die 200 Skizzen und Zeichnungen für das Storyboard Design ausgearbeitet hatte, bekam er immer mehr den Eindruck, dass die Handlung viel eher zu seinem Freund Steven Spielberg passen würde, denn ihm selbst. Diesen holte er während der Entwicklung an Bord und legte ihm den Film nahe, obschon er wiederum Kubrick als passenderen Regisseur empfand. Als Kubrick jedoch 1999 unerwartet verstarb, nahm sich Spielberg erneut des Projektes an und verwirklichte es bereits zwei Jahre später. Als Produktion von Stanley Kubrick geführt, stellte Spielberg mehrfach klar, dass Artificial Intelligence eine Hommage an Kubrick sei.

Monica (Frances O’Connor) und ihr Mann Henry (Sam Robards) haben ihren Sohn Martin an eine unheilbare Krankheit verloren, die Ärzte eine Genesung aufgegeben. Da gelingt in Henrys Firma Cybertronics eine Revolution, als deren Leiter, Prof. Hobby (William Hurt), einen Androiden herstellt, der Liebe empfinden kann. Dieser Android erhielt das äußere Erscheinungsbild von Hobbys eigenem verstorbenem Sohn David (Haley Joel Osment) und wird Henry als Prototyp anvertraut. Als Monica ihn programmiert und allmählich eine tiefe Zuneigung zu ihm empfindet, geschieht das Unerwartete: Martin erfährt eine Heilung. In David einen Rivalen sehend, provoziert Martin diesen immer wieder, bis er ihn in eine Situation manövriert, in der David nicht mehr tragbar ist. Anstatt diesen jedoch zu Cybertronics zur Verschrottung zu bringen, setzt ihn Monica im Wald aus. David setzt alles daran, Monicas Liebe wiederzugewinnen und macht sich auf die Suche nach der Blauen Fee, die ihn in einen echten Jungen verwandeln soll. Auf seiner Odyssee trifft er den Sex-Androiden Gigolo Joe (Jude Law), der ihn auf seiner gefährlichen Reise begleitet.

Im Grunde ist Artificial Intelligence eine futuristische Variante von Carlo Collodis Pinocchio: ein künstlicher, gefertigter Junge, der zum richtigen, lebendigen Junge werden will. Dies war Kubricks Idee und hatte unter anderem zum Bruch mit Aldiss geführt. Mitunter wirkt die Geschichte von Spielberg, der hier zum ersten Mal seit Poltergeist selbst am Drehbuch schrieb (wobei er die Vorlage von Kubrick verwendete), als wäre sie von Philip K. Dick. Schließlich wird die Frage thematisiert, was einen Menschen menschlich macht. Mit David wurde ein Android gebaut, der (programmierte) Liebe empfinden kann und dennoch wird er vom Menschen verstoßen. Speziell die Szene der Flesh Fair, einem überdrehten und gladiatorenhaften Jahrmarkt, zeigt diese humane Angst vor der Vermenschlichung der Androiden. Deren Besitzer Lord Johnson Johnson (Brendan Gleeson) ist zwar fasziniert von David, setzt ihn jedoch trotzdem dem Showprogramm aus. Die gewaltgeile Menge bringt es dann allerdings doch nicht fertig, diesen jungenhaften Roboter zu vernichten, obschon er seinen mechanischen Gefährten primär äußerlich nicht unähnlich ist.

Szenen wie diese sind überaus düster, selbst wenn sie Spielbergs typische Handschrift tragen. Glauben will man es ihm aber nicht, wenn er behauptet, die düsteren Szenen stammen von ihm selber und die Kitschigen von Kubrick. Der gesamte Handlungsverlauf schreit stets „Spielberg“, weshalb Kubrick wohl mit dem Projekt an Spielberg herangetreten war. Zwar baut Spielberg viele kubriksche Elemente wie die Ausleuchtung der Szenen oder die Darstellung des Menschen als gewaltgeiles Tier ein, wie ein Film des Altmeisters selbst wirkt das Resultat dennoch bei weitem nicht. Stattdessen erinnert Artificial Intelligence durch und durch an Spielbergs Filmografie und nicht an die von Kubrick. Dieser warme und durchweg sympathische Charakter von David, ohne jeglichen Makel, öffnet die Herzen der Zuschauer und lässt sie mit ihm und seinen Schicksal mitfiebern. Ein Attribut, wie es auf eigentlich keinen Kubrick-Film zutrifft. Auch wenn Artificial Intelligence als Märchen gedacht ist, lässt sich der Film nicht in die Kubrick-Schablone pressen. Denn dafür ist er von seinen Farben zu bunt, zu kräftig und nicht zuletzt zu kitschig.

