5. November 2008

As Time Goes By: Christian Bale

An actor should never be larger than the film he's in.

Am 30. Januar 1974 wurde Christian Bale in Haverfordwest, Pembrokeshire, Wales geboren. Sein Vater war der in Südafrika geborene Unternehmer und Pilot David Bale, seine Mutter die Zirkusangestellte Jenny James. Obschon oft als „Waliser“ bezeichnet, sind die Bales von englischer Herkunft. Christian selbst ist das Jüngste von vier Kindern des Ehepaares. Nach zwei Jahren in Wales zog es die Familie zurück nach England. Jene Jahre beschrieb Bale als „interessant“ aufgrund der Zirkustätigkeit seiner Mutter. So verwundert es auch nicht, dass Bale seinen ersten Kurs von einer Akrobatin erhielt. Bereits in jungen Jahren wurde sein Interesse an der Schauspielerei geweckt, ausgelöst durch seine ältere Schwester Louise. Sein eigener Vater unterstützte Christian so sehr, dass er später seine Pilotenkarriere aufgab und seinen Sohn managte. Mit acht Jahren betrat Christian dann die Welt der Unterhaltungsbranche und trat in einem Werbespot für den Weichspüler Lenor auf. Zwei Jahre später sollte er bereits in dem Theaterstück The Nerd an der Seite von Rowan Atkinson auftauchen. Mit zwölf Jahren gab Bale dann sein Filmdebüt, indem er den letzten russischen Zar Alexei Nikolaevich Romanov in dem Fernsehfilm Anastasia portraitierte. Es folgten größere Rollen in der Mini-Serie Heart of the Country und dem russischen Film Mio in the Land Faraway an der Seite von Christopher Lee. Der Durchbruch des Jungschauspielers sollte ein Jahr später folgen. Amy Irving, die damalige Ehefrau von Steven Spielberg, schlug ihrem Mann den 13-jährigen Christian für sein neues Filmprojekt Empire of the Sun vor. Irving hatte gemeinsam mit Bale bei Anastasia vor der Kamera gestanden. Für seine Rolle des James Graham setzte Bale sich gegen viertausend andere Jugendliche durch. Seine Leistung in Spielbergs Film war so beachtlich, dass man extra wegen Bale beim National Board of Review die Kategorie des „Besten Jugendlichen Darstellers“ gründete.

Doch der neu gewonnene Ruhm und die ungewohnte Aufmerksamkeit setzte dem inzwischen 13-Jährigen sehr zu. In den folgenden zwei Jahren würde er der Schauspielerei fern bleiben und sich erst für Kenneth Branaghs Henry V bereit erklären vor die Kamera zurück zu kehren. Bereits ein Jahr später trat er 1990 an der Seite von Charlton Heston als Jim Hakwins in der Robert Louis Stevenson Adaption von Treasure Island auf. In den kommenden Jahren übernahm Bale vermehrt Hauptrollen in einigen Filmen, darunter Newsies und Swing Kids. Für beide Filme, die 1992 und 1993 erschienen, trainierte Bale zehn Wochen lang Tanzschritte und Kampfkünste. Bereits hier machte sich die obsessive Vorbereitung des Engländers bemerkbar. Für seine Rolle des Theodore Lawrence in Little Women wurde Bale speziell von Darstellerin Winona Ryder ausgewählt. Deren persönliche Assistentin war Sibi Blazic, die Frau die Bale sechs Jahre später heiraten würde und die ihm 2005 die gemeinsame Tochter Emmeline gebären sollte. Zwei Jahre später hätte Bales Karriere dann beinahe einen Wendepunkt genommen. Lange Zeit war er im Gespräch für die Rolle des Jack Dawson in James Camerons Titanic gewesen. Letztlich entschied man sich gegen Bale, da man bereits mit Kate Winslet eine britische Schauspielerin engagiert hatte und nicht beide – amerikanischen – Hauptfiguren mit Briten besetzen wollte. Die Rolle ging letztlich an Leonardo Di Caprio, dessen Karriere anschließend in neue Sphären eindrang. Stattdessen übernahm Bale im selben Jahr eine Nebenrolle in Jane Campions The Portrait of a Lady. In den folgenden drei Jahren tauchte der Engländer weiterhin in kleineren Filmen, jedoch mit größeren Rollen auf (darunter zum Beispiel Metroland). Zwei der bekannteren Filme jener Jahre sind Velvet Goldmine und die William Shakespeare-Adaption A Midsummer Night’s Dream. Es war die Jahrhundertwende, die Bales Karriere begann starken Schub zu verleihen.

