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10. November 2017

La La Land

How about: all for you and none for me?

Es gibt drei bemerkenswerte Szenen in Damien Chazelles Debütfilm Whiplash, in denen die Hauptfigur, ein Musiker, eine Kinoangestellte zu einem Date einlädt, mit ihr auf dieses Date geht und anschließend die Beziehung mit ihr beendet, weil sie sich auf ihre Musik fokussieren will. Ein Subplot im minimalsten Sinne, mit dem ausschließlichen Hintersinn, dem Publikum eine Figur zu zeigen, die etwas erhält, das sie für ihre Ziele opfern kann. Nicht, dass es dieses Opfers gebraucht hätte, um die Motivation des Charakters zu verstehen, geschweige denn, dass die geopferte Beziehung zuvor irgendeine Relevanz gehabt hätte, so flüchtig wie sie skizziert wurde. Es wundert nicht, dass Chazelle dasselbe Schema in seinem Folgefilm La La Land erneut fährt.

Die Hälfte des Films ist beinahe rum, als die aufstrebende Schauspielerin Mia (Emma Stone) plötzlich einen Freund an die Seite gestellt bekommt, den die Handlung zuvor weder gezeigt noch referiert hat. Während eines Dinners mit dem Freund sagt sich Mia von diesem los, weil sie eigentlich zeitgleich eine Verabredung mit dem aufstrebenden Jazz-Musiker Sebastian (Ryan Gosling) hat, zu dem sie eilt, um mit ihm eine Romanze zu beginnen. Sinn und Zweck des Deux-ex-machina-Freundes von Mia ist erneut, dem Publikum zu veranschaulichen, wie ernst es der Figur mit etwas ist, was auch zuvor bereits deutlich geworden war. Es ist absehbar, dass Damien Chazelle auch in seinem nächsten Film wohl wieder eine ähnliche Szene integrieren wird.

La La Land ist ein Musical voller Misstöne – sowohl narrativ, als auch was seine Musik angeht. Beginnend mit einer relevanzlosen Eröffnungsnummer, die zwar auf das Thema der aufstrebenden Stars in Los Angeles verweist, allerdings mit völlig falschem Kontext. Passend, dass in der Szenerie des Autostaus die zwei Hauptfiguren anwesend sind, aber an dieser nicht teilnehmen. Statt die Szene zum späteren Zeitpunkt einzuführen und auf einen der Charaktere zu fokussieren, ist sie so deplatziert und verschenkt. Gibt aber den Ton an, für die folgenden katastrophalen Musikstücke von Justin Hurwitz. Ein Musical ist letztlich nur so gut wie seine Lieder – und die von La La Land hat man bereits vergessen, bevor sie überhaupt beginnen.

Das liegt zum einen daran, dass die Textzeilen nicht atmen können, da sie einerseits zu schnell vorgetragen und andererseits von der Musik übertönt werden. In Musicals wie West Side Story erhalten die Song-Passagen entsprechend Raum zur Entfaltung, die Musik begleitet den Text. In La La Land verkommt alles zu einem unübersichtlichen Einerlei, exemplarisch zum Ende einer Hausparty, in der sich die Kamera irgendwann in den Pool stürzt. Ähnlich verhält es sich mit den Tanzpassagen, die in anderen Musical-Filmen Aussagekraft besitzen, während sie bei Chazelle lediglich Beiwerk sind im Zerrbild dessen, was vom Regisseur als Musical begriffen wird. Wo der Film bei Musik und Tanz versagt, trifft dies auch auf die Handlung zu.

Sie mag keinen Jazz, verrät Mia später. Folgt eingangs in einer Szene aber doch den Piano-Klängen von Sebastian. Beide Figuren begegnen sich nur kurz, erinnern sich natürlich sofort Monate danach aneinander, als sie sich zufällig wieder sehen. Mia will Schauspielerin sein, wandert jedoch von einem erfolglosen Casting zum nächsten. Die dienen wohl der humorvollen Auflockerung in ihrer desinteressierten Ignoranz der Figur, besitzen aber wie alles im Film keine wirkliche Botschaft, da sich die Handlung diesem Thema nicht widmen mag. Ein gelungenes Gegenbeispiel lieferte dieses Jahr eine Casting-Szene in der Netflix-Serie GLOW, die etwas aussagte und zugleich Humor besaß. Beide Dinge müssen sich also nicht zwingend ausschließen.

Sebastian scheitert ebenso in der Verwirklichung seines Traums, befindet sich im Verlauf des Films allerdings ausschließlich in verschiedenen Stadien der Untreue zu seinen Idealen. Egal ob er Weihnachtslieder in einem Restaurant spielt oder in der Jazz-Pop-Band eines Bekannten (John Legend). La La Land will von diesen Träumern in der Traumfabrik Hollywood erzählen, dies macht schon der Autostau zu Beginn klar. Am Ende erreichen beide Figuren ihre Träume, wie sie dies geschafft haben, ist bei Sebastian letztlich noch unklarer als bei Mia. Letztere inszeniert ein eigenes Theaterstück – ein Misserfolg, der dann als Basis für Erfolg dient, indem er ihr ein Casting beschert, das ihre Karriere zum Weltruhm ebnen soll (wie auch immer).

Bezeichnend ist, dass die entscheidende Szene in dem persönlichen Stück nicht zu sehen ist. Beim Casting soll Mia dafür eine Geschichte erzählen. Chazelle nutzt dies, um zu einem der vergessenswerten Liedern von Hurwitz zu schneiden, ehe eine 0815-Überblende wieder die zwei Hauptfiguren auf die Leinwand zaubert. In der durchschnittlichen High-School-Komödie She’s All That gibt es eine ähnliche Szene, in der die Figur von Freddie Prinze Jr. während einer Performance-Show auf die Bühne muss – nur nutzt der Film dies für einen gelungenen Einblick in den Charakter der Figur, der ihre Werte zur Schau stellt. Ähnlich dürfte die Szene in Mias Stück funktioniert haben, der Film zeigt sie dem Zuschauer allerdings nur leider nicht.

Es fehlt dem Film an einem konsistenten Ton, eine verspielte Planetarium-Tanzszene als müde Hommage an Rebel Without a Cause verkommt zum Selbstzweck, trifft im Verlauf dann auf konventionellen Rom-Com-Humor bei Musikproben zwischen den Figuren von Ryan Gosling und John Legend. La La Land wird von Chazelle als kruder Mix aus West Side Story und Crazy Stupid Love inszeniert, konstant lediglich in seiner Uninspiriertheit, die sich von der Mise en Scène über die durch sich selbst ertränkte Musik bis hin zu den blassen Darstellerleistungen niederschlägt. Es fällt mir nicht nur schwer, dem Film positive Aspekte abzugewinnen, es ist vielmehr schlichtweg nicht möglich, da ihm jedem guten Willen zum Trotz keine solchen innewohnen.

Der Hype um den Film, kulminierend in so abstrusen wie folgerichtigen 14 Oscar-Nominierungen, ist selbsterklärend in Zeiten, wo Transformers-Filme immerzu die Milliarden-Dollar-Grenze sprengen und Disney sowie Marvel mit ihren Star Wars- und Superhelden-Werken stets dieselbe Geschichte erzählen und mit jedem Serieneintrag aufs Neue für ihre vermeintliche Originalität gelobt werden. “They worship everything and they value nothing”, kommentiert es La La Land an einer Stelle passend selbst. Das Positive ist, dass der Film bereits jetzt zum Jahresende nahezu vergessen ist. Und in Zukunft noch weniger eine Rolle in der Kinogeschichte spielten wird. Ein Opfer ohne Relevanz also – damit kennt sich Damien Chazelle ja aus.

0/10

13. Juli 2010

Extract

Ein Blick auf die Vita von Mike Judge verrät: er kann kein Schlechter sein. Vater der legendären Slacker Beavis & Butt-Head, sowie verantwortlich für den amerikanischen Kult-Büro-Film Office Space sowie die gelungene Bildungsabrechnung mit seinem eigenen Land, Idiocracy. Umso unbeeindruckender sah vor einiger Zeit der Trailer zu Extract, Judges Neuem aus. Desto verständlicher ist, dass der Film es in Deutschland nun nicht in die Kinos, sondern direkt auf DVD schafft. Denn Judge weiß weder mit interessanten Figuren aufzuwarten, noch mit dem Ansatz einer Geschichte. Ausführlicher findet sich das Ganze beim Manifest.

5/10

27. Januar 2010

Up in the Air

I call it Airworld, the scene, the place, the style.
(Up in the Air, p. 7)

In David Finchers Fight Club führt der namenlose Held im ersten Akt der Geschichte das Publikum in seine Welt ein. Er arbeitet für eine Autoversicherung, was dazu führt, dass er viel reisen muss. Hauptsächlich per Flugzeug. „The people I meet on each flight … they’re single-serving friends. Between take-off and landing we have our time together”, erklärt er. Die Nebensitzer verkommen in Fight Club zu einem Angebot, ähnlich wie der Kaffee, die Kaffeesahne oder das Cordon Bleu aus der Mikrowelle. Etwas für den Augenblick also. Anders in Walter Kirns Roman Up in the Air, der zwei Jahre nach dem Filmstart von Fight Club erschien. Für Kirns Hauptfigur Ryan Bingham sind die anderen Passagiere des Flugzeuges nicht nur einmalige Bekanntschaften, sondern viel mehr als das. „Fast friends aren’t my only friends, but they’re my best friends“, erläutert Bingham auf Seite 6. Einer von vielen Sätzen, die diese Figur charakterisieren.

