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6. April 2018

Classic Scene: The Goonies – “Okay, I’ll talk.”

Die Szenerie: Eingesperrt in dem Unterschlupf der Verbrecherfamilie Fratelli büxen die Goonies über einen Kaminkanal in den Untergrund aus, während ihr Mitglied Chunk (Jeff Cohen) über ein Kellerfenster flieht, um Hilfe zu holen. Unterwegs sammeln ihn nachts zufällig die Fratellis wieder ein und bringen ihn zurück in ihr Versteck. Dort plant Mama Fratelli (Anne Ramsay) den Jungen per Gewaltandrohung dazu zu bringen, Informationen über die Goonies preiszugeben. Als Hilfsmittel dient ein angeschalteter Mixer, indem sie zur Demonstration eine Tomate fallen lässt, die sofort zerstückelt wird.

INT. LIGHTHOUSE BASEMENT – KITCHEN – NIGHT

CLOSE UP – Hamilton Beach blender. A hand comes into frame and drops a tomato into the activated blender. The tomato gets crushed instantly, turned to mush from the bottom to the top. We HEAR Mama Fratelli’s VOICE OVER as the tomato is crushed:

MAMA FRATELLI: First, we’ll start with the pudgy little fingers. Then the plump little hands.

The camera zooms back to reveal Mama Fratelli controlling the blender while Chunk sits on the kitchen table, crying and shaking.

MAMA FRATELLI (cont.): Then the fleshy arms.

Mama Fratelli stops the blender and turns to Chunk.

MAMA FRATELLI: Now, tell me where your other little friends are.

Chunk gives up the information immediately without hesitation and points at the fireplace.

CHUNK (sobbing): In the fireplace.

MAMA FRATELLI: Don’t lie to me!

CHUNK: Honestly. We went over to Mikey’s dad’s place and we found a map that said that underneath this place is buried treasure.

JAKE FRATELLI: Now don’t give us none of your bullshit stories, huh?

Francis grabs Chunk by the throat.

FRANCIS FRATELLI: Hey kid, I want you to spill your guts. Tell us everything.

CHUNK (whispers): Everything?

FRANCIS FRATELLI: Everything.

CHUNK (sobbing): Everything... okay, I’ll talk.

CHUNK (cont.): In 3rd grade, I cheated on my history exam.

CHUNK (cont.): In 4th grade, I stole my uncle Max’s toupee and I glued it on my face when I played Moses in my Hebrew school play.

Francis looks incredulously at his mother. Jake is confounded too.

CHUNK (cont.): In 5th grade, I knocked my sister Edith down the stairs, and I blamed it on the dog.

15. September 2010

Unknown

What's my name? Fuck your mother. That's my name.

Als damals der Trailer zu Simon Brands Debütfilm Unknown erschien, wirkten die ersten Bilder relativ interessant. Eine Gruppe von Männern, unter Amnesie leidend, wacht teilweise angekettet in einem verlassenen und abgeriegelten Lagerhaus auf. Wie sind sie dorthin gekommen? Und zu welchem Zweck? Ein kleiner netter Indie-Thriller mit namhafter Besetzung wurde hier versprochen. In die Lichtspielhäuser gelangte der Film allerdings in Deutschland nie. Stattdessen erschien er direkt auf DVD - ein Schema, das sehr undurchsichtig ist, bedenkt man dass Rob Schneiders Regiedebüt Big Stan obschon in den USA nur auf DVD herausgebracht, in Deutschland plötzlich im Kino lief. Dass Unknown nun auf DVD erhältlich war, schien niemand mitbekommen zu haben, zumindest verschleuderte Amazon vor einem Jahr den Film für läppische 2,97€. Hinsichtlich der Masse an Filmen, die es jede Woche ins Kino schaffen, wirken die Urteile des Direct-to-DVD und die knapp 3 Euro Kosten (inzwischen 5€) für diese doch weitaus härter, als es Brands Film in Wahrheit verdient hätte.

