18. September 2014

The Zero Theorem

Everything adds up to nothing.

Warum sind wir hier, was ist der Sinn unserer Existenz? Fragen, so alt wie die Menschheit selbst, die aufgrund unzureichender Antworten irgendwann der Einfachheit halber die Religion erfand. Die Sinnfrage beschäftigt auch den Protagonisten in The Zero Theorem, dem jüngsten Film von Terry Gilliam, der diesen als Abschluss seiner Dystopie-Trilogie sieht, zu der Brazil und 12 Monkeys gehören. In einem futuristischen London ist Qohen Leth (Christoph Waltz) einer von vielen Angestellten der Firma Mancom und berechnet für diese Einheiten. Qohen strebt danach, als arbeitsunfähig deklariert zu werden, damit er von daheim – einer verlassenen Kirche – arbeiten kann. Dort erwartet er den Anruf einer höheren Autorität.

Diese wollte die Antwort auf die alles entscheidende Frage geben, doch der Anruf wurde frühzeitig beendet. “All we want is our call”, wiederholt Qohen – der von sich selbst in der 1. Person Plural spricht – mehrfach im Film. Weil die Firmenärzte ihm die Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigen, sondern lediglich mit dem Psychiater-Programm Dr. Shrink-Rom (Tilda Swinton) nach Hause schicken, sucht Qohen das Gespräch mit dem Management (Matt Damon). Auf einer Feier seines Vorgesetzten Joby (David Thewlis) erhält Qohen seine Chance – wird jedoch zuerst nicht erhört. Immerhin lernt er die verführerische Bainsley (Mélanie Thierry) kennen, die ihn später dazu einlädt, mit ihr Cyber-Tantra-Sex zu haben. Dann meldet sich Management.

Qohen darf von daheim arbeiten, wenn er für Mancom das Zero Theorem knackt. “Zero must equal one hundred percent”, rattert der Computer daraufhin monatelang runter, während Qohen die entscheidende Gleichung bis auf knapp 98 Prozent pusht. Wirklich vorwärts kommt er jedoch nicht, sodass er irgendwann wieder in eine Sinnkrise fällt. Etwas, das Management nicht zulassen kann und Qohen unentwegt beobachtet. Die Antworten, die Qohen anstrebt, treiben uns letztlich alle um. Bieten können sie ihm weder das Management (“you’re quite insane”) noch Dr. Shrink-Rom (“you’re a tough nut to crack”). Und dennoch erhält Qohen Ansätze, wenn auch abseits des Zero Theorems. Schlichtweg, indem er lebt und interagiert.

Der zurückgezogen lebende Glatzkopf, der Körperkontakt vermeidet, weicht auf, als ihm Management seinen Progammierer-Sohn Bob (Lucas Hedges) zur Seite stellt. Genauso wie bei seinen Online-Dates im Cyberspace. Anstatt nach dem Sinn des Lebens zu fragen, lebt Qohen einfach. Doch das vermeintliche Glück – insofern existent – ist nur von kurzer Dauer. Prinzipiell ist The Zero Theorem also eine Allegorie auf das Leben selbst, welches wir zu Beginn des Films in ziemlich übersteigerter Form erleben. Penetrante Straßenreklame, eine Gesellschaft, abhängig von ihren Mobilgeräten – selbst auf Partys. Schrill-schräg ist diese Welt, die Gilliam entsprechend bunt zelebriert. Was jedoch eine gewisse billige Künstlichkeit mit sich bringt.

In der Tat sieht The Zero Theorem aus, als wäre er 20 Jahre alt, was sicher dem geringen Budget des Films geschuldet sein dürfte. Dessen grundsätzlich interessante Ideen und Ansätze vermag Gilliam bedauerlicherweise nicht zu transportieren. Qohen ist eine irritierende Figur, deren Spleen nicht recht greifbar ist. Wir erfahren später, dass er einst verheiratet war und nun geschieden ist, was angesichts seines Charakters verwundert – diesen womöglich aber auch erklärt. Grundsätzlich kann und soll die Figur wohl als Spiegelbild der Menschen gelesen werden, daher auch die Referenz auf sich selbst in der 1. Person Plural. Die philosophische Dichte, die der Intention des Ansatzes innewohnt, will sich derweil nicht wirklich einstellen.

Während Qohen nach einem Fixpunkt sucht, um seiner Existenzangst Einhalt zu gebieten, soll er für Management zugleich mit dem Zero Theorem die Big Crunch-Theorie bestätigen. “Everything adds up to nothing”, fasst es Joby eingangs zusammen. Für die Menschheit eine unnatürliche Vorstellung: ein Leben aus dem Nichts ins Nichts. “What’s the point?”, entgegnet Qohen daher. Später wird Management ihn bei der Arbeit mittels einer Kamera beobachten, die auf den Torso eines Kruzifix’ angebracht ist. Eine höhere Macht, die uns unentwegt beobachtet und kontrolliert. Eine der wenigen netten Ideen des Films, zu der auch Tilda Swintons Cameo als Psycho-Programm und David Thewlis im Monty-Python-Gedächtnis-Modus gehören.

Zugleich hadert der Film auch mit seinen Figuren. Christoph Waltz wirkt fehl am Platz oder nicht in seinem Element. Der ursprünglich vorgesehene Billy Bob Thornton wäre hier ebenso die bessere Wahl gewesen wie Management tatsächlich von Al Pacino statt Matt Damon spielen zu lassen. Gastauftritte von typische gilliamschen Figuren wie einem Doktoren-Trio (u.a. Peter Stormare und Ben Whishaw) oder Werbefiguren (darunter Rupert Friend) verpuffen, da sie keinem wirklichen Zweck dienen und nicht weiter verfolgt werden. Ohnehin wird die Welt des Films nicht erforscht – wofür man aufgrund des billigen Looks gleichzeitig irgendwie aber auch wieder dankbar sein muss. Richtig überzeugen kann The Zero Theorem jedenfalls nicht.