Die Menschheit lebt im Hochgeschwindigkeitszeitalter. Wo ein Fax bereits veraltet ist und Twitter als schnellstes Medienformat gilt. Selbstverständlich, dass das Flugzeug hier aufgrund seiner Schnelligkeit zu den bevorzugten Transportformen zählt. Sehnt sich Edward Nortons Figur in Fight Club danach, dass sein Flieger mit einer anderen Maschine kollidiert, stellt der Luftraum für Ryan Bingham sein Zuhause dar. Er nennt es „Airworld“ und bezeichnet dieses als „nation within a nation“. Mit eigener Sprache, Architektur, Stimmung und insbesondere: Währung. Die Flugmeilen, die Bingham inzwischen „[has] come to value more than dollars“. Kirns Up in the Air ist eine Charakterstudie, über einen Mann, gefangen im System. Wer in Airworld überleben will, muss up to date sein. „This is the place to see America“, legt Kirn seiner Figur auf Seite 42 in den Mund. „Not down there, where the show is almost over.“ Wenn jemand nun zentriert auf engem Raum lebt, beginnt er den Überblick über das Ganze zu verlieren.

Ryan Bingham ist von Beruf ein sogenannter career transition counsellor. Oder ganz einfach ausgedrückt: Jemand, der angeheuert wird, um Menschen zu entlassen. In Kirns Roman wird Bingham nun mit relativ wenig Mitgefühl für die Personen versehen, die er aus ihrem Job befördert. „It’s a job I fell into because I wasn’t strong, and grew to tolerate because I had to“, entschuldigt sich Bingham gleich zu Beginn auf Seite 4. Während des gesamten Romans, erlebt man nicht ein einziges Mal, wie Bingham eine/n MitarbeiterIn entlässt. Was nicht bedeuten soll, dass ihn sein Beruf kalt lässt. Im Gegenteil, umfasst die Romanhandlung doch Binghams letzte Arbeitswoche, bevor sein Vorgesetzter seine eigene Kündigung vorfindet. Wie angesprochen ist Up in the Air eine Charakterstudie und zugleich Vorlage für einen gleichnamigen Film, der nun unter der Regie von Jason Reitman in die Kinos kommt. In Zeiten der Wirtschaftskrise fühlte sich Reitman, zuvor bereits durch Thank You For Smoking auf dem Pfad der Literaturadaption bewandert, nun verpflichtet, den Fokus weg von Bingham zu lenken und sich stattdessen auf seine Tätigkeit zu fokussieren.

Der deutlichste Unterschied zum Roman ist nun die Tatsache, dass Reitmans Film mehrfach von Kündigungsgesprächen unterbrochen wird. Sieht man von einigen Gaststars (Zach Galifianakis, J.K. Simmons) ab, wurden alle entlassenen Personen von realen Menschen gespielt, die selbst zuvor ihren Job verloren hatten. Was sich Reitman dabei gedacht hat, bleibt zu hinterfragen, wirken diese dokumentarischen Szenen nicht nur ungemein gestelzt, sondern die gesamte Idee ist letztlich schlicht und ergreifend redundant und vollkommen unerheblich. Die Entlassenen reagieren, wie man es von Entlassenen erwarten würde und sprechen Dinge an, die man selbst ansprechen würde, würde man entlassen werden. Man mag sich somit denken, weshalb es Kirn selbst bei Einschüben wie „free agency“ und „self-directed professional enhancement“ beließ, summieren diese Begriffe doch mehr als deutlich die Perversität von Binghams Beruf.

Beschwor Kirn die Studie eines von Flugmeilen und Jobangeboten Besessenen, forciert Reitman in Up in the Air seinen Blick auf die einsamen Seelen, die in Airworld sprichwörtlich auf der Strecke bleiben. Aufgezogen nach klassischem Hollywood-Muster präsentiert Reitman eine Tragikkomödie, in der niemand bindende Verpflichtungen eingehen und zugleich auch nicht alleine enden will. Da wird George Clooney zum charmanten Ryan Bingham, der sinn- und zusammenhangslos Zitate aus Kirns Roman um sich wirft und Vera Farmiga portraitiert eine Nebenfigur, die zur Filmmutter hochstilisiert wird. Um das Familienbild zu komplettieren, gibt Twilight-Darstellerin Anna Kendrick noch das nervtötende Kind, indem sie Clooney als Assistentin zur Seite gestellt wird, damit dieser sie anlernt. Clooney selbst wird mit seinen 48 Jahren in eine Coming-of-Age-Geschichte gezwängt, in welcher der überzeugte Einzelgänger und Single Bingham lernen muss, sich zu öffnen. Ganz speziell natürlich seinem weiblichen Pendant Alex (Vera Farmiga).

Weder die gesponnene Affäre mit Alex, noch die allmähliche Aufweichung von Binghams harter Schale mag im Film überzeugen. Reitman fehlt ein attraktiver Fokus, der seine vorhersehbare Geschichte schmackhaft macht. Doch nicht einmal für seine Sozialkritik in Form der mannigfachen Entlassungen scheint er sich richtig zu interessieren. Stattdessen flüchtet sich das schwache Drehbuch in Plattitüden und bedeutungslose Nebenfiguren wie sie von Jason Bateman als Binghams Vorgesetzter und Danny McBride als Schwager in spe dargestellt werden. Selbst die Wendung zum Schluss vermag nichts mehr zu retten, zu uninspiriert und zusammenhangslos präsentierte Reitman in den neunzig Minuten zuvor sein Konglomerat aus filmischen Versatzstücken. Der Film vermisst eine klare Linie, eine Haupthandlung, an der sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Figuren letztlich orientieren können. Viel zu oft wirkt Up in the Air dadurch weniger wie ein Geschäftsflug, denn mehrere spontane Last-Minute-Trips.

So strukturiert sich Reitmans Drehbuch um zwei unterschiedliche Aspekte - beide in Kirns Roman von geringerer Bedeutung -, die er hintereinander abhandelt. Zuerst wäre da die Wirtschaftskrise, die Massenentlassungen des Arbeitsmarktes und die Perversität, in der die nun hier Hand in Hand geht. Ist der technologische Wandel, die profession efficiency, im Film etabliert, Bingham als reisender Jobentlasser nunmehr entlastet, rückt Reitman das romantische Element in den Vordergrund, die emotionale Katharsis der Titelfigur. In Handkamerabildern, unterlegt mit Indie-Pop-Musik, an den Vorjahresfilm Rachel Getting Married von Jonathan Demme erinnend, zentriert Reitman schließlich die love story, das vermeintliche happy end. All die Arbeitslosen, die Finanzkrise, die eigene Firmenumstrukturierung, sprich: all das, was Up in the Air in der vorangegangenen Stunde ausgemacht hat oder haben soll, ist für den dritten Akt unerheblich geworden. Ansatzpunkte waren vorhanden (auch aus dem Roman, man denke nur an das frühzeitliche „Can, sir?“), verpuffen allerdings in Reitmans Adaption.

„To know me you have to fly with me“, lautet der erste Satz in Kirns Roman, den Clooney in den ersten Minuten leicht abgewandelt wiedergeben darf beziehungsweise der in seiner Vollständigkeit in einer geschnittenen Szene auftaucht (die es ruhig in den Film hätte schaffen dürfen). Für einen Film, der sich Up in the Air nennt, spielt sich das Geschehen jedoch hauptsächlich im realen Leben auf der Erdoberfläche ab. Auf Partys in Miami, in Firmengebäuden, Schulen und auf Hochzeiten. Was im Nachhinein von einem durchaus unterhaltsamen und über weite Strecken überzeugenden Roman übrig bleibt, sind die Namen von fünf Charakteren, eine Handvoll Zitate, die wahllos zwischen gestreut werden und die Rahmenhandlung eines Mannes, dessen Job darin besteht, anderen Menschen ihre Arbeitslosigkeit mitzuteilen. Aus diesen Zutaten ist es Reitman jedoch nicht gelungen, in Eigenkomposition irgendetwas Nahrhaftes zu kreieren. Insofern lässt sich Up in the Air weniger Ryan Binghams Schublade der „fast friends“ zuordnen, sondern Reitmans dritter Spielfilm ist letzten Endes ein „single-serving friend“, dem man nur zwischen Öffnen und Schließen der Vorhänge Aufmerksamkeit schenkt.

4.5/10

2. Juni 2009

Classic Scene: Burn After Reading - "Jesus fucking Christ."

DIE SZENERIE: Der CIA-Analyst Osborne Cox verliert seinen Job und schreibt anschließend an seinen Memoiren. Diese geraten über die Sekretärin des Scheidungsanwaltes seiner Frau in die Hände der Fitness-Trainer Chad Feldheimer und Linda Litzke. Als diese vergeblich versuchen, das Dokument an die Russische Botschaft zu verkaufen, wird Feldheimer bei dem Versuch weitere Informationen in Cox’ Haus ausfindig zu machen, von dem beim Schatzamt beschäftigten Harry Pfarrer, Liebhaber von Cox’ Ehefrau, erschossen. Der paranoide Pfarrer ergreift kurz darauf die Flucht, während Litzke ihren Vorgesetzten Feldheimers Aufgabe übernehmen lässt. Als Cox diesen erwischt, tötet er den Eindringling und wird anschließend selbst von einem CIA-Beobachter erschossen. Einer der Agenten, Palmer DeBakey Smith, informiert seinen Direktor, Gardner Chubb, im CIA-Hauptquartiert über die Geschehnisse.

INT. CHUBB’S OFFICE
- DAY

Gardner Chubb is behind his desk.

GARDNER CHUBB: Wait. Wait a minute.

Palmer DeBakey Smith is standing across from him. He freezes. A beat. Gardner Chubb rubs his forehead.

GARDNER CHUBB: (CONT’D) Where’s the treasury guy? Pfarrer?

PALMER: Right now?

GARDNER CHUBB: Right now.

PALMER: Um … He’s in a detention room at Washington Dulles.

GARDNER CHUBB: Why?

