Posts mit dem Label DC Comics werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label DC Comics werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

2. August 2019

Doomsday Clock – #8-10

You see what you want to see.

Die Macht – und Wut – des Volkes darf nicht unterschätzt werden. Diese Erfahrung musste jüngst auch die chinesische Regierung in Hongkong machen, als Demonstranten ein Parlamentsgebäude besetzten. Der Unmut der Bevölkerung wird auch in Doomsday Clock immer lauter, nachdem Geoff Johns bereits den wachsenden Widerstand der Menschen gegen Metahumans zu Beginn seines DC/Watchmen-Crossovers integriert hatte. Welchen Superhelden kann man noch trauen? In Save Humanity (#8) hat Russland angefangen, alle Neugeborenen auf das Metahuman-Gen zu testen. Die Involvierung und Präsenz von Firestorm in Moskau ist es dann auch, die den Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Russland zu eskalieren droht.

Spätestens als Firestorm ein vermeintliches Massaker auslöst, ruft dies auch Superman auf den Plan. Er vermutet Firestorm im Exil in Kahndaq, trifft dort aber lediglich auf Black Adam, der seine Heimat als sicheren Hafen für alle mit übermenschlichen Kräften sieht. “Things must change”, findet Black Adam. “And people with the power to change it must act.” Dies betrifft natürlich einerseits die Metahumans, aber eben auch normale Menschen mit Macht. So wie Wladimir Putin, der eine ähnliche, aber nicht zwingend pazifistische Sicht vertritt. “We are at a violent crossroads, where the direction we turn will determine the future of the world”, sagt Putin zur sozio-politischen Gabelung, an der sich die Menschheit nunmehr befindet.

Vor allem die jüngsten drei Ausgaben von Doomsday Clock fungieren weitaus deutlicher als ihre Vorgänger als ein Spiegelbild für unsere gegenwärtige Gesellschaft. Seine Intervention in die dramatischen Ereignisse um Firestorm lassen Vorwürfe der geheimen Zusammenarbeit und des Betrug gegen Superman laut werden. Die in ihrem Echo (“collusion”,“fraud”) an den Zwiespalt in den USA bezüglich Präsident Trump erinnern. Da passt es ins Bild, dass der US-Präsident der DC-Welt sich in Crisis (#9) auf Twitter für seine Leistungen selbst lobt. “We need to come together now”, hatte Superman in der Ausgabe zuvor appelliert. “The demonization of any group of people is wrong.” Batmans Rat (“Don’t pick a side”) dabei ignorierend.

Ein konstruktiver Diskurs scheint zum Ende von Saving Humanity hin nicht mehr möglich – ist jedoch, wie Crisis zeigt, kein ausschließliches Problem der Normalsterblichen. Dort macht sich die Justice League auf den Weg zum Mars “an energy they’d never encountered” verfolgend, wie Alfred sagt. In Gruppen-Panels sehen wir hier Charaktere wie Batwoman, Supergirl, den Martian Manhunter, die Green Lanterns, Zatanna und John Constantine, die Shazam Familie oder sogar eher obskurere Figuren wie Question unterwegs zu ihrer unausweichlichen Begegnung mit Dr. Manhattan. “You’re here looking for answers you don’t even know the questions to”, erwartet dieser sie und stuft sie informationstechnisch somit gleichauf mit den Lesern.

Oder vielleicht auch nicht. Denn in gewisser Weise lichtet sich, kurz vor Ende der Serie, der Nebel langsam und die Pläne, die Ozymandias für beide Universen zu haben scheint. Selbst wenn er – ähnlich wie der Großteil der übrigen Watchmen-Figuren – in diesen Ausgaben wenig bis gar nicht präsent ist. Selbst Dr. Manhattan scheint erstmals seit seinem Unfall ratlos ob der Dinge, die sich im DC-Universum abspielen. “Does Superman destroy me or do I destroy everything?”, fragt er sich erneut zu Beginn von Crisis, als es ihm nicht möglich ist, weiter als bis zu seiner kommenden Konfrontation mit Superman in die Zukunft zu blicken. “I don’t understand this universe”, realisiert er in Action (#10) – und wirkt eher fasziniert als verwirrt.

In der jüngsten Ausgabe führt Johns das Konzept der Viele-Welten-Interpretation ein – oder des Multiverse, wie es Dr. Manhattan nennt. Das Universum teile sich unentwegt in viele verschiedene Zeitlinien auf, finde aber im Metaverse mit Superman – als allererstem Superhelden der Geschichte – seinen Fokus und Anker. Für Johns zugleich Gelegenheit für einige Meta-Verweise auf die wandelnde Historie von Superman als Figur, wenn Dr. Manhattan dessen Ursprung mal in 1938 (Golden Age), dann in 1956 (Silver Age) und später in 1986 (Modern Age) verortet. “His arrival changes again. And again”, stellt Dr. Manhattan fest, der selbst ja nur einmal von Alan Moore für sein Watchmen-Comic ins Leben gerufen wurde.

Bereits in den anfänglichen Ausgaben wirkte es mitunter so, als kommentiere Johns nicht nur die fiktive Welt der beiden Comic-Universen selbst, sondern auch unsere Realität, aus welcher diese stammen. “We’ll be heroes again”, hatte Ozymandias zu Beginn von Doomsday Clock gesagt, als er sich mit Rorschach auf ins DC-Universum machte. Einerseits meint er damit natürlich seine gescheiterte Befriedung der Welt, die Alan Moore in Watchmen abhandelte. Andererseits avancieren allerdings hier auch Charaktere wie er, Rorschach, Dr. Manhattan oder The Comedian durch die Integration ins DC-Universum nun wieder zu „Helden“ der Comic-Szene für eine Generation, die eventuell mit Watchmen zuvor nichts anfangen konnte.

Action ist es dann auch, wo die Relevanz von The Adjournment und Carver Coleman etwas deutlicher wird. “I knew I had to answer a simple question… who was the target and who was in the wrong place at the wrong time?”, bringt es Colemans filmisches Alter Ego auf den Punkt – und verweist zugleich auf die Geschehnisse, die Doomsday Clock definieren. Zur falschen Zeit am falschen Ort ist dabei nicht dem Zufall geschuldet, sondern – wie Action aufzeigt – eine Kausalkette, die Dr. Manhattan in Gang setzt. Sei es wenn er verhindert, dass Alan Scott zu Green Lantern wird, er damit die Justice Society of America beeinflusst oder im Verlauf der Ausgabe immer intensiver Einfluss auf die Geschichte und das Leben von Superman nimmt.

Auch hier findet sich wieder eine Meta-Lesart, wenn Dr. Manhattan sich in Supermans Historie einmischt, wie es DC Comics seit den 1940er Jahren immer wieder tut. Dr. Manhattans gottgleiche Kräfte ähneln dabei denen von Geoff Johns oder jedem anderen Comic-Autoren, die in ihren unzähligen Reboots und Crossovern Hintergründe, Ursprünge und Co. der Comic-Helden verändern und korrigieren. Die Ereigniskette, der wir in Doomsday Clock beiwohnen, resultiert dann auch daraus, dass Dr. Manhattan einen immer aktiveren Part nimmt, wo er in der (Watchmen-)Vergangenheit primär als Beobachter fungierte. Als “being of inaction” sieht er sich durch seine Verwicklungen auf Konfrontationskurs mit Superman (“a man of action”).

In Anflügen spielt vor allem Action dabei auch mit Fragen von Kausalität und Determinismus. So trifft sich Carver Coleman, ursprünglich ein gescheiterter Schauspieler, jährlich in einem Diner mit Dr. Manhattan, um von ihm Informationen zu seiner Zukunft zu erfahren. Für Dr. Manhattan als vierdimensionales Wesen ist Colemans Zukunft zugleich Gegenwart und Vergangenheit – und damit Geschichte. Die Frage ist, ob die Ereignisse – darunter der Gewinn eines Oscars als Bester Hauptdarsteller – auch geschehen wären, wenn der zuvor hoffnungslose Coleman nicht die gute Nachricht erhalten hätte? Konträr dazu wird Superman etabliert, um den sich das Universum jeweils anordnet, egal, in welchem Jahr er auftritt.

Reichlich verkopft kommen also die jüngsten zwei Ausgaben daher, die gegenüber denen zuvor weniger auf comic relief setzen (was sich auch durch die Abwesenheit von Rorschach, Joker, Marionette und Mime erklären mag). Amüsante Momente gibt es lediglich vereinzelt, zum Beispiel wenn ein nach dem Vorfall von Saving Humanity auf der Erde zurückgebliebener Batman das Großkonsortium der Justice League vorwarnen will, aber mehrere Minuten für die Signalübertragung von der Erde zum Mars abwarten muss. Das Fehlen der Watchmen-Crew – zu der auch Saturn Girl dazu gestoßen war – macht sich aber dennoch leicht bemerkbar, auch weil die Justice League eher quantitativ als qualitativ in Action vertreten ist.

Prinzipiell funktioniert Doomsday Clock weiter sehr gut, nicht zuletzt dank der sehenswerten Bilder von Gary Frank und ihrer Vorlagentreue. Ob und wie die Serie alle Stränge und Figuren in den verbliebenen zwei Ausgaben, die bis Jahresende erscheinen sollen, zusammenführt (ohne dass sich die Handlung in eine nächste DC-Inkarnation weiterschleppt), wird spannend sein. Eventuell hat Geoff Johns mit der Integration dieser Vielzahl an Figuren mehr abgebissen, als er schlucken kann (so bedarf es noch der Auflösung von Black Adams Angriff auf die Vereinten Nationen). “To this universe of hope… I have become the villain”, realisiert Dr. Manhatten am Ende von Action – hoffentlich kein schlechtes Omen auf sein Autoren-Alter-Ego Johns.

