10. September 2008

Afro Samurai

Nothing personal. It's just revenge.

Tief verwurzelt in der japanischen Kultur finden sich zwei Dinge: Samurai-Geschichten und Mangas. In Japan ist man fraglos stolz auf seine feudale Vergangenheit, welche den Berufszweig der Samurai, einer stolzen Kriegerkaste, hervorbrachte. Gerade die japanische Regielegende Akiro Kurosawa hatte jenen Samurai mit seinen Filmen wie Shichinin no samurai oder Yojimbo ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt und zugleich tiefe Eindrücke bei der westlichen Welt hinterlassen. Nicht umsonst dienen gerade diese beiden Filme noch heute für Remake-Versionen, passender Weise natürlich im Westerngenre verhaftet. Und auch ihre Mangas sind den Japanern lieb und teuer, was Produkte wie Ghost in the Shell, Akira, Gilgamesh oder Full Metal Alchemist beweisen. Was liegt da also ferner, als diese beiden Produkte miteinander zu verbinden und eine Manga-Serie über einen Samurai zu entwerfen? Im vergangen Jahr produzierte das Studio Gonzo fünf 25minütige Episoden einer ersten Staffel zu Afro Samurai, die nicht nur die Idee des feudalen Japans wiederbelebte, sondern sie auch noch in die Zukunft transferierte. In Verbindung mit anderen Elementen aus dem Science Fiction und Western Bereich zitiert Serienschöpfer Takashi Okazaki dabei die großen Werke von James Cameron (Terminator: Judgement Day) oder George Lucas (Star Wars), während sein Hauptprotagonist an den legendären Jimi Hendrix erinnert.

In Okazakis Dōjinshi-Manga dreht sich alles um zwei Stirnbänder. Das eine gehört der Nummer Eins, das andere der Nummer Zwei. Wer im Besitz des Nummer Eins Stirnbandes ist, verfügt über einen Gott-gleichen Status und ihm sind keine Grenzen aufgezeigt. Zudem kann er sein Stirnband lediglich an eine Person verlieren: die Person mit Stirnband Zwei. Nur er darf die Nummer Eins herausfordern, er selbst jedoch, darf von jedem herausgefordert werden. Somit ist das Leben der Nummer Zwei durchzogen von Gewalt und Mord, um sein eigenes Leben zu erhalten und sich selbst die Chance zu bewahren letztlich die Nummer Eins herauszufordern. Ebenjene Nummer Eins ist Rokutaro, ein schwarzer Samurai mit riesigem Afro. Zu Beginn des Filmes wird er von Justice, der Nummer Zwei, herausgefordert – und verliert. Das alles geschieht vor den Augen seines Sohnes, der später wegen seiner Frisur den Namen Afro erhalten soll und sich nichts anderes zum Ziel gesetzt hat, als das Stirnband seines Vaters von Justice (Ron Perlman) zurück zu holen und dessen Tod zu rächen. Durch langjähriges Training in einer Samuraischule freundet sich Afro mit Mitschüler Jinno sowie der kleinen Otsuro an. Doch persönliche Freundschaften bedeuten Afro nichts und stehen im nur im Weg auf seinem unbarmherzigen Pfad der Rache. Als Afro (Samuel L. Jackson) des Mordens überdrüssig ist, macht er sich auf den Weg zum Mount Shimu, um Justice herauszufordern. Auf dem Weg dorthin lauern aber nicht nur die tückischen Mönche The Empty Seven, sondern auch Afros Vergangenheit mit all ihrem geflossenen Blut.

Die Handlung von Afro Samurai ist viel verschachtelt und entfaltet sich langsam während seines Rachefeldzuges. Immer wieder wird die gegenwärtige Geschichte von Afros Rückblenden durchbrochen, erfährt der Zuschauer etwas mehr von seinem emotionslosem Hass und seine Gier nach dem Stirnband Nummer Zwei. Dieses futuristische, feudale Japan ist eine harte Welt, deren Look Okazaki düster und dunkel gestaltet. Einzig zu Beginn, unter Rokutaros „Herrschaft“ sieht man einen strahlenden Sonnenuntergang, doch die Zeiten sind seit Justice nun vorbei. Eine trostlose Gegend, deren einzige Wärme von Jinno und Otsuro ausstrahlt. Zwei reine Seelen, die sich des kleinen schwarzen Jungen an- und in ihre Familie aufnehmen. Doch Afro wird nie richtig warm mit dieser neuen Familie, kann er vielleicht auch gar nicht. Er ist seit jeher wortkarg und scheint in seinem Leben keinerlei Genuss zu finden. Alles ist durchzogen von seinem Wunsch nach Rache – dabei hatte sein Vater ihm diese mit seinem letzten Worten noch versucht auszureden. Welchen Preis Afro schließlich für seine Rache bezahlen wird oder welchen andere für seine Rache zahlen müssen, entblättert sich in jenen Rückblenden, welche die Geburt einer anderen Figur darstellen.