PALMER: He was trying to board a flight to Venezuela. We had his name on a hot list, CBP pulled him. Uh… don’t know why he was trying to go to Venezuela.

GARDNER CHUBB: You don’t know?

PALMER: No, Sir.

GARDNER CHUBB: We have no extradition with Venezuela.

PALMER: Oh. So what should we do with him?

GARDNER CHUBB: For fuck’s sake, put him on the next flight to Venezuela!

PALMER: Yes, Sir. Okay.

Gardner Chubb is weary.

GARDNER CHUBB: Okay. So the gym manager is dead?

PALMER: Yes, Sir.

GARDENER CHUBB: The body is…?

PALMER: Uh, that’s gone, Sir.

GARDENER CHUBB: Okay.

PALMER: Uh… but there was a… uh... snag...

GARDNER CHUBB: What?

PALMER: Uh. This analyst, Cox, was attacking the gym guy. It was in broad daylight, on the street. Our man there didn’t know what to do. Felt he had to step in.

GARDNER CHUBB: Yes?

PALMER: He, uh... he shot the analyst. He shot Cox.

GARDNER CHUBB: Good! Great! Is he dead?

PALMER: No sir.

Gardner Chubb grimaces.

PALMER: (CONT’D) He’s in coma. They don’t think he’s gonna make it. They don’t think… they’re pretty sure that he has no brain function.

GARDNER CHUBB: Okay. Okay. If he wakes up we’ll worry about it then. Jesus, what a clusterfuck. So that’s it then. No one else really knows anything. Okay.

PALMER: Um. Well, Sir, um… there is...

GARDNER CHUBB: What?

PALMER: Um...

GARDNER CHUBB: What?

PALMER: There is the woman. The gym woman. Linda Litzke.

GARDNER CHUBB: Oh! Fuck yeah. God. Where is she?

PALMER: We picked her up. We have her.

GARDNER CHUBB: We have her? To do what with?

PALMER: She, she, she says she’ll play ball if we pay for… um… some... I know this sounds odd, some surgeries that she wants. Cosmetic surgery. She says she’ll sit on everything.

GARDNER CHUBB: How much?

PALMER: There were several procedures. All together they run to, um…

GARDNER CHUBB: Pay it.

PALMER: Yes, Sir.

GARDNER CHUBB: Jesus. Jesus fucking Christ.

He shakes his head.

GARDNER CHUBB: (CONT’D) What did we learn, Palmer?

PALMER: I don’t know, Sir.

GARDNER CHUBB: I don’t fucking know either. I guess we learned not to do it again.

PALMER: Yes, Sir.

GARDNER CHUBB: Although I’m fucked if I know what we did.

PALMER: Yes, Sir. Hard to say.

We pull back from Gardner Chubb, shaking his head.

GARDNER CHUBB: Jesus fucking Christ.

20. April 2009

I Love You, Man [Trauzeuge gesucht!]

Slappa da bass mon!

Erste Schritte sind nicht immer die sichersten. Das ist nicht nur bei Babys der Fall, sondern auch bisweilen bei Regie-Anfängern – gerade wenn sie aus einem anderen Teil der Branche stammen. Zwar konnte Drehbuchautor John Hamburg mit Meet the Parents sowie dessen Fortsetzung Meet the Fockers zwei Filme mit relativ hoher Gagdichte hervorzaubern, doch sein Regie-Werk Along Came Polly erwies sich anschließend als eher trockenes Vergnügen. Mit I Love You, Man – in Deutschland unter dem Titel Trauzeuge gesucht! vertrieben – verbündet sich der Judd-Apatow-Zögling nun mit anderen Kollegen aus Apatows Stall. Was dabei herausgekommen ist, kann als halbe Strecke zwischen Hamburgs bisherigen Projekten erachtet werden.

Frauen sehnen sich nach einfühlsamen und ehrlichen Männern, die bereit sind, Verpflichtungen einzugehen und nach acht Monaten Beziehung bereits die Ehe anzustreben. Die das Unternehmen ihrer Verlobten weiterbringen wollen oder am Frauenabend der gesamten Runde ganz aufmerksam etwas zu Trinken zubereiten. Doch solche Männer können auch anhänglich werden, speziell dann, wenn sie keine eigenen Freunde haben. Zwar ist sich Zooey (Rashida Jones) gewiss, dass Peter (Paul Rudd) ihr nicht am Rockzipfel hängen wird, er selbst ist sich da aber nicht ganz so sicher. Ein bester Freund muss also her, der dann zugleich als Trauzeuge fungieren darf. Das einzige Problem: Peter kann nicht so wirklich gut mit Männern umgehen.

Das auffälligste Szenario, das I Love You, Man beschwört, ist die Umkehrung einiger gängiger Klischees der romantischen Komödie. Nach mehreren Verabredungen mit männlichen Kandidaten ist Peter stets unsicher, was er eigentlich am Telefon sagen soll – falls er überhaupt anruft. So verkommt es zum Running Gag, wenn er stets den Abschluss seines Satzes vermasselt und sich in kumpelhafte, umgangssprachliche Verabschiedungen zu flüchten. Was beim ersten Auftreten noch zu amüsieren weiß, wirkt jedoch bei weiteren Wiederholungen etwas redundant. Schon alleine da von Peter zu erwarten wäre, dass er fortschreitender Vertrautheit zwischen ihm und seinem Neu-Kumpel Sydney (Jason Segel) selbstsicherer auftreten würde.

Das generelle Problem von Hamburgs dritter Regearbeit ist jedoch seine Unfähigkeit, rechtzeitig auszublenden. Immer wieder lässt er Szenen länger laufen als es diesen gut tut. Sei es wenn Peter und Zooey im Auto über ihr Sexleben sprechen oder Peter seiner Verlobten seine Luftgitarren-Solos vorführt. Der Film überreizt es mit der Darstellung seiner – wenn auch oft guten – Komik, indem er sie richtiggehend zu Tode reitet. Bedauerlicherweise zieht sich jener Aspekt durch den ganzen Film hindurch bis zu seinem Finale. So muss unter dem Strich gesagt werden, dass I Love You, Man weitaus kompakter und harmonischer ausgefallen wäre, hätte man ihn durch knappere Einstellungen insgesamt um etwa zehn Minuten gekürzt.

Im Gegensatz zu Apatows Produktionen kommt Hamburgs Film zum Glück ziemlich ruhig daher. Die Gagdichte ist relativ gering, stattdessen versucht I Love You, Man sich etwas ernster anzubiedern. Wieso genau sowohl Peter als auch Sydney kaum Freunde, sowohl männliche wie weibliche, haben, versäumt der Film aber zu erläutern. Die Tatsache, dass Sydneys Clique inzwischen aus Ehemännern und Vätern besteht, lässt offen, wieso er in der Zwischenzeit nicht andere Freunde gefunden hat. Ebenso offen bleibt, weshalb Peter, selbst wenn er besser mit Frauen kann, dennoch keine wirklich intensive Freundschaft mit einer solchen hat.  So lebt der Film primär von pop-kulturellen Referenzen und seinem charmanten Ensemble.

Andy Samberg war sich nicht zu schade wie auch J.K. Simmons in einer Nebenrolle aufzutreten, während Rashida Jones durch ihre warme Art ein Gewinn für jeden Film ist. Am überzeugendsten ist I Love You, Man jedoch stets in den Szenen, die sich Paul Rudd und Jason Segel (hier in ihrer dritten Zusammenarbeit) teilen. Einen kleinen Höhepunkt stellt dann das Rush-Konzert dar, selbst wenn auch dieses wieder mehr Zeit bekommt, als für die Geschichte im Nachhinein verträglich ist. Insgesamt handelt es sich um eine solide Komödie, die zum einen aufzeigt, dass sowohl Hamburg als auch Segel zu Steigerungen fähig sind, aber auch die Tatsache offenlegt, dass Rudd (noch) nicht im Stande ist, einen Film als Hauptdarsteller alleine zu tragen.

6.5/10

4. Oktober 2008

Burn After Reading

Appearances can be... deceptive.

Jetzt sind sie wer, jetzt kennt man ihren Namen. Hatte sich das Massenpublikum zuvor noch nie groß von den Filmen der Coen Brüder Joel und Ethan beeindrucken lassen, wird jetzt fett Reibach gemacht. Denn jetzt sind sie ja Oscarpreisträger und außerdem spielen auch noch Brad Pitt und George Clooney mit, die beiden sozial engagierten, super sexy Hollywood-Stars und private best buddies. Dabei hat Clooney mit den Brüdern bereits O Brother, Where Art Thou? und Intolerable Cruelty gedreht – aber interessiert hatte sich damals kaum einer für die beiden Streifen. Und auch das mit Tom Hanks besetzte The Ladykillers-Remake war nicht gerade ein Hit an den Kinokassen. Dafür markierte in Amerika jetzt Burn After Reading den besten Start eines Coen-Films an den Kinokassen aller Zeiten – mit phänomenalen 19 Millionen Dollar Einspiel. Aber immerhin, besser als gar nichts. Sind die Coens nun en vogue? Massenkompatibel? No Country For Old Men sei Dank? Präsentierten die Brüder früher kleine und sehr feine Meisterwerke wie Fargo oder The Hudsucker Proxy, gingen diese am Bewusstsein der Bevölkerung dennoch vorbei. Da sich der Stil der Brüder nicht großartig verändert hat, zumindest in seiner Substanz, lässt sich die neugewonnene Popularität im Grunde nur durch die drei respektive vier Oscars vom Frühjahr erklären. Ironischerweise ist es mit den Coens in den letzten Jahren stets bergab gegangen, Filme wie Intolerable Cruelty oder The Ladykillers floppten nicht nur an den Kassen, sondern zu einem Großteil auch bei den Kritikern und hatten wenig von dem großartigen Humor aus ihren früheren Filmen wie The Big Lebowski vorzuweisen. Nach dem im wahrsten Sinne des Wortes staubtrockenen und endlos überschätzten No Country For Old Men bewegen sich die Brüder nunmehr wieder im humoristischen Fach der schwarzen Komödie.