8/10

21. Juni 2019

Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles

If you can’t stand the heat, stay out of the kitchen.

Crossover sind vor allem in Comics keine Seltenheit, so bekam es unter anderem Judge Dredd mit Aliens und Predators zu tun oder RoboCop mit dem Terminator. Der Sender CW inszeniert jährlich ein mehrteiliges Crossover als Staffel-Highlight seiner jeweiligen DC-Serien Arrow, Flash und Supergirl sowie Legends of Tomorrow und demnächst Batwoman. In den vergangenen Jahren trafen auf dem Panels-Papier in der sechsteiligen Reihe Batman/Teenage Mutant Ninja Turtles auch der dunkle Ritter von Gotham mit den vier mutierten Reptilien-Brüdern aus New York City zusammen. Elemente aus der ersten Ausgabe des Crossover-Comics greift nun Regisseur Jake Castorena in seinem Film Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles auf.

Zentraler Handlungspunkt ist dabei der Diebstahl hochwertiger Technologie in Gotham durch den Foot Clan rund um Shredder (Andrew Kishino), den sowohl Batman (Troy Baker) als auch die Turtles untersuchen. Als sie bei ihren Ermittlungen aufeinandertreffen, bündeln sie ihre Kräfte. Wie sich herausstellt, kooperiert Shredder mit Ra’s al Ghul (Cas Anvar), um von ihm im Austausch für das Mutagen Ooze das Geheimnis für Unsterblichkeit zu erlangen. Es obliegt Batman, Batgirl (Rachel Bloom) und Robin (Ben Giroux) sowie den Turtles um Leonardo (Eric Bauza), Raphael (Darren Criss), Donatello (Baron Vaughn) und Michelangelo (Kyle Mooney) zu verhindern, dass Ra’s al Ghul das Ooze gegen die Bevölkerung von Gotham einsetzt.

Im Zuge dessen verdingt sich Batman wie man es erwarten würde hauptsächlich als Straight Man für die eher unernste Herangehensweise der Turtles. Diese seien “impulsive and don’t follow orders”, wie er später einmal kritisiert. Das macht sie natürlich einerseits aus, unter anderem als Teenager, andererseits ist natürlich zu erwähnen, dass dies auch auf Batgirl und Robin zutrifft. Es ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die Turtles nach Gotham kommen, die das Crossover interessanter macht. Personifiziert an Michelangelo, der direkt in der Auftaktbegegnung mit Penguin seine Faszination für die DC-Welt mehrfach zum Ausdruck bringt, wie es dem Bat-Team im New York der Nickelodeon-Welt weniger gelänge.

Ähnlich wie in den Avengers-Filmen ist die Handlung dabei eher zweitranging gegenüber dem Spaß, den die Interaktion der Figuren dem Zuschauer bereitet. Dies wird im Verlauf von Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles dann noch derart erweitert, dass der gesamte zweite Akt die beiden Teams nach Arkham führt, um gegen mutierte Versionen von Batmans Galerie an Bösewichtern zu kämpfen. Letztlich verwendet Castorena hierfür jedoch zu viel Zeit auf, die er besser in den ersten oder finalen Akt investiert hätte. So schließen sich Batman und die Turtles ziemlich schnell nach einer halbgaren ersten Auseinandersetzung zu einer Allianz zusammen, wo der Konflikt während der jeweiligen Team-Recherchen hätte eskalieren können.

Abseits davon gefallen kleine Verweise und Momente, sei es wenn Batman aus einer Superman-Tasse trinkt, Penguins Schergen ein Anti-Batman-Tattoo tragen, das Faible von Michelangelos für alles, was mit Gotham zu tun hat, ein Running Gag bezüglich Batgirls Widerwillen gegen das Wort “Ooze” oder wie bereitwillig sie selbst dem Pizza-Wahn der Turtles verfällt. Dabei ist Batman vs. Teenage Mutant Ninja Turtles relativ erwachsen inszeniert, mit durchaus mehreren Toten durch die Hände des Foot Clans und Ra’s al Ghuls Männer, aber auch in einer kurzen Szene, die ein lesbisches Paar in den Fokus einer Attacke rückt. Was von einem Animationsfilm, der sich an PG-13-Klientel orientiert, so nicht unbedingt zu erwarten war.

Für Fans sowohl der Turtles als auch von Batman ist das erste filmische Aufeinandertreffen ein vergnüglicher Spaß, garniert mit kurzen Auftritten anderer illustrer Figuren wie Baxter Stockman oder nahezu aller größeren Batman-Gegenspieler von Joker und Harley Quinn über Bane hin zu Mr. Freeze, Two-Face, Poison Ivy und Scarecrow. Der Humor stimmt, der visuelle Stil ähnelt angesichts der für Warner Bros. Animation typischen DTV-Adaptionen eher früheren Verfilmungen (abseits der Justice League-Reihe) als beispielsweise einem Spider-Man: Into the Spider-Verse. Wer sich jedoch für die Turtles und Batman erwärmt, der dürfte bei diesem Crossover ganz auf seine Kosten kommen und somit enthusiastisch “Cowabunga!” rufen.

7/10

16. November 2018

Saga – Volume 9 | Doomsday Clock #5-7

Gut Ding, heißt es so schön, will Weile haben. Entsprechend lang fallen die Pausen zwischen den Volumes von Brian K. Vaughans und Fiona Staples’ Comic-Epos Saga aus – man kann natürlich auch einfach die Einzelausgaben lesen. “Without anticipation, life can be comfortable, but it’ll never be thrilling”, hebt Hazel in einer Szene die Vorteile der Vorfreude hervor. Zugleich wird die im Fall von Saga aber auch neu strapaziert, denn Vaughan und Staples haben sich nach der jüngsten Ausgabe erstmal für ein Jahr zurückgezogen. Wie gut, dass es in der Zwischenzeit noch Geoff Johns’ Doomsday Clock gibt (auch wenn ich hier ebenfalls immer einige Ausgaben abwarte) und dass beide Comics narrativ etwas in die Puschen kommen.


Saga – Volume 9

You like that, don’t you?

Eigentlich seit seinen Anfängen pflegt Saga immer wieder Bezüge zur Zeitgeschichte in sein phantastisches Kosmos-Abenteuer einzubauen. Zum Beispiel in Volume Eight zuletzt der gerade in den USA hochbrisante Konflikt zwischen den “pro life”- und “pro choice”-Anhänger. In Zeiten, in denen der US-Präsident jede Berichterstattung abseits der Hofmedien als “fake news” abtut und Journalisten wie Jamal Kashoggi wegen Regime-Kritik an Saudi-Arabien getötet werden, wartet Saga in Volume Nine passend mit einem Plädoyer für die freie Presse auf. Das Reporter-Pärchen Upsher und Doff will nämlich Marko und Alana einen Exklusiv-Bericht über ihre verbotene Liebe mit einem besonderen, aber unmoralischen Angebot schmackhaft machen.

Ihnen und Hazel winke für die Rechte an ihrer Story mit dem Source Protection Program eine Art Quellen-Schutzprogramm, das der Familie mit “Transubstantiation” eine Assimilation an die Spezies auf Jetsam bietet. Für die Familie ist ihre Identität jedoch etwas Besonderes, dafür nimmt Sir Robot das Angebot gerne für sich, Petrichor und Squire in Anspruch – im Austausch für Beweise, dass Landfall und Wreath zusammen den Vorfall auf Phang verschuldet haben. Ein auf seine Art fast noch delikateres Thema, das auch für die beiden berichtenden Journalisten nicht ungefährlich ist. “We were ready to die on the job long before we ever met you”, gibt Upsher zu Protokoll – und bewegt sich in gewisser Weise unter ein Damokles-Schwert.

Natürlich schweben aber nicht nur die zwei Reporter (weiter) in Lebensgefahr, sondern jede der Figuren. “Every violent action (…) sends ripples throughout the cosmos, inevitably causing more of the same”, bringt Marko gegen Ende das Aktion-Reaktion-Verhältnis, dem Saga seit jeher folgt, auf den Punkt. So wird The Will zum Handlanger von Ianthe versklavt, da er einst deren Lebenspartner tötete – er selbst wiederum sehnt immer noch nach Rache gegenüber Sir Robot, weil der sich dasselbe einst bei The Stalk zu Schulde kommen ließ. Ein ewiger Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt – den zumindest Marko beenden will, ehe ihm letztlich ziemlich überraschend (und zugleich schockierend) dann selbst ein Ende bereitet wird.

Nachdem Vaughan lange nicht so recht zu wissen schien, in welche Richtung sich die Story bewegen soll, bleibt er sich einerseits treu und wartet andererseits doch mit Neuerungen auf. So verkommt Ianthe wie schon Dengo oder The March mehr zum Antagonist der Woche, statt eine dreidimensionale Facette zu erhalten. Indem Vaughan und Saga jedoch in erstaunlich kurzen Abständen erst Doff, insbesondere aber Sir Robot und Marko ins Jenseits befördern, kommt dies einer Art Tabula rasa gleich, die der Reihe als solche eine neue Dynamik geben könnte. Die angedeutete Katharsis von The Will scheint vorbei, Alana mit einem Voll- und Halbwaisen künftig ziemlich überfordert, angesichts der weiter drohenden Gefahren.

