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2. August 2026

Filmjahresrückblick 2001: Top Ten

It's all one film to me, just different chapters. 

(Robert Altman) 

Der Wechsel ins neue Jahrtausend geschah bereits 2000, doch die Richtung für unsere Gesellschaft gab erst das Folgejahr vor. Nicht, wie von Stanley Kubrick einmal angerissen, eher durch 9/11 beeinflusst und viele Facetten, speziell politisch, aber auch kulturell, beeinflussend. „Wo warst Du, als die Flugzeuge ins World Trade Center flogen?“ avancierte zum kollektiven JFK-Attentat-Gedächtnismoment unserer Zeit. Zugleich war 2001 ein Jahr, das bis heute cineastisch prägt, angesichts des Starts zweier der größten Filmreihen, mit Harry Potter einerseits und Lord of the Rings andererseits. Wenn man möchte, könnte man – angesichts bevorstehender Fortführungen – auch Shrek und Ocean’s Eleven hier noch hinzuzählen. 

Kinobesuche waren für mich nicht gerade die Regel. Blicke ich auf die Veröffentlichungen jenes Jahres, kann ich jene Filme, an die ich mich erinnere, sie im Kino gesehen zu haben, an einer Hand abzählen (und bräuchte nicht einmal alle Finger). Lebhaft habe ich dafür noch in Erinnerung, an meinem 18. Geburtstag, der anders verlief als geplant, abends in The Mummy Returns gegangen zu sein. Vorrangig konsumierte ich damals DVDs, die noch ein relativ frisches Medium für mich waren. Gegenüber 1983, als seinerzeit deutlich weniger Filme produziert wurden, war der Output 2001 bereits deutlich höher. In den vergangenen 25 Jahren kam ich so in Summe auf 196 Filme aus 2001, die ich bisher gesehen habe. 

Nie zuvor gab es so viele Kinobesucher wie im Jahr 2001.
Wie erwähnt fast nur im Heimkino, wobei man festhalten muss, dass es teils Filme gibt (ein paar davon auch in meiner Top Ten), die selbst ein Vierteljahrhundert später keine Auswertung in Deutschland erhalten haben. Es waren andere Zeiten – bessere nicht zuletzt auch für Lichtspielhäuser. Jack Valenti, damaliger Präsident der Motion Picture Association of America (MPAA) erklärte 2001 gar für das bis dato erfolgreichste Kinojahr überhaupt. In Deutschland machten Harry Potter and the Philosopher’s Stone, The Fellowship of the Ring und Der Schuh des Manitu allein ein Fünftel des Marktes aus – ihre rund 35 Millionen verkauften Tickets von damals entsprechen zugleich 40 Prozent des Gesamtertrags von 2025. 

Deutlich bessere Zeiten also für Filmverleihe, Kino und Produktionsstudios gegenüber der Streaming-Kultur heutzutage. Und auch wenn Harry Potters erstes Abenteuer mit fast einer Milliarde Dollar (inflationsbereinigt wären es inzwischen 1,7 Milliarden) der erfolgreichste Film des Jahres wurde, scheint The Fellowship of the Ring doch der König der Herzen zu sein, mit einem Einspiel von 868 Millionen und von den Nutzern der Internet Movie Database (IMDb) mit einer Bewertung von 8.9/10 zum beliebtesten Film des Jahres 2001 (und dem generell achtbeliebtesten Film aller Zeiten) gewählt. Knapp vor Sen to Chihiro no kamikakushi [Spirited Away] mit einer Bewertung von 8.6/10 und Le Fabuleux Destin d’Amélie [Amélie] mit 8.2/10. 

Filmreihen-Auftakte oder -Fortsetzungen runden die Top Ten an der Kinokasse ab.
Der dritterfolgreichste Film jenes Jahres war derweil Monsters, Inc., der so auch den ertragreichsten Animationsfilm 2001 darstellt, knapp vor Shrek, der dafür aber bei der darauffolgenden Oscarverleihung in der betreffenden Kategorie das Rennen gegen die Konkurrenz machte. Auf den Plätzen 5 bis 7 folgen Ocean’s Eleven, Pearl Harbor und The Mummy Returns, die alle drei auf ein Einspielergebnis von über 400 Millionen Dollar kamen. Die Franchise-Filme Jurassic Park III, Planet of the Apes und Hannibal vervollständigen wiederum die zehn finanziell überzeugendsten Filme des Jahres. Obgleich Tim Burtons Affenplanet ordentlich Kasse machte, sollte ein Jahrzehnt bis zum nächsten Teil vergehen, der selbst ein Reboot markierte.

In der Regel folgt an dieser Stelle ein Querschnitt durch die Länder, wo welcher Film gegenüber den anderen mehr auf Anklang stieß. Meine sonstigen Quellen hierzu reichen allerdings kein Vierteljahrhundert zurück, sodass sich konkret kaum wirkliche Aussagen hierzu treffen lassen. Wie erwähnt waren in Deutschland Michael „Bully“ Herbigs Der Schuh des Manitu und The Fellowship of the Ring deutlich erfolgreicher unterwegs als die übrigen Veröffentlichungen des Jahres, am meisten Zuschauer lockte aber Harry Potter and the Philosopher’s Stone an. Dieser wurde auch der erfolgreichste Film in den USA, allerdings hauchdünn, spielte er doch nur vier Millionen Dollar mehr ein als der Auftakt der Lord of the Rings-Reihe. 

Mit 12,5 Millionen Besuchern war Harry Potter der Jahressieger der deutschen Kinocharts.
Sehr viel anders dürfte dies wahrscheinlich auch international nicht gewesen sein, mit Vorteilen für das eine Franchise hier und für das andere dort. Berücksichtigt man, dass heutzutage in Südamerika gerade Animationsfilme oftmals die Kinocharts des Jahres anführen, könnte dort das ein oder andere Land eventuell auch Monsters, Inc. oder Shrek den Vorzug gegeben haben, während in Japan mit Sicherheit Sen to Chihiro no kamikakushi die Nase vorn hatte. Interessant ist zumindest, dass in Deutschland auf dem vierten Platz hinter dem genannten Triumvirat What Women Want auftaucht, der fast doppelt so viele Besucher fand wie Shrek. In den USA war dies Rush Hour 2 vorbehalten, der hierzulande erst 2002 anlaufen sollte.