Seinen größten kommerziellen Erfolg hatte Bale bisher mit Little Women 1994 gefeiert. Fünfzig Millionen Dollar konnte dieser in den Vereinigten Staaten einspielen, eine Summe, die all seine anderen Filme gerade einmal zusammen einbrachten. Dies sollte sich mit John Schlesingers Remake von Shaft im Jahr 2000 ändern. An der Seite von Samuel L. Jackson gab Bale einen schmierigen Rassisten, der mit einem Mord an einem Afroamerikaner davon kam. Unvergesslich bis heute seine Textzeile „Homeboy's got rhythm, huh?“, als sein Opfer zuckend in den Krankenwagen gehievt wird. Doch das Jahr 2000 sollte für Bale weniger wegen „Shaft“ einen Schub seiner Karriere bedeuten, sondern vielmehr wurde dieser durch den zwei Monate zuvor veröffentlichten American Psycho bewerkstelligt. Für die Adaption von Bret Easton Ellis’ Kultbuch sollte ursprünglich erneut Leonardo Di Caprio vor Bale den Vorzug erhalten, doch das es am Ende anders kam, war schließlich für alle Beteiligten ein großer Gewinn. Es gelang Mary Harron sicherlich zu einem Großteil nur deshalb so gut die Vorlage filmisch umzusetzen, weil Bale vollkommen in der Rolle des Patrick Bateman aufgehen sollte. Als Vorbereitung für seinen Charakter begann der Engländer seinen Körper durch Fitness zu stählen und unter der Sonnenbank zu bräunen. Dass Ellis’ nahezu unverfilmbarer Roman so beeindruckend und treu umgesetzt wurde brachte auch Bale hohe Beachtung bei. In den folgenden beiden Jahren hangelte Bale sich von Nebenrollen in Filmen wie Captain Corelli’s Mandolin von John Madden sowie Reign of Fire von Rob Bowman hin bis zu Hauptrollen in Equilibrium von Kurt Wimmer. Es war Reign of Fire, der Bales ersten Ausflug ins Actionfach darstellen sollte, der ihn anschließend begleiten würde und auch heute noch fortwährt. Obschon jedoch gerade die ersten beiden Filme hohe Budgets hatten (und auch Equilibrium immerhin noch 20 Millionen Dollar kostete), waren sie an den Kinokassen wenig bis gar nicht erfolgreich.

Während Bale im Jahr 2003 noch für die Rolle des Will Turner in Pirates of the Carribean im Gespräch war (die Rolle sollte schließlich an Orlando Bloom gehen), war es eine ganz andere Rolle, die seinen Ruf als obsessiver Schauspieler verstärken sollte. Für Brad Andersons El Maquinista von 2004 trieb Bale seine körperlichen Kräfte an die biologische Grenze. Vier Monate lang hungerte sich der Schauspieler um dreißig Kilo herunter und nahm scheinbar täglich nicht mehr zu sich, als eine Tasse Kaffee und einen Apfel. Eigentlich hatte er vorgehabt insgesamt knapp fünfzig Kilo abzunehmen, doch aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes untersagten ihm dies die Produzenten des Filmes. Es ist daher Bales Engagement zu verdanken, dass Andersons kaum mehr als durchschnittlicher Film anschließend ins Gespräch gekommen ist. Die Hingabe für seine Arbeit erreichte hier ihren Höhepunkt und steht exemplarisch für Bales Auffassung seiner Kunst. Während El Maquinista Bales einzigen Film im Jahr 2004 darstellt, würde er seinen heutigen Ruhm schon wenige Monate später erreichen. Seit drei Jahren war er neben einigen anderen Schauspielern im Gespräch für die Rolle des Bruce Wayne a.k.a. Batman in der Wiederbelebung der Produktionsreihe gewesen. Zehn Jahre zuvor hatte Bale sich noch erfolglos als Robin in Joel Schumachers Batman Forever beworben. Sein härtester Konkurrent für Christopher Nolans Batman Begins war Jake Gyllenhaal, dem es immerhin gelang Bale im selben Jahr dafür den Part von Anthony Swofford in Sam Mendes’ Jarhead abspinnstig zu machen. Mit einem weltweiten Einspiel von 370 Millionen Dollar hatte sich Bale international einen Namen gemacht und durch den Erfolg des Filmes war eine Fortsetzung der Filmreihe gesichert. Zudem hatte Bale 2005 die Chance mit Regielegende Terrence Malick für dessen The New World zu arbeiten, Bales zweiter Beteiligung an einem Stoff über Pocahontas.