Ein Spionage-Film soll Burn After Reading sein, vielleicht auch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ein CIA-Analyst namens Ozzy Cox (John Malkovich) wird wegen seines Alkoholproblems gefeuert – stattdessen will der gute Mann nun seine Memoiren schreiben, weiß jedoch nicht wie anfangen. Seine Frau Katie (Tilda Swinton) ist ohnehin genervt, vögelt lieber lieblos mit Harry Pfarrer (George Clooney), einem Vertreter des Schatzamtes. Da Katie die Scheidung von Ozzy will, zieht sie einige seiner Daten – darunter auch die Memoiren – auf CD und bringt sie ihrem Scheidungsanwalt. Dessen Sekretärin vergisst die CD in ihrem Fitness-Studio bei „Hardbodies“, wo sie in die Hände des Fitnesstrainers Chad Feldheimer (Brad Pitt) gerät. Dieser erkennt sofort, dass es sich hierbei um „highly classified shit“ handelt, und schafft es sogar die CD zu Cox zurück zu verfolgen. Ganz klar, hier dürfte eine Belohnung drin sein, denn Cox will sicher seinen „highly classified shit“ zurück haben. Hier kommt nun Chads Kollegin Linda Litzke (Frances McDormand) ins Spiel. Linda geht auf die fünfzig zu und ist mit ihrem Körper unzufrieden. Ihre Versicherung lehnt die finanzielle Übernahme ihrer gewünschten kosmetischen Operationen ab, weshalb sie in Cox’ „highly classified shit“ ihre Chance gekommen sieht. Was für die eine Seite eine Belohnung ist, stellt für die andere Erpressung dar. Der Austausch der Daten verläuft nicht nach Wunsch, denn irgendwo gerät auch noch Pfarrer in die ganze Situation hinein und ehe sich die Protagonisten versehen, haben sie ein Spiel begonnen, von dem eigentlich keiner genau weiß, worum es eigentlich geht. Wie bei den Coens nicht ungewöhnlich strikt sich die relativ simple Geschichte auf relativ komplizierten Bahnen. Die Protagonisten machen nicht viel, aber es gibt viele Protagonisten. Und wenn jeder seinen kleinen Teil beiträgt und immer wieder miteinander kollidiert, kann man schon mal den Überblick verlieren.

Ohne Frage lassen sich zwischen Burn After Reading und dem Coenschen Meisterwerk Fargo einige Parallelen herauslesen. Mehrere Parteien versuchen sich gegenseitig auszuspielen, während der red herring respektive McGuffin der Geschichte ziemlich simpel ist. Und was ein Coen-Film ist, darf auch seine typischen Muster nicht außen vor lassen. Besonders die jüdischen Namen haben es den Brüdern wieder einmal angetan und spiegeln zugleich die klassische Idiotie der Coenschen Figuren wieder. Harry Pfarrer, Linda Litzke, Chad Feldheimer – allein die Namen regen bereits zum Schmunzeln an. Doch lustige Namen und dumme Figuren ergeben noch lange kein neues Fargo. Im Gegenteil, bei ihrem Versuch Burn After Reading in dieselben Bahnen gleiten zu lassen scheitern die Brüder grandios. Zu trivial die Geschichte, zu uninspiriert der gesamte Vortrag. Was sich als „Komödie“ ankündigt ist zu einem Großteil der Laufzeit leidlich komisch, wenn überhaupt. Bezeichnenderweise manifestiert sich das gesamte Dilemma des Filmes in John Malkovichs Figur, die außer Flüchen nicht viel beizutragen hat und sich in jener Redundanz schon ziemlich schnell verliert. Ohnehin krankt das neueste Werk der Coens an den unausgearbeiteten Charakteren, deren Motivationen kaum erklärt werden. Wieso ist Pfarrer dermaßen paranoid? Hat er überhaupt einen Grund und wenn ja, welchen? Was bringt Chad dazu Linda zu helfen? Die Coens machen sich nicht viel Mühe für Erklärungen.

Stattdessen mutet der gesamte Film wie ein einziges Spaßprojekt an, von Freunden gedreht. Die Rollen für Malkovich, McDormand, Clooney und Pitt wurden den Darstellern auf den Leib geschrieben und man merkt den Stars durchaus an, dass sie Spaß an ihren Figuren hatten. Die Schrulligkeit ihrer Persönlichkeiten reicht jedoch nicht aus, um das wackelnde Gerüst der inhaltsschwachen Handlung alleine zu tragen. Dabei können die Coens durchaus in knappen Worten viel erzählen. Allein die Figur von Walter in The Big Lebowski ließ durch einen einzigen Blick von John Goodman tiefer blicken, als hier ein John Malkovich zu transferieren vermag. Das Dilemma der Coens setzt sich also fort, seit The Big Lebowski ist ein Film schlechter als der andere. Bewegten sich O Brother, Where Art Thou? und The Man Who Wasn’t There noch auf einem hohen kreativen Niveau, stellen die folgenden drei Filme der Brüder eine Degeneration dar. Und Burn After Reading ist sogar noch schlechter als No Country For Old Men, allein aufgrund der Tatsache, dass er viel zu selten lustig ist. Wenn Brad Pitt nicht wäre, hätte man im Grund gar keinen Anlass zum Lachen und in der Debilität seiner Figur geht gealterte Schönling richtig auf. Seine Hydrierungsgeiler Fitnesstrainer stiehlt allen anderen die Schau und hätte sogar eine Oscarnominierung verdient, die der Konkurrenz eines Heath-Jokers würdig ist. Auch einige andere Szenen, gerade der – extrem überhastete – Schluss sind hier zweifelsohne gelungen, können das Gesamtbild des Filmes jedoch nicht retten. Auch die inner-Coensche Referenz zu No Country For Old Men ist hier nervig, wenn auch nicht so nervig wie im einschläfernden Western der Brüder. Der Weg, den die beiden eingeschlagen haben, scheint ins Nichts zu führen, doch zumindest verspricht A Serious Man hier eine Verbesserung darzustellen. Mal keine großen Namen, vielmehr die Rückkehr zu alten Werten. Vielleicht gelingt es den Coens hier endlich mal wieder einen überzeugenden Film zu drehen – wünschenswert wäre es allemal.

6/10

20. Juli 2008

Spider-Man 2

I believe there’s a hero in all of us.

Vielleicht wurde hier noch geschnitten, dort etwas editiert. Das Marketing rollte auf jeden Fall bereits in vollen Zügen und die Stimmung scheint gut. Ein Mann setzt seinen Namen unter einen Filmvertrag, Sam Raimi erklärt sich bereit, eine Fortsetzung zu Spider-Man zu drehen. Das alles gut einen Monat, bevor Spider-Man in den Kinos anlaufen und ein triumphaler Erfolg werden sollte. Die Produzenten von Sony engagierten Alfred Gough und Miles Millar (Shanghai Noon/Knights) für das Skript. Dieses sollte drei Gegner für Spider-Man vorsehen, letztlich verblieb man dann bei Doctor Octopus als alleinigen Antagonisten. Als Spider-Man mit einem Einspiel von 115 Millionen Dollar am Startwochenende  einen neuen Rekord aufstellte, gewährte Sony für das Sequel ein Budget von 200 Millionen Dollar, eine fast 50-prozentige Anhebung. Wenige Wochen später wurde aus dem Autoren-Duo ein Trio, als David Koepp die beiden unterstützte.

Innerhalb von zwei Monaten war das erste Drehbuch fertig und Michael Chabon wurde wieder engagiert, um es umzuschreiben. Letztlich pickten Regisseur Raimi und Drehbuchautor Alvin Sargent, der bereits für den ersten Teil engagiert wurde, sich das raus, was ihnen gefiel und Sargent machte sich an die endgültige Fassung. Die Dreharbeiten begannen allerdings bereits vor der Fertigstellung des finalen Skripts. Das Projekt stand voller Tatendrang und grenzenlosem Optimismus. Ende des Jahres 2002 verletzt sich Hauptdarsteller Tobey Maguire dann während der Dreharbeiten zu Seabiscuit am Rücken. Zu verdanken hatte er dies seiner Rolle als Jockey. Kurzerhand trat Sony an Jake Gyllenhaal heran, der ehemalige Kinderschauspieler war dank Donnie Darko zum Geheimtipp der Branche aufgestiegen. Zudem war er damals mit Hauptdarstellerin Kirsten Dunst liiert und verfügte somit über die nötige Chemie.

Doch der gute Stern stand über Spider-Man 2, denn Tobey Maguire erholte sich und konnte seine Rolle wiederaufnehmen, die ihm ein Gehalt von 17 Millionen bescherte und damit in die Champions League der Hollywood-Schauspieler katapultierte. Seine Rückenprobleme wussten Raimi und die Crew dabei gezielt auf die Schippe zu nehmen und verarbeiteten Referenzen in den Film, wenn Peter Parker in einer Hommage an The Matrix von einem Dach springt mit den Worten “I’m back! I’m back”, nur um mehrere Stockwerke tief zu fallen und zu Fuß davonzuschleichen, dabei murmelnd: “My back. My back”. Ein Wortwitz, der in der deutschen Synchronisation verloren geht. Die Rekorde, die Spider-Man aufgestellt hatte, konnte seine Fortsetzung locker brechen, selbst wenn er insgesamt finanziell das Nachsehen hatte. Sowohl in Nordamerika als auch weltweit gesehen, liegt die Fortsetzung vom Einspielergebnis hinter dem ersten Teil.

