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13. Mai 2011

Tangled

They just can’t get my nose right!

Obschon Pixar inzwischen das Monopol auf Zeichentrick-Meisterwerke inne hat, verbindet man diese seit jeher zu recht mit den Walt Disney Studios. Diese begannen ihren Siegeszug 1937 mit der Premiere von Snow White and the Seven Dwarfs, dem ersten Animationsfilm überhaupt nach einem Märchen der Gebrüder Grimm. Die Adaption von Märchen jeglicher Art, sei es aus dem zentraleuropäischen (Beauty and the Beast), skandinavischen (The Little Mermaid) oder arabischen (Aladdin) Raum, markierte speziell in den erfolgreichen neunziger Jahren das Erfolgsrezept des Studios. Umso passender also, dass Tangled, der 50. Animationsfilm aus dem Hause Disney, seine Herkunft erneut in einem grimm’schen Märchen findet.

Die grimm’sche Geschichte von Rapunzel und ihrem langen Haar, von den Brüdern 1812 niedergeschrieben, stammt ursprünglich aus Frankreich, wo sie 1698 festgehalten wurde. Disneys Adaption ist erwartungsgemäß sehr viel zeitgenössischer und freier geraten. In Tangled ist Rapunzel (Mandy Moore) eine in einem abgelegenen Turm gefangen gehaltene Prinzessin, deren Haar das Leben ihrer Entführerin, der alten Gothel (Donna Murphy), künstlich verlängert. Als der im Königreich gesuchte Dieb Flynn (Zachary Levi) auf der Flucht den Turm findet und erklimmt, verheddert er sich sprichwörtlich in Rapunzels Leben (daher der englische Filmtitel). Gemeinsam verlassen sie den Turm und beginnen ein großes Abenteuer.

Da Rapunzel nichts von ihrer eigentlichen Herkunft und Entführung weiß und sie den Turm in Abwesenheit von Gothel auch nur einen Tag verlassen will, um eine Prozession zu sehen, die ihre leiblichen Eltern jährlich vornehmen, gerät Tangled etwas komplexer als dies noch vor siebzig Jahren der Fall bei Disney gewesen sein mag. Grundsätzlich folgt der Film von seinem Aufbau her dem klassischen Prinzip des Studios (der Road Trip als Event, siehe auch The Princess and the Frog), in seiner Umsetzung ähnelt das Ganze jedoch weniger dem warmherzigen Humor von Disney und Pixar, sondern erinnert an den zotigen Schenkelklopfercharme solcher DreamWorks-Filme wie zum Beispiel Shrek 2 oder auch Over the Hedge.

Die beiden Regisseure Byron Howard und Nathan Greno, zuvor verantwortlich für den höchst vergnüglichen Bolt, punkten durch sympathische Figuren und pointierten Humor. Seien es die Augen- und Kopfbewegungen von Chamäleon Pascal oder der stolze Hengst Maximus, beide zählen zu den gewohnt exzellenten tierischen Sidekicks von Disney. Hinzu kommt der leicht narzisstische Flynn und die selbstbestimmte Rapunzel, die mit langem Haar und großen, grünen Augen nicht nur optisch junge Wildheit versprüht, sondern die mit Zachary Levi und Mandy Moore auch sehr gelungene Synchronstimmen erhielten. Speziell Levi weiß dank Chuck gekonnt durch Nuancen in der Stimme Humor zu erzeugen.

Tangled besitzt ausreichend Tempo in seiner Handlung, mehr als genug herzhaften Humor und Songs von Alan Menken, die bisweilen an The Little Mermaid erinnern (zum Beispiel „Mother Knows Best“), ohne jedoch derart im Gedächtnis hängen zu bleiben. Besonders weiß ein Maß an Selbstironie zu gefallen, dass in seiner fast schon „Vierte Wand“-artigkeit eher ungewöhnlich für einen Kinderfilm ist. Hier machen zudem auch die tertiären Figuren wie die Gebrüder Stabbington (Ron Perlman) Spaß, während der Film dank seiner hohen Farbenfreude zumindest den Eindruck erweckt, dass sich das 3D im Kino gelohnt haben könnte. Die Animation kann jedenfalls überzeugen - was sie angesichts ihrer Kosten auch sollte.

