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4. Juli 2010

Clerks II

You never go ass to mouth!

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber dass sich Kevin Smith nach zwölf Jahren zurück zu seinen Wurzeln orientierte, hängt unweigerlich mit dem Kritiker-Fiasko zum Vorgängerfilm Jersey Girl zusammen. Während die Öffentlichkeit es so wahrnahm, dass Smith sich auf eine Geschichte besinnen wollte, die er tatsächlich im Stande war zu erzählen, erklärte der New Jerseyer, dass er statt mit Stars lieber wieder primär mit seinen Freunden arbeiten wollte. Die Aussage ist schon allein deswegen etwas in Zweifel zu ziehen, da Jersey Girl mit Ben Affleck und George Carlin ebenfalls Freunde des Regisseurs besetzte und sein Nachfolger Zack and Miri Make a Porno mit Seth Rogen und Elizabeth Banks kaum „persönlicher“ gewesen sein konnte, als hier nun Clerks II. Von Smiths erstem Studiofilm Cop Out (hier immerhin Jason Lee und Seann William Scott) ganz zu schweigen.

Die (unberechtigte) Kritik an Jersey Girl hatte dem dicklichen Auteur fraglos zugesetzt. Da traf es sich gut, dass er bereits im Abspann von Dogma angekündigt hatte, dass es eine Fortsetzung zu seinem Debütfilm Clerks. geben würde. Weg also von den teuren Produktionen voller Stars (Jay & Silent Bob Strike Back kostete 20, Jersey Girl 35 Millionen US-Dollar) und zurück zum Filmen vor Ort mit altbekannten Gesichtern. Dennoch lagen die Kosten für Clerks II bei einem Budget von fünf Millionen Dollar fast zweihundert Mal so hoch, wie zwölf Jahre zuvor für Smiths Debütfilm, was eine Nostalgiestimmung unwahrscheinlich gemacht haben dürfte. Um nicht in alte Muster zu fallen, lässt Smith zu Beginn des Filmes den Quick Stop abbrennen, weshalb sich ein Arbeitsplatz- und damit auch Umweltwechsel für die beiden Hauptprotagonisten anschickt.

Und was trifft sich da besser, als Mooby’s, die eigene fiktive Fast-Food-Kette des Askewniverse. Grundsätzlich geändert hat sich dennoch nicht viel. Randal (Jeff Anderson) ist immer noch der vorlaute, Kunden vergraulende Mitarbeiter der er immer war und vor dem Laden lungern weiterhin Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) herum - wenn auch inzwischen clean. Die Parallelen ziehen sich auch in Dantes (Brian O’Halloran) Leben, der sich erneut zwischen zwei Frauen sieht, was neben dem Publikum auch Randal verwundert („You're the most hideous fucking chud I've ever met, and you always have a pair of girls fighting over you“). Immerhin variiert Smith das Szenario, indem er Dante sich diesmal gegen die aktuelle Freundin und für das frühere Sexabenteuer entscheiden lässt. Auch wenn seine Entscheidung erneut zugunsten der charakterlich positiveren Dame ausfällt.

Im Gegensatz zu Clerks. versucht sich die Fortsetzung nun darin, eine zusammenhängende Geschichte zu präsentieren, die nicht durch willkürliche Episoden ständig unterbrochen wird. Zwar müssen sich Dante und Randal (erneut) mit aufgeregten Kunden oder einem ehemaligen Klassenkameraden (Jason Lee) auseinandersetzen, doch grundsätzlich verfolgt der Film die Dreiecksbeziehung zwischen Dante, seiner Verlobten Emma (Jennifer Schwalbach-Smith) und seiner Vorgesetzen Becky (Rosario Dawson). Während Randal für diese Konstellation nur gelegentlich eine präsente Rolle spielt, platziert ihn Smith ansonsten neben seinen neuen „Sidekick“ Elias (Trevor Fehrman) - einen christlichen Nerd, extremsten Lord of the Rings-Fanatiker und weiteren Mitarbeiter (bzw. Mitarbeiter des Monats) in der Fast-Food-Restaurant-Kette von Mooby’s.

Mochte man beim Vorgänger noch kritisieren, dass er eine wilde Ansammlung von kleinen, zusammenhangslosen Szenen darstellte, fällt die Kritik zur Fortsetzung nun dahingehend aus, dass versucht wird eine stringente Geschichte zu erzählen. In Verbindung mit dem Geist des Vorgängers gelingt dies nur mittelprächtig. Schon allein die Einführung von Jay und Silent Bob will nicht so recht gefallen und mit seiner Tanzeinlage hat sich Smith alles andere als einen Gefallen getan. Vieles wirkt wenig stimmig, sei es die plötzliche Butch Cassidy & the Sundance Kid-Hommage oder die Übernahme von Smiths Lord of the Rings-Anekdote aus An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder. Was man an inhaltlichen oder inszenatorischen Schwächen seinem Debütfilm noch verzieh, will man nun, zwölf Jahre später, nicht mehr gelten lassen.

Löblich, wenn Smith versucht sich selbst zu zitieren, doch wenn er seinen beiden nutzlosen Szenen wie den Ausflügen außerhalb des Ladens (einmal im Auto/Go-Kart, einmal aufs Dach) ein Echo schenkt, macht er letztlich nur erneut denselben Fehler. Viele der Spiegelungen sind weniger gelungen, zum Beispiel die direkte Filmreferenz (The Empire Strikes Back vs. The Return of the Jedi/Lord of the Rings vs. Star Wars) oder die Probleme Dantes mit seiner Freundin. Dafür versucht Clerks II zu sehr auf der einen Seite nicht so zu sein, wie Clerks. und auf der anderen Seite den Vorgänger unentwegt zu zitieren. Analog kann man hierzu Jay und Silent Bob lesen, die zwar zugleich das repräsentieren wollen, was sie früher waren, ohne aber identisch mit ihren vergangenen Persönlichkeiten sein zu wollen. Abgesehen von ihrer The Silence of the Lambs-Hommage tragen sie auch nicht sonderlich viel zum Film bei (im Vergleich zu den anderen Askewniverse Filmen seit Clerks.).

Dennoch weiß Smith auch hier mit einigen brillanten Einfällen aufzuwarten. Sei es zum einen Randals gesamter „porch monkey“-Plot („It’s cool, I'm taking it back“) oder aber insbesondere die Pussy-Troll-Szene zwischen Randal und Elias. Somit ist wie schon im ersten Teil Randal die Figur, die den Film zusammenhält. Allerdings sind jedoch die schauspielerischen Leistungen weitaus gefälliger als vor zwölf Jahren. Anderson und O’Halloran können nun ihre Dialoge in einem ruhigeren Tempo führen und Ergänzungen wie Fehrman und Dawson machen sich sowohl inhaltlich als auch schauspielerisch bezahlbar. Enttäuschend ist aufgrund seiner debilen Grimassen eigentlich nur Smith selbst, was sogar seine Frau - die er scheinbar nun in jedem seiner Filme besetzen muss - erträglich macht.

Im Nachhinein ist Clerks II daher eine kleine Enttäuschung, kann der Film doch weder als eigenständiger Film noch als Fortsetzung zum Vorgänger überzeugen. Dass Smith gerade noch so die Kurve kriegt verdankt er auch seinem Ende, dass zum ersten Mal wirklich Nostalgie zu erzeugen vermag, wenn Randal und Dante wieder im Quick Stop stehen, die Farbe ins Schwarz-Weiß übergeht, Walter Flanagan Zigaretten kauft und Smiths Mutter vor dem Kühlregal kniet, um das Haltbarkeitsdatum der Milchgallonen zu überprüfen. Nett war es, mal wieder vorbeigeschaut zu haben. Auch wenn das meiste nicht so war, wie man es in Erinnerung hatte. Immerhin schien es sich Smith mit Clerks II nun wieder bewiesen zu haben - wenn auch nur sich selbst gegenüber.

