26. September 2007

Entourage - Season Two

Let's hug it out, bitch.

Das amerikanische Fernsehen blüht, es herrscht sozusagen ein Goldenes Zeitalter, nie gab es mehr hochklassige Serien, nie tummelten sich mehr Stars im Fernsehen. Galten TV-Serien früher für Hollywood-SchauspielerInnen noch als absolutes No-Go – so empfahl beispielweise Danny Aiello der jungen Natalie Portman beim Set von Leon – The Professional niemals fürs Fernsehen zu arbeiten – haben sich diese Zeiten nunmehr gewandelt. Zwar besteht das Grundgerüst der meisten Serien immer noch aus ehemaligen Stars eingestellter Serien (bsp. Matthew Fox in Lost oder Michael C. Hall in Dexter), aber die meisten Kinoschauspieler lassen es sich nicht nehmen, für eine oder zwei Episoden auch im TV aufzutreten. Ein Beispiel für eine solche Serie war Friends, die Stars wie Bruce Willis und Brad Pitt beherbergte, keine andere Serie scheint jedoch mit so vielen Gaststars aufwarten zu können, wie Entourage.

Wer meinen Beitrag zur ersten Staffel gelesen hat (falls das überhaupt auf jemand außer bullion zutrifft *g*), wird er sich erinnern, dass ich von dieser nicht sonderlich begeistert war und mir die zweite Staffel gegebenenfalls in der nächsten Sommerpause zu Gemüte führen wollte. Daraus ist dann doch schon/noch diese Sommerpause geworden. Aus einem ganz einfachen Grund: die Serie ist mir in der zweiten Staffel mehr ans Herz gewachsen. Ist zwar immer noch keine Offenbarung das Ganze, aber eine Steigerung. Trotzdem besteht die Serie hauptsächlich noch aus Kiffen und Vögeln, wobei dies besonders in der zweiten Hälfte abnimmt und sogar verschwindet, da die Serie hier einen (erstaunlich) ernsteren Ton einnimmt. Enttäuschenderweise bleiben dennoch die meisten Figuren oberflächlich und lassen eine gewisse Tiefe, bzw. Motivation vermissen. Mir fehlt hier eine Entwicklung, die bei Charakteren wie Vince oder Turtle nicht stattfindet.

Die Staffel ist von einem einzigen Thema durchzogen: Aquaman! Warner Bros. neuer Blockbuster soll unbedingt Vincent Chase (Adrian Greenier) in der Hauptrolle aufbieten. Befürworter des ganzen ist Vinces Agent Ari Gold (Jeremy Piven), der seinen Mandanten mal wieder in einem erfolgreichen Film sehen will. Doch Vince ist überhaupt nicht davon begeistert in einem hautengen Trikot durchs Wasser zu schwimmen, obschon ihm sein bester Freund und inzwischen auch Manager Eric “E“ Murphy (Kevin Connolly) das Drehbuch anpreist. Als sich die Jungs schließlich durchringen können erhalten ihre Hoffnungen erstmal einen Dämpfer durch die Mitteilung das James Cameron Regie führen wird. Während Vinces Bruder Johnny “Drama“ (Kevin Dillon) sich in einem Vorsprechen nach dem anderen und Turtle (Jerry Ferrara), das Mädchen für alles, in anderen Gefilden versuchen, müssen Vince, E und Ari um ihr begehrtes Aquaman-Projekt kämpfen.

War die erste Staffel noch verspielt und zwanglos, erhält die zweite nunmehr einen ernsteren Touch. Die Entscheidung den Indie-Film Queens Blvd. zu machen, hat Vinces Ruhm vorerst erkalten und die Filmangebote rar werden lassen. Als er sich für mehrere Millionen Dollar das Haus von Marlon Brando kauft sinken seine Finanzen auf einen Tiefstand. Nunmehr ist er gezwungen Aquaman zu machen, praktisch um seine Karriere zu retten. Erst als Oscarpreisträger James Cameron die Regie übernimmt, beginnt das Projekt auch Reize für Vince zu gewinnen. Drama versucht immer noch Rollenangebote zu ergattern und Turtle ist die Ulknudel der Serie, der keinen anderen Zweck als Stimmungslockerung erfüllt. Mehr in den Fokus geraten die beiden für Vince wichtigsten Männer: sein Manager E und sein Agent Ari. Wobei E mit seiner überheblichen und eingebildeten Art mit jeder Folge unerträglicher wird. So dermaßen von sich selbst überzeugt bringt er effektiv gesehen rein gar nichts für Vince.

Ganz im Gegensatz zu Ari, der sich inzwischen zu meiner Lieblingsfigur gemausert hat. Von allen Darstellern liefert Piven auch die beste Leistung, sodass er verdientermaßen dreimal hintereinander für den Emmy nominiert und zweimal davon Sieger wurde. Ari legt sich wirklich ins Zeug für Vince und dessen Karriere, riskiert dabei mehrmals seinen Job und seine Ehe. Traurigerweise wissen das Vince und E nicht zu schätzen oder zu würdigen, stattdessen treiben sie mehrmals ihre Spielchen mit dem armen Ari und verschlechtern seine Probleme auch noch. Stargast der Staffel ist zweifellos James Cameron, aber auch andere Größen wie Hugh Heffner, Mandy Moore und weitere geben sich die Ehre. Meine persönliche Lieblingsfolge ist dabei An Offer Refused, in welcher Drama sich einen Streit mit Ralph Macchio liefert und versucht sich in Hugh Heffner’s Poolparty einzuschleichen. Unter den gegebenen Umständen scheint es Entourage in die Sphäre meiner persönlichen Serien geschafft zu haben – auch wenn deren Zahl immer größer wird.

7.5/10

Kommentare:

  1. Doch, ich hab auch dein Review zu Season 1 gelesen.
    Deswegen kam mir der erste Absatz auch sehr bekannt vor. ;-)

    Werd die Serie bei Gelegenheit vielleicht mal antesten. Aber wie du schon sagst gibt es momentan soviele Qualitäts-Serien, dass neben dem Filme schauen kaum noch was Neues unterzubringen ist.

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  2. Wer meinen Beitrag zur ersten Staffel gelesen hat (falls das überhaupt auf jemand außer bullion zutrifft *g*)

    Unterstellst du deinen anderen Lesern etwa, sie würden deine Beiträge nicht lesen? ;-)

    Hier fällt es mir schwer, etwas einigermaßen sinnvolles zu kommentieren, weil ich keine Meinung zu Entourage habe.

    Ich warte ja gespannt auf deine Rezis zu den Sopranos Seasons 3-6 :-)

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  3. Namentliche Erwähnungen sind doch immer etwas nettes! ;-)

    Die ernsteren Dinge des Filmbiz (scheiternde Produktionen etc.) werden in Zukunft noch zunehmen. Das Partyleben von Vince und Co. ist immer noch präsent, wird aber weiter zurückgeschraubt - und das ist auch gut so!

    Insgesamt stimme ich voll und ganz mit dir überein. "Entourage" wird wohl nie sonderlich tiefsinnig werden, sondern hauptsächlich eine spaßige Serie über das oberflächliche Hollywoodleben bleiben.

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  4. Hatte eben den Eindruck, dass in der Bloggersphäre ENTOURAGE nicht sehr weit verbreitet sei, daher mein Understatement *g*

    @Jochen: SOPRANOS 3 ist etwas ins Hintertreffen geraten, jetzt wo in den USA die neue Staffelsaison begonnen hat und ich meine "Lieblinge" verfolgen muss ;)
    Bei Gelegenheit widme ich mich aber auch wieder T, Junior und den anderen...

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