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1. November 2010

Machete

Als Quentin Tarantino und Robert Rodriguez vor drei Jahren mit ihrem Partner-Projekt GrindHouse einem ganzen Genre huldigen wollten, klappte dies nur bedingt. Sehr viel gelungener fielen dagegen die begleitenden Fake-Trailer aus, speziell der zu Machete. Durch steigende Nachfrage gab Rodriguez nun nach und drehte eine 105-Minuten-Version des 160-Sekunden-Trailers mit einem illustren Ensemble. Leider weiß jedoch auch Machete wie schon sein Planet Terror aufgrund des erzwungenen Trash-Faktors nicht wirklich zu überzeugen. Zu wenig hat der Mexikaner zu erzählen, zu viele unnötige Figuren versucht er in seinen Film zu integrieren. Eine etwas ausführlichere Besprechung gibt es bei evolver.

4.5/10

10. Juli 2010

Predators

It’s a trap!

”Certainly there is no hunting like the hunting of man and those who have hunted armed men long enough and liked it, never really care for anything else thereafter”, schrieb Ernest Hemingway in seiner Kurzgeschichte On the Blue Water, die 1936 im Esquire erschien. Ein Zitat, dass es in Robert Rodriguez’ Fortsetzung Predators geschafft hat, dem dritten Film über eine außerirdische Rasse von (Menschen-)Jägern. Vor über zwanzig Jahren wurde mit dem Predator ein Exemplar dieser Rasse auf den über-Mensch an sich, Arnold Schwarzenegger, losgelassen. Seither genießt der Predator Kultstatus neben seinem älteren Bruder, dem Alien. Einer der Gründe, weshalb beide Figuren anschließend aufeinander losgelassen wurden und es damit zuletzt auch zu zwei Kinofilmen brachten. Ein Unterfangen, dass beiden Wesen mehr Schande als Ruhm einbringen wollte, weshalb sich ihre Anhänger - auf der einen Seite Ridley Scott, auf der anderen Seite Robert Rodriguez - nun mit individuellen Se- oder Prequels anschicken, ihre Ehre wieder herzustellen.

Die Geschichte von Rodriguez und Predators ist eine Längere, typisch Hollywood und wie viele andere solcher Geschichten fast ihren eigenen Film wert. Vor sechzehn Jahren sollte der Mexikaner bereits das Drehbuch für einen dritten Teil schreiben, das Projekt verlief sich dann im Sande - typisch Hollywood eben. Was lange währt, wird also endlich gut. Rodriguez durfte das Drehbuch schreiben, den Film in seinen eigenen Troublemaker Studios produzieren und ein illustres Ensemble engagieren, angeführt vom Oscarpreisträger Adrien Brody. Die Regie übernahm Nimród Antal, ein ebenfalls erklärter Fan des ersten Teils und inzwischen etablierter Retro-Regisseur in der Traumfabrik. Nach dem Old-School-Horror-Thriller Vacancy und dem Old-School-Actioner Armored nun also sein Sequel zu einem Klassiker aus den Achtzigern. Was jedoch bereits in seinen vergangenen Filmen lediglich im Ansatz gelang, vermag ihm auch in Predators nicht vollends zu gelingen. Schuld hieran trifft jedoch auch Rodriguez’ überladenes Drehbuch.

Dabei ist die Prämisse des Filmes viel versprechend, auch wenn der Einstieg aufgrund seiner schlechten digitalen Effekte (vielleicht, weil Rodriguez sie selbst überwachte?) nur bedingt gefällt. Eine Gruppe von militärisch geschultem Personal landet in einer Dschungellandschaft. Wie sind sie hierhergekommen? Und zu welchem Zweck? Ein beliebtes Schema, zuletzt eher mittelmäßig in Unknown umgesetzt, überzeugender dagegen 1997 im Indie-Hit Cube. Da gibt es den RUF-Kämpfer aus Sierra Leone, der nach einer Stadt in Kenia benannt ist (Mahershalalhashbaz Ali), einen russischen Soldaten, der passender Weise auf den Namen Nikolai hört (Oleg Taktarov), einen mexikanischen Kartell-Vollstrecker, der „Chuchillo“ (dt. Messer) heißt, aber mit zwei Wummen rum rennt (Danny Trejo), einen japanischen Yakuza namens Hanzo (Louis Ozawa Changchien) und dann schließlich noch drei Figuren, mit verhältnismäßig normalen Namen: US-Serienkiller Stans (Walton Goggins), die israelische Scharfschützin Isabelle (Alice Braga) und Söldner Royce (Adrien Brody).