Für sein Projekt konnte Spielberg besonders in den Nebenrollen Stars gewinnen, neben Jude Law wurden auch die Stimmen von Ben Kingsley, Meryl Streep, Chris Rock und Robin Williams integriert. Für die Musik war John Williams verantwortlich, was wiederum ein Beispiel dafür ist, wie die kubriksche Verkleidung nicht authentisch wirkt. Denn sogar für Spielbergs Standard gerät die Musik extrem kitschig und aufgesetzt. Selbst als Spielberg-Film funktioniert Artificial Intelligence somit nicht, wirkt er doch wie eine Mischung aus E.T. und Minority Report. Besonders seine Familienmoral stößt dabei verstärkt bitter auf, was aber auch an der Schauspielerei von Osment liegen kann. Davids Gequengel nach der Blauen Fee und der Liebe zu Monica geht einem nämlich spätestens in der Mitte des Filmes tierisch auf den Keks. Hierbei sind die besonders vorstechenden Elemente von Spielberg natürlich das Kind als Held im Zentrum des Geschehens, sowie satte und kräftige Farben. Alles wirkt ziemlich gekünstelt, dabei lässt sich kaum Kritik an den Effekten finden, die in der Tat dem typisch spielbergschen Standards entsprechen.

Besonderes Highlight des Films ist Teddy, das filmische Beispiel eines Supertoys, der nicht nur knuffig aussieht, sondern auch eine goldige Stimme hat. Paradoxerweise ist Teddy auch die einzige rational denkende Figur in der gesamten Handlung. Sein katastrophales Ende findet Artificial Intelligence schließlich in seinem grotesk-absurden Finale (welches Spielberg erneut Kubrick). Sollte der Film so tatsächlich Kubricks Idee gewesen sein, wäre es die Schlechteste gewesen, die er je gehabt hatte. Aber hätte Kubrick den Film inszeniert, wäre er fraglos anders geworden. Vielleicht nicht zwingend unbedingt viel besser, aber sicherlich interessanter. So bleibt Artificial Intelligence der reine Versuch eines großen Regisseurs, die Idee eines anderen großen (größeren?) Regisseurs auf dessen Art und Weise zu verfilmen. Dabei ist das Ergebnis zu sehr Spielberg, um irgendwelche von Kubricks Elementen effektiv zu tragen und funktioniert nicht als Symbiose dieser beiden Männer, welche von ihrer Erzählstruktur so verschieden sind wie Feuer und Wasser. Am Ende ist das Resultat nicht mehr als ein gut gestylter, aber durchschnittlicher Film.

5.5/10

19. September 2007

This is Spinal Tap

Fuck the napkin!

Nicht von ungefähr gilt This is Spinal Tap als der Kultfilm überhaupt. Entsprechend hoch liegen die Erwartungen, wenn man den Film noch nicht kennt. So hatte ich von Regisseur Rob Reiner ein brachiales Gagfeuerwerk erwartet und fühlte mich im Nachhinein leicht enttäuscht. Sicherlich hat der Film zahlreiche geniale Momente und Szenen, aber auch viel, was ihn in der Luft hängen lässt. Und natürlich ist es ein Film, der besonders im Kontext seiner Zeit steht, in diesem Fall die Achtziger und des Heavy Metal Rocks. Wenn man bei Erscheinen des Films gerade in der Pubertät war und auf Rock stand, muss dieser Film für einen vermutlich genial gewesen sein und auf seine Art und Weise ist er das auf jedenF Fall auch heute noch.

Doku-Filmer Marty DiBergi (Rob Reiner) begleitet die britische Heavy-Metal-Band Spinal Tap auf ihrer US-Tour. Die Gründer der Band, David St. Hubbins (Michael McKean) und Nigel Tuffnel (Christopher Guest), kennen sich bereits seit ihrer Kindheit, daneben ist Derek Smalls (Harry Shearer) das älteste Band-Mitglied. Spinal Tap befindet sich im Herbst ihrer Karriere und treten inzwischen in Hallen mit einer Kapazität von 1.200 Sitzen auf, statt wie früher noch mit 12.000. Auch werden viele ihrer Gigs überraschen abgesagt und oft hapert es mit dem Bühnendesign. Als Davids Freundin Jeanine zur Band stößt, polarisiert sie derart, dass sich Bandmanager Ian Faith als auch Nigel langsam von David entfremden.

Geschildert werden mit verwackelter Handkamera die Probleme, denen eine Band während einer Tournee begegnet. Zum Beispiel verläuft sich die Band auf dem Weg zur Bühne, Gigs werden abgesagt, Reservierungen missverstanden und es gibt Ärger mit der Plattenfirma, weil das Albumcover sexistisch sei. Hierbei werden die Bandmitglieder auch reichlich naiv dargestellt, allen voran Nigel. Aber genauso gerne hört man David dabei zu, wenn er das Ende der Band mit dem Ende der Galaxie vergleicht. Zum running gag entwickelt sich dabei der Verschleiß an Drummern, die stets eines mysteriösen Todes sterben und zum Zeitpunkt von DiBergis Films bereits die erstaunliche Anzahl von 32 erreicht haben.