2006 sollte Bale sich erneut unter die Kreativität von Batman Begins-Regisseur Christopher Nolan stellen und gemeinsam mit Michael Caine, Scarlett Johansson und Hugh Jackman in dessen Mysterie-Drama The Prestige mitspielen. Der Film zählte zu den bestrezipierten des gesamten Filmjahres und etablierte Bale weiterhin als ernstzunehmenden Charakterdarsteller. Weit weniger spektakulär war hingegen sein Auftritt in David Ayers desolatem Harsh Times, der nicht nur keine Schauwerte zu bieten hatte, sondern auch finanziell ein Reinfall war. Doch an seinem Starstatus konnte Bale bereits im folgenden Jahr wieder anknüpfen. Unter der Regie von Todd Haynes zählte Bale in I'm Not There zu jenem Schauspielerensemble um Cate Blanchett, Heath Ledger und Richard Gere, dass sich der Portraitierung von Bob Dylans Leben annahm. Des weiteren stand Bale gemeinsam mit Oscarpreisträger Russell Crowe für James Mangold im Remake von 3:10 to Yuma vor der Kamera. Zuletzt konnte der Brite wieder seinen Ruf der obsessiven Darstellung gerecht werden, als er den Part des deutschstämmigen amerikanischen Vietnamkriegsveteranen Dieter Dengler in Werner Herzogs Rescue Dawn übernahm. Somit war es Bale mittlerweile gelungen sich nicht nur als Charakterschauspieler (El Maquinista, Rescue Dawn) zu etablieren, sondern auch im Actionfach (Reign of Fire, Batman Begins) eine ernst zu nehmende Position zu verschaffen. So wählte ihn das britische EMPIRE Magazin 2007 auch auf Platz 13 der erotischsten Stars der Filmgeschichte. Bale hatte seinen persönlichen Höhepunkt erreicht, war glücklich verheiratet und Vater einer Tochter. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keine Ahnung, was ihn 2008 erwarten sollte. Gehyped durch den Tod seines Freundes und Kollegen Heath Ledger avancierte The Dark Knight zum erfolgreichsten Film 2008, der in seinen ersten Wochen alle bisherige Rekorde brach und bei der amerikanischen Filmdatenbank IMDB auf Platz Eins der besten Filme aller Zeiten gelandet war.

