(Abbas Kiarostami)
Aus. Schluss. Vorbei. Das Jahr 2017 ist Vergangenheit und von dieser, das versuchte im Dezember nicht erst Star Wars: The Last Jedi deutlich zu machen, muss man sich lossagen, wenn man seine Zukunft gestalten will. Umso ironischer daher, dass auch das vergangene Filmjahr wieder voll von Remakes und Sequels war, die lediglich auf Vergangenem aufbau(t)en. Früher hieß es: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. In diesem Sinne wagen die Filmschaffenden also schon länger nichts mehr. Originäre Konzepte sind verpönt, darunter leidet letztlich auch die Qualität des Produktes. Immerzu derselbe Brei, im Besten Fall neu aufgekocht. Weshalb 2017 den Niedergang des Kinos weiter vorantreibt. Gute Filme waren (wieder mal) Mangelware.
Gesucht habe ich sie dennoch, weshalb der Filmkonsum im abgelaufenen Kalenderjahr mit 217 gesehenen Filmen im Nachhinein ausartete. Zu meiner eigenen Überraschung. Beinahe 30 Filme mehr als noch in 2016 (damals: 185). Dies hängt einerseits sicher mit den verstärkten Bemühungen solcher Firmen wie Netflix zusammen, die nun monatlich ihr “Netflix Original”-Konzept von Serien auf Dokumentationen und Spielfilme ausweiten (z.B. Bong Joon-hos Okja). Die Marschroute wird damit deutlich: verstärkter Heimkino-Konsum – insbesondere via iTunes. Nach den beachtlichen 30 Kinobesuchen von 2016 fand ich mich somit vergangenes Jahr lediglich 19 Mal im Lichtspielhaus wieder (inklusive zweier Pressevorführungen).
Überhaupt verzeichnete die Filmbranche ihren schlechtesten Sommer seit 2006, wie auch die Zahl der Kinobesucher gegenüber 2016 zurückgehen dürfte. Daran haben selbst geschätzte Filme zu knabbern, so hinkt Pixars jüngstes Spektakel Coco im Vergleich zu den anderen Werken des Studios hinterher. Zumindest der Popularität in der Internet Movie Database (IMDb) tat dies keinen Abbruch. Dort avancierte Coco mit einer Wertung von 8.8/10 zum beliebtesten Film des Jahres (Stand: 5. Januar 2018). Auf Rang 2 folgt Denis Villeneuves Blade Runner 2049, der zwar eine Bewertung von 8.3/10 erhielt, aber in den USA keine 100 Millionen Dollar einspielte. Den dritten Platz markiert Mel Gibsons Kriegsfilm Hacksaw Ridge mit einer 8.2/10.
Alles andere als Kassengift waren derweil die drei Spitzenreiter, die bereits im Filmstreifen oben zu erkennen sind. Wie bereits die Realverfilmungen von Alice in Wonderland und The Jungle Book konnte Disney mit seinem Beauty and the Beast erneut die Zuschauer überzeugen. Und sich mit rund 30 Millionen Dollar mehr an der Kasse knapp gegen den achten Auto-Wahnsinn The Fate of the Furious durchsetzen. Damit spielten allein die letzten beiden Teile der “Fast and Furious”-Serie mehr Geld ein als die sechs Filme davor zusammen. Pünktlich zum Jahresende 2017 überschritt Star Wars: The Last Jedi ebenso die Milliarden-Dollar-Grenze und beschließt das Triumvirat. Im Laufe des Januars 2018 dürfte er sich sogar noch auf Platz 1 vorschieben.
