12. Juli 2014

A League of Their Own

There’s no crying in baseball.

Im Mai dieses Jahres war es soweit. Kai Traemann, Sportchef von Bild.de, hat Frauen-Fußball geschaut – genauer: das Champions League-Finale, dass der VfL Wolfsburg gegen Tyresö gewann. „Aus Versehen“, schiebt er sogleich nach. Es kam nichts besseres im Fernsehen, auch nicht auf Eurosport, das beim Sportchef von Bild.de auf Programmplatz 51 landet. Für Traemann scheint Frauen-Fußball irgendwie ein Sport, aber halt kein richtiger. Eine Haltung, die über Fußball hinausgeht. Man jubelt, wenn die Lisicki ins Wimbledon-Finale kommt, aber dasselbe wie Djokovic gegen Nadal ist das nicht. Auf professionellen Frauen-Sport blickt man(n) seit jeher etwas herab. Mit langer Geschichte, wie Penny Marshalls A League of Their Own zeigt.

Ihren Spielfilm von 1992 basierte Marshall auf der All-American Girls Professional Baseball League, die von1943 bis 1954 in den USA bestand. Philip K. Wrigley, Kaugummi-Magnat und Besitzer der Chicago Cubs, hatte sie während des Zweiten Weltkriegs ins Leben gerufen, weil die männlichen Baseballspieler an der Front kämpften. “The show must go on“, dachte sich Wrigley, der zugleich das mögliche Aussterben der Sportart befürchtete. Rund 600 Spielerinnen waren in den nächsten elf Jahren aktiv, in einer der ersten Profi-Sportligen für Frauen, die eine Mischung aus Baseball und Softball praktizierte. Adrett in Röcken und mit Benimmkursen ausgestattet, trugen die Damen ihren Teil zur Bewältigung der Kriegsereignisse bei.

In A League of Their Own (in Deutschland heißt der Film Eine Klasse für sich) wird aus dem Kaugummi-Magnat Wrigley der Schoko-Millionär Harvey. Er beauftragt seinen Manager Ira Lowenstein (David Strathairn) mit der Gründung einer Frauen-Baseballliga. Für diese werden die Schwestern Dottie Hinson (Geena Davis) und Kit Keller (Lori Petty) ausgewählt. Gemeinsam mit anderen Frauen wie Mae Mordabito (Madonna) und Doris Murphy (Rosie O’Donnell) bilden sie das Team der Rockford Peaches. Trainieren soll sie Jimmy Dugan (Tom Hanks), ein versoffener Ex-Profi der Cubs, der aufgrund einer selbstverschuldeten Verletzung seine Karriere beenden musste. Dugan zeigt sich allerdings wenig begeistert von seiner neuen Aufgabe.

“Girls are what you sleep with after the game, not, not what you coach during the game“, bringt dieser seine Skepsis zum Ausdruck. Ähnlich wie Kai Traemann wird Jimmy Dugan eher widerwillig mit dem Frauensport konfrontiert. Und muss, wie auch die Zuschauer, erst dessen Vorzüge erkennen. Dies geschieht über die meiste Zeit des Films hinweg mittels der Figur von Dottie. Sie ist in doppelter Hinsicht ein echter “peach“ – ein richtiger Hingucker und obendrein noch die talentierteste Spielerin im Team. Dabei ist sie nur um ihrer Schwester willen in der Liga aktiv, erwartet eigentlich sehnsüchtig die Rückkehr ihres Mannes Bob (Bill Pullman) von der Front. Damit ist sie, wie sich zeigt, nicht die einzige Spielerin.

Die Frauen lernen, mit dem Sport nicht nur für die Bevölkerung da zu sein, sondern auch füreinander. Zu einer Gemeinschaft zu werden. A League of Their Own widmet sich solcher Momente immer hier und da am Rande, ignoriert sie nicht, verliert sich jedoch auch nicht in ihnen. Da wird nebenbei der Analphabetin Shirley Baker (Ann Cusack) von Mae auf einer Fahrt zum Auswärtsspiel das Lesen beigebracht. Und die jungenhafte Marla Hooch (Megan Cavanagh) darf sich ausgerechnet über einen „Männersport“ als Frau entdecken. Dass jenseits des Atlantik ein Krieg herrscht, wird ebenfalls nicht vergessen. Dottie erwähnt in einer Szene, dass ihr Bob seit Wochen nicht geschrieben hat. Und dann gibt es plötzlich ein Kriegstelegramm.

Penny Marshall gelang mit A League of Their Own ein erfrischend „altbackener“ Film in bester Hinsicht. Heutzutage würde Hollywood Dottie wohl in ein Liebesdreieck mit Jimmy und Bob drängen, hier beschränkt sich die Beziehung von Coach und Spielerin jedoch auf gegenseitige Bewunderung. Der Fokus liegt dabei sicher auf Dottie und ihr Verhältnis zu Kit, die sie stets in den Schatten drängt. Nicht alle Peaches treten in den Vordergrund, selbst Madonna wird eher spärlich eingesetzt. Dennoch fühlt sich der Film nicht wie eine One-Woman-Show von Geena Davis an, gerade der Konflikt mit Lori Pettys Figur wirkt glaubwürdig und spannend. Im Grunde hätte man ihn sogar noch mehr in den Mittelpunkt rücken können.

Eigentlicher Star des Films – und das ist fast das Zynische – ist jedoch Tom Hanks als versiffter Verlierer, der um keinen dummen Spruch verlegen ist und am Ende wieder zu dem Mann wird, der er irgendwann mal war. Hanks zeigt seine komödiantische Klasse, die ihn in den 80ern zum Star hat werden lassen. Auch Jon Lovitz bereitet in einer Nebenrolle als sarkastischer Scout jede Menge Spaß, abseits vom Humor überzeugt A League of Their Own jedoch aufgrund seiner Emotionen. Ergreifend gerät da der Schluss, wenn die Gruppe greiser Frauen die alte Hymne ihrer Liga anstimmt, umgeben von einander und von Erinnerungsstücken, die selbst den kleinen Stilwell (Mark Holton) beim Anblick eines Fotos seiner verstorben Mutter berühren.

Wenn Jimmy Ende des zweiten Akts Dottie vom Baseball überzeugen will, ließe sich dies im Grunde auch auf das Leben an sich münzen: “It’s supposed to be hard. If it wasn’t hard, everyone would do it. The hard... is what makes it great.“ Ein Satz, der selbst auf die Qualität des Films zutrifft, auch wenn seine Umsetzung und Inszenierung vermutlich nicht allzu schwer war (selbst wenn die divenhafte Madonna seinerzeit anders darüber dachte). A League of Their Own ist eine “old school“ Sportkomödie, die unterhält und berührt. Nicht, weil ihre Figuren Frauen sind, sondern Menschen. Und wenn sich diese Sichtweise verstärkt durchsetzt, schalten Machos vielleicht irgendwann auch nicht mehr nur „aus Versehen“ Frauen-Sport-Übertragungen ein.

7.5/10

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