18. September 2009

Panel to Frame: Daredevil (Director’s Cut)

How do you kill a man without fear?

Nach Bryan Singers gelungenem Comic-Reboot X-Men oblag es Sam Raimis Spider-Man im Jahr 2001, den damals erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen. Inzwischen sind Superhelden-Verfilmungen die Regel und nicht mehr die Ausnahme. Vormerklich die bekannten Helden finden ihren Weg auf die Leinwand. Neben den X-Men natürlich Spider-Man oder der Hulk. Außerhalb der USA weiß man wenig mit Charakteren wie Iron Man, Ghost Rider oder Daredevil anzufangen. Letzterer steht nicht zuletzt auch aufgrund seiner Lokalisierung nach New York City stets im Schatten des Spinnenmannes. Dieser erblickte auch zwei Jahre zuvor das Licht der Welt, ehe sein Schöpfer, Stan Lee, auch Daredevil aus den Angeln hob. Im April 1964 feierte der rechtschaffene Held seine Geburt und vergnügt sich somit bereits seit 45 Jahren im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen. Dabei verdient Daredevil in der Tat besonderes Augenmerk, ist er doch ein etwas anderer Superheld, der mit anderen Umständen zu kämpfen hat, als ein Wolverine, Spider-Man oder Hulk.

Von seinem Vater dazu ermutigt strebsam zu lernen, um einmal als Arzt oder Anwalt zu arbeiten, sollte eine Heldentat das Leben des jungen Matt Murdock für immer verändern. Als er einen Mann vor einem Laster mit radioaktivem Material warnt und rettet, sorgt der daraus resultierende Unfall dafür, dass Murdocks Augen von jenem Material geblendet werden. Seine Sicht wird Murdock nie wieder gewinnen, doch die Radioaktivität verändert dafür seine restlichen Sinne. So sind sein Geruchs- und Tastsinn verbessert und an die Stelle seiner Augen tritt eine Echoortung. Es gerät Murdock hier zum Vorteil, dass er bereits Kenntnis darüber besitzt wie die Welt aussieht. So dient ihm seine Echoortung als Sicht durch die Straßen New Yorks. Als sein Vater von Gangstern ermordet wird, stürzt sich der Junge in seine Studien und wird später gemeinsam mit seinem Studienkommilitonen Frank „Foggy“ Nelson eine Pro-Bono-Anwaltskanzlei in New York aufmachen. Doch Justitia ist ebenso blind wie Murdock selbst, weshalb er des Nachts kostümiert den Verbrechen innerhalb seines Viertels nachgeht, um die zur Strecke zu bringen, die das Gesetz nicht erreicht.

Ins Leben gerufen von Stan Lee markierte Daredevil quasi eine Renaissance, als sich der 24-jährige Comicautor Frank Miller 1979 an der Figur versuchte. Sicherlich wäre Daredevil heute ohne Millers Zutun nicht das was er ist. Schließlich war es Miller, der den Kingpin als Antagonisten aus dem Spider-Man-Universum entlieh und zudem bereits in seiner ersten Tätigkeit als Autor (er war zuvor bereits an einigen Ausgaben als Zeichner beteiligt gewesen) Murdocks große Liebe, Elektra Natchios, einführte. Er bescherte der Serie auch einen ungemein lockeren Humor, der bisweilen daran grenzte, die Vierte Wand zu durchbrechen. „Exit Matt Murdock, attorney-at-law – enter Daredevil, man without fear, bane of the underworld, champion of the oppressed – and so on“, scherzt da sein maskierter Held – der sich Anfangs jeder Ausgabe stets nochmals kurz vorstellt – zum Beispiel in Daredevil goes berserk (#173). „I don’t care how many cop shows you’ve seen it on. You can’t tell if somebody is following you (…)”, wendet sich der tödliche Auftragskiller Bullseye im Grunde in Last Hand (#181) ausschließlich ans lesende Publikum als er selbst im Taxi jemanden verfolgt.

