16. Dezember 2008

Dexter - Season Three

Liar liar pants on fire.

Man könnte die Werbemaßnahmen von RTL 2 ja durchaus diskutieren. „Keine Angst, der will nur töten“ als Plakat an Bushaltestellen zu hängen ist sicherlich ein Eyecatcher, ob es ethisch vertretbar ist so um Zuschauer zu buhlen wäre eine andere Frage. Doch das wichtigste ist, der sympathischste Serienkiller (so wirbt Showtime um seine Figur) ist wieder zurück. Gerne würde ich jetzt schreiben „Zurück - und wie!“, aber dem wird die dritte Staffel dann doch nicht so gerecht. Gerade der Beginn ist relativ schleppend, dafür die finalen Folgen wieder sehr gelungen. Grund hierfür ist ohne Frage auch der Wandel, denn die Figur und ihre Serie jedes Jahr durchgehen. Am Anfang war der Mord und Dexter (Michael C. Hall) sah, dass er gut war. Und so tat es auch der Zuschauer. Ein Serienmörder, der andere Serienmörder jagt und umbringt. Das moralische Gewissen der Stadt Miami. Der Mann, der den Müll raus bringt. Dabei immer mit einem amüsanten, da gefühlskalten Einzeiler auf den Lippen.

Für Staffeln wie die Erste von Dexter wurden Begriffe wie „Kult“ erfunden. Eine in sich geschlossene Geschichte über zwei Serienmörder, die dennoch unwahrscheinlich viel Platz für ihre zahlreichen Nebenfiguren offen gelassen hatte. Ein mehr als stimmiges Ende und ein Einstieg wie man ihn sich nur wünschen konnte. Die Prämisse der zweiten Staffel war zwar mehr als gelungen – Dexter insgeheim als neues Ziel seiner Einheit -, aber verlor sich speziell durch die Beziehungen von Dexter mit Lila und Deb mit Lundy etwas. Der Jäger wurde zum Gejagten und das war der Staffel nicht allzu zuträglich. Denn das Dexter davon kommen würde, war von vorneherein absehbar. Nichtsdestotrotz fügte sich auch die zweite Staffel gut in den Kanon ein und spielte weiterhin in der ersten Liga mit. Die Prämisse für die dritte Staffel ist dagegen etwas schwächer, die Charakterentwicklungen dafür umso stärker.

Bei einer nächtlichen Streiftour will sich Dexter des Drogendealers Freebo entledigen. Doch er wird bei der Arbeit gestört, ein Streit geht in Freebos Haus vor und während der Dealer flüchten kann, tötet Dexter den anderen Kontrahenten in Notwehr. Wie sich herausstellt, handelt es sich hierbei um den jüngsten Bruder von Staatsanwalt Miguel Prado (Jimmy Smits). Während dieser zuerst misstrauisch gegenüber Dexter ist, nimmt die Beziehung der beiden kurz darauf eine neue Wendung. Prado ertappt Dexter dabei, als dieser das Kapitel Freebo beschließt. Als die Katze aus dem Sack ist, stellt Dexter fest, dass auch Miguel einen dunklen Begleiter hat. Langsam aber sich lässt der Blutforensiker den Staatsanwalt in seinen inneren Kreis und ernennt ihn schließlich auch zu seinem Trauzeugen, als er seiner langjährigen Freundin Rita (Julie Benz) einen Heiratsantrag macht. Da diese zudem schwanger ist, muss sich Dexter einer völlig neuen Verantwortung stellen.

Vorbild in mehrfacher Funktion, ein Vater für sein ungeborenes Kind und ein Ausbilder für Miguel. Währenddessen treibt ein neuer Serienmörder sein Unwesen. Er ist auf der Suche nach Freebo, nur ist dieser tot und außer Dexter und Miguel weiß niemand davon. Angel (David Zayas) und Deb (Jennifer Carpenter) ermitteln im „Skinner“-Fall, der seinen Opfern bei vollem Bewusstsein die Haut abzieht. Für Deb stellen sich ebenfalls neue Weichen, verliebt sie sich doch in den Polizeispitzel Anton (David Ramsey) und wird bezüglich einer Beförderung von den internen Ermittlern aufgefordert ihren neuen Partner Quinn (Desmond Harrington) auszuspionieren. Während Deb sich zwischen Karriere und Gefühlen entscheiden muss, beginn Dexter sich von Harrys (James Remar) Code zu lösen und individuelle Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die wie immer vielen Beteiligten das Leben kosten wird.