Neben dem Film – der Cameos von Billy Chrystal, Anjelica Huston und Bruno Kirby bietet – ist auch die Hintergrundgeschichte nicht weniger unterhaltsam. So wurde Reiner mehrfach darauf angesprochen, dass er doch lieber einen besseren Kameramann und eine bekanntere Band für seine Dokumentation hätte wählen sollen. Vielen Menschen war scheinbar nicht bewusst, dass es sich nicht nur um eine rockumentary, sondern um eine mockumentary gehandelt hatte. Dabei scheinen die gezeigten Elemente im Film tatsächlich allgemein den Tatsachen entsprochen zu haben, so amüsierte sich beispielsweise Eddie Van Halen mit seiner Band darüber, dass ihnen viel aus Spinal Tap selbst schon passierte.

Wenig Fiktives und Lustiges konnte auch Aerosmith-Frontmann Steven Tyler an Reiners Film ausmachen, da ihm und seiner Band angeblich alles im Film bereits am eigenen Leib geschehen war. Der Film, welcher von solchen Größen wie den Beatles oder Led Zepplin inspiriert und beeinflusst ist, hat somit verständlicherweise eine große Reputation innerhalb seiner Rock- und Musikbranche und ist zum Adjektiv avanciert, welches Bands wie Metallica oder R.E.M. verwenden, um ihre eigenen entsprechenden Tourneen als “very spinal tap“ zu bezeichnen. Dahingehend ist This is Spinal Tap ohne Frage ein Kultfilm, der auch den Menschen gefallen sollte, die nicht auf (Heavy Metal) Rock stehen und allemal eine Sichtung wert.

8/10

17. September 2007

Mr. Brooks

I don't enjoy killing. I do it because I'm addicted to it.

Und auch Kevin Costner ist in den Unweiten Hollywoods inzwischen verschwunden, seit er zum Club der Herren über 45 gehört. Da ergeht es ihm nicht unähnlicher als John Travolta, Kurt Russell oder anderen, deren Hoch-Zeit vorüber ging. Costners fand ein Jahrzehnt lang, Ende der Achtziger bis Ende der Neunziger, statt. Ob ihm letztendlich 3000 Miles To Graceland oder The Postman das Genick gebrochen hat, ist schwer zu beantworten. Seitdem muss sich der gute Kevin jedoch in anderen Rollen gut tun, bsp. in dem Pseudo-Psycho-Thriller Dragonfly oder als Hoffmanscher Charmeur in Rumor Has It… Einen wirklichen Bösewicht hat Costner dabei aber nie gespielt, sieht man mal von Perfect World und 3000 Miles ab. Und selbst da war kein richtig böser Bösewicht, jedenfalls keiner im Gary-Oldmanschen Verständnis. Da überrascht es dann schon, dass er in Mr. Brooks ebenjenen Mr. Brooks spielt – einen Serienmörder.

Derselbe Text lässt sich eigentlich auch über Demi Moore schreiben, welche die weibliche Hauptrolle inne hat und deren Hoch-Zeit ebenfalls ein gutes Jahrzehnt, Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger, währte, ehe auch hier die Frage ist, ob es Striptease oder G.I. Jane war, der ihre Karriere beinah zerstörte. Ruhig war es jedenfalls um sie geworden, ehe sie mit ihrem gestählten Körper im Sequel von Charlie’s Angels für Aufmerksamkeit sorgte. Genauso wie Costner überrascht auch Moore etwas in der Rollenwahl, spielt sie doch die toughe Ermittlerin Tracy Atwood. Unterstützt werden beide dann von William Hurt, der zwar nie wirklich eine Hoch-Zeit hatte, es jedoch meistens verstand in seinen Rollen zu glänzen (so auch wieder in Mr. Brooks, dessen Highlight er ist). Schmalspur-Comedian Dane Cook verkomplettiert diesen Cast unter der zweiten Regiearbeit von Bruce A. Evans. Der hat erstaunlicherweise seit 1992 keinen Film mehr gedreht und damals seine Spielfilmdebüt Kuffs herausgebracht. Schade eigentlich, muss man an dieser Stelle sagen, denn Kuffs fand ich immer ziemlich cool – im Übrigen begann damals auch die kurzweilige Hoch-Zeit von Christian Slater, aber das nur nebenbei.