Zugleich ist es schade, dass die in Volume Eight begonnene Humanisierung von The Will zum Abschluss kommt (jedenfalls vorerst). Dabei hätte gerade Ianthe ihm in ihrem Rachewahn ja Mahnung genug sein dürfen, sich seinem Hass auf Sir Robot nicht hinzugeben. Zumindest findet Saga in The Will aber einen stärker ausgearbeiteten Widersacher als in den bisherigen Vertretern, die allesamt von kurzer Dauer waren (wenn auch, wie im Fall von Izabel, nicht ohne Folgen). Er bildet gleichzeitig auch das Gegenstück zu Sir Robot, der wiederum erfolgreich die charakterliche Katharsis meisterte, um zum erweiterten Mitglied jener Familie zu werden, die er liquidieren wollte. Ein Schritt, der für The Will spätestens jetzt nicht mehr möglich sein wird.

Prinzipiell macht Volume Nine von Saga viel richtig, ohne zwingend viel anders zu machen. Dem Grundkonzept blieb sich Vaughan treu, verlagerte die Figuren auf einen anderen Planeten und setzte sie dort der nächsten Gefahr aus. Das Ergebnis überrascht, weil etwas Drastisches passiert – dies aber eben dieses Mal derart mit dem Ableben gleich zweier zentraler Figuren, dass der Status quo in Volume Ten nicht derselbe sein können wird. “Most of the time, we don’t even realize we’ve lived through something worth commemorating until long after it’s already ended”, sagt Hazel an einer anderen Stelle. Volume Nine macht aber unmittelbar klar: Die Welt von Saga hat sich für ihre Figuren für immer verändert. Und dies nicht zum Guten.

8.5/10

Doomsday Clock #5-7

If you look very closely, you might see the strings.

Auch Doomsday Clock zieht in seinen jüngsten Ausgaben das Tempo an – immerhin ist mit Truly Laugh (#6) auch bereits Halbzeit angesagt. Geoff Johns taucht tiefer in die DC-Welt ein und führt die bisherigen Protagonisten dabei in Blind Spot (#7) auch erstmals als gemeinsame Gruppe zusammen. Zugleich werden zuvor angerissene Elemente wie Mr. Thunder oder auch der Widerstand gegen die Metahumans vertieft und erhalten etwas mehr Konturen. Genauso wie The Marionette und The Mime, deren Kennenlernen und Kindheits-Trauma Truly Laugh in Rückblenden aufdröselt. Doomsday Clock bringt sich in Position – daran lässt auch das Ende von Blind Spot mit dem ultimativen Charakter-Clash-Tease keine Zweifel aufkommen.

Nachdem wir bisher primär aus den Nachrichten über die wachsende Ablehnung der Bevölkerung gegenüber den Metahumans erfuhren, integriert Johns nun das Detail, dass ein erheblicher Teil von ihnen Experimente ihrer jeweiligen Regierung sind. Eingeteilt in Gut und Böse werden sie einem Wrestling-Match gleich aufeinander gehetzt oder für Spionage-Zwecke missbraucht. “Look at the sheer number of you lost in the narrative of good versus bad”, bringt es Ozymandias gegenüber Batman auf den Punkt. Dabei könnte er als personifizierte Gratwanderung zwischen Held und Antagonist aber auch problemlos sich selbst in seine Äußerung miteinbeziehen, als er zusätzlich ergänzt: “Wandering aimlessly in a fog of self-righteousness.”

Die Metahumans, Gut wie Böse, sind jedenfalls auf dem Rückzug. Green Lantern hat die Erde verlassen, auch Wonder Woman, so heißt es, sei von den Amazonen zurück nach Themyskira geschleppt worden. “The world’s faith in its spandex society is falling apart”, konstatiert Daily Planet-Chefredakteur Perry White im Dialog mit Lois Lane in There Is No God (#5). Doch nicht nur die Helden haben von der aktuellen Lage scheinbar die Nase voll, auch ihre Gegenspieler, die der Riddler hier als “League of Villainy” zusammentrommelt, erwägen daher ein von Black Adam im Nahen Osten offeriertes Exil. Doomsday Clock versammelt einige illustre DC-Bösewichter auf wenigen Panels, darunter der Pinguin, Two-Face und Mr. Freeze.

Auch Helden finden sich verstärkt, seien es Hawk and Dove in einem Fernsehbericht oder Mr. Thunder, der sich als Johnny Thunder entpuppt, auf der Suche nach seinem mystischen Dschinn Yz. Der greise Held sieht darin “the chance to make things right”, was ihn wiederum mit Figuren wie Ozymandias eint. Wie es das Schicksal so will, begegnet er schließlich Rorschach und Saturn Girl, die Letzteren zum Ende der vorangegangenen Ausgabe aus Arkham befreit hat. Ob sie Sally Jupiter kenne, fragt Rorschach seine neue Begleiterin – und untermauert seine sicher unfreiwillige Rolle als comic relief dieses Watchmen-Sequels. Etwas bemühter ist da schon der Humor, den die Kombo aus Marionette und Mime mit Joker ziehen will.

Von allen DC-Gegenspielern erhält der Clown Prince of Crime die größte Aufmerksamkeit, auch wenn Truly Laugh kurz Lois Lane einen – wenig ergiebigen – Besuch bei Lex Luthor abstatten lässt. Derweil hält sich Superman weiterhin eher im Hintergrund, wobei Blind Spot betont, dass eine Konfrontation mit Dr. Manhattan, der ebenfalls ins Rampenlicht tritt, unumgänglich scheint. Wenn in selbiger Ausgabe, obschon kurz, dann eine illustre Gruppe von Batman und Joker hin zu Dr. Manhattan, Ozymandias, Rorschach und dem Comedian ein Panel bevölkert, erzeugt dies bereits eine große Vorfreude auf das, was da noch kommt. Eben auch, weil Doomsday Clock immer noch visuell beeindruckt, mit seiner Loyalität zu den Vorlagen.

So finden sich speziell in Truly Laugh einige schöne gespiegelte Panels, wenn die Handlung von der jungen Erika zu ihrem erwachsenen Alter Ego The Marionette wechselt. Ohnehin erweisen sie und The Mime sich mehr und mehr als die faszinierendsten und sympathischsten Figuren – was überraschen mag, da beide Originale sind. Indem Doomsday Clock in seinen jüngsten drei Ausgaben einen Gang höher schaltet, erreicht die Serie wieder das Hoch des starken Einstiegs. Und kann dieses hoffentlich halten oder gar steigern. Saturn Girl scheint bereits zu wissen, was den Figuren in kommenden Ausgaben bevorsteht. Das hat sie dem Leser jedenfalls voraus – genauso wie Dr. Manhattan. Es bleibt spannend bei Doomsday Clock.

8.5/10

4. Mai 2018

Paper Girls – Volume Four | Doomsday Clock #3-4

Gut Ding will Weile haben, heißt es ja so schön. Das gilt insbesondere auch, wenn es um die Wartezeiten zwischen Comic-Ausgaben geht. Erst jüngst hat Geoff Johns angekündigt, dass statt wie geplant einmal im Monat nun neue Ausgaben von Doomsday Clock alle acht Wochen erscheinen. Immerhin erhalten die Leser hier ein Update, während derzeit Kelly Sue DeConnicks Bitch Planet weiterhin AWOL ist. Rund ein Jahr ist es her, seit #10 über die Ladentheke wanderte. Wann oder ob eine elfte Ausgabe ansteht, wurde bislang nicht kommuniziert. Gut, dass zumindest Brian K. Vaughans Paper Girls mit Volume 4 einen neuen Sammelband auf die Wege gebracht hat. Aber hat sich das Warten auf Paper Girls und Doomsday Clock gelohnt?

Paper Girls – Volume Four

All shall be done and forgotten.

“Context is king”, hatte dieses Jahr Captain Lorca (Jason Isaacs) in der jüngsten Star Trek-Serie Discovery einmal gesagt. Nach etwas kryptischem Beginn in seinem ersten Band sowie auch den Folgenden hat Brian K. Vaughan nun in Volume 4 von Paper Girls etwas mehr Fleisch an den narrativen Knochen gepackt. Zumindest was in etwa die Prämisse betrifft – selbst wenn dies nun nichts ist, was sich in den letzten Bänden nicht bereits abzeichnete oder hat entsprechend interpretieren lassen. Grundsätzlich unterscheidet sich Volume 4 dabei gar nicht einmal wirklich von den Vorgängern, tritt die Handlung doch etwas auf der Stelle, während sich der Autor wieder mal zu sehr in seinen pop-kulturellen Referenzen verliert.

Angekommen am Silvesterabend des Jahres 1999 und inmitten der Y2K-Befürchtungen sind die Mädels um Erin, Mac, KJ und Tiffany erneut getrennt. Ein Schema, das inzwischen wohl nur dazu dient, parallel Handlungsstränge abspielen zu lassen. So trifft Tiffany in ihrem alten Elternhaus wider Erwarten den Goth-Ehemann ihres (buchstäblichen) Alter Egos und Erin, Mac und KJ sind auf der Suche nach ihr. Die führt das Trio kurzzeitig zu einer lokalen Cartoonistin, die verdeckt Informationen zu den bisherigen Vorgängen des Konflikts zwischen Alt und Jung der Generationen aus der Zukunft in ihre Arbeit einfließen lässt. In wenigen Panels vertieft Vaughan zudem den Einblick in die Person und die Vergangenheit des mysteriösen Grand Father.

Als “The Battle of the Ages” erhält der seit vier Bänden schwellende Konflikt der Generationen nun schließlich einen Namen. Die jugendlichen Nachfahren des Grand Father und seiner treuen Anhängerin Prioress “declared war on the entire timeline”, so das Oberhaupt. Mit der Erfindung der Zeitreise sah sich die Jugend in einer gesellschaftlichen Pflicht, das Wohl der Menschen in der Vergangenheit zu verbessern. So referiert die Cartoonistin an der Schwelle zum Jahr 2000 bereits durch ihre Quellen aus der Zukunft die Anschläge des 11. September oder den aktuellen Smombie-Wahn. Als Puristen der 4. Dimension spielen sich wiederum die Vorfahren dieser jungen Generation auf: Mit der Vergangenheit ist nicht zu spaßen, so das Motto.

