12. März 2009

Chuck - Season One

Wouldn’t this be a great time for me to stay in the car?

Nun geht’s gleich los, meine virtuelle Steinigung. Ja, sie schwärmen, die Film- und Serienblogger. Sie schwärmen von Chuck, dem neuesten Fernsehgeschöpf von Josh Schwartz, dem Vater von The O.C. und Gossip Girl. Beide Serien mag ich sehr, nur mal so nebenbei gesagt. Und Chuck mögen sie fast alle, sei es Bullion oder allen voran sicherlich auch Mediensucht und Hirngabel. Khitos war nicht ganz so euphorisch. Ich werde es sicherlich nicht sein. Das Schema ist im Grunde dem von My Own Worst Enemy nicht unähnlich. Ein männlicher Protagonist, der mit Geheimagentenkram nichts am Hut hat, wird aufgrund eines Programmfehlers in seinem Kopf plötzlich zum Problemkind für Geheimdienste. Im Gegensatz zu MOWE wird hier der Fokus weniger auf die Action und mehr auf den Humor gesetzt, aber von der Idee her sind sich beide Serien nicht unähnlich.

Bryce Larkin (Matthew Bomer) ist ein Superagent der CIA und zerstört zu Beginn von Chuck das so genannte Intersect – quasi den Supercomputer der Geheimdienste. Da wo alle geheimen Infos drauf bzw. drin sind. Und auf der Flucht wird Larkin dann von NSA-Agent John Casey (grandios: Adam Baldwin) erschossen. Vorher kann er jedoch die gesamten Daten des Intersect (zur Erinnerung: da wo alle geheimen Infos drauf sind) in einer Email (mordsmäßig Speicherplatz schätz ich mal) an seinen ehemaligen Kommilitonen Charles „Chuck“ Bartowski (Zachary Levi) schicken. Dieser hat an der Uni mal ein Seminar über Aufnahme von visuellen Informationen besucht. Und jetzt ist das Intersect (da wo alle geheimen Infos drauf sind) auf seinem Gehirn gespeichert. Das ist deswegen lustig, weil Chuck ein Nerd ist, ein Geek, ein Freak. Der als Computerexperte in einer Wall-Mart Verarsche arbeitet und seit Jahren keine Freundin mehr hatte, sondern stattdessen mit Morgan (Joshua Gomez) abhängt – der Person, die wohl noch weniger Sex hatte als er selbst.

In Chuck geht es nun darum, dass eben jener Chuck auf der Straße dauernd an russischen Waffenschmugglern vorbeiläuft oder über Aufenthaltsorte von Bomben in seiner Stadt über Straßenflyer und sonstiges informiert wird. Er flasht dann immer Bilder, wegen dem Intersect (da wo alle geheimen Infos drauf sind). Und weil nun weder die CIA noch die NSA ihren Supercomputer haben, müssen sie dafür sorgen, dass Chuck am Leben bleibt. Weshalb die NSA Casey abstellt und die CIA die Agentin Sarah Walker (Yvonne Strahovski), früher die Freundin von Larkin. Als Cover beginnt Casey nunmehr selbst in Chucks Supermarkt zu arbeiten, während Sarah sich als Chucks Freundin ausgibt. Denn dass der Nerd nunmehr ein Regierungsbeamter ist (wobei er das nicht ist, weil er nicht bezahlt wird, doch das stört Chuck scheinbar nicht), das dürfen weder Morgan (der vor allem nicht) noch Chucks Schwester Ellie (Sarah Lancaster) oder deren perfekter Lebenspartner Awesome (Ryan McPartlin) wissen. Natürlich der Auftakt für viele grandiose Abenteuer.

Jetzt hab ich viel geschrieben und im Grunde wenig gesagt. Die Ausgangslage ist klar und es sei gesagt, dass Chuck für mich ebenso wenig funktioniert, wie My Own Worst Enemy. An der Tatsache, dass das Intersect per Email verschickt wird und derartigen Kleinigkeiten will ich mich gar nicht aufhängen. Aber in meinen Augen gelingt der Serie - die wie schon The O.C. von McG mitproduziert wird - der Spagat zwischen Action und Humor nicht. Oder anders gesagt, nimmt sich Schwartz’ Serie in den Actionszenen zu ernst, was ihr nicht bekommt. Hier wäre es klüger gewesen, wenn man sich an Formaten wie The Naked Gun orientiert hätte, wo keine Action stattfindet, sondern reiner Slapstick. Denn Strahovski nimmt man die CIA-Agentin in keiner einzigen Szene ab und so verkommen ihre Actionszenen zu mehr als lächerlichen Beinübungen auf Hüfthöhe. Grandios daneben geht das Ganze dann im Staffelfinale Chuck Versus the Marlin, wenn noch eine andere zarte Agentin aufkreuzt und sich Sarah mit dieser auf einem Dach „prügeln“ darf (bewusst in „“ gesetzt).