Denn diese belaufen sich in Höhe von 260 Millionen Dollar und machen Tangled nicht nur zum teuersten Animationsfilm aller Zeiten, sondern zugleich - Inflation nicht einberechnet - zum zweitteuersten Film, der je produziert wurde. Umso notwendiger schien daher der 3D-Effekt, um auf jeden Fall die Kosten wieder einzuspielen (in diesem Fall sogar mehr als das Doppelte). Nach dem etwas flachen, wenn auch sympathischen The Princess and the Frog übertrifft Disney erfreulicher Weise die Qualität von Bolt, der vor drei Jahren der erste wirklich gelungene Beitrag des Studios seit Lilo & Stitch war. Insofern ist Tangled nicht nur ein exzellenter Film, sondern auch ein mehr als würdiger 50. Beitrag aus dem Hause Disney.

8.5/10

31. Mai 2010

Chuck - Season Three

Classic geek tragedy. Sound familiar?

Wie man es macht, ist es nicht recht. Generell können Serien schnell redundant werden und Folge um Folge, Staffel um Staffel derselben Prozedur folgen. Da muss ein Jack Bauer Los Angeles, New York oder gleich die ganzen USA retten und Dr. House seine Patienten mit der unwahrscheinlichsten und daher von allen Kollegen verpönten Methode heilen. Uninspiriertheit, schimpft sich das gerne. Macht es eine Serie wie Lost dann anders, indem sich jede Staffel - und oft auch Folge - um ein anderes Thema dreht und seine Protagonisten in eine andere Richtung stößt, ist das Gejammer jedoch kaum kleiner. So lässt sich natürlich Josh Schwartz’ kultige Agenten-Parodie Chuck schnell vorwerfen, dass sie in ihrer dritten Staffel den Rückzug zu Altbewährtem antritt. Anderseits beweist die Serie, dass sie auch im Rückzug noch einen Schritt vorwärts machen kann. Was vielleicht auch nur einer Serie wie Chuck gelingt, die jedes Frühjahr trotz ihres Kultfaktors um die Verlängerung kämpfen muss.

Nun also der Reboot. Das (neue) Intersect ist weiterhin in Chucks (Zachary Levy) Gehirn, was dazu führt, dass Team „Chuck“ auch weiterhin im Einsatz bleibt. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Chuck nun größeren Nutzen aus dem Intersect bezieht, indem er Kampftechniken - The Matrix lässt grüßen - auf die Schnelle downloaden kann. Es ist ein Akt der Liebe, der Chuck nun ins Agentenprogramm der CIA drängt, kann sich Sarah (Yvonne Strahovski) doch nur vorstellen, mit ihm zusammen zu sein, wenn Chuck selbst auch Agent ist. Was nicht erleichtert wird, als mit dem neuen Team-Leader David Shaw (Brandon Routh) ein harter romantischer Konkurrent die Bühne betritt. Neben Shaw belebt auch „The Ring“, die Wachablösung zu „Fulcrum“, Chucks Universum. Was neben Shaw später auch Casey (Adam Balwin) betreffen wird. Wirklich leichter ist das Leben derweil im Buy More auch nicht, treiben hier nicht nur Jeff und Lester ihr Unwesen, sondern auch Morgan (Joshua Gomez) tritt - erwartungsgemäß - wieder auf den Plan.

Wie gesagt: Rückzug. Oder Rückbesinnung. Der Abschied von Morgan war ein Abschied auf Zeit. Und Chuck ohne einen Chuck mit Intersect verliert seine Prämisse (wobei das Finden einer neuen Prämisse interessant gewesen wäre). Zumindest jedoch zugleich ein Fortschritt, denn dass Chuck nun nicht mehr nur der Informationstragende Nerd ist, sondern selbst auch effektiv an den Missionen teilnehmen kann, verleiht der Show eine neue Würze. Zudem wird dem Geist der ersten Staffeln die Treue gehalten, wenn Morgan im Laufe der Staffel schließlich Chucks Nerdstelle im Team einnimmt, als er eingeweiht wird. Aber selbst wenn die Serie im Rückschritt nach vorne schaut, kann sie altbekannte Mängel nicht vollends abschütteln. Redundanzen schleichen sich ein, wenn es gilt, Chucks Tötungsphobie zu beheben, die gleichzeitig einhergeht mit Sarahs innerer Bestimmung, diesen Chuck dann nicht zu lieben. Dass Rouths - gut gespielte und interessante - Figur dann ebenfalls zum running threat verkommt, war auch nicht der smarteste Schritt.