Ebenfalls im illustren Club der „Milliardäre“ findet sich Despicable Me 3 wieder, der über Silvester vom Podest purzelte. Die übrigen erfolgreichsten Filme drehen sich wie inzwischen üblich primär um Superhelden. So landete mit Spider-Man: Homecoming das zweite Reboot der Figur innerhalb weniger Jahre auf Rang 5, während es Marvel auch mit den Fortsetzungen Guardians of the Galaxy Vol. 2 und Thor: Ragnarok in die Top Ten schaffte. Wo DC’s Helden-Ensemble Justice League scheiterte, erhielt zumindest Patty Jenkins’ solider Wonder Woman Zutritt. Die Riege der Comic-Helden durchbricht Wu Jing mit seinem Wolf Warrior 2, während der fünfte Jack-Sparrow-Aufguss Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales die Liste abschließt.
Ein Film, den man somit vergeblich sucht, ist Transformers: The Last Knight, der über 40 Prozent weniger einspielte als sein Vorgänger. Und auch weltweit keine Begeisterungsstürme auslöste. Die Chinesen huldigten zum Beispiel lieber Wolf Warrior 2 – und hievten das Action-Spektakel praktisch im Alleingang auf Rang 6 der erfolgreichsten Filme des Jahres. Sehr patriotisch gaben sich – wie immer – auch die Finnen mit der epischen Romanadaption Tuntematon solitas [Unknown Soldier] und Isländer mit Ég man þig [I Remember You]. In Südkorea erhielt mit Taeksi Woonjunsa [A Taxi Driver] ebenfalls ein einheimischer Film den Vorzug, genauso in Polen und der Türkei mit den Fortsetzungen Listy do M. 3 respektive Recep Ivedik 5.
National ging es auch an Deutschlands Kinokassen zu, wo Bora Dağtekins Fack ju Göhte 3 die Konkurrenz abhing. Selbst wenn der Film über eine Million weniger Zuschauer anlockte als seine Vorgänger. Stark patriotisch eingefärbt waren auch die Chart-Sieger in Mexiko mit Pixars Coco rund um den Nationalfeiertag Día de Muertos sowie in Neuseeland mit Thor: Ragnarok vom (neuen) Stolz der Nation Taika Waititi. Der hatte bereits 2016 mit Hunt for the Wilderpeople die heimatliche Kino-Rangliste angeführt. Pünktlich zum Jahresende konnte sich in den USA derweil Star Wars: The Last Jedi auf den ersten Platz absetzen – und damit jenen Film in die Schranken verweisen, der ansonsten einen Großteil der restlichen Welt im Griff hatte.
Die Disney-Verfilmung Beauty and the Beast begeisterte von Lateinamerika und Ozeanien über Asien bis nach Europa. Dort landete die Geschichte über Belle und das Biest in Großbritannien, Dänemark, Italien, Norwegen und Spanien auf dem Spitzenplatz der Charts. So wie sie dies auch in Australien, Japan und Venezuela schaffte. Damit markiert letzteres Land eine Ausnahme, schien der Kontinent doch sonst zwischen zwei anderen Filmen hin- und hergerissen: Despicable Me 3 und The Fate of the Furious. Wo Argentinien, Chile und Uruguay auf der einen Seite Gru und den Minions verfallen waren, schnallten sich Bolivianer, Brasilianer und Kolumbianer lieber bei Dominic Toretto und Co. an, um mit ihnen die Welt zu retten.
Das achte Auto-Spektakel röhrte genauso in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und Südafrika auf Platz 1 der Kino-Charts sowie zudem in Israel, Bulgarien, Rumänien und Portugal. “Despicable” gaben sich abseits der drei südamerikanischen Nationen wiederum ansonsten hauptsächlich europäische Zuschauer aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Kroatien, Schweden, Slowenien und Serbien. Ganz für sich wiederum blieben Russen, Ukrainer, Tschechen und Griechen, die wohl den besonders harten Kern des Johnny-Depp-Fanclubs bilden und deshalb in ihren eigenen Kinosälen nichts über Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales kommen ließen. Individuelle Ausbrecher blieben diesmal aus.