Mit Pandoras Box des Zeitreise-Paradoxes hält sich Paper Girls zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf. Selbst wenn Vaughan wieder fleißig auf Filme wie The Terminator, 12 Monkeys und Star Trek IV: The Voyage Home verweist, ebenso wie auf den TV-Klassiker Quantum Leap. Die Einschübe wirken immer noch so unpassend und gekünstelt, der Autor wird sie sich aber wohl auch nicht mehr abgewöhnen. Dass auch Volume 4 nicht wirklich von der Stelle kommen will, ist da schon etwas bedauerlicher. Nach Erin in Volume 2 ist es nun Tiffany, die einer älteren Version von sich begegnet. Und auch sie muss wie Erin erkennen, dass ihr Alter Ego im Erwachsenenalter nicht wirklich an einem Punkt im Leben angelangt ist, der sie zufrieden stellt.

Insofern ist absehbar, dass das Comic wohl das Hin- und Hergespringe durch die Zeit dazu nutzt, um die Mädchen im wahrsten Sinne des Wortes mit sich selbst zu konfrontieren. Somit dürften Begegnungen der KJs und Macs in kommenden Bänden noch ausstehen – zugleich aber auch etwas interessanter ausfallen. Erneut wird kurz Macs Leukämie-Tod angesprochen, ebenso wie KJs Homosexualität in Kontrast zu Macs Homophobie in den Fokus rückt. Zwei „Probleme“, die in der Aufarbeitung da doch interessanter ausfallen dürften, als Tiffanys Adoption – die hier quasi ohne Relevanz ist – oder Erins Hintergrund. Nett ist zudem, dass Terry – falls sich überhaupt noch jemand an ihn erinnert – aus Volume 1 einen kleinen Cameo erhält.

Selbst wenn die Handlung teils etwas stagniert, inszeniert Vaughan doch so schnelllebig, wie die Mädchen die Zeitlinien wechseln. Ähnlich wie Dr. Braunstein in Volume 3 werden auch hier frisch eingeführte Charaktere direkt wieder ins Jenseits verabschiedet. Was natürlich in einer Geschichte, die von Zeitreisen(den) handelt, letztlich nichts heißen muss und künftige Auftritte nicht ausschließt. Als Leser ist man Paper Girls einerseits dankbar, dass das Kind des Konflikts beim Namen genannt ist, andererseits wirkt es dadurch aber weiter nicht unbedingt so, als ließe sich erahnen, dass das Comic weiß, in welche Richtung es sich bewegt. Jetzt geht es erstmal zurück in die Zukunft – eine Referenz, die Vaughan sicher in Volume 5 einbaut.

7.5/10


Doomsday Clock #3-4

What page are you on?

Die Geschehnisse vergangener Tage bestimmen auch die Handlung in den jüngsten beiden Ausgaben von Geoff Johns’ Doomsday Clock. Nahezu ausnahmslos alle Figuren hadern mit den Geistern, die sie riefen – allen voran natürlich Ozymandias. Getreu dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ muss Veidt in Walk on Water (#4) erkennen, dass der durch seinen Massenmord initiierte Weltfrieden nur eine kurze Halbwertszeit hatte. Direkt zu Beginn von Not Victory Nor Defeat (#3) begegnet ihm dabei im Büro von Lex Luthor in Person des von den Toten auferstandenen The Comedian ein weiteres Verbrechen seiner Vergangenheit. Der Pfad der Vergebung ist kein leichter, wie Veidt schmerzhaft im Verlauf von Ausgabe #3 feststellen wird.

Es war eine nachvollziehbare Entscheidung, in der vergangenen Ausgabe Veidt mit Luthor und Batman mit Rorschach zu konfrontieren, handelt es sich doch jeweils um Brüder im Geiste. Hier die leicht soziopathischen Oligarchen, dort die vom Waisentrauma geplagten maskierten Verbrechensbekämpfer. Das Aufeinandertreffen von Batman und Rorschach dient Johns für eine willkommene humorvolle Auflockerung, die jedoch alsbald vorhersehbare narrative Wege beschreitet. Ungeachtet Walter Kovacs Tagebuch nimmt Bruce Wayne sein Gegenüber nicht für voll – Ozymandias hätte das Anliegen vielleicht etwas geschickter vorgebracht. Der ist selbst jedoch ebenso wenig erfolgreich, auf der intendierten Suche nach der Spur von Dr. Manhattan.

Die Handlung wird in Not Victory Nor Defeat und Walk on Water fürs Erste leicht entschleunigt. Sogar so weit, dass sich in Ausgabe #3 ein Nebenhandlungsstrang um den von seiner Familie im Seniorenheim vergessenen Mr. Thunder einer Geschichte-in-der-Geschichte widmet. In der Tradition von Dashiell Hammett ermittelt in dem fiktiven Film noir The Adjournment der ermordete Hollywood-Star Carver Coleman als hard-boiled detective einen Doppelmord. Ob sich der Film als Kommentar auf das Geschehen ähnlich wie in Watchmen die Comic-Story Tales of the Black Freighter durch die übrigen Ausgaben ziehen wird, steht momentan noch aus. Wirklich viel beizutragen zur Einordnung hat der Film aber (noch) nicht.

Offen bleibt auch, welche Rolle dem öffentlichen Aufruhr um die Superhelden im DC-Universum zukommt. Wieder wird die Anti-Metahuman-Position erwähnt, mit Bezug auf von Luthor entwickelte Metagen-Detektoren, die Menschen mit speziellen Fähigkeiten ermitteln. “We’re God-knows-where doing God-knows-what”, kommentiert The Marionette relative treffend die noch ungenaue Richtung der Entwicklungen. Ihr und The Mime gehört dabei in Not Victory Nor Defeat der imposanteste Moment, wenn beide unwissentlich das Hoheitsgebiet des Jokers betreten und sich dort auf blutige Weise seinen Handlangern vorstellen. “I can see the noose around your neck from here”, heißt es an einer Stelle, was quasi für alle Figuren gelten könnte.

Noch mehr Tempo reduziert hier Walk on Water, konzentriert sich die Ausgabe nahezu in Gänze dem Trauma von Reggie Long, das ihn zur zweiten Inkarnation von Rorschach werden ließ. Johns verdoppelt dabei die Watchmen-Referenz, wenn nicht nur die Verwandtschaft des neuen Rorschach zu Kovacs Psychiater Malcolm Long bestätigt wird, sondern indem Reggie nach Zeugnis des Massakers von New York in einer Nervenheilanstalt auch noch von Byron ‘Mothman’ Lewis unter die Fittiche genommen wird. “All this anger inside me… it’s got nowhere to go”, fasst Reggie sein Kernproblem zusammen, das – eben ähnlich wie bei Bruce Wayne mit dem Trauma des Elterntodes der Fall – letztlich in seiner Heldengeburt kanalisiert wird.

Wirklich Einblicke in die Figur schenkt diese ausgiebige Charakterisierung jedoch nicht. Der Leser lernt nichts, was er sich nicht bereits hätte denken können. Zumal die aus seinem Überlebensschuld-Syndrom geborenen Rachegelüste dann – wie die erste Ausgabe ohnehin vorweg nahm – schlussendlich ziemlich schnell wieder abgekühlt sind. Insofern wirkt Walk on Water angesichts der nur noch verbliebenen acht Ausgaben wie ein wenig verschenkte Mühe, um eine Figur dreidimensionaler zu gestalten, die dies erstens nicht bedurfte und zweitens bereits greifbar genug gewesen ist. Bleibt nur zu hoffen, dass Doomsday Clock und Geoff Johns in der nächsten Ausgabe wieder etwas mehr Tempo gewinnen. Die Uhr tickt schließlich.

7.5/10

26. Januar 2018

Saga – Volume Eight | Doomsday Clock #1-2

Etwas Neues wagen oder auf Altbewährtes vertrauen? Diese Frage stellt sich die Film- und Fernsehlandschaft vermehrt – und wählt meist Sequels, Remakes und Revivals. In Comics ist die Neuerfindung via Rückbesinnung keine Unbekannte. Superhelden sterben und werden kurz darauf einfach wiederentdeckt. “We are torn between nostalgia for the familiar and an urge for the foreign and strange”, sagte die US-Schriftstellerin Carson McCullers einst. “As often as not, we are homesick most for the places we have never known.” Ein Zitat, das nicht nur das Ende von DC’s Doomsday Clock #2 beschließt, sondern das Werk von Geoff Johns genauso wie das jüngste Volume Eight von Brian K. Vaughans Saga-Epos ganz gut beschreibt.

Letzteres Sci-Fi-Fantasy-Abenteuer wirkte nach seiner Ankunft frisch. Ganz anders wie der x-te Aufguss der Marvel- und DC-Heldenschmiede. Aber auch Saga ertappt sich immer öfter dabei, dass Handlungsstränge auf der Stelle treten oder in variierter Form wiederholt werden. Geschichte wiederholt sich auch in Doomsday Clock, einer 12-teiligen Serie, die sich als Fortsetzung von Alan Moores legendärem Watchmen versteht, zugleich dessen Universum mit der bekannten Welt von DC verschmelzen lässt. Nostalgie gepaart mit einem Ausflug ins Unbekannte also. Geoff Johns beweist dabei, dass sich beides nicht ausschließen muss und einander befruchten kann. Indem in gewisser Weise etwas Neues gewagt wird, da man auf Altbewährtes vertraut.


Saga – Volume Eight

To old friends and new enemies.

