1. April 2009

Sold Out - A Threevening with Kevin Smith

They said my name on the fucking TV show!

Wer den amerikanischen Regisseur und Drehbuchautor Kevin Smith nicht kennt oder aber ihn kennt und nicht mag, der wird wenig bis gar nichts mit dessen semi-dokumentarischen Frage-und-Antwort-Abenden anfangen können. Bei diesen so genannten Q&A’s (Questions and Answers) elaboriert Smith stets in privaten Anekdoten entweder zum Thema Hollywood oder seines Privatlebens. Oftmals wird auch beides miteinander kombiniert. Die erste DVD-Auskopplung dieses Q&A, An Evening With Kevin Smith, lief zumindest für den übergewichtigen Regisseur ziemlich gut. Wie er in seiner dritten Auskopplung erzählt, gingen anschließend vermehrt Rollenangebote wie für Catch & Release bei ihm ein. Der ersten DVD aus dem Jahr 2002 folgte An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder vier Jahre später. Für die aktuelle DVD halbierte sich die Veröffentlichungszeit. Sold Out. A Threevening With Kevin Smith erschien im vergangenen Jahr und liefert all das, wofür Kevin Smith sich seit Jahren auszeichnet, unter anderem auch dank seiner Q&A’s.

Die dritte DVD-Auskopplung führt ihn zurück zu seinem Heimatort New Jersey. Geschlagene fünfzehn Minuten elaboriert Smith über die Tatsache, dass er nach 37 Jahren nur wenige Straßen von seinem Geburtskrankenhaus entfernt zu finden sein wird. Gleichzeitig nutzt er diese Projektionsfläche um Sexwitzchen über seine Eltern zu machen, die dadurch nochmals „gewinnen“, da seine Mutter im Publikum sitzt. Über diese Art von Entertainment mag man sich streiten, die schon beim Kollegen Tom Green für einen enorm hohen Fremdschämfaktor sorgte. Auch seine Frau Jennifer Schwalbach Smith und seine Tochter Harley, die seine Geburtstagsshow für ihn einleiteten, werden mit sexuellen Witzchen konnotiert.

Was folgt ist typisch Kevin Smith. Die erste Frage des Abends, ob Smith sich vorstellen könnte einen Kinderfilm zu drehen, führt zu einer 45-minütigen Anekdote über den Kauf eines vierten Hundes im Hause Smith entgegen den Wünschen der Ehefrau. Zuvor erläutert Smith noch wie die anderen drei Hunde, vormerklich die ersten beiden, im Haushalt aufgenommen wurden. Der Regisseur nutzt diese Anekdoten keineswegs um auszuweichen, sondern – und das mag man ihm zurecht vorwerfen –hört er sich nur selbst gern am liebsten reden. Der erste fragende Zuschauer wird dann nach einer Dreiviertelstunde mit den Worten „That’s why I don’t think it would work“ abgekanzelt und hinterlässt diesen etwas überrascht.

Insgesamt werden verhältnismäßig wenig Fragen abgehandelt, bedenkt man die Tatsache, dass die DVD gut dreieinhalb Stunden läuft. Speziell bei den privaten Themen fühlt man sich als Publikum mitunter etwas gelangweilt. Die Geschichte der beiden Labradors Scully und Mulder hat sicher ihre Höhepunkte, doch 45 Minuten sind hier viel zu viel. Ähnlich verhält es sich, als ein Gast die letzte in der DVD aufgenommene Frage stellt, wie das eigentlich damals war, als Smith einen Arschriss hatte. Genüsslich und wie immer ohne Scham schmückt Smith die Geschichte aus, wie er seine Frau nötigte sein Arschloch anzuschauen und er letztlich in einem öffentlichen Gerichtssaal als Jurymitglied auf dem Bauch liegen musste, um dem Schmerz zu entgehen.

Sicherlich ist dies der Kevin Smith, mit dem die wenigsten etwas anfangen können. Sowohl die Hunde- als auch die Arschrissgeschichte wissen über Strecken zu unterhalten. Dennoch sind beide in ihrer Grundstruktur uninteressant. Die größte Stärke von A Threevening With Kevin Smith ist daher die Kommentierung des Hollywoodbusiness’. Sehr amüsant ist die Nacherzählung der Dreharbeiten von Clerks II, die von der Einfältigkeit des Nebendarstellers und Freund des Regisseurs, Jason Mewes, lebt. Dieser ist im Gegensatz zu den anderen beiden DVDs nicht anwesend, aber durch die Anekdote von Smith irgendwie doch. Denn wer Mewes kennt, kann sich diesen bildlich vorstellen, wie er auf einem kleinen Barbecuegrill im zweiten Stock eines billigen Motels Burger für die gesamte Crew brutzelt.

Etwas überzogen sind dagegen vielleicht die beiden mehr oder weniger persönlichen Angriffe auf die Schauspieler Hayden Christensen („whiny little fucker“) und Timothy Olyphant („Oly-phantastic“). Mit letzterem hatte Smith die Filme Catch & Release sowie Live Free and Die Hard gedreht. Während Olyphant bei ersterem scheinbar mehrfach persönliche Angriffe auf Smith wegen dessen mangelhaftem Spiel vornahm, erwähnt ihn der Regisseur beim Die Hard-Sequel selbst überraschenderweise nicht. Dafür weiß er eine unterhaltsame Interpretation von Bruce Willis während der Dreharbeiten zu liefern und wie schon bei den beiden vorherigen Malen ein authentisches Bild von Hollywood widerzuspiegeln.

Dennoch weiß Smith hinsichtlich seines Schauspiels und Gewichts erneut selbst kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er weiß sehr wohl über sich selbst Witze zu reißen und outet sich wieder einmal als wahrhafter Nerd. Trotz aller subtiler Kritik an Bruce Willis ist immer die Bewunderung für diesen Schauspieler vorherrschend („Everybody loves Bruce Willis“). Ähnlich verhält es sich mit anderen Comic-bezogenen Themen wie Superman Returns. Insgesamt ist Sold Out. A Threevening With Kevin Smith ganz okay, weiß jedoch nicht an die beiden vorherigen Teile, speziell den Ersten, heranzureichen. Die „Superman“-Story scheint einmalig zu bleiben. Für alle Smith-Fans empfiehlt sich dennoch diese DVD, in der Smith über persönliche Ängste vor Haien redet und zudem ausführt, wieso er selbst bei dieser erkennbaren Hitze einen langen Mantel über einen Pullover trägt.

6.5/10

Kommentare:

  1. Schon alleine aus Komplettierungsgründen werde ich mir die DVD anschaffen. Momentan ist sie mir aber noch zu teuer. Und wenn sie nur halb so unterhaltsam wie die Teile 1 und 2 ist, dann lohnt es sich. Deine Rezi bekräftigt mich jedenfalls in meinem Entschluss...

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  2. Jochen, alte Socke, du hier? *g*

    Wie gesagt, die Eingangs- und Ausgangsanekdote ist etwas zuviel des Guten, aber wegen CLERKS 2 und DIE HARD lohnt sich ein Blick auf jeden Fall.

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