5.5/10

9. Februar 2010

Clerks.

I’m not even supposed to be here today!

Für Smith-Fans ist die Geschichte der Entstehung von Clerks. ein alter Hut. Nicht zuletzt, weil er sie bei verschiedenen Gelegenheiten, sei es ein Audiokommentar zu einem der späteren Filme oder seinen Evenings with Kevin Smith, gerne selbst rezitiert. Angefangen mit Kevin Smiths Wunsch Regisseur zu werden. Der Besuch einer Filmhochschule in Vancouver wird nach vier Monaten abgebrochen, weil Rumsitzen und nicht selbst Drehen dem New Jerseyer missfiel. Erinnerungen an Francis Ford Coppola und seine Zeit an der UCLA werden wach. Immerhin lernte Smith in Kanada Scott Mosier kennen, der nicht nur zu seinem Freund sondern View-Askew-Partner werden sollte.

Mit 23 Jahren drehte Smith anschließend über einen Zeitraum von drei Wochen jede Nacht zwischen 22.30 und 05.30 Uhr an seinem Arbeitsplatz seinen Debütfilm. Dabei arbeitete der Twen damals selbst tagsüber noch im Quick Stop Lebensmittelgeschäft, worin sich auch seine Inspiration zum Film findet. Finanzieren konnte Smith den Film nur deshalb, weil er einen Großteil seiner Comicsammlung verkaufte, Kreditkartenanträge stellte und sich Geld von Freunden und Familie lieh. Was folgte, waren Auszeichnungen bei den Filmfestivals in Sundance, sowie in Cannes und der Start einer Karriere, die bis heute anhält.

Nachdem Harvey Weinstein und Miramax die Filmrechte kauften, wurde der erste Schnitt von Smith und Mosier erst einmal getrimmt, unter anderem auch bezüglich des sehr unstimmigen aber dennoch im Grunde passenden Endes. Als Miramax die musikalische Untermalung austauschte, kam es zu dem bizarren Vorfall, dass die Rechte an den Musikstücken teurer waren, als der eigentliche Film selbst. Rechnet man beide Kosten zusammen, kostete Clerks. selbst insgesamt so viel, wie eine Sekunde von James Camerons Welterfolg Titanic drei Jahre später. Und obschon Smiths Debütfilm nie mehr als auf fünfzig Leinwänden gleichzeitig lief, gelang es dem Film das 23-fache seiner Kosten einzuspielen.

Daraus resultierte eine jahrelange Partnerschaft zwischen Smith, Mosier und Weinstein bzw. View Askew und Miramax, welche bis heute anhält. Dass Smith mit Clerks. den Auftakt zu seinen Askewniverse Chronicles bilden würde, war ihm damals noch nicht bewusst. Auch nicht, dass zwei nebensächliche Figuren wie Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) zu Kultfiguren avancierten, die Smiths Karriere über ein Jahrzehnt lang begleiten sollten. Zwölf Jahre später würden Smith und Co. an ihre Ursprünge zurückkehren und mit Clerks II einen Film drehen, dessen Einspiel von 24 Millionen Dollar Beweis genug ist, welche Fangemeinschaft Smith insbesondere dank Clerks. aufgebaut hat.

Was Kevin Smiths Filme auszeichnet, sind seine Dialoge. Ähnlich wie bei Filmen von Woody Allen spielt sich weniger eine Handlung ab, als dass die Hauptfiguren nonstop drauf los quatschen. Im Gegensatz zu seinen späteren Filmen merkt man Clerks. jedoch an, dass die Darsteller nicht nur wenig Erfahrung mit Schauspiel haben, sondern das Zeitfenster auch sehr gering war. Die Dialoge zwischen Dante (Brian O’Halloran) und Randal (Jeff Anderson) sind oftmals wie ein Shoot-Out mit einem Maschinengewehr, in welchem sich die beiden Schauspieler die Sätze ohne wirkliche Pause wie Bälle zu spielen. Als würde man einem Match zwischen Roger Federer und Rafael Nadal zuschauen, zumindest was die Geschwindigkeit angeht.

Das ist nicht sonderlich tragisch, aber wirkt etwas unnatürlicher als es in seinen späteren Projekten der Fall ist. Allerdings muss man Smiths Film auch im Kontext seiner Entstehung sehen, spielen doch fast ausschließlich Freunde und Verwandte die Rollen in seiner Geschichte. Manche wie Scott Mosier und Walter Flanagan übernahmen sogar drei oder mehr Rollen, während mit Anderson ein High School Freund von Smith in einer der Hauptrollen auftaucht, obwohl er noch nie geschauspielert hat. Umso beeindruckender, dass Clerks. letztlich Andersons Film durch und durch ist, im Vergleich zu späteren Filmen, wo Mewes diesen Part übernehmen würde.

Eine wirkliche Handlung besitzt Smiths Debütfilm wie erwähnt nicht. Sieht man davon ab, dass Dante sechs Stunden im Quick Stop aushelfen muss und schließlich den ganzen Tag dort verbringt. Und davon, dass er sich mit seiner Freundin Veronica (Marilyn Ghigliotti) aufgrund deren Sexvergangenheit überwirft („My girlfriend sucked 37 dicks“ – „In a row?“) und versucht mit seiner Ex-Freundin Caitlin (Lisa Spoonhauer) zusammen zu kommen. Doch eigentlich beinhaltet der Film nur eine Ansammlung von kleinen Segmenten, die inhaltlich durch den Quick Stop als Handlungsort zusammengehalten werden. Dass Smith diese mit jeweils einem Fremdwort als übergreifende Einleitung versieht, zählt dabei eher zu den negativen Seiten seines Debüts.

Zumindest hätte es der Titelkarten nicht bedurft, insbesondere da sie den Erzählfluss der Handlung stören. Es ist wie schon das Dialogfeuer kein Dilemma, aber etwas, dass man hätte vermeiden können. Zu den Dingen, die nicht wirklich passen wollen, gehören auch die beiden Ausflüge außerhalb des Ladens. Sowohl das Hockey-Game als auch die Totenwache wirken etwas deplatziert und nur leidlich stimmig mit dem Rest des Geschehens. Das Hockey dabei noch mehr als die Totenwache, die zumindest aufgrund von Randals Geschichte über seinen und Brodys Cousin eine amüsante Note erfährt. Ebenso wie auch die verlorenen Szene der Totenwache selbst, die Smith als animierte Version auf die Clerks-X-DVD packen ließ, aufgrund ihrer Verbindung zu Mallrats und Chasing Amy nostalgisch gerät.

Die Einordnung ins Askewniverse ist zudem einer der Faktoren, die den Film so herzlich machen. Nicht nur, dass Clerks., wie sich herausstellt, einen Tag nach den Ereignissen in Mallrats spielt, sondern auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Figuren wie Randal und Brody oder Alyssa Jones und ihrer Schwester Heather. Unbestreitbar verfügt Smiths Debüt über allerlei Charme, schon alleine wegen der grandiosen Szene bezüglich des Todessterns in Star Wars. Für einen Debütfilm, der unter diesen Umständen entstanden ist, ist das sicherlich mehr als ordentlich, auch wenn der Film unter kritischen Augen nicht perfekt ist. Als Auftakt für eine Karriere, die später Werke wie Chasing Amy oder auch mit Jay & Silent Bob Strike Back den vielleicht größten Insider-Film aller Zeiten beinhalten würde, geht Clerks. schwer in Ordnung.

