31. Oktober 2007

Chasing Amy

Fuck Lando Calrissian! Uncle-Tom nigger!

Von all seinen Filmen ist Chasing Amy nicht nur mein persönlicher Lieblingsfilm, sondern auch Kevin Smiths ehrlichster, authentischster und ernstester Film. Er markiert seinen dritten Film nach Clerks und Mallrats und ist Bestandteil seiner View Askewniverse Reihe, welche in New Jersey spielt und auf sich untereinander verweist. Mit liebevollen Referenzen zu Butch Cassidy & Sundance Kid, Jaws, The Catcher in the Rye oder wie meistens Star Wars gespeist, erzählt Smith eine Geschichte, die er für seine Freunde Ben Affleck, Jason Lee und seine damalige Freundin Joey Lauren Adams (alle schon Teil von Mallrats) geschrieben hatte. Mit dieser Idee, seine Freunde in den Hauptrollen zu besetzen, war Miramax wenig begeistert und wollte lieber bekanntere Gesichter wie Jon Stewart, David Schwimmer und Drew Barrymore casten. Smith begehrte jedoch auf und schlug Miramax vor, den Film selbst zu finanzieren und bei Interesse dann an sie zu verkaufen – am Ende kam er dann mit 1/24 des Mallrats-Budgets nach Hause. Dies bildet eine sehr unterhaltsame Anekdote in Smiths Q&A-DVD An Evening With Kevin Smith. Chasing Amy wurde also für 250.000 Dollar produziert und mit Kevin Smiths Wunschbesetzung verfilmt.

Holden McNeil (Ben Affleck) und Banky Edwards (Jason Lee) sind Zeichner für den Bluntman & Chronic Comic und lernen auf einer ComicCon durch ihren Bekannten, den schwulen Malcom-X-Verschnitt Hooper (Dwight Ewell), die Comicautorin Alyssa Jones (Joey Lauren Adams) kennen. Wenige Tage später lädt Alyssa Holden und Banky in einen Club ein, wo sie auf die Bühne gebeten wird um ein Lied anzustimmen. Es handelt sich um eine Liebeserklärung und Holden fühlt sich sichtlich geschmeichelt, während sich eine kurzhaarige Blondine neben ihn drängt. Als Alyssa fertig gesungen hat will Holden sie geradewegs in seinen Armen empfangen, als Alyssa eine wilde Knutscherei mit ebenjener kurzhaarigen Blondine beginnt! Nun wird auch Banky allmählich klar, dass sich die beiden in einer Lesben-Bar befinden. Nachdem er den anfänglichen Schock überwunden hat beginnt Holden eine intensive Freundschaft mit Alyssa, bis das unweigerliche kommen muss: beide verlieben sich ineinander. Als sie tatsächlich eine Beziehung eingehen muss Holden sich nicht nur mit der Eifersucht seines besten Kumpels Banky auseinander setzen, sondern auch mit Alyssas Vergangenheit.

Kevin Smiths ganz persönlicher Science-Fiction Film, denn jede homosexuelle Frau würde sagen, dass dies niemals passieren wird, beeindruckt durch seinen ernsten und stringenten Ton, nicht unterbrochen von irgendwelchen zottigen Einschüben. Er weiß sich sogar selber auf die Schippe zu nehmen, wenn er Holden in einer Szene sagen lässt, dass er sich eigentlich zu höherem berufen fühlt und einen Comic zu schreiben nicht zu seinen Träumen gezählt hat. Aber er wisse auch, dass Schwanz- und Furz-Witze eben für seinen Unterhalt sorgen, selbst wenn er nicht für seine Arbeit an Bluntman & Chronic in Erinnerung behalten werden will. Smiths Fans, besonders die Nordamerikanischen, lieben seinen primitiven Humor, welcher sich um Sex, Schwänze und derlei mehr dreht, Mallrats selbst ist durchzogen von diesem Humor und auch in Dogma und Jay & Silent Bob Strike Back findet dieser wieder Einzug. In Chasing Amy jedoch beschäftigt sich Smith mit der Liebe und zwar auf eine sehr ernste Weise, zumindest unter dem Deckmantel von diskriminierenden Beleidigungen seitens Banky. Holden verliebt sich in die lesbische Alyssa und kann seine Gefühle zu einem Zeitpunkt nicht mehr zurückhalten. Er spürt, dass Alyssa ähnliche Gefühle für ihn hat, sieht jedoch nicht das Problem, vor welches er Alyssa stellt und dass sie ihm auch offenbart: für Holden würde sich in einer Beziehung nichts ändern, doch Alyssa muss ihre ganze Persönlichkeit hinterfragen und so hat sie auch mit den Reaktionen ihrer lesbischen Freundinnen hinterher zu kämpfen.