Ohnehin ist Daredevil ein besonderer Superheld – schon allein, weil er nicht wirklich ein Superheld ist. Speziell sein Moralbewusstsein fällt auf, bringt Daredevil doch nie jemanden um. Nicht einmal seine Nemesis Bullseye – was mehrmals zu Reueempfindungen führt, wenn dieser anschließend wieder Zivilisten ermordet. „The moment one man takes another man’s life in his own hands, he is rejecting the law -- (…) But I’m not God -- I’m not the law -- and I’m not a murderer”, erklärt Daredevil in Devils (#169). Dies unterscheidet ihn von zwiegespaltenen Helden wie Batman oder Wolverine, deren Weste nicht unbedingt rein ist. Auch von Spider-Man unterscheidet sich Daredevil dahingehend, dass er kein wirklicher Superheld ist. Wenn man Daredevil schlägt, so trifft man ihn auch. Er blutet und leidet und verfügt nicht über abnormale oder regenerierende Kräfte. Murdocks Echolot ist somit letztlich nicht unbedingt eine Gabe (auch wenn sie ihm natürlich zusätzliche Vorteile verschafft), sondern nur Ersatz für den Verlust seiner Augen. Das macht ihn somit schon mal eine ganze Ecke menschlicher als andere Helden des Marvel-Universums.

Neben Ang Lees Hulk feierte im Jahr 2003 dann auch der Mann ohne Angst sein Kinodebüt. Die Umstände seiner Entstehung merkt man Mark Steven Johnsons Daredevil schließlich an. Das Budget des Filmes bewegt sich auf X-Men-Niveau, während Raimis Spider-Man und Lees Hulk (der im selben Jahr herauskam) fast das doppelte Budget bewilligt bekamen. Hier wird auch der Stellenwert deutlich, den die Figur innerhalb der Comic-Welt zu haben scheint. Dementsprechend wirken gerade die Spezialeffekte im Film ziemlich unsauber, was Johnson im Audiokommentar damit erklärt, dass eben zu wenig Geld hierfür zur Verfügung stand. Man merkt es dem Film gerade im Orgel-Kampf zwischen Daredevil (Ben Affleck) und Bullseye (Colin Farrell) zum Schluss an. Nichtsdestotrotz lag es nicht an den Effekten, dass der Film seiner Zeit – trotz einhundert Millionen Dollar Gewinn – floppte. Aus Zeit- und Entwicklungsgründen forderte 20th Century Fox, dass Johnson neben einer Nebenhandlung auch die Gewalt im Film trimmte. „Too much punching and kicking“, rezitiert Johnson lakonisch im Audiokommentar. Die fertige Fassung des Filmes konnte dann PG-13-gerecht an die Kinos ausgeliefert werden. Ein modus operandus, den man heutzutage in Zeiten von Iron Man und The Incredible Hulk nur allzu gut gewohnt ist.

Umso erfreulicher, dass Johnson die Chance gegeben wurde, sich mit seinem Director’s Cut zu „rehabilitieren“. „It’s a different movie“, erklärt der Regisseur gleich zu Beginn und fasst die um dreißig Minuten erweiterte Fassung als „the story-version of the story“ zusammen. Und wie in vielen Fällen – man denke beispielsweise an Troy – steht dem Film seine erweiterte Fassung nach den Wünschen des Regisseurs gut zu Gesicht. Was allerdings nicht kaschieren soll, dass Daredevil weiterhin über einige Mängel verfügt. Einige von ihnen wären vermeidbar gewesen, andere können zumindest durch die Intention des Regisseurs etwas entkräftet werden. Generell problematisch ist jedoch die Tatsache, dass der Film einfach zu over-styled ist. Dies merkt man besonders an der musikalischen Untermalung, die jedes Mal, wenn sie den instrumentalen Score verlässt, durch ihren Pop-Faktor unpassend wirkt. Lediglich Evanescences „My Immortal“ zur Beerdigung von Nikolas Natchios (Erick Avari) gefällt, während die restlichen Tracks eher abstoßend wirken. Im Grunde sind alle Annäherungen an die Sehgewohnheiten der Zuschauer etwas misslungen, selbst wenn Johnson sie bisweilen durch nette Referenzen zu überspielen weiß.

Der Film beginnt mit der Geburtsstunden des Helden und folgt hier – sieht man von leichten Abweichungen ab – weitestgehend der Vorlage. Ein Vertrauensbruch zwischen Vater (David Keith) und Sohn (Scott Terra) führt im Film zum tragischen Unfall und die veränderte Moralvorstellungen von Jack Murdock dann schließlich zu seinem Tod. Diesen verbindet Johnson in bester Batman-Manier im Finale mit dem Antagonisten Kingpin (Michael Clarke Duncan). Die Wendung, dass der Gegenspieler für den Tod des Vaters verantwortlich ist, musste man bereits in Burtons Film kritisch gegenüberstehen. Es ist nicht notwendig für die Handlung, aber umso erstaunlicher, wie gerne dieser Kniff in Comicverfilmungen Verwendung zu finden scheint. Rob Bowman ließ es sich nicht nehmen, dieselbe Auflösung in seine Elektra-Adaption einzubauen. Anschließend springt die Geschichte in die Gegenwart und stellt sich wahrscheinlich der problematischsten Änderung zum Comic. Murdock und sein Partner Foggy Nelson (Jon Favreau) sind nicht im Stande, den angeklagten Triebtäter Quesada dem Recht zu überführen.