Zu Gute halten mag man dem Film, dass er immerhin originäre Ideen umsetzt – auch wenn viele Elemente mitunter an Brazil erinnern. Mit seinen dystopischen Kollegen aus Gilliams Œuvre kann sich The Zero Theorem jedenfalls nicht messen, dafür fehlt ihm das inhaltliche Momentum wie auch die visuelle Überzeugungskraft. Der Output des Ex-Python im 21. Jahrhundert vermag folglich nicht mehr mit seinen Werken aus den 1980er und 1990er Jahren mitzuhalten. Dies wiederum gibt wenig Hoffnung für sein wiedererwecktes Don-Quixote-Projekt, für das der Regisseur seit Jahren um Finanzierung kämpft. Aber zumindest scheint das Projekt Gilliams Schaffen einen Sinn zu geben. Und das ist doch wiederum schließlich auch etwas.

4/10

12. September 2014

Calvary

I think she’s bipolar. Or lactose intolerant. One of the two.

Sexueller Missbrauch in der Kirche ist nicht mehr ganz so ein aktuelles Thema wie noch vor ein paar Jahren. Aber die Erinnerung, wie es in einer Szene in John Michael McDonaghs Calvary heißt, verblasst nie. So auch nicht bei jenem gesichtlosen Antagonisten, der in der Eröffnungsszene die Handlung lostritt. Mit sieben Jahren sei er das erste Mal von einem Priester missbraucht worden, gesteht er Vater James Lavelle (Brendan Gleeson) im Beichtstuhl. “Certainly a startling opening line”, entgegnet dieser. “I’m going to kill you ’cause you’ve done nothing wrong”, fährt das Opfer fort. Denn einen unschuldigen Priester zu töten, wäre ja ein schockierendes Statement. Eine Woche hat Lavelle Zeit, um mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Der deutsche Verleih vertreibt Calvary – vom lateinischen Name für Golgota – daher reißerisch als Am Sonntag bist du tot. Der Film vereint John Michael McDonagh erneut mit Brendan Gleeson, der ein illustres Ensemble anführt, zu dem auch der Comedian Chris O’Dowd zählt. Er spielt Dorf-Metzger Jack, dem unterstellt wird, er würde seine Frau schlagen. Jack wiederum schiebt den Vorwurf auf Mechaniker Simon (Isaach de Bankolé), mit dem er sich seine Frau teilt. Nicht die einzigen Sorgen Lavelles, taucht doch auch Fiona (Kelly Reilly) – seine Tochter vor dem Zölibat, das auf den Tod seiner Frau folgte – nach einem missglückten Suizidversuch auf. “Don’t tell me”, unkt der Vater dann beim Anblick der Bandagen, “you made the classic error.”

Humorvolle Auflockerungen finden sich in Calvary immer wieder. Das macht den Film nicht wirklich zur schwarzen Komödie, aber auch nicht vollends zum Drama. Die Drohung zu Beginn führt zudem zu keiner rechten Katharsis in Lavelles Handeln. Vielmehr geht der Gottesmann seinem normalen Alltag nach, obschon er gegenüber seinem Bischof zu erkennen gibt, dass er seinen designierten Mörder anhand seiner Stimme identifiziert hat. Der Film lässt es dabei offen, um wen aus der Gemeinde es sich handelt, könnte es doch prinzipiell jeder von ihnen sein. Sie alle sind zwar gottesehrfüchtig auf der einen Seite, andererseits jedoch gegenüber Lavelle auch wieder ungemein respektlos. Ein Widerspruch scheinbar und doch irgendwie auch nicht.

So könnte es der altersschwache Schriftsteller (M. Emmet Walsh) genauso gut auf den Priester abgesehen haben wie der zynische Doktor (Aiden Gillen), der snobbistische Millionär (Dylan Moran) oder ein homosexueller Callboy. Lavelle nimmt sich dennoch ihrer aller an, wenn auch auf seine ganz eigene Art. Als eines seiner Schäfchen zur Armee ziehen will, um seine Aggressionen abzubauen, da er keinen Sex hat, schlägt ihm der Priester Pornografie vor. Er hat sich mit ihnen arrangiert und gibt somit einen ungewöhnlichen Schlag Gottesdiener ab, wie ihn vermutlich nur Brendan Gleeson in seiner unnachahmlichen Art darzustellen vermag. Ganz so zotig wie der Vorgängerfilm The Guard kommt Calvary allerdings nicht daher.

Eine wirkliche Richtung besitzt der Film jedoch auch nicht. Die übrigen Figuren reichen von uninteressant bis schräg, einen rechten Zweck erfüllen sie aber nicht. Dies trifft ebenso auf Tochter Fiona zu wie auf einen verurteilten Serienmörder (Domhnall Gleeson), den Lavelle in der Mitte des Films aus völlig irrelevanten Gründen besucht. “Everything has to mean something or otherwise what’s the point?”, formuliert Calvary an einer Stelle da sicherlich nicht unkorrekt. Fast schon lethargisch verrichtet Lavelle sein Amt, für das ihm eine französische Touristin (Marie-Josée Croze), die ihren Mann bei einem Unfall verloren hat, noch am dankbarsten scheint. Vielleicht ist auch alles nur ein Test seines Glaubens: die Welt stoisch zu ertragen.

Brendan Gleeson gibt dabei eine fraglos überzeugende Darbietung, in einem grundsätzlich vorzüglich fotografierten Film mit einer himmlischen Musik von Patrick Cassidy. Etwas mehr innerer Konflikt – oder nach außen getragener – für die Hauptfigur wäre aber wünschenswert gewesen. So bleibt in Calvary nicht viel außer die Interaktion von schrulligen (irischen) Figuren. Der sexuelle Missbrauch in der Kirche spielt hier jedenfalls keine wirkliche Rolle in John Michael McDonaghs Geschichte, außer eben als Tatmotiv und narrative Klammer zwischen Anfang und Ende. Ungeachtet dessen zeigten sich Kritiker ekstatisch. Vom „Meisterwerk“ bis zum „besten irischen Film aller Zeiten“ ist da die Rede. Ein Fazit, dem ich mich nicht wirklich anschließen kann.