Zu Beginn des Staffelauftakts wähnt man sich in Our Father wieder in guten alten Zeiten. Dexter auf der Pirsch. Schnell macht die Staffel dann eine Wende. Mit der Einführung von Miguel Prado nimmt die Serie eine völlig andere Zweigung, als man sich zuerst gewünscht hat. Die ersten drei Folgen sind dann auch etwas holprig, da ungewohnt. Man weiß nicht wohin das führt, was man da sieht und auch retrospektiv dreht sich die Serie hier etwas zu stark im Kreis. Richtig losgehen kann es dafür dann, als Miguel Dexters Geheimnis lüftet. Seinen Höhepunkt erreicht die dritte Staffel in The Damage a Man Can Do, wenn Miguel und Dexter gemeinsames „murder shopping“ betreiben und der lateinamerikanische Staatsanwalt wie ein kleines Kind durch den Spielzeugladen streift, um die besten Mordinstrumente auszuwählen. Ein kleiner Magic Moment innerhalb der Serie. Schon bald verdichtete sich jedoch die Freundschaft der beiden und die wahren Karten werden auf den Tisch gelegt. Jimmy Smits ist hier eine Bereicherung für die Serie und verleiht seinem Charakter genau den Charme, den dieser bedarf, um innerhalb der Handlung funktionieren zu können. Wie in den beiden Vorgängerstaffeln findet Dexter also auch dieses Mal einen „Seelenverwandten“, mit dem es letztlich aber doch nicht so klappen möchte, wie alle Beteiligten sich das zuvor ausgemalt haben. Es ist jene Beziehung zwischen Dexter und Miguel, die das Kernstück und somit das Herz der diesjährigen Staffel ausmachen.

Der fortlaufende Serienmord, der als Aufhänger dient, ist jedoch der des Skinners. Da dieser nun weder mit Dexter verbunden ist oder dieser selbst, tangiert der Fall unseren Forensiker nur peripher. Umso mehr Spielraum für die zweite Mannschaft der Serie, angeführt von Jennifer Carpenter. Während man von Laguerta (Lauren Vélez) nicht allzu viel sieht, ist es in allen Aspekten Angel, der die Funktion von Doakes übernimmt. Sehr nett, dass man auch Masuka (C.S. Lee) nicht aus den Augen verloren hat und ihm einige herrliche Momente schenkt. Einziger Störfaktor dieser Truppe ist der Einbezug von Quinn, der nicht so richtig stimmig sein möchte. Intern wird gegen ihn ermittelt, doch was genau es damit auf sich hat und wie es endet wird zu den finalen Folgen hin nicht mehr weiter verfolgt. Bisweilen vermutet man auch nicht zu Unrecht dass hinter Quinn der Skinner steckt oder zumindest die gegen ihn erbrachten Anschuldigungen begründet sind. Löblich lediglich, dass man ihn nicht zu einem von Debs „Betthäschen“ hat verkommen lassen.

Die darstellerischen Leistungen überzeugen, wobei gerade Julie Benz darunter zu leiden hat, dass ihre Figur eine positive Entwicklung durchgemacht hat. Von der abgefuckten Rita zu Beginn der Serie ist nicht mehr viel übrig, insofern kann Benz hinsichtlich einer normalen, geerdeten Figur nicht mehr so hervorstechen, wie sie es in den vorherigen Staffeln getan hat. Abgesehen von den ersten drei Folgen ist lediglich Easy as Pie auf einem durchschnittlichen Level angesiedelt. Die übrigen Episoden sind sehr stimmig, bisweilen mit enorm viel Tiefe und Atmosphäre ausgestattet. Auf ihre Art und Weise stechen hier Si Se Puede, About Last Night und I Had a Dream hervor, die gemeinsam mit The Damage a Man Can Do in Kurzfassung die Beziehung und Entwicklung von Dexter und Miguel charakterisieren. Alles in allem ging die dritte Staffel wieder einen Schritt in die richtige Richtung, verbesserte sich gegenüber der zweiten und lässt auf die vierte Staffel nächsten September hoffen. Denn wie das Staffelfinale zeigte, könnte nächstes Jahr die Blutsbande mit Deb für Dexter eine ganz neue Richtung einschlagen.

