7. März 2008

Die Top 5: Stürze

Free fallin, now I’m free fallin.
(Tom Petty)

Let’s get physical – so könnte die Prämisse lauten, wird in den folgenden Sätzen doch das Phänomen des Sturzes, Absturzes, Stoßes und Falls erläutert, das per se nur vom einem physikalischen Ausgangspunkt heraus fassbar ist. Der Sturz an sich fällt selbstverständlich in den Bereich der Bewegung und setzt voraus das ein Körper seine Lage unfreiwillig ändert (im Gegensatz zum Sprung wo eine freiwillige Aktion ausgeübt wird). Eine nähere Katalogisierung würde Stürze nicht nur als Bewegung beschreiben, sondern als Abwärtsbewegung, ausgelöst und unterstützt durch die Erdanziehungskraft. Als Fall definiert sich jede Abwärtsbewegung, die von einem höhergestellten Punkt zu einer niederen Verlagerung führt.

Ursache für Fälle können hierbei von einem anderen Körper bewirkt werden, was einem Stoß entspricht, oder aufgrund von Unebenheiten oder falscher Verlagerung, somit ein Absturz ohne Fremdeinwirkung. In der Physik ist ein Stoß eine sehr kurze Wechselwirkung zwischen zwei Körpern, im Falle eines Stoßes wie er in Filmen und Geschichten angewendet wird wäre dies ein elastischer Stoß zwischen Körpern gleicher Maße (nicht identischer). Findet ein solcher elastischer Stoß von einem (oder durch ein) Fenster statt, spricht man im Fachjargon von Defenestration. Und die berühmteste Defenestration der Filmgeschichte dürfte die Alan Rickmans in John McTiernans Die Hard von 1988 sein.

Der Bösewicht stürzt in den Tod - siehe Die Hard (1988) und GoldenEye (1995).
Die Folgen von Stürzen sind abhängig von Faktoren wie der Absturzhöhe, der Auftrefffläche oder auch von Hindernissen im Verlauf der Flugbahn abhängig. Auch das Akzeptieren des Geschehens oder Bewusstlosigkeit können zu einer Verringerung der Verletzungen führen, dank eines geringeren Muskeltonus. Dabei muss ein Sturz nicht zwingend den Tod nach sich ziehen, oftmals dient er auch nur dazu die Handlung an einem gewissen Punkt zu dramatisieren, beispielsweise in Peter Jacksons The Fellowship of the Ring. Vielleicht handelt es sich dabei auch lediglich um ein Attribut von Zauberern, stürzte Harry Potter schließlich sowohl in seinem dritten und vierten Abenteuer auf unterschiedliche Weise.

Tim Burton inszenierte Stürze zum einem als finale Lösung eines Konfliktes (Batman) und dann wiederum als Auftakt eines solchen (Batman Returns). Der Sturz oder Unfall taucht in Filmen seltener Fällen auf, zum Beispiel in Ridley Scotts Black Hawk Down und dem Sturz von Orlando Bloom aus einem Helikopter. Hauptsächlich werden Stürze als Ursache elastischer Stöße dargestellt, meistens mit Beteiligung von Protagonist und Antagonist in der finalen Klimax des Filmes (Indiana Jones and the Temple of Doom). Die nun folgenden Top 5 Stürze wurden nicht nur wegen des Sturzes an sich, sondern auch seiner innergeschichtlichen Bedeutung und Gewichtung ausgewählt und platziert (Spoiler sind hierbei unvermeidlich enthalten):


5. Crank (Mark Neveldine & Brian Taylor, USA/UK 2006): Die ersten von drei Doppel-Regisseuren in der Liste. Neveldine und Taylor inszenierten in diesem Nonsense-Adrenalinfeuerwerk Jason Stathams vermeintlichen Sturz in den Tod, der an Lässigkeit kaum zu überbieten ist. Die letzten Minuten vor seinem Aufprall verbringt Chev Chelios damit, dass er nach seinem Fall aus einem Helikopter mit seiner Freundin telefoniert.

