20. April 2009

I Love You, Man [Trauzeuge gesucht!]

Slappa da bass mon!

Erste Schritte sind nicht immer die sichersten. Das ist nicht nur bei Babys der Fall, sondern auch bisweilen bei Regie-Anfängern – gerade wenn sie aus einem anderen Teil der Branche stammen. Zwar konnte Drehbuchautor John Hamburg mit Meet the Parents sowie dessen Fortsetzung Meet the Fockers zwei Filme mit relativ hoher Gagdichte hervorzaubern, doch sein Regie-Werk Along Came Polly erwies sich anschließend als eher trockenes Vergnügen. Mit I Love You, Man – in Deutschland unter dem Titel Trauzeuge gesucht! vertrieben – verbündet sich der Judd-Apatow-Zögling nun mit anderen Kollegen aus Apatows Stall. Was dabei herausgekommen ist, kann als halbe Strecke zwischen Hamburgs bisherigen Projekten erachtet werden.

Frauen sehnen sich nach einfühlsamen und ehrlichen Männern, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen und nach acht Monaten Beziehung bereits die Ehe anzustreben. Die das Unternehmen ihrer Verlobten weiterbringen wollen oder am Frauenabend der gesamten Runde ganz aufmerksam etwas zu Trinken zubereiten. Doch solche Männer können auch anhänglich werden, speziell dann, wenn sie keine eigenen Freunde haben. Zwar ist sich Zooey (Rashida Jones) gewiss, dass Peter (Paul Rudd) ihr nicht am Rockzipfel hängen wird, er selbst ist sich da aber nicht ganz so sicher. Ein bester Freund muss also her, der dann zugleich als Trauzeuge fungieren darf. Das einzige Problem: Peter kann nicht so wirklich gut mit Männern umgehen.

Das auffälligste Szenario, das I Love You, Man beschwört, ist die Umkehrung einiger gängiger Klischees der romantischen Komödie. Nach mehreren Verabredungen mit männlichen Kandidaten ist Peter stets unsicher, was er eigentlich am Telefon sagen soll – falls er überhaupt anruft. So verkommt es zum Running Gag, wenn er stets den Abschluss seines Satzes vermasselt und sich in kumpelhafte, umgangssprachliche Verabschiedungen zu flüchten. Was beim ersten Auftreten noch zu amüsieren weiß, wirkt jedoch bei weiteren Wiederholungen etwas redundant. Schon alleine da von Peter zu erwarten wäre, dass er fortschreitender Vertrautheit zwischen ihm und seinem Neu-Kumpel Sydney (Jason Segel) selbstsicherer auftreten würde.

Das generelle Problem von Hamburgs dritter Regearbeit ist jedoch seine Unfähigkeit, rechtzeitig auszublenden. Immer wieder lässt er Szenen länger laufen als es diesen gut tut. Sei es wenn Peter und Zooey im Auto über ihr Sexleben sprechen oder Peter seiner Verlobten seine Luftgitarren-Solos vorführt. Der Film überreizt es mit der Darstellung seiner – wenn auch oft guten – Komik, indem er sie richtiggehend zu Tode reitet. Bedauerlicherweise zieht sich jener Aspekt durch den ganzen Film hindurch bis zu seinem Finale. So muss unter dem Strich gesagt werden, dass I Love You, Man weitaus kompakter und harmonischer ausgefallen wäre, hätte man ihn durch knappere Einstellungen insgesamt um etwa zehn Minuten gekürzt.

Im Gegensatz zu Apatows Produktionen kommt Hamburgs Film zum Glück ziemlich ruhig daher. Die Gagdichte ist relativ gering, stattdessen versucht I Love You, Man sich etwas ernster anzubiedern. Wieso genau sowohl Peter als auch Sydney kaum Freunde, sowohl männliche wie weibliche, haben, versäumt der Film aber zu erläutern. Die Tatsache, dass Sydneys Clique inzwischen aus Ehemännern und Vätern besteht, lässt offen, wieso er in der Zwischenzeit nicht andere Freunde gefunden hat. Ebenso offen bleibt, weshalb Peter, selbst wenn er besser mit Frauen kann, dennoch keine wirklich intensive Freundschaft mit einer solchen hat.  So lebt der Film primär von pop-kulturellen Referenzen und seinem charmanten Ensemble.

Andy Samberg war sich nicht zu schade wie auch J.K. Simmons in einer Nebenrolle aufzutreten, während Rashida Jones durch ihre warme Art ein Gewinn für jeden Film ist. Am überzeugendsten ist I Love You, Man jedoch stets in den Szenen, die sich Paul Rudd und Jason Segel (hier in ihrer dritten Zusammenarbeit) teilen. Einen kleinen Höhepunkt stellt dann das Rush-Konzert dar, selbst wenn auch dieses wieder mehr Zeit bekommt, als für die Geschichte im Nachhinein verträglich ist. Insgesamt handelt es sich um eine solide Komödie, die zum einen aufzeigt, dass sowohl Hamburg als auch Segel zu Steigerungen fähig sind, aber auch die Tatsache offenlegt, dass Rudd (noch) nicht im Stande ist, einen Film als Hauptdarsteller alleine zu tragen.

6.5/10

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