Obschon die dritte Staffel dann dennoch einen besseren Eindruck hinterlässt, als die vergangen Beiden, kann sie sich letztlich qualitativ zumindest nicht von ihrem Vorgänger abgrenzen. Einer gesteigerten ersten Hälfte mit starker Tendenz folgt eine durchschnittliche zweite Hälfte, die sich in Doppelspielereien verliert. Die gelungenste Episode findet sich in Chuck vs. Operation Awesome, dicht gefolgt von Chuck vs. the Fake Name. Dass sich die schwächste Folge im Staffelauftakt findet, ist da hinsichtlich des restlichen Verlaufs schon angenehmer. Wurde bei den vorangegangenen beiden Sitcoms empfohlen, mehr (personifizierte) Abwechslung einzubringen, ist dies bei Chuck nicht nötig. Neben Routh, der aufgrund seiner Präsenz schon fast nicht mehr als Gaststar zu bezeichnen ist, stellten sich im dritten Jahr unter anderem auch Robert Patrick, Armand Assante, Christopher Lloyd (kaum wiederzuerkennen) und erneut Scott Bakula zur Verfügung. Etwas bedauerlich ist die rasche Verpulverung von Kristin Kreuk als neues love interest.

Dass über Schwartz’ Serie das Damokles-Schwert schwebte, lässt sich am Staffelfinale (Chuck vs. the Ring: Part II) erkennen. Dieses hätte auch gut als Serienfinale getaugt, ließ sich jedoch, wie geschehen, in seiner finalen Einstellung noch zur Integration eines neuen Handlungsstranges missbrauchen. Wie es die Branchenkonventionen so wollen, wirkt dieser sehr bei anderen Kollegen (z.B. Prison Break oder Jumper) entlehnt. Allerdings verspricht die vierte Staffel zumindest was die Gruppendynamik angeht, mit offenen Karten zu spielen, da sich neben Awesome und Morgan nun auch Ellie als Eingeweihte erachten darf. Nicht nur wegen der jährlichen Querelen um eine weitere Verlängerung dürfte Chuck jedoch kaum zur Serie verkommen, die auch in drei Jahren noch mit ihrer sechsten Staffel im Fernsehen laufen wird. Vieles deutet darauf hin, dass das vierte auch das letzte Jahr für Team Chuck sein könnte. Was für Schwartz und Co. Ansporn sein sollte, es 2011 noch mal ordentlich krachen zu lassen.

7.5/10

2. Mai 2009

Chuck - Season Two

Can you be awesome?

In den meisten Fällen verfügen Serien in ihrer ersten Staffel über den stärksten Rückenwind. Hier wirkt noch alles frisch und neu - einfach unverbraucht. In anderen Fällen haben manche Serien ihre Eigenheiten, an die man sich erst gewöhnen muss. Dies ist hauptsächlich in den ersten Episoden der Fall, wie zum Beispiel bei Gossip Girl. An das Neue muss man sich erst gewöhnen, es in seinem Kontext verstehen und in den eigenen Kontext einordnen können. Chuck gehört in die letztere Kategorie. Aber auch irgendwie nicht. Mein grundsätzliches Problem mit der Sitcom war in ihrer ersten Staffel die Vermischung aus Comedy und Action. Für mich hatte dies nicht wirklich funktioniert, gerade Yvonne Strahovski wirkte in ihren Actionszenen eher lächerlich als amüsant. Vielleicht war es auch einfach nicht meine Art Humor, finden die Blogger-Kollegen doch die Serie „hervorragend“, „brillant“ und „ausgezeichnet“. Eine Meinung, die ich nach der ersten durchschnittlichen Staffel nicht teilen konnte. Doch die Figuren sind mir ans Herz gewachsen und was Serien angeht, gebe ich gerne eine zweite Chance. Denn manchmal, da lohnt sich das auch.

