6. November 2014

Bai Ri Yan Huo [Feuerwerk am hellichten Tage]

Nur Heulen bringt nichts.

Zwei Polizisten, ein wiederkehrender Serienmord-Fall, der sie auch nach Jahren nicht loslassen will – ein Stilmittel, welches im Thriller-Genre kein Unbekanntes ist. Aus dem asiatischen Raum kennt man es beispielsweise aus Bong Joon-hos Salinui chueock (aka Memories of Murder), nicht unähnlich findet es sich nun in Diāo Yìnáns Bai Ri Yan Huo (dt. Feuerwerk am hellichten Tage) wieder, der im Frühjahr auf der Berlinale den Goldenen Bären mit nach Hause nahm. Darin erzählt der Regisseur von Mordfällen im Norden Chinas, die sich von 1999 bis 2004 erstrecken und das Leben einer Handvoll Figuren für immer verändern werden. Allen voran natürlich das von zwei Polizisten, die der Fall in jenen fünf Jahren nicht loslassen wird.

Der eine von ihnen ist Zhang (Fan Liao), den wir zu Beginn dabei beobachten, wie er einen sexuellen Übergriff auf seine gerade von ihm geschiedene Ex-Frau zu verüben versucht. Er und sein Kollege Wang (Ailei Yu) werden auf den Plan gerufen, als in mehreren Kohleanlagen Leichenteile entdeckt werden. Die Spur führt sie alsbald zu einem Verdächtigen, doch bei der Festnahme sterben zwei Beamte, Zhang wird obendrein verletzt. Daraufhin scheidet er aus dem Dienst aus, heuert als Sicherheitswachmann an und verfällt dem Alkohol. Bis ihn fünf Jahre später Wang aufsucht, als neue Leichen auf der Bildfläche erscheinen. Was sie verbindet: Alle Opfer hatten eine Affäre mit der Reinigungsangestellten Wu (Gwei Lun-Mei).

Deren Mann Liang Zhijun (Wang Xuebing) war obendrein eines der Opfer von 1999, doch hinter der Mordserie scheint weitaus mehr zu stecken, als es den Anschein hat. „Wer mit der was anfängt, den erwischt es“, kommentiert Wang trocken in Bezug auf Wu. Was Zhang nicht davon abhält, mit der introvertierten Frau nach und nach eine Romanze zu beginnen. Seine Motivation hierzu ist vielschichtig. Einerseits, weil sich der einsame Mann vielleicht tatsächlich zu ihr hingezogen fühlt, andererseits, weil er bestrebt ist, mit den traumatischen Ereignissen von 1999 ein für allemal abzuschließen. „Ich suche nur nach irgendwas, was ich tun kann“, sagt er an einer Stelle zu seiner Involvierung. „Sonst wäre mein Leben absolut sinnlos.“

Nach und nach gibt Bai Ri Yan Huo tiefere Einblicke in den vorliegenden Fall, wenn sich die Schlinge um den vermeintlichen Täter enger zu ziehen scheint. Gegenüber anderen Genrefilmen kommt Diāo Yìnáns Beitrag weitaus ruhiger und geerdeter daher, losgelöster als Bongs Salinui chueock und auch weniger atmosphärisch dicht wie Finchers Se7en oder Zodiac. Bisweilen, was allerdings auch der Kamera geschuldet ist, wirkt es, als würde man einen chinesischen Tatort sehen, selbst wenn der Film gerade in seiner zweiten Hälfte mit schönen Farb- und Bildmotiven spielt. Wirklich mitreißen wollen einen die Handlung und seine oftmals fragwürdig agierenden Figuren jedoch nicht. Gerade der laxe Umgang mit Tatverdächtigen bleibt hier nie folgenlos.

Fan Liao, ebenfalls bei der Berlinale ausgezeichnet, gibt dabei einen leicht lethargischen aber überzeugenden Protagonisten ab. Der Film selbst wartet bisweilen zudem mit amüsanten Auflockerungen auf, sei es, wenn plötzlich ein Pferd mitten im Revier steht oder Zhang im Suff sein Motorrad gestohlen wird und er fortan mit dem Roller des Diebs durch die verschneiten Straßen brettert. Auch der Schluss passt sich dem irgendwie an, selbst wenn er inhaltlich verzichtbar gerät und das Ende der Szene zuvor nicht minder, wenn nicht gar besser geeignet gewesen wäre, um einen Schlussstrich unter die Handlung zu ziehen. Ungeachtet dessen verfügt Bai Ri Yan Huo über eine ganz eigene Qualität, die ihn wiederum mit anderen Berlinale-Siegern eint.

Ähnlich wie sich Oscarpreisträger gleichen, zieht sich auch durch Preisträger des Goldenen Bären ein roter Faden. Gleich ob dieser nun Grbavica (2006), La teta asustada (2009), Jodaeiye Nader az Simin (2011) oder Poziția Copilului (2013) heißt. Eine Art Film, die nicht jedermanns Sache ist, keineswegs für ein Massenpublikum, aber auch innerhalb der Arthouse-Sparte oftmals durchaus speziell. Durchweg überzeugend fällt keiner dieser Filme dabei aus, auch nicht Bai Ri Yan Huo, insbesondere innerhalb seines Genres. Zu blass bleiben die Antagonisten, zu leblos die Hauptfigur. Wirklich überraschen mag da auch die Auflösung nicht. Zumindest den Zuschauer lässt dieser Serienmordfall also relativ einfach wieder aus seinen Fängen.

6/10

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