13. Februar 2015

Kurz & Knackig: Justice League

Das hätten sich auch die Nerds nicht träumen lassen, dass Comic-Filme irgendwann die Filmindustrie dominieren. Marvels Output – Spider-Man und X-Men außen vor – hat bislang über sieben Milliarden Dollar eingespielt, mehr als ein Drittel davon allein durch The Avengers und Iron Man 3. DC’s Portfolio baute primär auf Nolans Batman-Filme, die den Löwenanteil der drei Milliarden Einspiel besorgten, wohingegen Green Lantern zum Flop avancierte. Kein Wunder also, dass auch Warner Bros. ein Stück vom Kuchen abhaben will und nächstes Jahr mit Batman v Superman: Dawn of Justice auf ihren eigenen Ensemble-Film hinarbeiten. Dabei ist die Justice League schon seit Jahren im Einsatz – wenn auch bislang nur im Animationsbereich.

Seit 2007 spült DC Comics in regelmäßigen Abständen Filme zu seinen Helden Ensemble-Werke auf den DTV-Markt. Die Filme folgen dabei zu Beginn keiner wirklichen Chronologie. Was sie neben namhaften Voice Casts (Nathan Fillion als Green Lantern!) auszeichnet, sind teils interessante Ideen, Szenen und Momente. Aber auch so manche Stolpersteine. Das Schema ist oft dasselbe: Batman ist der seriöse Leader, Green Lantern meist der comic relief – oft unterstützt von Flash –, während Wonder Woman bzw. Diana Prince etwas steif daherkommt, Cyborg eher ein Militärstratege ist und Superman oft auf seine Stärke reduziert wird. In der Folge sollen einige der jüngeren Justice League-Filme etwas ausführlicher beleuchtet werden.

Justice League: Crisis on Two Earths (2010)

The philosophical implications are tremendous.

Von den vier vorgestellten Filmen entspricht der Zeichenstil von Lauren Montgomerys und Sam Lius Crisis on Two Earths sicher am ehesten dem von Fernseh-Cartoons. Wie im Falle der anderen Filme wird sich aus dem großen Print-Fundus bedient, um eine der populäreren Handlungsstränge zu erzählen. In diesem Fall wird die Justice League von der Ankunft Lex Luthors überrascht, der kundtut, aus einer Paralleldimension zu stammen, wo die Superhelden als Crime Syndicate die Bösewichte geben und die im DC-Universum bekannten Antagonisten rund um Luthor, Joker und Deathstroke wiederum die Justice League stellen. Luthor als letztes überlebendes Mitglied dieser Justice League bittet nun Superman und Co. um Unterstützung.

Den Zuschauer erwartet somit ein “What if”-Szenario, in dem mit großer Macht große Gier einhergeht. Superman (Mark Harmon) wird zu Ultraman, Wonder Woman zu Superwoman, usw. Hierbei wird zugleich die subtile Idiotie der Heldennamen deutlich, wenn in der Alternativwelt Batman (William Baldwin) schließlich zu Owlman (James Woods) mutiert. Gerade letztere beide bestimmen das Geschehen, wenn Owlman eine Superbombe dazu nutzen will, die Ursprungserde zu zerstören, weil in einer Welt mit unzähligen Erden jegliche Entscheidung und somit auch die menschliche Existenz irrelevant sei. Eine Suizidmission, bei der Owlman bereitwillig von seiner bloß aufs Monetäre fixierten Freundin Superwoman unterstützt wird.

Die ist als verruchte Femme fatale einer der Höhepunkte, auch wenn ihre Motivation nur bedingt Sinn macht. Ansonsten gibt es hier wie in den anderen Filmen viele, teils ausufernde Actionszenen, wenn sich unsere Superhelden ohne wirkliche Konsequenzen eins auf die Zwölf geben. Manche Figur wie Green Lantern rückt da in den Hintergrund, was im Falle des Crime Syndicates jedoch noch auffälliger ist. Trotz allem finden die Regisseure Zeit, dem Martian Manhunter eine Liebesgeschichte auf den Leib zu schreiben. Seine Stärken bezieht Crisis on Two Earths jedoch aus der verkehrten Darstellung der gewohnten Verhältnisse, kulminierend in einem spannenden und gut geschriebenen Finale zwischen Batman und Owlman.

