19. November 2010

South Park - Season Fourteen

What’s up with that?

Auf diesem Blog werden ja gerne Serien-Analogien gepflegt. Um mal eine Neue zu bedienen: Serien sind wie… Beziehungen. Wenn sie gut laufen, erachtet man sie als selbstverständlich und irgendwann merkt man zu spät, dass sie beginnen, in eine Sackgasse zu laufen. In den vergangenen Jahren war South Park, ähnlich wie The Office, Serientechnisch der Fels in der Brandung. Ein konstant gutes Niveau wurde Jahr um Jahr aufrecht erhalten. Bis zur 13. Staffel im Vorjahr, die plötzlich einbrach. Etwas lief schief und dies schien auch Matt Stone und Trey Parker aufzufallen, kam die 14. Staffel doch erstaunlich stark zurück. Es gab treffende, passende und vielleicht in dieser überhypten Gesellschaft auch notwendige pop-kulturelle Seitenhiebe. Doch eine Doppelfolge sowie eine Folgentrilogie sollte der Staffel einen Strich durch die Rechnung machen.

Welchen qualitativen Spagat South Park dieses Jahr unternahm, ist beachtlich. Öffnete die Staffel sehr gelungen mit Sexual Healing und der Aufgreifung der Affären Tiger Woods’ sowie der Sexsucht anderer Prominenter, kombinierte die zweite Episode The Tales of Scrotie McBoogerballs den gewohnt pubertären Humor der Serienmacher mit einer gefälligen Gegenkritik an der Popkulturkritik. Besonders das Bohei um J.D. Salingers The Catcher in the Rye wurde hierbei in Erinnerung gerufen, während sich Medicinal Fried Chicken der Tatsache widmete, dass Marihuana in den USA zwar illegal ist, aber aus medizinischen Gründen verschrieben werden darf. Nach den ersten drei Folgen glaubt man die Serie in den guten alten Zeiten zu wissen, erscheint doch alles, wie in der Hochphase der Beziehung. Besonders als der Höhepunkt der Staffel folgt.

Sehr voraus denkend beschäftigt sich You Have 0 Friends mit der Unsinnigkeit „Facebook“, der inzwischen 500 Millionen Menschen verfallen sind und die dieses Jahr eine Kinoauswertung erfahren hat. Ähnlich wie zuvor schon Make Love, Not Warcraft rufen Parker und Stone den Suchtfaktor des sozialen Netzwerkes in Erinnerung, um gleichzeitig die Idiotie des gesamten Systems zu karikieren. Wenn Stan am Ende der Folge zu dem Urteil kommt: „Fuck Facebook, seriously“, ist das wohl die wahrste Aussage, die sich 2010 angesichts von The Social Network (und dessen mehr als wahrscheinliche Auszeichnungen bei den kommenden Oscars) treffen lässt. Umso bedauerlicher, dass nach dieser herausragenden Folge mit den Jubiläumsfolgen zur 200. produzierten Episode (simpel 200 und 201 genannt) ein Teufelskreis eingeläutet wurde.

Fiel die 200. Folge 200 noch annehmbar aus, avancierte 201 eine Woche später mit zu den schlechtesten Episoden, die die Serie je gesehen hatte. Überbordend mit Nebenhandlungen (u.a. Cartmans Vater, Tom Cruise, Terrorismus) verlor sich die Folge in ungewollter Lächerlichkeit, die auch durch Alan-Moore-Zitate nicht gerettet werden konnte. Umso erfreulicher der Übergang in den Sommer-Hiatus mit Crippled Summer und der Catchphrase der Staffel schlechthin („Mimsyyyy!“). Zwar startete die Serie im Oktober eher durchwachsen mit der NASCAR-Persiflage Poor and Stupid, doch ließen schon die anschließenden Folgen wie zuvor der Start in die 14. Staffel die vorherigen Tiefpunkte vergessen. Nur um dann innerhalb eines (Halb-)Jahres denselben Fehler erneut zu machen.

Die Sehgewohnheiten des Zuschauers wurden in der zweiten Hälfte der Staffel angegriffen: Zuerst in der amüsanten Folge It’s a Jersey Thing Reality-Shows wie Jersey Shore und The Real Housewives of New Jersey, im Staffelfinale Crème fraiche die inzwischen omnipräsenten Kochshows rund um Jamie Oliver und Co., sowie wohl am ehrlichsten und akkuratesten der Filmhype rund um Inception in Insheeption. Während sich darin mit Mr. Mackey einer der Randfiguren gewidmet wird, holen Stone und Parker zugleich zum Rundumschlag (wenn auch inspiriert durch CollegeHumor) gegen einen der meistüberschätzten Filme aller Zeiten aus („It’s so complex and cool.“). Während It’s a Jersey Thing und Insheeption nicht an die vier Auftaktfolgen der Staffel herankommen, stechen sie dennoch problemlos aus den letzten sieben Folgen des 14. Jahres heraus.

Mit Coon 2: Hindsight, erhielt die Vorjahresfolge The Coon dann ein Sequel und war selbst nur der Auftakt für die darauffolgenden Episoden Mysterion Rises (der Titel ein zeitnaher Seitenhieb auf Nolans drittes Batman-Abenteuer) und Coon vs. Coon and Friends. Weder vermochte die Trilogie durch ihren Comic-Charakter so zu überzeugen, wie es bei The Coon noch mit Abstrichen der Fall war, noch schaffte sie es, die Fehler von 200 und 201 zu vermeiden. Auch die Trilogie kämpft mit ihrer vielen Nebenhandlungen wie dem Ölleck von BP, später dann aber auch Kennys scheinbare Unsterblichkeit oder die H.P. Lovecraft Figur Cthulhu. So reihen sich Coon 2: Hindsight und Mysterion Rises neben 201 zu den wohl drei schlechtesten Episoden in der South Park-Seriengeschichte, während zumindest Coon vs. Coon and Friends noch einige nette Momente hat.

Dass die 14. Staffel insgesamt also als bisher Schlechteste nach fast anderthalb Jahrzehnten dasteht, ist speziell diesen drei katastrophalen Folgen geschuldet, die eine ansonsten leicht überdurchschnittliche Staffel brachial nach unten ziehen. Dennoch zeigen gerade You Have 0 Friends und The Tale of Scrotie McBoogerballs, dass eine Serie wie South Park nicht nur brillante Satire sein kann, sondern dass in dieser Lemming-Gesellschaft Formate wie die kleine fiktive Stadt in Nevada zwingend notwendig sind. Dass eine Beziehung nach 14 Jahren nicht mehr so funktioniert, wie Jahre zuvor, ist kein Geheimnis. Wie jede gute Beziehung bedarf es auch in der Serienlandschaft der kontinuierlichen Arbeit am eigenen Produkt. Denn um cool zu gelten, muss etwas nicht wie Inception (pseudo-)komplex sein. Es langt schon, wenn es durchdacht ist.

6/10

Kommentare:

  1. Ich habe außer Sexual Healing und You Have 0 Friends zwar bisher keine Folge der 14. Staffel gesehen und verfolge South Park eh allerhöchstens flüchtig, aber: Schön geschriebene Kritik.

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  2. Die Figur des The Coon erachte ich als ziemlich schlechte Idee von den Machern...ich hab jetzt schon keine Lust mir diese Episoden anzuschauen ^^

    Bisher find ich die Staffel ganz ok, wobei ,,You Have 0 Friends" tatsächlich neben der Inception-Folge mir noch am ehesten im Gedächtnis geblieben ist.

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