Mr. Brooks ist also ein Serienmörder und mit solchen hat man es ja als Zuschauer schwer Sympathien aufzubringen. Earl Brooks ist aber kein leidenschaftlicher Mörder, sondern er ist Mann des Jahres und leidet – wie er es ausdrückt – unter einer Sucht, welche er mehr schlecht als recht bei den anonymen Alkoholikern versucht unter Kontrolle zu halten. Wäre da nicht sein Marshall (Hurt). Was Marshall genau ist, lässt sich schwer sagen, Earl’s Alter Ego trifft es denke ich am besten, denn für sein Gewissen ist er zu böse und um die Funktion des Teufelchens auf der Schulter auszuüben müsste auch ein ebensolches Engelchen vorhanden sein (was es aber nicht ist – es sei denn Marshall hat es getötet). Alter Ego passt meiner Ansicht nach also am besten und Marshall teilt Earl auch oft Informationen oder Entscheidungen mit, auf die dieser selber nicht zu kommen scheint und das Verhältnis beider zueinander ist durchaus freundschaftlich geprägt. Die Tatsache, dass Marshall immer im Plural von Earl spricht, wenn Gefahr im Raum steht, unterstützt wiederum meine Alter Ego These. Es wirkt zu Beginn so, als hätte Mr. Brooks seine „Sucht“ im Griff, bis ihn Marshall dazu „anstachelt“ ein Tanzpärchen umzubringen. Hierbei begeht Earl einen Fehler und hat alsbald mit Mr. Smith (Cook) einen Zeugen am Hals. Dieser will ihn jedoch nicht verpfeifen, sondern bei Earl’s nächstem Mord live dabei sein. Während sich Earl nunmehr mit einem blutgeilen „Praktikanten“ herumschlagen darf, steht ihm mit seiner schwangeren Tochter und seinem Interesse für die gegen ihn ermittelnde Ermittlerin Atwood weiterer Ärger ins Haus. Dabei will der gute Mr. Brooks doch nichts weiter als ein ganz normales Leben führen, ohne Blut an den Händen und sonstigen Gelüsten.

Aufmerksam auf Mr. Brooks haben mich meine Bloggerkollegen Timo und Jochen mit ihren positiven Worten nicht nur über den Film, sondern insbesondere über Costners Leistung gemacht (da wurde teils schon fast in Superlativen gesprochen). Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass Costner mich schauspielerisch ziemlich kalt gelassen hat. Die meiste Zeit des Films spielt er mit ein und demselben Gesichtsausdruck und an Leistungen wie in JFK oder Dances With Wolves kann er hier bedauerlicherweise nicht anknüpfen. Moore spielt akzeptabel und wie oben bereits hervorgehoben ist William Hurt das Sahnehäubchen des Films. Herrlich diabolisch und gekonnt souverän spielt er den Part des Marshall, sodass einem dessen Gegenwart gegen Ende des Films richtiggehend fehlt. Was manchmal störend wirkt, ist der Einsatz der Musik, welcher nicht immer zu passen scheint, auch wenn das Theme des Filmes recht gelungen wirkt. Leider reißt einen die Handlung nie wirklich mit und daher plätschert alles so vor sich dahin, das Ende wirkt recht absehbar. Wiederum gar nicht passen will die letzte Einstellung, die bei mir ein WTF-Moment hervorgerufen hat, in seiner Auflösung dann wiederum jedoch absolut unnötig wirkte. So bleibt Mr. Brooks ein solider, gut gemachter Thriller, den man aber nicht unbedingt im Kino sehen muss und der auch nicht sonderlich lange in Erinnerung bleibt.

6.5/10

16. September 2007

1408

It's an evil fucking room.

Neulich hab ich noch bei Premonition von den europäischen Regisseuren geredet, die durch ihren Erfolg ab in die US and A dürfen und dort als Debüt meistens einen zweitklassigen Thriller abliefern. Den Weinstein-Brüdern scheint es besonders Mikael Håfström angetan zu haben, denn nach seinem Debüt Derailed, mit Clive Owen und Jennifer Aniston, produzierten sie auch seinen zweiten US-Film. Diesmal darf Håfström sich an einer Kurzgeschichte vom Horror-Altmeister Stephen King austoben und in den meisten Fällen kann man in Hollywood mit Kingschem Stoff nicht viel falsch machen. In ebenjener Kurzgeschichte aus dem Jahr 2000 und dem filmischen Pendant dazu, ist, wie so oft in King’s Büchern, ein Schriftsteller die Hauptfigur und das Paranormale sein Antagonist.

Mike Enslin (John Cusack) ist Autor von Geistergeschichten, jedoch keiner fiktiven, sondern solcher die tatsächlich stattfinden sollen. Für seine Werke besucht er die zehn gruseligsten Friedhöfe und dergleichen, sein nächstes Buch soll sich um die zehn spukigsten Hotels drehen. Durch eine mysteriöse Postkarte wird er auf das Zimmer 1408 im New Yorker Dolphin Hotel aufmerksam gemacht und seine Nachforschungen ergeben, dass die Story auf gutem Fundament gebaut wurde. Obschon er eine Vergangenheit in New York hat, begibt er sich dorthin und schafft es mit Hilfe seines Verlegers (Tony Shalhoub) auch eine Reservierung für ebenjenes Zimmer zu erhalten. Bevor er jedoch eincheckt unternimmt der Hotelmanager Olin (Samuel L. Jackson) nochmals einen herzhaften Versuch Enslin davon abzubringen, in diesem verfluchten Zimmer zu übernachten. Kein Mensch hätte jemals länger als eine Stunde darin überlebt und ihm wären bereits über fünfzig Menschen zum Opfer gefallen. Enslin ist sichtlich angetan von Olin’s Geisterkonstrukt und besteht nunmehr darauf, dass ihm Zimmer 1408 überlassen wird. In diesem scheint auch alles genauso abzulaufen, wie Enslin es vorhergesehen hat, als plötzlich der Radiowecker umspringt und einen Countdown einläutet – einen Countdown von einer Stunde.

