15. September 2010

Unknown

What's my name? Fuck your mother. That's my name.

Als damals der Trailer zu Simon Brands Debütfilm Unknown erschien, wirkten die ersten Bilder relativ interessant. Eine Gruppe von Männern, unter Amnesie leidend, wacht teilweise angekettet in einem verlassenen und abgeriegelten Lagerhaus auf. Wie sind sie dorthin gekommen? Und zu welchem Zweck? Ein kleiner netter Indie-Thriller mit namhafter Besetzung wurde hier versprochen. In die Lichtspielhäuser gelangte der Film allerdings in Deutschland nie. Stattdessen erschien er direkt auf DVD - ein Schema, das sehr undurchsichtig ist, bedenkt man dass Rob Schneiders Regiedebüt Big Stan obschon in den USA nur auf DVD herausgebracht, in Deutschland plötzlich im Kino lief. Dass Unknown nun auf DVD erhältlich war, schien niemand mitbekommen zu haben, zumindest verschleuderte Amazon vor einem Jahr den Film für läppische 2,97€. Hinsichtlich der Masse an Filmen, die es jede Woche ins Kino schaffen, wirken die Urteile des Direct-to-DVD und die knapp 3 Euro Kosten (inzwischen 5€) für diese doch weitaus härter, als es Brands Film in Wahrheit verdient hätte.

Ohne zu wissen wer er ist, wacht ein Mann in Jeans-Jacke (James Caviezel) in einem Lagerhaus auf. Außer ihm befinden sich noch vier andere Männer im Raum, alle bewusstlos. Nach und nach wachen sie auf, doch weil niemand dem anderen traut, bleiben zwei von ihnen (Joe Pantoliano, Jeremy Sisto) erstmal so angekettet, wie sie vorgefunden wurden. Einen Grund dafür wird es schon geben, denken sie sich. Doch auch die verbliebenen Drei sind sich nicht ganz koscher. Während einer von ihnen mit gebrochener Nase (Greg Kinnear) niemandem trauen will, entwickelt sich zwischen Jeans-Jacke und dem anderen unverletzten Mann (Barry Pepper) eine zarte Vertrauensbande. Kurz darauf finden sie einen toten Wachmann und eine Zeitung, die von der Entführung zweier Männer berichtet. Es beginnt der Gruppe zu dämmern, dass drei von ihnen zu den Entführern zählen müssen - dumm nur, dass sich keiner erinnern kann. Währenddessen spielt sich außerhalb des Lagers die Übergabe des Lösegeldes ab, mit dem der Drahtzieher der Entführung (Peter Stormare) sich auf den Rückweg macht.

Nun will sich Unknown nicht ganz so spannend und gewieft geben, wie es der Trailer damals versprach. Man hat schon relativ früh eine Ahnung, wer nun zu den Entführern gehört und wer nicht. Zudem bestätigen sich auch andere Vorahnungen, die man hinsichtlich des einen oder anderen Genreklischees hatte. Weitaus überraschender ist jedoch das Verhalten der Charaktere. Zwar erschließen sich die Beteiligten, dass drei von ihnen ihre Gegenspieler sind, doch aufgrund der allgemeinen Amnesie stellen sie diese Feststellung erst einmal hinten an. Ein ähnliches Szenario wie in John Carpenters The Thing wird hier nun nicht heraufbeschworen, wobei es im Grunde unter den gegebenen Umständen als unumgänglich erscheint. Speziell da sich einige Erinnerungsfetzen ziemlich eindeutig in bestimmte Richtungen bewegen. Im Verlaufe des Filmes will daher nun irgendwie keiner der aufkommenden Twists sonderlich mitreißen, dafür wirken die Wendungen zum einen und der ganze Film zum anderen doch zu sehr im Genre verankert und damit vorhersehbar.

Zugegeben, wäre das Ensemble nicht so namhaft besetzt, würde man dem Film wohl keines zweiten Blickes würdigen. Dabei kann sich die Besetzungsriege nicht einmal sonderlich auszeichnen. Während Sisto und Joey Pants unter ihrer geringen Präsenz leiden müssen, ähnlich wie bei Stormare und Moynahan, enttäuscht Kinnear hinsichtlich seines eigentlichen Talents ein wenig, während Caviezel wie immer einige Probleme mit tiefgründigen Figuren hat. So ist es die meiste Zeit Pepper, der das Ruder an sich reißt, selbst wenn auch sein Spiel sich nicht sehr von seinen früheren Darbietungen (The Three Burials of Melquiades Estrada) unterscheidet. Letztlich ist Unknown nicht nur aufgrund seiner Laufzeit ein äußerst kurzweiliges Vergnügen, das mit dem Trailer lauter bellte, als der Film schlussendlich beißen sollte. Daher hätte es der Film im Grunde durchaus verdient, im Kino zu laufen, ist er im Nachhinein doch eine Spur besser als es die 3-Euro-DVD vorzugeben schien.

5/10

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