Die glorreichen Sieben, zu denen sich mit dem Arzt Edwin (Topher Grace) ein unscheinbarer Achter dazugesellt, der relativ früh veranschaulicht, wie unausgegoren Rodriguez’ Drehbuch ausgefallen ist. Zwischen all den geschulten Killern, auf ihre Art und Weise von Bragas Figur im Film selbst als Predators ausgemacht, platzieren die außerirdischen Menschenjäger nun also einen Hänfling. Dessen Anwesenheit wird nicht einmal dann von den anderen Figuren hinterfragt, als diese bereits Sinn und Zweck ihrer Anwesenheit ausgemacht haben (“This planet is a game reserve. And we're the game“). Dementsprechend hat Edwin natürlich eine eigene Geschichte und ist - zumindest bis diese erzählt ist - quasi für die Predators unantastbar. Was Jagdszenen auf ihn dementsprechend die Luft aus den Segeln nimmt. Robert Rodriguez’ Bohai um Edwins Hintergrund ist erschreckend naiv, lässt seine Anwesenheit inmitten der Anderen doch nur einen wirklichen Schluss zu, der sich schließlich natürlich auch bewahrheitet.

Eine primäre Funktion erfüllt Edwin also eher als Identifikationsfigur, als Normalo unter lauter „Wilden“, der durch einige schiefe Blicke und manches „Fuck!“ den Zuschauer im Geschehen ersetzen soll. Es ist dabei weniger Edwins Anwesenheit, die stört, als vielmehr jenes fehl platzierte Bohai seines Schöpfers. Bei einer anderen Figur lässt sich dies noch nicht einmal sagen. Laurence Fishburne, von Antal aus dessen Armored ins Boot geholt, gibt mit seinem Noland eine 1.0-Variante der restlichen Charaktere. Einen Veteran im Kampf gegen die Predators, seit zehn (Jagd-)Saisons auf dem Planeten - auch wenn dies, man erfährt es zum Schluss, nicht viel heißen muss. Eine vielleicht nicht nutzlose, aber doch verschenkte Figur, die wenig interessantes beizutragen hat - Bragas Charakter liefert die essentiellen Hintergrund-Fakten - und somit eigentlich ihre Daseinsberechtigung verwirkt. Umso erschreckender, dass Rodriguez über ein Noland-Prequel zum Sequel nachdenkt.

In weitere Hinsicht folgt der neue Predator-Teil den Vorgaben anderer Drittteiler wie Joe Johnstons Jurassic Park III. Hier bedarf es einer neuen Rasse beziehungsweise eines anderen Stammes von Predators, was hinsichtlich der Tatsache, dass sie mit derselben Technik jagen und ohnehin ihre Gesichter hinter Masken verbergen, wenig Sinn ergeben will (selbst der „Plottwist“ - bewusst in Anführungszeichen gesetzt - entschuldigt dies nicht). Hinzu kommen Predator-Hunde und Predator-Falken, die jedoch wie Fishburne oder Trejo kaum Etablierung ins Geschehen erfahren und rasch zu den Akten gelegt werden. Der strukturelle Aufbau von Predators wirkt so bisweilen reichlich gehetzt (im Einzelnen wie Ganzen). In Anbetracht der Tatsache, dass sieben ausgebildete Killer plötzlich nicht nur auf Jemanden, sondern auf Fremde angewiesen sind, spart Rodriguez jegliches Konfliktpotential aus (konträr dazu werden Stans und Mombasa mittels eines Kampfes eingeführt, dessen Ursache der Zuschauer nie erfährt).

Kurzum: der Film hätte besser sein können, schon allein durch Verzicht auf die Figuren von Noland und Edwin. Ansonsten ist Predators jedoch ganz nett ausgefallen. Nicht überragend, nicht im Gedächtnis bleibend, aber auch kein sonderliches Ärgernis. Rodriguez baut einige nette Verweise ein, beispielsweise darf Fishburne Apocalypse Now zitieren und auch The Empire Strikes Back erfährt eine amüsante Referenz. Das Ensemble wiederum erscheint gelungen besetzt, von Taktarov über Trejo bis hin zu Braga und Oscarpreisträger Brody, der eine glaubhafte Transformation zum Actionhelden erfährt. Weniger gelungen sind die Effekte von Señor Rodriguez ausgefallen, auch Antals Musikwahl im Abspann wirkt ziemlich befremdlich. Grundsätzlich hat jedoch die Prämisse des Filmes Potential. Weshalb die Möglichkeit bestünde, dieses in einer weiteren Fortsetzung (und bitte kein Noland-Prequel) entsprechend auszuschöpfen. Denn die Ehre von Predator ist hiermit noch lange nicht wiederhergestellt.

6/10 - erschienen bei Wicked-Vision

30. September 2007

Die Top 5: The Hire

Whatever you do, don't get to close, never meet their eyes.

Im Jahr 2000 entschied BMW aufgrund einer Studie, welche besagte dass ihre Hauptabnehmer verheiratete Männer mittleren Alters mit Internetbezug seien, dass sie gerade dieses Medium, auf diese Zielgruppe ausgerichtet, für ihre Werbung verwenden wollten. Jim McDowell, nordamerikanischer Marketingvizepräsident von BMW kam schließlich auf die Idee von Kurzfilmen, welche sich um die Automobile des bayrischen Herstellers drehen sollten. Und wie bereits Sir Richard Attenborough in Jurassic Park sagt: es wurden keine Kosten gescheut. Fallon Worldwide, BWMs Werbeagentur, wurde mit dem Projekt beauftragt, als Produzent konnte David Fincher gewonnen werden. Wenn sich jemand fragt, was Hollywoodstar Clive Owen eigentlich vor dem Jahr 2002 gemacht hat...richtig - Werbung für BMW.