John Cusack spielt den Michael Enslin gut und er passt auch exzellent zu diesem Charakter, jedoch ist er erstaunlich moppelig geworden (oder die Kamera gaukelt dies nur vor) und dadurch kriegt er, bzw. seine Augen einen asiatischen Touch. Fand zumindest ich im Kino, obschon der Tatsache, dass die meisten Asiaten nicht dick(lich) sind. Aber egal. Samuel L. Jackson glänzt hier mal wieder und zeigt, dass er eigentlich ein sehr guter Schauspieler ist, auch wenn er dies manchmal in dubiosen Rollen oder Projekten konterkariert. Was er aber in manchen Szenen allein mit seinen Augen auszudrücken vermag, dafür wäre es schwer ihm passende Sätze in den Mund zu legen. Die Rolle von Mary McCormick ist ziemlich bedeutungslos und sie hat in dieser Funktion auch nur Kate Walsh (Grey’s Anatomy) ersetzt, die keine Zeit hatte. Schauspielerisch also eine akzeptable Leistung, bietet 1408 Referenzen zu The Amytiville Horror und dem von King selbst geschriebenen The Shining, auch die Zahl 13 findet nicht nur im Titel sondern auch in anderen Funktionen mehrfach Einzug in die Handlung.

Da ich nicht so ein Horror-Fan bin und vor allem durch die Musikuntermalung zumeist erschreckt werde, da meine Gedanken immer an den Bildern hängen bleiben, ist es dann schon lobenswert (oder kritisch, je nachdem), dass ich nur dreimal zusammengefahren bin und dies lag hauptsächlich an einem wiederkehrenden Schreckeffekt. Allgemein baut der Horrorfaktor jedoch in der zweiten Hälfte des Filmes ab und wandert eher ins Thriller-Genre, für mich selbst natürlich löblich, aber auch Ursache einer Spannungsarmut. Zudem wird zu Beginn ein Twist eingebaut, den man leicht durchschaut (auch wenn er am Ende nicht das ist, was ich erwartet hatte) und viele Details, die in der Kurzgeschichte vielleicht Sinn machen, im Film aber ins Leere laufen. Dazu zählt Enslin’s erster Roman, welcher wiederum mit seiner Beziehung zu seinem Vater zusammenhängt. Was dahinter steckt, kann man nur erahnen, erklärt oder weiter verfolgt wird es in der Kinofassung jedoch nicht. Auch das Geheimnis des Raumes, soviel sei an dieser Stelle vorweg genommen, wird nicht gelüftet (insofern es überhaupt vorhanden ist).

Dies sind die Wermutstropfen von 1408, dessen Handlung an und für sich okay ist, aber nicht besonders spektakulär. Håfström gelingt es aber – auch mit Zuhilfenahme von Hitchcock’s berühmtesten Kameraeffekt – eine durchdringliche und klaustrophobische Atmosphäre im Hotelzimmer zu schaffen. Hierbei beeindrucken vor allem die Effekte, welche sicherlich keine Maßstäbe setzen, sich aber perfekt in die Handlung einfügen. Zusammen mit Håfström’s Farbspiel kann sich das Publikum hervorragend in Enslins Lage hineinversetzen und somit kann sich der schwedische Regisseur nach seinem Reinfall mit Derailed wieder etwas etablieren. Der letzte Kritikpunkt wäre das Ende des Filmes, dass dem widerspricht, was man eigentlich erwartet und dadurch doch etwas deplaziert wirkt. Es wurde allerdings auch nachgedreht, nachdem das ursprüngliche Ende dem Testpublikum nicht gefallen hat, somit scheinen sich die Weinsteins also der Idee des kommerziellen Erfolgs lieber gebeugt zu haben. 1408 ist kein Meisterwerk des Horrors und fraglos kein großer Wurf, für John Cusack Fans und für zwischendurch dennoch empfehlenswert, wobei die Abnutzungserscheinungen nach mehrmaligen Sehen immens sein dürften.

6.5/10

15. September 2007

Paris, je t’aime

In pretending to be a man in love, he became a man in love.

Letztes Jahr gab es ein Filmprojekt der etwas größeren Sorte. In dem Episodenfilm Paris, je t’aime sollten die zwanzig Stadtteile (arrondissements) von Paris in entsprechende zwanzig Kurzfilme von fünf Minuten Länge mit der Thematik „Liebe“ eingebunden werden. Für jeden der Kurzfilme sollte ein anderer Regisseur verantwortlich sein. Einer der ersten Kurzfilme, die hierbei entstanden, war Tom Tykwer’s Beitrag Fabourg Saint-Denis mit Natalie Portman. Dieser wurde verschiedenen Regisseuren gezeigt, um ihnen ein Verständnis für das Projekt zu vermitteln, die Coen-Brüder stießen nach Sehen von Tykwer’s Film zu dem Großprojekt beispielsweise hinzu. Neben Joel und Ethan Coen, sowie Tom Tykwer, ließen sich auch noch andere renommierte Regisseure wie Walter Salles, Alfonso Cuaròn, Gus Van Sant, Wes Craven oder Alexander Payne zu dem Projekt dazu. Und auch die Schauspieler ließen sich nicht lumpen und so lassen sich neben Natalie Portman auch Steve Buscemi, Juliette Binoche, Willem Dafoe, Maggie Gyllenhaal, Catalina Sandino Moreno und viele andere in den Segmenten bewundern.

