27. Oktober 2013

Die Top 5: Scrubs

That’s what I’m talking about!

Je besser eine Serie ist, desto konstanter ist ihr Fernsehrating. Oder sogar anwachsend. Wie im Falle von The Big Bang Theory, die inzwischen fast auf einem Level mit Friends angelangt ist und mit durchschnittlich 20 Millionen Zuschauern nur knapp hinter der meist gesehenen Episode von Scrubs liegt. 22,3 Millionen Menschen schalteten zu My Overkill, dem Auftakt zur zweiten Staffel, vor über einem Jahrzehnt ein. Mit 16 Millionen Zuschauern erhielt das zweite Jahr der Sitcom von Bill Lawrence ihre beste Rezeption, ab Staffel 4 gingen die Ratings jedoch zurück und betrugen am Ende nur noch ein Drittel der Glanzzeiten. Nach 169 Folgen und acht Jahren – die 9. Spin-off-Staffel außen vor gelassen – war dann Schluss.

Wie es die Ironie so will, erhielt Scrubs erst ab ihrer vierten Staffel ihre erste Nominierung als Outstanding Comedy Series bei den Emmy Awards. Bei insgesamt nur 12 Nominierungen konnte die Show zwei Preise mit nach Hause nehmen, wirklich gewürdigt wurde sie jedoch stets mehr von einem kleinen Kreis, der am Ende 5,5 Millionen Amerikaner ausmachte. Ein Thema für sich wäre der wahrscheinliche Einfluss von Lawrences Serie auf Genre-Kollegen wie Grey’s Anatomy und House, M.D. mit ihren selbstreflexiven Erzählstimmen und granteligen Star-Doktoren. Was Scrubs auszeichnete, war seine geschickte Kombination eines temporeichen Drehbuchs mit Slapstick und Vignetten sowie der Fokus auf die Hauptfigur.

Diese hörte auf den Namen John ‘J.D.’ Dorian (Zach Braff) und ihre Erlebnisse basierten teils auf denen von Lawrence College-Kumpel Jonathan Doris und dessen Assistenzjahr als Krankenhausarzt. “We’re going to do everything through J.D.’s eyes”, gab Lawrence das Motto der Show vor. So sind es bis auf Ausnahmen auch die Vignetten von Braffs Figur und seine Erzählstimme, die das Publikum begleiten. Als “newbie”, der für Oberarzt Bob Kelso (Ken Jenkins) nur ein Medizinkittel (engl. scrubs) ist, muss J.D. über die kommenden acht Jahre zuerst als Arzt und Internist, aber auch als Mensch reifen. Seine Freunde und Kollegen Chris Turk (Donald Faison) und Elliot Reid (Sarah Chalke) waren ihm da voraus.

Das siebenköpfige Ensemble wird noch komplettiert durch die fürsorgliche Krankenschwester Carla Espinosa (Judy Reyes), den schräg-maliziösen Hausmeister (Neil Flynn) und J.D.’s Mentor Dr. Cox (John C. McGinley), einen narzisstischen Misanthropen. Etwaige Gastdarsteller stießen über die Jahre hinzu, am prominentesten Lawrences Ehefrau Christa Miller als Jordan Sullivan, Aufsichtsratsmitglied des Sacred Heart Hospital und Ex-Frau von Dr. Cox. Jene Gast-Stars sorgten neben der Musik rund um Lazlo Banes Theme-Song “Superman” für den unvergleichlichen Charme von Scrubs. Aber auch die Streiche von J.D. und Turk aneinander sowie im Zusammenspiel mit dem Hausmeister wurden zu echten Klassikern.

Fortschreitende Themen waren neben dem Aspekt des Erwachsenwerdens sicherlich auch die Rolle, die der Zusammenhalt unter den Charakteren gespielt hat. Eine kleine Familie für sich waren diese quasi, sogar mit gelegentlichen Rivalitäten insbesondere in Bezug auf die “guy love” der besten Freunde J.D. und Turk. Aber gerade die Beziehungen von J.D. zu Elliot und Dr. Cox standen stets im Vordergrund. Erstere war eine lange Zeit unglückliche Liebe, die unter J.D.’s Neidsucht litt (von Tara Reids Figur Danni Ende der dritten Staffel in My Self-Examination angesprochen), Letztere ein ungewöhnliche Freundschaft, deren Animosität von Dr. Cox wohl schlechten Erfahrungen mit einem von J.D.’s Vorgängern entstammte.