Ohne zu wissen wer er ist, wacht ein Mann in Jeans-Jacke (James Caviezel) in einem Lagerhaus auf. Außer ihm befinden sich noch vier andere Männer im Raum, alle bewusstlos. Nach und nach wachen sie auf, doch weil niemand dem anderen traut, bleiben zwei von ihnen (Joe Pantoliano, Jeremy Sisto) erstmal so angekettet, wie sie vorgefunden wurden. Einen Grund dafür wird es schon geben, denken sie sich. Doch auch die verbliebenen Drei sind sich nicht ganz koscher. Während einer von ihnen mit gebrochener Nase (Greg Kinnear) niemandem trauen will, entwickelt sich zwischen Jeans-Jacke und dem anderen unverletzten Mann (Barry Pepper) eine zarte Vertrauensbande. Kurz darauf finden sie einen toten Wachmann und eine Zeitung, die von der Entführung zweier Männer berichtet. Es beginnt der Gruppe zu dämmern, dass drei von ihnen zu den Entführern zählen müssen - dumm nur, dass sich keiner erinnern kann. Währenddessen spielt sich außerhalb des Lagers die Übergabe des Lösegeldes ab, mit dem der Drahtzieher der Entführung (Peter Stormare) sich auf den Rückweg macht.

Nun will sich Unknown nicht ganz so spannend und gewieft geben, wie es der Trailer damals versprach. Man hat schon relativ früh eine Ahnung, wer nun zu den Entführern gehört und wer nicht. Zudem bestätigen sich auch andere Vorahnungen, die man hinsichtlich des einen oder anderen Genreklischees hatte. Weitaus überraschender ist jedoch das Verhalten der Charaktere. Zwar erschließen sich die Beteiligten, dass drei von ihnen ihre Gegenspieler sind, doch aufgrund der allgemeinen Amnesie stellen sie diese Feststellung erst einmal hinten an. Ein ähnliches Szenario wie in John Carpenters The Thing wird hier nun nicht heraufbeschworen, wobei es im Grunde unter den gegebenen Umständen als unumgänglich erscheint. Speziell da sich einige Erinnerungsfetzen ziemlich eindeutig in bestimmte Richtungen bewegen. Im Verlaufe des Filmes will daher nun irgendwie keiner der aufkommenden Twists sonderlich mitreißen, dafür wirken die Wendungen zum einen und der ganze Film zum anderen doch zu sehr im Genre verankert und damit vorhersehbar.

Zugegeben, wäre das Ensemble nicht so namhaft besetzt, würde man dem Film wohl keines zweiten Blickes würdigen. Dabei kann sich die Besetzungsriege nicht einmal sonderlich auszeichnen. Während Sisto und Joey Pants unter ihrer geringen Präsenz leiden müssen, ähnlich wie bei Stormare und Moynahan, enttäuscht Kinnear hinsichtlich seines eigentlichen Talents ein wenig, während Caviezel wie immer einige Probleme mit tiefgründigen Figuren hat. So ist es die meiste Zeit Pepper, der das Ruder an sich reißt, selbst wenn auch sein Spiel sich nicht sehr von seinen früheren Darbietungen (The Three Burials of Melquiades Estrada) unterscheidet. Letztlich ist Unknown nicht nur aufgrund seiner Laufzeit ein äußerst kurzweiliges Vergnügen, das mit dem Trailer lauter bellte, als der Film schlussendlich beißen sollte. Daher hätte es der Film im Grunde durchaus verdient, im Kino zu laufen, ist er im Nachhinein doch eine Spur besser als es die 3-Euro-DVD vorzugeben schien.

5/10

18. September 2009

Daredevil - Director’s Cut

How do you kill a man without fear?

