25. März 2008

Scrubs - Season Three

What’s ‘up doc’?

Wer kennt das nicht, dass man sich von etwas verabschiedet, weil es momentan nicht in sein Leben zu passen scheint, es aber anschließend vermisst? Besonders prominent vielleicht in Beziehungshinsicht, wenn man jemand Verflossenes hinterher trauert. Wie im Falle von Elliot Reid (Sarah Chalke), der Assistenzärztin aus Bill Lawrences Sitcom Scrubs. Diese hatte in der ersten Staffel Sean (Scott Foley) kennen gelernt, durch ihre Beziehung zu ihm jedoch beruflich den Anschluss verloren. Karriere vor Liebe hieß damals ihr Motto, mit entsprechenden Auswirkungen. In der Auftaktfolge zur dritten Staffel (My Own American Girl) trifft sie nun erneut auf Sean und merkt, was sie einst aufgegeben hat. Ihre wiederentdeckten Gefühle führen auch bei ihrem Ex zur emotionalen Überdenkung: Für J.D. (Zach Braff) wird Elliot infolgedessen zum über-Thema der Staffel.

Ging es im ersten Jahr von Scrubs gezielt darum, dass die jungen Assistenzärzte sich in ihrem neuen Umfeld, einer Ellbogengesellschaft, zurecht finden, begann mit der zweiten Staffel gezielt die Hinarbeitung zum Thema Beziehungen. Einerseits hatten J.D. und Elliot ihr jährliches Techtelmechtel, andererseits versuchten sich beide in Beziehungen zu anderen Partnern. Interessant ist, dass Lawrence zwar J.D. in eine vermeintlich glückliche Beziehung zu tasty coma wife Jamie (Amy Smart) entließ, von dieser Beziehung jedoch zu Beginn der dritten Staffel keine Rede mehr ist. Stattdessen hängt J.D. nahezu ständig Elliot hinterher und reagiert sehr eifersüchtig auf ihr Verhältnis zu Sean (“Kick him in the crotch, dammit. In the crotch!”). Dies ändert sich auch nicht, als mit Jordans (Christa Miller) Schwester Danni (Tara Reid) eine neue Frau in sein Leben tritt. Stattdessen sorgt J.D. für allerlei Gefühlschaos.

Im dritten Jahr zelebriert Lawrence eine Rückkehr zum Altbekannten, nicht nur durch weitere Auftritte von Scott Foley und später auch Brendan Fraser. Ähnlich verhält es sich mit Nicole Sullivan, deren Rolle der nervigen Jill Tracy erneut auftritt, überraschenderweise jedoch nicht nur nicht von Elliot behandelt, sondern von dieser nicht einmal besucht wird (obschon sich die beiden Frauen in der ersten Staffel so gut verstanden). Indem neben Michael J. Fox auch noch Barry Bostwick, Richard Kind und Alexander Chapman auftreten, konnte Lawrence nach Alan Ruck und Heather Locklear im Vorjahr erneut ehemalige Darsteller seiner vorherigen Hit-Serie Spin City zu einem Gastauftritt bewegen (Michael Boatman würde in der vierten Staffel diese Rubrik um einen weiteren Namen ergänzen).

Und mit Michael J. Fox fiel bereits ein die dritte Staffel charakterisierendes Stichwort. Nach drei Jahren Abwesenheit durch seine Parkinson-Erkrankung feierte Fox hier in zwei Folgen seine Rückkehr ins Fernsehen. Wie sehr ihm die Krankheit zusetzt, merkte man ihm in den Folgen My Catalyst und My Porcelain God in manchen Szenen an. Dementsprechend konnte Fox in seiner Rolle des Dr. Kevin Casey auch nur bedingt zur alten Höchstform auflaufen, fügte sich dennoch gelungen in die Szenerie ein. Das Integrationslob verdienen sich auch dieses Jahr wieder die übrigen Gäste – zu denen noch Freddy Rodriguez und Christopher Meloni zählen –, denen man nicht anmerkt, dass sie lediglich „vorbeischauen“. Eine besondere Eigenschaft von Scrubs, an die auch in dieser Staffel die Referenzleistung an etwaige Filmklassiker nicht heranzureichen vermag.

