Posts mit dem Label GoldenEye werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label GoldenEye werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

3. Mai 2008

Die Top 5: Sprünge

Might as well jump. Jump!
(Van Halen)

Bei der letzten Top-5-Auflistung letzte Mal wurde von Stürzen gesprochen, genauer gesagt von elastischen Stößen. Der Schwerpunkt lag hierbei in der Unfreiwilligkeit des Sturzes. Nunmehr soll auf Sprünge eingegangen werden, Stürze, deren Schwerpunkt auf der freiwilligen Aktion des Protagonisten liegt, der die Verlagerungsbewegung seines Körpers in vollem Bewusstsein und aus freien Stücken vollzieht (was sich für dieses Blog als Sprung qualifiziert). Rein physikalisch besteht ein Sprung aus einem Abstoß vom Boden durch einen oder beide Füße und hat oftmals zum Sinn, eine Distanz zu überbrücken, sei sie horizontal oder nach oben ausgerichtet. Hierzu kann man sich durch einen Absprung nach oben oder unten verlagern oder über eine offene Fläche hinweg springen.

Im weitesten Sinne können somit auch Sprünge gezählt werden, die durch oder mit einem unbelebten Körper geschehen, zum Beispiel einem Automobil. Auf diese Weise überbrücken Ben Affleck, Michael Clarke Duncan und Peter Stormare Armageddon (1998) einen Meteoritenabgrund. In dieselbe Kategorie zählt auch der Bussprung aus Speed (1994). Doch Sprünge mit Fahrzeugen zählen zu den Seltenheiten im Filmgeschäft, meistens finden Sprünge als eine Abwandlung des Sturzes statt, wie sie oben erläutert wurde. In ihrem Ausdruck der Freiwilligkeit verkommen viele dieser Stürze durch ihren Charakter als Sprung zu etwas Heroischem und erhalten eine dramatische Konnotation. In diese Kategorie zählt Ellen Ripleys Suizid in Alien³, wie per se viele Suizide zu Sprungstürzen zählen.

Rettender Sprung in Live Free or Die Hard (Len Wiseman, UK/USA 2007).

Ebenfalls heroischen Charakter haben die Sprünge, die von einer Opferbereitschaft zeugen, zum Beispiel in Mission to Mars (2000) oder City of Angels (1998). Ein Sprung kann für den Protagonisten allerdings auch der letzte Ausweg zur Flucht sein. Ein Rückzugsweg, mit ungewissem, jedoch meist glücklichen Ausgang. Berühmte Fluchtsprünge sind Luke Skywalkers Fall in The Empire Strikes Back (1980) oder Leeloos schicksalsträchtiger Sprung in das Taxi von Korben Dallas in Luc Bessons Sci-Fi-Trashperle The Fifth Element (1997). Ein weiterer spektakulärer Sprung ist sicherlich auch Trinitys Feuergefecht mit einem der Agenten in The Matrix Reloaded (2002), von den Wachowskis in ihrer Bullettime gedreht und sowohl zu Beginn wie am Ende des Filmes eingesetzt.

Während die Stoßstürze sehr oft als finale Klimax in einem Film eingesetzt werden, die eine endgültige Lösung eines oder des zentralen Konfliktes nach sich ziehen, sind Sprungstürze in der Regel nur ein kurzes Zwischenhoch und in den seltenen Fällen die Ausgangsbasis für das Ende der Geschichte. Mumbles Sprung in Happy Feet (2006) ist lediglich ein einziger Augenblick in der Mitte des Filmes, Major Kusanagis Sprung in Ghost in the Shell (1995) gleich zu Beginn verblasst kurz nach seinem Eintritt bereits wieder. Die nun folgende Auswahl an exzellenten Sprüngen wurden nicht nur wegen des Sprunges/Sturzes an sich, sondern auch seiner innergeschichtlichen Bedeutung und Gewichtung ausgewählt und entsprechend platziert (Spoiler sind hierbei unvermeidlich enthalten):


5. GoldenEye (Martin Campbell, UK/USA 1995): Eines der spektakulärsten Bond-Intros drehte Campbell im Brosnan-Debüt. Nachdem Bond den Piloten eines kleinmotorigen Flugzeuges aus diesem hinausbefördert hat, rast er dem abstürzenden Flugzeug mit einem Motorrad hinterher und schafft es im freien Fall dieses zu besteigen und rechtzeitig über eine Felsenwand zu lenken. Mit großartiger Überleitung zum tollen Titelsong.

4. Abre los ojos (Alejandro Amenábar, E/F/I 1997): Der verstörte César (Eduardo Noriega) kann, entstellt von einem Unfall, nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Wie sich herausstellt, ist er Kunde einer mysteriösen Firma, die ihm eine Scheinwelt vorgaukelt. Als er dies realisiert, stürzt er sich von einem Hochhausdach. Amenábars Vorlage weist weitaus mehr Qualität auf, als Cameron Crowes müdes Remake.

3. Casino Royale (Martin Campbell, UK/USA/D/CZ 2006): Campbells zweiter Bond-Streich und wieder ein Darsteller-Debüt. Eine fünfminütige Parkourszene begeistert das Publikum mit mehren fantastischen Sprüngen. Die Mehrheit von ihnen führt Parkour-Miterfinder Sébastien Foucan aus, der über Tische, durch Wandöffnungen und eigentlich überall wie ein Frosch durch die Gegend springt und Bond an seine Grenzen treibt.

2. The Game (David Fincher, USA 1997): In Finchers Psychothriller nimmt Nicolas Van Orton (Michael Douglas) an einem ominösen Spiel teil, welches zum realen Kampf um sein Leben avanciert. Am Ende entpuppt es sich als Charakterverändernder Streich. Als Van Orton dies durch den Scheinmord an seinem Bruder erfährt, stürzt er sich desillusioniert von einem Dach, nicht ahnend, dass auch dies weiterhin Teil des eigentlichen Spiels ist.

1. The Fugitive (Andrew Davis, USA 1993): Allein die Gegenüberstellung von Gerard und Kimble (Harrison Ford) in der Kanalisation ist bereits grandios inszeniert und wird schließlich von Kimbles waghalsigen Sprung in die Tiefe beendet, der ihm die Flucht beschert und einen verblüfften U.S. Marshal in Person von Tommy Lee Jones hinterlässt. Die klimatische Aufbereitung in Kombination mit dem unglaublichen Sprung verdient sich den ersten Platz.