6/10

6. September 2014

Blended [Urlaubsreif]

We used to have gas. But now we’re out.

Im Ausland – und vermutlich auch in den USA – ist Adam Sandler ein Phänomen. Ein Kassenmagnet, und das mit eher bescheidenen Filmen. Zotig geht es bei Sandler oft zu, Pointen müssen die Witze dabei nicht zwingend haben. Product Placement ist willkommen und wird durch Furz-, Kotz- und Pisswitze ergänzt. Sandlers letzte zehn Film spielten insgesamt eine Milliarde Dollar Gewinn ein und dennoch gilt sein Jüngster, Blended (bei uns: Urlaubsreif), als Flop. Sogar als Beginn von Sandlers Kassenära-Ende. Was verwundert. Der Film lief in den USA zwar für Sandlers Verhältnisse wenig erfolgreich (startete dabei aber zur selben Zeit wie X-Men: Days of Future Past und Godzilla), spielte aber dennoch das Dreifache seiner Kosten ein.

Erzählt wird die Geschichte der jeweils allein erziehenden Jim (Adam Sandler) und Lauren (Drew Barrymore), die sich bei einem Blind Date treffen und bald wieder getrennte Wege gehen. Da Jims Chef und Laurens Kollegin, ein Paar, sich trennen, kaufen beide ohne es zu wissen günstig deren geplatzte Afrika-Reise. Dort müssen Jim und seine drei Töchter sowie Lauren und ihre zwei Söhne nun wider Willen dasselbe Zimmer und dieselben Aktivitäten teilen. Hierbei schafft es Lauren, die Mädchen über den Tod ihrer Mutter hinwegzutrösten und Jim es, die Jungs bei den richtigen Hörnern zu packen. Und obendrein merken beide Elternteile, dass sie vielleicht doch mehr gemein haben, als sie bei ihrer ersten Begegnung dachten.

Man muss nun kein Sandlerologe sein, um zu wissen wie Blended verläuft. Das Rom-Com-Gesetz behält Gültigkeit. Was Blended aber von anderen Sandler-Werken – der Film ähnelt dabei eher Just Go With It und Click statt Grown Ups oder Jack & Jill – unterscheidet beziehungsweise auszeichnet, ist neben dem moderaten Budget (es ist Sandlers günstigster Film seit 15 Jahren) vor allem die immer wieder eingestreuten emotionalen Momente. In die Karten spielt dem Film dabei die Darstellung von Jim als Witwer und die Rolle, in der er sich dadurch wiederfindet. Die älteste Teenager-Tochter Hilary (Bella Thorne) wird als Tomboy erzogen, “Larry” gerufen und zur Sportmaschine erzogen, wo sie doch gerade ihre Weiblichkeit entdeckt.

Die Zweitjüngste Tochter heißt schlicht Espn (Emma Fuhrmann) nach Jims Lieblingssender und dann ist da noch Lou (Alyvia Alyn Lind). Alle drei teilen sich denselben Jungenhaarschnitt, den sie Jims Friseur verdanken, der schon Opa und Uropa bediente. Während die aufgeweckte Lou nach einer Mutterfigur lechzt, kann sich Espn noch nicht von der alten lösen und behält diese als unsichtbaren Begleiter. Probleme, wie sie Lauren nicht kennt. Sie hadert mit ihrem für die Babysitterin schwärmenden Ältesten Brendan (Braxton Beckham) und ihren ADHS-Jüngling Tyler (Kyle Red Silverstein). Ihr Ex-Mann Mark (schmierig wie immer: Joel McHale) ist ihr keine große Hilfe und vernachlässigt den Nachwuchs, wo sich ihm eine Möglichkeit bietet.

Auf ihrer Afrikareise dürfen beide Elternteile, die sicher nicht von ungefähr das gegensätzliche Geschlecht gegenüber ihren Kindern haben, ihre Stärken beim Nachwuchs des anderen ausleben. Jim gibt väterliche Ratschläge, zu denen Mark nicht im Stande ist, und Lauren steht mütterlich zur Seite, was der eigentlichen Erzeugerin verwehrt blieb. Hierbei berühren insbesondere die Szenen zwischen den Frauen, was auch daran liegen mag, dass hier ein Todesfall kaschiert werden muss. Blended reibt einem diese emotionalen Momente nicht aufdringlich ins Gesicht, sondern streut sie immer mal wieder in die einzelnen Sequenzen ein, die prinzipiell auf Lacher gebürstet sind. Und dies mit weitaus mehr Pointen als sonst bei Sandler-Filmen üblich.

Ebenfalls unüblich ist, dass selbst comic relief-Nebenfiguren eine emotionale Katharsis durchlaufen dürfen. In der Tat geht der Film trotz seiner Karikierung erstaunlich aufrichtig mit einem von Kevin Nealon und Jessica Lowe gespielten Pärchen um (alter Mann und junger Feger), mit denen sich Jim, Lauren & Co. den Esstisch teilen müssen. Sonderliche Tiefe bleibt da zwar bei den Hotelangestellten wie Mfana (Abdoulaye N’Gom) und Nickens (Terry Crew) aus, dennoch sorgen diese mit Running Gags ebenfalls für liebenswerte Augenblicke (“They’re blending over there!”). Das Ganze, man muss es für einen Sandler-Film vermutlich nochmals betonen, ohne Pipi-Kaka-Witze, die man sonst von dem New Yorker Comedian gewöhnt ist.