Der größte Gewinner des Jahres 2017 ist mit Blick auf die erfolgreichsten Filme wieder mal Disney. Über sechs Milliarden Dollar spielten die Werke des Mouse House, das im Begriff ist, auch 20th Century Fox zu übernehmen, ein. Ein Monopol zeichnet sich ab, selbst wenn Vin Diesel auch nach Paul Walkers Tod erneut mit seinem Universal-Franchise die Milliarden-Dollar-Hürde nahm. Gal Gadot hielt das DCEU von Warner Bros. durch ihren überzeugenden Auftritt in Wonder Woman quasi allein am Leben und stieg zum Star auf. Jordan Peele lieferte mit seinem überschätzten Get Out für viele den Film des Jahres ab und Mel Gibson erhielt etwaigen Eskapaden zum Trotz im Frühjahr für Hacksaw Ridge sogar eine Oscarnominierung als bester Regisseur.
Ebenfalls in aller Munde war vergangenes Jahr das Wort “Peak TV”. Kaum mehr einkriegen wollten sich die Leute angesichts solcher Serien wie The Leftovers oder The Handmaiden’s Tale. Dabei stammt die beste Serie des Jahres vielmehr von David Lynch, der nach über zwei Jahrzehnten mit Twin Peaks: The Return auf brillante Weise die Grenzen des Fernsehens auslotete. Abstrakter und mystischer vermochte zuletzt nur Lost sein Publikum vor den Kopf zu stoßen. Nicht minder absurd-vergnüglich und daher lobenswert sind aber auch Nischen-Serien wie American Vandal. Lob, das sich die Videospiel-Landschaft des vergangenen Jahres leider nicht verdient, wo mich kein Titel wirklich überzeugen konnte, um ihn an dieser Stelle positiv hervorzuheben.
Dieser Raum gebührt eher den Darsteller(inne)n des Jahres. So beeindruckte mich Miles Teller in Bleed for This und amüsierte mich Fabrice Luchini in Bruno Dumonts Ma Loute [Die feine Gesellschaft], letztlich überzeugte aber Robert Pattinson sowohl in Good Time als auch in The Lost City of Z – selbst wenn es die Filme nicht vollends taten. Doppelt auffällig war auch Michalina Olszańska in Já, Olga Hepnarová und Córki dancingu [The Lure], doch ging 2017 nichts über die Leistung von Sônia Braga in Aquarius. Unverbrauchte, vielversprechende Gesichter gab es einige, wie Amiah Miller in War for the Planet of the Apes, die jedoch Ella Rumpf, die in Tiger Girl und Grave [Raw] positiv aus enttäuschenden Filmen herausstach, den Vortritt lassen muss.
Was bleibt von 2017? Die Vielzahl von “Netflix Originals” in meiner Flop-Liste spricht nicht wirklich für den Trend zum Heimkino/Streaming. Nur ist das Kino mit seinem Remake- und Sequel-Wahn auch wenig verlockend. Dort gibt es kaum verheißungsvolle Talente, so liefert ein Denis Villeneuve nach Arrival mit Blade Runner 2049 direkt den nächsten Gähner. Was für einen Darren Aronofsky mit mother! genauso gilt – vom deutschen Film gar nicht erst zu reden. Einige Stümper finden sich zum wiederholten Male in meiner Flop Ten, die wie ein paar Honorable Mentions als erster Kommentar folgt. Das vollständige Ranking aller 217 Filme kann man bei Letterboxd einsehen, es folgen nun jene zehn Titel, die mir aus 2017 (noch) am besten gefielen:
10. The Meyerowitz Stories (New and Selected) (Noah Baumbach, USA 2017): Mit subtil-nuanciertem Humor erzählt Noah Baumbach in The Meyerowitz Stories (New and Selected) in Auszügen vom schwierigen Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern. Als hätten Woody Allen und Wes Anderson zusammen ein Projekt umgesetzt, fehlt es Baumbachs (Netflix-)Film aber etwas an der Leichtigkeit seiner vergangenen Werke. Auch wenn The Meyerowitz Stories mit seinem gefälligen Ensemble überzeugen kann.