An dem Tag, als Afro das Stirnband Nummer Zwei gewann, kostete dies dutzende von Menschen das Leben, darunter auch einige von Afros Freunden. Dieses Ereignis und dieser Schmerz kulminierte dann in der Entstehung von Afros imaginären Freund Ninja Ninja (Samuel L. Jackson), der das komplette Gegenteil seiner selbst ist. Ninja Ninja fungiert als Afros wandelndes schlechtes Gewissen, eine konstante Erinnerung an jenen Tag und den Preis, den andere für seine Rache zahlen mussten. Dabei spricht der erwachsene Afro selten bis gar nicht und wenn, dann nur um Ninja Ninja zu sagen, er solle die Fresse halten. Denn Ninja Ninja redet ununterbrochen und gibt seinen Senf zu allem ab. Er ist Afros Sidekick ohne ihm von wirklichem Nutzen zu sein. Denn obschon er sich Ninja nennt, drückt er sich um jeden Kampf, versucht sogar Afros Selbstbewusstsein bei seinen Kämpfen zu unterminieren. Obschon seine Funktion als imaginärer Freund eine gewisse Rolle hat, hätte man auch sehr gut auf Ninja Ninja verzichten können und im Grunde auch sollen. Jacksons Slang kommt hier natürlich voll zum Tragen, nur ist Ninja eher nervig, als ein wirklicher comic relief. Sein ständiges Nölen und Jammern geht einem tierisch auf den Senkel, weshalb eine andere Manifestation als schlechtes Gewissen, eine stille und ruhige, die lediglich gelegentlich auftaucht, die bessere und stimmigere Wahl gewesen wäre.

Dabei ist Afro Samurai strukturiert aufgebaut, sodass in jeder Episode ein Kampf von Afro in den Fokus rückt. So hat er neben den Empty Seven und deren angeheuerten Auftragskillern unter anderem auch mit einem Androiden zu tun, der AfroDroid heißt und nach seinem eigenen Vorbildern entworfen wurde. Die visuell eindruckvollste Figur ist jedoch sicherlich der Cyborg Kuma, ein Samuraikämpfer mit einem Teddybär-Helm, der seine eigene Agenda verfolgt und mit Afro eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Während AfroDroid unverwechselbar an die Terminator-Maschinen James Camerons angelehnt ist (inklusive roten Augen), bildet Kuma eine Referenz zu Darth Vader, was man schon allein durch seine Ventilationsmaschine zu hören kriegt. Die vielen Figuren mit ihren jeweiligen Hintergrundgeschichten sind dabei ebenso gelungen in die Handlung verwoben, wie die Kämpfe selbst. Diese wurde weniger auf explizite Gewaltdarstellung geschnitten als vielmehr im Geiste eines Mangas. Die Bewegungen sind oft abgehakt und weniger fließend, was eine universelle Atmosphäre kreiert. Doch unabhängig von Afro Samurai, den anderen Figuren oder den Kämpfen selbst ist sicherlich die musikalische Komposition von Künstler RZA das Herz des Filmes. Die stimmungsvollen, selten aufdringlichen HipHop-Beats fügen sich ebenso passend in das Gesamtbild ein, wie es die Handys, Cyborgs und anderen technischen Spielereien in diese feudal-futuristische Welt tun. So ist Afro Samurai vielleicht nicht unbedingt der coolste Film der letzten Jahre, aber ohne Frage wohl der lässigste und für alle Fans von Mangas und/oder Samurai definitiv zu empfehlen.

7.5/10 – erschienen bei Wicked-Vision

Kommentare:

  1. Abgesehen von ein paar Längen (welche jedoch Zustande kamen, da hier die einzelnen Episoden nacheinander angespielt wurden, statt dass man den Director's Cut präsentierte) und dem nervigen Ninja Ninja ist das Teil auch sehr lecker.

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