Angesichts des Erfolgs von The Fellowship of the Ring dürften für das Jahr 2001 alle Involvierten als Gewinner gesehen werden, von New Line Cinema über Regisseur Peter Jackson hin zum VFX-Studio Weta. Steven Soderbergh schlug sich letztlich selbst in der Regie-Kategorie der Oscarverleihung für Traffic gegen Erin Brockovich. Eine weitere IP, die damals auf der Bildfläche erschien und sich bis heute hält, ist The Fast and the Furious; ein Film, der die Karrieren von Vin Diesel und Paul Walker auf die Überholspur schickte. In der TV-Landschaft debütierten mit Band of Brothers, Six Feet Under, der US-Version von The Office, 24 und Scrubs einige Shows, die nachhaltig Spuren in der Branche sowie auch in der Popkultur hinterließen.

Die besten Darstellerleistungen: Isabelle Huppert, Anaïs Reboux und Gene Hackman.
Bei den Schauspielern hatte Gene Hackman ein überaus gelungenes Filmjahr, überzeugte nicht nur in The Royal Tenenbaums und Heist, sondern auch in Heartbreakers und in Behind Enemy Lines. Bei den Schauspielerinnen hinterließ niemand wirklich einen nachdrücklichen Eindruck, selbst wenn einige gute Leistungen erbracht wurden, beispielsweise Maribel Verdú in Y Tu Mamá También oder Sissy Spacek in In the Bedroom. Am ehesten verdient hat eine Auszeichnung wahrscheinlich noch Isabelle Huppert für La Pianiste, während bei den Jungdarstellern Anaïs Reboux in À ma sœur! von Catherine Breillat auf sich aufmerksam machte, wobei auch Alakina Mann in The Others einen überzeugenden Job ablieferte.

Sonst war 2001 ein Jahr, in dem sich manch Regisseur an Science Fiction heranwagte – neben Tim Burton auch Steven Spielberg mit A.I.  Artificial Intelligence oder John Carpenter mit Ghosts of Mars –, beide Scott-Brüder ablieferten (Ridley doppelt mit Black Hawk Down und Hannibal, Tony mit Spy Game) oder Größen wie Robert Altman (Gosford Park) und die Coen-Brüder (The Man Who Wasn’t There) in Genres eintauchten. Die Filmqualität war noch gut, die Wertung der vordersten 20 Filme liegt höher als heute oft die Wertung des besten Films. Früher war eben mehr Lametta. In diesem Sinne endet also dieser Jahresrückblick für 2001 nun mit der Vorstellung meiner persönlichen Top Ten. Die volle Liste ist wie immer auf Letterboxd:


10. Ghost World (Terry Zwigoff, USA/UK/D 2001): Unvertraut mit der Vorlage ist Terry Zwigoffs Ghost World nichtsdestotrotz eine Comicverfilmung der ungewöhnlichen Sorte oder konkreter die Verfilmung eines Graphic Novels. Dieses widmet sich Außenseitern und ihrer Selbstfindung sowie der damit einhergehenden Entfremdung von ihrer Umgebung. Der Humor ist nicht so schwarz, wie er sein könnte und die Nebenfiguren von Brad Renfro und Scarlett Johansson etwas zu sehr im Hintergrund, aber dem Film wohnt eine soziale Aussage inne, die ihn zu mehr macht als seichter Unterhaltung.

9. The Tailor of Panama (John Boorman, IRL/USA 2001): Diese Adaption von John le Carrés Romanvorlage ist nicht zuletzt dank der Besetzung mit Pierce Brosnan eine wunderbar zynische Umkehrung eines Agententhrillers. Ähnlich wie in Wag the Dog inszenieren auch die beiden Hauptfiguren in The Tailor of Panama ein vermeintliches politisches Drama zum jeweils persönlichen Selbstzweck. Brosnan ist dabei wunderbar schmierig und charmant zugleich, während John Boorman die Chuzpe hatte, mit Brendan Gleeson einen Iren als abgehalfterten panamesischen Guerillakämpfer zu besetzen.

8. The Royal Tenenbaums (Wes Anderson, USA 2001): Innerhalb seiner Filmographie dürfte The Royal Tenenbaums Wes Andersons Opus magnum sein. Gegenüber Rushmore näherte sich seine symmetrische Mise en Scène und Stilisierung nah jener Palette, die seither sein Schaffen bestimmt. Gene Hackman brilliert als alternder Egoist, den die Umstände dazu zwingen, sich wieder jener Familie gegenüber zu öffnen, die er einst sich selbst überlassen hatte. Die Folge ist nicht nur charakterliche Selbstheilung, sondern auch der Versuch, begangene emotionale familiären Schäden zu beheben.

7. Distance (Kore-eda Hirokazu, J 2001): Kennen wir die Menschen, die wir zu kennen glauben? Und wissen wir überhaupt, wer wir selbst sind? Fragen, die Kore-eda Hirokazu mit Distance aufwirft, wenn vier Menschen in ihrem Gedenken an verstorbene Familienmitglieder die Chance geboten wird, deren Identität und die eigene Beziehung zu diesen zu hinterfragen. Das Quartett ist unterschiedlich von Verlust beeinflusst, findet teils über Umwege neu zu sich selbst, ähnlich wie ihre Angehörigen. Aus Unverständnis wird hierbei nicht zwingend Einsicht, aber aus Trauer vielleicht Akzeptanz.

6. Monsters, Inc. (Pete Docter, USA 2001): In den Nullerjahren des laufenden Jahrhunderts war Pixar noch eine nicht zu unterschätzende Studiogröße in Sachen Kreativität, während das Folgejahrzehnt zwar noch erfolgreicher ausfiel, aber inhaltlich und in Sachen Originalität abzubauen begann. Eingeläutet hatte jene Ära Monsters, Inc., eine humorvolle Geschichte über die Überwindung von Xenophobie und die Bedeutung von Empathie. Vom Verstehen, dass die Dinge, vor denen man Angst hat, nicht unbedingt zum Fürchten sind. Gleichwohl war 2001 ein Animationsfilm noch besser.