Die Action passt also nicht wirklich in die Serie, der Humor dagegen überzeugt durchaus des Öfteren. Das verdankt sich Hauptsächlich dem Charme von Levi, der mich durch seine sympathische Art immer wieder an John Krasinski aus The Office erinnert. Auch Captain Awesome gefällt mir stets aufs Neue, da er wirklich ein unfassbar perfekter Freund ist. Morgan hingegen und auch die anderen Nerds nerven mich eher, als dass sie mich unterhalten könnten. Da schaue ich lieber meinen Freaks aus The Big Bang Theory zu. Schön aber, Masuka (CS Lee) mal außerhalb von Dexter zu sehen. Um wieder anzuknüpfen, viele der Einzeiler sitzen und einige komische Sequenzen weiß die Serie aufzubieten. Allerdings disqualifiziert schon die Laufzeit von vierzig Minuten pro Folge Schwartz’ Konzept als Sitcom - ein Format, welches wahrscheinlich besser geeignet gewesen wäre für Chuck. Sehr viel weniger Action oder diese zumindest auf Slapstick Niveau eingesetzt, dazu die halbe Laufzeit und dann wäre die Serie für mich jedenfalls runder gewesen.

Hirngabel rief mir ins Gedächtnis, dass ich Chuck Zeit geben sollte, da er einige Folgen braucht, um seinen Groove zu finden. Die ersten sieben Folgen waren dann auch unterer Durchschnitt (im Kontext meiner hier besprochenen Serien und nicht des Durchschnitts der Wertung von 1 bis 10). Erst mit den Folgen 8 und 9 hat mir Chuck etwas Spaß gemacht, bevor er in seinen letzten vier Folgen wieder eingebrochen ist. Bezeichnenderweise gefielen mir Chuck Versus the Truth und Chuck Versus the Imported Hard Salami wohl deswegen sehr viel besser, weil Rachel Bilson sich für die Gastrolle der Lou hergab. Jedenfalls unterhielten mich neben jenen beiden Folgen lediglich noch Chuck Versus the Tango ordentlich. Ein Lob möchte ich jedoch noch der musikalischen Untermalung aussprechen, speziell das Theme zur Serie, das immer wieder ertönt, ist ausgesprochen gut gelungen. Und generell sind die popigen Songs sehr schön ausgewählt, wie auch die Anfangssequenz zu meinen Favoriten unter den Serien zählt (so nett zum Mitwippen).

Würde die Serie mehr den Verheißungen der Anfangssequenz gerecht werden, täte sie mir besser gefallen. Meine Darlegung des Sachverhalts wird wohl bei den oben genannten Herren auf tiefste Veto-Einsprüche treffen. Nicht jede Serie ist eben jedermanns Sache. Dennoch sei versichert, dass mir die Figuren trotzdem ans Herz gewachsen sind und ich Chuck auch in seiner zweiten Staffel treu bleibe werde, schon alleine wegen Chuck, Casey und Captain Awesome. Und wer weiß, vielleicht wächst mir die Serie ja doch noch etwas mehr ans Herz, wie es bei Californication der Fall war, dessen zweite Staffel auch eher meinen Geschmack traf, als noch die erste (was ich immer noch verwunderlich finde). Für alle Interessierten: Chuck wurde von Pro Sieben/Sat. 1 gekauft und dürfte wahrscheinlich im Sommer oder Herbst im Abendprogramm von ersterem Sender landen. Aufgrund der Synchronisation mach ich mir hier weniger Sorgen, als beispielweise bei einem How I Met Your Mother.

6.5/10

Kommentare:

  1. Ich würde der Show mindestens 8 Punkte geben. Fand die erste Staffel übrigens auch nicht viel schlechter, als die zweite - aber das ist wohl Geschmackssache.

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  2. Mmh, schade! Die Action finde ich übrigens auch so übertrieben und teils auch gaga, dass sie prima in das Konzept von Chuck passt. Ganz großartig sind aber die kleinen Drama-/Liebeselemente, die mir jedes Mal das Herz schmelzen lassen. Tja, so einfach geht das mitunter! Chuck ist eine meiner Lieblingsserien.

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  3. Pff, da wird hier einfach in meiner Abwesenheit ein Verriss meiner Lieblingsserie gepostet. SKANDAL!!

    Naja, gut, ein Verriss ist es ja dann letzten Endes doch überhaupt nicht geworden. Und deinen "Argumenten" [die "" sind zwar bewusst gesetzt - aber nicht böse gemeint =)] kann man auch schwer etwas entgegen setzen, denn das hat doch einiges mit persönlicher Wahrnehmung zu tun - die bei mir doch eben um einiges anders aussieht.

    Mir macht die Serie jedenfalls weiterhin einen Riesenspaß und gerade die Laufzeit von über 40 Minuten erlaubt es eben, auch mal Sequenzen mit schicken Songs einfach um ihrer selbst willen einzubauen.

    Und unter dem Strich freut es mich, dass Du der Serie weiterhin treu bleiben willst. Es sollten dann doch noch ein, zwei Episoden kommen, die Dir ebenfalls "ordentliche Unterhaltung" bescheren sollten. ;-)

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  4. @Hirngabel: Die zweite Staffel gefällt mir auch sehr viel besser, da wird am Ende eine entsprechend höhere Bewertung rausspringen.

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  5. Cool. Dann hat sich meine unermüdliche Werbung ja auch für Dich doch noch ausgezahlt. ;-)

    Die zweite Staffel rockt auf jeden Fall ungemein, da man dort auch noch verstärkter auf den Comedy- und Geek-Aspekt eingeht (wie beispielsweise in der grandiosen fünften Episode "Chuck vs. Tom Sawyer).

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