Die Liebe ist also die große Thematik und gewählt nach dem Motto, dass ja eben Paris die Stadt der Liebe sei. Daher drehen sich die Geschichte auch hauptsächlich um die Liebe, bzw. den Akt des Verliebens, sei dies in eine Frau, einen Mann oder eben in die Stadt Paris. Dabei haben die jeweiligen Geschichten selbst relativ wenig mit der Stadt Paris zu tun und ließen sich problemlos auf eine andere Stadt wie Kiew oder Mannheim übertragen, wenn man davon absieht, dass sie in einem der jeweiligen Stadtteile eingeordnet sind. Manche Regisseure wie die Coen-Brüder bleiben in ihrem Segment Tuileries einfach in einer U-Bahn-Station, während sich Ben Gazarra und Gena Rowlands in Gerard Depardieu’s Segment Quartier Latin in einem Café aufhalten. Hier trifft sich ein weiterer Kritikpunkt, denn es wäre wahrscheinlich besser gewesen, für dieses Projekt Regisseure zu wählen, die entweder aus Paris stammen, dort leben oder zumindest einmal eine längere Zeit dort verbracht haben. Schwer vorstellbar, dass zum Beispiel ein chinesischer Regisseur einen Kurzfilm in und über Berlin-Neukölnn dreht, wenn er selbst noch nie dort gewesen ist.

Manche der Segmente sind folglich von ihrer Handlung her nicht besonders großartig, aber passabel, bieten den Regisseuren zumindest Spielraum für ihr Handwerk. So hat zum Beispiel Alfonso Cuaròn mit Parc Monceau eine durchschnittliche Kurzgeschichte erzählt, diese jedoch in einer einzigen fortlaufenden Kameraeinstellung auf die Leinwand transportieren können. Auch Christopher Doyle schafft es mit Porte de Choisy ein schönes visuelles Erlebnis zu zaubern, wenngleich die Handlung seiner Geschichte die langweiligste von allen darstellt. Das Konzept des Filmes scheint aber aufgegangen zu sein, ist immerhin sozusagen eine Fortsetzung, bzw. ein Pendant zu diesem französischen Projekt geplant. Dieses soll im nächsten Jahr in die Kinos kommen und wird (mir unverständlicherweise) New York, je t’aime heißen. Bisher sind dafür unter anderem Park Chan-wook, Yvan Attal, Mira Nair, Fatih Akin und Zach Braff eingeplant, wobei hier wieder derselbe Kritikpunkt wie oben bereits erwähnt aufzuführen ist, denn was beispielsweise Fatih Akin von Queens, Harlem oder der Bronx weiß, ist mir nicht schlüssig.

Dennoch gelingt es Paris, je t’aime mitunter sehr nette und teilweise richtig ans Herz gehende Geschichten zu erzählen, gelegentlich auch mit tollen Kameraspielen, Einstellungen oder Farbelementen. Die Bewertung des Filmes erschließt sich aus der Bewertung jedes einzelnen Segmentes, wobei vier von ihnen die volle Punktzahl bekommen. Zu meinen Favoriten gehören Gurinder Chadha’s Quais de Seine, das von einer Zuneigung zwischen christlicher und islamischer Kultur erzählt, dazu Sylvain Chomet’s Tour Eiffel, eine sehr verspielte Geschichte eines Pantomimen auf der Suche nach der Liebe. Besonders nett geraten ist auch Isabel Coixet’s Beitrag Bastille über einen Mann, der sich wieder in seine Frau verliebt, als diese im Sterben liegt und den fraglos amüsantesten Beitrag liefern die Coen-Brüder mit Tuileries, in welchem Steve Buscemi als Tourist den Fehler macht, einem französischen Pärchen mit Augenkontakt zu begegnen. Gelungen fand ich auch Alexander Payne’s Beitrag des 14° Arrondissement, welches ganz seine ihm typische Handschrift trägt und den Abschluss unter dieses Filmprojekt bildet. Zwei Segmente und somit zwei Stadtteile fehlen im fertigen Film, da diese scheinbar nicht in das Gesamtkonzept gepasst haben – ebenjenes Gesamtkonzept kann sich jedoch, trotz der angesprochenen Kritikpunkte, sehen lassen.

7.5/10

14. September 2007

Entourage - Season One

You ask about a part for me, right?

