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26. September 2013

Deadwood - Season One

I owe you a penny.

Gemeinhin gilt der Wilde Westen als Herberge für Cowboys, Prostituierte und Saloons, dazu noch des Goldrauschs und jede Menge Gesetzloser. Und an nur wenigen Orten war die gesetzlose Reputation seiner Zeit derart hoch wie in Deadwood, South Dakota. Angelockt vom Goldrausch wurde diese in heutigen Tagen rund 1.300 Einwohner umfassende Stadt 1876 im exterritorialen Siouxgebiet als Lager gegründet und war somit nicht Teil des Dakota-Territoriums. Ein Gesetz wie andernorts existierte somit in dieser Form nicht in Deadwood – was wiederum erklären mag, wieso die Geschichte der Stadt Serienschöpfer David Milch (NYPD Blue) dazu animierte, sie 2004 in einer HBO-Serie wieder auferstehen zu lassen.

Die Vorgaben könnten für eine HBO-Produktion besser nicht sein. Deadwood gibt ein abgeschlossenes Set für sich ab, das nur selten die Geschichte aus seinen zentralen Handlungsorten verlagert. Und da einer von diesen ein Bordell darstellt, ist für die obligatorische Fleischbeschau des Senders zugleich gesorgt. Mit einer Quote von 1.56 “fuck”-Äußerungen pro Minute und zahlreichen Morden ist auch dessen restliches Repertoire abgedeckt. Mit den Western von Bud Spencer und Terence Hill hat dies ebenso wenig gemein wie mit denen eines Sergio Leone. Deadwood, das zeigt sich früh, ist eine HBO-Serie durch und durch. Zwar mit keiner nennenswerten Handlung, aber rund einem Dutzend illustrer Charaktere.

In deren Mittelpunkt stehen der intrigante Al Swearengen (Ian McShane), Besitzer des Gem Saloons und Bordells sowie im Opiumhandel verstrickt, und Seth Bullock (Timothy Olyphant), ein ehemaliger U.S. Marshal, der mit seinem Geschäftspartner Sol Star (John Hawkes) eine Eisenwarenhandlung in Deadwood eröffnet. Der verdorbene Swearengen und der aufrechte Bullock geraten im Laufe der ersten Staffel mehrmals aneinander, nicht nur als es darum geht, dass Bullock und Star ihr Pachtgrundstück von Swearengen erstehen. Die übrigen Bewohner verteilen sich in etwa zwischen diese beiden Lager, vom umtriebigen Hotelbesitzer E.B. Farnum (William Sanderson) bis zum Zeitungsmann A.W. Merrick (Jeffrey Jones).

Allesamt historisch belegte Figuren, die noch durch die Gruppe von Wild Bill Hickok (Keith Carradine), Charlie Utter (Dayton Callie) und Calamity Jane (Robin Weigert) ergänzt werden. Das Ensemble komplettieren dann der Lagerarzt Doc Cochrane (Brad Dourif) und der lokale Reverend Smith (Ray McKinnon), die New Yorkerin Alma Garret (Molly Parker), deren Mann dem Goldrausch folgte und ein umkämpftes Grundstück erwarb, der zu Swearengen konkurrierende Bordellbesitzer Cy Tolliver (Powers Boothe) sowie die beiden in den jeweiligen Bordellen angestellten Huren Trixie (Paula Malcomson) und Joanie (Kim Dickens). Was Einfluss, Macht und Intrigenspiel angeht, reicht jedoch keine von ihnen an Swearengen heran.

Obschon Deadwood zwar um einen authentischen Anspruch bemüht ist – so erfährt selbst der Pockenausbruch von 1876 kurzzeitig einen Einzug in die Handlung –, ließ sich Milch viele Freiheiten bei den historischen Figuren. Charlie Utters Bruder Steve fehlt entsprechend ebenso wie die Familie von E.B. Farnum – der ohnehin weitaus tölpelhafter dargestellt wird als sein Alter Ego – und Seth Bullocks Frau wird kurzerhand zur angeheirateten Witwe seines Bruders (und seine Tochter zu deren von ihm adoptierten Sohn), damit Bullock romantisch mit Mrs. Garret gepaart werden kann. Eine Geschichtsstunde sollten Western-Interessierte folglich nicht erwarten, bei aller Anlehnung an den wirklichen Begebenheiten von 1876.