6/10

Justice League: The Flashpoint Paradox (2013)

You’re one hell of a messenger.

Dass Jay Oliva als Storyboarder an Bord von Zack Snyders Man of Steel war, sollte man dem Regisseur der The Dark Knight Returns-Adaption nicht zum Vorwurf machen. Zumindest versucht The Flashpoint Paradox in diesem Fall eine Rehabilitation. Was eingangs wie ein gewöhnliches Justice League-Abenteuer beginnt, in dem Flash (Justin Chambers) ein Bombenattentat des Reverse-Flash mithilfe der Justice League abwenden muss, entwickelt sich schnell zu einer alternativen Realität, die buchstäblich keine Gefangenen macht. Hier führen Wonder Womans (Vanessa Marshall) Amazonen Kriegt mit Aquamans Atlanteanern, weil Diana Prince für den Tod von Aquamans Frau Mera verantwortlich ist. Doch das ist nur eine Abwandlung von vielen.

Wie Flash bei einem Besuch in Gotham feststellen muss, ist Batman in dieser Zeitachse Thomas Wayne (Kevin McKidd), nachdem es Bruce war, der seinerzeit starb, statt seiner Eltern. Superman ist in dieser Realität ein geheimes Militärexperiment, das Batman und Flash später mit Cyborg (Michael B. Jordan) befreien müssen und Hal Jordan ist nie zu Green Lantern geworden. Wieder ist es die Umkehr mancher Gewohnheit – auch hier gehören Luthor und Slade Wilson zu den Guten –, die gefällt. Beeindruckend ist zuvorderst jedoch die ernste und sehr gewalthaltige Herangehensweise, wenn unsere bekannten Helden wie Shazam hier teilweise brutale und grausame Tode sterben. Was nicht bedeutet, der Film sei frei von Humor.

Problematisch gerät allerdings die Auflösung des Ursprungs der alternativen Realität, die aus einer einzigen Handlung resultierte. Wieso dies sich wiederum derart auswirkt, dass Bruce Wayne an seiner Eltern statt stirbt oder Superman nie von den Kents aufgezogen wird, will nicht ganz klar werden. Und auch wenn The Flashpoint Paradox auf einer emotionalen Note endet, steht das Konstrukt der Handlung im Nachhinein auf wackeligen Beinen. Die zuvor erschaffene dystopische Welt hingegen wusste zu gefallen, auch wenn manche Figur – wie ein direkt aus Pumping Iron entsprungener Aquaman – etwas befremdlich wirkt. Härter und dreckiger als The Flashpoint Paradox kann man einen Justice League-Film jedoch kaum inszenieren.

6/10

Justice League: War (2014)

You’re not just some guy in a bat costume, are you?

Auch in War führte Jay Oliva wieder die Regie, während der Film erneut eine neue Kontinuität beginnt – die immerhin in Throne of Atlantis fortgesetzt wird –, obschon er am Ende von Flashpoint in einer Post-Credit-Szene angeteasert wurde. Die Hintergründe dieser Realität ergeben sich während der Sichtung, beispielsweise welche der Figuren sich kennen und welche nicht. Darkseid plant in bester The Avengers-Manier mittels beliebiger Alien-Krieger die Invasion der Erde, was zuerst Batman (Jason O’Mara) und Green Lantern (Justin Kirk) in Gotham zusammenführt. Beide suchen in Metropolis daraufhin die Unterstützung durch Superman (Alan Tudyk), während Victor Stone eher widerwillig durch Darkseids Invasions-Pläne zu Cyborg mutiert.