Dem Film spielt dabei in die Karten, dass er gut besetzt ist. So überzeugen die Kinderdarsteller, vom vermeintlich hässlichen Schwan Bella Thorne bis zum “Heartbreaker” Alyvia Alyn Lind. Selbst Gastauftritte von Shaquille O’Neill fallen nicht aus der Rolle und die Chemie zwischen Barrymore und Sandler stimmt nach zwei Filmen (The Wedding Singer, 50 First Dates) ohnehin. Hier macht es sich bezahlt, dass Sandler für den Regieposten statt auf Dennis Dugan wieder auf Frank Coraci (The Wedding Singer, Click) gesetzt hat. Entsprechend stehen Emotionen vor Zoten – was dem Film fraglos zum Vorteil gereicht. Dass Blended, wie so viele Sandler-Werke, etwas zu lang gerät (ohne dabei Längen zu haben), ist verzeihenswert.

Insofern ist es bedauerlich, dass der Film aufgrund seiner Konkurrenz unter seinen Möglichkeiten lief – speziell in seiner Heimat (Blended spielte, für einen Sandler-Film ungewöhnlich, fast doppelt so viel im Ausland ein). Ein Flop ist der Film dank seines sparsamen Budgets aber keineswegs und von seiner Inszenierung her vielmehr sogar ein Schritt in die richtige Richtung. So anarchisch-vergnüglich Werke wie That’s My Boy auch sind. Unterm Strich bleibt eine unterschätzte Sommerkomödie, die zugleich die Lachmuskeln bewegt wie auf die Tränendrüse drückt. Und angesichts eines bislang erschreckend schwachen Kinojahres kann und muss sogar konstatiert werden, dass Blended zu den besten Filmen des Jahres zu zählen ist.

7.5/10

1. September 2014

Filmtagebuch: August 2014

ABBUZZE! DER BADESALZ FILM
(D 1996, Roland Willaert)
7/10

ALADDIN
(USA 1992, Ron Clements/John Musker)
8/10

ALL CHEERLEADERS DIE
(USA 2013, Lucky McKee/Chris Sivertson)
4.5/10

BLENDED [URLAUBSREIF]
(USA 2014, Frank Coraci)

7.5/10

BLUE RUIN
(USA/F 2013, Jeremy Saulnier)
4/10

CALVARY [AM SONNTAG BIST DU TOT]
(IRL/UK 2014, John Michael McDonagh)

6/10

COHERENCE
(USA 2013, James Ward Byrkit)
3/10

COLDWATER
(USA 2013, Vincent Grashaw)
6/10

DAWN OF THE PLANET OF THE APES (3D)
[PLANET DER AFFEN: REVOLUTION]
(USA 2014, Matt Reeves)

6/10

INDIE GAME: THE MOVIE
(CDN 2012, Lisanne Pajot/James Swirsky)
7.5/10

INDIE GAME: LIFE AFTER
(CDN 2014, Lisanne Pajot/James Swirsky)
5.5/10

LA GRANDE BELLEZZA [LA GRANDE BELLEZZA - DIE GROSSE SCHÖNHEIT]
(I/F 2013, Paolo Sorrentino)
9/10

THE LEGO MOVIE
(USA/AUS/DK 2014, Phil Lord/Christopher Miller)
5.5/10

LOST – SEASON 3
(USA 2006/07, Stephen Williams/Jack Bender u.a.)
7.5/10

LOST – SEASON 4
(USA 2008, Jack Bender u.a.)
7.5/10

THE MAN WHO FELL TO EARTH [DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL]
(UK 1976, Nicolas Roeg)

1/10

MAPS TO THE STARS
(CDN/D 2014, David Cronenberg)
3.5/10

MOON
(UK 2009, Duncan Jones)
7.5/10

PLANET OF THE APES [PLANET DER AFFEN]
(USA 1968, Franklin J. Schaffner)

8.5/10

RISE OF THE PLANET OF THE APES [PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION]
(USA 2011, Rupert Wyatt)

6.5/10

SHARKNADO 2: THE SECOND ONE
(USA 2014, Anthony C. Ferrante)
1/10

TEAM AMERICA: WORLD POLICE
(USA/D 2004, Trey Parker)
8.5/10

TEENAGE
(USA/D 2013, Matt Wolf)
5/10

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES
(USA/HK 1990, Steve Barron)
7.5/10

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES II: THE SECRET OF THE OOZE
(USA/HK 1991, Michael Pressman)
4.5/10

TRUE BLOOD – SEASON 7
(USA 2014, Howard Deutch u.a.)
6/10

THE ZERO THEOREM
(USA/ROM/UK/F 2013, Terry Gilliam)
4/10

Werkschau: Jonathan Glazer


SEXY BEAST
(UK/E 2000, Jonathan Glazer)
5.5/10

BIRTH
(USA/UK/D 2004, Jonathan Glazer)
3.5/10

UNDER THE SKIN
(USA/UK/CH 2013, Jonathan Glazer)
6.5/10

31. August 2014

Top 10 Filmzitate

Ich wurde nominiert. Nicht im Big Brother-Container und auch nicht zur unsinnigen Ice Bucket Challenge. Sondern zu einem Filmstöckchen, von Kollege Xander. Und das hab ich sogar nur zufällig mitgekommen. Will mich aber an diesem bislang ereignislosen Sonntag nicht lumpen lassen. Gestartet hat es scheinbar einst das Review Corner und passenderweise geht es nicht um die besten Zitate aus Filmen, sondern die persönlich einprägsamsten. Für mich letztlich dennoch wohl eher eine sehr willkürliche Auswahl:

«Son of a bitch!», «Jin-Soo Ji-Ga.», «Don’t tell me what I can’t do!»
– Da ich gerade Lost mal wieder schaue, sind das so Standard-Zitate aus der Serie, die einem im Lauf der Staffeln immer wieder begegnen werden.

«D’oh!»
– Wer kennt ihn nicht, den Klassiker aus den Simpsons.

«Malkovich.»
– Kurz und prägnant: Charlie Kaufman’s Genie auf ein Wort reduziert.

«Keep the change, you filthy animal!»
– Höhepunkt der jährlichen Home Alone-Sichtung zu Weihnachten.