5. The Others (Alejandro Amenábar, USA/F/E 2001): Mit The Others erzählt Alejandro Amenábar originell eine schauerhafte Geistergeschichte der etwas anderen Art – selbst wenn The Sixth Sense zwei Jahre zuvor hinsichtlich der Auflösung bereits etwas den Wind aus den Segeln genommen hatte. Ruhig und bedacht, ohne Abhängigkeit von Jump Scares, widmet sich der Film, ähnlich wie Distance, der Erkenntnis einer neuen Lebensrealität und Akzeptanz von Verlust sowie dessen Bewältigung. Das Ergebnis ist atmosphärisch dicht und vom Ensemble überaus überzeugend gespielt.

4. Sen to Chihiro no kamikakushi (Miyazaki Hayao, J/USA 2001): Kreativität findet sich in Sen to Chihiro no kamikakushi [Chihiros Reise ins Zauberland]. von Miyazaki Hayao buchstäblich im Überfluss, der ein Sammelsurium an originellen Charakteren und Settings erschafft. Wie in anderen früheren und späteren Filmen wie Kaze no tani no Naushika oder Gake no ue no Ponyo wohnt dem Narrativ eine ökologische Botschaft inne; wenn auch letztlich der Film erzählerisch nicht ganz mit seinem visuellen Einfallsreichtum mithalten kann, ist dieser allein in diesem Fall eigentlich ausreichend genug.

3. Wet Hot American Summer (David Wain, USA 2001): Absurder Humor bewegt sich meist auf schmalem Grat hinsichtlich seiner Funktionalität. Als Vorreiter und Wegbereiter solcher gelungener Filme wie Hot Rod und Anchorman dürfte wohl David Wains Wet Hot American Summer gesehen werden, der vom finalen Tag eines Sommerferienlagers, Begehrlichkeiten, sexuellem Erwachen und einem möglichen Einschlag von Weltraumschrott erzählt. Das Ergebnis ist grotesk und aberwitzig, stellenweise wunderbar „drüber“, aber aufgrund seines Humors nicht zwingend jedermanns Sache.

2. Moulin Rouge! (Baz Luhrmann, AUS/USA 2001 ): Knallige Farben, Pomp und Glamour verknüpft Baz Luhrmann gekonnt in diesem Pop-Musical, das zwischen Tragik und Komik wandelt, wenn eine Liebe, die nicht sein darf, trotzdem ihren Weg findet. Die Handlung ist in Moulin Rouge! sekundär, eher der Rahmen für die postmoderne Einbettung bekannter Songs, um Gefühle und Erzählung der Geschichte zu unterstreichen. Im Montmartre kann man sich vielleicht keine Liebe erlauben, als Zuschauer dieses romantischen Leinwandspektakels aber allemal: I will love you, until my dying day!

1. Mulholland Drive (David Lynch, USA/F 2001): Als Meister des Surrealen lässt David Lynch in seinem Neo-Noir-Meisterwerk Mulholland Drive seine Hauptfigur nach ihren Träumen jagen, nur damit diese, sobald eingefangen, sich als Albtraum entpuppen – da hilft auch eine Neuerfindung nicht mehr. Es hat seinen Grund, dass Hollywood als Traumfabrik eine Nebenrolle spielt, gegenüber gegenüber Lynch nicht mit subtilen Seitenhieben spart. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz, kulminierend in Komponist Angelo Badalamenti als dem wohl schärfsten Espresso-Kritiker der Welt.

12. Januar 2026

Filmjahresrückblick 2025: Die Top Ten

“Disappointments are temporary. Film is forever.”
(Jean-Luc Godard, Nouvelle Vague)

Wieder ist ein Jahr vorbei, auch wenn es sich gar nicht so anfühlt – was vielleicht auch daran liegt, dass irgendwie ein Jahr dem anderen ähnelt. Nicht zuletzt deswegen, weil manche Konflikte, sei es in der Ukraine oder in Gaza, einen konstant begleiten. So war letztlich auch für mich 2025 nicht wirklich anders als 2024 oder 2023 – wobei: Im Falle dieses Blogs stimmt das dann doch nicht ganz. Verhältnismäßig oft, allerdings gerade in den vergangenen Wochen, habe ich hier Reviews gepostet. Was man so lesen könnte, dass 2025 ein gutes Filmjahr war, das mich bei mehreren Filmen zum Schreiben inspirierte. Dem ist allerdings nicht so, cineastisch war das Jahr relativ enttäuschend, aber so gut wie früher wird Kino wohl nicht mehr.

Da passt die Nachricht, dass Netflix plant, Warner Bros. zu kaufen, ganz gut ins Bild. Wobei ich eingestehen muss, dass zumindest der eingekaufte Content des Streamers besser war als in der Vergangenheit – wie sonst soll ich erklären, warum in meiner Top Ten gleich drei Netflix-Filme auftauchen? Insgesamt 182 Filme habe ich gesehen, nur 2016 (185 Filme) und 2017 (216 Filme) waren es mehr. Im Gegensatz zum Vorjahr war ich aber weniger oft im Kino, nur neun Mal bequemte ich mich aus dem Haus. Was nicht auf jeden zutrifft: Schaut man auf die Besucherzahlen in Deutschland, sind diese mit fast 90 Millionen scheinbar gegenüber dem Vorjahr leicht um zwei Prozent gestiegen. Daran dürfte sicher auch Bully seinen Anteil haben.

Das Kino unterhielt wieder zahlreiche Zuschauer – sogar etwas mehr als in 2024.

Michael Herbig hat mal wieder eine seiner IPs reaktiviert, Das Kanu des Manitu ist dabei allein für rund sieben Prozent des Zuschaueraufkommens unter den Top 100 Filmen des deutschen Kinojahres verantwortlich. Es gibt sie also noch: Die Filme, die das Publikum rauslocken. Das bestätigt ein Blick auf die internationale Kinokassen: Gleich vier Filme brachen 2025 beim Einspiel die Milliarden-Marke, Ne Zha 2 nahm sogar über zwei Milliarden Dollar ein – fast ausschließlich in seiner chinesischen Heimat. Damit ist er der Jahressieger, gefolgt von Zootopia 2, der es immerhin auf 1,6 Milliarden bringt. Was reichen könnte, um den zweiten Platz gegen Avatar: Fire and Ash zu behaupten, der bisher 1,2 Milliarden generierte (Stand: 11. Januar).