Unabhängig davon, wie sehr Saga von Brian K. Vaughan narrativ stagnieren mag, so ist die Serie doch auch in Volume Eight sehr kurzweilig zu lesen. Und dank Fiona Staples’ grandioser Zeichnungen ohnehin ein Genuss für das Auge der Leser. Generell verdient sich der achte Band der Reihe aber eine ähnliche Kritik, wie sie zuletzt schon in den vorangegangenen Volumes Five, Six und Seven anfiel: Vaughan liefert nicht wirklich ein neues Thema – und eine Handlung auch nicht. Vielmehr wird das Geschehen verlagert, während altbekannte Entwicklungen sich in minimalen Abweichungen wiederholen. Womit es weiterhin so wirkt, als wüsste Vaughan nicht recht, in welche Richtung er seine Geschichte um Alana, Marko und Hazel erzählen will.

Nach der Fehlgeburt von Alanas Baby führt der nächste Zwischenstopp auf dem Weg nach Nirgendwo die Gruppe auf den Planeten Pervious. Dort wird Alana aufgrund der fortgeschrittenen Schwangerschaft in Abortion Town eine Abtreibung negiert. Mit dem Hinweis auf „Ärzte“ in den entlegenen Badlands des Planeten, die weniger Skrupel haben. Der tote Fötus verleiht derweil Alana magische Kräfte, die eine Projektion des verstorbenen Sohnes mit sich bringen – aber auch gesundheitliche Risiken. Während sich Alana, Marko und Hazel auf den Weg in die Badlands machen, erleben die zurückgelassenen Petrichor und Prince Robot ihr eigenes blutiges Abenteuer. Billy, vormals The Will, sieht sich derweil mit einem neuen Gegenspieler konfrontiert.

“There are few things more challenging than a sequel”, sagt Hazel in einem Meta-Kommentar zu Beginn von Volume Eight. Um kurz zu rekapitulieren, worum es in Saga eigentlich geht, immerhin sind bereits acht Bände ins Land gezogen. Der Konflikt zwischen dem progressiven Planeten Landfall und seinem eher in Tradition verankerten Mond Wreath ist jedoch immer noch nicht wirklich greifbar. Was genau hat diesen Krieg ausgelöst, der die ganze Galaxie zu vereinnahmen scheint? Wie stellt sich der Krieg exakt dar, was für eine politische Dynamik besitzt er? Fragen, die Saga weiterhin nicht beantworten kann oder mag. Weshalb der Konflikt als solcher auch im Hintergrund abläuft, während die Figuren stets dasselbe, nur anders erleben.

Es wartet ein neuer Planet mit neuen Widrigkeiten. Die Fehlgeburt und der Ausflug nach Pervious dienen zumindest dazu, dass Vaughan in wenigen Panels die gerade in den USA explosive Thematik Pro Life vs. Pro Choice anreißt. Eine erst im dritten Trimester festgestellte Behinderung veranlasse manche zur Abtreibung, wie einen skeptischen Marko in den Badlands die Wolfshebamme Endwife aufklärt. Beide wurden zuvor von Nebenfiguren dämonisiert, was die antiklimatische Auflösung des Handlungsstranges erstaunlich macht. Womöglich resultiert dies auch der anderen Thematik von Vorurteilen und Ressentiments, der sich Saga zudem erneut mit einem interessanten Transgender-Dialog zwischen Petrichor und Hazel widmet.

Vorurteile seien nicht angeboren, sondern anerzogen, kommentiert das junge Mädchen später. Ähnlich mag man es mit Ianthe sehen, der Verflossenen eines Kleinkriminellen, den The Will einst liquidierte. Wofür seine eigenen Liebsten – oder diejenigen, die davon noch leben – nun bezahlen sollen. Saga spielt dabei wie schon in der Vergangenheit mit dem Gedanken, dass die Grenze zwischen Gut und Böse fließend ist, wofür Prince Robot exemplarisch steht. Das Kernthema bleibt aber weiterhin die Familie als Institution, im klassischen wie modernen Sinne. Primär Hazel erhält die Möglichkeit, mit dem imaginären Kurti eine Art Beziehung zu ihrem verstorbenen Bruder aufzubauen, die ihr durch dessen Tod verwehrt blieb.

“Family is about much more than blood”, lautet das vermeintliche Fazit von Volume Eight. So wie Petrichor und Prince Robot Bestandteil der „Familie“ von Alana und Marko wurden, gibt es ähnliche Zweckgemeinschaften. Von Billy und seinen wechselnden Partnern (romantisch wie professionell) hin zu den im Schlusskapitel auftauchenden Ghüs, Squire sowie Upsher und Doff. Wie Dominic Toretto sagt: “I don’t have friends. I got family.” Die Figuren in Saga scheinen es ähnlich zu sehen – auch wenn dies, wie so vieles, keine Neuigkeit in der Welt von Brian K. Vaughan ist. Vermutlich wartet Volume Nine mit einem neuen Planeten und Antagonisten auf, nebst alter Bekannter. Altbewährtes eben. Vielleicht wagt Vaughan aber auch endlich was Neues.

7/10


Doomsday Clock #1-2

Find God. Save world. Will explain.

Wenn die Rede von den besten Comics aller Zeiten ist, fällt in der Regel auch der Name Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons. Eine düstere, dystopische Analogie auf den Kalten Krieg, mit Übermenschen und ganz normalen Spinnern. Und einem einzigartigen Ende, in dem die vermeintliche Heldenfigur von Adrian Veidts Ozymandias das ultimative Verbrechen für das angebliche Allgemeinwohl verübte. Alles auf neu scheint sich da Geoff Johns für seine Fortführung Doomsday Clock gedacht zu haben. Narrativ wie visuell ist dieser Auftakt des Mash-ups zweier DC-Universen überaus harmonisch, die Zeichnungen von Gary Frank geschickt die Bilder von Gibbons’ evozierend. Doomsday Clock scheint ein positives Nostalgie-Beispiel zu sein.

Die Handlung spielt im Herbst 1992, sieben Jahre nach den Ereignissen von Watchmen. Von der weltweiten Einigkeit nach Dr. Manhattans mutmaßlichen Massenmord in New York ist nichts mehr geblieben. Bei einer Geiselnahme im Weißen Haus erschießt der Vize-Präsident den Justizminister, während US-Präsident Robert Redford (ja, genau der) unterdessen an seinem Golf-Handicap arbeitet. Die Europäische Union wiederum ist gescheitert, russische Truppen marschieren in Polen ein und Nordkoreas Langstreckenraketen reichen bis Texas. “God turned his back, left Paradise to us. Like handing a five-year-old a straight razor”, resümiert die aktuelle Lage da eine Figur, die sich kurz darauf als neue Inkarnation des Antihelden Rorschach herausstellt.

Rorschach 2.0 rekrutiert für Ozymandias in einer überraschenden Wendung kurz vor einem Atomanschlag in einem Hochsicherheitsgefängnis die neuen soziopathischen Figuren The Marionette plus Gatte The Mime. Sie sollen Rorschach und Veidt helfen, den verschwundenen Dr. Manhattan ausfindig zu machen. Veidt will ihn in einer anderen Dimension aufgespürt haben, die sich im Verlauf als die DC-Welt von Superman, Batman und Co. herausstellt. “We’re all considered criminals now”, rekapituliert Weltverbesserer Veidt in Places We Have Never Known (#2). Und hofft: “We’ll be heroes again.” Eine Sicht der Dinge, die Bruce Wayne gar nicht so fremd erscheinen dürfte, ist es um die Superhelden seiner Welt doch nur wenig besser bestellt.

“The Bat is not the symbol it used to be”, sagt Lucius Fox. “It’s become a disease.” Doch wie Ozymandias und Rorschach lässt sich Bruce Wayne nicht unterkriegen. Johns führt die Figur in einer schönen Hommage an Rorschach selbst ein, wenn sich der Milliardär einem Rorschach-Test unterziehen muss, ähnlich wie Kovacs in Watchmen. Es sind auch jene zwei traumatisierten Verbrechensbekämpfer, die Johns einander gegenüberstellt, während Lex Luthor von Ozymandias konfrontiert wird, um Informationen zu Dr. Manhattans Aufenthaltsort zu erhalten. Sehr gemächlich, aber atmosphärisch dicht führen Johns und Frank die Leser in diese beiden unterschiedlichen, aber doch nicht so verschiedenen Welten ein, die hier aufeinandertreffen.

Die Faszination rührt sicher mit daher, dass ähnlich wie in The Avengers oder Batman V Superman: Dawn of Justice hier Figuren aufeinandertreffen, deren Begegnung man sich vielleicht einmal erhofft, aber nie erwartet hat. Fraglos ist damit auch eine gewisse Reminiszenz an die Comic-Vorlagen verbunden. “Nostalgia”, sinniert The Marionette in Places We Have Never Known beim Anblick von Veidts gleichnamigem Parfüm. “They don’t make this anymore.” Und Rorschach hinterfragt die Psyche von Bruce Wayne, als er in dessen Batcave eine Ansammlung alter Memorabilia entdeckt. “Obsessed with reliving the past”, lautet sein Urteil. Dieses lässt sich als Meta-Kommentar natürlich weiterspinnen auf die gesamte Existenz von Doomsday Clock.

Dass das Comic nicht nur alten Brei neu aufkocht, sondern ihm in Nuancen andere Konturen verleiht, macht es erfolgreich. Abseits von der liebevollen Nachahmung der Aufmachung und Darstellung von Moores und Gibbons Meisterwerk ist das Sequel zuvorderst ein Genuss für Fans des Originals. Etwaige subtile Verweise – wie der Golf spielende Präsident – auf die Gegenwart sind das Tüpfelchen auf dem i. “Maybe the world should burn down”, realisiert Rorschach zu Beginn von That Annihilated Place (#1). Ganz soweit ist es mit unserer Welt da noch nicht. Aber auch in der könnten Kriminelle mal versuchen, Helden zu werden. Zumindest Ozymandias hat dies vor. Getreu David Bowie: “We could be heroes, just for one day.”