«Come on!»
– Noch das Brauchbarste aus dem mediokren Arrested Development.

«Get to the choppa!», «See you at the party, Richter!»
– Zwei der vielen unsterblichen Einzeiler von Arnie.

«Das ganze Gehirn weggelutscht.»
Starship Troopers zeigt, wie vergnüglich Synchronisationen sein können.

«This is what happens when you fuck a stranger in the ass!»
– Steht stellvertretend für viel Herrliches aus The Big Lebowski.

«I never saved anything for the swim back.»
– Schönes emotionales Finale in Andrew Niccols Gattaca.

«I’m gonna make him an offer he can’t refuse.»
– Groß, größer: Marlon Brando als The Godfather.

26. August 2014

Coherence

If anything strange were to happen (…) we should stay inside.

Von allen Filmgenres folgt der Horrorfilm wohl am ehesten seinen eigenen Regeln. Und Logik – oder Kohärenz – ist oftmals keine davon. Es ist elementar, dass die meisten Figuren dumm sind oder dumme Sachen tun. Cabin in the Woods versuchte sich daran, mit den Klischees des Genres zu spielen, indem er sie fütterte. James Ward Byrkit macht sich derlei Mühen mit Coherence nicht, der sich allerdings auch weniger als Horror, denn Mystery-Thriller verstanden wissen will. Mit dem Horror eint ihn wiederum die Tatsache, dass dumme Figuren dumme Dinge tun, was insbesondere dann ärgerlich ist, wenn die Filmprämisse wie hier der Fall eigentlich grundsätzlich ganz interessant ist. Auch wenn sie Coherence nicht nutzt.

Im Mittelpunkt steht ein Abendessen unter acht Freunden, das mit Spannungen beginnt. Denn Emily (Emily Baldoni) erfährt, dass in Laurie (Lauren Maher) die Ex-Freundin ihres Freundes Kevin (Maury Sterling) anwesend sein wird. Nichtsdestotrotz macht die Gruppe das Beste aus der Situation, ehe ein die Erde passierender Komet für einen Stromausfall sorgt. Telefon und Internet gehen nicht mehr, aber ein Haus zwei Straßen weiter ist hell erleuchtet. Vermutlich ein Generator. Also machen sich Lauries Freund Amir (Alex Manugian) und Hugh (Hugo Armstrong) auf zum Haus, um Hughs Bruder anzurufen, da dieser mit theoretischen Physikern abhängt und mehr wissen könnte. Fortan ereignen sich verstärkt merkwürdige Dinge.

Was hat es mit den Personen auf sich, die ans Fenster klopfen und Nachrichten an die Tür kleben? Und wieso befinden sich in jener Box, die Amir und Hugh vor dem anderen Haus gefunden haben, Bilder von der achtköpfigen Clique? Nachdem Emily beim Abendessen Anekdoten von seltsamen Vorfällen rund um einen passierenden Kometen im Jahr 1923 berichtet und Hugh wiederum von dem erzählt, was er durch das Fenster des anderen Hauses gesehen hat, wird klar, dass Quantenmechanik interpretiert werden muss. Passende Bücher hat Hausherr Mike (Nicholas Brendon aka Xander aus Buffy the Vampire Slayer) aber nicht parat. Zum Glück hat Hughs Bruder aber ein passendes Exemplar rechtzeitig per Post gesendet.

Zwar riet der auch, falls sich seltsame Dinge ereignen sollten, das Haus nicht zu verlassen, aber ebenfalls, dass man ihn anrufen soll. Weshalb in gewisser Weise Hugh und Amir mit ihrem Aufbruch die weiteren Ereignisse des Films auslösen – ob beziehungsweise inwieweit, wäre selbst Gegenstand einer Diskussion. Das Ergebnis, es sei lediglich gesagt, dass verschiedene Interpretationen von Quantenmechanik – darunter die everett’sche Viele-Welten-Variante – eine Rolle spielen, gäbe durchaus ein interessantes Szenario. Wenn sich die Figuren auf dieses einlassen oder rational handeln würden. Stattdessen bricht sich in Coherence Panik Bahn, die sich dem Zuschauer angesichts der Umstände nicht wirklich erschließen will.

Prinzipiell hätte Byrkit dabei gerne auf das ein oder andere Beziehungsdrama (mehrere Figuren haben eine romantische Vergangenheit miteinander, was thematisiert wird) verzichten können, um sich mehr der Idee des Films zu widmen. In einer kurzen Montage kriegt das Publikum diese gegen Ende quasi kurz im Schnelldurchlauf vor Augen geführt, ehe eine der Figuren eine Entscheidung trifft, die nicht recht motiviert wirkt und somit ohne Fundament daherkommt. Das Byrkit sich nicht voll der Prämisse widmet, mag durch das geringe Budget beziehungsweise die Schwierigkeit der Umsetzung begründet sein. Letztendlich wäre mit einem veränderten Fokus – zumindest für mich – ein weitaus interessanterer Film entstanden.

So darf man Byrkits Film dennoch zugestehen, dass er für anschließende Interpretationsdiskussionen sorgen wird – ähnlich wie ein Inception. Ungeachtet der fehlenden Klasse dieser Filme trägt ihnen das eine gewisse Qualität zu. Was nichts daran ändert, dass die letzten 15 Minuten von Coherence eher als Übergang zwischen zweitem und drittem Akt geeignet wären, anstatt in das Ende überzuleiten. Oder wenn sich die Figuren eines Films einmal nicht durch inkohärentes Verhalten auszeichnen würden. Wo Verstand ist, kann Spannung scheinbar nicht existieren. Allerdings gibt es jedoch keine Geschichte, wenn die Figuren in Filmen wie diesem wiederum nicht das Haus verlassen. Aber eben dann auch keine Konsequenzen.

3/10

19. August 2014

Under the Skin

N-N-Nuh-- N-N-Nuh-- N-N-Nuh-- No.