Banky betrachtet Holdens Gefühle für Alyssa als Eingreif in sein Terrain, sah er Holden und sich doch als eine Art dynamisches Duo. Es stört Banky jedoch die zweite Geige zu sein und für seine Arbeit – die Linien von Holden nachzuzeichnen – nicht die gebührende Anerkennung zu erfahren. Mit Alyssas Auftreten gerät Banky immer mehr ins Hintertreffen, Holden verbringt weniger Zeit mit ihm, als mit seiner neuen Freundin. Seine scheinbar homophobe Art wird im Laufe des Films mehrfach thematisiert und Banky ist sicherlich die männliche Figur in Smiths Handlung, wenn er Alyssa beispielsweise fragt, ob sie, da sie ja auf Frauen steht, den ganzen Tag nackt vorm Spiegel verbringt. Aus dieser Dreiecksgeschichte kristallisiert sich ein – für Smithverhältnisse – hochdramatisches Finale heraus, welches eine andere Wendung nimmt, wie in allen anderen Smith Filmen. Sein inszenatorisches Talent ist dabei auf das einfachste konzentriert und Smith erklärt auch selber im Audiokommentar und im Zuge seiner Evening-DVD dass dies das beste ist, was man von ihm erwarten kann – alles natürlich immer mit einem Augenzwinkern. Die Ernsthaftigkeit des Filmes wird zudem auch von seiner musikalischen Unterstützung bekräftigt, welche wie vieles andere untypisch für einen klassischen Smith-Film ist (auch wenn Jay & Silent Bob ihren obligatorischen Auftritt haben). In Kurzauftritten sind nicht nur Produzent Scott Mosier, sondern auch Ben Afflecks Bruder Casey, Clerks-Star Brian O’Halloran und Matt Damon zu bewundern.

Wie erwähnt beinhaltet Chasing Amy wie immer bei Smith Verweise und Diskussionen zu Star Wars und bietet nicht nur durch Hooper eine schöne Referenz zu Smiths Lieblingsfilm Jaws, sondern auch durch eine unterhaltsam-übernommene Szene, welche wie Smith im AK erwähnt alle Zuschauer unter 17 an Lethal Weapon 3 und alle anderen drüber richtigerweise an Jaws erinnern wird. Sehr gelungen ist auch ein Seitenhieb von Jason Mewes auf sich selbst, wenn er den Ausruf „Snoochie-Boochie“ als Kindersprache verklärt. Neben dem Film lässt sich auf der Criterion Edition der DVD auch Smiths Audiokommentar bewundern, welcher durch Jason Mewes, Scott Mosier, Ben Affleck und andere ergänz wird, was zur Folge hat, dass weniger über den Film per se gesprochen wird, sondern Smith dieses Medium zu seinem Affleck-bashing benutzt, bzw. vice versa. Dieser Schlagabtausch wird auch in den Intros zu einigen geschnittenen Szenen fortgesetzt, welche zumeist wegen ihrer Länge oder – wie Smith es ausdrückt – wegen Afflecks „zu gutem Spiel“ aus dem Film entfernt wurden. Für Fans von Kevin Smith ist Chasing Amy auf alle Fälle eine Pflicht-DVD im Regal (auch wenn Smith selber zur damaligen Zeit die Laserdiscs vorzog) und toppt für mich persönlich alle seine anderen Werke um ein kleines bisschen, weshalb er mein erklärter Lieblingsfilm von ihm ist und immer wieder gerne gesehen wird.

9/10

Kommentare:

  1. Mal unabhängig davon, dass ich Smith überhaupt nicht leiden kann, halte ich CHASING AMY für einen der homphobsten Filme der 90er. Unfassbar, dass uns Smith hier mit ach so frechem und liebenswerten Witz die uralte Heterophantasie verkaufen will, dass jede Lesbe ja eh nur den richtigen Mann benötigt, um auf den rechten Pfad zu gelangen. Dass man sich als Homofrau dann auch noch ausgerechnet Ben Affleck wegen für Männer entscheidet, ist an unfreiwlliger Komik fast nicht mehr zu überbieten.

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  2. LOL, hach Rajko, ich schrieb ja, dass es eigentlich ein Science-Fiction Film ist ;)

    Zudem ist Affleck ´ne coole Sau...

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  3. ich fürchte da is mir bis jetz ein wirklich starker film entgangen. Aber nach dem Bericht, muss ich mir den unbedingt mal angucken.
    btw: ben afleck is doch wirklich cool.

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  4. Dass Affleck cool ist, bezog sich auf den Menschen und nicht auf den Schauspieler. Ich will hier solchen Murks wie Bounce, Daredevil, Surviving Christmas, Reindeer Games (eigentlich so ziemlich alles *g*) nicht verteidigen. Vielleicht liegt sein Talent doch eher im Regie-führen, wobei, Rumor has it, dass ihm nur 1 Stimme gefehlt hat und er wäre für Chasing Amy von der Academy nominiert worden... :D

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  5. Hallo, also ich glaube ich werde mir das auch mal ansehen, ist schon ganz cool welche guten Filme ich im Netz finde, aber nie geguckt habe. Ich finde Ben Affleck jetzt nicht umedingt gut als Schauspieler und noch nicht mal als Person, aber man kann sich ja eines besseren Beleren lassen!
    Gruß Laura

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  6. Hi. Hier kommt es auch nicht so sehr auf Affleck an, sondern auf das typische Smith-Flair.
    Grüße zurück!

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