8.5/10

23. Juni 2017

Wonder Woman

It’s wonderful. You should be very proud.

Sie zählt zum Triumvirat der Helden von DC Comics und hat doch gegenüber ihren zwei männlichen Kollegen lange das Nachsehen gehabt. Wo es der 1938 ins Leben gerufene Superman auf bislang sieben Filme und drei Fernsehserien bringt, erhielt der ein Jahr später erschaffene Batman derweil acht Filme und eine Fernsehserie. Letztere hatte 1975 auch Wonder Woman bekommen, damals dargestellt von Lynda Carter. Doch ihren ersten Kinofilm verdiente sie sich erst jetzt, im Zuge des DC Extended Universe (DCEU), mit dem Warner Bros. sich gegenüber Disney und Marvel behaupten will. Eine lange Zeit für jene Figur, die ihr geistiger Schöpfer William Moulton Marston im Jahr 1941 als ein Symbol für die emanzipierte Frau erdachte.

In Patty Jenkins’ Wonder Woman muss sich die Amazonen-Prinzessin Diana (Gal Gadot) nur bedingt emanzipieren, leben auf ihrer geheimnisvollen Insel Themyscira schließlich nur Frauen wie ihre Mutter, Königin Hippolyta (Connie Nielsen). Quasi als weibliches Pendant zu den Spartanern trainiert Generalin Antiope (Robin Wright) die Amazonen für eine mögliche Rückkehr des einst von Zeus verstoßenen Kriegsgottes Ares. Den sieht Diana hinter jenem großen Krieg, der 1918 in Europa tobt, als der US-Spion Steve Trevor (Chris Pine) auf der Flucht vor den Deutschen unerwartet auf Themyscira landet. Er will die britische Armee vor einem Angriff mit neuem Gas warnen, welches der deutsche General Ludendorff (Danny Huston) in Auftrag gegeben hat.

Um die Figur einzuführen, bedient sich Warner Bros. somit ähnlich wie Marvel mit Captain America – der wie Wonder Woman 1941 sein Comic-Debüt feierte – einer zeitlichen Verortung in ein prägendes Kriegsgeschehen des 20. Jahrhunderts. Der Gegner ist dabei derselbe, wenn auch der Krieg ein anderer sein mag. Im Grunde geht es für Wonder Woman jedoch weniger darum, den Deutschen Einhalt zu gebieten, als vielmehr den Krieg an sich zu beenden. Für Steve unmittelbar diesen, die Welt umfassenden Konflikt, für Diana derweil das Konzept als solches. Sie sieht einerseits die Menschen korrumpiert von Ares, will andererseits zugleich aber auch der Amazonen-Bestimmung nachkommen, dem Kriegsgott ein finales Ende zu bereiten.

Ironischerweise sehen sie dabei beide Welten, die von Steve und die von Hippolyta, außen vor. Im London von 1918 sollen Frauen hübsche Staffage sein, in Kostüme gezwängt und sich als Sekretärin verdingend. Für Entrüstung sorgen hier Dianas Auftritte unter ihrem Alter Ego “Diana Prince”, wenn sie in Anwesenheit der männlichen Militärs das Wort ergreift oder sich gegen ihre Bekleidung auflehnt. Ebenso behütet wurde sie jedoch auch von ihrer Mutter aufgezogen, fernab der üblichen Ausbildung der Amazonen. Erst nach rebellischem Trotz, den Diana als selbstbestimmendes Element den ganzen Film hindurch zelebriert, wird ihr eine harte Ausbildung zuteil. Diana muss sich insofern  in der Welt der Männer wie der Amazonen behaupten.

Allerdings ist Wonder Woman, ungeachtet allem vorgelebten und der Figur zu Grunde liegenden Feminismus, weniger ein Film über die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft, sondern dreht sich im Kern um Sinn und Unsinn des Krieges. Diana zeigt keinerlei Bestrebung, das Bild der Frau zu korrigieren und Vorbild zu sein. Wenig überraschend wäre es zum Beispiel gewesen, wenn ihr couragiertes Auftreten eine oder mehrere Frauenfiguren animiert hätte, den Kampf an der Front aktiv zu unterstützen. Stattdessen geht es Diana um den Krieg als solchen und all den Schmerz und Kummer, den dieser mit sich bringt. Gerade im Kontrast zu den vermeintlich schönen Momenten des Lebens, denen sie begegnet oder Steve ihr berichtet.

Konzepten wie Ehe steht sie dabei skeptisch gegenüber, zeigt sich aber zugleich angetan von der Idee einer Familie. Gar entzückt ist sie beim ersten Erleben von Eiscreme oder Schneefall, der mit Musik, Tanz und Gelächter einen harten Tag an der Front versöhnlich abschließt. Dieser Mut zur Zuversicht in aller Trostlosigkeit des Krieges ist auch einer der Aspekte, die Wonder Woman von den humorlosen Affären der bisherigen DCEU-Filme von Zack Snyder wie Man of Steel oder Batman V Superman: Dawn of Justice abhebt. Patty Jenkins versteht es, ihre Geschichte mit solchen losgelösten Szenen, in denen die Charaktere sie selbst sein dürfen, aufzulockern, ohne dass deswegen der Ernst der (Kriegs-)Lage geschmälert wird.

Wo sich Superman in Man of Steel als “Jesus from Outer Space” mit dem Elan für die Menschheit opferte wie jemand, der wegen eines Formfehlers seine ganze Steuererklärung kurz vor Abgabe neu machen muss, legt Gal Gadots Diana Idealismus an den Tag. Aus voller Überzeugung stürzt sie sich in die buchstäblichen Grabenkämpfe, für das Wohl der Zivilbevölkerung zum einen sowie dem der Menschheit allgemein zum anderen. Dabei guckt sie zwar auch mal grimmig, aber wechselt stets wieder ins Kecke über, ohne wie Batman und Superman in deren Mash-up-Film im Dauer-Emo-Modus durch die Landschaft zu Grummeln. Auch visuell ist Wonder Woman dabei hoffnungsvoller als die DCEU-Kollegen – trotz des trübseligeren Settings.

Entsprechend fügen sich auch die Oneliner besser in die Handlung ein, die sich primär aus dem “fish out of water”-Element Dianas in Steves Welt – oder dem von Steve in Dianas Welt – speisen. Da wundert sich die Amazone über die Kampfunverträglichkeit von Damenkostümen oder der Ehe-Voraussetzung zum gemeinsamen Schlafen der Geschlechter. Wonder Woman erreicht zwar nicht die eher aufs Brachiale ausgelegte Humorlastigkeit der jüngeren Marvel-Filme à la Guardians of the Galaxy oder Ant-Man, erschafft jedoch ein gutes Gleichgewicht aus emotionalem Kriegs-Drama und unbeschwerter Romantik-Komödie. Das Ganze gewürzt mit knackigen Slow-Motion-Actionszenen in jedem der drei Akte des Films.

Die Action ist dabei solide von Patty Jenkins inszeniert, auch wenn offen bleibt, wieso nur Diana mit Armreifen ausgestattet ist, die Gewehrkugeln abwehren oder weshalb die deutschen Soldaten ihr Maschinengewehrfeuer stets auf Brusthöhe halten, anstatt auf die Körperteile zu zielen, die Diana mit den Armreifen nicht gleichzeitig abdecken kann. Die finale Konfrontation ufert wie es in Comic-Filmen der Fall ist etwas zu sehr ins Zerstörerische aus, generell sind die Kampfmomente aber sehenswert, abwechslungsreich und fordernder für Diana als bei manch anderen Superhelden. Auch wenn Wonder Woman oft etwas unnötig anderen Filme wie Captain America oder Saving Private Ryan Referenz erweist, statt originärer aufzutreten.

Ärgerlich ist in Wonder Woman eher das, was er vom Comicfilm-Genre abgreift. Die narrative Klammer der Erzählung, die diese in das größere Ganze des DCEU einbettet, die etwas zu sehr in theatralischen Bombast entgleitende Klimax, die nur sporadisch ausgearbeiteten Antagonisten mit Ares, Ludendorff und dessen Wissenschaftlerin Dr. Maru (unterfordert: Elena Anaya). Hinzu kommt ein vermeintlicher Twist um Dianas Charakter, der vermutlich der Dramaturgie dienen soll, allerdings für den Verlauf der Geschichte nicht wirklich von Belang ist, dieser im Prinzip von der Logik her wiederum vielmehr sogar leicht widerspricht. All das vermag jedoch das cineastische Vergnügen, das Wonder Woman auslöst, kaum zu schmälern.

Dessen Gelingen verdankt sich zuvorderst dem charismatischen und authentischen Spiel von Gal Gadot. Passend dazu schlägt sich auch Chris Pine wacker, genauso wie der immerzu überzeugende David Thewlis. Das übrige Ensemble um Robin Wright, Connie Nielsen, Danny Huston sowie Ewen Bremner, Lucy Davis, Saïd Taghmaoui und Eugene Brave Rock macht derweil das Beste aus seinen eher ein- als dreidimensionalen Rollen. Generell wäre es für einen für seinen Feminismus gepriesenen Film schön gewesen, auch abseits des Themyscira-Settings mehr Frauen-Figuren zu integrieren. Eben vielleicht wie in dem oben angerissenen Beispiel eines Mädchens oder jungen Frau, die von Diana inspiriert zu deren Gruppe dazustößt.