Ist es ein Raumschiff? Ist es eine Iris? Am Anfang von Jonathan Glazers Sci-Fi-Adaption Under the Skin, lose basierend auf dem gleichnamigen Roman von Michel Farber, fällt es schwer, die Bilder richtig zu interpretieren. Sie erinnern entfernt an die visuellen Spielereien eines 2001: A Space Odyssey und zeugen von der Ankunft eines Aliens, welches für den restlichen Filmverlauf von Scarlett Johansson gespielt wird. Untermalt werden die Eingangsbilder von gutturalen Lauten, wenn sich das Alien bemüht, unsere Sprache nachzuahmen. In einem Raum aus weiß streift es sich die Klamotten eines regungslosen Mädchens über, dessen Erscheinungsform es übernommen hat. The Terminator lässt grüßen, war aber weniger kunstvoll.

Jonathan Glazer, der im Trailer zum Film das Standardsiegel des „visionären“ Regisseurs erhält, inszeniert Under the Skin in der Tat zuvorderst über seine Bilder. Auf das eindrucksvolle Opening folgen Bilder des Aliens, welches in einem Van durch Glasgow fährt, auf der Suche nach Single-Männern, deren Verschwinden niemandem sofort auffallen würde. Mit schwarzer Perücke und dickem roten Lippenstift wird flirtender Small Talk geführt. Bis tatsächlich Männer in die Venusfalle tappen. “Gorgeous” sei sie, hört das Scarlett-Johansson-Alien dabei immer wieder. “Cheers.” In leerstehenden Häusern lockt das Alien die Männer in einen schwarzen Raum, in welchem der Boden sich verflüssigt bis die nackten Opfer unter ihm verschwinden.

Da war sie wieder, die immer mal wieder auftauchende visuelle Genialität des Films, die brillant von der atmosphärisch-mystischen Musik von Mica Levi untermalt wird. Die Welt des Aliens, zu der es hier und da inmitten der unsrigen Einblicke gibt, ist zweifelsohne faszinierend. So auch, wenn wir in der Mitte des Films bildlich erzählt bekommen, was Sinn und Zweck der Männerjagd des Aliens ist. Dieses mutiert in Form von Scarlett Johansson zum buchstäblichen “Maneater”, auf fast schon anmutige Weise erzählt durch die Bildsprache von Daniel Landin. Hier sehen wir den Auslöser und das Motiv der Filmhandlung, die eigentliche Prämisse ist jedoch eine andere. Denn Ende des zweiten Akts setzt bei dem Alien eine Wandlung ein.

Dieser widmet sich Michel Farber in seinem Roman ausführlich, während sie in Jonathan Glazers Film wiederum weitestgehend untergeht. Wo das Alien im Buch realisiert, dass hinter dem Mensch mehr steckt als das, wozu es auf die Erde gekommen ist, wird das Interesse seines Filmpendants nicht wirklich deutlich. Plötzlich kehrt es seiner Tätigkeit den Rücken und versucht sich im dritten Akt an einem integrativen Prozess. Was heißt das eigentlich, Mensch zu sein – und nicht nur wie einer auszusehen? Eine gute Frage, der sich viele Denker gewidmet haben. Jonathan Glazer ist keiner von ihnen. Mensch sein heißt in Under the Skin Torte zu essen und Sex zu haben. Auch wenn beides aufgrund der außerirdischen Anatomie nicht geht.

Das Drehbuch, es ist des Films größter Widersacher. Fragen, die sich einem in den ersten beiden Akten stellen (warum „jagt“ das Alien Männer mitten in Wohngegenden, anstatt wie im Roman auf Anhalter zurückzugreifen?), erscheinen spätestens dann der Vernachlässigung wert, wenn im dritten Akt die Humanisierung des Außerirdischen thematisiert wird. Wirklich interessant gerät diese nicht, was auch daran liegen mag, dass sie oberflächlicher kaum geraten könnte. Visuell wird zeitgleich wenig geboten, die kreative Bildsprache wird weitestgehend zurückgestellt, allenfalls einige schöne Landschaftsaufnahmen der schottischen Provinz wissen zu gefallen. Und so sehnt man als Zuschauer irgendwann nur noch das Ende herbei.

Was etwas schade ist, da Under the Skin keinesfalls ein schlechter Film ist. Genau genommen sogar Jonathan Glazers bester, nach dem eher belanglosen britischen Krimi Sexy Beast und dem völlig missratenen Drama Birth. Wie in diesen zeigt sich auch hier, dass Glazer nicht wirklich eine Figurenzeichnung versteht, allenfalls deren schablonenhafte Skizzierung. Immerhin kommt hier zu Gute, dass der Protagonist ein Alien ist, welches von Scarlett Johansson mit jener stoischen Selbstverständlichkeit gespielt wird, wie es zuvor schon anderen Kollegen wie David Bowie oder Keanu Reeves pflegten. Sie ist im Grunde die einzige Schauspielerin in einem Film, der zum Großteil mit Laiendarstellern auskommt. Und das auch sehr gut.

Die eindrucksvollste Szene in Under the Skin ist jene, in der das Alien nachts in einem Vorort einen Mann anspricht und in sein Auto lockt, dessen Gesicht von Tumoren entstellt ist. Wenn das Alien in freundlicher Manier seinen üblichen Small Talk startet (gibt es Freunde oder eine Freundin, die ihn vermissen würde?) und der entstellt Mann das verneint, wirkt das zum einen wie gehässiges In-die-Wunde-reiben und zugleich wie aufrichtiges Interesse. “Don’t you get lonely then?”, fragt das Alien den Mann und sieht womöglich in diesem letztlich auch in gewisser Weise eine Spiegelung seiner selbst. Ein Wesen ohne Freunde und Partner. Es ist die entscheidende Szene vor seiner scheinbaren Katharsis und mit den visuellen Ideen des Films sein Highlight.

