12. August 2008

As Time Goes By: Natalie Portman

To just be interested in doing films would limit my life.

Am 9. Juni 1981 erblickte Natalie Hershlag in Jerusalem, Israel, das Licht der Welt. Das einzige Kind des israelischen Arztes Avner Hershlag, auf Fruchtbarkeit und Reproduktion spezialisiert, und der amerikanischen Hausfrau Shelley Stevens lebte mit seinen Eltern drei Jahre in der heiligen Stadt. Kennen gelernt hatten sich die Eltern in einem jüdischen Zentrum in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hershlags Großeltern väterlicherseits waren im Konzentrationslager von Auschwitz ums Leben gekommen. 1984 zog es die Familie dann zurück in die USA, wo sie sich nach einigen Aufenthalten letztlich 1990 in Long Island, New York, niederließ. Im Alter von zehn Jahren wurde Hershlag von einem Revlon Agenten angesprochen, der sie als Kindermodel gewinnen wollte. Doch sie lehnte ab und besuchte stattdessen in ihrem Schulferien Theater Camps. Ein Jahr später wurde sie in einem Pizzastand entdeckt und zum Vorsprechen für einen Film des französischen Regisseurs Luc Besson eingeladen. Ihre Rolle als junge femme fatale in Leon – The Professional sollte ihr 1994 den Weg in eine internationale Karriere ebnen. In ihrer neuen Funktion als Schauspielerin nahm sie nun den Mädchennamen ihrer Großmutter an, um sich etwas Privatsphäre zu sichern. Die aufstrebende Schauspielerin Natalie Portman war geboren und Leon – The Professional wurde zum Kultfilm. In den nächsten beiden Jahren würde Portman mit einigen namhaften Regisseuren zusammenarbeiten. Ihr nächstes Engagement trieb sie sie als suizidale Filmtochter von Al Pacino zu Michael Manns Meisterwerk Heat, anschließend spielte sie eine gewichtige Rolle in Beautiful Girls, dem Meisterwerk von Jonathan Demmes verstorbenem Bruder Ted. Im selben Jahr würde sie auch Nebenrollen in Everyone Says I Love You von Woody Allen und Mars Attacks! von Tim Burton übernehmen.

Ursprünglich geplant war auch, dass Portman als Julia in Baz Luhrmanns farbgewaltigem Romeo + Juliet an der Seite von Leonardo Di Caprio spielt. Doch letztlich war den Produzenten der Altersunterschied zwischen den beiden Darstellern zu groß und Claire Danes wurde an Portmans Stelle engagiert. Stattdessen spielte die Jungdarstellerin an der Seite von Susan Sarandon in Anywhere But Here. Nachdem Portman die Rolle wegen einer Sexszene ursprünglich abgelehnt hatte, setzte Sarandon beim Regisseur durch, dass sie besagte Szene gestrichen würde, damit Portman mitspielen konnte. Für ihre Darstellung der Ann August erhielt Portman 1999 ihre erste Golden Globe Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Während sie im nächsten Jahr in Where the Heart Is eine weitere Coming-of-Age-Geschichte drehen würde, bereitete das Jahr 1999 wahrscheinlich Portmans größten Karrieresprung. In George Lucas’ neuer Star Wars-Trilogie würde sie die Rolle der Padmé Amidala übernehmen, der Mutter von Luke und Frau von Anakin Skywalker. Die zweite Trilogie würde weltweit an den Kinokassen 2,5 Milliarden Dollar einspielen und Portmans Namen endgültig in der Filmindustrie etablieren. Abgesehen von den Star Wars-Filmen partizipierte Portman zwischen 1999 und 2002 an keinen anderen Filmprojekten.

