12. September 2008

Dance of the Dead

But I don't know how to shoot a machete

Zombies. Sie gehören zu den liebsten übernatürlichen Gegenspielern im Horrorgenre und bei Wikipedia finden sich problemlos über dreihundert Filme, die sich mit ihnen beschäftigen. Als Urvater wird dabei gerne George A. Romero gesehen, der den Zombie, wie er in den letzten Jahrzehnten in Filmen auftrat durch seinen 1968 erschienenen Night of the Living Dead etablier hatte. Dabei finden sich Zombies schon weitaus länger im popkulturellen Bereich, so zum Beispiel in Plan 9 From Outer Space von Edward D. Wood Jr. oder in Werken von H.P. Lovecraft. Dass Zombies nicht nur zum Gruseln, sondern auch zum Lachen anregen können, beweisen dabei Komödien wie Fido oder Edgar Wrights Shaun of the Dead. Lange vor den beiden entstand in Ende der Neunziger die Drehbuchfassung zu Dance of the Dead von Gregg Bishop. Fast zehn Jahre lang konnte dieser den Film nun nicht umsetzen, ehe er dieses Jahr endlich auf Festivals zu sehen ist. Mit größtenteils Laiendarstellern aus der Umgebung drehte Bishop seine kleine aber feine Independent-Produktion, die sich vor einem Shaun of the Dead keinesfalls zu verstecken braucht. Mit ungemein viel Selbstironie und Lockerheit gelingt es Bishop stattdessen sein Publikum im Sturm zu nehmen, was neben dem überaus pointierten Drehbuch vor allem seinem sehr stimmig zusammengestellten Ensemble zu schulden ist.

Es naht der Abschlussball an der Coosa High School und wie das mit High School Filmen so ist, stellt der Abschlussball das größte bisherige Ereignis im Leben der Teenager dar. Und Dance of the Dead beginnt auch wie ein klassischer High School Film, präsentiert er doch all die Klischeehaften Figuren, die in ihr beheimatet sind. Zumindest fast alle. Da gibt es das Cheerleader Gwen (Carissa Capobianco) und den Nerd Steven (Chandler Darby), der auf sie steht. Es gibt mit Lindsey (Greyson Chadwick) den Kontrollfreak, der amüsanterweise mit Jimmy (Jared Kusnitz) liiert ist, einem notorischen Spaßmacher. Für Jimmy ist alles ein Witz, auch seine Beziehung zu Lindsey scheint er nicht sonderlich Ernst zu nehmen, ehe diese ihn für den Abschlussball sitzen lässt. Die Schule verfügt neben einem Sportlehrer mit Autoritätssucht (Mark Oliver) auch über die Geek-Gruppe des Sci-Fi-Clubs unter Leitung ihres Präsidenten Jules (Randy McDowell) oder den Schulrowdy Kyle (Justin Welborn), der mit jedem anderen Schüler schon mal schmerzliche Bekanntschaft gemacht hat. Kiffende Rockmusiker dürfen hier ebenso wenig fehlen wie terrorisierende Lehrer – nur einer fehlt: der Sportler. Ja, wo ist eigentlich der Sportler in Dance of the Dead? Dabei hätte er sich so gut eingefügt in das Geschehen, ein Charakter von muskulöser Statur, der sich als beliebtes Opfer oder in anderem Fall als Feigling hätte herausstellen können. Man vermisst ihn dann doch in diesem Potpourri der klassischsten Figuren, aber der Film funktioniert auch ohne ihn. Und als die Untoten anfangen aus ihren Gräber zu springen sind sie sowieso alle gleich, die Schülerinnen und Schüler der Coosa High School.