Was ich dann bei Chuck erlebt habe, war überraschend. In den beiden Auftaktfolgen der zweiten Staffel, Chuck Versus the First Date und Chuck Versus the Seduction, wird ein enormes Tempo vorgegeben. Das ist nicht mehr dieselbe Sitcom wie 2007/2008. Das merkt man bereits am Auftakt. Die Action wird weniger inszeniert, als das sie knapp bemessenes Beiwerk ist. Eher Mittel zum Zweck, jedoch außerhalb des Fokus. Der Witz steht im Vordergrund, gerade in diesen beiden Folgen, die sich so von ihren Vorgängern unterscheiden. Zudem geben diese Episoden bereits das Motto der zweiten Staffel vor: Gastauftritte. Im Gegensatz zur ersten Staffel tummeln sich nun eine Vielzahl von Film- und Serienschauspielern. Nur in einem Drittel der Folgen taucht kein/e bekannte/r Schauspieler/in auf. Selbst wenn die Großteile der Auftritte durch Jordana Brewster, Scott Bakula, Chevy Chase und Arnold Vosloo vertreten werden. Von Tony Hale, der eigentlich mehr fester Bestandteil ist, gar nicht zu sprechen. Ein Konzept das aufgeht. Ähnlich wie anderswo (z.B. Will & Grace) würzen die Gastrollen die einzelnen Folgen auf und verleihen ihr Pep - zusätzlichen oder ausschließlichen.

Denn das hohe Niveau vom Start weiß Chuck nicht durchgehend zu halten. Vielmehr verflacht die Serie kurz darauf schon fast auf ihr ursprüngliches Level, weiß sich jedoch in der Mitte wieder zu fangen. Was folgt ist eine Art Achterbahnfahrt, wo über Strecken gute, sehr gute und durchschnittliche Folgen sich die Klinke in die Hand geben. Generell funktioniert Josh Schwartz’ Sitcom für mich nun jedenfalls besser. Am ehesten weiß neben den beiden Auftaktfolgen noch Chuck Versus the Dream Job zu überzeugen, wobei auch Chuck Versus Santa Clause sowie ein paar andere Folgen nahe dran sind. Der Rest pendelt sich ordentlich ein, abgesehen von Chuck Versus the Lethal Weapon und Chuck Versus the Broken Heart, die beide zu den Reinfällen der Staffel zu rechnen sind. Alles unter dem Banner von drei alles überschattenden Themen. Auf der einen Seite gibt es die Actionkomponente im Kampf von Team Chuck gegen die Agenten Fulcrums (u.a. Arnold Vosloo, Michael Rooker, Jordana Brewster) um das Intersect. Die beiden anderen Themen beschäftigen sich mit den Randfiguren. Einerseits spielt hier die Beziehung von Ellie und Devon/Awesome, sowie deren Hochzeit, eine Rolle, andererseits erhält auch die Buy More-Belegschaft rund um Morgan (Joshua Gomez) ihre verdiente Aufmerksamkeit.

Wie angesprochen wird Chuck enorm von seinen Gastauftritten belebt. Sei es ein Michael Clarke Duncan gleich zu Beginn als widerstrebender Agent oder John Laroquette als 007-Verschnitt. Besonders nett ist der Einbau von Jordana Brewster als Chucks College-Ex Jill, die sich in vier Folgen die Ehre gibt. Sehr amüsant auch Reginald VelJohnsons Die Hard-Persiflage in Chuck Versus Santa Clause. Für die Klimax der Staffel haben sich die Macher zudem nicht lumpen lassen mit Arnold Vosloo als Fulcrum-Agent, sowie Chevy Chase als Antagonist und Scott Bakula als verschollenen Vater von Chuck einige „Hochkaliber“ aufzuwarten. Dies birgt zwar die eine oder andere etwas bitter aufstoßende Wendung, die sich jedoch angesichts der sympathischen Charaktere verschmerzen lässt. Schließlich gehört zu Chuck auch, dass man mal ein Auge zudrücken kann, um dem Vergnügen keinen Abbruch zu bereiten.