Nach Bryan Singers gelungenem Comic-Reboot X-Men oblag es 2001 Sam Raimis Spider-Man, den damals erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen. Inzwischen sind Superhelden-Verfilmungen zur Regel geworden und vormerklich die bekannten Helden finden ihren Weg auf die Leinwand. Außerhalb der USA weiß man wenig mit Iron Man, Ghost Rider oder Daredevil anzufangen. Letzterer steht nicht zuletzt auch aufgrund seines Wohnortes im Big Apple stets im Schatten von Spider-Man. Dieser erblickte zwei Jahre zuvor das Licht der Welt, ehe sein Schöpfer Stan Lee Daredevil aus den Angeln hob. Im April 1964 feierte der rechtschaffene Held seine Geburt und vergnügt sich somit seit 45 Jahren im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen. Dabei verdient Daredevil besonderes Augenmerk, ist er doch ein etwas anderer Superheld, der mit anderen Umständen zu kämpfen hat als zum Beispiel ein Wolverine, Spider-Man oder Hulk.

Von seinem Vater dazu ermutigt strebsam zu lernen, um einmal als Arzt oder Anwalt zu arbeiten, sollte eine Heldentat das Leben des jungen Matt Murdock für immer verändern. Als er einen Mann vor einem Laster mit radioaktivem Material rettet, sorgt der daraus resultierende Unfall dafür, dass Murdock selbst erblindet. Die Radioaktivität verändert dafür seine restlichen Sinne, so sind sein Geruchs- und Tastsinn verbessert und an die Stelle der Augen tritt eine Echoortung. Diese dient ihm fortan als Sicht durch die Straßen New Yorks. Als sein Vater von Gangstern ermordet wird, stürzt sich der Junge in seine Studien und wird später gemeinsam mit seinem Studienkommilitonen Frank ‘Foggy’ Nelson eine Pro-Bono-Anwaltskanzlei aufmachen. Doch Justitia ist ebenso blind wie Murdock selbst, weshalb er des Nachts kostümiert den Verbrechen in seinem Viertel nachgeht, um die zur Strecke zu bringen, die das Gesetz nicht erreicht.

Eine Renaissance erfuhr Daredevil als sich 1979 der 24-jährige Frank Miller an der Figur versuchte. Er war es, der den Kingpin als Antagonisten aus dem Spider-Man-Universum entlieh und zudem in seiner ersten Tätigkeit als Autor (er war zuvor bereits an einigen Ausgaben als Zeichner beteiligt) Murdocks große Liebe, Elektra Natchios, einführte. Zugleich bescherte er der Serie einen lockeren Humor, der bisweilen die Vierte Wand durchbrach. “Exit Matt Murdock, attorney-at-law – enter Daredevil, man without fear, bane of the underworld, champion of the oppressed – and so on”, scherzt da sein maskierter Held – der sich Anfangs jeder Ausgabe stets nochmals kurz vorstellt – zum Beispiel in Daredevil goes berserk (#173). “I don’t care how many cop shows you’ve seen it on. You can’t tell if somebody is following you”, wendet sich Auftragskiller Bullseye in Last Hand (#181) ans lesende Publikum, als er selbst im Taxi gerade jemanden verfolgt.

Ohnehin ist Daredevil ein besonderer Superheld – schon allein, weil er nicht wirklich ein Superheld ist. Speziell sein Moralbewusstsein fällt auf, tötet Daredevil doch nie. Nicht einmal seine Nemesis Bullseye – was mehrmals zu Reueempfindungen führt, wenn dieser anschließend Zivilisten ermordet. “The moment one man takes another man’s life in his own hands, he is rejecting the law -- (…) But I’m not God -- I’m not the law -- and I’m not a murderer”, erklärt Daredevil in Devils (#169). Dies unterscheidet ihn von zwiegespaltenen Helden wie Batman oder Wolverine, deren Weste nicht unbedingt rein ist. Und wenn man Daredevil schlägt, trifft man ihn auch. Er blutet und leidet und verfügt nicht über abnormale oder regenerierende Kräfte. Murdocks Echolot ist somit letztlich nicht unbedingt eine Gabe, sondern nur Ersatz für den Verlust seiner Augen. Was ihn schon mal menschlicher als andere Marvel-Helden macht.