Es obliegt also Daredevil sich dem Recht zuzuwenden. In Josie’s Bar knüpft er sich Quesada vor und legt sich zugleich mit allen Anwesenden an. Schon diese werden nicht einfach ausgeschaltet, sondern sterben – wenn auch selbstverschuldet (auf eine Art und Weise). Was folgt ist eine schöne Reminiszenz an Devils, wenn Daredevil Quesada in die U-Bahn-Station verfolgt, wo er sein Echolot nicht zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann. Problematisch wird es, als der Mann ohne Angst Quesada auf die Gleise stürzen und dort liegen lässt, während ein Zug einfährt. Selbst wenn Daredevil aus Selbstverteidigung reagierte, verkommt die Szene letztlich zu vorsätzlichem Mord – wie Produzent Avi Arad richtigerweise im Audiokommentar anmerkt. „It was the right thing to happen. But it shouldn’t have been a choice“, fasst Arad das Dilemma perfekt zusammen. Was Mark Steven Johnson nun so sympathisch macht, ist sein Bewusstsein für diese Problematik. Für Johnson stellt diese Szene den Beginn einer Katharsis dar, die mit der Verschonung von Kingpin im Finale abgeschlossen wird. „I’m still trying to convince myself“, gesteht Johnson, wenn er erklärt, es sei das Richtige für den Film, aber nicht für die Figur gewesen.

Nicht weniger prekär ist jedoch auch die Szene zwischen Bullseye und Daredevil, als Ersterer gehandicapt um Gnade bettelt („Show mercy“) und anschließend von Daredevil aus dem Fenster geschmissen wird. Zwar handelt es sich auch hier um ein (indirektes) Zitat aus Last Hand, doch ging dem im Comic eine längere Vorgeschichte voraus. Wie dem auch sei, man mag Johnson seine Entscheidung schon allein wegen seinem ungemein sympathischen Charakter verzeihen. Denn die erste halbe Stunde weiß sowieso durch ihre vielen kleinen Referenzen zu gefallen. Da kämpft Jack Murdock in seinem finalen Kampf zum Beispiel gegen John Romita, womit zugleich auf John Romita, Sr. und auf John Romita, Jr. verwiesen wird – beide ihres Zeichens Zeichner für Marvel und darunter auch für Daredevil. Der dem Recht entflohene Quesada wiederum wurde nach Joe Quesada benannt, ehemals Autor für Daredevil und inzwischen Chefredakteur des Marvel-Verlags. Das geht dann gleich weiter, wenn Murdock, als er geplättet nach Hause kommt, auf seinem Anrufbeantworter die Abschiedsworte von Heather (Glenn), seiner Langzeitfreundin, hören muss. Ähnliche Verweise werden auch später noch eingebaut, wenn einer von Murdocks Klienten als „Mr. Lee“ bezeichnet wird (die Referenz zu Stan Lee ist wohl offensichtlich), Frank Miller höchstpersönlich einen Cameo als Opfer von Bullseye geben darf, oder Kevin Smith – ebenfalls Autor einer Daredevil-Reihe – als Pathologe glänzt.

An dieser Stelle tritt nun erstmals mit aller Deutlichkeit der Director’s Cut in Kraft. Murdock hört einen Mord, weiß diesen aber nicht als solchen einzuordnen. Der Fall von Lisa Tazio wurde komplett aus der Kinofassung entfernt. Und mit ihm auch die Nebenrolle von Rapper Coolio im Fall als Tatverdächtiger Dante Jackson. So ungern ich Musiker in Filmen sehe (dasselbe gilt für musizierende Schauspieler), erfüllt Coolio seinen Part zufriedenstellend. So weiß seine Referierung von Turk (einer Figur aus den Comics) sehr zu gefallen. Der Fall der Lisa Tazio dient jedoch hauptsächlich dazu, im Finale Wilson Fisk als Kingpin zu überführen. Zudem bieten die zusätzlichen Szenen mehr Raum für Favreau als Foggy Nelson, der in einer weiteren Referenz an Gantlet (#175) den Fall letztlich auch ohne die Hilfe Murdocks für sich zu entscheiden weiß. Die zusätzlichen Szenen bieten etwas comic relief, der größtenteils durch Favreaus Figur transportiert wird. Auch dessen Alligator-Anekdote ist erneut ein Querverweise zu einer Daredevil-Ausgabe, in diesem Fall The Damned (#180). Ansonsten bietet der Director’s Cut ausführlichere Einblicke, so auch in die Beziehung zwischen Murdock und Elektra (Jennifer Garner).