Stattdessen studierte sie an der Universität von Harvard das Fach Psychologie, welches sie 2003 mit einem Bachelor-Titel abschloss. In ihrer Studentenphase veröffentlichte Portman auch zwei wissenschaftliche Aufsätze, den einen als 17-jährige High School Studentin über die Enzymproduktion von Wasserstoff im Intel Science Talent Search und den anderen über Frontallappenaktivität während Objektbeständigkeit. Während ihrer Studienzeit war sich Portman auch nicht zu schade, als Laborassistentin zu arbeiten und am Studentenleben teilzunehmen. Zudem wirkte sie im Jahr 2001 in New York City an dem Theaterstück The Seagull mit, welches von Mike Nichols inszeniert wurde und Schauspielgrößen wie Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman angelockt hatte. Nachdem sie 2003 eine Nebenrolle in Cold Mountain vom verstorbenen Oscarpreisträger Anthony Minghella übernommen hatte, zeigte sie, dass sie nicht nur auf große Projekte fixiert war. Sie komplettierte 2004 das ansehnliche Ensemble von Zach Braffs Regiedebüt Garden State und arbeitete im selben Jahr erneut mit Familienfreund Mike Nichols für dessen Closer zusammen. Für ihre Portraitierung der Alice in Closer würde Portman dieses Mal den Golden Globe als Beste Nebendarstellerin nach Hause nehmen können. Außerdem wurde sie in selbiger Kategorie auch für einen Academy Award nominiert.

Spätestens jetzt hatte sich die Israeli-Amerikanerin als ernstzunehmende Schauspielerin in Hollywood etabliert. Ein Jahr später würde sie mit Revenge of the Sith im erfolgreichsten Film 2005 zum letzten Mal ihre Rolle als Padmé spielen, ehe sie ein Jahr später mit Tom Tykwer ein Segment für den Episodenfilm Paris, je t’aime drehen sollte. Außerdem spielte Portman 2006 in dem kontrovers diskutierten V for Vendetta mit. Die Geschichte des Terroristen und Sympathieträgers V, nach der Comicvorlage von Alan Moore, sorgte fünf Jahre nach dem 11. September für Zündstoff. Diesbezüglich trat Portman im März 2006 an der Columbia Universität als Gastdozent auf und diskutierte in einem Kurs über Terrorismus und Terrorismusbekämpfung über V for Vendetta. Für den von den Wachowskis produzierten Sci-Fi-Actioner ließ sich Portman sogar eine Glatze schneiden. Ihr Aussehen hielt Regiegröße Milos Forman nicht davon ab ihr die weibliche Hauptrolle in seinem Goya’s Ghosts zu geben. Auch ihre nächsten beiden Kollaborationen würden sie mit namhaften Regisseuren zusammen bringen. Portman übernahm Nebenrollen in Wong Kar-Wais Amerikadebüt My Blueberry Nights und offerierte ihre erste Nacktrolle in Wes Andersons Kurzfilm Hotel Chevalier, der zu dessen The Darjeeling Limited hinführte.

Ebenfalls 2007 spielte sie dann noch die Hauptrolle in Zach Helms Regiedebüt Mr. Magorium’s Wonder Emporium. Dieses Jahr spielte Portman an der Seite von Scarlett Johansson in The Other Boleyn Girl die berühm-berüchtigte Anne Boleyn. Gegen Ende des Jahres wird sie gemeinsam mit Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal in Brothers zu sehen sein, dem Remake von Susanne Biers Brødre zu sehen sein. Ebenfalls abgeschlossen sind die Dreharbeiten zu New York, I Love You, dem amerikanischen Gegenpart zu Paris, je t’aime. In jenem wird Portman nicht nur eine Rolle in einem der Segmente übernehmen, sondern zugleich auch ihr Regiedebüt geben. Während ihrer 14-jährigen Karriere konnte die 27-Jährige mit Regisseuren wie Woody Allen, Tim Burton, Michael Mann, George Lucas, Wong Kar-Wai und Milos Forman arbeiten und hat sich als viel versprechende Schauspielerin einen Namen gemacht. Entertainment Weekly führt sie auf Platz Zwei der Top 30 unter 30 Schauspielerinnen. Denselben Platz schrieb ihr das Empire Magazin in der Rubrik Sexiest Movie Stars ein Jahr zuvor zu. Inzwischen hat sich Portman nicht nur als Schauspielerin, sondern auch Stilikone etabliert. Neben Stella McCartney zählt auch Designer Zac Posen zu ihren Freunden, letzterer beschreibt sie sogar als seine Muse. Außerdem ist Portman mit Musiker Moby und Schriftsteller Jonathan Safran Foer befreundet, ebenso wie mit zahlreichen Schauspielkollegen wie Scarlett Johannson und Bryce Dallas Howard.