Das Budget des Films bewegt sich auf X-Men-Niveau, während Spider-Man und Hulk (ebenfalls von 2003) fast das doppelte Budget erhielten. Hier zeigt sich der Stellenwert der Figur innerhalb der Comic-Welt, entsprechend wirken gerade die Spezialeffekte im Film ziemlich unsauber. Johnson erklärt es im Audiokommentar damit, dass eben zu wenig Geld zur Verfügung stand, was sich gerade im Orgel-Kampf zwischen Daredevil (Ben Affleck) und Bullseye (Colin Farrell) zeigt. Dennoch lag es nicht an den Effekten, dass der Film trotz 100 Millionen Dollar Gewinn floppte. Aus Pacinggründen forderte das Studio, dass Johnson eine Nebenhandlung und die Gewalt trimmte. “Too much punching and kicking”, rezitiert Johnson lakonisch im Audiokommentar. Die fertige Fassung konnte dann PG 13-gerecht an die Kinos geliefert werden. Ein Modus operandus, den Marvel auch bei Iron Man und The Incredible Hulk anwandte.

Umso erfreulicher, dass Johnson die Chance gegeben wurde, sich mit seinem Director’s Cut zu rehabilitieren. “It’s a different movie”, erklärt der Regisseur gleich zu Beginn und fasst die um 30 Minuten erweiterte Fassung als “the story-version of the story” zusammen. Und wie in vielen Fällen steht diese dem Film gut zu Gesicht, was nicht kaschieren soll, dass Daredevil weiterhin über Mängel verfügt. Generell problematisch ist die Tatsache, dass der Film einfach zu over-styled ist. Dies merkt man besonders an der musikalischen Untermalung, die jedes Mal, wenn sie den instrumentalen Score verlässt, durch ihren Pop-Faktor unpassend wirkt. Lediglich Evanescences „My Immortal“ gefällt, während die restlichen Tracks eher abstoßend wirken. Im Grunde sind alle Annäherungen an die Sehgewohnheiten der Zuschauer etwas misslungen, selbst wenn Johnson sie bisweilen durch nette Referenzen geschickt zu überspielen weiß.

Der Film beginnt mit der Geburt des Helden und folgt hier weitestgehend der Vorlage. Ein Vertrauensbruch zwischen Vater (David Keith) und Sohn (Scott Terra) führt zum tragischen Unfall und die veränderte Moral von Jack Murdock schließlich zu seinem Tod. Diesen verbindet Johnson in Batman-Manier im Finale mit Kingpin (Michael Clarke Duncan). Der Wendung, dass der Antagonist für den Vater-Tod verantwortlich ist, musste man bereits bei Burton kritisch gegenüberstehen. Umso erstaunlicher, wie gerne dieser Kniff in Comicverfilmungen Verwendung findet, so auch in Rob Bowmans Adaption von Elektra. Anschließend springt die Geschichte in die Gegenwart und stellt sich der problematischsten Änderung zum Comic. Murdock und Partner Foggy (Jon Favreau) sind nicht im Stande, den angeklagten Triebtäter Quesada dem Recht zu überführen.

Dies obliegt also Daredevil und was folgt, ist eine schöne Reminiszenz an Devils, wenn Daredevil Quesada in die U-Bahn-Station verfolgt, wo er sein Echolot nicht zum eigenen Vorteil nutzen kann. Problematisch wird es, als der Mann ohne Angst Quesada auf die Gleise stürzen und dort liegen lässt, während ein Zug einfährt. Selbst wenn Daredevil aus Selbstverteidigung reagiert, verkommt die Szene letztlich zu vorsätzlichem Mord – wie Produzent Avi Arad zurecht im Audiokommentar anmerkt. “It was the right thing to happen. But it shouldn’t have been a choice”, fasst er das Dilemma zusammen. Was Johnson nun so sympathisch macht, ist sein Bewusstsein für diese Problematik. Für ihn stellt diese Szene den Beginn einer Katharsis dar, die mit der Verschonung von Kingpin im Finale abgeschlossen wird. “I’m still trying to convince myself”, gesteht Johnson, wenn er erklärt, es war das Richtige für den Film, aber nicht für die Figur.