Dabei wurde der Film von Fans wie Kritikern besser bewertet als sein Vorgänger. So hat er bessere Bewertungen in der IMDb, wie auch bei Rotten Tomatoes. Die Besetzung blieb dieselbe, denn da mit Doc Ock lediglich eine neue Figur hinzukam, musste auch nur diese Rolle neu besetzt werden. Waren Stars wie Robert De Niro oder Charakterdarsteller wie Chris Cooper im Gespräch, so wurde es am Ende Alfred Molina, den Raimis Ehefrau in Frida besonders überzeugend fand. Eine wahrhaft gelungene Entscheidung, denn Molina haucht seiner Figur äußerst überzeugend Leben ein und hatte – wie die Special Features zeigen – sichtlich Spaß am Set. Neben dem finanziellen Erfolg und dem nunmehr feststehenden Star-Status von Maguire und Dunst durfte sich der Film auch bei den Academy Awards im Jahr darauf feiern lassen, bei welchen er mit dem Oscar für die Besten Visuellen Effekte ausgezeichnet wurde.

Die visuellen Effekte sind stark an den Matrix-Sequels orientiert, wirkt der animierte Spider-Man oft ebenso unnatürlich wie der digitalisierte Neo. Doch dies springt einem nur zu Beginn wirklich negativ ins Auge, bald schon fügen sich die Effekte besser ein und spätestens bei der Bahn-Szene überzeugt der Film restlos. Kein Wunder, arbeitetn doch 200 Leute an ihnen und verschlangen 50 Millionen Dollar des Budgets. Hilfreich beim Spider-Man-Feeling für die Zuschauer war die Einführung der so genannten Spydercam, die unter anderem an einem Seil befestigt fünfzig Stockwerke fallend filmen konnte. Eben jene Kamerafahrten sorgen für gehörige Stimmung und lassen einen richtig teilhaben an Peter Parkers nächtlichen Ausflügen. Für die sorgen auch Raimis vielfache Remineszensen an die Comic-Serie. Besonderen Einfluss auf die Handlung hatte dabei Spider-Man No More (#50), der Raimi sogar teils eins-zu-eins beeinflusste.

Aber es findet sich auch eine Referenz zur Animations-Folge The Terrible Triumph of Dr. Octopus. Zusätzlich verwies Raimi neben The Matrix auch auf Superman und seinen eigenen The Evil Dead sowie dessen Fortsetzung The Evil Dead II. Ergänzt werden diese Szenen dann von zwei Cameos durch Evil Dead II-Mitautor Scott Spiegel und den obligatorischen Bruce Campbell. Letzterer wird im übrigen mit jedem Spider-Man-Teil amüsanter, egal ob hier als Platzanweiser in MJs Theater oder in Spider-Man 3 als liebenswürdiger und planloser Maitre d’. Wie es sich für eine ordentliche Marvel-Verfilmung gehört, darf auch der Auftritt von Schöpfer Stan Lee nicht fehlen. Zudem wartet für alle Fans von Lost, denen er bei Hulk entgangen ist, auch hier in einer kurzen Nebenrolle wieder Daniel Dae-Kim auf. Und wer weniger ein Fan von Lost, dafür aber von Death Proof ist, der darf sich dafür in gleich zwei Szenen auf Vanessa Ferlito freuen.

Ist Peter Parker im ersten Teil noch seiner Verantwortung gefolgt, so erlebt er in der Fortsetzung die Schattenseiten seines Helden-Daseins. Um sie zu schützen, hat er sich von MJ los gesagt, doch packt ihn die Eifersucht, als diese sich mit John Jameson verlobt und der arme Peter das auch noch fotografieren muss. Die Beziehung zu Harry ist ebenfalls leicht erschüttert, da dieser von Peter die Identität Spider-Mans verlangt. Auch hier kommt es zur Klimax, in derselben Szene wie der MJ-Moment. Zeit für die Universität hat Peter kaum noch, seinen Nebenjob verliert er, das Leben seiner geliebten Tante Mae (Rosemary Harris) läuft an ihm vorbei. Das Spider-Man-Dasein beansprucht Peters ganze Zeit und dies auf Kosten seines Privatlebens. Kein Wunder, beginnt Peter mit seinem Schicksal zu hadern. Schließlich sagt er sich los vom Heldentum, stattdessen beginnt er ein ganz normales Leben, in welchem er glücklich mit MJ sein kann.

Hier baut Raimi starke Referenzen zum zweiten Superman-Abenteuer ein, in welchem auch der stählerne Mann seinen „Job“ an den Nagel hing. Mit der Zeit lernt Peter jedoch die Konsequenzen von Spider-Mans Abwesenheit. Sargent wickelt seine Katharsis in einen Dialog mit Tante Mae ein, der zwar etwas gelackt daherkommt, aber praktisch notwendig ist. Die Geschichte wird vorangetrieben, Peter hat eine Entscheidung getroffen und ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Menschen brauchen Identifikationsfiguren und Helden, Peter nimmt diese Rolle ein, letztlich gewinnt er sogar noch MJ. Was kann er sich mehr wünschen? Im Abschluss der Trilogie scheint Spider-Man zu Beginn dann auf seinem Höhepunkt, mit Paraden, T-Shirts und allerlei anderem Gedöns. Wie Peter hier jedoch im zweiten Teil hadert, ist ausgesprochen gelungen von Raimi in Szene gesetzt und kongenial von Maguire in die Kamera gespielt.

Dabei präsentiert Raimi viele der Zutaten, die bereits den Vorgänger so schmackhaft machten. Verschiedene Elemente (brennendes Haus, Peter bringt Müll raus) werden direkt übernommen, allen voran das Ende. Hier tritt genau das ein, was Peter eigentlich vermeiden wollte: MJ wird vom Bösewicht entführt. Das Finale selbst, obschon nicht sonderlich actionreich, darf als gelungen angesehen werden, allein wegen Peters Demaskierung und Octavius’ Läuterung. Das hier der erste Teil grüßen lässt, hätte man durchaus vermeiden können, wenn man im ersten Teil einfach auf Gwen Stacy gesetzt hätte. Dann hätte man die Redundanz von „Mary Jane wird entführt“ vermeiden können. Spider-Man 2 überwiegt jedoch an positiven Aspekten, darunter wie immer Danny Elfmans Score. Scheinbar kam es jedoch zur Spaltung zwischen Elfman und Raimi, zumindest wurden viele Stücke von Christopher Young im Anschluss nachkomponiert.

Auch die Action weiß zu überzeugen, allen voran die zwischen Spider-Man und Doc Ock auf der Bahn. Spätestens zu diesem Zeitpunkt fallen auch nicht mehr die negativen Aspekte des digitalen Spider-Man auf. Was den zweiten Teil jedoch so gelungen macht, ist sein Humor, der den ersten Teil übertrifft. Neben der „Rücken“-Szene ist beispielsweise auch die Fahrstuhlszene ein Reißer für sich und weiß, wie der Großteil des Films, zu unterhalten. Mit seiner Fortsetzung ist Raimi somit eine merkliche Steigerung zu Spider-Man gelungen, dessen Dialoge im Vergleich zu diesem Teil weitaus gestelzter wirkten. Mit dem dritten Teil ist Raimi damit eine der gelungensten, da stimmigsten, Trilogien in der Filmgeschichte gelungen, in welcher der erste Teil mal nicht so hohe Erwartungen schuf, dass die Fortsetzungen diesen nicht gerecht werden konnten. Spider-Man 2 ist jedenfalls eine der besten Comic-Verfilmungen aller Zeiten.

9/10

8. Juni 2008

Spider-Man

With great power comes great responsibility.

In den 1960ern sollte Marvel zu seinem heutigen Ruhm aufsteigen, indem es in diesem Jahrzehnt seine berühmten und beliebten Charaktere wie den Hulk, die X-Men oder Spider-Man erschuf. Während Namor (1939) und Captain America (1941) zu den Pionieren der Marvel-Comichelden zählten, hatte Spider-Man seinen ersten Auftritt erst 1962. Seitdem hat es die von Stan Lee und Steven Ditko erschaffene Figur im Grunde zum Liebling des erfolgreichen Studios geschafft, was ihrem Charakter zu verdanken sein dürfte, der sicherlich näher an seiner Leserschaft ist als es bei anderen Superhelden der Fall. Inzwischen wird Spider-Man von Marvel selbst als Maskottchen verwendet und eine Identifikation der Firma mit der Figur ist eingetreten. Über zwei Dutzend verschiedene Serien um den Spinnenmann gibt es inzwischen, hunderte von Ausgaben beschäftigten sich in den vergangenen 46 Jahren mit den Abenteuern von Peter Parker.

Hierzu kommen noch fast zwei Dutzend TV-Animationsserien, am bekanntesten dürfte die Figur jedoch aufgrund ihrer Kino-Trilogie sein. Wurden die Neunziger praktisch von den Batman-Verfilmungen beherrscht, war es um die anderen Comichelden ruhig. Nachdem das Genre mit dem trashigen Batman & Robin gegen die Wand gefahren wurde und der Markt gesättigt schien, wagte man um das Millennium einen Neubeginn. Allen voran ist es Blade (1998) und insbesondere X-Men (2000) zu verdanken, dass die Kinoindustrie nun vom Superhelden-Genre dominiert wird. Kaum ein Jahr, in dem nicht irgendein maskierter Rächer durch die Städte streift. Dieses Jahr schaffte es Iron Man in die Kinos, folgen werden ihm noch The Incredible Hulk, Hellboy 2: The Golden Army und The Dark Knight. Für das kommende Jahr dürfen sich die Fans neben Alan Moores Watchmen auch auf Will Eisners The Spirit und X-Men Origins: Wolverine freuen.