Im Gegensatz zu anderen Jungstars wie Edward Furlong, Lindsay Lohan oder Brad Renfro konnte sich Natalie Portman im Filmgeschäft erfolgreich durchsetzen und blieb dabei skandalfrei. Ohnehin gehört Portman ähnlich wie Anna Paquin zu den Jungschauspielern, die ihre Beständigkeit im Kino wohl eben jener skandalfreien Freizeit zu verdanken haben. Keine Alkoholexzesse wie bei einer Kirsten Dunst oder Drogendelikte wie bei den Kollegen Haley Joel Osment und Konsorten sind bei ihr der Fall. Im Gegenteil. Portman, die seit ihrem achten Lebensjahr Vegetariern ist, setzt sich verstärkt für karikative und soziale Einrichtungen ein. Sie ist nicht nur ein Vertreter für Tierrechte, sondern ist auch eine Botschafterin der Hoffnung für FINCA. Hierbei handelt es sich um eine Mikrofinanz-Organisation, die sich gegen Armut einsetzt. Im Zuge dessen hat Portman unter anderem Guatemala, Uganda und Ekuador besucht. Ihr Engagement für ihre Umwelt reicht zurück in ihre Kindheit, wo sie Mitglied der Tanzgruppe World Patrol Kids war. Im Jahr 2004 zählte Portman zu den vielen Prominenten, welche die Präsidentschaftskandidatur des Demokraten John Kerry unterstützen.

Auch über ihr Privatleben ist in den Klatschspalten wenig zu finden. Vieles bewegt sich hier im Konjunktiv. Ihr werden Affären mit Jake Gyllenhaal und Adam Levine, Sänger der Band Maroon 5, nachgesagt, doch genaueres ist nicht bekannt. Im Gegensatz zu ihren Schauspielkollegen Luke Haas und Gael Garcia Bernal, mit denen sie beiden liiert war. Dennoch führt Portman kein exzessives Leben wie andere Schauspielerinnen der Klasse Kirsten Dunst oder Sienna Miller. Ihr Liebschaften mit Multimilliardär und Umweltschützer Nat Rothschild oder dem venezolanischen Folkssänger Devendra Banhart bleiben meist aus dem Feuilleton und somit Portmans Privatsache. Konflikte mit dem Gesetz, der Regierung oder Drogen hatte Portman noch nie. Durch ihr Bewusstsein und ihr schauspielerisches Talent dürfte Natalie Portman sich weiterhin einige Jahre in Hollywood halten, ein weitestgehend unbescholtenes und von der Öffentlichkeit abgeschiedenes Leben führen. Zwar spielt sie schauspielerisch noch nicht in einer Liga mit Kolleginnen wie Cate Blanchett oder Kate Winslet, jedoch dürfte auch Natalie Portman, bei weiterer überlegter Filmauswahl, eines Tages die Auszeichnung mit einem Academy Award nicht verwehrt bleiben. Mit ihrer Intelligenz, ihrem Talent und ihrem Aussehen steht Portman die Welt offen und noch größerer Ruhm sicherlich bevor.

Kommentare:

  1. hihi. Rudi goes Gala :-)

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  2. Schöner Bericht =)

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  3. Meisterüberschätzte Schauspielerin nach Scarlett Johansson.

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  4. Meisterüberschätzte Schauspielerin nach Scarlett Johansson.

    Aha. Notiert.

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  5. auch wenn Scarlett natürlich wahrhaft ein göttliches Wesen darstellt, sehe ich die Portman schon ein wenig talentierter. Ist ja auch noch jung

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  6. @Rudi

    Liest sich hervorragend. Guter Beitrag. :)

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  7. Schöner Artikel. Aber ein Academy Award hat doch nun wirklich nicht viel zu bedeuten, schließlich hat sogar die Roberts einen bekommen ;-)

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  8. Schöne, ausführliche Lobhudelei ;-)

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  9. Schließ mich mr. vincent vega an. Ich habe keine Ahnung, warum jeder sie so mag. Extrem overrated =/

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  10. Ich empfinde die Johansson auch als maßlos überbewertet. Sie sieht gut aus, das wars. Da hat Natalie Portman 10x mehr Klasse, Extravaganz und Talent ;) .

    Und toll geschrieben übrgigens!

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  11. Wenn ich je zu einer Darstellerin etwas schreiben würde, dann garantiert zu Natalie Portman - insofern: Toller Beitrag! :-)

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