Oberstes Ziel für Chuck (Zachary Levi) ist es verständlicherweise das Intersect aus seinem Gehirn zu kriegen. Nicht nur weil ihn die Schein-Beziehung zu Sarah (Yvonne Strahovski) belastet, sondern auch weil sich die grundehrliche Haut nicht mehr den Lügen an Ellie und Morgan stellen möchte. Hoffnung verheißt hier ab einem gewissen Zeitpunkt der potentielle Verbündete Orion, wobei es auch hier gilt Fulcrum nicht in die Karten zu spielen. Der Einbau der Konkurrenzorganisation (der Vergleich zu SPECTRE liegt nahe) ist gelungen und über weite Strecken auch glaubwürdig aufgebaut. Sieht man von den zahlreichen logischen Schönheitsfehlern der Sitcom einmal ab. Über die Inszenierung des Geheimagenten-Castings an Chucks alter Universität (Bryce und er waren Kandidaten für die CIA, Jill landete schließlich bei Fulcrum) mag beispielsweise etwas die Nase rümpfen, aber von Chuck sollte man auch keine Wunder erwarten. Ebenso wenig davon, dass das ewige Pingpong-Spiel mit dem Intersect die ganzen 22 Folgen lang durchgezogen wird. Besonders ärgerlich fällt hier bisweilen auf, dass Chuck nie zu realisieren scheint, dass er im Grunde die Konditionen vorgeben kann, anstatt sich wie ein Schoßhund von General Beckman halten zu lassen. Soviel scheinen sie in Stanford dann doch nicht beizubringen.

Neben einigen Auflockerungen durch „Gäste“ ist es erneut Adam Baldwins zynischer Militärfetischist Casey, der das Herz von Team Chuck bildet. Seine Kommentare („Nerdcode!“) und seine Art finden sogar in der Sitcom selbst bereits Referenz („Unleash the Casey!“). Im zweiten Themenkomplex dürfen Ellie und Awesome mal wieder das perfekte Paar bilden. Den Beiden wird relativ wenig Raum zur Entfaltung geboten, sie dienen immer noch hauptsächlich als emotionale Geisel für Chucks Motivation und Aktivität. Dagegen darf sich die Angestelltenriege des Buy More rund um Morgan, Big Mike, Jeff und Chester mal so richtig austoben. Das ist mal mehr und mal weniger unterhaltsam, hat jedoch seinen Charme und gefällt alleine deshalb, da man in der Tat Nebenfiguren etwas mehr Entfaltungsmöglichkeiten gibt. Dies erklärt sich aber auch daraus, dass die Serie mit über vierzig Minuten auch mehr als genügend Platz bietet. Umso bedauerlicher, dass Ellie und Devon etwas zu kurz kommen. Was ich mich jedoch immer schon frage, ist wie überhaupt jemand Chuck und Sarah, die in der Öffentlichkeit generell kaum bzw. gar keine sexuellen Kontakte austauschen, ihre inzwischen fast zweijährige Beziehung abkaufen kann. Dies ist umso unverständlicher, da schließlich auch von Sarahs Seite aus Emotionen da sind. Professionalität hin oder her (bei Bryce hatte es sie schließlich auch nicht gestört).

Um zum Ende zu kommen: Chuck steigert sich in seiner zweiten Staffel sichtlich. Gerade die auf das Staffelfinale hinauslaufenden Episoden sind auf einem konstant guten Niveau. Der Serie wäre noch eine bessere Bewertung offen gestanden, hätte man sich nicht mit seinem redundanten Finale selbst in die Nesseln gesetzt. Das hat leider einen Abzug in der B-Note als Folge, denn dies war vollkommen unnötig. Im Gegenteil bestärkt es meinen allgemein geäußerten Verdacht (s. Heroes - Volume Four), dass sich Autoren lieber als Altbekanntes besinnen, als innovativ neue Wege zu beschreiten. Im eigentlichen Sinne widersprüchlich, bedenkt man die Blütezeit der zahlreichen neu entwickelten Serien mit teilweise wirklich kreativer und unverbrauchter Ausgangsbasis. Scheinbar verpuffen viele Ideen jedoch in der Mitte der Strecke, anders lässt sich die Entwicklung im amerikanischen Serienwesen nicht erklären. Doch ohne jetzt zu negativ klingen zu wollen, ist Chuck eine willkommene Steigerung, die bisweilen enormen Jux macht. Das Ende impliziert, dass eine dritte Staffel folgen wird, welcher ich wahrscheinlich treu bleibe. Zum einen, weil mir die Figuren immer noch am Herz hängen. Zum anderen, weil mich nicht zuletzt diese zweite Staffel davon überzeugt hat, dass bei Chuck speziell, als auch bei Serien allgemein, eine Steigerung möglich ist.