25 Jahre lang hatte man sich an einem Spider-Man-Film versucht, ehe die Planungen in den Neunzigern ihr Endstadium erreichten. James Cameron schrieb ein Drehbuch, welches Doc Ock als Bösewicht vorsah und auf Mary Jane gänzlich verzichtete, stattdessen Flash und Gwen Stacy stärker in die Handlung einband. Cameron selbst war als Regisseur für die Verfilmung überhaupt nicht vorgesehen, stattdessen bemühte man sich im Tim Burton, Tony Scott, Roland Emmerich und David Fincher. Letzterem sagte das Drehbuch nicht zu, welches dann von David Koepp überarbeitet wurde, dessen Skript zum vierten Indiana Jones-Film für Gesprächsstoff sorgte. Koepp übernahm viele Elemente von Cameron, allerdings zur Unzufriedenheit der Macher. Zwar wird Koepp als alleiniger Autor von Spider-Man geführt, sein Skript überarbeiteten aber noch Scott Rosenberg (Con Air) und anschließend von Alvin Sargent (Ordinary People).

Sargent sollte die Dialoge etwas aufpolieren, was einem bei wie ein Witz vorkommen muss, da grade die Dialoge zu den großen Mängeln des Films zählen. Für die Hauptrollen von Peter Parker und Mary Jane Watson waren unter anderem Leonardo Di Caprio und Alicia Witt vorgesehen, doch sollte alles anders kommen. Der im Horror beheimtatete Sam Raimi, der bereits mit Darkman eine Comicverfilmung vorweisen konnte, wurde als Regisseur an Bord geholt und entschied sich nach Sichtung von The Cider House Rules für den aufstrebenden Tobey Maguire als Peter Parker. An seiner Seite wurde die recht unbekannte Kirsten Dunst gecastet und der Part von Norman Osborne, den Nicolas Cage und John Malkovich aus Zeitgründen ablehnten, wanderte zu Willem Dafoe. Für 130 Millionen Dollar entstand Spider-Man schließlich 40 Jahre nach seiner Geburt und avancierte zum ertragreichsten Film des Jahres in den USA.

Wie angesprochen liegen die Sympathien für Peter Parker wohl an seinem Charakter, ist er doch kein Milliardär (Bruce Wayne, Tony Stark) oder Erwachsener (Die Fantastischen Vier, X-Men), sondern ein Teenager und Schüler. Mit seiner Brille und seinem Interesse an  Naturwissenschaften ist er der Inbegriff eines Nerds und bedient damit ohne Frage seine Zielgruppe. Sportskanonen und Kiffer dürften kaum den Massenanteil der Comic-Leserschaft stellen, wer sich die Nerdhaftigkeit des Klientels vor Augen führen möchte, darf gerne zu der jährlichen Abhaltung von Comic Con fahren und die Fans des Franchise beobachten. Vollwaise Peter Parker (Tobey Maguire) verpasst jeden Morgen den Schulbus, in diesem will keiner neben ihm sitzen und er liebt logischerweise das Mädchen von nebenan: MJ (Kirsten Dunst). Diese geht jedoch, wie es der Zufall so will, mit dem größten Trottel der Schule aus: Football-Spieler Flash.

Paradoxerweise ist Peters einziger Freund der Milliardärssohn Harry Osborne (James Franco). Nachdem Raimi seinen Helden als Average Joe etabliert hat, kann er zu dessen Metamorphose schreiten. Ein Schulausflug wirkt sich fatal aus, nachdem Peter von einer mutierten Spinne gebissen wird. Hier bediente sich Koepp scheinbar von seinem Drehbuch zu Jurassic Park, wenn die verschiedenen Spinnengenome einen DNS-Strang komplettieren. Die Spinnengene verbinden sich also mit Parkers DNS und lassen ihn zur menschlichen Spinne verkommen oder anders gesagt (Bruce Campbells Cameo lässt grüßen): zum “amazing spider-man”. Entgegen der Comic-Reihe erzeugt Parker das Spinnennetzgewebe selbst, sprich organisch, anstatt es chemisch herzustellen. Raimi zufolge sollte dies die Glaubwürdigkeit des Charakters stärken, Fans dürfen davon halten was sie wollen. Parkers Metamorphose ist jedenfalls eingeleitet.

Raimi serviert dem Publikum seinen Helden mit einer gehörigen Portion Witz, die fast schon an die Gagdichte des dritten Teiles heranreicht. Amüsant sind vor allem Parkers erste Versuche das Spinnengewebe zu erzeugen, die zu Referenzen von Superman (“up, up and away!”) und Captain Marvel (“shazam!”) verkommen. Anschließend wird sich auch nicht lange mit der Entwicklung der Kräfte aufgehalten, der kathartische Moment von Onkel Bens Tod wirft Parker quasi ins kalte Wasser, in welchem er sich anschließend bewährt. Die Handlungsebene von Onkel Ben wird speziell im Trilogieabschluss erneut aufgegriffen, auch sein verklärtes Motto, dass mit großer Macht große Verantwortung einhergeht. Entgegen den Planungen von Maguire wird nun an einer neuen Spider-Man-Trilogie gearbeitet, mit frischen jungen Gesichtern, da Dunst und Raimi ihr Engagement von Maguires Entscheidung abhängig machten.

Während Peter Parker und im Grunde auch Harry Osborn näher durchleuchtet werden, gerät MJ etwas ins Hintertreffen. Alles was der Zuschauer erfährt, ist ihr zerrüttetes Elternhaus und ihre Leidenschaft fürs Theater. Wieso sie Gefühle für Flash und Harry entwickelt, erfährt man ebenso wenig, wie ihre endgültige Entscheidung zugunsten von Peter. Fraglich, weshalb man nicht – die Trilogie stand ja fest – im ersten Teil Gwen Stacy anstelle von MJ eingebaut hat, anstatt dies nachträglich im dritten Teil zu tun. Gerade da die Filmhandlung zu einem Großteil ohnehin auf der Ausgabe The Night Gwen Stacy Died basiert, was auch den Abschied des Charakters mit einbezogen hätte. Womöglich wollte Raimi seinen Film aber nicht mit gleich zwei traumatischen Erlebnissen für seinen Helden überfrachten. Problematisch bleibt dennoch, dass Dunst fehlbesetzt wirkt und in dem Triumvirat der Männer unterzugehen scheint.

Dass es sich bei den Superhelden um Außenseiter handelt, merkt man spätestens an den Namen Tim Burton und Danny Elfman, die jedesmal bei Projekten aufkommen (Batman, Superman, Spider-Man, X-Men). Gerade Elfman steuert gerne die Musik fürs Genre bei, stammen außer den Burton-Batman-Filmen doch auch der Soundtrack zu Spider-Man oder Hulk von ihm. Seine Töne, wenn Spider-Man sich durch die Straßen Manhattans schwingt, passen perfekt zur Figur und vermischen Sinnliches mit Übersinnlichem. Maguire geht dabei in seiner Rolle sehr gut auf, hadert jedoch mit den ernsten Momenten. Den Schultölper Peter Parker jedoch spielt er mit einer überzeugenden Leichtigkeit, die seine lange Verankerung im Filmgeschäft durch Rollen wie in The Wonder Boys oder Eerie, Indiana sicherlich zu fördern wusste. Als Peter aber einen Fehler macht, wird dies das Leben seines geliebten Onkel Ben kosten.

Die Konstellation Rache-Tod bildet in Spider-Man 3 den Startpunkt der Handlung. Zudem wird hier am Ende die Rahmenhandlung für einen neuen Antagonisten gebaut, obschon eine Internetparodie die Schwäche des Drehbuches offen zulegen scheint. Dieses hat ohnehin an vielen Punkten Probleme, die Handlung voran zu treiben, was X-Men sehr viel besser gelang (wobei dieser ebenfalls Schwächen besaß). Das gespiegelte Schizophrenie-Gespräch fand sich Ende 2002 auch in The Two Towers wieder, wobei es dort weit weniger lächerlich wirkte, als es hier bei Osborn der Fall ist. Ganz bitter ist jedoch, dass Koepp die Klimax des Finales aus Batman Forever klaut (Chase und Robin hier, MJ und Gondel mit Kindern da). Koepp scheint insgesamt kein Talent für gute Drehbücher zu haben, was seine bisherigen Arbeiten (Snake Eyes, Secret Window, War of the Worlds) bis auf wenige Ausnahmen bestätigen können.

Ein Superhelden-Film ist kein Superhelden-Film, wenn er nicht mit Actionszenen und den dazu nötigen Effekten aufwarten kann. Hier unterliegt Spider-Man derselben Schwäche wie The Matrix Reloaded, bieten beide einen Helden, der aus dem PC stammt und auch entsprechend aussieht. Wie es richtig geht, zeigte Bryan Singer zwei Jahre zuvor in X-Men, auch wenn dort mancher Effekt noch etwas unbeholfen wirkte. Wirklich negativ fällt der animierte Spider-Man zwar nicht auf, dennoch überzeugen die Effekte in Teil 2 mehr. Das Problem dürfte hier daran liegen, dass durch die Kostümierung von Maguire gänzlich nichts zu sehen ist und somit keinerlei Notwendigkeit für eine nähere Darstellung besteht (im Gegensatz zu X-Men, wo die Identitäten nicht durch Kostüme geschützt werden müssen). Die Mankos des ersten Spider-Man sind neben dem teils holprigen Drehbuch und den schwachen Dialogen somit die Action.