Derartige ernste Momente, wie der Tod von Ben Sullivan (Brendan Fraser), Laverne Roberts (Aloma Wright) oder persönlicheren Patienten wurden von Lawrence jedoch nur gelegentlich genutzt, was ihre Bedeutung entsprechend verstärkte. Scrubs war eine überaus humorvolle und herzliche Serie, deren Figuren – darunter auch die zweite Garde um den Todd (Robert Maschio), Doug Murphy (Johnny Kastl) oder Snoop Dogg Resident/Attending (Manley Henry) – man schnell liebgewonnen hatte und deren Schrulligkeiten (“Frick!”, “Eeeaagle!”, “Here comes the inside scoop”) nie redundant wurden. Entsprechend konstant war das Niveau der Show, deren fünf gelungensten Folgen nun näher vorgestellt werden sollen:


5. My Fifteen Minutes (Season 1, Episode 8/Lawrence Trilling): Als J.D. und Turk zufällig außerhalb des Sacred Heart einem Kameramann das Leben retten, benutzt Kelso speziell Turk wegen seiner Hautfarbe als positive Werbemaßnahme. Derweil will J.D. mit neugewonnenem Selbstbewusstsein von Dr. Cox eine Bewertung seiner Qualitäten erhalten. In beiden Fällen wird die Rolle von Identitäten sowie auch Selbstreflexion thematisiert.

4. My Changing Ways (Season 4, Episode 25/Victor Nelli Jr.): Das Finale der vierten Staffel beschäftigt sich mit Veränderungen im Leben der Figuren. J.D. bezieht endlich eine eigene Wohnung und fürchtet, seine Freundschaft mit Turk könnte darunter leiden, während Elliot einen neuen Job in einem anderen Krankenhaus annimmt. Beide Figuren sind nunmehr zum ersten Mal auf sich allein gestellt und vollziehen einen großen Reifeprozess.

3. My Clean Break (Season 3, Episode 11/Chris Koch): Der nach Nähe strebende J.D. wird in dieser Folge damit konfrontiert, erstmals in seinem Leben eine Beziehung beenden zu müssen, während er realisiert, dass er immer noch Gefühle für Elliot zu haben scheint. Diese wiederum muss einen Mittelweg finden, sich in ihrem Job als Frau wohlzufühlen, während Dr. Cox damit hadert, dass ihn die Geburt seines Sohnes verweichlicht hat.

2. My Fallen Idol (Season 5, Episode 21/Joanna Kerns): Als Dr. Cox wegen eines Tollwut-Vorfalls drei Organspendepatienten verliert, gibt er sich dem Alkohol und Depressionen hin. Auch sein Schützling J.D. hadert mit dem erschütterten Bild seines Mentors, während er Turk dabei hilft, mit seinem neuen, extrovertierten Vorgesetzten warm zu werden. Eine der seltenen Folgen, die konkret hervorhebt, welche Bedeutung J.D. für Dr. Cox hat.

1. My Super Ego (Season 1, Episode 7/Peter Lauer): Die Vorreiterrolle von J.D. wird durch Jahrgangskollege Nick Murdoch (Sean Hayes) gefährdet, der sogar die Anerkennung von Dr. Cox erhält. Als einem jungen Patienten jedoch nicht zu helfen ist, zeigt sich wie sehr Murdoch die Geschehnisse im Krankenhaus an sich heran lässt. Dadurch realisiert J.D., dass es nicht wichtig ist, der Beste zu sein, sondern harte Umstände zu bestehen.

Kommentare:

  1. Sehr schön, lediglich das Serienfinale vermisse ich etwas, entließ mich dieses nach mindestens einer Staffel zuviel mit einem so befriedigenden, nostlagischen Gefühl, wie ich es überhaupt nicht mehr für möglich gehalten hätte. Trotzdem eine sehr gute Auflistung, gerade Platz 1 bricht die Genialität dieser Serie - inmitten wahnwitzigen Slapsticks ganz wahrhaftige Emotionen heraufzubeschwören - perfekt herunter.

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  2. Der Artikel erinnert mich daran, dass ich "Scrubs" immer noch nicht komplett gesehen habe. Die ersten 4 bis 5 Jahre kenne ich recht gut, doch danach nur noch lückenhaft, wenn überhaupt. Werde ich bestimmt noch einmal nachholen, da ich Lawrences Humor sehr mag und z.B. auch "Cougar Town" toll finde.

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