Und trotz einer Laufzeit von rund zwölf Stunden hat die Serie relativ wenig zu erzählen. So gibt es kleinere Themenpunkte wie die Ermordung von Wild Bill Hickok, der Pockenausbruch oder das Gold-Grundstück von Mrs. Garret, als roter Faden zieht sich der Willen der Einwohner um Swearengen, zum Dakota-Territorium annektiert zu werden, durch die erste Staffel. Die Klasse von Deadwood verdankt sich somit weniger dessen, was passiert, als vielmehr der darin verwickelten Protagonisten. Es handelt sich um eine Charakterserie, die ihren Figuren genug Raum zum Atmen lässt und somit selbst Rollen aus der dritten Reihe wie Swearengens verkrüppelter Putzfrau Jewel (Geri Jewell) Leben einhaucht.

Allen voran der hier grandiose Brad Dourif sowie die nicht minder beeindruckende Robin Weigert gewinnen in ihren Rollen als altruistischer Lagerarzt und versoffene Westernheldin die Sympathien des Zuschauers (und wurden verdientermaßen für einen Emmy Award nominiert), aber auch Figuren wie Dayton Callies loyaler Charlie Utter und John Hawkes’ Gutmensch Sol Star sind ein Genuss. Kaum ein Charakter erhält keine positiven Züge, selbst diejenigen, die sich am ehesten als Antagonisten qualifizieren. Und auch wenn das Bühnen- sowie das Masken- und Kostümbild den Stil von Deadwood nachzuempfinden versuchen, führt nichts daran vorbei, dass die Serie nur wegen ihrer Figuren funktioniert.

Dank seines schließenden Charakters unter manchen Subplot nimmt das Staffelfinale Sold Under Sin qualitativ eine herausragende Stellung ein, aber auch die Episoden Mister Wu und Deep Water stechen heraus. Für zwei von diesen war Davis Guggenheim (Waiting for ‘Superman’) als Regisseur verantwortlich, der neben Walter Hill – der den Piloten Deadwood inszenierte – und Alan Taylor (u.a. Game of Thrones) den prominentesten Namen hinter der Kamera darstellt. Deadwood macht so manches besser als der nicht unähnliche HBO-Kollege Rome, ist dabei oftmals ausgesprochen humorvoll geraten und durch die schillernden Figuren nur selten uninteressant. Oder anders gesagt: sehr salo(o)nfähig.

7.5/10

25. Dezember 2007

Hitman

Do you think we have time for foreplay?

Zur Massenware Hollywoods zählen neben den derzeitigen Comicverfilmungen inzwischen auch die filmischen Umsetzungen von Spielzeug, bevorzugt Videospiele. Dass Dr. Boll auf diese kein Monopol zu besitzen scheint, beweist beispielsweise Hitman. Basieren tut der Action-Reißer auf der gleichnamigen Videospielserie rund um Agent 47, die im Jahr 2000 begann. Bereits 2003 traten die Schöpfer des Spiels mit Studiobossen bezüglich einer Verfilmung in Kontakt. Vin Diesel sicherte sich damals die Rechte und wollte auch die Hauptrolle übernehmen, entschied sich aber scheinbar anders und verblieb beim Projekt nur als ausführender Produzent. Die Regie übernahm Xavier Gens, der sich dieses Jahr bereits mit dem politischen Film Frontière(s) auszeichnen durfte, das Drehbuch stammt von Skip Woods, der bereits die Grundlage zu Swordfish geliefert hatte. Da es sich bei Hitman um ein indiziertes Spiel handelt, kann man sich denken, dass es in der Handlung nicht zimperlich zugeht. Um dennoch an den Kinokassen keine Miesen zu machen, engagierte das Studio gegen den Willen von Gens den Cutter Nicolas De Toth, welcher den Film wie zuvor schon Live Free or Die Hard auf eine niedrigere Jugendfreigabe herunterschnitt.

