16. März 2011

Bill & Ted’s Excellent Adventure

Do you know where there are any personages of historical significance around here?

Manchmal bestimmt ein Moment das Schicksal eines Menschen. Und bisweilen sogar das des gesamten Planeten. Zum Beispiel die Wyld Stallyns, deren Musik “will put an end to war and poverty“, wie der gute Rufus (George Carlin) weiß. Die Welt ist im Jahr 2688 so heile, “even the dirt is clean“. Zu verdanken hat das die Gesellschaft der Musik von Bill S. Preston, Esquire (Alex Winter) und Ted ‘Theodore’ Logan (Keanu Reeves) - zumindest irgendwann. Denn zu Beginn von Stephen Hereks Bill & Ted’s Excellent Adventure tun sich Beide noch schwer damit, ihre Instrumente zu beherrschen. Für den Durchbruch fehlt ihnen ein “most triumphant“ Musikvideo. Und für dieses wiederum Eddie Van Halen. Oder andersrum.

Die im Titel des Films enthaltenen Hauptfiguren sind Slacker, wie sie im Buche stehen. Napoleon Bonaparte ist für sie ein “short dead dude“ und Joan of Arc “Noah’s wife“. Sicherlich ein Grund, warum Mr. Ryan (Bernie Casey) droht, sie durch Geschichte fliegen zu lassen. Dies wiederum hätte höchst horrormäßige Konsequenzen, würde Ted doch nicht versetzt und von seinem Vater daraufhin auf eine Militärschule nach Alaska geschickt. Um also die Trennung der beiden Freunde zu verhindern, stellen ihre Nachfahren des San Dimas der Zukunft ihnen eine Zeitmaschine zur Verfügung, damit sie für das bevorstehende Geschichtsreferat am nächsten Tag auch die 1+ erhalten, die sie zur Versetzung benötigen.

Sowohl Rufus als auch zukünftige Versionen von sich selbst, überreden Bill und Ted dazu, mittels einer Telefonzelle in die Vergangenheit zu reisen, um Geschichte vor Ort zu erleben. So zumindest der granatenstarke Plan, doch ein Malheur auf der ersten Station sorgt dafür, dass sie versehentlich Napoleon (Terry Camilleri) mit nach San Dimas bringen. Die beiden Hoshis denken sich: Warum selbst die Arbeit machen, wenn sie die Geschichte für sich sprechen lassen können? So planen sie, weitere historische Figuren für wenige Stunden in die Zukunft zu locken. Bei manchen wie Sokrates bedarf es dazu der Textzeilen von Kansas (“All we are is dust in the wind, dude“), bei anderen wie Dschingis Khan reicht wiederum ein Twinkie.

Lange bevor Keanu Reeves zu Neo, dem Auserwählten, wurde, war er Ted ‘das Nashorn’ Logan. Und ähnlich wie Sean Penn auf ewig Jeff Spicoli aus Fast Times at Ridgemont High bleiben wird, dürfte sich auch Reeves nicht von seiner Paraderolle trennen können. Schon gar nicht, wenn der zuletzt kolportierte Abschluss der Trilogie tatsächlich zur Realität wird. Auch Alex Winter hat es jenseits der beiden Bill & Ted-Filme zu wenig Ruhm gebracht, dafür durch diese Filme zu umso mehr. Diese sind nicht nur zu popkulturellen Kultwerken gereift, sondern insbesondere Bill & Ted’s Excellent Adventure avancierte auch zum granatenstarken Erfolg, der allein in den USA das Vierfache seiner Kosten einspielte. Verdientermaßen, beweist der Film doch ein triumphales Gespür für Popkultur und Humor.

Die meisten dieser Anspielungen gehen in der deutschen Fassung naturgemäß verloren, seien es die Kansas-Hommage oder der Iron-Maiden-Gag. Nichtsdestotrotz muss für die Synchronisation an dieser Stelle eine Lanze gebrochen werden, zählt Bill und Ted’s verrückte Reise durch die Zeit doch zu den wenigen Filmen neben Starship Troopers, die auch in der Übersetzung einen eigenen Charme entwickeln. Egal ob Billy the Kid wortwörtlich als „Billy das Kind“ oder Napoleon mit „Na…Poleon?“ angesprochen wird, ob Bill vom „Esquire“ zum „Herrscher über die Sülznasen“ mutiert und das, was Mr. Das Kind vorschlägt, „extrem cremig“ klingt, was hier geleistet wurde ist in der Tat volle Kanne granatenstark.

