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1. Mai 2015

Filmtagebuch: April 2015

THE ABCS OF DEATH 2
(USA/NZ/IL/CDN/J 2014, Chris Nash u.a.)
1/10

ACTRESS
(USA 2014, Robert Greene)
5.5/10

ADIEU AU LANGAGE [GOODBYE TO LANGUAGE]
(CH/F 2014, Jean-Luc Godard)

1/10

ALI
(USA 2001, Michael Mann)
6/10

AVENGERS: AGE OF ULTRON
(USA 2015, Joss Whedon)
3.5/10

THE BABADOOK
(AUS/CDN 2014, Jennifer Kent)
5.5/10

BANDITS [BANDITEN!]
(USA 2001, Barry Levinson)

5/10

BETTER CALL SAUL – SEASON 1
(USA 2014, Colin Bucksey u.a.)
7.5/10

CAPTAIN AMERICA: THE WINTER SOLDIER
(USA 2014, Anthony Russo/Joe Russo)
6/10

DAREDEVIL [DIRECTOR’S CUT]
(USA 2003, Mark Steven Johnson)

6.5/10

MARVEL’S DAREDEVIL
(USA 2015, Phil Abraham u.a.)
7.5/10

GHOSTBUSTERS
(USA 1984, Ivan Reitman)
8.5/10

GHOSTBUSTERS II
(USA 1989, Ivan Reitman)
7.5/10

A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT
(USA 2014, Ana Lily Amirpour)
7/10

GOING OVERBOARD
(USA 1989, Valerie Breiman)
1/10

GROWN UPS [KINDSKÖPFE]
(USA 2010, Dennis dugan)

4.5/10

INTERSTELLAR
(USA/UK/CDN 2014, Christopher Nolan)
3.5/10

JACK AND JILL
(USA 2011, Dennis Dugan)
3.5/10

JIAO YOU [STRAY DOGS]
(RC/F 2013, Tsai Ming Liang)

4/10

JUST GO WITH IT [MEINE ERFUNDENE FRAU]
(USA 2011, Dennis Dugan)

6/10

KITCHEN NIGHTMARES (U.S.) – SEASON 4
(USA 2011, Jay Hunter u.a.)
8/10

MEN, WOMEN & CHILDREN [#ZEITGEIST]
(USA 2014, Jason Reitman)

2/10

MISSION: IMPOSSIBLE – GHOST PROTOCOL
(USA/UAE/CZ 2011, Brad Bird)
6/10

PAYCHECK
(USA/CDN 2003, John Woo)
4/10

THE PHANTOM
(USA/AUS 1996, Simon Wincer)
5.5/10

STARRY EYES
(USA/B 2014, Kevin Kölsch/Dennis Widmyer)
1.5/10

TAKERS
(USA 2010, John Luessenhop)
6/10

THAT’S MY BOY [DER CHAOS-DAD]
(USA 2012, Sean Anders)

7.5/10

V/H/S: VIRAL
(USA 2014, Justin Benson u.a.)
1/10

THE WEDDING SINGER [EINE HOCHZEIT ZUM VERLIEBEN]
(USA 1998, Frank Coraci)

7.5/10

Retrospektive: The Fast & the Furious


THE FAST AND THE FURIOUS
(USA/D 2001, Rob Cohen)
7/10

2 FAST 2 FURIOUS
(USA 2003, John Singleton)
5.5/10

THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT
(USA/D 2006, Justin Lin)
5.5/10

FAST & FURIOUS
(USA/J 2009, Justin Lin)
6.5/10

FAST FIVE [FAST & FURIOUS FIVE]
(USA 2011, Justin Lin)

7.5/10

FAST & FURIOUS 6
(USA 2013, Justin Lin)
6.5/10

FURIOUS 7 [FAST & FURIOUS 7]
(USA/J 2015, James Wan)

6/10

12. Februar 2010

Elektra

Let’s keep your death between you and me.