Da verzeiht man es dem Film auch, dass die Audiokommentare dieses Mal nicht so unterhaltsam sind, wie in späteren Beiträgen (wobei ein einschlafender Mewes im 95er-AK schon eine Wucht ist). Grundsätzlich lässt sich auch sagen, dass der ursprüngliche Schnitt etwas stimmiger daherkommt als die Kinofassung. Sieht man einmal vom Ende ab, welches zwar durchaus passend ausfällt, bedenkt man die Ironie, dass Dante eigentlich gar nicht arbeiten sollte, aber ein derart deprimierender Schluss nicht zum Rest des sonst so abstrusen Humors passen möchte. Ansonsten ist Clerks. aber eine wirklich gelungene und unterhaltsame verfilmte Anekdote aus dem Munde Kevin Smiths. Wenn man denn den Film als solche verstehen will.

7.5/10

11. Oktober 2009

Jay and Silent Bob Strike Back

Ben Affleck was the bomb in Phantoms!

Für Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Kevin Smith ist es der teuerste Inside-Joke-Film aller Zeiten, für Produzent Scott Mosier etwas oberflächlicher gesehen „the most expensieve dick and fart joke movie ever made“. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwie dazwischen bzw. stimmt hinsichtlich beider Aussagen. Zwar muss man nicht die vier vorherigen Filme des New Jerseyer Regisseurs gesehen haben, um sich während Jay and Silent Bob Strike Back zu amüsieren, doch hebt die Kenntnis seines Œuvres sicherlich den Humor nochmals auf eine andere Ebene. Dass der Film dabei allein in den USA zehnmal so viel eingespielt hat wie im Rest der Welt, spricht dabei für sich und auch für den internationalen Konsum von Smiths Werken. Dabei ist sein fünfter Film ein Nonsense-Feuerwerk erster Güte mit hochrangiger Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle. Und wenn Smith dann auch noch, bis auf Jeremy London und Claire Forlani, alle seine View-Askewniverse-Figuren aufwartet, dann ist der Film zumindest für Smiths Fans ein einziges Vergnügen.

Im Grunde könnte man Jay and Silent Bob Strike Back ein Spin-Off nennen, rückt es doch zwei Nebenfiguren von Smiths vorherigen Werken (endlich) in den Mittelpunkt. Die beiden Slacker Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) haben sich in Clerks. als die Pestilenz des Quick-Stop-Supermarkts präsentiert, während sie wohl auch wegen ihrer Aktivitäten in Mallrats schließlich von Holden McNeill (Ben Affleck) und Banky Edwards (Jason Lee) in Chasing Amy als Grundlage der Comicfiguren Bluntman and Chronic dienten. In Dogma ging Smith sogar soweit, sie als Propheten an die Seite des letzten Nachkommen von Jesus Christus zu stellen, um zwei Engel davon abzuhalten die Welt zu zerstören. Spätestens jetzt hatten es sich die Berufskiffer also verdient, zu den Helden ihrer eigenen Geschichte zu verkommen. Ohnehin ist Mewes eine derart gelungene Figur – auch abseits der Filme (s. die Evening with Kevin Smith-Filme) – dass ein Film, der sich primär auf ihn fokussiert, eigentlich gar nicht schief gehen kann. Und bei näherer Betrachtung geht diese Rechnung natürlich auf. Denn woran Dogma zuvor noch scheiterte, weiß der Nachfolger zu überzeugen.

Mit einer wirklichen Handlung will Smiths Nonsense-Film nämlich gar nicht aufwarten. Zwar gibt er eine Rahmenhandlung vor, doch ist diese dabei nicht mehr als die Bühne, auf der er anschließend sein Starensemble auftreten lässt. Als Jay und Silent Bob über die Umwege von Brody (Jason Lee) und Holden erfahren, dass in Hollywood eine Verfilmung von Bluntman and Chronic stattfindet, machen sie sich auf gen Kalifornien, um jene Adaption und mit ihr all die Hasstiraden von Internetusern auf die Beiden zu stoppen. Es ist ein Zwischenstopp in der Fast-Food-Kette Moobys, der dem Film seine Wendung verleiht. Hier trifft Jay auf die hinreizende Justice (Shannon Elizabeth) und zieht sich selbst und Silent Bob fortan ins Schlamassel, wenn er sich von Justices Gang (u.a. Eliza Dushku und Ali Larter) als Sündenbock für einen Diamantraub und „master of the C.L.I.T.“ hinstellen lässt. Da die beiden Slacker einen Orang-Utan stehlen, ist ihnen fortan der Wildhüter Willenholly (Will Ferrell) auf den Fersen. Auf dem Studiogelände von Miramax findet schließlich die Klimax des Filmes stand, wenn sich Jay und Silent Bob neben Willenholly auch dem bedrohlichen Bösewicht Cock-Knucker (Mark Hamill) erwehren müssen.

Welchen Ton Smith in seinem fünften Werk angibt, macht er durch seine etwaigen Durchbrechungen der vierten Wand deutlich. Das ist ein Film, der nicht ernst genommen werden soll und auch nicht ernst genommen werden kann. Vielmehr stellt er eine Aneinanderreihung von Sketchen und Skits dar, die versuchen einem roten Faden zu folgen. Im Vergleich zu Dogma zünden diese jedoch weitaus besser, da der Kontext „nach Hollywood kommen“ weitaus verständlicher ist als „zwei Engel, Dämonen und Monster abhalten die Welt zu zerstören“. Sei es der „the book of the road“-Gag mit George Carlin und Carrie Fisher oder die herrliche C.L.I.T.-Sequenz („I am the C.L.I.T. commander!“), die ihre Fortsetzung durch Jon Stewart und Will Ferrell findet. Dass im Gegensatz zu Dogma weniger – tricktechnisch gesehen – manchmal mehr ist, zeigt auch die großartig von Mewes gespielte Planet of the Apes-Referenz. Grundsätzlich ist die Gag-Quote in Jay and Silent Bob Strike Back derart hoch, dass der Film die schwachen und die nicht so recht zünden wollenden Witze locker wett machen kann.

Speziell die Cameos zu Beginn mit Brody und Holden wollen nicht so richtig funktionieren. Lee übertreibt es etwas bei Brody (z.B. das Schokobretzel-Zitat), während Affleck nur bedingt Engagement zeigt (Smith erklärt, dies liege an der Tatsache, dass Affleck zuvor vier Filme hintereinander gedreht hätte und übermüdet gewesen sei). Auch die Furz-Witze, besonders der mit Larter, sind eigentlich derart platt, dass man geneigt ist den Film dafür abzustrafen, würde Smith nicht sogleich mit einer phänomenalen Opern-Persiflage („Justice is dead … or so thinks Jay“) wieder jenen Schandfleck ausmerzen. Eventuell ist der Film auch einfach etwas zu überfüllt, wollen manche Cameos (Seann William Scott, Judd Nelson) doch eher weniger zünden. Dafür ist der Film aber schon alleine wegen dem Gastauftritt von Gus van Sant Pflicht, der vielleicht von allen Gastspielern am überzeugendsten auftritt („Jesus Ben, I said I’m busy“). Grundsätzlich macht der Film aber schon allein wegen dem typisch view-askweniversen Affleck-Bashing Spaß. Dies zieht sich nicht nur durch dessen eigene Phantoms-Anspielung über den Film hinweg, sondern zeigt sich in weiteren, sehr amüsanten Einbindungen (Moonraper, 1007 vs. 1082). Ohnehin ist Bashing in jeglicher Form (Jason Biggs vs. James Van Der Beek) überaus gelungen und amüsant in das restliche Geschen eingebunden.