Inwiefern eine Verfilmung der vor 76 Jahren in All Star Comics ins Leben gerufenen Figur möglich ist, war angesichts solcher Gimmicks wie Wahrheits-Lassos im Vorfeld unklar. Und zögerte vielleicht auch deswegen eine Adaption einer der populärsten Comic-Figuren lange hinaus. So traten manche Homogenitätsprobleme der antik angehauchten Wonder Woman in den Justice League-Animationsfilmen schon zutage. Patty Jenkins’ Adaption, die sich verschiedener Vorlagen, von Golden Age- bis New 52-Ära, bedient, funktioniert dennoch weitestgehend mit ihren fantastischen Elementen in einer pseudo-realen Welt Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Ergebnis ist nicht nur der klar beste DCEU-Film, sondern einer der besten des Jahres generell.

7/10

16. Juli 2016

Dark Night: A True Batman Story

The feel-good story of the year!

Wer ein Trauma erlebt, muss es wohl oder übel überwältigen – oder wird andererseits selbst von seinem Trauma überwältigt. Dazu gehört sicher auch die Vorstellung, nachts unterwegs überfallen und zusammengeschlagen zu werden. Ein Erlebnis, das ein Leben verändern wird. In welche Richtung, bestimmt aber immer noch die Person selbst. So wie im Falle von Paul Dini, dem Ende Januar 1993 eben dies widerfuhr. Zwei Straßen von seiner Wohnung entfernt wurde der Autor solcher Warner-Bros.-Zeichentrickserien wie Tiny Toon Adventures und Batman: The Animated Series von zwei Männern überrascht und verprügelt. “It took my surgeon several hours to rebuild the bones”, berichtet Dini in Dark Night: A True Batman Story.

Publiziert von Vertigo, einem Imprint von DC Comics, verarbeitet der heute 58-Jährige jenen Abend von vor 23 Jahren und die Narben, die er sowohl sinnbildlich als auch buchstäblich bei ihm hinterlassen hat. Eine Batman-Geschichte über Batman in gewisser Weise oder eben ein Erfahrungsbericht eines Opfers, dem der dunkle Ritter nicht zu helfen wusste. “This is not the story I’m known for”, stellt Dini, selbst eine Figur in diesem autobiografischen Comic, eingangs klar. “Though I guess it includes little bits of all of them.” Angefangen mit einer Art Prolog, in dem die Leser Paul Dini als unscheinbares Kind kennenlernen, das die Aufmerksamkeit mied. “The thing that made me visible was my imagination”, erzählt ein 8-jähriger Paul.

Seine Liebe für Geschichten, von The Junge Book über Paddington bis hin zu James Bond und Batman führte Dini schließlich als Autor zu Warner Bros. Animation. Hier arbeitete er unter anderem mit Steven Spielberg für Tiny Toon Adventures zusammen – und gewann mit seinen Kollegen einen Emmy –, ehe er zum Autorenstab von Batman: The Animated Series dazu stieß. Für den eingefleischten Fan des Verbrechensbekämpfers ein wahr gewordener Traum. Er hatte alles, was einen „Nerd“ wohl faszinierte. Nahezu alles. Ein Privatleben war nicht wirklich darunter. Seine versuchten Beziehungen zu aufstrebenden Starlets und zweitklassischen Schauspielerinnen scheiterten alle. Ein solches Rendezvous führte ihn im Januar 1993 auch aus dem Haus.

Auf dem Heimweg wurde aus Fiktion dann Realität als wenige Straßen von Beverly Hills entfernt zwei Männer Dini überfielen. Ein Jochbeinbruch und eine gebrochene Nase sowie mehrere Prellungen waren das Ergebnis jener Nacht, weitaus schwerer wiegten jedoch die psychischen Schmerzen. “What hurt the most was knowing that when I finally reached home no one would be there to say ´Oh my God!’” Zugleich fiel es dem damals 35-Jährigen schwer, weitere Helden-Geschichten für Batman zu schreiben, wenn das wahre Leben einen Ordnungshüter wie Bruce Wayne vermissen ließ. “Somehow writing about Batman seems real pointless right now”, gesteht Dini. Und versinkt mit den Wochen mehr und mehr im Selbstmitleid.

“People must have heard. And locked their doors”, rekapituliert er jene Nacht immer wieder. Kein Batman, der ihm zur Seite sprang – weder der fiktive, noch ein realer. Ab hier, wenn Dini sich auf den Konflikt mit dem Überfall und seinen Folgen fokussiert, erhalten verstärkt Figuren aus dem Batman-Universum Einzug in Dark Night: A True Batman Story. Ob Joker, Two-Face oder Poison Ivy, als charakterliche Personifikationen für Dinis innere Monologe stoßen sie nun zu den Panels dazu. Nehmen Gegenpositionen ein und sprechen das aus, wofür es dem damals geschundenen 35-Jährigen an Mut und Kraft fehlte. Auch Batman ist darunter, allerdings weniger um seinen „Schöpfer“ zu trösten als diesen eher auf vergangene Fehler hinzuweisen.

Vermeidbar sei der Vorfall gewesen, allen voran durch die Auswahl seiner Damenbekanntschaften, die eher an Kontakten zu Steven Spielberg als ihm interessiert waren. “You could have escaped them”, meint Batman da an einer Stelle lapidar. “Didn’t have to look like a target” an einer anderen. Wahrheiten, die Dini nur bedingt hören will. Weshalb er sich verstärkt dem Alkohol widmet und in seiner Wohnung einschließt, womit er Figuren wie Joker und Co. die Pforte öffnet. Insofern erzählt Dark Night durchaus, wie Kevin Smith nach einem Auftritt Dinis in seinem Podcast Fatman on Batman resümiert, in gewisser Weise die Geschichte eines Überlebenden. Von jemand, der scheinbar alles hatte und drohte, es an ein Trauma zu verlieren.

Visuell unterstützt wird Dini dabei von Zeichner Eduardo Risso, zuvorderst bekannt durch die Vertigo-Reihe 100 Bullets von Brian Azzarello. Allerdings wirken Rissos Zeichnungen durchwachsen, Gesichter und Gestalten variieren von Panel zu Panel, wirklich konsistent wirken diese nicht immer. Eher so, als hätte er mit anderen Künstlern kollaboriert. Eine gestalterische Offenbarung ist das Comic folglich nicht, wenn auch nur im Vergleich zu solchen opulenten Konkurrenten wie beispielsweise Fiona Staples’ Saga. Dafür gelingen die Überblendungen zwischen Realität und Phantasie durchweg vorzüglich, wenn die verschiedenen Batman-Widersacher nacheinander bei „ihrem“ Autoren vorbeischauen und nach dem Rechten sehen wollen.

Generell bietet Dini einen interessanten und intimen Perspektivenwechsel, jenseits der langlebigen Verbrechensbekämpfung von Batman. Der appelliert an den Autor, sein eigener Held zu sein, anstatt diese auf dem Papier zu suchen. “A stirring tale of resilience and redemption”, spöttelt Joker später. “The feel-good story of the year!” Was es nicht ganz trifft, aber auch nicht vollends falsch ist. “I could put up with any sort of mindless torture in public as long as I could let my imagination run wild in private”, erzählte Paul Dini über seine Schulzeit. Und untermauert mit Dark Night: A True Batman Story, dass sich daran 50 Jahre später wenig geändert hat. Er überwand sein Trauma und ließ es in seine Arbeit einfließen. Bruce Wayne wäre stolz.

8/10

13. Februar 2015

Kurz & Knackig: Justice League

Das hätten sich auch die Nerds nicht träumen lassen, dass Comic-Filme irgendwann die Filmindustrie dominieren. Marvels Output – Spider-Man und X-Men außen vor – hat bislang über sieben Milliarden Dollar eingespielt, mehr als ein Drittel davon allein durch The Avengers und Iron Man 3. DC’s Portfolio baute primär auf Nolans Batman-Filme, die den Löwenanteil der drei Milliarden Einspiel besorgten, wohingegen Green Lantern zum Flop avancierte. Kein Wunder also, dass auch Warner Bros. ein Stück vom Kuchen abhaben will und nächstes Jahr mit Batman v Superman: Dawn of Justice auf ihren eigenen Ensemble-Film hinarbeiten. Dabei ist die Justice League schon seit Jahren im Einsatz – wenn auch bislang nur im Animationsbereich.

Seit 2007 spült DC Comics in regelmäßigen Abständen Filme zu seinen Helden Ensemble-Werke auf den DTV-Markt. Die Filme folgen dabei zu Beginn keiner wirklichen Chronologie. Was sie neben namhaften Voice Casts (Nathan Fillion als Green Lantern!) auszeichnet, sind teils interessante Ideen, Szenen und Momente. Aber auch so manche Stolpersteine. Das Schema ist oft dasselbe: Batman ist der seriöse Leader, Green Lantern meist der comic relief – oft unterstützt von Flash –, während Wonder Woman bzw. Diana Prince etwas steif daherkommt, Cyborg eher ein Militärstratege ist und Superman oft auf seine Stärke reduziert wird. In der Folge sollen einige der jüngeren Justice League-Filme etwas ausführlicher beleuchtet werden.

Justice League: Crisis on Two Earths (2010)

The philosophical implications are tremendous.

Von den vier vorgestellten Filmen entspricht der Zeichenstil von Lauren Montgomerys und Sam Lius Crisis on Two Earths sicher am ehesten dem von Fernseh-Cartoons. Wie im Falle der anderen Filme wird sich aus dem großen Print-Fundus bedient, um eine der populäreren Handlungsstränge zu erzählen. In diesem Fall wird die Justice League von der Ankunft Lex Luthors überrascht, der kundtut, aus einer Paralleldimension zu stammen, wo die Superhelden als Crime Syndicate die Bösewichte geben und die im DC-Universum bekannten Antagonisten rund um Luthor, Joker und Deathstroke wiederum die Justice League stellen. Luthor als letztes überlebendes Mitglied dieser Justice League bittet nun Superman und Co. um Unterstützung.