Innerhalb weniger Wochen konnte James Camerons jüngster Ausflug nach Pandora Disneys Live-Action-Adaption von Lilo & Stitch übertrumpfen, die ebenfalls zehnstellig Kasse machte. Wenig überraschend avancierte auch die Verfilmung des populären Videospiels Minecraft (A Minecraft Movie) zum Hit, während der 6. Platz für Jurassic World: Rebirth beeindruckender klingt, als es das Einspielergebnis im Vergleich zu den vorangegangenen Teilen ist. Mit Gekijô-ban Kimetsu no Yaiba Mugen Jô-hen positionierte sich der japanische Jahressieger auf Rang 7, vor der nächsten Live-Action-Version um How to Train Your Dragon auf dem 8. Platz. Unerwartet erfolgreich war F1, auch als F1: The Movie bekannt, der Superman auf Rang 10 verdrängte.

Live-Action-Adaptionen und Sequels zählen wieder zu den erfolgreichsten Filmen.

Ebenjener Gekijô-ban Kimetsu no Yaiba Mugen Jô-hen, international als Demon Slayer: Infinity Castle vertrieben, lag in der Gunst der Nutzer der Internet Movie Database (IMDb) mit einer Bewertung von 8.4/10 am höchsten (Stand: 11. Januar 2026). Damit ist er bei mehr abgegebenen Stimmen gleichauf mit einem anderen japanischen Anime, Gekijô-ban Chensô Man Reze-hen [Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc], der ebenso bei 8.4/10 steht. Mit 8.2/10 folgt in der Beliebtheitsskala dann Josh Safdies Marty Supreme, der hierzulande erst im Februar startet, um – wie so oft der Fall – wohl von der Oscar-Werbekampagne zu profitieren. Sucht man in der IMDb nach dem Kanu des Manitu, hat dieser eine Bewertung von 6.2/10.

Mit fünf Millionen Kinobesuchern ist der neue Bully-Film der meistbesuchte Film in Deutschland (Der Schuh des Manitu fand mehr als doppelt so großes Interesse). Damit gehören wir zu den Nationen, die am meisten Gefallen an einem einheimischen Film fanden. In Italien war dies mit Buen Camino der Fall, während in der Türkei das dortige Intouchables-Remake Yan Yana die Herzen berührte. Die Jahressieger in China und Japan wurden bereits angesprochen, auch die Slowaken (Černák), Norweger (Hvis ingen gårifella), Vietnamesen (Mua Do) und Griechen (Ta kalanta ton Kristongennon) unterstützen das nationale Kino, was genauso für die Russen zutrifft, die mit The Wizard of the Emerald City ihre eigene Oz-Adaption inszenierten.

Das Kanu des Manitu war der beliebteste Film in Deutschland in 2025.

Natürlich zogen auch die USA einen eigenen Film vor: A Minecraft Movie. Ansonsten konnte sich der Film in Großbritannien durchsetzen, dito in Australien, Neuseeland, Polen, Rumänien, Tschechien, Island, Finnland, den Niederlanden, Kroatien sowie Ungarn. Sein enormes Einspiel verdankt Zootopia 2 seinem cineastischen Konsens, nur in Frankreich und Südkorea erklomm er den ersten Platz. Speziell in Süd- und Mittelamerika war man dagegen Lilo & Stitch verfallen, die nicht nur in Mexiko, sondern auch in Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Chile die Zuschauer begeisterten, ebenso in Spanien und Portugal sowie Bulgarien und Saudi-Arabien. Während die Vereinigten Arabischen Emirate F1: The Movie bevorzugten.

Avatar: Fire and Ash fand unterdessen in  Indien den größten Zuspruch, dasselbe gilt auch in der Schweiz, Österreich, Schweden, Dänemark und Slowenien. Sonderfälle markieren Paraguay, Peru und Bolivien, die Jurassic World: Rebirth auf ihren ersten Platz hievten, Ecuador wollte dagegen hoch hinaus mit How to Train Your Dragon. Unter den Studios schnitt Disney mit rund zwei Milliarden Dollar Einspiel – in den USA – am besten ab, obwohl die meisten Filme wie The Fantastic Four: First Steps, Thunderbolts*, Captain America: Brave New World oder Snow White hinter den Erwartungen zurückblieben. Dennoch reichten dem Mouse House 15 Filme für dieses Einspiel, Universal Pictures mit derer 40 kommt bloß auf 1,5 Milliarden.

Beste Darstellerleistungen: Benicio del Toro, Sebiye Behtiyar, Vic Carmen Sonne.

Als Gewinner darf sich auch Sean Baker mit seinen vier Oscars für Anora im Frühjahr fühlen oder erneut Josh O’Connor, der sich mit vier Rollen weiter verstärkt ins Rampenlicht spielt. Bei den Darstellern überzeugte mich derweil Benicio del Toro, der sowohl in The Phoenician Scheme als auch in One Battle After Another gefiel und sich gegen Jesse Plemons in Bugonia durchsetzte. Bei den Schauspielerinnen blieb mir Vic Carmen Sonne in Pigen med nålen [The Girl with the Needle] in Erinnerung, gleichwohl Fernanda Torres in Ainda Estou Aqui [I’m Still Here] stark ablieferte. Unter den Newcomern vermochte Sebiye Behtiyar quasi im Alleingang dem etwas zu konventionellen Preparations for the Next Life ihren Stempel aufzudrücken.