7.5/10

12. März 2009

Chuck - Season One

Wouldn’t this be a great time for me to stay in the car?

Nun geht’s gleich los, meine virtuelle Steinigung. Ja, sie schwärmen, die Film- und Serienblogger. Sie schwärmen von Chuck, dem neuesten Fernsehgeschöpf von Josh Schwartz, dem Vater von The O.C. und Gossip Girl. Beide Serien mag ich sehr, nur mal so nebenbei gesagt. Und Chuck mögen sie fast alle, sei es Bullion oder allen voran sicherlich auch Mediensucht und Hirngabel. Khitos war nicht ganz so euphorisch. Ich werde es sicherlich nicht sein. Das Schema ist im Grunde dem von My Own Worst Enemy nicht unähnlich. Ein männlicher Protagonist, der mit Geheimagentenkram nichts am Hut hat, wird aufgrund eines Programmfehlers in seinem Kopf plötzlich zum Problemkind für Geheimdienste. Im Gegensatz zu MOWE wird hier der Fokus weniger auf die Action und mehr auf den Humor gesetzt, aber von der Idee her sind sich beide Serien nicht unähnlich.

Bryce Larkin (Matthew Bomer) ist ein Superagent der CIA und zerstört zu Beginn von Chuck das so genannte Intersect – quasi den Supercomputer der Geheimdienste. Da wo alle geheimen Infos drauf bzw. drin sind. Und auf der Flucht wird Larkin dann von NSA-Agent John Casey (grandios: Adam Baldwin) erschossen. Vorher kann er jedoch die gesamten Daten des Intersect (zur Erinnerung: da wo alle geheimen Infos drauf sind) in einer Email (mordsmäßig Speicherplatz schätz ich mal) an seinen ehemaligen Kommilitonen Charles „Chuck“ Bartowski (Zachary Levi) schicken. Dieser hat an der Uni mal ein Seminar über Aufnahme von visuellen Informationen besucht. Und jetzt ist das Intersect (da wo alle geheimen Infos drauf sind) auf seinem Gehirn gespeichert. Das ist deswegen lustig, weil Chuck ein Nerd ist, ein Geek, ein Freak. Der als Computerexperte in einer Wall-Mart Verarsche arbeitet und seit Jahren keine Freundin mehr hatte, sondern stattdessen mit Morgan (Joshua Gomez) abhängt – der Person, die wohl noch weniger Sex hatte als er selbst.

In Chuck geht es nun darum, dass eben jener Chuck auf der Straße dauernd an russischen Waffenschmugglern vorbeiläuft oder über Aufenthaltsorte von Bomben in seiner Stadt über Straßenflyer und sonstiges informiert wird. Er flasht dann immer Bilder, wegen dem Intersect (da wo alle geheimen Infos drauf sind). Und weil nun weder die CIA noch die NSA ihren Supercomputer haben, müssen sie dafür sorgen, dass Chuck am Leben bleibt. Weshalb die NSA Casey abstellt und die CIA die Agentin Sarah Walker (Yvonne Strahovski), früher die Freundin von Larkin. Als Cover beginnt Casey nunmehr selbst in Chucks Supermarkt zu arbeiten, während Sarah sich als Chucks Freundin ausgibt. Denn dass der Nerd nunmehr ein Regierungsbeamter ist (wobei er das nicht ist, weil er nicht bezahlt wird, doch das stört Chuck scheinbar nicht), das dürfen weder Morgan (der vor allem nicht) noch Chucks Schwester Ellie (Sarah Lancaster) oder deren perfekter Lebenspartner Awesome (Ryan McPartlin) wissen. Natürlich der Auftakt für viele grandiose Abenteuer.