Insgesamt macht Jay and Silent Bob Strike Back also – zumindest für den Smith-Fan – jede Menge Spaß, wobei sich die direkten Anspielungen an die vier vorangegangen Filme (sieht man von den Cameos von O’Halloran, Anderson, Ewell und Lauren Adams, sowie natürlich Brody, Banky und Holden, einmal ab) in Grenzen halten. Der Film strotzt nur so vor Gastauftritten ehemaliger Smith-Kollaborateure wie Matt Damon oder Chris Rock und weiß zudem des Weiteren auch mit Wes Craven und Shannen Doherty aufzuwarten. Smith zitiert sich bisweilen selbst oder bevorzugt andere Filme, primär natürlich die, die es dem Regisseur besonders angetan haben. Darunter natürlich die obligatorische Star Wars-Referenz, aber auch Reservoir Dogs oder auch Daredevil. Wie angesprochen zündet nicht jeder Gag, aber Smith feuert so viele teils plumpe teils brillante Witze über die Leinwand, dass die Trefferquote trotz allem ausreichend ist. Im Nachhinein ist sein (bisher) vorletztes View-Askewniverse-Werk durchaus zuerst an die eigenen Fans gerichtet, denn an ein breites Publikum. Wobei grundsätzlich wohl kaum jemand einen Kevin-Smith-Film schaut, wenn er denn kein Fan des New Jerseyer wäre. Letztlich ist Jay and Silent Bob Strike Back jener Film, der Dogma aufgrund seiner Thematik nicht wirklich vermochte zu sein. Der teuerste Inside-Joke-Film aller Zeiten. Mit Furz- und Schwanzwitzen.

8/10

29. Juli 2009

Fanboys

Nobody calls Han Solo a bitch!

Fanboy. Die Internetrecherche ergibt unterschiedliche Treffer, die letztlich aber alle in dieselbe Richtung gehen und sich wie folgt erklären lassen: jemand, der enthusiastisch/blind einem – in diesem Fall – Film bzw. einer Filmreihe folgt. Quasi ein Fan über alle Maße. Jemand, der sich lautstarke Diskussionen mit Freunden hingibt, die sich um Nebensächlichkeiten drehen. Menschen, die sich am helllichten Tag einer Massenschlägerei mit Anhängern einer konkurrierenden Filmreihe hingeben. Oder auch Personen, die Petitionen einreichen, um fiktive Elemente eines Filmes ins das reale Leben übernehmen zu lassen. Seit dem Jahr 2001 geben zum Beispiel zahlreiche Menschen im britischen Commonwealth bei Befragungen ihre Religion als Jediismus an. Es handelt sich um … Fanboys! Anhänger von George Lucas’ Schöpfung Star Wars und seinen beiden Fortsetzungen der Ursprungstrilogie. Ende des vergangenen Jahrhunderts spielte für diese Menschen ein potentieller Weltuntergang am Milennium keine Rolle. Für sie zählte nur ein Datum: der 19. Mai 1999. Star Wars kehrte zurück. Star Wars kehrte, auf eine Art und Weise, nach Hause.

Nun drehte Kyle Newman mit Fanboys einen Film von Fanboys über Fanboys für Fanboys. Die Geschichte einer Gruppe von vier Kumpels, die eines Abends beschlossen quer durch Amerika zu George Lucas’ Skywalker Ranch zu fahren, um einen Rohschnitt von The Phantom Menace zu sehen, sollte eigentlich bereits letztes Jahr im Kino laufen. Wäre da nicht Harvey Weinstein gewesen. Der personifizierte und auf Erden wandelnde Teufel wollte den Film nach Testvorführungen umschneiden lassen und ihn seiner Ausgangslage berauben. Denn ausschlaggebend für Erics (Sam Huntington), Hutchs (Dan Fogler) und Windows (Jay Baruchel) Roadtrip ist die Krebserkrankung – und der bevorstehende Tod – von ihrem Kumpel Linus (Chris Marquette). Dieser wird die Premiere von Episode I nicht mehr erleben, weshalb sich Eric, der zuletzt vor drei Jahren mit seinem ehemaligen besten Freund Linus Kontakt hatte, zu der wahnwitzigen Aktion überreden lässt. Doch wer will schon über Krebs lachen, dachte sich Weinstein. Wie er sich bereits zuvor dachte, dass wohl kaum jemand den ursprünglichen GrindHouse-Film von Tarantino und Rodriguez sehen wollte. Fanboys wurde umgeschnitten, boykottiert und kommt nun letztlich in seiner originalen Fassung in die Kinos. Jene Fassung, die sogar von Lucas’ – selbst nicht weniger diabolisch, wenn es um Geldscheffelei geht – abgesegnet wurde.

Allerdings sollte man sich nichts vormachen. Fanboys erzählt im Grunde keine wirkliche Geschichte, verfügt eigentlich nicht mal über ein richtiges Drehbuch. Ähnlich wie Kevin Smiths Jay & Silent Bob Strike Back ist Fanboys primär eine Ansammlung von Szenen und Sequenzen, die sich zuvorderst an die Fans richten. Dies fängt hier bereits damit an, dass das Logo der Weinstein Company mit Lichtschwerter-Sound untermalt wird. Oder sich auch sonst durch den ganzen Film hindurch – dank Lucas – Soundeffekte der Sci-Fi-Oper finden. Sei es R2D2s Geschrei oder die Jubelarien eines Tusken Raiders. Wer sich im Star-Wars-Universum auskennt, dem wird hier ob der vielen liebevollen Einbindungen das Herz aufgehen. Denn von etwaigen Darstellungen der Serie (Fisher, Williams, Park) bis hin zu Ewoks und Seitenhieben auf Jar Jar Binks haben sich die Autoren Ernest Cline und Adam F. Goldberg weiß Gott nicht lumpen lassen. Und mit den Referenzen an Star Wars allein hört es nicht auf, quillt Fanboys vor nerdigen Anspielungen doch nur so über. Egal ob RoboCop, Judgment Day oder zahlreiche Marvel-Comis – wer selbst Nerd ist findet sich hier wieder und amüsiert sich an den dutzenden Seitenhieben, Querverweisen und Hommagen. Dabei nutzt Fanboys den Moment sogar, um eine andere Filmreihe unverhohlen zu bitchslappen.

Als großer Konkurrent wird Star Trek aufgebaut und dieses auch genüsslich durch den Kakao gezogen ("Captain Picard is not gay. He's British." - "Come on. 'Make it so!'"). Dummerweise müssen sich Newman und Co. zu Schulde kommen lassen, dass sie den zu Beginn noch gelungenen Gag durch erneutes Aufbringen zu Beginn des dritten Aktes leider etwas totreiten. Hier macht sich auch die zu lang – und vielfältig – geratene Präsenz von Seth Rogen bemerkbar, der momentan wohl aus keiner US-Komödie wegzudenken ist. Dabei ist er letztlich nur einer von vielen Prominenten, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Von Shooter McGavin über James T. Kirk bis hin zu den Lagerarbeitern aus The Office, um es dem Trailer entsprechend auszudrücken. Von diesen zahlreichen Cameos sind nüchtern betrachtet jedoch nur die wenigsten wirklich gelungen. Zumindest hinsichtlich ihrer Einbindung in das ziemlich dünne Handlungsgerüst. Während dies bei Danny Trejo oder Danny R. McBride noch halbwegs funktioniert, wirken die durch Nachdrehs eingefügten Kevin Smith und Jason Mewes (obschon das Smith-Fan-Herz etwas schneller schlägt) deutlich fehl am Platz. Im Nachhinein sind aber auch sie wie der Rest des Filmes nichts als eine einzige nerdige Anspielung, die man nicht zu hinterfragen hat.

