11. September 2008

Outlander

You think you can frighten us with children stories?

Wer kennt sie nicht, die Geschichten der tapferen und blutrünstigen Wikinger? Bekannt durch Filme wie Die Wikinger mit Kirk Douglas und Tony Curtis oder durch die Comicstrips Hägar der Schreckliche oder Vickie und die starken Männer. Und wer kennt nicht die Story vom außerirdischen Jäger, die durch das Meisterwerk Predator Einzug in die Filmgeschichte genommen hat? Oder die Legenden von Drachen, die in Hollywood neben ihrem klassischen Kontext in Filmen wie Dragonheart oder individuell in Reign of Fire verarbeitet wurde? Was kann es also für einen Filmfan größeres geben, als die Verbindung all dieser Komponenten? Ein außerirdischer Jäger der mit Wikingern zusammen Drachen jagt. Das hört sich nicht nur nach Trash Galore an, das verspricht im Grunde bereits der Trailer. Und der kündigt auch an, dass Outlander von Produzent Barrie M. Osborne finanziert wurde und der ist immerhin verantwortlich für einen Film namens Lord of the Ring. Ich selbst kenne zwar weder einen Film mit solchem Namen, noch habe ich je von ihm gehört, gehe jedoch schwer davon aus, dass die Macher auf Peter Jacksons Tolkien-Adaption Lord of the Rings anspielen. Nun gut, es kann sich ja nicht jeder den Namen der kommerziell erfolgreichsten Filmtrilogie aller Zeiten merken. Oder vielleicht war es Absicht, wer weiß dass schon. Auf den Trailer sollte man jedoch nicht zu viel geben, denn den versprochenen Trash sucht man in Outlander anschließend vergeblich.

Ein außerirdisches Raumschiff stürzt auf der Erde ab, mit tödlichem Kargo. Das kennt man ja bereits aus Aliens vs. Predator: Requiem. Lediglich zwei Überlebende beherbergt das Schiff: den Soldaten/Jäger Kainan (James Caviezel) und das Ungeheuer Moorwen. Während Kainan den Flugschreiber einschaltet, damit er abgeholt werden kann, transferiert er seine Sprachkodierung auf die entsprechende Gegend und Epoche der Erde. Anfang des achten Jahrhunderts findet sich der Außerirdische in Norwegen wieder. Im Wikingerzeitalter. Mit jenen gerät Kainan dann auch recht schnell aneinander, wurde doch das Dorf eines benachbarten Clans gebrandschatzt. Weder der König Rothgar (John Hurt), noch dessen designierter Nachfolger Wulfric (Jack Huston) glauben dem „Outlander“ seine Story von der Drachenjagd. Schließlich gibt es keine Drachen. Dennoch jagen sie gemeinsam mit ihm jenes Monster, welches auch ihr eigenes Lager heimgesucht hat. Doch der Bär, den sie erledigen, täuscht lediglich die Wikinger. Kainan ist weiterhin auf der Lauer und erst als die Wikinger selbst dem Moorwen in die Augen blicken, glauben sie Kainans Geschichte. Nun sind sie Feuer und Flamme für die Ideen des Fremdlings, der schon bald einen Plan aufzuwarten hat. Dabei versteckt sich hinter Kainans Heimatwelt, den Moorwens und der Beziehung dieser beiden Geschöpfe eine sehr viel vielschichtigere Geschichte, als sich zuerst vermuten lässt. Diese ist weniger für Outlander selbst relevant, sondern an das (amerikanische) Publikum gerichtet und wartet in ihrem Kern mit einer politischen Botschaft auf.

Man sollte sich von Howard McCains Kinodebüt nicht täuschen lassen, all die Ähnlichkeiten zu Predator, Braveheart oder Highlander sind kaum vorhanden und wenn dann äußerst minimal. Verspricht der Trailer ein Nonsens-Trash-Vehikel, so ist der Film sehr viel stringenter als man geahnt hätte. Der Konflikt zwischen Rothgars und Gunnars (Ron Perlman) Volk wird kaum thematisiert und wird von der Ankunft des Moorwen in den Hintergrund gerückt. Viel bedeutsamer als die vordergründige Geschichte in Outlander ist dabei der Hintergrund der Rahmenhandlung. Kainans Volk ist technologisch überlegen, humanoid und geltungssüchtig. In einer Szene des Filmes, die man zu diesem Zeitpunkt als Katharsis der Figur empfindet – obschon sich später herausstellt, dass diese keine solche durchmacht -, erläutert Kainan dies gegenüber Freya (Sophia Myles), der Tochter Rothgars. Kainans Volk ist imperialistisch, bedient sich anderer Planeten um neuen Raum für das eigene Volk zu schaffen. So entdeckten sie auch den Planeten der Moorwens, welche anschließend weitestgehend durch Bomben vernichtet wurden, während die wenigen Überlebenden einzeln gejagt wurden. Ebenjenes Moorwen bildet dabei das letzte seiner Art, vernichtete das Camp von Kainan und tötete seine Frau und seinen Sohn.