Den Zuschauer erwartet somit ein “What if”-Szenario, in dem mit großer Macht große Gier einhergeht. Superman (Mark Harmon) wird zu Ultraman, Wonder Woman zu Superwoman, usw. Hierbei wird zugleich die subtile Idiotie der Heldennamen deutlich, wenn in der Alternativwelt Batman (William Baldwin) schließlich zu Owlman (James Woods) mutiert. Gerade letztere beide bestimmen das Geschehen, wenn Owlman eine Superbombe dazu nutzen will, die Ursprungserde zu zerstören, weil in einer Welt mit unzähligen Erden jegliche Entscheidung und somit auch die menschliche Existenz irrelevant sei. Eine Suizidmission, bei der Owlman bereitwillig von seiner bloß aufs Monetäre fixierten Freundin Superwoman unterstützt wird.

Die ist als verruchte Femme fatale einer der Höhepunkte, auch wenn ihre Motivation nur bedingt Sinn macht. Ansonsten gibt es hier wie in den anderen Filmen viele, teils ausufernde Actionszenen, wenn sich unsere Superhelden ohne wirkliche Konsequenzen eins auf die Zwölf geben. Manche Figur wie Green Lantern rückt da in den Hintergrund, was im Falle des Crime Syndicates jedoch noch auffälliger ist. Trotz allem finden die Regisseure Zeit, dem Martian Manhunter eine Liebesgeschichte auf den Leib zu schreiben. Seine Stärken bezieht Crisis on Two Earths jedoch aus der verkehrten Darstellung der gewohnten Verhältnisse, kulminierend in einem spannenden und gut geschriebenen Finale zwischen Batman und Owlman.

6/10

Justice League: The Flashpoint Paradox (2013)

You’re one hell of a messenger.

Dass Jay Oliva als Storyboarder an Bord von Zack Snyders Man of Steel war, sollte man dem Regisseur der The Dark Knight Returns-Adaption nicht zum Vorwurf machen. Zumindest versucht The Flashpoint Paradox in diesem Fall eine Rehabilitation. Was eingangs wie ein gewöhnliches Justice League-Abenteuer beginnt, in dem Flash (Justin Chambers) ein Bombenattentat des Reverse-Flash mithilfe der Justice League abwenden muss, entwickelt sich schnell zu einer alternativen Realität, die buchstäblich keine Gefangenen macht. Hier führen Wonder Womans (Vanessa Marshall) Amazonen Kriegt mit Aquamans Atlanteanern, weil Diana Prince für den Tod von Aquamans Frau Mera verantwortlich ist. Doch das ist nur eine Abwandlung von vielen.

Wie Flash bei einem Besuch in Gotham feststellen muss, ist Batman in dieser Zeitachse Thomas Wayne (Kevin McKidd), nachdem es Bruce war, der seinerzeit starb, statt seiner Eltern. Superman ist in dieser Realität ein geheimes Militärexperiment, das Batman und Flash später mit Cyborg (Michael B. Jordan) befreien müssen und Hal Jordan ist nie zu Green Lantern geworden. Wieder ist es die Umkehr mancher Gewohnheit – auch hier gehören Luthor und Slade Wilson zu den Guten –, die gefällt. Beeindruckend ist zuvorderst jedoch die ernste und sehr gewalthaltige Herangehensweise, wenn unsere bekannten Helden wie Shazam hier teilweise brutale und grausame Tode sterben. Was nicht bedeutet, der Film sei frei von Humor.

Problematisch gerät allerdings die Auflösung des Ursprungs der alternativen Realität, die aus einer einzigen Handlung resultierte. Wieso dies sich wiederum derart auswirkt, dass Bruce Wayne an seiner Eltern statt stirbt oder Superman nie von den Kents aufgezogen wird, will nicht ganz klar werden. Und auch wenn The Flashpoint Paradox auf einer emotionalen Note endet, steht das Konstrukt der Handlung im Nachhinein auf wackeligen Beinen. Die zuvor erschaffene dystopische Welt hingegen wusste zu gefallen, auch wenn manche Figur – wie ein direkt aus Pumping Iron entsprungener Aquaman – etwas befremdlich wirkt. Härter und dreckiger als The Flashpoint Paradox kann man einen Justice League-Film jedoch kaum inszenieren.

6/10

Justice League: War (2014)

You’re not just some guy in a bat costume, are you?

Auch in War führte Jay Oliva wieder die Regie, während der Film erneut eine neue Kontinuität beginnt – die immerhin in Throne of Atlantis fortgesetzt wird –, obschon er am Ende von Flashpoint in einer Post-Credit-Szene angeteasert wurde. Die Hintergründe dieser Realität ergeben sich während der Sichtung, beispielsweise welche der Figuren sich kennen und welche nicht. Darkseid plant in bester The Avengers-Manier mittels beliebiger Alien-Krieger die Invasion der Erde, was zuerst Batman (Jason O’Mara) und Green Lantern (Justin Kirk) in Gotham zusammenführt. Beide suchen in Metropolis daraufhin die Unterstützung durch Superman (Alan Tudyk), während Victor Stone eher widerwillig durch Darkseids Invasions-Pläne zu Cyborg mutiert.

Während verschiedener Angriffe, unter anderem auf Air Force One, werden auch Helden wie Wonder Woman (Michelle Monaghan), Flash (Christopher Gorham) und Shazam (Sean Astin) in das Geschehen involviert. Gemeinsam müssen die sieben Superhelden nun einen Mittel und Weg finden, um Darkseids Plänen ein Ende zusetzen. Und damit wäre auch die Handlung bereits umrissen, die im Gegensatz zu den beiden anderen Filmen relativ wenig tiefgründig gerät. Zuvorderst lebt War von der Konfrontation der verschiedenen Figuren, wobei das Duo Batman und Green Lantern neben der Genesis von Cyborg (zurecht) die meiste Laufzeit in Anspruch nimmt. Der überzeugende Zeichenstil orientiert sich dabei an Olivas Vorgänger-Film.

Letztendlich hätte man das alles jedoch auch auf etwas mehr als die Hälfte der Zeit eindampfen können, da der Film so manchen Leerlauf hat. So sehr Wonder Woman auch auf den Putz haut, ist Diana Prince doch eine unwahrscheinlich steife Figur geworden. Shazam wiederum gerät relativ verzichtenswert und ironischerweise spielt Superman auch hier wieder nur die zweite Geige hinter Batman. Bereitet Darkseid zuerst enorme Probleme, gelingt es den Helden dann auch ohne Batman und Superman später relativ einfach, mit ihm fertig zu werden. Dass manche Figuren wie Wonder Woman hier erneut neu gezeichnet und das Ensemble neue Stimmen erhält (und teils in Throne of Atlantis nochmals) steht War am Ende ein wenig im Weg.

5.5/10

Justice League: Throne of Atlantis (2015)

Journalism is dead.

Obschon Throne of Atlantis die Ereignisse aus War fortführt, warten wieder einige Wechsel bei den Synchronsprechern auf. So wird Superman nun von Jerry O’Connell gesprochen, Wonder Woman von Rosario Dawson und Green Lantern wieder von Nathan Fillion. Ansonsten gehen die Figuren im Grunde ihre eigenen Wege, eine Justice League – wie Cyborg zu Beginn resümiert – existiert de facto nicht wirklich. Natürlich kommt sie hier dennoch wieder zusammen, als ein U-Boot der Armee im Marianengraben verschwindet. Ursache ist eine Attacke der Atlanteaner, die den Tod ihres Königs rächen wollen, der als Kollateralschaden in Darkseids Invasion aus War starb. Nur Arthur Curry (Matt Lanter) kann als Aquaman das Schlimmste verhindern.

Als Folge schickt sich der diesmal von Ethan Spaulding inszenierte Film als Origin-Story für Aquaman an, lernt Arthur Curry doch von seiner wahren Abstammung und designierten Rolle, während sein Halbbruder Orm (Sam Witwer) sich als Kriegstreiber versucht. Die Justice League nimmt sich in Throne of Atlantis etwas zurück, wobei durchaus Plot-Elemente aus War fortgeführt werden. So beginnen Superman und Wonder Woman zu daten wie auch Green Lantern und Batman ihre zotiges Miteinander intensivieren. Für Flash und Shazam bleibt da wenig zu tun, auch Cyborg agiert etwas passiver. Die Handlung gehört zum Großteil Aquamans Origin, der zugleich reichlich hastig abgespult wird, um sich wirklich entfalten zu können.

Bisherige Kritikpunkte finden sich hier wieder. Shazam ist eine überflüssige Figur und Wonder Woman arg steif. Hier kann sie nicht einmal auf den Putz hauen, was dafür Mera (Sumalee Montano) eindrucksvoll zufällt. Throne of Atlantis gerät dabei zwar nicht so blutig wie Flashpoint Paradox, aber der Großteil der Justice League sowie die Atlanteaner machen hier keine Gefangenen. Die Action weiß zu gefallen, auch wenn sie in ihrer Redundanz schnell eintönig wird. Am stärksten ist Throne of Atlantis in seinen ruhigen Momenten, wenn die Charaktere miteinander agieren dürfen. Eine weitere Post-Credit-Szene deutet an, dass im nächsten Justice League-Teil endlich etwas mehr Fleisch an den Knochen kommt. Zu wünschen wäre es.

5.5/10