10. Juli 2010

Predators

It’s a trap!

”Certainly there is no hunting like the hunting of man and those who have hunted armed men long enough and liked it, never really care for anything else thereafter”, schrieb Ernest Hemingway in seiner Kurzgeschichte On the Blue Water, die 1936 im Esquire erschien. Ein Zitat, dass es in Robert Rodriguez’ Fortsetzung Predators geschafft hat, dem dritten Film über eine außerirdische Rasse von (Menschen-)Jägern. Vor über zwanzig Jahren wurde mit dem Predator ein Exemplar dieser Rasse auf den über-Mensch an sich, Arnold Schwarzenegger, losgelassen. Seither genießt der Predator Kultstatus neben seinem älteren Bruder, dem Alien. Einer der Gründe, weshalb beide Figuren anschließend aufeinander losgelassen wurden und es damit zuletzt auch zu zwei Kinofilmen brachten. Ein Unterfangen, dass beiden Wesen mehr Schande als Ruhm einbringen wollte, weshalb sich ihre Anhänger - auf der einen Seite Ridley Scott, auf der anderen Seite Robert Rodriguez - nun mit individuellen Se- oder Prequels anschicken, ihre Ehre wieder herzustellen.

Die Geschichte von Rodriguez und Predators ist eine Längere, typisch Hollywood und wie viele andere solcher Geschichten fast ihren eigenen Film wert. Vor sechzehn Jahren sollte der Mexikaner bereits das Drehbuch für einen dritten Teil schreiben, das Projekt verlief sich dann im Sande - typisch Hollywood eben. Was lange währt, wird also endlich gut. Rodriguez durfte das Drehbuch schreiben, den Film in seinen eigenen Troublemaker Studios produzieren und ein illustres Ensemble engagieren, angeführt vom Oscarpreisträger Adrien Brody. Die Regie übernahm Nimród Antal, ein ebenfalls erklärter Fan des ersten Teils und inzwischen etablierter Retro-Regisseur in der Traumfabrik. Nach dem Old-School-Horror-Thriller Vacancy und dem Old-School-Actioner Armored nun also sein Sequel zu einem Klassiker aus den Achtzigern. Was jedoch bereits in seinen vergangenen Filmen lediglich im Ansatz gelang, vermag ihm auch in Predators nicht vollends zu gelingen. Schuld hieran trifft jedoch auch Rodriguez’ überladenes Drehbuch.

Dabei ist die Prämisse des Filmes viel versprechend, auch wenn der Einstieg aufgrund seiner schlechten digitalen Effekte (vielleicht, weil Rodriguez sie selbst überwachte?) nur bedingt gefällt. Eine Gruppe von militärisch geschultem Personal landet in einer Dschungellandschaft. Wie sind sie hierhergekommen? Und zu welchem Zweck? Ein beliebtes Schema, zuletzt eher mittelmäßig in Unknown umgesetzt, überzeugender dagegen 1997 im Indie-Hit Cube. Da gibt es den RUF-Kämpfer aus Sierra Leone, der nach einer Stadt in Kenia benannt ist (Mahershalalhashbaz Ali), einen russischen Soldaten, der passender Weise auf den Namen Nikolai hört (Oleg Taktarov), einen mexikanischen Kartell-Vollstrecker, der „Chuchillo“ (dt. Messer) heißt, aber mit zwei Wummen rum rennt (Danny Trejo), einen japanischen Yakuza namens Hanzo (Louis Ozawa Changchien) und dann schließlich noch drei Figuren, mit verhältnismäßig normalen Namen: US-Serienkiller Stans (Walton Goggins), die israelische Scharfschützin Isabelle (Alice Braga) und Söldner Royce (Adrien Brody).

Die glorreichen Sieben, zu denen sich mit dem Arzt Edwin (Topher Grace) ein unscheinbarer Achter dazugesellt, der relativ früh veranschaulicht, wie unausgegoren Rodriguez’ Drehbuch ausgefallen ist. Zwischen all den geschulten Killern, auf ihre Art und Weise von Bragas Figur im Film selbst als Predators ausgemacht, platzieren die außerirdischen Menschenjäger nun also einen Hänfling. Dessen Anwesenheit wird nicht einmal dann von den anderen Figuren hinterfragt, als diese bereits Sinn und Zweck ihrer Anwesenheit ausgemacht haben (“This planet is a game reserve. And we're the game“). Dementsprechend hat Edwin natürlich eine eigene Geschichte und ist - zumindest bis diese erzählt ist - quasi für die Predators unantastbar. Was Jagdszenen auf ihn dementsprechend die Luft aus den Segeln nimmt. Robert Rodriguez’ Bohai um Edwins Hintergrund ist erschreckend naiv, lässt seine Anwesenheit inmitten der Anderen doch nur einen wirklichen Schluss zu, der sich schließlich natürlich auch bewahrheitet.