Während verschiedener Angriffe, unter anderem auf Air Force One, werden auch Helden wie Wonder Woman (Michelle Monaghan), Flash (Christopher Gorham) und Shazam (Sean Astin) in das Geschehen involviert. Gemeinsam müssen die sieben Superhelden nun einen Mittel und Weg finden, um Darkseids Plänen ein Ende zusetzen. Und damit wäre auch die Handlung bereits umrissen, die im Gegensatz zu den beiden anderen Filmen relativ wenig tiefgründig gerät. Zuvorderst lebt War von der Konfrontation der verschiedenen Figuren, wobei das Duo Batman und Green Lantern neben der Genesis von Cyborg (zurecht) die meiste Laufzeit in Anspruch nimmt. Der überzeugende Zeichenstil orientiert sich dabei an Olivas Vorgänger-Film.

Letztendlich hätte man das alles jedoch auch auf etwas mehr als die Hälfte der Zeit eindampfen können, da der Film so manchen Leerlauf hat. So sehr Wonder Woman auch auf den Putz haut, ist Diana Prince doch eine unwahrscheinlich steife Figur geworden. Shazam wiederum gerät relativ verzichtenswert und ironischerweise spielt Superman auch hier wieder nur die zweite Geige hinter Batman. Bereitet Darkseid zuerst enorme Probleme, gelingt es den Helden dann auch ohne Batman und Superman später relativ einfach, mit ihm fertig zu werden. Dass manche Figuren wie Wonder Woman hier erneut neu gezeichnet und das Ensemble neue Stimmen erhält (und teils in Throne of Atlantis nochmals) steht War am Ende ein wenig im Weg.

5.5/10

Justice League: Throne of Atlantis (2015)

Journalism is dead.

Obschon Throne of Atlantis die Ereignisse aus War fortführt, warten wieder einige Wechsel bei den Synchronsprechern auf. So wird Superman nun von Jerry O’Connell gesprochen, Wonder Woman von Rosario Dawson und Green Lantern wieder von Nathan Fillion. Ansonsten gehen die Figuren im Grunde ihre eigenen Wege, eine Justice League – wie Cyborg zu Beginn resümiert – existiert de facto nicht wirklich. Natürlich kommt sie hier dennoch wieder zusammen, als ein U-Boot der Armee im Marianengraben verschwindet. Ursache ist eine Attacke der Atlanteaner, die den Tod ihres Königs rächen wollen, der als Kollateralschaden in Darkseids Invasion aus War starb. Nur Arthur Curry (Matt Lanter) kann als Aquaman das Schlimmste verhindern.

Als Folge schickt sich der diesmal von Ethan Spaulding inszenierte Film als Origin-Story für Aquaman an, lernt Arthur Curry doch von seiner wahren Abstammung und designierten Rolle, während sein Halbbruder Orm (Sam Witwer) sich als Kriegstreiber versucht. Die Justice League nimmt sich in Throne of Atlantis etwas zurück, wobei durchaus Plot-Elemente aus War fortgeführt werden. So beginnen Superman und Wonder Woman zu daten wie auch Green Lantern und Batman ihre zotiges Miteinander intensivieren. Für Flash und Shazam bleibt da wenig zu tun, auch Cyborg agiert etwas passiver. Die Handlung gehört zum Großteil Aquamans Origin, der zugleich reichlich hastig abgespult wird, um sich wirklich entfalten zu können.

Bisherige Kritikpunkte finden sich hier wieder. Shazam ist eine überflüssige Figur und Wonder Woman arg steif. Hier kann sie nicht einmal auf den Putz hauen, was dafür Mera (Sumalee Montano) eindrucksvoll zufällt. Throne of Atlantis gerät dabei zwar nicht so blutig wie Flashpoint Paradox, aber der Großteil der Justice League sowie die Atlanteaner machen hier keine Gefangenen. Die Action weiß zu gefallen, auch wenn sie in ihrer Redundanz schnell eintönig wird. Am stärksten ist Throne of Atlantis in seinen ruhigen Momenten, wenn die Charaktere miteinander agieren dürfen. Eine weitere Post-Credit-Szene deutet an, dass im nächsten Justice League-Teil endlich etwas mehr Fleisch an den Knochen kommt. Zu wünschen wäre es.

5.5/10

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