Bishop versucht seinen Film zu keinem Zeitpunkt zu verschleiern, das Budget merkt man ihm von seiner ersten Einstellung auf dem Friedhof direkt an. Es ist jedoch auch fraglos jener Independent-Status, der Dance of the Dead so gelungen macht und ihm jene Atmosphäre verleiht, die den Film ebenfalls zu diesem frühen Zeitpunkt bereits auf die Siegesspur verhilft. Auf sehr charmante Weise werden nicht nur die Zombies direkt in das Geschehen eingeführt, sondern sogar noch ein Auslöser für ihre Entstehung geliefert. Im Hintergrund sieht man ein riesiges Atomkraftwerk, welches ein Motiv für eine Fortsetzung bilden könnte, die jedoch weitaus schwieriger zu inszenieren wäre, als dieser Teil. Nachdem Bishop klar gemacht hat, dass die Zombies anwesend sind, wendet er sich dem konventionellen Stilmittel des High School Films zu. Nach und nach stellt er seine jeweiligen Figuren vor, in ihrer natürlichen Umgebung und ihrem Hauptcharakteristikum. Die Figuren sind nunmehr vorgestellt, haben eine Persönlichkeit bekommen und zugleich ihren Platz im Herzen des Zuschauer gefunden. Doch Bishop beschränkt sich hier nicht auf die bloße Exposition für die späteren dramatischen Ereignisse, sondern er hält seinen Film bereits hier mit seinem Humor als Leim zusammen. Im Zentrum steht dabei natürlich passenderweise der Schulclown Jimmy.

Wenn die Kacke erstmal am Dampfen ist, beschreitet der Film weitestgehend die vorgeschriebenen Wege. Da die meisten Menschen auf dem Schulball sein werden, dürften sich auch alle Zombies dort versammeln. Diese müssen aufgehalten werden und die Gruppe der Überlebenden beginnt ihre Mission. Hierbei zelebriert Bishop den Weg als Ziel, den er für seine jungen Schauspieler als coming-of-age-Story vorbereitet. Wenn sich Schulnerd und Schulrowdy gemeinsam verbarrikadieren und darüber hinwegsehen, dass der eine dem anderen einst den Arm gebrochen hat, da man froh ist, jetzt so jemand in den eigenen Reihen zu haben, darf das als gelungene Transformation angesehen werden. Wenn jener Schulrowdy nachher in den sauren Apfel beißen muss und im Angesicht seines Todes all seine Hänseleien bereut, ist das nur der konsequente Weg. Alles weiterhin nach Richtlinie Bishops. Die Figuren wachsen unter diesen dramatischen Zuständen, sie reifen und überwinden ihre Probleme und Konflikte. Doch Bishop verliert zu keinem Zeitpunkt die übergeordnete Komik aus den Augen und sei es nur ein Einzeiler oder eine bloße Bewegung. Der Humor steht in Dance of the Dead über allem und findet sich beinahe ausnahmslos in jeder Szene, verdankt sich dabei der schrägen Zusammenstellung der einzelnen Charaktere. Dass es dem Regisseur gelingt, hier jenen plumpen amerikanischen Humor aus American Pie und Konsorten zu umgehauen und stattdessen in die Richtung von Serien wie The Big Bang Theory einschlägt, weiß die Zombie-Zote auf ein überdurchschnittliches Niveau zu heben.

Neben seinen vielen liebenswerten Figuren und erstaunlich einfallsreichen Ideen weiß Bishops Film jedoch auch durch einen sehr stimmigen Soundtrack zu gefallen, ebenso wie durch seine rar gesäten Goreeffekte. Diese befinden sich natürlich auf niedrigem Niveau, was es ihnen jedoch umso leichter macht sich in den Kontext des übrigen Geschehens einzuordnen. Aber Dance of the Dead könnte nicht funktionieren, wenn der großartige Humor nicht wäre, der gerade durch seine absurden Züge (Vizepräsidentin des Schulballes streitet sich mit Präsident des Sci-Fi-Clubs um die Autorität aufgrund ihrer Titel) besonders viel Spaß macht. Dass Crossover aus Zombiefilm und High School Komödie geht hier voll auf und sorgt für ein Höchstmaß an Stimmung, besonders natürlich in der Gruppe. Mit welcher Leichtigkeit Bishop hier seine Geschichte inszeniert nötigt einem durchaus Respekt ab und lässt hoffen, dass man vom Amerikaner noch mal einen ähnlichen guten Film zu sehen kriegt. Der Humor bewegt sich dabei auf einem ähnlichen Niveau wie es im britischen Vertreter Shaun of the Dead der Fall ist, wobei sich beide Filme letztlich in ihrem Unterhaltungsfaktor nichts nehmen und Dance of the Dead ob seiner anarchischen Szenen fast der Vorzug zu geben wäre. Für Fans von Zombiekomödien ist Bishops letztes Werk daher ein Muss und kann auch als Komödie generell uneingeschränkt als kleiner Geheimtipp weitergereicht werden. Seinen Platz im Zombiefilmkanon dürfte er gefunden haben.

8/10 - erschienen bei Wicked-Vision

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