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10. September 2007

Death Sentence

Go with God, and a bag full of guns.

Eigentlich müsste man ja sagen, dass ich Glück gehabt habe, dass unter dem Thema “Spannung” in meiner Sneak nicht The Lookout, Disturbia oder Premonition lief, welche ich alle drei bereits auf US-DVD begutachten konnte. Ob es tatsächlich Glück war ist nach dem Kinobesuch jedoch wieder diskussionswürdig. Autor Brian Garfield schrieb 1972 einen Roman, welcher zwei Jahre später mit Charles Bronson unter dem Titel Death Wish (Ein Mann sieht rot) in die Kinos kam und als Selbstjustizthriller anzusehen ist. Dabei war dieser ein großer Erfolg und zog noch vier Fortsetzungen bis Anfang der 90er nach sich. Drei Jahre nach besagtem Roman schrieb Garfield 1975 eine Fortsetzung, Death Sentence, welcher logischerweise erneut ein Selbstjustizthriller ist und jetzt in den Kinos startet. Regie hierbei führte James Wan, der sich mit Saw für den Dominostein des Gewaltpornokinos verantwortlich zeigen darf.

Dabei hat Wan’s Film - welchen Garfield übrigens für einen „erstaunlich guten Film hält“ - mit Garfield’s Roman überhaupt nichts zu tun (was dessen Haltung und Zitat zum Film noch unverständlicher macht), den letzterer war wie oben erwähnt eine Fortsetzung zu dem drei Jahre zuvor geschriebenen Death Wish. Im Prinzip ist Death Sentence also eine Interpretation von Death Wish, die den Namen von Death Sentence trägt (was evtl. an den Filmrechten liegen kann, die Paramount gehören). Die Hauptrolle wurde mit Charakterkopf Kevin Bacon besetzt, in Nebenrollen sind John Goodman und Aisha Tyler, sowie Matt O’Leary zu bewundern. Die Frau von John Travolta spielt auch mit (das dürfte den meisten Leuten mehr sagen, als wenn ich Kelly Preston schriebe, die selten Filme dreht und wenn, dann solche von der Qualität wie Death Sentence).

Nick Hume (Bacon) hat eine tolle Familie, eine tolle Frau (Mrs. Travolta) und zwei tolle Söhne. Dabei ist der eine Sohn, Brandon, noch toller als der andere Sohn, Lucas. Was ein tolles Leben (zu dem noch ein tolles Auto, ein tolles Haus und ein toller Job gehören)! Hier hat sich jeder dolle lieb und da wird auch jede Sekunde auf der Videokamera festgehalten. Hach, ist das schön…jedenfalls so lange bis Brandon während eines Tankstellenstops im Ghetto von einem Gangster ermordet wird. Nick kann den Täter zwar identifizieren, aber da dieser höchstens fünf Jahre bekommen würde, verweigert Nick vor Gericht die Aussage und nimmt das Gesetz in die eigenen Hände. Er kann den Täter, Joe Darling, zwar töten, hat dafür allerdings dessen Bruder und Gangführer Billy im Nacken, die dann schon mal am helllichten Tag wild rumballernd hinter Nick herhetzen. So hat sich der gute Nick mal eben schnell einen schönen Bandenkrieg ins Haus geholt - nur dass Nick eben keine Bande hat und folglich auf sich allein gestellt ist.

Einen schlechten Film erkennt man bereits in seiner Eröffnung und so wirkt Nicks Videoglück so übertrieben aufgesetzt und unglaubwürdig, dass es einen richtig anwidert. Wieso muss Wan Nick ein solch hohes Podest bilden? Damit der Zuschauer nachvollziehen kann, was sich im Verlauf abspielt? Um zu zeigen, was Nick alles verloren hat und damit rechtfertigt, welche Mittel er ergreift? Absolut unnötig und unglaubwürdig das ganze. Das gilt auch für den Rest der Eröffnung, wenn Nick das Benzin ausgeht und er im Ghetto an der einzigen Tankstelle in den USA ohne Videokamera hält (O-Ton Film). Da wird dann Brandon als Initiationsritus von einer Gang ermordet (mit subtiler und extrem makabrer Vorankündigung von Nick). Der Täter wird dann schließlich von einem Auto überfahren, kommt dann aber vor Gericht davon, da man ihn scheinbar nur drei Jahre hinter Gitter bringen könnte. Zur Erinnerung, hierzulande droht man Internetpiraten auch mal gerne fünf Jahre Zuchthaus an, im Zweifelsfall also lieber jemanden ermorden, bevor man sich beispielsweise Death Sentence aus dem Internet runterlädt.

Diese Reihe lässt sich noch beliebig fortsetzen, der Angriff auf Nick ist so ein Paradebeispiel. Da rennen Billy und seine acht Kumpels mit gezückten Pistolen auf Nick zu und feuern was das Zeug hält. Am helllichten Tag und auf offener Straße, vor gut zwanzig Zeugen. Und dennoch kann die Polizei nichts gegen die Kerle ausrichten? Wenn dem so ist, dann gut Nacht. Aber die Polizei, im Film denkbar schlecht verkörpert von Aisha Tyler, ist hier ohnehin so eine Nummer, wenn die ermittelnde Beamtin (Tyler) mit altklugen Muttersprüchen wie „Wer hat denn angefangen?“ und „Na, haben Sie jetzt genug?“ ankommt. Sollte die amerikanische Polizei in den USA auch nur ansatzweise so stümperhaft sein, wie sie hier im Film dargestellt ist, braucht man sich über den 11. September nicht wundern. Lächerlich das ganze, jede einzelne Figur ist unglaubwürdig und armselig gezeichnet, dabei macht von allen nur Nick eine Entwicklung durch, alle anderen Charaktere stagnieren.

Die Botschaft des Films ist dabei ziemlich eindeutig: beschütze was deins ist (Untertitel). Der Zweck heiligt hiermit die Mittel und bei so einer Polizei ist das nur verständlich, wenn Nick sein Konto auflöst um sich Waffen zu kaufen (wieder unterlegt mit einem subtil makabren Satz). Die Affinität der Amerikaner zu Waffen (siehe Nicks Scheune) wird dabei überdeutlich und wenn man will, dass etwas richtig gemacht wird, muss man es eben (immer noch) selber machen. Der Verlauf des Films zeichnet sich hier klar ab und eine wirkliche Handlung - geschweige denn richtige Dialoge - sind nicht vorhanden. Gesteigert wird das ganze noch von falsch platzierten, verwackelten Handkamerabildern, sinnlosen Einstellungen und Nahaufnahmen und beinahe jede Szene untermalt von der entsprechenden rockigen Musik. Dazu eine Traumsequenz, die am Ende keine Traumsequenz war und das dilettantische Highlight des Films darstellt. Ich könnte mich noch stundenlang über Details auslassen, will ich aber nicht und tue es deshalb auch nicht. Death Sentence ist vielleicht nicht der schlechteste Film des Jahres, ohne Frage ist er jedoch der dümmste von ihnen (bisher).

1.5/10