So ist Fanboys, wie es der Titel bereits verrät, zuvorderst ein Film für Fans von Star Wars. Diese werden auch gnädig über die nicht wirkliche vorhandene Handlung hinwegsehen, wie auch über die etwas plumpen und altbackenen Gags. Denn dafür sind einem als Fanboy die Fanboys (und –girls, Kristen Bell soll nicht außen vor bleiben) auf der Leinwand viel zu sympathisch. Ihr Enthusiasmus hinsichtlich The Phantom Menace (erst zum Schluss zeichnet sich die prophetische Befürchtung ab, der Film könnte eine Enttäuschung darstellen) und all die Widrigkeiten, die sie auf dem Weg dorthin auf sich nehmen müssen. Wie bei TV-Serien wie Chuck oder The Big Bang Theory lacht der Nerd am liebsten über sich selbst. Schon alleine, weil er sich wiedererkennt. Man lacht über Verweise auf den Flux-Kompensator oder wenn Hutch sich plötzlich mit den Worten „Snikt!“ in den Kampf stürzt. Hier mag der ein oder andere Zuschauer – speziell das jüngere Publikum – sicher verdutzt dreinblicken, doch was wissen die schon? Welche Filmreihe eignet sich denn heute noch zum Fanboytum? Saw ganz sicher nicht, am ehesten noch Lord of the Rings. Doch glücklicherweise hat Kevin Smith bereits in An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder vor Augen geführt, weshalb es dennoch nur die eine, die unvergleiche Trilogie gibt. Und mit ihr diese einzigartige Filmreihe. Star Wars ist die Heimat des Fanboytums. Und Fanboys, ja, Fanboys ist letztlich dann auch irgendwie, wie nach Hause kommen.

8/10 – erschienen bei Wicked-Vision

26. Juli 2009

Dogma

Consequences schmonsequences.

Kaum etwas eignet sich besser für überspitzte Satire, als die Religion. Das Christentum insbesondere. Christen, die einen toten jüdischen Zimmermann anbeten und behaupten, er sei sowohl von Gott gezeugt, als auch Gott selbst. Sprich: sein eigener Vater bzw. der Befruchter seiner eigenen Mutter. Sehr viel perverser kann eine Religion wahrscheinlich nicht sein. Umso mehr Angriffsfläche bietet sie natürlich zur Persiflage. Die vielleicht Bekannteste von ihnen ist Monty Pythons Life of Brian. In neuer Zeit ruft man sich gerne auch Kevin Smiths Dogma ins Gedächtnis, der 1996 für einige Kontroversen sorgte und letztlich vom Familienstudio Walt Disney zu den Weinsteins bei Miramax abgewälzt wurde. Obschon der Film vor Beginn mit einer Texttafel aufwartet, die das kommende Geschehen als Spaß kennzeichnet, flatterten Smith nach Start des Filmes dreiviertel Todesdrohungen ins Haus. Die letzte Todesdrohung schlug im weiteren Verlauf scheinbar einen freundlicheren Ton ein, weshalb sie der Regisseur nicht ganz zählen lassen will. Dass Smith Sinn für Humor hat, beweist auch seine Protestaktion gegen seinen eigenen Film („Dogma is dogshit!“).

Die Frage ist: worüber regen sich alle auf? Darüber, dass Gott eine Frau sein soll? Oder dass Gott eine Kanadierin sein soll (für Amerikaner sicherlich ein gewichtiger Grund)? Dass Chris Rock einen afroamerikanischen Apostel gibt? Behauptet wird, Jesus Christus sei selbst von afrikanischer Herkunft gewesen? Der Golgathaner, der wandelnde Scheißhaufen? Es will einem bei Sichtung dieses die meiste Zeit doch sehr infantilen Filmes nicht klar werden, worüber sich die Gemüter so erhitzt haben, dass man einen Filmboykott verlangte oder dem Regisseur den Tod an den Hals wünschte. Denn letztlich erweist sich Dogma als flaches Filmchen, dem eine stringente Handlung fehlt und welches außer seinen zahlreichen, sehr liebevollen Filmzitaten am subtilen Witz eines Life of Brian mangelt, während es sich (zu oft) auf den smith’schen Humor verlässt. Auch das Schauspielensemble lässt erkennen, dass es nicht weiß, ob es sich vollkommen dem Nonsens ergeben oder zumindest teilweise Seriosität aufrecht erhalten soll. So ist Smiths Abrechnung mit dem Römisch-Katholischen Glauben im Nachhinein zu kindisch und unausgegoren geraten. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass der Autor das Drehbuch bereits vor Clerks. geschrieben hatte und somit in einer Phase steckte, in der er weitaus mehr Probleme hatte, eine zusammenhängende (funktionierende) Geschichte zu erzählen.

Zahlreiche Ansätze sind überaus nett geraten. Sei es Gottes Affinität zum Minigolfspiel, welche die Ereignisse lostritt oder aber Lokis (Matt Damon) Alice-Analogien, die eine Nonne zur Atheistin werden lassen. Doch nicht jeder Witz gegen die Kirche will sitzen und meist verpuffen die ganzen Nicklichkeiten, die oft derart mit Trivialitäten (die Muse und Home Alone, der Apostel und Rassismus) daherkommen, dass sich beide Punkte die Waage halten und meist die andere Richtung einschlagen. Einfälle wie Bethany (Linda Fiorentino), eine vom Glauben abgefallene Mitarbeiterin einer Abtreibungsklinik, jede Woche in die Kirche gehen zu lassen, bilden da die Ausnahme. Getoppt nur noch von Kardinal Glicks Innovation das Kruzifix durch Buddy Jesus zu ersetzen. Als Kirchen-Satire misslingt Dogma dennoch, die Szene mit dem (miserabel animierten) Golgathaner zeigt dies überdeutlich. Weder als Anspielung auf Golgatha, noch als witzige Einstellung per se (Silent Bobs Überwindung des Golgathaners wird viel zu naiv abgehandelt) will diese funktionieren. Ohnehin hat Smith große Probleme selbst die kleinen Segmente zu einem nachvollziehbaren Ende zu bringen. Das gilt neben dem Golgathaner auch für die Einbindungen von Metatron (Alan Rickman), der Muse (Salma Hayek) und Rufus (Chris Rock). Der einzige Grund weshalb Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith) in die Handlung eingewoben werden, ist um eine Verbindung zu Smiths Askewniverse herzustellen.

So namhaft die Besetzung auch ist, wird man meist das Gefühl nicht los, dass die Schauspieler eher schlecht als recht mitmachen. Die Dialoge kommen meist ungemein platt daher, gerade Chris Rock scheint große Probleme zu haben, seinen Text entsprechend los zu werden. Fiorentino wirkt zudem derart gelangweilt, dass Joey Lauren Adams oder Shannen Doherty ziemlich offensichtlich die bessere Wahl gewesen wären. Derweil schlagen sich Jason Lee (Azrael), Matt Damon und Ben Affleck (Bartleby) so gut sie können, schwanken aber in ihrer Glaubwürdigkeit. Während Affleck erst im Finale richtig aufdreht, zeigt sich gerade in Damons Szenen, dass er zum ersten Mal (richtig) mit Smith zusammenarbeitet. Auch Rickman und Hayek bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, speziell der Brite wirkt etwas deplatziert, was er – achtet man auf sein Schauspiel – auch bisweilen selbst zu merken scheint. Letztlich ist es paradoxerweise Mewes, der den Film an sich zu reißen weiß. Dies mag auch daran liegen, dass er das komplette Drehbuch auswendig gelernt hatte, um sich vor Hans Gruber keine Blöße zu geben. Es sind aber auch so stets seine Augenblicke („Snooch to the booch!“, „Snoogans“, „So that would make Bethany... part black?“, „I get it! Holy Bartender! That's a great one!“), die dem Film seine starken humoristischen Momente verleihen. Dogma hadert einfach viel zu sehr damit, Kevin-Smith-Humor in eine ernstzunehmende Satire zu packen. Ob der Amerikaner dies überhaupt wollte, spielt dabei nicht wirklich eine Rolle, bei einem Thema dieser Rangordnung ist es eigentlich unabdingbar.