9. Song to Song (Terrence Malick, USA 2017): Terrence Malick, der letzte verbliebene Poet des Kinos, schließt mit Song to Song nach To the Wonder und Knight of Cups seine Trilogie um Liebe, Einsamkeit und die Suche nach Bestimmung ab. Mittels narrativer Fragmente, in deren Zentrum wie immer orientierungslose Figuren via elegischer Bilder eingefangen werden. Kaum ein Auteur polarisiert Publikum und Kritiker wie der Texaner. “Fuck the system. We have our own system”, tönt es passend an einer Stelle im Film.
8. Silence (Martin Scorsese, USA/MEX/RC 2016): Vom Glauben abgefallen, dass Martin Scorsese nochmals einen guten Film abliefert, trumpfte er dieses Jahr mit seinem Passions-Projekt Silence auf. Das widmet sich den Kakure Kirishitan während der Edo-Zeit Japans sowie der Untersuchung zweier Jesuiten hinsichtlich einer angeblichen Apostasie ihres Paters. Scorsese erzählt von Stärke und Schwäche religiöser Erwartung und ihrer Bedeutung für die Religion. Von der Sehnsucht nach der Sehnsucht des Glaubens.
7. Valerian and the City of a Thousand Planets (Luc Besson, F/USA/B 2017): Ebenfalls eine Art Comeback feierte Luc Besson, der mit seiner Comic-Adaption Valerian and the City of a Thousand Planets ein Sci-Fi-Abenteuer alter Schule abliefert, ohne sich dabei dankenswerter Weise mit einer Origin-Genese seiner Helden aufzuhalten. Farbenfroh und humorvoll schickt der Film seine Figuren um die hinreizende Cara Delevingne in seine narrativ überladene Genozid-Handlung, die durchweg visuelles Bombast-Kino ist.
6. Wszystkie nieprzespane noce (Michał Marczak, PL/UK 2016): Regisseur Michał Marczak inszeniert in seinem Doku-Drama Wszystkie nieprzespane noce – international als All These Sleepless Nights vertrieben – das Leben als eine Momentaufnahme. Und genauso als eine Abfolge von Momenten. Zwischen Partys, Frauen, Musik und Drogen mäandert die Hauptfigur Krzys durch Warschaus Nachtleben. Auf der Suche nach Liebe und sich selbst. “I feel like I know you”, spricht dem Zuschauer eine der Figuren aus der Seele.
5. All This Panic (Jenny Gage, USA 2016): Drei Jahre lang begleitete Jenny Gage mit ihrem Ehemann Tom Betterton für ihren Dokumentarfilm All This Panic eine Gruppe junger Mädchen in New York. Und erhielt dadurch intime Einblicke in deren Selbstfindungsphase, Alltagsfragen, Familiensituation und privaten Probleme. Zum Beispiel, was man zum ersten Schultag anziehen soll. In der Folge verliert sich das Publikum in der aufschlussreichen Welt dieser jungen sympathischen, offenherzigen und ehrlichen Frauen.
4. Aquarius (Kleber Mendonça Filho, BR 2016): In seinem jüngsten Film Aquarius kontrastiert Kleber Mendonça Filho alt und neu miteinander – und jenen Drang, Dinge zu erneuern, die dies nicht zwingend bedürfen. Sônia Braga liefert hier eine bravouröse und den Film tragende Darstellung als Brustkrebsüberlebende, die sich plötzlich in der Rolle ihrer verstorbenen Tante wiederfindet. Während eine Baufirma bestrebt ist, sie aus ihrer Wohnung zu vertreiben, um einen neuen Apartmentkomplex zu errichten.