Die mehrfache Konfrontation des Green Goblin mit Spider-Man verliert mehr und mehr an Tempo, vor allem da eine direkte Konfrontation nicht wirklich auftritt. Gelungen ist natürlich die Tatsache, dass der Goblin Spider-Man von seinen Idealen überzeugen will, dennoch verliert die Geschichte mit jedem Aufeinandertreffen an Intensität. Die Actionszenen selbst sind dabei noch ziemlich spärlich und reichen in keinster Weise an den furiosen zweiten Teil heran. Als Origin-Story geht Spider-Man in Ordnung, da sie schwer zu inszenieren war, bedenkt man die aufwendigen Szenen durch Manhattan, die wenig bis gar keine Zentrierung von Kämpfen möglich machen. Raimi ist für seine Arbeit ein Lob auszusprechen, allgemein ist seine Trilogie durchaus gelungen. Spider-Man ist ein gutes Beispiel für einen Film mit einer gelungenen Helden-Exposition, an der sich ein Iron Man hätte orientieren können.

7.5/10

11. März 2008

Juno

You're being really immature.

„Mein Name ist Diablo Cody – naja, nicht wirklich. Aber was soll’s?“. Quizfrage: Wo würde man diese Person am ehesten antreffen? Oder anders, würde es Hollywood nicht geben, hätte es für diese Frau erfunden werden müssen. Eine Frau namens Brook Busey, die ihren Job aufgibt um ganztägig als Stripperin zu arbeiten, nur um auch das aufzugeben und sich stattdessen Telefonsex zuzuwenden, die sich selbst nach der spanischen Bezeichnung für „Teufel“ und einem Ort in Wyoming benennt, ihren Mann im Internet kennen lernt und nicht mal zwei Jahre später von ihm scheiden lässt. Während sie neben dem Strippen Artikel für Zeitungen schrieb, veröffentlichte sie mit 24 Jahren ihre Memoiren (heutzutage immer früher, bald wird man welche von 10-Jährigen lesen können).

Sie eröffnete bei Blogspot ihr eigenes Blog, Pussy Ranch, das anschließend sechs Monate von einem Hollywoodproduzenten gelesen wurde und ihr schließlich den Auftrag ein Filmdrehbuch zu schreiben bescherte. Von der Stripperin zur Oscargewinnerin – das ist der viel gerühmte American Way of Life. Nachdem sie sich bei den diesjährigen Academy Awards wohl dank des Sympathiefaktors gegenüber den besser geschriebenen Büchern von Nancy Oliver und Tamara Jenkins durchgesetzt hat, wird sie im Herbst dieses Jahres für eine Fernsehserie schreiben, mit Toni Colette in der Hauptrolle nach einer Idee des großen Steven Spielberg. Die gute Frau wird sich fortan also wohl nicht mehr auszuziehen haben, um ihr täglich Brot zu verdienen und wer schon immer mal einen Blick in den Kopf einer ehemaligen Stripperin werfen wollte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Wie so viele Autoren verarbeitet auch Miss Cody eigene Erlebnisse in ihrem Skript, als sie selbst zur Schule ging war sie Tochter einer Mittelstandsfamilie und ihre 16jährige Freundin wurde schwanger. Ein kleiner Crossover und fertig ist Juno MacGuff, hier gespielt von der talentierten Ellen Page, deren Oscarnominierung jedoch – das sei vorweg genommen – ebenso lächerlich ist, wie die der Autorin, des Regisseurs, des ganzen Filmes eigentlich. Juno ist Tochter des Mittelständlers mit dem netten Namen Mac MacGuff (J.K. Simmons) und im Besitz eines Hamburgertelefons (welches eigentlich ein Cheeseburgertelefon ist), das aus dem Besitz der Autorin selbst stammt. Der Film leitet sich selbst ein mit dem Stuhl, auf dem Juno ihre Jungfräulichkeit verlor, als sie mit ihrem besten Freund Paulie Bleeker (Michael Cera) schlief. Wie das bei ungeschütztem Sex vorkommen kann, wird Juno prompt schwanger und vertraut sich erstmal ihrer besten Freundin Leah an, ehe sie zur nächsten Abtreibungsklinik geht, um das Kind loszuwerden.

Tut sie dann aber doch nicht, wieso wird nicht klar, spielt ja auch keine Rolle, denn die restliche Spielzeit verbringt Cody damit dem Publikum einen ausgewählten Soundtrack ans Herz zu legen und nebenher irgendwas zu erzählen, was komisch sein soll. Die Komik des ganzen liegt darin, dass sie der 16jährigen Juno Worte in den Mund legt, die sie selbst wohl sagen würde, die lustig und cool sein sollen, aber es irgendwie nie sind. Was die Autorin hier betreibt ist äußerst paradox, denn einerseits erschafft sie eine Figur, die ihrem Intellekt nach und ihrer (zumindest teilweisen) Ausdrucksweise aus dem Universum von Kevin Williamson (Dawson’s Creek) stammen könnt, die jedem der es hören will – oder nicht schnell genug wegkommt – einen Vortrag darüber hält warum die Hochzeit des Rocks 1977 war und The Stooges einer der besten Bands sind.

Sie ist weder dumm, noch auf den Kopf gefallen, diese Figur Juno, scharfsinnig, ehrlich und direkt. Zugleich jedoch von einer unbeschreiblichen und für amerikanische Verhältnisse typischen Naivität, die nichts von Verhütung weiß und ihr Kind den ganzen Film hindurch als „Ding“ bezeichnet, welches sie am liebsten „wie in den guten alten Zeiten“ in einem Korb loswerden würde. Die potentielle Adoptiveltern nach dem Coolheitsschema auswählt, Graphikdesigner wären zum Beispiel angesagt (Codys Ex-Mann und Pages Vater sind Graphikdesigner). Mit ihrem Mundwerk und ihrer Art kommt sie dabei genauso gut bei dem designierten Adoptivvater (Bateman) an, wie es umgekehrt der Fall ist – Grund hierfür ist das beide Figuren praktisch identisch sind. Mark wie Juno teilen denselben Humor, hören dieselbe Musik, machen sich gegenseitig Mixtapes, haben ein Faible für Gore-Filme und wollen an sich nichts mit Kindern zu tun haben. Dies führt wiederum zu dem Paradox von Marks Ehe mit Vanessa (Jennifer Garner), die nicht verschiedener sein könnte als er. Die Frage wieso sich ein so freiheitsvernarrter Mensch wie Mark mit dem Kontrollfreak Vanessa einlässt, in dem versnobten Vorstadthaus und dem Wunsch nach Kindern, beantwortet die Autorin nicht. Ebenso wenig wie alle anderen Fragen, die das von ihr skizzierte Thema stellt. (Wem das jetzt schon zu bunt wird, dem empfehle ich die positive Kritik zum Film von Marcus).

Gerade die Szene in der Abtreibungsklinik ist eine der entscheidenden des Filmes, warum Juno aber schließlich so handelt wie sie handelt wird nicht erläutert. Man könnte wohl behaupten, dass der Film nicht wirklich ernst genommen werden will – alleine der Name von Junos Vater spricht dafür -, sondern der lediglich etwas Spaß machen will, eine kleine Indie-Komödie sein möchte die eine schwangere sechzehnjährige zeigt, die sagt was sie denkt und denkt was sie sagt. Im Cinefacts-Thread hab ich mich zu der Aussage hinreißen lassen, dem Film eine bedenkliche, gefährliche Tendenz zuzusprechen, durch seine Aussage „Schwanger! Na und?“ (O-Ton Filmverleih) ein falsches Bild von Schwangerschaft bei Minderjährigen zu vermitteln. Die Worte „bedenklich“ und „gefährlich“ sind hierbei etwas hart gewählt, wie ich im Nachhinein feststellte, nichtsdestoweniger ist es kritisch zu betrachten, wie der Film mit dem Thema Schwangerschaft umgeht.

Das hängt nicht unbedingt mit Konservativismus zusammen, denn niemand erwartet dass der Film eine Katharsis wie Knocked Up durchmacht, aber ein etwas rationalerer Umgang wäre sicher nicht zuviel verlangt gewesen. Vor allem wenn man seine Figur so frühreif zeichnet wie es Cody tut und ihr dann dümmliches Cheerleader-Geschwätz in den Mund legt. Gut möglich, dass es sich hierbei aber auch um ein reales Bild des heutigen Amerikas handelt, ein Cinefacts-User meinte zumindest man könnte nicht einmal in einem Wal-Mart Kondome kaufen, Sexualaufklärung findet anscheinend (entgegen der Darstellung in Definitely, Maybe) weder in der Schule noch zu Hause statt. Immerhin befinden sich die USA bei den Zahlen für minderjährige Mutterschaften auf einem Niveau mit Indonesien und Südafrika (55 Schwangerschaften kommen auf 1.000 Teenager).

Wird es in Juno mal ernst, dann weiß Regisseur Jason Reitman, der mit Thank You For Smoking nicht ein äußerst passables Regiedebüt hingelegt hatte – stets penetrant den Soundtrack drüber zu legen und Lieder von Kimya Dawson sowie andere Indie-Hits neben Veteranen wie Buddy Holly und The Kinks abzuspielen. Bei diesem schlecht geschriebenen Skript versucht Reitman dennoch zu retten, was noch zu retten ist und was am meisten überzeugen kann ist dann doch das Casting. Bedenkt man die Charaktere für sich genommen, sind alle sehr gut besetzt, von Bateman über Garner zu Cera, gerade bei letzterem sind speziell die Szenen mit Page sehr gelungen und wirken von allen im Film dargestellten am authentischsten.

Juno
ist so ein Film, bei dem vorausgesetzt wird, das man das Gesehen nicht hinterfragt, sich einfach von dem Charme verzaubern lässt und ohnehin alles richtig cool und dufte findet. Das dabei alle Figuren überzeichnet sind, die Dialoge konstruiert und die eigentliche Geschichte gar keine ist, eher ein Napoleon Dynamite mit einer Schwangeren, politisch unkorrekt, frisch, witzig – in einem Wort: Hollywood. Da verwundert es nicht, dass der Film alleine in den USA das zwanzigfache seiner Kosten eingespielt hat, mit vier Oscarnominierungen bedacht wurde, gerade in den Kategorien Bester Film und Beste Regie Konkurrenten wie Zodiac, David Fincher, Joe Wright und andere hinter sich gelassen hat. Juno ist dann doch nur das, was die Allgemeinheit als Feel-Good-Movie bezeichnet, auch wenn er bei näherer Betrachtung in fast allen Bereichen versagt.