Was Smiths vierten Film allerdings so "gelungen" und charmant macht, sind seine etlichen Hommagen an Klassiker des Kinos. Sei es die beim Regisseur obligatorische Star-Wars-Referenz über The Karate Kid, The Incredible Hulk, Indiana Jones and the Last Crusade bis hin zu den Verweisen an Bill & Ted’s Bogus Adventure sowie mehreren John-Hughes-Filmen. Hiermit bestätigt sich Smith wieder selbst, indem er einen Film im Nachhinein für sich selbst dreht und was noch viel wichtiger ist, dies mit seinen Freunden tut. Neben Affleck, Mewes, Lee und Produzent Scott Mosier finden sich einige andere bekannte Gesichter in kurzen Gastrollen wieder. Sei es Brian O’Halloran, Jeff Anderson oder Dwight Ewell. Es sind ihre Auftritte, neben den Filmzitaten und allem voran Jason Mewes, die Dogma vor einem schlimmeren Urteil bewahren. Man könnte den Film ansonsten zwar nicht als „dogshit“ bezeichnen, aber eine wirkliche Klasse würde man ihn dennoch nicht (auch nicht unter Berücksichtigung der positiven Aspekte) attestieren wollen. Nach dem exzellent gelungenen Chasing Amy fällt Smith also bei seinem Spagat zwischen Kirchenkritik und privatem Humor wieder etwas zurück, sogar hinter Mallrats. Immerhin bewies er mit Jay & Silent Bob Strike Back, dass er durchaus eine Schnittfolge von Nonsens-Sketchen abliefern kann, die zwar keine Geschichte erzählen will, dies aber hinsichtlich ihrer Prämisse auch nicht zu tun braucht.

5.5/10

24. April 2009

Zack and Miri Make a Porno

Lester the Molester Cockenschtuff.

Was macht eigentlich Bob Weinstein? Gibt es Bob Weinstein überhaupt? Oder ist das so ein verkappter Donald Kaufman? Weil man immer nur von seinem diabolischen Bruder Harvey hört oder liest. Eben jener Harvey ist unter anderem ein Förderer von Quentin T. und Kevin S. aus New Jersey. Mit jenem Kevin S., dessen Name die Redaktion als Kevin Smith enthüllen möchte, traf sich der böse Harvey mal zu Mittag. Smith pitchte Harvey seine Idee eines Filmes Zack and Miri Make a Porno. Harvey erwiderte, dass der Film von ihm produziert würde, dabei hatte Smith ihm nichts über das Projekt mitgeteilt, außer dessen Titel. Im Nachhinein muss man sagen: das erklärt einiges. Sicherlich schreibt Smith nicht die intelligentesten Drehbücher in der Industrie, ohne Frage sind seine Charaktere redundante Abziehbilder von Klischees. Das mag man Smith alles vorhalten und nichtsdestotrotz bin ich ein sehr großer Fan dieses Mannes. Mir gefällt sogar Jersey Girl, den alle verdammen. Mich hatte die Idee von Zack and Miri Make a Porno nicht unbedingt umgehauen (obschon ich zum Trailer den Satz verfasste: „In meinen Augen kann Smith generell sehr wenig falsch machen“.). Manchmal irrt man sich eben.

Da sind sie nun, die beiden Slacker namens Miri (Elizabeth Banks) und Zack (Seth Rogen), die sich seit der ersten Klasse der Grundschule kennen – zwanzig Jahre um genau zu sein – und zusammen in einer WG leben. Oder treffender gesagt: überleben. Das Geld reicht hinten und vorne nicht, der Stapel mit den unbezahlten Rechnungen vegetiert vor sich hin. Es gibt bessere Voraussetzungen zu einem Klassentreffen zu fahren, auf welchem man offensichtlich deplatziert wirkt. Nicht nur ist der Schwarm vergangener Jahre (unglaublich schlecht: Brandon Routh) plötzlich schwul, sondern ein Handyvideo von Miris Unterwäsche kursiert auch bereits durchs Netz. Doch das ist erst die Spitze des Eisberges, denn – oh Wunder – zu Hause angekommen, wird Wasser und Strom abgeschaltet. Was machen, ja, das ist die große Frage. Und weil Brandon (Justin Long), der Freund von Miris Schwarm Bobby, im Pornogeschäft ist, kommt Zack die rettende Idee. Einfach selber einen Porno drehen, in welchem Miri und er gemeinsam Sex haben. Schließlich vögelt Miri eh alles was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und für Männer ist Sex nun mal einfach nur Sex.

Was Smith hier dann als „Drehbuch“ vom Stapel lässt, ist gelinde gesagt recht enttäuschend. Erst wird minutenlang an einem möglichen Titel für den Porno rumgespielt (was bereits nach dem fünften Titel ausgelutscht wirkt), um dann in einer der folgenden Szenen das „Filmstudio“ einreißen zu lassen, gerade als man drehen wollte. „Oh, wie sollen Zack und Miri nun den Porno drehen?“, soll man sich wohl fragen, wohl wissend, dass sie ihn drehen werden. Als kleine Referenz an seine eigene Karriere verlegt Smith das Prozedere nun an den Arbeitsplatz von Zack. Schließlich musste er selbst damals für Clerks. auch an seinem Arbeitsplatz mit Freunden drehen. Man fragt sich dann aber doch, wann Zack und Miri eigentlich Schlafen, wenn sie bis Sonnenaufgang an ihrem Porno drehen, um anschließend zur Arbeit zu gehen. Hier wirkt alles viel zu sehr wie Mittel zum Zweck und der Übergang vom ersten zum zweiten Akt ist mehr als harsch. Die einzelnen Szenen des Pornos werden kurz gedreht, die emotionale Spannungsschraube natürlich hinsichtlich des sexuellen Aktes von Zack und Miri angedreht und zwischendurch bezahlen die Freunde alle überfälligen Rechnungen, damit es dem Pärchen auch nicht allzu schlecht geht.

Nun ist es schon alleine im Genre begründet, dass Zack und Miri zusammen kommen. Und wie immer, wenn man bestimmten Genrekonventionen folgt, geht es nicht darum was man sagt, sondern wie man es sagt. Da kennen sie sich seit zwanzig Jahren, der Zack und die Miri, haben sich des Öfteren nackt gesehen, aber nie sexuelles Interesse aneinander gezeigt. Bis sich ihre Lippen eben zum ersten Mal berühren. Und schon kribbelts im Bauch und die Schmetterlinge rasen wie Flugzeuge umher. Ja, nee, is klar – komm, hör mir doch auf. Das kauft niemand den Figuren ab und das ist schlampiges Schreiben von Smiths Seiten aus. Wo der Regisseur, Autor, Produzent und Cutter in Personalunion sich bei Chasing Amy bzw. Jersey Girl noch ausgiebig Zeit gelassen hat, um den Weg von Freundschaft zu Beziehung der Figuren Holden und Alyssa bzw. Ollie und Maya glaubhaft zu verkörpern, berühren sich hier zwei Lippen und sofort entbrennt eine nicht geahnte Leidenschaft. Dies wirkt gerade deswegen heuchlerisch, weil die Figuren vorab noch ausdiskutieren, dass sie sich mehrfach nackt gesehen haben und seit der Grundschule kennen. Hinsichtlich der Tatsache, dass Miri scheinbar eh niemanden von der Bettkante stößt, wirkt die plötzliche Eifersuch vor den geplanten Sexszenen doch mehr als befremdlich.