3. Dawson City: Frozen Time (Bill Morrison, USA 2016): Im Jahr 1978 wurden über 500 verloren geglaubte Stummfilme bei Bauarbeiten in Dawson City entdeckt. Bill Morrison nutzte diese, um nicht nur die Geschichte der Stadt und ihre Rolle im legendären Goldrausch aufzuzeigen, sondern huldigt auch den verlorenen Filmen und dem Medium Stummfilm. Die harmonische Symbiose aus Archivbildern und emotionaler Musik macht Dawson City: Frozen Time zur cineastischen Zeitreise und zu einem kleinen Meisterwerk.
2. Koe no Katachi (Yamada Naoko, J 2016): Mit Gruppen-Mobbing und Jugend-Suizid behandelt Yamada Naoko in ihrer Manga-Adaption Koe no Katachi [A Silent Voice] für einen oft unbeschwerten Anime zwei sehr ernste und sozial gewichtige Themen in der japanischen Kultur. Geschickt balanciert sie dabei die tonalen Verschiebungen, sodass ihre Geschichte über Mobbing-Opfer Nishimiya und ihren Bully Ishida letztlich kein dröges Suizid-Drama wurde, sondern vielmehr ein berührend-optimistischer Film über Selbstakzeptanz.
1. Umi yori mo mada fukaku (Koreeda Hirokazu, J 2016): In Umi yori mo mada fukaku [After the Storm] erzählt Koreeda Hirokazu sowohl von Eltern-Kind-Beziehungen als auch einem Generationenkonflikt. Im Fokus stehen die aus der Spur geratenen Lebensvorstellungen seiner Protagonisten, getragen von den exzellenten Darbietungen der Hauptdarsteller Abe Hiroshi und Kiki Kirin. Koreeda-san verknüpft Elemente seiner vorangegangenen Arbeiten und liefert mit seinem herzlichen, ruhigen Drama den besten Film von 2017.
Gesucht habe ich sie dennoch, weshalb der Filmkonsum im abgelaufenen Kalenderjahr mit 217 gesehenen Filmen im Nachhinein ausartete. Zu meiner eigenen Überraschung. Beinahe 30 Filme mehr als noch in 2016 (damals: 185). Dies hängt einerseits sicher mit den verstärkten Bemühungen solcher Firmen wie Netflix zusammen, die nun monatlich ihr “Netflix Original”-Konzept von Serien auf Dokumentationen und Spielfilme ausweiten (z.B. Bong Joon-hos Okja). Die Marschroute wird damit deutlich: verstärkter Heimkino-Konsum – insbesondere via iTunes. Nach den beachtlichen 30 Kinobesuchen von 2016 fand ich mich somit vergangenes Jahr lediglich 19 Mal im Lichtspielhaus wieder (inklusive zweier Pressevorführungen).
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| Mit verstärkten Eigenproduktionen wie Netflix’ Sandy Wexler steigt der Heimkino-Trend. |
Alles andere als Kassengift waren derweil die drei Spitzenreiter, die bereits im Filmstreifen oben zu erkennen sind. Wie bereits die Realverfilmungen von Alice in Wonderland und The Jungle Book konnte Disney mit seinem Beauty and the Beast erneut die Zuschauer überzeugen. Und sich mit rund 30 Millionen Dollar mehr an der Kasse knapp gegen den achten Auto-Wahnsinn The Fate of the Furious durchsetzen. Damit spielten allein die letzten beiden Teile der “Fast and Furious”-Serie mehr Geld ein als die sechs Filme davor zusammen. Pünktlich zum Jahresende 2017 überschritt Star Wars: The Last Jedi ebenso die Milliarden-Dollar-Grenze und beschließt das Triumvirat. Im Laufe des Januars 2018 dürfte er sich sogar noch auf Platz 1 vorschieben.