Hinzu kommt, dass wohl kaum ein Film so gekonnt mit dem Zeitparadoxon von Zeitreisen umgeht, wie Chris Matheson und Ed Solomon in ihrem Drehbuch verfuhren. Fehlt es den beiden Figuren an einer Stelle an einem Schlüssel, lässt sich dieser alsbald hinter einem Schild finden, solange man nicht vergisst, in der Zukunft in die Vergangenheit zu reisen, um ihn dort zu stehlen und an besagter Stelle zu platzieren, damit er in der Gegenwart gefunden werden kann. Da verzeiht man es auch, dass Bill und Teds letztendliches Referat nicht den Anschein erweckt, dem gerecht zu werden, was Mr. Ryan erwartet hat, selbst wenn die Show und Performance der beiden Hoshis und ihrer historisch signifikanten Personen beeindruckt.

Dabei steht die Wissensvermittlung, obschon diese kompakt im Referat auftaucht, im Hintergrund, erhält die Etablierung der historischen Persönlichkeiten in die Gegenwart (respektive ins San Dimas von 1988) doch den Vorzug. Und wenn Napoleon beim Bowling bescheißt, zum „Rüsselschwein“ und Wasserrutschenfanatiker verkommt, während Billy the Kid (Dan Shor), Sokrates (Tony Steedman) und Sigmund Freud (Rod Loomis) Frauen anbaggern, dann findet sich hier nur eine Stärke dieses Klassikers. Zu diesen zählt auch der Soundtrack, sei es Robbie Robs „In Time“ oder „Dangerous“ von Shark Island, das gelungen Bills Stiefmutter und ehemalige Mitschülerin Missy (Amy Stock-Poynton) begleitet.

In seiner Summe ist Bill & Ted’s Excellent Adventure ein ausgesprochen unterhaltsames Vergnügen, das exzellent altert und dem lediglich vorzuwerfen ist, dass die Passage im Mittelalter um die Prinzessinnen nicht zwingend etwas zur eigentlichen Prämisse beifügt. Dass diese Sequenz dennoch amüsant geraten ist (“I’m the Duke of Ted“), entschuldigt sicherlich für ihre Integration. Insofern ist Hereks Film ein kurzweiliges Vergnügen, der all dem gerecht wird, was er vorgibt zu sein und dieserhalb zu Recht der Kultfilm ist, als der er gilt. Und mit der friedvollen Botschaft kann sich wohl jeder anfreunden. Oder wie es Abraham Lincoln so schön formulierte: “Be excellent to each other and party on, dudes!”

9/10

Kommentare:

  1. Ein herrlicher Film, aber volle Kanne, Hoschi!

    Was habe ich den schon lange nicht mehr gesehen. Vor gut 10-15 Jahren war er ein Hit bei uns im Freundeskreis, allerdings nur die deutsche Fassung. Wohl auch einer der wenigen persönlichen Klassiker, die ich bisher noch nicht im O-Ton nachgeholt habe. Sollte ich aber wohl mal - auch wenn ich dann Hoschi, Sockratte usw. vermissen werde...

    Die Fortsetzung fand ich dagegen nie so prall.

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  2. Wie gesagt, die deutsche Synchro ist sicherlich triumphal. Zwar ist "dude" nicht so granatenstark wie "Hoschi", aber auch die Originalversion besitzt ihren Charme. Ich kann sie also nur empfehlen.

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  3. Wow, jetzt hast du mir wieder Lust auf den Film gemacht. :D
    Hab es aber auch noch nie im O-Ton geschaut...aber 'Hoschi' ist ja wohl ein Beweis dafür, dass man auch im Deutschen noch was relativ cooles anwenden kann und nicht nur englische Bezeichnungen verwenden muss ^^

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  4. Ich glaube ich muss den auch mal sehen.
    Das erste Mal...

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