Ansonsten zeigt sich unabhängig von dem Netflix/Warner-Merger, dass das Kino auf dem Rückzug scheint, bedenkt man, dass fortwährend namhafte Regisseure wie Guillermo del Toro, Kathryn Bigelow, Spike Lee oder Paul Greengrass inzwischen für Streaming-Anbieter drehen – ein Noah Baumbach hat sich dem bereits vor Jahren verschrieben. Da passt es ins Bild, dass erneut kein Film vermochte, in die 8/10-Sphäre für mich vorzudringen: Vor zehn Jahren hätte das nicht einmal gereicht, um in die Top Ten zu kommen. Dennoch gab es natürlich zehn Filme, die mir besser gefielen als die anderen 172, weshalb diese nun etwas ausführlicher vorgestellt werden sollen (das gesamte Ranking gibt es wie üblich auf Letterboxd zu finden):


10. Art for Everybody (Miranda Yousef, USA 2023): Kunst als Stangenware, so in etwa ließe sich Thomas Kinkade beschreiben, dessen Bilder nicht in Museen hingen, sondern in Einkaufszentren. Miranda Yousef skizziert Kinkade in Art for Everybody als Performance-Künstler – insofern, als dass er einen Charakter erschuf, um in einer Nische seinen Markt zu finden. Ein ökonomisches Talent, dabei besaß Kinkade durchaus auch ein künstlerisches, das er aber unterdrücken musste, um eine Wunschwelt statt die Realität zu malen. Was für ihn selbst letztlich zum Albtraum werden sollte. Yousef gelingt mit ihrer Doku dabei alles andere als brotlose Kunst.

9. Train Dreams (Clint Bentley, USA 2025): Kein Film des vergangenen Jahres bietet schönere Einstellungen als Clint Bentleys Train Dreams, der nicht zuletzt durch Adolpho Velosos grandiose Kameraarbeit getragen wird und besonders in seiner ersten Hälfte aufgrund seiner malickischen Einflüsse zu gefallen weiß. Im Mittelpunkt steht Joel Edgertons simpler Baumfäller, der weniger aus der Zeit gefallen scheint als schlichtweg zeitlos, in einem Film über das Leben und Sterben und wie das eine – oft unerwartet – zum anderen führt. Ein romantischer Blick auf eine Ära ohne viel Hoffnung, was Train Dreams in gewisser Weise hoffnungslos romantisch macht.

8. Union (Brett Story/Stephen Maing, USA 2024): Aus Konsens erwächst sich noch längst nicht Einigkeit, das müssen in der Doku Union von Brett Story und Stephen Maing auch die Beschäftigten eines New Yorker Amazon-Lagers lernen, die für bessere Arbeitsbedingungen eine Gewerkschaft gründen wollen – nur dass sie hierzu einer gemeinsamen Stimme bedürfen. Der Logistik-Riese torpediert dieses Bestreben derweil geschickt dadurch, dass er den Zuspruch aus der Mitarbeiterschaft stets verringert, indem seine Personalfluktuation diese immerzu neu durchmischt. Union zeigt, dass das Individuum zurückstecken muss, um eine Gemeinschaft zu bilden.

7. The Last Showgirl (Gia Coppola, USA 2024): Gia Coppola erzählt in The Last Showgirl von einem Relikt früherer Tage, ist Pamela Andersons Revue-Tänzerin zwar nur eine von vielen, aber seit Jahrzehnten mit dabei. Eine Legende, jedoch nicht wegen ihres überschaubaren Talents, sondern ihrer Amtszeit. Viel geopfert hat Shelly in all diesen Jahren; darunter neben ihrer Jugend, zugleich auch die Erziehung ihrer Tochter. Konfrontiert mit dem Ende ihrer Bühnenshow steht die Figur nun vor den Trümmern ihres Lebens. The Last Showgirl ist ein Film über die Entscheidungen, die wir getroffen haben, und den Konsequenzen, mit denen man in der Folge leben muss.

6. Nouvelle Vague (Richard Linklater, USA/F 2025): Konventionen zu brechen und Experimente zu wagen, danach strebte die französische Filmbewegung Nouvelle Vague. Auf die Spitze treiben wollte dies Jean-Luc Godard als kreativer Querdenker mit À bout de souffle. Richard Linklaters unterhaltsamer Nouvelle Vague versteht sich als eine Art fiktionalisiertes Making of von Godards Debütfilm, skizziert diesen in der Tradition von Tim Burtons Ed Wood als künstlerischen Freigeist, der für den Prozess lebt, ohne sich von diesem definieren lassen zu wollen. Wie sagt Roberto Rossellini an einer Stelle: Wahre Freiheit schert sich nicht um Regeln und Gewohnheiten.

5. Zuopiezi nuhai (Shih-Ching Tsou, RC/USA/UK/F 2025): Auch in Zuopiezi nuhai [Left-Handed Girl] geht es um vergangene Entscheidungen, die ihre Schatten bis in die Gegenwart hinauswerfen, wenn sich Shih-Ching Tsou in ihrer ersten Solo-Regiearbeit einer Familie um drei Generationen von Frauen in Taipeh widmet. Gerade Mutter und älteste Tochter hadern dabei mit der Rolle, die ihnen die Umstände auferlegen, während Nina Ye als Herz des Films droht, womöglich dieselben Wege zu beschreiten, wie die Erwachsenen ihrer Familie vor ihr, passt sie nicht auf. Tsou inszeniert das dynamisch und schwungvoll, mit dem Herz am rechten Fleck und durchaus bewegend.

4. L’accident de piano (Quentin Dupieux, F 2025): Warum kann es manch eine Berühmtheit nicht sein lassen, selbst wenn sie finanziell ausgesorgt hat und der Wert ihrer künstlerischen Arbeit zunehmend in Zweifel zu ziehen ist? Diese Frage wohnt im Kern L’accident de piano [The Piano Accident] inne, in dem ein Internet-Star widerwillig von einer Journalistin zu einem Interview erpresst wird, das ihre Motivation aufzudecken versucht. Von Quentin Dupieux nicht so absurd inszeniert wie seine sonstigen Arbeiten, ist der Film weniger Klamauk als demaskierende Studie unserer Zeit, der sich aber nicht zu schade ist, im Schlussakt doch noch zur schwarzen Komödie zu werden.