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| Superheld(inn)en braucht das (Kino-)Land – scheinbar. Und Sequels sowieso. |
Ein Film, den man somit vergeblich sucht, ist Transformers: The Last Knight, der über 40 Prozent weniger einspielte als sein Vorgänger. Und auch weltweit keine Begeisterungsstürme auslöste. Die Chinesen huldigten zum Beispiel lieber Wolf Warrior 2 – und hievten das Action-Spektakel praktisch im Alleingang auf Rang 6 der erfolgreichsten Filme des Jahres. Sehr patriotisch gaben sich – wie immer – auch die Finnen mit der epischen Romanadaption Tuntematon solitas [Unknown Soldier] und Isländer mit Ég man þig [I Remember You]. In Südkorea erhielt mit Taeksi Woonjunsa [A Taxi Driver] ebenfalls ein einheimischer Film den Vorzug, genauso in Polen und der Türkei mit den Fortsetzungen Listy do M. 3 respektive Recep Ivedik 5.
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| Jahressieger der deutschen Kinocharts: Fack ju Göhte 3 mit Humor made in Germany. |
Die Disney-Verfilmung Beauty and the Beast begeisterte von Lateinamerika und Ozeanien über Asien bis nach Europa. Dort landete die Geschichte über Belle und das Biest in Großbritannien, Dänemark, Italien, Norwegen und Spanien auf dem Spitzenplatz der Charts. So wie sie dies auch in Australien, Japan und Venezuela schaffte. Damit markiert letzteres Land eine Ausnahme, schien der Kontinent doch sonst zwischen zwei anderen Filmen hin- und hergerissen: Despicable Me 3 und The Fate of the Furious. Wo Argentinien, Chile und Uruguay auf der einen Seite Gru und den Minions verfallen waren, schnallten sich Bolivianer, Brasilianer und Kolumbianer lieber bei Dominic Toretto und Co. an, um mit ihnen die Welt zu retten.
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| Beste Serie des Jahres: David Lynchs brillantes Revival Twin Peaks: The Return. |
Der größte Gewinner des Jahres 2017 ist mit Blick auf die erfolgreichsten Filme wieder mal Disney. Über sechs Milliarden Dollar spielten die Werke des Mouse House, das im Begriff ist, auch 20th Century Fox zu übernehmen, ein. Ein Monopol zeichnet sich ab, selbst wenn Vin Diesel auch nach Paul Walkers Tod erneut mit seinem Universal-Franchise die Milliarden-Dollar-Hürde nahm. Gal Gadot hielt das DCEU von Warner Bros. durch ihren überzeugenden Auftritt in Wonder Woman quasi allein am Leben und stieg zum Star auf. Jordan Peele lieferte mit seinem überschätzten Get Out für viele den Film des Jahres ab und Mel Gibson erhielt etwaigen Eskapaden zum Trotz im Frühjahr für Hacksaw Ridge sogar eine Oscarnominierung als bester Regisseur.
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| Beste Darsteller des Jahres: Robert Pattinson, Ella Rumpf, Sônia Braga. |
Dieser Raum gebührt eher den Darsteller(inne)n des Jahres. So beeindruckte mich Miles Teller in Bleed for This und amüsierte mich Fabrice Luchini in Bruno Dumonts Ma Loute [Die feine Gesellschaft], letztlich überzeugte aber Robert Pattinson sowohl in Good Time als auch in The Lost City of Z – selbst wenn es die Filme nicht vollends taten. Doppelt auffällig war auch Michalina Olszańska in Já, Olga Hepnarová und Córki dancingu [The Lure], doch ging 2017 nichts über die Leistung von Sônia Braga in Aquarius. Unverbrauchte, vielversprechende Gesichter gab es einige, wie Amiah Miller in War for the Planet of the Apes, die jedoch Ella Rumpf, die in Tiger Girl und Grave [Raw] positiv aus enttäuschenden Filmen herausstach, den Vortritt lassen muss.