Jene fünf Minuten sind klar eine Kritik an unserer eigenen Gesellschaft, die so viele Ähnlichkeiten mit Kainans besitzt. Wenn er seine Geschichte mit Tränen und Kummer in den Augen erzählt, merkt er selbst, dass sowohl sein Volk als auch er selbst den Moorwens Unrecht getan hat, dass sie es sind, die im Grunde die wahren Monster darstellen. Nun würde man meinen, dass eine Art Verzeihen oder Kommunikation zwischen Jäger und Gejagtem stattfindet, doch weit gefehlt. Hier verrät sich der Film selbst oder zumindest wird der Held der Geschichte als kaltblütig dargestellt. Der Sinn der Rückblende, die doch eine Einsicht beinhaltet, wird bei der Umkehr dieser nicht wirklich klar. Ebenso wenig wie andere Aspekte von Outlander Sinn ergeben. So erklärt Kainan, dass sein Volk einen Außenposten in unserem Sonnensystem hat. Da die Lebensbedingungen auf Kainans Welt nicht nur identisch mit derjenigen der Moorwens, sondern auch der unseren ist, fragt man sich, weshalb Kainans Volk sich nicht einfach der Erde bemächtigt. Immerhin befindet sich diese gerade in der Geburtsstunde des Mittelalters, knapp neunzig Jahre vor der Kaiserkrönung von Karl dem Großen. Es wäre ein leichtes gewesen, diese kümmerlichen Erdlinge auszulöschen. Zumindest einfach als gegen die Moorwens zu kämpfen. Eine Frage, welche der Film vernachlässigt nachzugehen, was den Kampf gegen die Moorwens nur noch unverständlicher macht und mit jenem nicht stattfindenden Charakterwandel des Protagonisten am meisten stört und im Grunde das Prinzip der ganzen Geschichte verrät.

Im Endeffekt nimmt sich Outlander also sehr viel ernster, als man erwartet hätte. Zu einem Großteil funktioniert der Film dennoch, obschon er gerade in seinem Finale sehr gestreckt ist und ihm insgesamt etwa fünfzehn Minuten weniger weitaus besser gereicht wären. So schadet ihm neben seiner Laufzeit vor allem die misslungene moralische Komponente. Dennoch funktioniert McCains Film über weite Strecken, zumindest besser wie andere Wikinger-Epen der neueren Zeit, zum Beispiel der desolate Pathfinder. Die Darsteller agieren überraschend gut, wobei insbesondere Jack Huston hervorzuheben ist, der seinem Wulfric überaus authentisch darstellt. Der größte Pluspunkt ist bei seinem Budget von nicht einmal fünfzig Millionen Dollar jedoch die Konzeption des Moorwen. Von welchem man zugegebenermaßen wenig in aller Deutlichkeit sieht und schon gar nicht seine Anatomie erklärt bekommt, dass von den Weta Studios für diesen Preis jedoch überaus gelungen digitalisiert und glaubwürdig in das natürliche Umfeld integriert wurde. Zu einem guten Film fehlt Outlander dann jedoch einiges, allen voran die bessere Umsetzung der angesprochenen Kritikpunkte. Im Vergleich zu anderen Vertretern der ähnlichen Genres ist McCains Debüt dann aber doch weitaus besser und stimmiger in Szene gesetzt. Überaus amüsant zudem die Tatsache dass Kainans Heimatsprache im Film Altnordisch ist, während die Wikinger/Altnorweger Englisch reden. Eine gewisse Treue wurde hier also beibehalten, da ein Sci-Fi-Abenteuer mit Untertiteln gerade dem amerikanischen Kinopublikum schwerlich zu verkaufen gewesen wäre.

5.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

Kommentare:

  1. Na, wenn die Handlung nicht schon Trash genug ist;) Könnte mir sogar ganz gut gefallen. Aber jetzt mal ehrlich, 50 Millionen Dollar sind ja nicht gerade ein Handgeld, deuten jedoch bei einen Science Fiction Film eindeutig auf B-Movie Kost hin. Dazu paßt der Cast wiederum nicht wirklich. Mit was haben wir es hier zu tun?

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  2. Der Film ist zu gut gemacht, um ein B-Movie zu sein, ganz klar. Die Effekte wirken ja auch recht gut, selbst die Moorwen-Welt. Das ganze Drumherum (Handlung, z.B.) erweckt dann jedoch durchaus einen B-Movie-Flair.

    OUTLANDER ist ein wildes Crossover aus DAS RELIKT, DER 13. KRIEGER und PATHFINDER, jedoch auf gehobenerem Niveau - nur leider nicht hoch genug. Hätte man die heuchlerische Imperialismus-Referenz weggelassen und das Teilo auf 85 Minuten gestutzt, hätte es was werden können.

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  3. hätte es was werden können.

    Schade, denn irgendwie finde ich das Konzept/die Idee des Films ganz interessant.

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  4. Da hast du dann ja doch noch ziemlich viel Interpretationspotential entdeckt. Ich musste bei der Sichtung ab und zu daran denken, dass der Kern der von Kainans Geschichte sich auch wie eine "Avatar"-Variante liest... ;)

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