8.5/10

Kommentare:

  1. Stimme dir in allen Punkten zu. Hätte auch eigentlich die Punktzahl gewählt ;)
    Dexter ist aber auch eine wunderbar gute Serie! =)
    Mich beeindruckt immer wieder, dass es so Tief in die Seele der Menschen, insbesondere Dex, hineingeht und wie er diese Probleme lösen will etc.. Was mir noch gefallen hat war, dass Dex endlich mal ins Fadenkreuz genommen wurde ;)

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  2. Hier würde ich doch noch etwas höher greifen, wie ich ohnehin ja die bisherigen Staffeln von DEXTER einen Schlag höher einschätze als Du - nämlich ganz weit oben.

    Kann Dir aber nur zustimmen, dass die Einführung von Miguel Prado absolut gelungen, wenn auch zu Beginn sehr ungewohnt ist.
    Und wenn ichs mir so recht überblicke ist das wiederum auch das Fasznierende an der Staffel: Dass man nämlich als Zuschauer, ähnlich wie Dexter selbst, durch die neuen Rahmenbedingungen (und da kommt ja neben Miguel noch die Vaterschaftsgeschichte hinzu), extrem aus der gewohnten (Seh-)Routine geworfen und dadurch verunsichert wird. Finde das ein paar wirklich gelungene Kniffe, die die Macher hier eingebaut haben, um die Serie nicht totlaufen zu lassen.

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    OT: Übrigens, wo ich gerade meinen Kommentar unter dem Eintrag zur S02 gelesen habe. Ich hab jetzt tatsächlich neben meinem Fernseher die Boxen der ersten beiden Staffeln der Sopranos stehen. =) Die sind mein Winterpausen-Programm.

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  3. Wenn du die 1. Staffel höher einschätzt als ich, kannst mit Spinal Tap auf Tour gehen ;)

    Bei mir zählt ja weniger der Gesamteindruck der Staffel, sondern der Eindruck einer durchschnittlichen Folge. Und die sind nicht immmer auf denselbem Niveau, hier jedoch wieder besser als in der vorherige Staffel.

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  4. Schön runtergeladen alles. *thumbsup*

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  5. Zu Julie Benz fällt mir ein, dass ich diese nun eine lange Zeit als prominente Nebenfigur in "Angel" gesehen habe, wo sie auch eher eine kaputte Figur spielt. Das hat mich etwas an die frühe Rita erinnert.

    Ich habe ja so das dumpfe Gefühl, dass es in der kommenden Staffel zwischen ihr und Dexter zu vermehrten Spannungen kommen wird...

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  6. Naja, ich hatte ja S01 und S02 auf einen Schlag bewertet und kam eben auf 10.

    Meines Erachtens geht es aber letztlich auch nicht anders als die Staffel von ihrem Gesamteindruck her zu bewerten. Wenn man nur "Durchschnittswerte" anhand der einzelnen Episoden bilden würde, dann käme man ja so gut wie nie zu einer 10 (ausser bei CHUCK oder bei britischen 6 Episoden-Staffeln wie IT-CROWD vielleicht).

    Aber ich muss an dieser Stelle auch nochmal betonen, dass Du ja die Wertungszahlen wolltest. =)

    PS: Wieso eigentlich die Namensänderung?

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  7. Die durchschnittlichen Bewertungen dienen mir selbst jedoch auch für den Gesamtüberblick. Sonst fallen schlechtere Folgen die es nun mal gibt, unter den Tisch. 10er Bewertungen sind durchaus möglich, siehe die erste Staffel zu DAWSON'S CREEK, HEROES oder eben DEXTER.

    Namensänderung ist im Grunde keine solche, da ich lediglich den Nick aufgegeben habe und zu meinem eigenen Namen stehe. Das hängt mit ... nennen wir es mal Seriosität zusammen, die ich als angehender Journalist mir auflasten möchte ;)

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  8. Ih, Journalist? :-D

    Schade, ich hatte insgeheim immer gehofft, dass Du tatsächlich Rudi heisst. (Frag mich aber nicht wieso)

    Ja, das ist natürlich schon ein System, das dem Überblick sehr dienlich ist. Aber ich bin ehrlich gesagt, einfach viel zu faul dafür.

    Ich schaffe es ja noch nicht mal übers ganze Jahr eine Liste zu führen, in der ich alle gesehenen Filme protokolliere und mit Wertungen versehe...

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