Wie dilettantisch Smith hier sein Drehbuch hingerotzt hat, merkt man dann besonders im Finale. Nach der kurzen Klimax folgt schließlich nochmals das große Tabula Rasa innerhalb von zehn Minuten. Da ist es bittere Ironie, wenn Delaney (Craig Robinson) zu Zack meint, dass ihr Film keine Handlung (oder ein Ende) habe. Hat Zack and Miri Make a Porno schließlich ebenfalls nicht bzw. gerade soviel, dass man sie in einem Bloodhound Gang Video hätte erzählen können. Das kennt man von Smith nicht nur eigentlich besser, das kann man von ihm auch besser erwarten. So verwundert es dann doch, wenn seine achte Regiearbeit das mit Abstand schlechteste Werk innerhalb seiner ansonsten recht ansehnlichen Filmographie ist. Der Film verfügt weder über den Charme eines Chasing Amy, noch über den Witz eines Jay & Silent Bob Strike Back, den versuchten Zynismus eines Dogma oder die Wärme eines Jersey Girl. Das ist über weite Strecken zu lieb- und leblos und zugleich größtenteils ohne Sinn und Verstand zusammengeschustert. Die Dialoge sind flach, die Charaktere extrem eindimensional und die Entwicklung der Handlung wie angesprochen nicht wirklich vorhanden.

Exemplarisch für das Versagen des Filmes steht seine Besetzung. Seth Rogen und Elizabeth Banks entwickeln keine rechte Chemie, wirken stets wie zwei Schauspieler, die bezahlt wurden, um sich als Freunde auszugeben. Vielleicht wäre dem Film mehr geholfen, hätte Smith die Hauptrollen mit Jason Lee und Joey Lauren Adams besetzt. Unterboten wird die Besetzung von Rogen und Banks nur noch von der Darstellung Longs und Rouths. Das ist speziell bei Letzterem mehr als peinlich anzusehen, wie der Superman-Schauspieler versucht eine Rolle zu verkörpern, für die er überhaupt kein Talent mitbringt (und das ist bei einer derart simplen Figur, mehr als erschreckend). Ein Gewinn stellen lediglich die Smith-Zöglinge Jeff Anderson und Jason Mewes dar, auch wenn gerade die letzten beiden bedauerlicherweise viel zu kurz kommen. Letztlich ist es zu empfehlen, über Zack and Miri Make a Porno den Deckmantel des Schweigens zu hüllen. Nun ist Smiths letzter Film bei Weitem nicht das Gelbe vom Ei, weiß aber doch bisweilen mit dem Witz des Regisseurs aufzuwarten (allein wie Zack allmählich herausfindet, welcher Arbeit Brandon nachgeht oder er den Streit des Schwulenpärchens bewertet). Dennoch beweist der Film einmal mehr, dass Smith kein wirkliches Händchen dafür zu besitzen scheint, Hollywood-Schauspieler an Stelle seiner Freunde zu inszenieren. Somit ist sein Film zwar noch Durchschnitt, lässt aber für Cop Out - seine erste Studioarbeit - nichts Gutes ahnen.

5/10

1. April 2009

Sold Out - A Threevening with Kevin Smith

They said my name on the fucking TV show!

Wer den amerikanischen Regisseur und Drehbuchautor Kevin Smith nicht kennt oder aber ihn kennt und nicht mag, der wird wenig bis gar nichts mit dessen semi-dokumentarischen Frage-und-Antwort-Abenden anfangen können. Bei diesen so genannten Q&A’s (Questions and Answers) elaboriert Smith stets in privaten Anekdoten entweder zum Thema Hollywood oder seines Privatlebens. Oftmals wird auch beides miteinander kombiniert. Die erste DVD-Auskopplung dieses Q&A, An Evening With Kevin Smith, lief zumindest für den übergewichtigen Regisseur ziemlich gut. Wie er in seiner dritten Auskopplung erzählt, gingen anschließend vermehrt Rollenangebote wie für Catch & Release bei ihm ein. Der ersten DVD aus dem Jahr 2002 folgte An Evening With Kevin Smith 2: Evening Harder vier Jahre später. Für die aktuelle DVD halbierte sich die Veröffentlichungszeit. Sold Out. A Threevening With Kevin Smith erschien im vergangenen Jahr und liefert all das, wofür Kevin Smith sich seit Jahren auszeichnet, unter anderem auch dank seiner Q&A’s.

Die dritte DVD-Auskopplung führt ihn zurück zu seinem Heimatort New Jersey. Geschlagene fünfzehn Minuten elaboriert Smith über die Tatsache, dass er nach 37 Jahren nur wenige Straßen von seinem Geburtskrankenhaus entfernt zu finden sein wird. Gleichzeitig nutzt er diese Projektionsfläche um Sexwitzchen über seine Eltern zu machen, die dadurch nochmals „gewinnen“, da seine Mutter im Publikum sitzt. Über diese Art von Entertainment mag man sich streiten, die schon beim Kollegen Tom Green für einen enorm hohen Fremdschämfaktor sorgte. Auch seine Frau Jennifer Schwalbach Smith und seine Tochter Harley, die seine Geburtstagsshow für ihn einleiteten, werden mit sexuellen Witzchen konnotiert.

Was folgt ist typisch Kevin Smith. Die erste Frage des Abends, ob Smith sich vorstellen könnte einen Kinderfilm zu drehen, führt zu einer 45-minütigen Anekdote über den Kauf eines vierten Hundes im Hause Smith entgegen den Wünschen der Ehefrau. Zuvor erläutert Smith noch wie die anderen drei Hunde, vormerklich die ersten beiden, im Haushalt aufgenommen wurden. Der Regisseur nutzt diese Anekdoten keineswegs um auszuweichen, sondern – und das mag man ihm zurecht vorwerfen –hört er sich nur selbst gern am liebsten reden. Der erste fragende Zuschauer wird dann nach einer Dreiviertelstunde mit den Worten „That’s why I don’t think it would work“ abgekanzelt und hinterlässt diesen etwas überrascht.

Insgesamt werden verhältnismäßig wenig Fragen abgehandelt, bedenkt man die Tatsache, dass die DVD gut dreieinhalb Stunden läuft. Speziell bei den privaten Themen fühlt man sich als Publikum mitunter etwas gelangweilt. Die Geschichte der beiden Labradors Scully und Mulder hat sicher ihre Höhepunkte, doch 45 Minuten sind hier viel zu viel. Ähnlich verhält es sich, als ein Gast die letzte in der DVD aufgenommene Frage stellt, wie das eigentlich damals war, als Smith einen Arschriss hatte. Genüsslich und wie immer ohne Scham schmückt Smith die Geschichte aus, wie er seine Frau nötigte sein Arschloch anzuschauen und er letztlich in einem öffentlichen Gerichtssaal als Jurymitglied auf dem Bauch liegen musste, um dem Schmerz zu entgehen.

Sicherlich ist dies der Kevin Smith, mit dem die wenigsten etwas anfangen können. Sowohl die Hunde- als auch die Arschrissgeschichte wissen über Strecken zu unterhalten. Dennoch sind beide in ihrer Grundstruktur uninteressant. Die größte Stärke von A Threevening With Kevin Smith ist daher die Kommentierung des Hollywoodbusiness’. Sehr amüsant ist die Nacherzählung der Dreharbeiten von Clerks II, die von der Einfältigkeit des Nebendarstellers und Freund des Regisseurs, Jason Mewes, lebt. Dieser ist im Gegensatz zu den anderen beiden DVDs nicht anwesend, aber durch die Anekdote von Smith irgendwie doch. Denn wer Mewes kennt, kann sich diesen bildlich vorstellen, wie er auf einem kleinen Barbecuegrill im zweiten Stock eines billigen Motels Burger für die gesamte Crew brutzelt.