Nicht weniger prekär ist jedoch auch die Szene zwischen Bullseye und Daredevil, als Ersterer gehandicapt um Gnade bettelt (“Show mercy”) und anschließend von Daredevil aus dem Fenster geschmissen wird. Zwar handelt es sich auch hier um ein (indirektes) Zitat aus Last Hand, doch ging dem im Comic eine längere Vorgeschichte voraus. Verzeihlich ist da, das die erste halbe Stunde durch ihre vielen Referenzen gefällt, zum Beispiel wenn Quesada nach Joe Quesada, ehemals Autor für Daredevil und inzwischen Chefredakteur des Marvel-Verlags, benannt wurde. Oder wenn Murdock auf seinem Anrufbeantworter die Abschiedsworte von Heather, seiner Langzeitfreundin, hört. Ähnliche Verweise werden später eingebaut, wenn einer von Murdocks Klienten „Mr. Lee“ heißt, Frank Miller persönlich einen Cameo als Opfer von Bullseye hat oder Kevin Smith – ebenfalls Autor einer Daredevil-Reihe – als Pathologe glänzt.

An dieser Stelle tritt mit dem Mord an Lisa Tazio nun erstmals deutlich der Director’s Cut in Aktion. Und mit ihm auch die Nebenrolle von Coolio als Tatverdächtiger Dante Jackson. Seine Referierung von Turk (einer Figur der Comics) weiß sehr zu gefallen und Tazios Fall dient wiederum hauptsächlich dazu, im Finale Wilson Fisk als Kingpin zu überführen. Zudem bieten die zusätzlichen Szenen mehr Raum für Favreau als Foggy Nelson, der in einer weiteren Referenz an Gantlet (#175) den Fall letztlich auch ohne die Hilfe Murdocks für sich zu entscheiden weiß. Die zusätzlichen Szenen bieten etwas comic relief, der größtenteils durch Favreau transportiert wird, wie auch dessen Alligator-Anekdote erneut ein Querverweis zu einer Daredevil-Ausgabe, in diesem Fall The Damned (#180), ist. Ansonsten bietet der Director’s Cut ausführlichere Einblicke, so auch in die Beziehung zwischen Murdock und Elektra (Jennifer Garner).

Ist ihre erste Begegnung, etwas infantil Elektra (#168) entlehnt, verliert sich Johnson aber in überbordenden Humor, wenn sich beide Figuren auf einem Schulhof eine Prügelei liefern. Gelungen ist die Abwandlung der Regen-Szene, die im Gegensatz zur Kinoversion nicht mit dem Beischlaf beider Figuren endet, sondern im Gegenteil Matt die Romanze hinter seine Pflichten als Daredevil zurückstellt. Johnson verleiht ihrer Beziehung weitaus tragischere Konturen. Es sind zwei Menschen, die sich brauchen und verdienen, aber aufgrund ihrer Umstände nicht zusammen sein können, weil Matt alles hinter Daredevil zurückstellt und der Verlust ihres Vaters Elektra zur Abwendung von der Gesellschaft führt. Mit den neuen Szenen wirken alle Begegnungen zwischen beiden sehr viel harmonischer, romantischer und glaubwürdiger. Da weiß selbst die Abwandlung von Natchios’ Mord nicht zu stören, da sie glaubwürdig inszeniert wird.

