29. Oktober 2010

Van Diemen’s Land

A man with no blood on his hands is no man.

Die Geschichte des Staates Australien begann als Strafkolonie des britischen Königreichs. Das Ende der Welt als letztes großes Gefängnis, wie es auch in Van Diemen’s Land an einer Stelle heißt. Das Van-Diemen-Land selbst bezeichnet dabei die heutige Insel Tasmanien, die 1642 von dem niederländischen Seefahrer Abel Tasman entdeckt und seiner Zeit nach Tasmans Sponsor Anton van Diemen benannt wurde, ehe man ihr 1856 den Namen ihres Entdeckers zuschrieb. Dabei stellte Tasmanien von 1830 bis 1853 das hauptsächliche Strafgefangenenlager der Briten auf dem australischen Kontinent dar. In der Weltgeschichte dürfte Tasmanien am ehesten durch sein Wappentier, den Tasmanischen Teufel, bekannt sein, der als tierischer Vertreter seinen Platz in Warner Bros. Looney-Tunes-Truppe gefunden hat. Und wenn in Van-Diemens-Land einst Gefangene lebten, liegt die Vermutung nahe, dass diese auch Fluchtversuche unternommen haben. Einen dieser Versuche, der auf besondere Art und Weise endete, adaptierte nun Jonathan auf der Heide.

Im Jahre 1822 ergriffen acht britische Strafgefangene, unter ihnen Engländer und Iren, die Flucht von ihrer Kolonie im Gestrüpp des Van-Diemens-Landes. Unter der Führung von Robert Greenhill (Arthur Angel), versuchen die Männer sich zum Meer durchzuschlagen, wo sie ein Schiff zurück in die Heimat bringen soll. Doch ein großes Problem der Männer ist ihre fehlende Verpflegung, da sie lediglich ein paar Laibe Brot mit sich schleppen. Nachdem sich in den Wäldern auch keine Lebewesen jagen lassen, stellt sich bei einigen wie Alexander Dalton (Mark Leonard Winter) schon bald Hoffnungslosigkeit ein. Der ohnehin verletzte Dalton will sich stellen, doch dazu kommt es nicht mehr. Um das Überleben der anderen zu sichern, beschließen Greenhill und sein Liebhaber Matthew Travers (Paul Ashcroft), Dalton mit Einverständnis von dessen Landsmann Alexander Pearce (Oscar Redding) zu töten und zu verspeisen. Der aufkommende Kannibalismus treibt zwei der anderen Flüchtlinge zurück zu den Briten, während die restlichen Fünf weiterziehen. Doch auch deren Zahl geht Stück für Stück zurück.

Mit Van Diemen’s Land inszenierte Regisseur auf der Heide letztlich eine Langversion seines ein Jahr zuvor erschienenen Kurzfilmes Hell’s Gate, der sich mit demselben Thema beschäftigte und auch über die fünf selben Hauptdarsteller verfügte. Hinsichtlich der Geschichte der acht Flüchtlinge, die sich schließlich gegenseitig umbringen und aufessen, mag man sich die Frage stellen, ob es dazu nach einem zwanzigminütigen Kurzfilm noch einer fünf Mal so lange Kinoversion bedurft hätte. Denn wenn die Flucht durchs Van-Diemens-Land erst beginnt, geschieht generell eigentlich nichts mehr in auf der Heides Film. Das Überraschende an Van Diemen’s Land ist nun jedoch, dass sich entgegen dem, was man erwarten würde, keine Langeweile einstellt. Es sind ruhige Szenen, die der Regisseur hier auf das Publikum loslässt, und nur gelegentlich werden diese von der Erzählstimme Alexander Pearces durchbrochen, wenn er über das Strafgefangenensystem im Allgemeinen und seine Stellung in diesem im Speziellen philosophiert.

Das Publikum wird mit fortlaufender Dauer Zeuge der menschlichen Abgründe, die sich im Van-Diemens-Land auftun. Diese begründen sich durch das Dasein als Strafgefangene, die wie Pearce, der sechs Schuhe gestohlen hat, für Nichtigkeiten verurteilt wurden. Der Blick über den Film hinaus auf die wahre Geschichte von Pearce verrät dann jedenfalls eine Interpretation, die in Van Diemen’s Land weniger auf ihn denn auf Greenhill passen will. Nämlich der Gefallen am menschlichen Fleisch. Ungeachtet der Tatsache, dass man eigentlich noch genug von diesem hat, wird dennoch weiter munter drauflos gekloppt, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, ehe sich die letzten beiden Überlebenden mit offenen Augen am Lagerfeuer gegenüber liegen. Dies alles wird von auf der Heide nicht effekthascherisch in Szene gesetzt und auch ohne großen Spannungsbogen. Es ist ein Abfilmen grauenvoller Ereignisse, die für sich stehen und derer es keiner weiter Hervorhebung bedarf.

6.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

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