Etwas überzogen sind dagegen vielleicht die beiden mehr oder weniger persönlichen Angriffe auf die Schauspieler Hayden Christensen („whiny little fucker“) und Timothy Olyphant („Oly-phantastic“). Mit letzterem hatte Smith die Filme Catch & Release sowie Live Free and Die Hard gedreht. Während Olyphant bei ersterem scheinbar mehrfach persönliche Angriffe auf Smith wegen dessen mangelhaftem Spiel vornahm, erwähnt ihn der Regisseur beim Die Hard-Sequel selbst überraschenderweise nicht. Dafür weiß er eine unterhaltsame Interpretation von Bruce Willis während der Dreharbeiten zu liefern und wie schon bei den beiden vorherigen Malen ein authentisches Bild von Hollywood widerzuspiegeln.

Dennoch weiß Smith hinsichtlich seines Schauspiels und Gewichts erneut selbst kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er weiß sehr wohl über sich selbst Witze zu reißen und outet sich wieder einmal als wahrhafter Nerd. Trotz aller subtiler Kritik an Bruce Willis ist immer die Bewunderung für diesen Schauspieler vorherrschend („Everybody loves Bruce Willis“). Ähnlich verhält es sich mit anderen Comic-bezogenen Themen wie Superman Returns. Insgesamt ist Sold Out. A Threevening With Kevin Smith ganz okay, weiß jedoch nicht an die beiden vorherigen Teile, speziell den Ersten, heranzureichen. Die „Superman“-Story scheint einmalig zu bleiben. Für alle Smith-Fans empfiehlt sich dennoch diese DVD, in der Smith über persönliche Ängste vor Haien redet und zudem ausführt, wieso er selbst bei dieser erkennbaren Hitze einen langen Mantel über einen Pullover trägt.

6.5/10

18. August 2007

Mallrats

I have no respect for people with no shopping agenda.

Was macht jemand, wenn er die Filmschule abbricht? Richtig, er schreibt ein Drehbuch, basierend auf persönlichen Erfahrungen und finanziert das ganze indem er mehrere Kreditkarten bis zu ihrem Maximum ausschöpft. Anschließend reicht er den Film bei den Filmfestspielen von Cannes ein und gewinnt gleich einen Preis. Vielleicht klappt das aber auch nur, wenn man Kevin Smith heißt. 1994 mit Clerks. – für bescheidene $ 28.000 gedreht – erreichte Smith einen Grad an Popularität, der bis zum heutigen Tag angehalten und ihm eine große Fangemeinschaft beschert hat. Dass das Ganze mehr mit Glück als mit Verstand zu tun hatte, gibt auch Smith zu, der seinen Glauben in Gott darin begründet, dass er eine Filmkarriere hat. Nichtsdestotrotz war es ihm durch seinen Erfolg mit Clerks. bereits ein Jahr später gestattet diesen zweiten Film in seiner ViewAskewiverse-Reihe mit einem Budget von sechs Millionen Dollar zu verfilmen.

In Mallrats geht es um die Beziehungsprobleme der beiden Loser Brodie (Jason Lee) und T.S. (Jeremy London) mit ihren Freundinnen Rene (Shannen Doherty) und Brandi (Claire Forlani). Mit ihrem Latein am Ende verziehen sich beide in ihr örtliches Einkaufszentrum, wo sie auf ihre ebenso nichtsnutzigen Freunde Jay & Silent Bob, William, Gwen und Tricia Jones treffen. Neben Brandi’s Vater, dem ewiggeilen Shannen Hamilton und Sicherheitschef LaFours müssen sich die Freunde noch weiteren Hindernissen auf ihrem Weg zur glücklichen Liebe stellen. Soweit zur Handlung, falls man wieder mal überhaupt von einer Handlung sprechen kann (erstaunlicherweise haben viele Filme gar keine richtige Handlung, wie ich zuletzt öfters festgestellt habe). Denn die „Handlung“ ist für Smith nur die Verpackung für das eigentlich wichtige und auszeichnende seiner Filme: die Dialoge, bzw. der Dialogwitz.

Machen wir uns nichts vor, die Handlung ist bei Smith meistens nebensächlich, bestes Beispiel Jay & Silent Bob Strike Back, aber ebenso wären auch beide Clerks.-Streifen anzuführen. Smith’s Filme leben von seinem unvergleichlichen Humor, den aberwitzigen und oftmals vulgären Dialogen seiner Charaktere. Es findet sich in jedem seiner Filme mindestens eine Figur, die sprachliche Obszönitäten ausstößt (meistens sind es Jason Lee oder sein Namensvetter Mewes). Hieraus macht Smith keinen Hehl, hat er doch mit seinen Figuren oft mehrere Dinge gemeinsam, welche sich auch durch alle seine ViewAskewiverse-Filme ziehen: Comics und Filme, dazu dann noch Sex, bzw. Fellatio. Diese Themen behandelt Smith jedoch so charmant, wie kaum ein anderer und begründet damit seinen Erfolg. Den Vorwurf, dass er keinen Filmstil besitzt, hat er sich inzwischen zum Credo erhoben und sein Stil ist, dass er keinen Stil hat. Hauptkritikpunkt ist sicherlich – vor allem bei Mallrats – dass ebenjene Herzstücke die Dialoge sind und versucht wird, sich von einem Dialog zum nächsten zu retten. Meistens geschieht dies, indem Brodie „What the fuck?“ oder „Look who’s there!“ sagt und die Kamera anschließend die neue Szene einleitet.

Natürlich hat sich Smith nicht vorgenommen, das Kino neu zu erfinden, dass weiß er auch ganz genau. Der Mann – zum Schock der Studios – will einfach nur Spaß haben und mit seinen Freunden Filme drehen (in jedem seiner Filme spielt einer seiner Freunde die Hauptrolle). Als Vorlage dienen teilweise aberwitzige Anekdoten (von denen Smith genügend hat, bei Interesse empfiehl sich An Evening With Kevin Smith) um die Essensregulierung in Kaufhäusern oder das Aufmischen von übergroßen Osterhasen, nicht zu reden von Ivannah, der oben-ohne Wahrsagerin mit drei Nippeln. Gerade in solchen Szene liegt der Witz, wenn Brodie mit seiner Ex die Besuchsrechte für das Einkaufszentrum ausmacht oder sich aus Rache die Hand in den Arsch steckt, um Brandi’s Vater anschließend schoko-überzogene Minibrezeln anzudrehen. Smith ist eben kein Ästhet, sondern ein Mann des vulgären Humors, diesen beherrscht er dann aber doch mit einem gewissen Stil und driftet nicht in Untiefen wie American Pie ab.

Abgerundet wird das ganze mit Verweisen auf Klassiker wie Blues Brothers, American Graffiti oder Jaws, einem tollen Gastauftritt von Stan Lee und Brüsten (was braucht ein Mann mehr?). Interessant ist noch die Tatsache, dass Jason Mewes wegen seiner Drogensucht eigentlich von Seth Green hätte abgelöst werden sollen und unter anderem Jennifer Love Hewitt und Reese Witherspoone für den Part von Tricia Jones vorsprachen. Mut zur Selbstironie wird auch in den Charakteren bewiesen, so ist Ben Affleck’s Figur nach Shannen Doherty und ihren kurzzeitigen Ehemann Anthony Hamilton benannt, während Doherty’s Figur mit Nachnamen Mosier heißt, benannt nach Scott Mosier, dem Freund und Produzenten von Smith. Kleine Anekdoten wie diese und die vielen liebenswerten Charaktere, die auf Freunden und Bekannten von Smith basiert sind, machen den Charme seiner Filme aus und auch wenn sie keine Wilder’s sind, unterhalten sie einen dennoch meistens köstlich.

7/10