Das amerikanische Fernsehen blüht, es herrscht sozusagen ein Goldenes Zeitalter, nie gab es mehr hochklassige Serien, nie tummelten sich mehr Stars im Fernsehen. Galten TV-Serien früher für Hollywood-SchauspielerInnen noch als absolutes No-Go – so empfahl beispielweise Danny Aiello der jungen Natalie Portman beim Set von Leon – The Professional niemals fürs Fernsehen zu arbeiten – haben sich diese Zeiten nunmehr gewandelt. Zwar besteht das Grundgerüst der meisten Serien immer noch aus ehemaligen Stars eingestellter Serien (bsp. Matthew Fox in Lost oder Michael C. Hall in Dexter), aber die meisten Kinoschauspieler lassen es sich nicht nehmen, für eine oder zwei Episoden auch im TV aufzutreten. Ein Beispiel für eine solche Serie war Friends, die Stars wie Bruce Willis und Brad Pitt beherbergte, keine andere Serie scheint jedoch mit so vielen Gaststars aufwarten zu können, wie Entourage.

Der kreative Kopf hinter Entourage ist Doug Ellin, der sich als Autor für die Bonnie Hunt Serie Life With Bonnie auszeichnen konnte. Entourage erschuf er um das Gerüst Marky Mark. Dieser steht Pate für die Figur von Vincent Chase (Adrian Grenier), einem jungen aufsteigenden Hollywood-Star aus New York. Dieser lebt zusammen mit seinen beiden Schulkumpels Eric (Kevin Connolly) und Turtle (Jerry Ferrara), sowie seinem Halbruder Johnny (Kevin Dillon) in einer Villa in Los Angeles. Johnny, bekannt als Johnny Drama, ist selber Schauspieler und hatte seine Glanzzeit mit der Fernsehserie Viking Quest. Diese wurde jedoch vor sieben Jahren eingestellt und so verdingt sich Johnny mehr oder weniger in der Entourage von seinem Bruder Vince. Dieser lässt sich wirklich nirgends ohne seine drei Kumpels blicken und bildet somit die titelgebende Entourage, welche heutzutage alltäglich geworden ist, reisen Leute wie Jennifer Lopez und John Travolta immerhin mit ihrem eigenen Friseur und Koch umher!

In der Glitzerwelt Hollywoods verbringen Vince und seine Jungs ihre Tage hauptsächlich mit Kiffen und Vögeln. Dazwischen gibt es auch gelegentliche Debatten mit Vince’s Agenten Ari (Jeremy Piven) um dessen nächste Filmprojekte. Aber eigentlich dreht sich alles nur ums Kiffen und Vögeln. Irgendwie erstaunlich, dass Marky Mark (der hier auch als ausführender Produzent fungiert) das alles unterstützt, schließlich wird die auf ihn basierende Figur des Vincent Chase aus dummer Nichtsnutz dargestellt. Vince kocht weder sein Essen selbst (das macht Drama), noch räumt er seine Sachen auf (das macht Turtle), geschweige denn liest er seine Drehbücher oder hält Termine ein (das tut Eric). Vince steht auf und kifft. Dann werden Weiber aufgerissen, mit denen er Sex hat, gerne auch zu dritt. Danach kifft er wieder, ehe es Abends um die Häuser geht, Weiber aufreißen und Sex haben. Ab und an gelingt es Eric, der von seinen Freunden nur E genannt wird und als Vince’s Manager anzusehen ist, Vince eines der Drehbücher nahe zu bringen, wenn sich nicht selbst mal wieder mit dem raffgierigen Ari in den Haaren liegt.

Alles in allem charakterisiert Entourage jede seiner Figuren als absolut durchgeknallt, von dem narzisstischen Taugenichts Vincent, zu dem überheblichen Eric, Prolet Turtle und Pseudoschauspieler Drama wie Raffzahn Ari. Wirkliche Handlungselemente sind nicht vorhanden, außer ebenjenes kiffen und ficken, aber manche Gastauftritte von Leuten wie Jessica Alba, Jimmy Kimmel, Luke Wilson, Scarlett Johansson und natürlich Marky Mark himself sind dann doch ganz nett gemacht. Die eigentlichen Stars sind Kevin Dillon als Johnny Drama, der es nicht lassen kann und seinem Bruder jedes Mal bittet für eine Rolle in dessen Projekt Ausschau zu halten.

Des Weiteren Jeremy Piven als Ari Gold, neben Drama die einzig authentische, dreidimensionale Figur, die mit ihrem Witz hervorstechen und für ihre Leistung in der dritten Staffel beide als beste Nebendarsteller für einen Emmy nominiert sind. Für Piven ist es sogar die dritte Nominierung hintereinander und im Vorjahr konnte er sogar als Sieger auf die Bühne gehen und den Preis in Empfang nehmen. Entourage ist eine Sitcom ohne tiefere Bedeutung und mit einer extrem kurzen Halbwertszeit. Als Snack für zwischendurch oder Lückenbüßer (wie in meinem Fall, nächste Woche geht endlich das neue Staffeljahr los!) ist die Serie dennoch ein kurzweiliges, anspruchsloses Vergnügen, dessen übrige Staffeln ich mir eventuell in der nächsten Sommerpause zu Gemüte führen werde.

7/10

13. September 2007

Breach

He was smarter than all of us.

