21. Oktober 2007

Y tu mamá también

Who cares who you two fucked when you come that fast!

Wenn die DVD einen Film als Mexican Pie, bzw. die mexikanische Antwort zu American Pie tituliert – was mir bei der ersten Sichtung entgangen war – dann spricht das in meinen Augen eher gegen den Film, vor allem das aus Mexiko in den letzten Jahren sehr gute Filme und Regisseure zu kommen pflegten. Und obschon ich Y tu mamá también eine gewisse philosophische Note attributiere, ist er prinzipiell dann eigentlich doch nichts anderes als eine spanischsprachige Variante von American Pie. Und wie dieser, gelang es auch Y tu Erfolge einzuheimsen, brach der Film doch in Mexiko einen Einspielrekord, als er am ersten Wochenende 2, 2 Millionen Dollar einspielte und sogar eine Oscarnominierung für sein Drehbuch einheimste. Diese Nominierung erhielten die Gebrüder Cuarón, wobei hier, wie bei vielen Regiebrüdern – Ridley/Tony Scott, Jonathan/Ted Demme – der eine Bruder, Alfonso, berühmter ist als der andere, Carlos. Und geradezu erstaunlich ist auch, dass sich Alfonso Cuarón mit diesem sehr pubertären Film für denn Prisoner of Azkaban der Harry-Potter-Reihe qualifiziert hat, bedenkt man die Zielgruppe beider Filme.

In Mexikostadt verabschieden Tenoch (Diego Luna) und Julio (Gael García Bernal) ihre Freundinnen am Flughafen, als diese einen Sommerurlaub in Italien anstreben. Danach geben sich die beiden Jugendlichen Partys und Drogen hin, in der Hoffnung bei einer und mehreren Damen landen zu können, wenn sie nicht gerade im Schwimmbad masturbieren. Auf der Hochzeit von Tenochs Schwester treffen die beiden dann auf Luisa (Maribel Verdú), die spanische Frau eines von Tenochs Cousins. Ohne sich etwas dabei zu denken, erzählen die beiden Jungs ihr von einer träumerischen Himmelsbucht, zu der sie fahren wollen und zu der Luisa recht herzlich eingeladen ist. Keine der Parteien nimmt die andere ernst, was sich ändert, als Luisas Mann ihr einen Seitensprung gesteht und Luisa die Reise der Jungs mit antreten will. In der Hoffnung auf ein sexuelles Abenteuer stampfen die beiden Charolastras einen mehr schlecht als rechten Road-Trip zusammen, unterlegt mit Marihuana und sexuellen Anekdoten. Als die sexuelle Spannung mit jedem gefahrenen Kilometer zunimmt, gerät auch die Freundschaft von Julio und Tenoch ins Wanken.

Wie das bei Jugendlichen eben so ist, wird ihr Alltag von Sex bestimmt. Wie er war und mit wem man gerne würde und was man dann alles macht – dies müsste den meisten Männern bekannt sein. Dabei sind Tenoch und Julio relativ ungewöhnliche Freunde. Während Julio aus durchschnittlichen Verhältnissen stammt und ohne Vater aufgewachsen ist, arbeitet Tenochs Vater für die Regierung, was seiner Familie ein gewisses Maß an Reichtum beschert. Ihre beiden Freundinnen sind ebenso miteinander befreundet und an sich steht auch nicht viel zwischen den beiden Charolastras, „Astralcowboys“, sie masturbieren zusammen und sind auch sonst gänzlich unzertrennlich. Das hat in mehreren Szenen schon einen homoerotischen Charakter, wobei dies bei innigen Männerfreundschaften meistens der Fall ist. Aber es ist nicht alles gold was glänzt, denn beide finden bei sich auch Antipathien, welche sie sich jedoch selber nicht mitteilen. Erfahren tut dies der Zuschauer wie viele andere Hintergründe und Nebenhandlungen von einem allwissenden Erzähler, der die Handlung aus dem Off begleitet und an dass Jeunetsche Erzählschema erinnert.

Die Crux der Handlung ist Luisa, bzw. das sexuelle Interesse der beiden an ihr. Bis es zur Offenbarung des Problems kommt, hatten scheinbar weder Tenoch noch Julio über das Auftreten dieses nachgedacht. Die Stimmung beginnt jedoch zu schwanken, als Luisa bei einem Zwischenstopp mit Tenoch schläft und dies Julio missfällt. Daraufhin kommt es zu dem Beginn von Geheimnisaufklärungen und weiteren sexuellen Akten, während die Clique ihrem irrwitzigen Ziel näher kommt: dem Strand. Die Cuaròns erzählen ihre Coming-of-Age-Story mit vielen sexuellen Anspielungen und Untertönen, sowie reichlicher Fleischbeschaung, sodass der Film ein für seine Zielgruppe hohes Rating bekommen hat, welches zu studentischen Nackt(!)-Protesten in Mexiko geführt hatte. Von seinem Grundprinzip keine Neuerfindung des Rades, unterhält Cuaròn seine Zuschauer/innen durch zwei sympathische Verlierer auf ihrer Suche nach Sex. Zwei Teenies, die sich wie Don Juans präsentieren und unter vorzeitigem Samenerguss leiden, die glauben jede Frau haben zu können und sich dabei selber in die Irre führen und am Ende von der Wahrheit aufgeschreckt werden. Ein gelungenes Frühwerk eines inzwischen großen Regisseurs.

7.5/10

Kommentare:

  1. Wird auch noch in die Sammlung wandern. Cuaron ist der beste Geheimtipp, der kein Geheimtipp mehr ist.

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  2. Kann man sicherlich so sehen, Geheimtipp ist er ja seit Harry Potter nicht mehr.

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