22. August 2009

The Chronicles of Riddick - Director’s Cut

Now what would be the odds of that?

In der Besprechung zu Pitch Black wurde es bereits angesprochen: zu Beginn des Jahrzehnts galt Vin Diesel als der legitime Nachfolger von Arnold Schwarzenegger im Actiongenre. Nachdem er durch die Rolle des Richard B. Riddick zu erstem Ruhm gelangt war, gelang es ihm in den darauf folgenden beiden Jahren mit The Fast and the Furious und xXx jeweils die 200-Millionen-Dollar-Marke zu sprengen. Als dem New Yorker Fortsetzungsangebote zu allen drei Filmreihen vorlagen, entschied sich der ehemalige Türsteher gegen 2 Fast 2 Furious und xXx: State of the Union. Die Entscheidung für The Chronicles of Riddick – und zugegeben, die interessanteste der drei Figuren rund um Riddick, Dominic Toretto und Xander Cage – sollte ihm die nächsten Jahre einen Strich durch die Rechnung machen. Finanziell gesehen war der Auftakt einer potentiellen Trilogie ein Flop und Diesel konnte sich erst dieses Jahr mit Fast and Furious (seinem bisher erfolgreichsten Film) rehabilitieren. Dabei hatte Regisseur David Twohy alles richtig gemacht und sich gar nicht erst an einer stumpfen Orientierung an dem Vorgänger – wie es im Grunde alle Fortsetzungen tun – versucht. Keine Rückkehr zu Hades, kein neuerliches Bekämpfen von geflügelten Monstern im Dunkeln. Stattdessen der Auftakt einer Saga, der im Director’s Cut weitaus besser ist als ihr Ruf.

Die Brücke zwischen den beiden Filmen schlägt Peter Cheungs Animations-Kurzfilm Dark Fury. Dieser ist inhaltlich etwas mau (Riddick, Imam und Jack werden von einem Kopfgeldjäger-Schiff aufgesammelt und Riddick muss sich erwehren, nicht zum Kunstobjekt zu verkommen), widerspricht sich manches mit dem in Chronicles Geäußerten. Während hier der Imam (Keith David) Riddick vorwirft, Jack fünf Jahre zuvor allein gelassen zu haben, äußert der Muslim zum Ende von Dark Fury indirekt den Wunsch, dass Riddick doch die Jugendliche zum Wohle ihrer eigenen Beziehung lieber allein lassen soll. Weshalb sich die Waise, die vor Pitch Black schon auf sich allein gestellt gut klar kam, nun nicht behaupten können sollte, bleibt Twohy schuldig zu erklären. Immerhin schlägt der Kurzfilm die Brücke zur Anwesenheit von Toombs (Nick Chinlund) im Film, der zu Beginn mit seiner Kopfgeldjäger-Crew auf UV-6 Riddick endlich aufgespürt zu haben scheint, nachdem dieser ihm in Dark Fury noch entwischt war. Die Verkündung, dass sein Kopfgeld auf Helion Prime ausgesetzt wurde, treibt Riddick (Vin Diesel) zu seinem alten Bekannten, den Imam, nach New Mecca. Damit gerät er jedoch mitten in eine intergalaktische Invasion der Necromonger um ihren Anführer Lord Marshal (Colm Feore) und eine Prophezeiung, die auch Riddicks Herkunft als Furyaner miteinbezieht.

Animationskurzfilm Dark Fury als Bindeglied zwischen den Teilen (oben)...
...und eine kleine Referenz an Pitch Black: Slam City (unten).
Eigentlich erzählt Twohy mit The Chronicles of Riddick zwei Geschichten in einer. Auf der einen Seite bildet die Prophezeiung um Riddick und den Lord Marshal die Prämisse des Films, der sich der Regisseur im ersten und dritten Akt widmet. Auf der anderen Seite schiebt er jedoch in die Mitte der Handlung einen Subplot um Riddicks Ausbruch aus der Gefängnisanstalt von Crematoria. Jener Ausflug ist es, der am ehesten in der Tradition zu Pitch Black steht, muss doch erneut Jack, die jetzt Kyra (Alexa Davalos) heißt, beschützt und viel gerannt werden. Im Nachhinein wäre es wahrscheinlich empfehlenswerter gewesen, wenn sich Twohy auf eine der beiden Handlungsstränge beschränkt bzw. dem der Flucht von Crematoria den Vorzug gegeben hätte. Hier erschafft Twohy eine stringente kleine Geschichte, die sogar etwas von Riddicks großartigem Ausbruchsflair zu erschaffen weiß, die ihm in Pitch Black so vorausgeeilt war. Zudem präsentiert sich Jack hier als weitaus tougherer Sidekick und mit Toombs hat man einen charmant-diabolischen Gegenspieler. Des Weiteren haben die Macher sogar eine liebevolle kleine Referenz an ihr Pitch Black: Slam City-Segment eingebaut. Dass sich Twohy hier freizügig bei Genrekollegen wie Stuart Gordons Fortress oder Martin Campbells No Escape bedient, fällt ebenfalls auf. Ohnehin wird sein ganzer Film von einer Vielzahl an Versatzstücken anderer Filme oder Geschichten durchzogen.

