14. Oktober 2009

The Italian Job

Hang on a minute, lads. I've got a great idea…er…

Keine Vorschusslorbeerkronen wollten Schiller, Lessing und Goethe laut Heinrich Heine in seinem Gedicht Plateniden von 1851. Erhalten haben sie sie dennoch. Ähnlich verhält es sich mit Peter Collinsons Kultfilm The Italian Job, der dieses Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert. Was Paramount dann auch eine bildtechnisch superb restaurierte Blu-Ray wert war, deren Ton mit dem Bild allerdings nicht ganz mithalten kann. Aber zurück zu den Vorschusslorbeeren, die dieses Heist-Movie begleiten. Speziell die Briten lieben Collinsons Film, landete er bei einer Rangliste des Total Film Magazins immerhin auf Platz 27 und bei einer Umfrage unter Briten auf Platz Eins für das beste Filmzitat aller Zeiten. Selbst dem Sohn von Drehbuchautor Troy Kennedy Martin wird heute noch entgegnet: „You’re only supposed to blow the bloody doors off!“, wie Kennedy Martin im Audiokommentar erzählt. So nett wie die Szene - in der versehentlich ein ganzer Laster statt lediglich dessen Türen in die Luft gesprengt wird – auch ist, so unspektakulär ist sie letztlich. Und dies trifft im Grunde auch auf The Italian Job selbst zu.

Die Eröffnungsszene hat etwas von einem Bond-Film, wenn der Gauner Beckerman (Rossano Brazzi) über eine Bergstraße fährt, während Quincy Jones’ On Days Like These ertönt. Kurz darauf ist Beckerman tot, mit Dank an die italienische Mafia und deren Vertreter Altabani (Raf Vallone). Sterben musste Beckerman wegen eines Coups, den er vorhatte in Turin durchzuziehen. Ein Coup, in den auch der inhaftierte Gaunerkollege Charlie Croker (Michael Caine) verwickelt ist, was sich rasch in dessen Gefängnis herumspricht. „I hope he likes spaghetti” kommentiert Mr. Bridger (Noel Coward), der höchstangesehene Gefängnisinsasse lediglich. Denn in italienischen Besserungsanstalten wird das Pastagericht vier Mal die Woche serviert, so Bridger. Frisch aus dem Knast wird Charlie dann von seiner „Freundin“ Lorna (Margaret Blye) abgeholt, in ein Hotel gebracht, und dort mit gut einem Dutzend Frauen versorgt. Einige Stunden (und wohl auch einige Orgasmen) später schleicht sich Charlie den Flur runter zu Beckermans Zimmer. Doch der ist ja verstorben, was seine Witwe nicht davon abhält, Charlie die Pläne für den Coup zu übergeben. Bevor auch sie mit ihm zu schlafen begehrt.

Wer jetzt noch nicht den Eindruck gewonnen hat, dass dieser Charlie Croker ein kleiner Casonova ist, wird einige Szenen später erneut darauf hingewiesen, wenn Lorna zu Charlie fährt und dort erst einmal drei wildfremde Frauen halbnackt aus dem Haus scheuchen muss. Schon ein steiler Zahn, dieser Charlie, spätestens jetzt ist es wohl auch dem letzten Idioten klar geworden. Die Weiber-Szenen haben in The Italian Job eigentlich keine Daseinsberechtigung, ähnlich wie vieles in der ersten Hälfte des Filmes keine wirkliche Daseinsberechtigung hat. Allen voran Lorna, deren Figur vollkommen unerheblich ist und dies in jeglicher Hinsicht. Ihre Involvierung in den Coup macht keinen Sinn, vor allem da Charlie sie noch vor diesem ohnehin aus dem Geschehen transportiert. Genauso verhält es sich mit Professor Peach (Benny Hill), der die wichtigste Figur im Coup darstellt, aber von allen Beteiligten schließlich am wenigsten im Bild zu sehen ist. Davon, dass sein Schicksal anschließend nicht mehr geklärt wird, gar nicht erst zu sprechen. Wie schlampig Collinson und Kennedy Martin hier mit den ersten 45 Minuten Laufzeit umgehen, ist wirklich bedauerlich.

Wenn dann schließlich nach einer Stunde der eigentliche Raubüberfall endlich beginnt, nimmt Collinsons Film auch dankenswerterweise an Fahrt auf. Zwar ist der Raub als solcher mehr schlecht als recht inszeniert, doch geht und ging es dem Film ausschließlich um die Flucht. Gold im Wert von einigen Millionen wird in drei Minis verladen, die anschließend vor der Turiner Polizei in U-Bahn-Unterführungen, auf Hallendächern und durch Flüsse Reißaus nehmen. Zwar wird nicht erklärt, wieso die Turiner Polizei sofort die Minis als Tatfahrzeuge ausfindig macht – man sollte meinen der „verdeckte“ Überfall dient auch der Anonymität der Täter -, aber allein durch die Choreographie der Minis und Quincy Jones’ Musik ruft die Flucht eine gewisse Coolness hervor, die man Collinsons Film an dieser Stelle nicht absprechen kann. Es ist diese Fluchtsequenz, überleitend in das Finale des Filmes, die The Italian Job letztlich den Kragen rettet und zumindest teilweise über die lahme erste Hälfte hinwegtröstet.

Nun ist es im Genre begründet, dass der eigentliche Raub weitaus spannender ist als dessen Vorbereitung. Aber die Hinführung ist in The Italian Job dann doch eher misslungen, seien es die mehr als nötigen Frauenabenteuer oder Crokers Einbruch in sein altes Gefängnis. Hinzu kommt der fade Beigeschmack, dass Collinsons Film reichlich von Lewis Milestones Ocean’s Eleven von 1960 abgekupfert scheint. Sei es die ähnlich große Anzahl an Teammitgliedern (hier 14 statt 11), der darin eingeschlossene token black guy oder das Ende, in welchem die Gruppe ihrer vermeintlichen Beute Ade sagen muss (auch wenn es hier offen gehalten wird). Wobei gerade Letzteres ein fast schon typisches Merkmal des Genres ist. Dass The Italian Job nur bedingt funktioniert liegt auch nicht wirklich an möglichen Ähnlichkeiten zum Rat-Pack-Vehikel, sondern an der belanglosen ersten Hälfte. Abseits davon weiß Collinsons vierter Spielfilm speziell durch die Flucht der Minis unterlegt mit Jones’ Musik zu gefallen. Alles in allem wird der Film jedoch seinen Vorschusslorbeeren nur bedingt gerecht.

6.5/10

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