Was macht ein Filmautor eigentlich für Filme, wenn er die Drehbücher für Filme wie Color of Night, Volcano, Hart’s War und Flightplan geschrieben hat? Überraschenderweise eben nicht solche Filme, im Gegenteil. Billy Ray hat für sein erstes Regieprojekt 2003 eine Geschichte über einen Journalisten erwählt, der viele seiner Reportagen einfach frei erfunden hat. Shattered Glass hieß dieser Film und wurde unter anderem mit Hayden Christensen, Peter Saarsgard, Chloë Sevigny und Rosario Dawson verfilmt. Ebenso wie Shattered Glass basierte auch Ray’s zweiter Film auf wahren Begebenheiten. Breach kam im Februar dieses Jahres in die amerikanischen Kinos und erzählt die Geschichte des FBI-Agenten Robert Hanssen, bzw. dessen Assistenten Eric O’Neill. Besonderes Lob erfuhr der Film für die Darstellung von Chris Cooper als Hanssen und es ist nicht auszuschließen, dass er hierfür erneut eine Oscarnominierung erhält.

Eric O’Neill (Ryan Phillippe) hat sich in den Dienst seines Landes gestellt und observiert potenzielle Terroristen, will eigentlich aber lieber ein Federal Agent sein, bzw. werden. Seine Chance erhält er, als im aufgetragen wird als Assistent für den Veteranagenten Robert Hanssen (Cooper) zu arbeiten. Dieser belästige angeblich weibliche Untergebene und O’Neill soll kontrollieren mit wem Hanssen über was genau spricht. Bald darauf stellt O’Neill jedoch fest, dass neben dem Fachgebiet auf Computerebene auch die katholische Erziehung eine Gemeinsamkeit zwischen Hanssen und ihm darstellt. Dessen Wissen und Familienleben beeindruckt den jungen Anwärter und so stellt er seine Vorgesetzten zur Rede. Diese offenbaren ihm den eigentlichen Hintergrund seiner Arbeit: Hanssen arbeitet als Doppelagent und russischer Spion, vermittelt diesen seit über fünfzehn Jahren Informationen über russische Spitzel und Aufenthaltsorte militärischer Einrichtungen. Doch Hanssen wird immer paranoider und O’Neill muss zusammen mit dem FBI rechtzeitig Beweismaterial finden.

Der Film selbst wird eingeleitet vom Pressestatement des 20. Januars 2001 durch den damaligen amerikanischen Justizminister John Ashcroft. Dieser teilt mit, dass es zwei Tage zuvor gelungen sei, mit Robert Hanssen den größten Spion der amerikanischen Geschichte zu verhaften. Dadurch ist die gesamte Spannung des Films natürlich dahin, wobei viele Amerikaner, welche wohl das Hauptpublikum darstellen, ohnehin über Hanssen Bescheid gewusst haben dürften. Da man als Zuschauer weiß, dass Hanssen überführt wird, baut sich keine rechte Spannung auf, besonders nicht in den genretypischen Spannungselementen, wo der Protagonist immer kurz davor steht aufzufliegen. Folglich ist Breach eine Charakterisierung der zwei Hauptfiguren Hanssen und O’Neill. Wer sind diese Männer, wie sieht ihre Familiensituation aus, was verbindet sie und was trennt sie voneinander. Der wie immer fabelhafte Chris Cooper zeigt uns einen paranoiden Hanssen, jemand der seit fünfzehn Jahren spioniert und bereits schon einmal auf seine eigene Fährte angelegt war. Ein durch und durch christlicher Amerikaner, der jeden Tag in die Kirche geht und der ebenjene amerikanischen Elemente hochhält, für welche sich die USA immer so stolz auszeichnen.

Aber auch er hat seine Geheimnisse, verschickt beispielsweise Amateurpornos mit seiner Frau an Bekannte. Dennoch fasziniert dieser Mann O’Neill und es wächst so etwas wie eine Männerfreundschaft zwischen den beiden, begründet auf ihren katholischen Glauben. Dies und die Vorwegnahme des Endes, sowie die üblichen Spannungselemente sind jedoch so altbacken, bekannt und vorhersehbar, dass man dem Film (welcher ordentlich inszeniert ist, mit Laura Linney und Dennis Haysbert in Nebenrollen) eher beiläufig folgt. Was kann man auch schon groß verpassen? Man muss keine Puzzleteile zusammenfügen und sollte man eben für fünf Minuten vom Bildschirm oder dem Kinosaal verschwinden und zurückkommen, verpasst man höchstens eine weitere charakterliche Begebenheit, aber nichts essentielles des Films. Ray hält Breach in sehr kühlen Bildern, oft in Garagen, Parks oder anderen verlassen Orten, sodass der Film zwar in Washington D.C. spielt, irgendwie aber auch in seiner eigenen kleinen verlassenen Welt. Da beinah jedes Element des Films jedoch von der Realität, bzw. dem Genre vorgegeben ist, entwickelt sich leider keine rechte Spannung in diesen durchaus gut gespielten Spionagethriller.

6.5/10