Jetzt hab ich viel geschrieben und im Grunde wenig gesagt. Die Ausgangslage ist klar und es sei gesagt, dass Chuck für mich ebenso wenig funktioniert, wie My Own Worst Enemy. An der Tatsache, dass das Intersect per Email verschickt wird und derartigen Kleinigkeiten will ich mich gar nicht aufhängen. Aber in meinen Augen gelingt der Serie - die wie schon The O.C. von McG mitproduziert wird - der Spagat zwischen Action und Humor nicht. Oder anders gesagt, nimmt sich Schwartz’ Serie in den Actionszenen zu ernst, was ihr nicht bekommt. Hier wäre es klüger gewesen, wenn man sich an Formaten wie The Naked Gun orientiert hätte, wo keine Action stattfindet, sondern reiner Slapstick. Denn Strahovski nimmt man die CIA-Agentin in keiner einzigen Szene ab und so verkommen ihre Actionszenen zu mehr als lächerlichen Beinübungen auf Hüfthöhe. Grandios daneben geht das Ganze dann im Staffelfinale Chuck Versus the Marlin, wenn noch eine andere zarte Agentin aufkreuzt und sich Sarah mit dieser auf einem Dach „prügeln“ darf (bewusst in „“ gesetzt).

Die Action passt also nicht wirklich in die Serie, der Humor dagegen überzeugt durchaus des Öfteren. Das verdankt sich Hauptsächlich dem Charme von Levi, der mich durch seine sympathische Art immer wieder an John Krasinski aus The Office erinnert. Auch Captain Awesome gefällt mir stets aufs Neue, da er wirklich ein unfassbar perfekter Freund ist. Morgan hingegen und auch die anderen Nerds nerven mich eher, als dass sie mich unterhalten könnten. Da schaue ich lieber meinen Freaks aus The Big Bang Theory zu. Schön aber, Masuka (CS Lee) mal außerhalb von Dexter zu sehen. Um wieder anzuknüpfen, viele der Einzeiler sitzen und einige komische Sequenzen weiß die Serie aufzubieten. Allerdings disqualifiziert schon die Laufzeit von vierzig Minuten pro Folge Schwartz’ Konzept als Sitcom - ein Format, welches wahrscheinlich besser geeignet gewesen wäre für Chuck. Sehr viel weniger Action oder diese zumindest auf Slapstick Niveau eingesetzt, dazu die halbe Laufzeit und dann wäre die Serie für mich jedenfalls runder gewesen.

Hirngabel rief mir ins Gedächtnis, dass ich Chuck Zeit geben sollte, da er einige Folgen braucht, um seinen Groove zu finden. Die ersten sieben Folgen waren dann auch unterer Durchschnitt (im Kontext meiner hier besprochenen Serien und nicht des Durchschnitts der Wertung von 1 bis 10). Erst mit den Folgen 8 und 9 hat mir Chuck etwas Spaß gemacht, bevor er in seinen letzten vier Folgen wieder eingebrochen ist. Bezeichnenderweise gefielen mir Chuck Versus the Truth und Chuck Versus the Imported Hard Salami wohl deswegen sehr viel besser, weil Rachel Bilson sich für die Gastrolle der Lou hergab. Jedenfalls unterhielten mich neben jenen beiden Folgen lediglich noch Chuck Versus the Tango ordentlich. Ein Lob möchte ich jedoch noch der musikalischen Untermalung aussprechen, speziell das Theme zur Serie, das immer wieder ertönt, ist ausgesprochen gut gelungen. Und generell sind die popigen Songs sehr schön ausgewählt, wie auch die Anfangssequenz zu meinen Favoriten unter den Serien zählt (so nett zum Mitwippen).

Würde die Serie mehr den Verheißungen der Anfangssequenz gerecht werden, täte sie mir besser gefallen. Meine Darlegung des Sachverhalts wird wohl bei den oben genannten Herren auf tiefste Veto-Einsprüche treffen. Nicht jede Serie ist eben jedermanns Sache. Dennoch sei versichert, dass mir die Figuren trotzdem ans Herz gewachsen sind und ich Chuck auch in seiner zweiten Staffel treu bleibe werde, schon alleine wegen Chuck, Casey und Captain Awesome. Und wer weiß, vielleicht wächst mir die Serie ja doch noch etwas mehr ans Herz, wie es bei Californication der Fall war, dessen zweite Staffel auch eher meinen Geschmack traf, als noch die erste (was ich immer noch verwunderlich finde). Für alle Interessierten: Chuck wurde von Pro Sieben/Sat. 1 gekauft und dürfte wahrscheinlich im Sommer oder Herbst im Abendprogramm von ersterem Sender landen. Aufgrund der Synchronisation mach ich mir hier weniger Sorgen, als beispielweise bei einem How I Met Your Mother.

6.5/10