Außer einer When Harry Met Sally-Hommage in My Self-Examination finden sich kaum direkte Filmreferenzen. Auch die Kreativität der Vignetten lässt etwas nach, was jedoch der Vielseitigkeit der Gags-Szenen als solcher keinen Abbruch tut. Amüsante Einfälle sind beispielsweise Turks eigenes, an Shaft angelegtes, Jingle, Dougs irritierte Frage, um was es sich bei “up Doc” handelt oder Teds verzweifelter Versuch, Dr. Kelsos Hund Baxter im direkten Wettbewerb zu schlagen (“Hellooo”). Des Weiteren erfolgt die Rückkehr von Randall und seinen „powerful tiny fists“. Die größten Lacher finden sich jedoch in den drei gelungensten Episoden dieser Staffel. Sei es in My Best Friend’s Wedding die Tatsache, dass Kelso (Ken Jenkins) denkt, Turk (Donald Faison) hieße “Turk Turkleton” oder das wahnwitzige Unterfangen von Janitor (Neil Flynn), in My Moment of Un-Truth J.D. und Turk davon zu überzeugen, er verfüge über einen Zwillingsbruder.

Letztere zwei Folgen zählen neben My Clean Break und My Fifteen Seconds zu den besten Folgen im dritten Jahr. Gerade My Clean Break ist ein Highlight, nicht nur aufgrund des gelungenen Auftakts durch die außerkörperliche Erfahrung von J.D. und Turks Hexenfinger aus Bugles, sondern speziell durch den Schlussmach-Tanz von Braffs Figur zum Abschluss der Episode. Ganz so glorreich haben jedoch nicht alle Folgen den Zahn der Zeit überstanden. So fielen ein paar Folgen etwas ab, auch wenn sie immer noch überdurchschnittlich waren. Namentlich besonders My Fault und My Porcelain God, wie betont handelt es sich hierbei jedoch um einen Tropfen auf den heißen Stein. Gegenüber dem Vorjahr gelang es Lawrence besser, die zurückgedrängte Ernsthaftigkeit durch verstärkten Einsatz von Humor auszugleichen. Was nicht bedeutet, dass diese fehlt.

Gerade in den back-to-back-Folgen My Screw Up und My Tormented Mentor fällt sie umso deutlicher auf. Auch wenn der „Twist“ um Ben reichlich vorhersehbar ist (weil Lawrence ihn in ähnlicher Form bereits in der ersten Staffel zelebrierte), gibt sein Tod erneut John C. McGinleys die Chance, die Fassade seines grantigen Einzelgängers zum Bröckeln zu bringen. Auch die Finalfolgen rund um das Zusammenkommen und Trennen von J.D. und Elliot bringen neben der Hochzeit von Turk und Carla (Judy Reyes) einen gewissen seriösen Ton mit sich. Insgesamt kann konstatiert werden, dass sich Scrubs wie in Erinnerung behalten nochmals zu steigern vermag. Sie sind einem noch immer lieb: J.D., Elliot, Turk, Dr. Cox und der Janitor. Und mit den Worten von Tammany Hall NYC aus „Cindy“, dem besten Song der dritten Staffel: You show me to my smile.

8/10

Kommentare:

  1. Auch meine vollste Zustimmung! Ich hoffe doch sehr auf eine schöne Gesamt-DVD-Box, wenn die Serie abgeschlossen ist :)

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  2. Ich liebe Scrubs. Diese Sendung ist der Hammer.

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  3. schwarz-marc-t31.03.08, 13:34

    scrubs ist meine absolute lieblings-sitcom. ich persönlich finde die ernsten momente der ersten staffel sehr schön. man will einfach wissen, wie die beziehungen weitergehen werden.

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