Insgesamt entstanden so acht Kurzfilme von sieben bis acht Minuten Lauflänge, alle mit Clive Owen in der Hauptrolle als unbenannter mysteriöser "Driver" und alle mit einem BMW Modell als Spielzeug. Hier dürfte Luc Besson seine Idee für The Transporter mit Jason Statham gewonnen haben, welcher 2002 entstand. Was die acht Kurzfilme unterschied war die Handlung und ihre Regisseure, die international angesehen waren. So ließen sich Legenden wie John Frankenheimer oder Ang Lee nicht lumpen, ihren Beitrag zum Projekt zu leisten. Genauso wenig wie es bei den Darstellern der Fall ist, zu sehen sind Oscarpreisträger wie Forest Whitaker und F. Murray Abraham, aber auch Stars wie Madonna, Gary Oldman oder Ray Liotta haben Auftritte.

In seiner Episode Chosen ließ es Ang Lee sich nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb auf sein damals in Planung stehendes Projekt Hulk (2003) abzugeben.

Ursprünglich waren nur fünf Folgen geplant, da BMW aber einen Anstieg von 12% bei den Verkaufszahlen für 2001 feststellte, entschied man sich die Serie mit drei weiteren Folgen zu erweitern. Schließlich sprangen für die drei Folgen der inoffiziellen zweiten Staffel die Scott Brüder Tony und Ridley als Produzenten ein, ersterer von beiden führte schließlich sogar Regie bei einem der Werbespots. Dies markiert auch eine Änderung des Grundtons der Werbefilme, war die erste Staffel von ihrem Charakter her eher ernst (z.B. Alejandro Gonzáles Iñárritus Powder Keg), kamen die drei Folgen der Zusatzstaffel knallbunt und actionreich daher. Obschon verschiedene DVD-Versionen der Serie für BMW-Kunden zugänglich gemacht wurden, verschwand die Serie im Herbst 2005 von der Homepage des Konzerns.

Das besondere, bzw. besonders schöne an The Hire ist, dass alle Episoden den jeweiligen Touch und die Hand ihrer Regisseure tragen, obwohl sie von verschiedenen Autoren, unter anderem Andrew Kevin Walker, stammen. Besonders auffällig ist dies bei Tony Scotts Beat The Devil, dass stark an Domino erinnert, oder auch bei Joe Carnahan's Ticker und Guy Ritchie's Star. Dabei haben die Geschichten mal mehr (Ticker) und mal weniger (Chosen) Handlung. Hierbei handelt es sich in der Tat um hochklassige Werbespots mit den teilweise besten Regisseuren unserer Zeit und den dazugehörigen Stars der Filmbranche. An sich ist The Hire folglich interessanter für Filmfans, als für Autonarren, denn irgendwie spielen die jeweilgen BMW-Typen immer eine untergeordnete Rolle. Ansehen lassen sich die Folgen auf YouTube, die Titel sind jeweils verlinkt.


5. Hostage (Regie: John Woo): Der "Driver" muss nach einer missglückten Geldübergabe versuchen das Leben der Geisel zu retten. Furiose Action, wie man sie von dem Asiaten gewöhnt ist.

4. Ambush (Regie: John Frankenheimer): Der "Driver" gerät in einen Hinterhalt, sein Passagier ist scheinbar im Besitz wertvoller Diamanten. Fortan inszeniert Frankenheimer eine Verfolgungsjagd a la Ronin.

3. Ticker (Regie: Joe Carnahan): Sein heutiger Auftrag (Don Cheadle) beschert dem "Driver" einen Helikopter und MG-Feuer. Alles hängt davon ab, dass Staatsagenten (Ray Liotta, Robert Patrick, Dennis Haysbert) einen mysertiösen Koffer rechtzeitig erhalten.

2. Beat The Devil (Regie: Tony Scott): Der "Driver" holt Soul-Legende James Brown ab und fährt diesen zu Luzifer (Gary Oldman) höchstpersönlich, damit Brown diesen und dessen Fahrer (Danny Trejo) zu einem Rennen um Brown's Seele herausfordern kann. Scott at his best - True Romance meets Domino!

1. The Follow (Regie: Wong Kar-Wai): Von einem Hollywood-Produzenten (Forest Whitaker) erhält der "Driver" die Mission die Ehefrau (Adriana Lima) seines Hauptdarstellers (Mickey Rourke) zu beschatten. Mit unglaublich schöner Musik untermalt liefert Wong Kar Wai den poetischsten der Werbespots ab.