Der glatzköpfige Agent 47 (Timothy Olyphant) trägt nicht nur einen Barcode auf seinem Hinterkopf, sondern auch eine gehörige Menge Waffen an seinem Körper. Seines Zeichens Auftragskiller soll er den russischen Präsidenten Belicoff (Ulrich Thomsen) ausschalten. Gesagt getan, doch als er in sein Hotelzimmer zurückkehrt, erhält er die Mitteilung, dass es eine Zeugin gab. 47 macht sich auf, die hübsche Nika (Olga Kurylenko) aus dem Weg zu räumen, kann jedoch selbst zuvor nur knapp einem Attentat eines anderen Agenten ausweichen. Wie sich herausstellt, existiert ein Doppelgänger von Belicoff und da 47 und Olga die einzigen sind, die darüber Bescheid wissen, werden sie fortan nicht nur von anderen Agenten, sondern auch dem russischen Geheimdienst gejagt. Währenddessen ist Interpol Agent Michael Whittier (Dougray Scott) Agent 47 auf der Spur, wird in seinen Ermittlungen jedoch durchgehend vom FSB-Leiter Marklov (Robert Knepper) behindert. Für alle Parteien scheinen ihre Richtungen auf einen gemeinsamen Nenner raus zu laufen, welcher sie am Ende alle zusammenführen soll: ein weiteres Attentat auf Belicoff.

Das Hitman geschnitten ist, will man ihm zuerst nicht einmal anmerken, auch wenn natürlich manche Szene nicht so blutig sind, wie man erwarten könnte. Ob nun Kopfschüsse gezeigt werden oder nicht, tut letztendlich der Handlung keinen Abbruch und wenn man mit dem Computerspiel per se nicht vertraut ist, wird man auch nicht großartig etwas vermissen. Mut zur Selbstironie beweist Gens wenn er Agent 47 in einer Fluchtsequenz in ein Hotelzimmer stürzen lässt, in welchem gerade zwei Kinder dabei sind selbst die Hitman-Serie zu spielen. Auch sonst nimmt sich der Film nicht immer allzu ernst und weiß den negativen Eindruck des Trailers etwas weg zu wischen. Dem Konzept des Ballerspiels einen politischen Unterton zu geben, hilft im Gegensatz zu der anderen Spieleadaption Transformers eine gewisse glaubhafte Handlung zu etablieren. Bedauerlicherweise bleiben jedoch viele Dinge im Unklaren und werden im Laufe des Filmes auch nicht aufgeklärt (zumindest nicht in diesem Teil). Was genau sind die Agenten, woher kommen sie, für wen arbeiten sie, wie funktionieren sie? Diese Fragen werden nicht beantwortet, finden leider auch kaum Berücksichtigung. Dass dieses Wissen vorausgesetzt wird oder der Film lediglich für die Fans der Spielereihe konzipiert wurde ist dabei nicht sonderlich wahrscheinlich.

Gut möglich, dass die Antworten hierauf erst in einer Fortsetzung gegeben werden sollen, wobei man sich mit diesem Schachzug, sowie mit der gekürzten Fassung, bei den Fans und dem daraus resultierenden Einspiel keinen Gefallen gemacht haben dürfte. Am Ende hat man einen Film gesehen über einen Mann, dessen Herkunft unklar ist, genauso wie seine Motivation oder die Organisation für die er arbeitet. Ebenso wenig weiß man, wer der Belicoff-Doppelgänger und was seine Motivation und die seiner Komplizen gewesen ist. Dass der Film an diesen Fragen nicht gänzlich scheitert ist wohl der Regie von Gens zu verdanken, dem es gelingt trotz alledem eine für das Publikum interessante Geschichte zu erzählen, auch wenn deren Ende zu Beginn des Filmes vorweg genommen wird.

Obschon Vin Diesel für die Rolle wie maßgeschneidert schien, verleiht ihr Olyphant wohl einen menschlicheren Charakter, als es Diesel je gekonnt hätte. Zudem stimmt die Chemie zwischen ihm und Kurylenko. Die meisten anderen Darsteller spielen dagegen zumeist etwas steif, allen voran Dougray Scott, der sich den ganzen Film über nicht entscheiden kann, ob er seine Zigaretten nun anstecken soll oder nicht. Spielen die Darsteller nicht gerade steif, so betreiben sie oftmals overacting. Dennoch ist Hitman ein durchaus akzeptabler Actioner, der sich klar über andere Vertreter diesen Jahres wie Shoot ’Em Up oder Death Sentence heben kann, da seine Inszenierung trotz der inhaltlichen Fragen zu gefallen und zu unterhalten weiß. Dies liegt zu einem Großteil an der scharfen – hierbei handelt es sich um das passende Wort – Olga Kurylenko, neben der alles verblasst. Ein durchschnittlicher Action Film erhält daher von mir noch anderthalb Bonuspunkte, sowohl für die Kurylenko, als auch für den großartigen Henry Ian Cusick und dass sie Justice gespielt haben.

7/10