Was bleibt von 2017? Die Vielzahl von “Netflix Originals” in meiner Flop-Liste spricht nicht wirklich für den Trend zum Heimkino/Streaming. Nur ist das Kino mit seinem Remake- und Sequel-Wahn auch wenig verlockend. Dort gibt es kaum verheißungsvolle Talente, so liefert ein Denis Villeneuve nach Arrival mit Blade Runner 2049 direkt den nächsten Gähner. Was für einen Darren Aronofsky mit mother! genauso gilt – vom deutschen Film gar nicht erst zu reden. Einige Stümper finden sich zum wiederholten Male in meiner Flop Ten, die wie ein paar Honorable Mentions als erster Kommentar folgt. Das vollständige Ranking aller 217 Filme kann man bei Letterboxd einsehen, es folgen nun jene zehn Titel, die mir aus 2017 (noch) am besten gefielen:
7. Valerian and the City of a Thousand Planets (Luc Besson, F/USA/B 2017): Ebenfalls eine Art Comeback feierte Luc Besson, der mit seiner Comic-Adaption Valerian and the City of a Thousand Planets ein Sci-Fi-Abenteuer alter Schule abliefert, ohne sich dabei dankenswerter Weise mit einer Origin-Genese seiner Helden aufzuhalten. Farbenfroh und humorvoll schickt der Film seine Figuren um die hinreizende Cara Delevingne in seine narrativ überladene Genozid-Handlung, die durchweg visuelles Bombast-Kino ist.
4. Aquarius (Kleber Mendonça Filho, BR 2016): In seinem jüngsten Film Aquarius kontrastiert Kleber Mendonça Filho alt und neu miteinander – und jenen Drang, Dinge zu erneuern, die dies nicht zwingend bedürfen. Sônia Braga liefert hier eine bravouröse und den Film tragende Darstellung als Brustkrebsüberlebende, die sich plötzlich in der Rolle ihrer verstorbenen Tante wiederfindet. Während eine Baufirma bestrebt ist, sie aus ihrer Wohnung zu vertreiben, um einen neuen Apartmentkomplex zu errichten.
3. Dawson City: Frozen Time (Bill Morrison, USA 2016): Im Jahr 1978 wurden über 500 verloren geglaubte Stummfilme bei Bauarbeiten in Dawson City entdeckt. Bill Morrison nutzte diese, um nicht nur die Geschichte der Stadt und ihre Rolle im legendären Goldrausch aufzuzeigen, sondern huldigt auch den verlorenen Filmen und dem Medium Stummfilm. Die harmonische Symbiose aus Archivbildern und emotionaler Musik macht Dawson City: Frozen Time zur cineastischen Zeitreise und zu einem kleinen Meisterwerk.
2. Koe no Katachi (Yamada Naoko, J 2016): Mit Gruppen-Mobbing und Jugend-Suizid behandelt Yamada Naoko in ihrer Manga-Adaption Koe no Katachi [A Silent Voice] für einen oft unbeschwerten Anime zwei sehr ernste und sozial gewichtige Themen in der japanischen Kultur. Geschickt balanciert sie dabei die tonalen Verschiebungen, sodass ihre Geschichte über Mobbing-Opfer Nishimiya und ihren Bully Ishida letztlich kein dröges Suizid-Drama wurde, sondern vielmehr ein berührend-optimistischer Film über Selbstakzeptanz.
1. Umi yori mo mada fukaku (Koreeda Hirokazu, J 2016): In Umi yori mo mada fukaku [After the Storm] erzählt Koreeda Hirokazu sowohl von Eltern-Kind-Beziehungen als auch einem Generationenkonflikt. Im Fokus stehen die aus der Spur geratenen Lebensvorstellungen seiner Protagonisten, getragen von den exzellenten Darbietungen der Hauptdarsteller Abe Hiroshi und Kiki Kirin. Koreeda-san verknüpft Elemente seiner vorangegangenen Arbeiten und liefert mit seinem herzlichen, ruhigen Drama den besten Film von 2017.