Von allen Figuren macht Bullseye wohl die größte Wandlung durch. In Daredevil verkommt er zu einem irischen Punk, dessen Gesichtszüge oft schizophrene Ausmaße annehmen. Die Tatsache, dass Bullseye ohne Kostüm auftritt, wird von Johnson auch in bester Singer-Manier selbst referiert. “I want a fucking costume”, fordert Bullseye nach seiner ersten Begegnung mit Daredevil von Kingpin. Dessen angeordnetes Attentat auf Natchios ist auch einer der Höhepunkte des Films. Zwar weiß weder Daredevils Kampf gegen Elektra sonderlich zu überzeugen, noch Elektras Auseinandersetzung mit Bullseye, doch dieser erste von drei Finalkämpfen überzeugt allein durch seine Vorlagentreue. Praktisch Panel für Panel übernimmt Johnson hier Elektras Tod aus Last Hand, der in der erweiterten Fassung des Films – wie auch später der Kampf zwischen Daredevil und Kingpin – sehr viel runder daherkommt als noch in der Kinofassung.

Dagegen wirkt der Kampf in der Kirche zwischen Daredevil und Bullseye etwas schwach, hier ist es eher eine Referenz an Gangwar (#172), die den Moment zu retten weiß. Letztlich ist Bullseye nichts mehr,als der letzte Gegner vor dem Endboss, der sich in etwas platter Form (“I was raised in the Bronx.”) dem finalen Kampf stellt, der selbst in der erweiterten Fassung recht kurz geraten ist. Hier bringt Johnson nun die Katharsis zu Ende, die als solche für die Erzählung der Geschichte nicht unbedingt von Nöten war. Alle gewalttätigen Begegnungen sind eher enttäuschend geraten, doch ist dies kein Problem, dem sich allein Daredevil ausgesetzt sieht. Auch seine Vorgänger X-Men, Spider-Man und Hulk wussten in ihren Kampfinszenierungen nicht unbedingt zu glänzen (am ehesten noch Spider-Man). Man ist jedoch dankbar für die ausführlicheren Einstellungen, die im Vergleich zur Kinofassung mehr zur jeweiligen Szene beitragen.

Der Director’s Cut besticht durch seine Handlungsstringenz, die auch in den Ermittlungen von Ben Urich (Joe Pantoliano) zum Tragen kommt. Hier weicht Johnson seltsamerweise ab, wenn er entgegen der zahlreichen anderen Referenzen Urich als Reporter der New York Post darstellt. Diese ersetzt ohnehin den Daily Bugle, was hinsichtlich der cross reference zu Spider-Man ein kleines Sahnebonbon gewesen wäre. In vielen Bereichen macht Johnson nahezu alles richtig. Die Romanze zwischen Murdock und Elektra ist schön herausgearbeitet, ebenso wie der Mord an Natchios und die daraus resultierenden Umstände. Wenig überzeugen will dagegen so manche Charakterausarbeitung, muss doch gerade Wilson Fisk/Kingpin zurückstecken, aber auch Bullseye wirkt etwas verschenkt. Beides wäre vermeidbar gewsen, hätte man beispielsweise ein Crossover aus The Assassination of Matt Murdock, Gangwar und Last Hand gewählt.

Insgesamt geht die Besetzung in Ordnung. Ben Affleck macht seine Sache weitestgehend gut. Er ist nicht ganz so charismatisch wie Millers Murdock, weiß jedoch ebenso wie Favreau als Foggy seine Funktion zu erfüllen. Jennifer Garner spielt die Elektra etwas zu weiblich, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass Johnsons Elektra noch nicht ihren Reifeprozess durchschritten hat. Colin Farrell als Bullseye ist ein kleiner Höhepunkt für sich, verdankt dies allerdings auch dem Potential der Figur. Eine kleine Enttäuschung ist dagegen Michael Clarke Duncan als Kingpin, selbst wenn die Entscheidung, die Rolle mit einem Afroamerikaner zu besetzen, löblich war. Aber natürlich leidet Duncan unter der geringen Präsenz seiner Figur. Ingesamt ist Daredevil im Director’s Cut jedoch eine gute Comicverfilmung, die zwar so ihre Fehler hat, dafür aber besonders durch ihre Vorlagentreue und Referenzen zur Materie gefällt.

7/10