9. April 2007

Quo Vadis

So, habs endlich mal geschafft auch diesen Klassiker anzuschauen, Christus bzw. Ostern sei Dank! Quo Vadis enstammt einer Zeit, in der Monumentalfilme das waren, was Comic-Verfilmungen heute sind: Massenware. Dabei bedient sich der Film der üblichen Rezepte und bringt tatsächlich ein gelunges Resultat hervor. Die Effekte sind sehr gut, die Kostüme sind stimmig, die Kulissen opulent. Mit einer Lauflänge von 160 Minuten ist Quo Vadis jedoch wie seine Altersgenossen sehr lang und dies wie in den meisten Fällen unnötigerweise.

Dabei zirkuliert die Handlung um zwei Themen, wo eines der beiden bereits gereicht hätte: Das Kaisertum von Nero (hervorragend: Peter Ustinov) und die Liebesgeschichte des römischen Kommandanten Marcus Vinicius (Robert Taylor) mit der römischen Geisel und gläubigen Christin Lygia (Deborah Kerr). Verbindungsstück der beiden Geschichten ist Neros Berater und Marcus' Onkel Petronius (Leo Genn). Die spannendere der beiden Handlungsstränge ist dabei Nero und seine Charakteristika. Die Liebesgeschichte von Marcus & Lygia verkommt zu einer Missionierungsgeschichte, in welcher bezeichnenderweise durch lieb gemeinten Hinweis von Paulus selbst Vinicius sich vom Saulus zum Paulus wandelt und im Angesicht seines bevorstehenden Todes bereitwillig und freudig das Christentum annimmt.

Das ist in meinen Augen auch das Hauptmanko des Filmes, neben seiner Länge: Quo Vadis ist durch und durch christlich motiviert. Da wird der kalte Marcus Vinicius durch seine Liebe zu der Christin Lygia langsam aber sicher innerhalb einer Woche zum Christentum konvertiert, was nach dem Brand Roms und der anschließenden Christenverfolgung dann in einer Verfütterung an die Löwen im Kolloseum mündet. In diesen Szenen werden dann auch die Römer als lüsterne Barbaren dargestellt, die sich mit sabbernden Grinsen an dem Tod der Christen aufgeilen (ist ja nicht so, dass Rom damals die Kulturhauptstadt der Welt war), während diese ihre von Jesus Christus gegründete friedliche Gemeinschaft mit gemeinsamen Sängen symbolisieren. Mit Gesängen! Selbst auf dem Scheiterhaufen singen diese Christen noch (was ich für physisch unmöglich erachte, dass man während man brennt einen Ton halten kann). 

Als Lygias Bodyguard dann dem auf sie abgerichteten Stier das Genick bricht, jauchzt die Menge nach Begnadigung, was Nero ablehnt und dann konsequenter Weise in einem Aufruhr und seinem Tod in den Palastgemächern endet. Die Botschaft hier: Don't mess with Jesus, oder auch Wie du mir, so ich dir. Das zwischen dem Brand von Rom und Nero's Selbstmord immerhin vier Jahre lagen, dass seine Frau Poppaea zu der Zeit (seines Todes) bereits tot war, sich sein Selbstmord nicht im Anschluss an die Christenverfolgung und auch nicht aufgrund dieser ereignet hat, usw. will ich mal außer Acht lassen, denn historisch gesehen ist jeder Hollywood-Schinken für die Katz. Trotz allem ist der Film gute klassische Unterhaltung, wobei einem die christlichen Untertöne und die Länge übel aufstoßen mögen.

6.5/10

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