Was es jedoch letztlich von seiner Mission abbringt und zum Menschsein hinzieht, bleibt im Film außen vor. Ein wirkliches Thema besitzt Glazers Film dabei nicht, interessiert ihn doch weder der eine noch der andere Aspekt seiner Handlung. Die positive Resonanz von Under the Skin – Glazer wird bereits als Erbe Kubricks geadelt – erklärt sich wohl zuvorderst ob der erschaffenen Atmosphäre des Films, der sich weniger Worte bedient und mit ungewöhnlichen Bildkompositionen dient. Style over Substance, wenn man so will. Dass das eine das andere nicht ausschließt, zeigt ein Terrence Malick mit seinen Werken, zum Problem wird es in Under the Skin, da der Film zum Schluss doch Substanz erschaffen will, ohne diese zu etablieren.

Das Ergebnis ist dann dennoch Jonathan Glazers bis dato reifster und bester Film, auf jeden Fall eine Steigerung gegenüber dem missratenen Birth und sicherlich auch so manchem anderen Genrevertreter wie Nicolas Roegs lahmen The Man Who Fell to Earth weit überlegen. Ähnlich wie dieser könnte Under the Skin dabei zu einer Art Kultfilm avancieren, nicht zuletzt aufgrund seines limitierten Release (hier in Deutschland erscheint er Direct-to-DVD), der danach schreit, als Geheimtipp die Runde zu machen. Etwas schöner – und befriedigender – wäre allerdings gewesen, wenn man unter der Oberfläche von Under the Skin tatsächlich etwas vorgefunden hätte. Wie im Falle seines Aliens zeigt sich jedoch, dass der Schein trügen kann.

6.5/10

12. August 2014

Guardians of the Galaxy

We’re just like Kevin Bacon.

Ungeachtet dessen, zu was sich Hollywoods Blockbuster-Maschine entwickelt hat, ist ein interessanter Trend zu beobachten: große Filme werden kleinen Regisseuren anvertraut. Egal ob Colin Trevorrow (Safety Not Guaranteed) nun Jurassic World inszeniert, Gareth Edwards (Monsters) zuvor Godzilla, Josh Trank (Chronicle) in Kürze Fantastic Four oder wie in Guardians of the Galaxy der Fall James Gunn (Slither) hinter der Kamera Platz nimmt. Oftmals unverbrauchte Kreative mit frischen Ideen – vielleicht das einzige Zugeständnis einer Branche, die sich schon lange von kreativen frischen Ideen verabschiedet hat. Und so gerät auch Marvels jüngstes Werk vom Produktionsband: streckenweise frisch, grundsätzlich aber konventionell.

Als Ausgangsbasis dient eine Comic-Serie von 2008 um eine Gruppe merkwürdiger außerirdischer Typen, die zum Heldenteam und Schützern der Galaxie avancieren. Wie man das gewohnt ist, weicht die Filmadaption an den Stellen vom Original ab, wo es aus besseren Vermarktungsgründen empfehlenswert ist. Im Mittelpunkt des Films steht ein mysteriöses Artefakt, dessen sich der Kleinkriminelle Peter Quill aka Star-Lord (Chris Pratt) bemächtigt, hinter dem aber auch der Soziopath Ronan (Lee Pace) her ist. Er will das Artefakt für Bösewicht Thanos (Josh Brolin) besorgen, damit dieser wiederum für Ronan den Planet Xandar ausmerzt. Helfen soll Ronan dabei die Attentäterin Gamora (Zoe Saldana), eine von Thanos’ Adoptivtöchtern.

Zugleich ist Peters Ex-Team rund um Space-Pirat Yondu Udonta (Michael Rooker) wegen des Artefakts hinter ihm her, genauso wie ein Kopfgeldjäger-Duo. Das Zusammentreffen von Waschbär Rocket (Bradley Cooper) und Baumwesen Groot (Vin Diesel) mit Peter und Gamora verläuft jedoch suboptimal, weswegen sich das Quartett bald im Gefängnis wiederfindet. Dort lernen sie Drax (Dave Bautista) kennen, der eine eigene Rechnung mit Ronan und Thanos offen hat. Jetzt gilt es nur noch, gemeinsam auszubrechen, sich das Artefakt zu sichern und es zu dem ominösen Käufer The Collector (Benicio del Toro) zu bringen. Und das am besten, bevor die zwei Parteien rund um Ronan und Yondu mit ihnen aufgeschlossen haben.

Jede Menge Figuren – zu denen sich Nebula (Karen Gillan), eine weitere Adoptivtochter Thanos’, und die Xandar-Beamten Nova Prime (Glenn Close) und Rhomann Dey (John C. Reilly) gesellen –, weshalb es nicht verwundert, dass Guardians of the Galaxy sich keiner von ihnen wirklich widmet. Randbemerkungen müssen als Charakterisierung ausreichen (Ronan tötete die Familie von Drax, Thanos die Familie von Gamora, Peter verlor seine Mutter an Krebs und Rocket ist ein wissenschaftliches Experiment), was zwar als lose Motivation ausreicht, einem die Figuren allerdings nicht näher bringt. Noch schlechter schneiden da nur die Antagonisten ab, deren Handeln – und Rolle – sich der Film nicht einmal die Mühe macht, wirklich zu erläutern.

Ronan will kaputt machen, der Collector will sammeln, Thanos will das Artefakt und Nebula will irgendwas (oder auch nichts) – weitere Infos gibt es wohl in den Comics. Da verwundert es nicht, dass es für die hier erzählte Geschichte des Collectors und Thanos’ nicht bedarf, sondern diese wohl eher als Marvel-Bindeglied zu Thor: The Dark World und The Avengers dienen. Vielleicht dient Ronan auch nur als MacGuffin, um eben unsere Heldengruppe zusammenzuführen. Deren Interaktion ist das szenische Highlight eines Films, der ähnlich wie The Avengers zuvorderst von dem Zusammenspiel seiner unterschiedlichen Figuren lebt. Seien es ironiefreie Straight Player wie Gamora und Drax oder sarkastische Einzeiler von Peter und Rocket.