4. Mou gaan dou (Wai-keung Lau & Siu Fai Mak, HK 2002): Im besten Hongkong-Film aller Zeiten wird der polizeiliche Ermittler Wong vom Dach geschmissen, als er den Triaden die Information verwehrt, dass mit Yan (Tony Leung Chiu Wai) einer der ihren insgeheim als Maulwurf daran arbeitet Untergrundboss Sam auffliegen zu lassen. Besonders pikant ist die Szene wegen des väterlichen Verhältnisses von Wong und Yan.

3. King Kong (Peter Jackson, USA/D/NZ 2005): Bildet den Anfang der ersten drei Plätze die ihrem Titel nach „königlich“ zu sein scheinen. Jacksons zweites Remake des Klassikers von 1933 über die Liebe eines Riesenaffen zu der New Yorkerin Ann Darrow (Naomie Watts), die ihren Höhepunkt und ihr Ende auf dem Empire State Building findet und in einen der besten finalen Einzeiler endet: it was beauty killed the beast.

2. The Lion King (Roger Allers & Rob Minkoff, USA 1994): Die letzten Doppelregisseure welche es neben Peter Jackson in die Rangliste geschafft haben. Disney großartige Hamlet-Adaption ins Tierreich versetzt, beschwört den Konflikt des Filmes durch den Brudermord von Scar an seinem älteren Bruder Mufasa. Alles unter den Augen von Sohn Simba, der danach mit Schuldgefühlen seinem Königreich den Rücken kehrt.

1. The Return of the King (Peter Jackson, USA/D/NZ 2003): Auch wenn Jacksons finale Adaption des letzten Teils von Tolkiens brillanter Vorlage versagt, gehört der Sturz Gollums und des einen Ringes unter die gelungstens fünf Stürze - schiebt sich deswegen an die Spitze, weil mit ihm eine der größten Geschichten aller Zeiten ein glückliches Ende erfährt und dadurch Mittelerde vor Sklaverei und Unterdrückung bewahrt wird.

Kommentare:

  1. Sehr, sehr schöne Liste - und die meisten wären wohl sicher auch bei mir dabei, allen voran LION KING und IA.

    Weiter so! :-)

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  2. Schöne Zusammenstellung eines wirklich interessanten Themas. Habe mich ja bereits einmal solchen Vertikalbewegungen im Film durch eine Zusammenstellung von "Aufzugsszenen" zu nähern versucht. Aber der Fall ist wirklich ein Fall für sich ;-)

    Für mich fehlt allerdings Billy Dragos finaler Schrei-Fall aus den Untouchables :-) "Did he sound anything like that?"

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  3. Ich kann´s nicht oft genug sagen: "Auf was du immer kommst!" :D ;) Klasse, mach weiter so.

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  4. Wieder einmal eine wunderbar skurrile Zusammenstellung. Bzgl. LOTR gefällt mir der Run'n'Dive von Denethor aber fast noch besser... ;)

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  5. wirklich lustige idee, wieder einmal! mir fällt noch - weniger spektakulär, weil beiläufig - der sturz des selbstmörders vom hochhaus in "Oldboy" ein...

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  6. @moviescape: Unabhängig davon dass ich die Szene hasse, da sie in der Originalgeschichte nicht auftaucht (und auch per se keinen Zweck erfüllt), würde sie in die Rubrik "Sprung" fallen (Wortwitz), da er aus freien Stück da runterrennt ;)

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  7. @ therudi: Und touché! :)

    (Fand die Szene an sich auch nicht doll...)

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  8. Also auf die Idee mit den Stürzen muss man erstmal kommen - spitze!
    Bis auf King Kong, den ich leider immer noch nicht gesehen habe, bin ich mit allem voll einverstanden, v.a. Lion King hat mir schon als Kind imponiert.

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