Ist ihre erste Begegnung etwas infantil Elektra (#168) entlehnt, verliert sich Johnson hier in überbordenden Humor, wenn sich beide Charaktere auf einem Schulhof (!) eine Prügelei bieten. Ausgesprochen gelungen ist dagegen die Abwandlung der Regenszene, die im Gegensatz zur Kinoversion nicht mit dem Beischlaf beider Figuren endet, sondern im Gegenteil Matt die Romanze hinter seine Pflichten als Daredevil zurückstellt. In der Regenszene wissen zudem auch die Spezialeffekte zu gefallen, wenn Murdock mit Hilfe seines Echolots Elektras Gesicht Konturen verleiht. Johnson verleiht in seiner Filmversion der ganzen Beziehung weitaus tragischere Konturen. Es sind zwei Menschen, die sich brauchen und sich verdienen, aber aufgrund ihrer Umstände nicht zusammen sein können. Einerseits, weil Matt alles hinter Daredevil zurückstellt, andererseits, weil der Verlust ihres Vaters Elektra zur Abwendung von der Gesellschaft führt. Mit den neuen Szenen wirkten alle Begegnungen zwischen den Beiden, vom Spielplatz über das Dach bis hin zum Ball sehr viel harmonischer, romantischer und glaubwürdiger. Da weiß selbst die Abwandlung von Natchios’ Mord nicht wirklich zu stören, da sie von Johnson auch sehr glaubwürdig inszeniert wird.

Von allen Figuren macht Bullseye wohl die größte Wandlung durch. In Daredevil verkommt er zu einem irischen Punk, dessen Gesichtszüge oft schizophrene Ausmaße annehmen. Man mag sich nun daran stören, doch in ihrer Essenz ist die Figur sich treu geblieben. Farrell verleiht ihr zudem etwas ungemein charmantes, schon allein durch die Flugzeugszene. Die Tatsache, dass Bullseye ohne (sein) Kostüm auftritt – stattdessen in Ledermantel – wird von Johnson auch in bester Singer-Manier selbst referiert. „I want a fucking costume“, fordert Bullseye nach seiner ersten Begegnung mit Daredevil vom Kingpin. Das vom Kingpin georderte Attentat Bullseyes auf Natchios ist dann auch einer der Höhepunkte des Filmes. Bullseyes Angriff selbst ist genauso gut geraten, wie sein folgender Unglauben als er zum ersten Mal in seinem Leben ein Ziel verfehlt, als Daredevil seinem Geschoß entkommt. Die Inszenierung von Daredevil als vermeintlichen Mörder spielt dann auch stringent in das Finale des Filmes. Zwar weiß weder Daredevils Kampf gegen Elektra sonderlich zu überzeugen, noch Elektras Auseinandersetzung mit Bullseye, doch dieses erste von drei Finalkämpfen überzeugt allein durch seine Vorlagentreue. Praktisch eins zu eins übernimmt Johnson hier Elektras Tod aus Last Hand, der in seiner erweiterten Fassung – wie auch später der Kampf zwischen Daredevil und Kingpin – sehr viel runder daherkommt.

Auch der Kampf in der Kirche zwischen Daredevil und Bullseye wirkt etwas schwach, nicht zuletzt auch wegen der schlecht verarbeiteten Effekte in der Orgelszene. Auch hier ist es eher eine Referenz an Gangwar (#172), die den Moment zu retten weiß. Doch von sonderlicher Originalität waren die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Protagonisten noch nie gezeichnet. Letztlich ist Bullseye nichts mehr,als der letzte Gegner vor dem Endboss, der sich in etwas platter Form („I was raised in the Bronx“) dem finalen Kampf mit seinem Widersacher stellt. Selbst in der erweiterten Fassung ist die Auseinandersetzung der beiden Kontrahenten recht kurz geraten (wie ohnehin alle Kämpfe, abgesehen von Daredevils Jagd auf Quesada). Hier bringt Johnson nun die Katharsis zu Ende, die als solche für die Erzählung der Geschichte nicht unbedingt von Nöten war. Alle gewalttätigen Begegnungen sind eher enttäuschend geraten, doch ist dies kein Problem, dem sich allein Daredevil ausgesetzt fühlt. Auch seine Vorgänger X-Men, Spider-Man und Hulk wussten in ihren Kampfinszenierungen nicht unbedingt zu glänzen (am ehesten hier noch Spider-Man). Man ist jedoch, ähnlich wie in Petersens Troy, dankbar für die ausführlicheren Kampfeinstellungen, die dann im Vergleich zur Kinofassung doch mehr zur jeweiligen Szene beizutragen wissen.