Eine primäre Funktion erfüllt Edwin also eher als Identifikationsfigur, als Normalo unter lauter „Wilden“, der durch einige schiefe Blicke und manches „Fuck!“ den Zuschauer im Geschehen ersetzen soll. Es ist dabei weniger Edwins Anwesenheit, die stört, als vielmehr jenes fehl platzierte Bohai seines Schöpfers. Bei einer anderen Figur lässt sich dies noch nicht einmal sagen. Laurence Fishburne, von Antal aus dessen Armored ins Boot geholt, gibt mit seinem Noland eine 1.0-Variante der restlichen Charaktere. Einen Veteran im Kampf gegen die Predators, seit zehn (Jagd-)Saisons auf dem Planeten - auch wenn dies, man erfährt es zum Schluss, nicht viel heißen muss. Eine vielleicht nicht nutzlose, aber doch verschenkte Figur, die wenig interessantes beizutragen hat - Bragas Charakter liefert die essentiellen Hintergrund-Fakten - und somit eigentlich ihre Daseinsberechtigung verwirkt. Umso erschreckender, dass Rodriguez über ein Noland-Prequel zum Sequel nachdenkt.

In weitere Hinsicht folgt der neue Predator-Teil den Vorgaben anderer Drittteiler wie Joe Johnstons Jurassic Park III. Hier bedarf es einer neuen Rasse beziehungsweise eines anderen Stammes von Predators, was hinsichtlich der Tatsache, dass sie mit derselben Technik jagen und ohnehin ihre Gesichter hinter Masken verbergen, wenig Sinn ergeben will (selbst der „Plottwist“ - bewusst in Anführungszeichen gesetzt - entschuldigt dies nicht). Hinzu kommen Predator-Hunde und Predator-Falken, die jedoch wie Fishburne oder Trejo kaum Etablierung ins Geschehen erfahren und rasch zu den Akten gelegt werden. Der strukturelle Aufbau von Predators wirkt so bisweilen reichlich gehetzt (im Einzelnen wie Ganzen). In Anbetracht der Tatsache, dass sieben ausgebildete Killer plötzlich nicht nur auf Jemanden, sondern auf Fremde angewiesen sind, spart Rodriguez jegliches Konfliktpotential aus (konträr dazu werden Stans und Mombasa mittels eines Kampfes eingeführt, dessen Ursache der Zuschauer nie erfährt).

Kurzum: der Film hätte besser sein können, schon allein durch Verzicht auf die Figuren von Noland und Edwin. Ansonsten ist Predators jedoch ganz nett ausgefallen. Nicht überragend, nicht im Gedächtnis bleibend, aber auch kein sonderliches Ärgernis. Rodriguez baut einige nette Verweise ein, beispielsweise darf Fishburne Apocalypse Now zitieren und auch The Empire Strikes Back erfährt eine amüsante Referenz. Das Ensemble wiederum erscheint gelungen besetzt, von Taktarov über Trejo bis hin zu Braga und Oscarpreisträger Brody, der eine glaubhafte Transformation zum Actionhelden erfährt. Weniger gelungen sind die Effekte von Señor Rodriguez ausgefallen, auch Antals Musikwahl im Abspann wirkt ziemlich befremdlich. Grundsätzlich hat jedoch die Prämisse des Filmes Potential. Weshalb die Möglichkeit bestünde, dieses in einer weiteren Fortsetzung (und bitte kein Noland-Prequel) entsprechend auszuschöpfen. Denn die Ehre von Predator ist hiermit noch lange nicht wiederhergestellt.

6/10 - erschienen bei Wicked-Vision

Kommentare:

  1. Mach dich darauf gefasst, zerfetzt zu werden! Deine Kritik liest sich beinahe wie ein Lobgesang im Vergleich zu dem, was andere über "Predators" geschrieben haben. - Notfalls gewähre ich dir Asyl in der Schweiz. Verhaftungen sind jedoch bekanntlich nicht auszuschliessen ;)

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  2. Na, da hat dich letztlich doch so ziemlich das selbe wie mich gestört (und mich eben noch ein paar Sachen mehr ;) ). Deine Kritik trifft die Schwächen der Figurenzeichnung und -konstellation auf jeden Fall sehr gut, besonders in Bezug auf Edwin. Auch nett, dass wir beide den Abspann-Song ähnlich störend wahrgenommen haben. Auf ein Noland-Prequel kann ich auch gut verzichten (gibt's das nicht außerdem in Comicform?), dann (wenn es schon sein soll...) lieber ein Sequel mit Brodys Royce, der mich am ehesten überzeugt hat

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  3. Japp. "Laurence Fishburne (...) gibt mit seinem Noland (...)"

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