Während die Crematoria-Sequenz sich als Ausbruchs-Story versteht und durch den zynischen Humor zwischen Riddick und Toombs sowie Kyra auszeichnet, schlägt die Haupthandlung um die necromongische Invasion eine andere Richtung ein. Die Prophezeiung an den Lord Marshal, selbst nach einem Besuch im Parallel-Universum Underverse „half alive and half something else“, dass ein furyanischer Krieger seinen Untergang bringen würde, erinnert stark an die vieldeutigen Orakelsprüche von Delphi. Denn letztlich ist es allein die Prophezeiung, die den Lord Marshal überhaupt auf die Idee bringt, Furya zu zerstören. Des Weiteren erinnert die Passage um den potentiellen Umstürzler und den präventiven Knaben- bzw. Völkermord an das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums und Herodes’ Mordversuch am König der Juden. Die Gestaltung der Necromonger selbst ähnelt zumindest indirekt jener der Harkonnen aus David Lynchs Dune und selbst eine Hommage an die Fernsehserie Roswell findet sich wieder (wenn auch nur im Director’s Cut). Derweil stellt die Darstellung von Kommandant Vaaku (Karl Urban) und seiner Gemahlin (Thandie Newton) eine mehr als offensichtliche Anspielung an Shakespeares Drama Macbeth dar. Von seiner machtgeilen Frau angetrieben, plant Vaaku etwas widerwillig den „Königsmord“ am Lord Marshal. Dank des Necromonger-Mottos („You keep what you kill“) würde er so der neue Herrscher.

Bedenkt man wie vielfältig sich Twohy im Potpourri der Filmgeschichte bedient, wirkt sein fertiges Resultat erstaunlich kohärent. Sicherlich, Figuren wie der Elementalin Aereon (Judi Dench) hätte es als Ersatz-Orakel nicht unbedingt bedurft und auch das Auftreten des Imam ist wohl eher Verbindung zum Vorgänger (die Twohy speziell im ersten Akt noch durch Riddicks Erzählstimme zu Beginn und einige übernommene Zitate erreicht), als von inhaltlicher Bedeutung. Wie angesprochen hätte es The Chronicles of Riddick noch etwas stimmiger gemacht, wenn man sich auf eine der beiden Handlungsstränge gesondert konzentriert hätte. Einige störende Merkmale sind jedoch vorhanden. So werden die Figuren von Lord Marshal – speziell seine Vergangenheit, aber generell seine ganze Motivation und die Ursprünge der Necromonger – oder dem Reiniger (Linus Roache) nicht sonderlich ausführlich dargestellt, was zwar auch auf Aereon zutrifft, allerdings nicht sonderlich schade ist. Auch die klimatische Entscheidung, Kyra einen Opfertod sterben zu lassen, passt nicht wirklich zum „Karma“ der Filmreihe, wobei hier die potentielle Handlung im Underverse in den geplanten Fortsetzungen eine Revidierung bringen könnte. In welche Richtung sich die beiden angekündigten Sequels, an denen Twohy bisher noch schreibt, bewegen, ist bei einer Reihe, die sich lediglich nach den Chroniken einer Figur ausrichtet, nicht absehbar.

Resümierend kann gesagt werden, dass Diesels Entscheidung seiner Zeit wohl gut getroffen war. Denn der Anti-Held Riddick, den Twohy selbst als „bad guy“ und Aereon als „another kind of evil“ bezeichnet, bietet sicherlich am meisten Potential von Diesels damaligen Figuren. Zwar will die Erzählstimme zu Beginn nicht so gut funktionieren wie in Pitch Black, aber die Coolness wohnt dem Charakter weiterhin unbestreitbar inne. Da die Tapetum-Sicht dieses Mal von keiner besonderen Bedeutung ist, wirkt sie gerade im finalen Kampf, aber auch in den New-Mecca-Szenen wenn Riddick seine Sonnenbrille nicht aufhaut eher befremdlich. Davalos schlägt sich gut als abgehärtete Kyra, wobei der Alterswandel etwas radikal erscheint und die Abwesenheit von Griffiths umso bedauerlicher. Dench ist nicht mehr als eine namentliche Aufwertung und die Necromonger selbst (Feore, Urban, Newton) schlagen sich relativ ordentlich. Sie leiden zwar allesamt unter der geringen Aufmerksamkeit für ihre Figuren, wissen jedoch hier und da ihre Akzente zu setzen. Die Effekte sind wie schon im Vorgänger solide und erfüllen ihren Zweck, schön ist die mehrfache Einarbeitung des Pitch Black-Themes von Graeme Revell, das auch hier wieder an das von Brad Fiedels zu The Terminator erinnert. Insgesamt geht die Entscheidung den kultigen Riddick in eine neues, anderes Abenteuer zu platzieren sicherlich auf und The Chronicles of Riddick weiß über die meiste Zeit zu gefallen. Eventuell war der Schock der neuen Umwelt seiner Zeit doch etwas zu groß, insofern Twohy für die Fortsetzungen nicht wieder FSK-Kürzungen vornehmen muss, ist den kommenden Nachfolgern jedoch erwartungsvoll entgegen zu blicken.

7/10

Kommentare:

  1. Ich finde der Film wird oft zu Unrecht belächelt. Mir hat er jedenfalls trotz einiger Längen gefallen. Vor allem das zynische Ende.;)

    AntwortenLöschen
  2. Ja, der Film wird oft schlechter dargestellt, als er ist. Wobei die Kinofassung auch in der Tat hinter dem DC zurücksteht.

    AntwortenLöschen
  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  4. [...] eingebauzt. Dass sich Twohy hier freizügig bei Genrekollegen wie Stuart Gordons Fortress oder Martin Campbells No Escape. [...]

    Hast du hier nicht ein Wort falsch geschrieben und einen Satzteil vergessen?^^

    AntwortenLöschen
  5. Mir hat der Film auch recht gut gefallen, wenngleich ich ihn insgesamt etwas schlechter bewertet habe, als du. Könnte ich aber durchaus auch mal wieder schauen, denn die Handlung habe ich schon wieder komplett vergessen... ;)

    AntwortenLöschen