3. O Agente Secreto (Kleber Mendonça Filho, BR/F/D/NL 2025): Ähnlich wie Ainda Estou Aqui geht es in Kleber Mendonça Filhos O Agente Secreto [The Secret Agent] um die brasilianische Militärdiktatur, allerdings nur unterschwellig. Vielmehr inszeniert der Auteur einen Film über das Vergessen und das Erinnern – einerseits an Mendonças Heimatstadt Recife in den 1970er Jahren, aber auch an unsere Eltern und Angehörige. Dabei ist der Film Neo-Noir-Thriller und Zeitdokument gleichermaßen, lebt nicht so sehr von seiner Handlung als solchen als von den zwischenmenschlichen Interaktionen seiner Figuren und einigen charmanten kleinen Momenten.

2. On Falling (Laura Carreira, UK/P 2024): Den Blick hinein in ein Logistikunternehmen richtet auch Laura Carreira in ihrem einfühlsamen Debütfilm On Falling um eine ausländische Kommissionierin, die zunehmend der Entfremdung verfällt, während sie Waren für andere vorbereitet und zugleich entindividualisiert wird. Carreira geht es jedoch nicht um ausbeuterische Arbeitsbedingungen im Versandhandel, mehr um soziale Vereinsamung in einer zunehmend anonymisierten Gesellschaft. On Falling ist letztlich Gesellschafts- anstatt Kapitalismuskritik, ein Appell für mehr Miteinander und im Kern somit tiefgreifend humanistisch motiviert.

1. The Shrouds (David Cronenberg, CDN/F 2024): Mit The Shrouds liefert David Cronenberg wohl seinen persönlichsten Film seit The Brood ab, der so stark autobiographisch angehaucht ist, dass Vincent Cassel zum Alter Ego des Regisseurs gestylt wird. Ausgestattet mit Ideen, Motiven, Konzepten und Elementen, die in Cronenbergs Œuvre wiederkehrend zu finden sind, ist The Shrouds ein Film, der die Bewahrung der Trauer ihrer Überwindung vorzieht, wenn eine neue Technik es ermöglichen soll, verstorbenen Liebsten buchstäblich beim Verrotten zuzuschauen. Das Ergebnis berührt hierbei mehr als dass es verstört – und evoziert eine schwarzhumorige Faszination.

6. Januar 2025

Filmjahresrückblick 2024: Die Top Ten

Cinemas can be places of kindness. 
(Kleber Mendonça Filho, Retratos Fantasmas)

Der frühe Vogel fängt den Wurm, weshalb ich dieses Jahr früher anfing, Beiträge für den Filmjahresrückblick im Blog nachzuholen, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Denn zuletzt war der Dezember immer sehr dicht getaktet, um alles noch irgendwie unterzubringen – dieses Mal begann ich schon im Spätsommer, mich den Kernwerken von 2024 zu widmen. Was den Nebeneffekt hatte (ob positiv oder negativ sei dahingestellt), dass sich mein Konsum doch deutlich auswuchs gegenüber den vergangenen Jahren: Mit letztlich 176 gesehenen Filmen auf so viele wie seit sieben Jahren nicht mehr, als ich 2017 auf den (bis heute) Rekordwert von 217 Filmen kam.

Entgegen meiner Erwartung war ich dabei verhältnismäßig oft im Kino, zwölf Mal; der höchste Wert seit 2019, als ich auf 13 Besuche kam. Nur einer dieser Kinobesuche spiegelt sich derweil in meiner Top Ten auch wieder, der Großteil meines Konsums entfiel wie gehabt auf das Heimkino, nicht zuletzt dank solch interessanter Kataloge wie sie der Criterion Channel oder Mubi aufweisen. Mit meiner Zahl an Kinobesuchen scheine ich aber womöglich dennoch eine positive Ausnahme zu sein, denn die prognostizierten rund 90 Millionen Kinotickets in diesem Jahr markieren den niedrigsten Wert im deutschen Kino des 21. Jahrhunderts, die Corona-Jahre außen vor gelassen.

Fortsetzungen dominieren wieder einmal die Top Ten der erfolgreichsten Filme 2024.

Dies scheint jedoch kein deutsches Phänomen zu sein, wenn man sich die weltweiten Gesamteinnahmen getreu Box Office Mojo ansieht: Auch dort wird abseits der Pandemie für 2024 der geringste Ertrag der vergangenen 20 Jahre verzeichnet. Was nicht heißt, dass es nicht auch Filme gab, welche die Kasse zum Klingeln brachten. Zwei von ihnen gelang es, die Marke von einer Milliarde Dollar zu reißen, der erfolgreichste Film des Jahres war dabei Pixars Inside Out 2, der Disney rund 1,7 Milliarden Dollar bescherte. Auf dem zweiten Platz folgt ebenfalls ein Disney-Werk, konkreter eines der Marvel-Tochter, mit Deadpool & Wolverine, der auf 1,3 Milliarden Euro kommt.

Gru und die Minions bleiben ein Erfolgsgarant für DreamWorks, sodass Despicable Me 4 mit 969 Millionen Dollar immerhin noch den dritten Platz der Jahrescharts sichert und den Disney-Hattrick verhindert, lauert dahinter doch Moana 2 mit 960 Millionen Dollar. Und mit Ausnahme der Broadway-Adaption Wicked: Part I (auf Rang 6) sind die übrigen sieben Filme der Kassen-Top-Ten erneut Franchise-Filme, seien es zweite Teile wie Dune: Part Two (Platz 5) oder Prequels wie Mufasa: The Lion King (Platz 10), Trilogie-Abschlüsse wie Venom: The Last Dance (Platz 9) sowie vierte Abenteuer wie Godzilla x Kong: The New Empire und Kung Fu Panda 4 (Rang 7 und 8).

Die Zahl der Kinobesuche war 2024 die niedrigste seit 20 Jahren.

Überraschend ist, dass die drei erfolgreichsten Filme nicht die populärsten in der Internet Movie Datebase (IMDb) darstellen, wo sich an der Spitze zwei Filme aus der Top Ten wiederfinden. Die beste Wertung erzielt der als bildgewaltig gepriesene Dune: Part Two mit 8.5/10, der sich vor The Wild Robot platziert, der eine 8.2/10 erhielt. Berücksichtigt man Abstimmungen, hinter denen wenigstens eine sechsstellige Nutzerzahl steht, positioniert sich dann Wicked: Part I auf den dritten Rang mit einer Wertung von 7.9/10 (Stand: 5. Januar 2025). Der erfolgreichste deutsche Film des Jahres wiederum ist Die Schule der Magische Tiere 3 mit 2,9 Millionen Besuchern.