4/10

29. September 2007

Vorlage vs. Film: Thank You for Smoking

Thank You for Smoking (1994)

Die Studentenverbindung Skull & Bones ist nicht unbekannt, nicht zuletzt dank des entsprechenden Spielfilms The Skulls (2000) mit Paul Walker. In der Tat ist Skull & Bones eine ausgesprochen einflussreiche Verbindung, die unter anderem US-Präsident George W. Bush und zwei seiner Vorgänger hervorgebracht hat. Zudem stellt sie weitere mächtige Wirtschaftsbosse, Journalisten und viele mehr. Einer dieser Männer ist Christopher Buckley, kein berühmter und kein berüchtigter Mann. Im Prinzip relativ unscheinbar verdient er seinen Lebensunterhalt mit dem Verfassen satirischer Romane. Aber er studierte an der Yale University, war Mitglied von Skull & Bones und später Chefredakteur des Magazins Esquire, sowie der Redenschreiber des ehemaligen Präsidenten George Bush. Größere Bekanntheit erlangte Buckley dann 1994, als sein zweiter Roman Thank You for Smoking für einige Kontroversen sorgte.

Der Held seiner Handlung ist Nick Naylor, Vizepräsident der Akademie für Tabakstudien und zugleich ihr Pressesprecher. Naylor war früher Journalist, ehe er fälschlicherweise den Tod des Präsidenten verkündete, und ist ein geborener Tatsachenverdreher oder wie er sich nennt: ein Möglichmacher. Als Sprachrohr der Tabaklobby ist er zugleich das Gesicht, das 300 Millionen Amerikaner mit Zigaretten in Verbindung bringen (und 250 Millionen von ihnen zum Hass auf ihn verleitet). Nick liebt jedoch seinen Job, schon allein deswegen, weil er ihn gut beherrscht. Und außerdem muss er auch noch seine Hypothek abbezahlen. Als Nick in einer landesweiten Talkshow einen Punktsieg für die Tabaklobby landet, avanciert er zum Liebling des Tabak-Tycoons Doak Boykin, allgemein nur „Captain“ genannt. Dies wiederum fährt Nicks Chef BR in die Parade, der eigentlich bereits seine Assistentin Jeanette auf Nicks Posten hieven wollte.

Nicks Leben gerät schließlich besonders aus den Fugen, als eine seiner vielen Morddrohungen beinahe wahr gemacht wird. Er wird von Terroristen einer Anti-Raucher-Bewegung entführt und durch Nikotinpflaster beinahe ins Jenseits befördert. Fortan genießen er und sein Arbeitgeber zwar die daraus folgende Publicity, hat aber neben Bodyguards nun auch das FBI an den Fersen. Seine Karriere gerät derweil immer mehr ins Schlingern. Was Nicks Leben dabei bestimmt, ist der Druck seiner Firma - sowie von 55 Millionen Rauchern -, der auf seinen Schultern lastet. Und seine Libido. Denn Nick muss sich auch mit mehreren Affären herumschlagen, unter anderem mit seiner potentiellen Nachfolgerin Jeanette, aber auch mit der neugierigen Lokalreporterin Heather Holloway. Da ist er schon froh, wenn ihm mal die Zeit bleibt, sich mit seinen beiden Freunden Polly und Bobby Jay zum Essen zu treffen oder seinen Chiropraktiker aufzusuchen.

Besonders zu Beginn wirken Buckleys Worte dabei oft hölzern und er verliert sich in vielen kurzen, beschreibenden Sätzen. Diese lassen ihn mitunter stümperhaft erscheinen und seine ausufernden Beschreibungen von nebencharakterlichen Hintergrundgeschichten sind etwas unnötig. Dies lässt dann allerdings in der Mitte des Buches nach und es entwickelt sich ein so lustig wie flotter Plot, dessen Herr in jeder Lage Nick ist. Buckley macht einem nichts vor, lässt den Leser an jedem Gedanken und jeder Einschätzung Nicks teilhaben. Hierbei nimmt er durch Nicks argumentative Art eine anti-lobbyistische Haltung ein, denn Nick ist sich sehr wohl bewusst, dass er immer Möglichkeiten sucht, die Wahrheit zu verdecken, dass Rauchen schädlich ist. Thank You for Smoking ist ein passabel geschriebenes, unterhaltsames Buch, wobei von einem Yale-Absolventen und Redenschreiber des US-Präsidenten mehr zu erwarten gewesen wäre.


Thank You for Smoking (2005)

If you argue correctly, you`re never wrong.

Auch wenn Planungen für mindestens ein anderes Buch bestehen, ist Thank You for Smoking der bis dato einzige verfilmte Roman von Christopher Buckley. Und es ist äußerst löblich, dass sich Regisseur und Autor Jason Reitman nicht auf die Hilfe und Unterstützung seines Vaters (Ivan Reitman, Ghostbusters) verlassen hat (im Gegensatz zu beispielsweise Sofia Coppola). Reitman, der von 1998 bis 2004 in sechs komödiantischen Kurzfilmen filmische Erfahrung gesammelt hat, adaptierte Buckleys Drehbuch zu einer kleinen, spitzfindigen Film-Satire mit einem bescheidenen Budget von lediglich sieben Millionen Dollar. Dafür konnte er viele Stars bis in die Nebenrollen gewinnen, die er alle persönlich mit einem Brief anschrieb, um ihnen nahe zubringen, weshalb gerade sie für die Rolle geeignet wären. Jede seiner ersten Wahlen hat akzeptiert.

Nick Naylor (Aaron Eckhart) ist geschiedener Vater und Pressesprecher sowie Vize-Präsident der Akademie für Tabakstudien in Washington D.C. Während er sich mit seiner politischen Nemesis, Vermonts Senator Ortolan Finisterre (William H. Macy), über Bilderwarnungen auf den Packungen von Zigaretten herumschlägt, will sein direkter Vorgesetzter, BR (J.K. Simmons), dass Nick in Hollywood dafür sorgt, dass Zigaretten wieder sexy gemacht werden - im Kino. Als wäre das noch nicht genug, versucht Nick zudem noch seinen Sohn Joey (Cameron Bright) richtig zu erziehen, seine Affäre mit der hiesigen Lokalreporterin Heather Holloway (Katie Holmes), die auch noch einen Artikel über ihn verfasst, am Laufen zu halten und lebend aus einer Geldübergabe mit dem an Lungenkrebs erkrankten Marlboro Man Lorne Lutch (Sam Elliott) heraus zu kommen.

Am meisten Aufsehen erregte Reitmans Film wohl deswegen, weil Katie Holmes’ Ehemann Tom Cruise darauf bestand, eine Nacktszene aus dem Film zu schneiden. Dabei weiß doch spätestens seit Sam Raimis The Gift jeder, wie die Brüste von Holmes aussehen. Großartig geschadet hat es dem Film scheinbar nicht und Thank You for Smoking konnte weltweit das Sechsfache seiner Kosten einspielen. Dass es nicht mehr war, lag wohl an der Einstellung, der Film sei anti-raucherfreundlich eingestellt, dabei hebt Reitman hervor, dass seine Intention durchaus neutral sei. In der Tat geht der Film sehr viel weniger als die Buchvorlage auf die nackten Zahlen ein, welche Nick gerne und in den meisten Fällen verdreht, sodass das Endbild seiner Idee entspricht. Wie er seinem Sohn Joey im Film so schön dialektisch erklärt: Wenn man richtig argumentiert, liegt man nie falsch.

Und wenn Nick etwas kann, dann reden. Dementsprechend setzt Reitman dessen Worte einem Gewehrmündungsfeuer gleich und hält den gesamten Film in einem sehr satirischen Ton, untermalt mit innovativen Schnitten und Kameraeinstellungen. Über allem strahlt dann das Zahnpastalächeln von Aaron Eckhart, der den geleckten Nick ebenso geleckt spielt. Auch die anderen Darsteller von Sam Elliott über J.K. Simmons bis hin zu Robert Duvall (Doak Boykin), Rob Lowe (Jeff Megall), David Koechner (Bobby Jay) und Maria Bello (Polly) erweisen sich als sprichwörtliches Faust-aufs-Auge. Die Figur der Jeanette wurde dagegen gestrichen und Teile ihres Charakters in die Figur von Heather Holloway eingearbeitet. Das ist an sich nicht weiter schlimm, fährt dem erzählerischen Ende der Vorlage jedoch in die Parade, weshalb das Filmende abgewandelt werden musste.

Hauptkritikpunkt der Adaption ist ihre emphatische Verschiebung der Ideale. So erhält Senator Finisterre eine ausführliche Portraitierung und nimmt mehr am Geschehen teil. Ebenso fällt die Gewichtung der Vater-Sohn-Beziehung aus. Sieht Nick im Roman Joey lediglich ein Mal, nimmt er ihn im Film sogar auf Geschäftsreisen mit und lässt ihn als sein Gewissen fungieren. Die Intention ist klar: Durch die Beziehung zu Joey soll Nick sympathischer wirken. Statt um Frauengeschichten geht es also um seinen erzieherischen Auftrag. Nur ist diese 0815-US-Familienmoral von gestern. Auch die fehlerhafte Gewichtung des Mordanschlags und dessen Hintergründe hätten dem Film mehr Zug gegeben. So ist Thank You for Smoking eine immer noch gelungene Adaption, die allerdings etwas vor sich hinplätschert und die Gewichtung auf die falschen Ideale setzt.

6.5/10