Während The Dark Knight weltweit fast eine Milliarden Dollar einspielte, nimmt er Platz Vier der erfolgreichsten internationalen Filme ein. In den Vereinigten Staaten selbst – wobei hier die Inflation keine Berücksichtigung findet – schob er sich sogar hinter Titanic auf Platz Zwei. Für seine Beteiligung am Film wurde Bale mit 38 Millionen Dollar vergütet und dürfte durch den Abschluss der Trilogie aller Voraussicht nach in die Sphäre der Schauspieler vordringen, die 25 Millionen Dollar Gage erhalten. War Bale zu Beginn seiner Karriere vormerklich in Independent- und Arthous-Produktionen aufgetreten, wird dies im kommenden Jahr nicht der Fall sein. An der Seite von Johnny Depp wird Bale in Michael Mann’s Public Enemies zu sehen sein, während der unter McG die Rolle des John Connor in Terminator: Salvation übernimmt. Angedacht, bisher aber noch nicht in der Planungsphase, ist eine Biographie - Killing Pablo - über Pablo Escobars Leben von Joe Carnahan, in welcher neben Bale auch Oscarpreisträger Javier Bardem mitspielen soll. Privat lebt Bale sehr zurückhaltend mit seiner Familie in Los Angeles. Der Vegetarier (seit seinem sechsten Lebensjahr) unterstützt Organisationen wie Greenpeace und die World Wildlife Foundation, sowie einige andere Einrichtungen. Außerdem ist er ein Tiernarr und dafür bekannt streunende Katzen und Hunde aufzunehmen. Bekannt ist Bale zudem dafür sich etwaige Akzente für seine Filme aneignen zu können. Nach eigener Aussage gibt er jeder seiner Filmfiguren einen anderen Akzent. Schauspielerisch ist der Engländer jedoch nicht über jeden Zweifel erhaben. Viel zu oft verliert Bale sich in redundanten Gesichtsausdrücken die zwischen debilem Grinsen (American Psycho, Batman Begins), naiver Ausdruckslosigkeit (Empire of the Sun, Equilibrium) und ungestümen Zorn (3:10 to Yuma, Captain Corelli’s Mandolin). Seinem bisherigen Ruhm hat dies jedoch keinen Abbruch getan und die Tatsache, dass Bale sich seit zwanzig Jahren im Filmgeschäft hält, lässt einen baldigen Niedergang auch nicht vermuten.

Kommentare:

  1. Einer der aktuell meistüberschätzten Hollywood-Darsteller. Kann nix außer angestrengt gucken und ist Null wandlungsfähig. Rollen wie THE MACHINIST bilden genau jene Art method acting, die nur albern wirken und nichts mit Schauspiel, sondern eher einer physischen Transformation, die Schauspiel vergeblich zu ersetzen versucht, zu tun haben.

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  2. Einer der aktuell meistüberschätzten Hollywood-Darsteller.

    Könnte man so unterstreichen. Sicher sind die Performances in THE DARK KNIGHT oder 3:10 TO YUMA gut, aber bei weitem nicht überragend.

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  3. Überschätzt ja, aber trotzdem ein guter Schauspieler. Das er "nu" "angestrengt gucken" kann, ist alles, aber nicht die Wahrheit.

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  4. Und selbst wenn er tatsächlich überschätzt werden sollte, ist dies ja nicht sein Problem und qualifziert ihn nicht als Schauspieler ab. Ich halte Bale für einen ausgezeichneten Schauspieler. Insebsondere in "American Psycho" hat er mir ausgezeichnet gefallen.

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  5. An erster Stelle mal:
    Sehr interessanter und gut verfasster Artikel!

    Dass Bale's schauspielerische Leistungen ab und an ein wenig ausdruckslos sind (sein Blick etc.) stimmt schon. Das laesst trotzdem nicht an der Sympathie nagen, die ich fuer ihn habe.

    Es ist daher Bales Engagement zu verdanken, dass Andersons kaum mehr als durchschnittlicher Film anschließend ins Gespräch gekommen ist.

    Da sind wir dann wohl voellig unterschiedlicher Meinung. Ich finde, dass der Film eine klasse Story mit einigen netten Twists zu bieten hat.
    Aber Geschmaecker sind ja bekanntlich verschieden ;)

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  6. Ich finde, dass der Film eine klasse Story mit einigen netten Twists zu bieten hat.

    Wäre sicher der Fall, wenn man die Story zu diesem Zeitpunkt nicht bereits in den beiden Jahren zuvor in zig anderen Filmen bereits präsentiert hätte. Die Sache mit dem Hangman-Spiel und der Auflösung des Filmes war, jedenfalls mir, sofort klar. Und da dies die einzige Prämisse des Filmes ist, ist zu diesem Zeitpunkt bereits die Luft raus.

    Aber du hast natürlich recht, Geschmäcker sind verschieden ;)

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  7. Toller Artikel.
    hab aber nen fehler entdeckt

    "...Jackson gab Bale einen schmierigen Rassisten, der mit einem !Bord! an..."

    Ist das Absicht?

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  8. @Anonym: Danke. Nein, war keine Absicht.

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