Allerdings weiß James Gunn auch hier nicht, wann es zuviel ist, weshalb manches letzte Wort oder mancher letzte Blick als Pointe nicht vollends überzeugen. Generell hätte der Film etwas mehr Zeit mit den Figuren im Gefängnis verbringen können, um diese sich tatsächlich kennenlernen zu lassen. Opferungswürdige Szenen hierfür gibt es anschließend noch genug. Grundsätzlich stimmt jedoch die Atmosphäre von Guardians of the Galaxy, als sich nicht ernst nehmendes Space-Fantasy-Abenteuer voller illustrer Figuren. Die sind zwar in der Regel nur bunt angemalt und nicht so liebevoll zelebriert wie von Guillermo del Toro in Hellboy II, dennoch macht die Alien-Truppe rund um einen Waschbär und wandelnden Baum oft (genug) Spaß.

Hierbei können sich an sich auch die Effekte sehen lassen, selbst wenn diese im – wie man es von Marvel leider inzwischen gewohnt ist – überfrachteten Finale ins Comic-hafte abzurutschen drohen. Bei Rocket und Groot gibt es jedoch wenig zu meckern, womöglich hat man auch aufgrund gleich zweier wichtiger CGI-Charaktere auf die Ausstaffierung weiterer Statistenfiguren verzichtet. Für zusätzlichen Charme neben Chris Pratt als überzeugenden Space-Söldner sorgt der von Gunn zusammengestellte Soundtrack voller Evergreens, die im Film selbst eine ganz eigene Rolle spielen – allerdings zugleich ein paar Fragen aufwerfen. An diesen ist Guardians of the Galaxy keineswegs arm, immerhin handelt es sich um einen Blockbuster.

Als swashbuckling Weltraum-Abenteuer kann der Film trotz Überlänge und nur angerissener Figuren(-dynamik) aber überzeugen. Wenn man so will eine Art Mischung aus Star Wars und Firefly, weshalb der Film bei Marvels Christopher-Nolan-Pendant Joss Whedon sicher auf Anklang stößt. So ist Guardians of the Galaxy zwar einerseits erfrischend anders im Vergleich zu seinen Marvel- und Genre-Geschwistern, zugleich aber in Struktur und Aufbau wieder ziemlich konventionell. James Gunn macht folglich viel richtig und manches genauso „falsch“ wie seine Kollegen. Zumindest hat Guardians of the Galaxy ein eigenes Flair und eine eigene Geschichte, muss also nicht Wegbereiter für einen anderen Film sein – außer für sein eigenes Sequel.

6/10

6. August 2014

Dawn of the Planet of the Apes

Das Affentheater geht in die nächste Runde, folgt auf den Rise of the Planet of the Apes unweigerlich der Dawn of the Planet of the Apes. Hierzulande heißt das Planet der Affen: Revolution – selbst wenn der Titel kaum Sinn ergibt. Handlungstechnisch müssen in diesem Teil Mensch (Jason Clarke) und Affe (Andy Serkis) mit Aggressionspotential in ihrer jeweiligen Gruppe klarkommen, wo sie doch nur Frieden wollen. Thematisch wie strukturell backt Regisseur Matt Reeves dabei den Vorgänger wieder auf, zumindest die Pixel-Affen aus dem Computer sehen besser aus als zuvor (aber eben immer noch wie Pixel-Affen aus dem Rechner). Im ruhigen Mittelteil gefällt Dawn of the Planet of the Apes sogar, ehe das dann für ein unsinniges Action-Finale geopfert wird. Mein vollständiges Review lässt sich beim Manifest nachlesen.

6/10

1. August 2014

Filmtagebuch: Juli 2014

BIG
(USA 1988, Penny Marshall)
7.5/10

DRAGNET [SCHLAPPE BULLEN BEISSEN NICHT]
(USA 1987, Tom Mankiewicz)

4.5/10

THE GOONIES
(USA 1985, Richard Donner)
9/10

GUARDIANS OF THE GALAXY (3D)
(USA 2014, James Gunn)

6/10

JODOROWSKY’S DUNE
(USA/F 2013, Frank Pavich)
8/10

JOE VERSUS THE VULCANO [JOE GEGEN DEN VULKAN]
(USA 1990, John Patrick Shanley)

4.5/10

JUST GO WITH IT [MEINE ERFUNDENE FRAU]
(USA 2011, Dennis Dugan)

6/10

KALEVET [RABIES – A BIG SLASHER MASSACRE]
(IL 2010, Aharon Keshales/Navot Papushado)

2.5/10

A LEAGUE OF THEIR OWN [EINE KLASSE FÜR SICH]
(USA 1992, Penny Marshall)

7.5/10

LIFE ITSELF
(USA 2014, Steve James)
7/10

LOST – SEASON 1
(USA 2004/05, Jack Bender u.a.)
7.5/10

LOST – SEASON 2
(USA 2005/06, Stephen Williams u.a.)
8/10

MONTY PYTHON LIVE (MOSTLY)
(UK 2014, Aubrey Powell)
7.5/10

PARTICLE FEVER
(USA 2013, Mark Levinson)
6/10

SABOTAGE
(USA 2014, David Ayer)
5/10

SCARY MOVIE 5
(USA 2013, Malcolm D. Lee)
2/10

THE UNKNOWN KNOWN
(USA 2013, Errol Morris)
5.5/10

Werkschau: Frank Darabont


THE SHAWSHANK REDEMPTION [DIE VERURTEILTEN]
(USA 1994, Frank Darabont)

8/10

THE GREEN MILE
(USA 1999, Frank Darabont)
5.5/10

THE MAJESTIC
(USA/AUS 2001, Frank Darabont)
6/10

THE MIST [DER NEBEL]
(USA 2007, Frank Darabont)

6.5/10

“THE WALKING DEAD”: DAYS GONE BYE
(USA 2010, Frank Darabont)
8/10