18. September 2008

Scrubs - Season Six

Bust a move.

In der dritten Staffel von Scrubs hatte Danni (Tara Reid) eine treffende Charakterisierung für J.D. gefunden als sie behauptete, dieser wolle immer das haben, was er im Moment nicht kriegen könne. So überstürzte J.D. (Zach Braff) in der fünften Staffel seine Beziehung mit der schusseligen Julie (Mandy Moore) und kaufte ein Grundstück, nur um kurz darauf die Beziehung zu der 23-Jährigen zu beenden, weil diese noch nicht bereit für eine Familie war. Ohnehin war es stets eine Partnerin, nach der sich J.D. sehnte, jemand, mit dem er eben das tun konnte: Eine Familie gründen. Als ihm dies nun nach den Ereignissen des Vorjahresfinales mit Kim (Elizabeth Banks) bevorsteht, muss es folglich irritieren, wenn J.D. darüber nachdenkt, den Fötus abzutreiben und diese Entscheidung einem Münzwurf überlässt. Er will eben immer das, was er nicht haben kann.

Die Wende bringt dann die Geburt der Tochter von Carla (Judy Reyes) und Turk (Donald Faison) in My Best Friend’s Baby’s Baby and My Baby’s Baby. Dabei ist die Entscheidung von J.D. nun doch sein Kind zu bekommen letztlich so überstürzt wie die meisten seiner übrigen Entscheidungen. Doch obschon das Kinderkriegen dieses Jahr groß geschrieben wird – Elliot (Sarah Chalke) ist die einzige Figur neben Dr. Kelso (Ken Jenkins) und Janitor (Neil Flynn), die keinem Kindersegen entgegenblickt –, fällt Carlas anschließend auftretende Postpartale Stimmungskrise abgesehen von Turk (und auch bei diesem) weitestgehend unter den Tisch. Dabei wäre sie gerade für J.D. und Kim interessant. Dennoch sind Schwangerschaften, speziell die von Kim abgesehen vom zweiten Drittel der Staffel, dieses Jahr das große Thema von Scrubs neben Elliots Beziehungsleben.

Serienschöpfer Bill Lawrence bleibt sich zugleich treu, wenn er traditionell seine Nebenfiguren nicht aus den Augen verliert. So erhält Dr. Kelso in His Story IV ebenso eine zentrale Folge wie später in Their Story auch die „Ergänzungsspieler“ rund um Ted (Sam Lloyd), Todd (Robert Maschio) und Jordan (Christa Miller). Gerade das letztgenannte Trio wird in ihrer Episode mit zuvor ungeahnter charakterlicher Tiefe ausgestattet, wobei hier insbesondere die berufliche Fürsorge des Todd überrascht und gefällt. Lediglich der Janitor gerät etwas ins Hintertreffen, wenn ihm auch versucht wird, in Folgen wie My Words of Wisdom nicht nur etwas mehr Präsenz, sondern zusätzlich auch mehr Relevanz zu verleihen. Und während Doug (Johnny Kastl) sowie Lonnie (Michael Hobert) selten bis gar nicht mehr auftauchen, ist es Lloyd (Mike Schwartz), der vermehrt vorbeischaut.

Mit Carlas Postpartaler Stimmungskrise und einem Todesfall im Sacred Heart schlägt die sechste Staffel von Scrubs erstaunlich ernste Töne an. Verstärkt wird dies noch von Kims scheinbarer Fehlgeburt, der J.D. in My Road to Nowhere gegenübertreten muss. Inzwischen befinden sich J.D., Turk und Elliot jenseits der 30, ihre jugendliche Unbekümmertheit muss vollends abgestreift werden. Die Tatsache, dass neben Turk und Carla nun auch noch J.D. zum Elternteil wird, verschreckt Elliot merklich. War ihre Beziehung zu Keith (Travis Schuldt) bereits zu Beginn der Staffel kurzzeitig ins Schwanken geraten, so überstürzt sie zum Ende hin ihre Entscheidungen. Elliots Wunsch nach einer Hochzeit ist so groß, dass sie freudig Keiths Heiratsantrag annimmt. Schließlich will sie nicht die ewige Jungfrau sein, sonder ebenfalls in ihrem Leben vorwärts kommen.

Seinen Dämonen muss auch Dr. Cox (John C. McGinley) stellen, der mit Jordan einem zweiten Kind entgegensieht. Dieses ist auch noch krank, bedarf pränataler Operation. Das gab es schon lange nicht mehr in Scrubs: Dr. Cox’ ungeborenes Kind mit einer Erkrankung, Carla in Postpartalen Stimmungskrisen, Kims Fehlgeburt und in der Mitte der Staffel stirbt auch noch Laverne (Aloma Wright). Auch in dieser Hinsicht geht die sechste Auskopplung der Serie neue Wege. Wie bereits in My New God der letzten Staffel wird die Involvierung von Gott in unser Leben thematisiert. Geschieht alles aus einem Grund, auch die schlechten Dinge? Was Laverne aus Glauben praktiziert, wird sich später als Überlebensmechanismus herausstellen. Zu Beginn wird mit dem Irakkriegsveteran Private Dancer als Patient auch Bushs kontroverse Politik innerhalb der Serie diskutiert.

Die drei herausragenden Folgen im sechsten Jahr sind dabei My Best Friend’s Baby’s Baby and My Baby’s Baby, Their Story und My Point of No Return, wohingegen sich die übrigen Episoden bis auf My Night to Remember (einer Folge im nutzlosen Clip-Show-Format) auf einem meist überdurchschnittlichen Level bewegen. Zu den unvergesslichen Momenten zählen sicher Turk’s Booty Breakdown, ein Eheszenario zwischen Dr. Cox und Elliot, ein Wasserballonkampf im College, J.D.’s getürkte Beerdigung oder der Versuch von J.D., gegenüber Turk ein unmögliches Date möglich erscheinen zu lassen. Hinsichtlich der Gastdarsteller kocht die sechste Staffel auf Sparflamme, wartet Lawrence doch einzig mit Keri Russell in zwei Folgen auf, während Elizabeth Banks mit neun Episoden ähnlich einer Heather Graham im vierten Jahr fast zum Ensemble zu zählen ist.

Insgesamt leidet Scrubs inzwischen ein wenig unter der fehlenden Reife von J.D., wirken viele seiner Eigenschaften nunmehr etwas kindisch. Kann er für seine vasovagale Synkope zwar nicht allzu viel, ist sein Umgang mit der Krankheit – die in der zweiten Hälfte der Staffel übrigens nicht mehr präsent ist – doch etwas fraglich, wie auch sein Davonrennen vor dem Gespräch mit Kim in My Conventional Wisdom nicht nur ob dessen Redundanz anstrengt. Somit betrat die Sitcom von Bill Lawrence bereits in der fünften Staffel Pfade, die hier, wie im „Cliffhanger“ zu sehen, fortgeführt werden und letztlich hin zur achten Staffel führen würden. Die meisten Figuren befinden sich in Position, J.D. wiederum wird langsam auf seine Zielgerade geschickt. So ist Scrubs zwar nicht mehr wie Todd sagt die “Greatest. Show. Ever.”, aber immer noch eine Herzensangelegenheit.

7.5/10

Kommentare:

  1. Schaust du Serien generell auf englisch?

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  2. Japp. Wie Filme auch, die deutsche Synchronisation ist mir da immer zu schlecht - allgemein.

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