Der Director’s Cut besticht durch seine Handlungsstringenz, die zum einen in der Lisa-Tazio-Storyline zum Tragen kommt und andererseits in den Ermittlungen von Ben Urich (Joe Pantoliano). Hier weicht Johnson auch seltsamerweise ab, wenn er – entgegen den zahlreichen anderen Referenzen – Urich als Reporter der New York Post darstellt. Diese ersetzt ohnehin den Daily Bugle, was hinsichtlich der cross reference zu Spider-Man noch ein kleines Sahnebonbon gewesen wäre. Alle Fans von Grey’s Anatomy können sich in der erweiterten Fassung zudem an Ellen Pomeo ergötzen, die hier eine kleine Rolle als Sekretärin von Murdock und Nelson hat. In vielen Bereichen macht Johnson nahezu alles richtig. Die Romanze zwischen Murdock und Elektra ist schön herausgearbeitet, ebenso wie der Mord an Natchios und die daraus resultierenden Umstände. Dagegen wissen die Kämpfe der Figuren untereinander ebenso wenig zu überzeugen, wie manche Charakterausarbeitung. Gerade Wilson Fisk bzw. Kingpin muss hier – selbst im Director’s Cut – zurückstecken. Auch Bullseye wird etwas hergeschenkt. Beides hätte man vermeiden können, wenn man sich eine andere Geschichte als Grundlage herausgesucht hätte. Beispielsweise ein Crossover aus The Assassination of Matt Murdock, Gangwar und Last Hand. Auch die literarische Tiefe eines Frank Miller wird selten von Johnson erreicht.

Insgesant geht die Besetzung in Ordnung. Mich schüttelt es zwar im Mark, wenn ich lese, dass Vin Diesel als Matt Murdock im Gespräch war (oder Jason Statham in einem möglichen Sequel), aber Ben Affleck macht seine Sache weitestgehend – sieht man von einigen Zähneknirschern der Figur ab- gut. Er ist nicht ganz so charismatisch wie Millers Comic-Murdock, weiß jedoch ebenso wie Favreau als Foggy seine Funktion zu erfüllen. Jennifer Garner spielt die Elektra etwas zu weiblich, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass Johnsons Elektra noch nicht ihren Reifeprozess durchschritten hat. Wie angedeutet ist Colin Farrell als Bullseye ein kleiner Höhepunkt für sich, verdankt dies allerdings auch dem Potential der Figur, das jenes der anderen Charaktere sicherlich übersteigt. Eine kleine Enttäuschung ist dagegen Michael Clarke Duncan als Kingpin, selbst wenn die Entscheidung die Rolle mit einem afroamerikanischen Schauspieler zu besetzen löblich war. Zum einen leidet Duncan natürlich unter der geringen Präsenz seiner Figur, zum anderen weiß er aber auch nicht in den entscheidenden Szenen (selbst in der erweiterten Bodyguard-Szene) die Gefahr und Bösartigkeit von Fisk entsprechend zu transportieren. Ingesamt ist Daredevil im Director’s Cut jedoch eine gute Comicverfilmung, die zwar ihre Fehler hat, aber besonders durch ihre Vorlagentreue und Referenzen zur Materie zu gefallen weiß.

7/10

6 Kommentare:

  1. Hm, "Daredevil" hat mich jetzt nie so richtig interessiert. Aber einer Comic-Verfilmung der du 7 Punkte gibst, muss ich dann wohl doch bei Gelegenheit mal eine Chance geben. Aber nur im DC wie die Sache aussieht. ;-)

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  2. Ja, der DC ist wie gesagt ne Ecke runder und wenn man das Comic nicht kennt, sollten einen meine Problemfelder der Charakterzeichnung auch nicht sonderlich stören dürfen.

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  3. @C.H.

    Ja, mich auch net... aber ohnehin, der Film ist auch extrem schlecht besetzt, wenn ihr mich fragt.

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  4. An Flo: Ich bin wirklich baff vor so vielem Wissen im Bereich DD... Eine ausgezeichnete Kritik !

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  5. Ich mag ja tatsächlich die "Elektra"-Verfilmung ... aber da bin ich meist alleine auf weiter Flur.

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  6. "Elektra" geht über weite Teile durchaus in Ordnung, ist auf jeden Fall nicht so schlecht, wie er gerne geredet wird.

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