Was nicht heißt, dass dies der Deutschen liebster Film in 2024 war – konkret bedeutet dies „bloß“ Platz 5 der nationalen Kinocharts. Die wird von Inside Out 2 angeführt, womit Deutschland keineswegs alleine ist. Auch in Italien, Großbritannien, Spanien, Portugal und Norwegen sowie Österreich, Ungarn, Tschechien, der Schweiz, Belgien, Dänemark, Finnland und Griechenland stürmte Pixar die Gefühlswelt der Zuschauer. Ebenso in den USA, wo Inside Out 2 mit 652 Millionen Dollar mehr einspielte als Godzilla x Kong weltweit. Traditionell laufen auch in Südamerika Animationsfilme stets am besten: Ebenso Tradition hat, dass sich die Länder dabei nicht immer einig sind.

Der meistbesuchte deutsche Film des Jahres war Die Schule der Magischen Tiere 3.

Während Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien – ebenso wie Mexiko – es mit Inside Out 2 hielten, strömten Uruguay und Bolivien (wie auch Ägypten) lieber in Despicable Me 4. Tierisch bevorzugten es unterdessen Peru und Paraguay, die Kung Fu Panda 4 zu ihrem Jahressieger erkoren – genauso wie Kenia und Nigeria. Zwar lief es für Deadpool & Wolverine international überall gut, die Konkurrenz hinter sich lassen konnten die Comicbuch-Helden nur in den Niederlanden, Schweden, Kroatien, Südafrika Australien, Indonesien und Indien. Dagegen stieg man in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu Bad Boys: Ride or Die ins Auto.

Für gewöhnlich eher Hollywood-orientiert, hievte Frankreich in 2024 mit Un p’tit truc en plus [Was ist schon normal?] mal wieder einen einheimischen Film auf den ersten Platz – der in Deutschland nur auf Rang 68 landete. Frankreich war aber nicht alleine, nationale Werke wurden in Europa auch in Bulgarien (Gundi – Legenda za lyubovta) und Polen (Akademia Pana Kleksa) bevorzugt, ebenso in der Türkei (Lohusa), Russland (Kholop 2), China (Zhua wa wa [Successor]) sowie Vietnam (Mai) mit jeweils Komödien sowie in Südkorea (Pamyo [Exhuma]) und in Japan (Meitantei Konan Hyakuman Doru no Michishirube [Detective Conan: The Million Dollar Pentragam]).

Beste Darstellerleistungen: Colman Domingo, Maisy Stella, Ilinca Manolache.

Zu den Gewinnern des Jahres dürfte gerade angesichts der jüngeren Fehlerfolge Disney zählen, die mit Inside Out 2, Deadpool & Wolverine sowie Moana 2 drei der vier einträglichsten Filme mit allein fast vier Milliarden Dollar stellen. Christopher Nolan erhielt für Oppenheimer im Frühjahr seinen Regie-Oscar – und einen zweiten für den Besten Film dazu. Glenn Powell (Anyone But You, Hit Man, Twisters) und Cailee Spaeny (Civil War, Alien: Romulus, Priscilla) warteten mit drei Filmen auf und spielten sich ebenso in den Fokus wie Josh O’Connor (Challengers, La Chimera, Aisha, Lee) und Sydney Sweeney (Anyone But You, Madame Web, Immaculate, Reality).

Derzeit läuft derweil die Filmpreis-Maschine an: Für mich hinterließ Colman Domingo in Sing Sing Eindruck, wo er geschickt Zuversicht und Hoffnungslosigkeit spiegelte. Überzeugen konnte bei den Jungdarstellern Zoe Ziegler in Janet Planet, aber den Zuschlag gebe ich Maisy Stella, die quasi im Alleingang My Old Ass schultert und dafür sorgt, dass diese Komödie halbwegs funktioniert. Léa Seydoux ist in mehreren Rollen und Facetten in La Bête [The Beast] und Le deuxième acte [The Second Act] zu sehen, meine Stimme erhält allerdings letztlich jedoch Ilinca Manolache in Nu Aștepta Prea Mult de la Sfârșitul Lumii [Do Not Expect Too Much from the End of the World].

Ansonsten war 2024 das Jahr, in dem Auteure wie Kevin Costner (Horizon: An American Saga – Chapter 1) und Francis Ford Coppola (Megalopolis) mit eigenem Geld originäre Visionen verfilmten – auch wenn Kritik und Publikum nur bedingt (oder gar nicht) mitgingen. Es war nicht der einzige Coppola-Film, Tochter Sofia (Priscilla) und Enkelin Gia (The Last Showgirl) waren ebenfalls aktiv, mit Clint Eastwood (Juror #2) gab sich ein anderer Altmeister die Ehre, womöglich letztmals. Apropos Ehre geben: Während eine Auflistung aller gesehenen Beiträge aus 2024 erneut auf Letterboxd vorliegt, folgen nun von diesen meine zehn favorisierten Filme des Jahres:


10. Natsu e no tunnel, Sayonara no deguchi (Taguchi Tomohisa, J 2022): In einem Jahr ohne Animationsfilme von Hosoda oder Shinkai ist Natsu e no tunnel, Sayonara no deguchi [The Tunnel to Summer, the Exit of Goodbyes] eine willkommene Alternative, wenn zwei Jugendliche in ihrem Streben nach Veränderung aneinander Halt finden. Die Bewältigung von Trauer und Schuld ist Kern der Geschichte, verbunden mit der moralischen Frage, was man für seinen Herzenswunsch zu opfern gewillt ist. “Please wait a moment”, heißt es im Film mehrmals. Eine Anweisung, die man nur zu gerne befolgt. 

