15. September 2007

Paris, je t’aime

In pretending to be a man in love, he became a man in love.

Letztes Jahr gab es ein Filmprojekt der etwas größeren Sorte. In dem Episodenfilm Paris, je t’aime sollten die zwanzig Stadtteile (arrondissements) von Paris in entsprechende zwanzig Kurzfilme von fünf Minuten Länge mit der Thematik „Liebe“ eingebunden werden. Für jeden der Kurzfilme sollte ein anderer Regisseur verantwortlich sein. Einer der ersten Kurzfilme, die hierbei entstanden, war Tom Tykwer’s Beitrag Fabourg Saint-Denis mit Natalie Portman. Dieser wurde verschiedenen Regisseuren gezeigt, um ihnen ein Verständnis für das Projekt zu vermitteln, die Coen-Brüder stießen nach Sehen von Tykwer’s Film zu dem Großprojekt beispielsweise hinzu. Neben Joel und Ethan Coen, sowie Tom Tykwer, ließen sich auch noch andere renommierte Regisseure wie Walter Salles, Alfonso Cuaròn, Gus Van Sant, Wes Craven oder Alexander Payne zu dem Projekt dazu. Und auch die Schauspieler ließen sich nicht lumpen und so lassen sich neben Natalie Portman auch Steve Buscemi, Juliette Binoche, Willem Dafoe, Maggie Gyllenhaal, Catalina Sandino Moreno und viele andere in den Segmenten bewundern.

Die Liebe ist also die große Thematik und gewählt nach dem Motto, dass ja eben Paris die Stadt der Liebe sei. Daher drehen sich die Geschichte auch hauptsächlich um die Liebe, bzw. den Akt des Verliebens, sei dies in eine Frau, einen Mann oder eben in die Stadt Paris. Dabei haben die jeweiligen Geschichten selbst relativ wenig mit der Stadt Paris zu tun und ließen sich problemlos auf eine andere Stadt wie Kiew oder Mannheim übertragen, wenn man davon absieht, dass sie in einem der jeweiligen Stadtteile eingeordnet sind. Manche Regisseure wie die Coen-Brüder bleiben in ihrem Segment Tuileries einfach in einer U-Bahn-Station, während sich Ben Gazarra und Gena Rowlands in Gerard Depardieu’s Segment Quartier Latin in einem Café aufhalten. Hier trifft sich ein weiterer Kritikpunkt, denn es wäre wahrscheinlich besser gewesen, für dieses Projekt Regisseure zu wählen, die entweder aus Paris stammen, dort leben oder zumindest einmal eine längere Zeit dort verbracht haben. Schwer vorstellbar, dass zum Beispiel ein chinesischer Regisseur einen Kurzfilm in und über Berlin-Neukölnn dreht, wenn er selbst noch nie dort gewesen ist.

Manche der Segmente sind folglich von ihrer Handlung her nicht besonders großartig, aber passabel, bieten den Regisseuren zumindest Spielraum für ihr Handwerk. So hat zum Beispiel Alfonso Cuaròn mit Parc Monceau eine durchschnittliche Kurzgeschichte erzählt, diese jedoch in einer einzigen fortlaufenden Kameraeinstellung auf die Leinwand transportieren können. Auch Christopher Doyle schafft es mit Porte de Choisy ein schönes visuelles Erlebnis zu zaubern, wenngleich die Handlung seiner Geschichte die langweiligste von allen darstellt. Das Konzept des Filmes scheint aber aufgegangen zu sein, ist immerhin sozusagen eine Fortsetzung, bzw. ein Pendant zu diesem französischen Projekt geplant. Dieses soll im nächsten Jahr in die Kinos kommen und wird (mir unverständlicherweise) New York, je t’aime heißen. Bisher sind dafür unter anderem Park Chan-wook, Yvan Attal, Mira Nair, Fatih Akin und Zach Braff eingeplant, wobei hier wieder derselbe Kritikpunkt wie oben bereits erwähnt aufzuführen ist, denn was beispielsweise Fatih Akin von Queens, Harlem oder der Bronx weiß, ist mir nicht schlüssig.

Dennoch gelingt es Paris, je t’aime mitunter sehr nette und teilweise richtig ans Herz gehende Geschichten zu erzählen, gelegentlich auch mit tollen Kameraspielen, Einstellungen oder Farbelementen. Die Bewertung des Filmes erschließt sich aus der Bewertung jedes einzelnen Segmentes, wobei vier von ihnen die volle Punktzahl bekommen. Zu meinen Favoriten gehören Gurinder Chadha’s Quais de Seine, das von einer Zuneigung zwischen christlicher und islamischer Kultur erzählt, dazu Sylvain Chomet’s Tour Eiffel, eine sehr verspielte Geschichte eines Pantomimen auf der Suche nach der Liebe. Besonders nett geraten ist auch Isabel Coixet’s Beitrag Bastille über einen Mann, der sich wieder in seine Frau verliebt, als diese im Sterben liegt und den fraglos amüsantesten Beitrag liefern die Coen-Brüder mit Tuileries, in welchem Steve Buscemi als Tourist den Fehler macht, einem französischen Pärchen mit Augenkontakt zu begegnen. Gelungen fand ich auch Alexander Payne’s Beitrag des 14° Arrondissement, welches ganz seine ihm typische Handschrift trägt und den Abschluss unter dieses Filmprojekt bildet. Zwei Segmente und somit zwei Stadtteile fehlen im fertigen Film, da diese scheinbar nicht in das Gesamtkonzept gepasst haben – ebenjenes Gesamtkonzept kann sich jedoch, trotz der angesprochenen Kritikpunkte, sehen lassen.

7.5/10

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