9. Daaaaaalí! (Quentin Dupieux, F 2023): Daaaaaalí! ist ein Traum von einem Film, in welchem Quentin Dupieux seinen üblichen absurden Humor ganz in den Dienst des spanischen Surrealisten stellt. Der wird kurzerhand von sechs verschiedenen Darstellern gespielt, die im Verlauf das von Anaïs Demoustier angestrebte Interview kapern, die Biografie über sich selbst zum Meta-Werk über den Versuch, ein biografisches Interview zu drehen, verkehren. Gewitzte Kommentare über Urheberrecht und den echten Wert von Kunst gibt es obendrauf. Das Ergebnis ist wahrlich außergewöhnlich. 

8. Joker: Folie à Deux (Todd Phillips, USA/CDN 2024): Über eine Milliarde Dollar spielte vor fünf Jahren Joker als Mashup aus Scorsese-Filmen und DC Comics ein – in dessen Fortsetzung Joker: Folie à Deux hält Regisseur Todd Phillips nun den Fans den Spiegel vor, inszeniert das Sequel als Abrechnung mit toxischen Fangemeinden. Die sind wie die Welt von Gotham selbst an der eigentlichen Hauptfigur gar nicht interessiert, sondern an deren destruktivem Alter Ego. Joker: Folie à Deux geht mit sich selbst ins Gericht und macht dabei mit dem Publikum kurzen Prozess. That’s entertainment! 

7. La Chimera (Alice Rohrwacher, I/F/CH/TR 2023): Der Wunsch, sich mit dem Schicksal anzulegen, treibt in Alice Rohrwachers rustikal-charmantem La Chimera den abgewrackten britischen Archäologen Arthur an, der sich inzwischen im ländlichen Italien als Grabräuber etruskischer Artefakte verdingt, wo er nach einer abgesessenen Haftstrafe kurzerhand zurückkehrt. Welche Bedeutung haben diese verloren geglaubten Gegenstände, die an Vergangenes erinnern? Und welche wiederum Erinnerungen, die wir nicht bereit sind, zu verlieren? La Chimera ist ein Film von unschätzbarem Wert. 

6. Cuando acecha la maldad (Demián Rugna, RA/USA 2023): In Demián Rugnas Cuando acecha la maldad [When Evil Lurks] scheint dämonische Besessenheit fast das natürlichste der Welt zu sein, wenn zwei Brüder wider Willen Teil einer übernatürlichen Bedrohung für ihre Gemeinde werden, als sich das Böse nebenan einnistet. Rugna inszeniert seinen Horror-Film atmosphärisch dicht und mit einer derartigen Kompromisslosigkeit, dass sich keine Figur in irgendeiner Szene sicher sein kann, diese am Ende auch lebend zu verlassen. Eine beklommene Ungewissheit, die ansteckend ist. 

5. Aku wa sonzai shinai (Hamaguchi Ryûsuke, J 2023): Der Kapitalismus hält Einzug in den ländlichen Raum, wenn Hamaguchi Ryûsuke in Aku wa sonzai shinai [Evil Does Not Exist] den sozio-ökologischen Frieden einer Dorfgemeinschaft durch die Pläne eines Glamping-Projekts gefährden lässt. Die Figuren müssen dabei lernen, dass ihr Gegenüber keineswegs Bösewichter sind, vielmehr Ausbrüche von Gewalt oder Gefahr eher instinktive Reaktionen infolge von potenzieller Bedrohung. Hamaguchi lädt seine Figuren zum Nachdenken ein – und den Filmzuschauer gleich mit. 

4. La passion de Dodin Bouffant (Trần Anh Hùng, F/B 2023): Trần Anh Hùng erschafft mit La passion de Dodin Bouffant [Geliebte Köchin] einen Film, den man sich weniger auf der Zunge als auf dem Auge zergehen lassen muss. Erzählt wird die doppelte Liebe eines Gourmets und seiner Köchin – einerseits die Liebe dieser beiden Figuren füreinander, andererseits aber auch jene für die kulinarische Kunst, die Symbiose aus Geschmack und Genuss sowie die Komposition von Zutaten. Trần gelingt der köstlichste Film des Jahres und zugleich eine delikate, emotional sättigende Romanze. 

3. Notre corps (Claire Simon, F 2023): Zwischen Zuhause und dem Krankenhaus liegt der Friedhof, sagt Claire Simon in ihrer Dokumentation Notre corps [Our Body], was sie zwar als geografische Einordnung meint, im Verlauf der nächsten fast drei Stunden aber quasi auch zur Metapher wird. Die Französin erhält unwahrscheinlich persönliche Einblicke in ein öffentliches Krankenhaus und die medizinische Welt des weiblichen Körpers, der mit Schwangerschaften und Geburten, Karzinomen und Endometriose sowie Fragen von Geschlechtsidentitäten konfrontiert wird. C’est la vie.

2.
Tótem (Lila Avilés, MEX/F/DK/NL 2023): In Lila Avilés’ Tótem wird eine Geburtstagsfeier im Grunde zur Totenwache, wenn zwei Schwestern ihrem todkranken Bruder Tona ein vermutlich letztes Fest schmeißen wollen, das weniger dem Tag seiner Geburt gedenkt als vielmehr all den Tagen seines Lebens – und den Spuren, die dieses hinterlassen wird. Mittendrin ist dabei Tonas siebenjährige Tochter Sol, die wie ihre Tanten einen Prozess von Trauer und Traurigkeit durchläuft. Avilés entwirft ein warmherziges, melancholisches Familiendrama, das den Zuschauer nicht mehr loslässt. 

1. Gasoline Rainbow (Bill Ross IV/Turner Ross, USA 2023): Wie in ihren vorangegangenen Filmen gelingt es den Ross-Brüdern in Gasoline Rainbow auf ein Neues, dem Publikum faszinierende und menschliche Charaktere zu präsentieren. In diesem Fall eine Handvoll Gen-Z-Schulabsolventen, die einen Road Trip zur Pazifikküste anstreben, ehe sie sich dem Ernst des Lebens in der Welt der Erwachsenen opfern. Insofern wird die Reise des Quintetts praktisch zum Fanal und Abschied von der Sorglosigkeit. Ein Feel-Good-Film über die Jugend – jene von heute, aber auch die eigene.