Weibliche Superhelden, zumindest diejenigen unter ihnen, die ihr eigenes Franchise tragen können, sind die Seltenheit. Da gibt es natürlich Ausnahmen, wie Dark Horses Barb Wire oder DC’s Wonder Woman, aber für gewöhnliche kommen Frauen nicht über den Status des love interest oder der Teammitgliedern hinaus. Marvels Elektra zählt hier zu den oben erwähnten Ausnahmen. Erschaffen von Frank Miller als Nebenfigur im Daredevil-Universum, erhielt Elektra 1983 schließlich ihre eigene Comic-Serie, die bis heute Bestand hat. Will man Wikipedia Glauben schenken, so ist sie die Marvel-Figur, die die meisten Menschen auf ihrem Gewissen hat. Von Miller als Tochter eines griechischen Milliardärs entworfen, ist es (natürlich) der Tod des Vaters, der Elektra Natchios ihre dunklen Pfade beschreiten lässt. In China ließ sie sich von der Ninja-Organisation The Hand zur Killerin ausbilden. Hierbei hatte sie mit Stick denselben Lehrmeister, wie ihre große Liebe Matt Murdock. Als Auftragskillerin verdiente sich Elektra fortan ihren Lebensunterhalt und arbeitete dabei unter anderem für den Kingpin und mit Wolverine (in getrennten Comicserien).

Zwei Jahre nach ihrem Auftritt in Mark Steven Johnsons Daredevil wurde die Figur der Elektra (Jennifer Garner) für ein eigenes Kinoabenteuer ausgebaut. Die Regie übernahm X Files-Veteran Rob Bowman, der sich in seiner Filmhandlung auf Elektras Auseinandersetzung mit The Hand konzentriert. Hierbei folgt der Film zum Teil den Daredevil-Ausgaben Gantlet und Hunters, in denen sich Elektra mit dem legendären Krieger Kirigi konfrontiert sieht. Eingebettet wird das Ganze in eine Moralhandlung, in der Elektra damit beauftragt wird, einen Vater (Goran Visnjic) und seine Tochter (Kirsten Prout) zu ermorden. Amüsanterweise findet sich auch hier wieder eine crossmediale Referenz, bedenkt man, dass Visnjics Charakter den Namen Mark Millar trägt. Eben jenes Schöpfers der Comics Wanted und Kick-Ass. Abgesehen von zwei, drei direkten Panel-Übernahmen glänzt Bowmans Film jedoch im Vergleich zu Johnsons Umsetzung zwei Jahre zuvor nicht durch sonderliche Vorlagentreue. Zumindest nicht hinsichtlich der Kirigi-Storyline, abseits davon bin ich selbst mit Elektra als Stand-Alone-Werk nicht vertraut.

Sie sei eine Legende, heißt es zu Beginn des Filmes. Ein Mythos, in Wirklichkeit schon vor Jahren gestorben. Ausgebildet in der Kunst der Ninjas, zurückgebracht von den Toten durch ihren Lehrmeister Stick (Terence Stamp). Ausgegrenzt von diesem aufgrund ihres Charakters. „Is this a test?“, fragt Elektra noch, ehe sie ihr Leben im Exil antritt. Als kaltblütige Auftragsmörderin treibt sie ihre nächste Mission an einen träumerischen See. Hier macht sie unwissentlich die Bekanntschaft ihrer nächsten Opfer. Es eher der Umstand, dass Millar seine Tochter Abby alleine großzieht (und damit Erinnerungen der Halbwaise Elektra evoziert), als der Kontakt zu ihnen, der Elektra dazu bewegt ihren Auftrag abzubrechen. Da The Hand daraufhin einfach Ersatz schickt, obliegt es Elektras Talent und Güte, ob die Millars weiterleben werden. Mit ihrer Einmischung in die Belange ihrer alten Organisation macht sich Elektra allerdings diese zum Feind. Kirigi (Will Yun Lee) übernimmt die Jagd auf die Millars gemeinsam mit seinen Gefolgsleuten wie Tattoo oder Typhoid. Im Gegensatz zur Elektra-Millar-Storyline sind es Kirigi und seine Helfer, die primär Phantastisches in die Comicverfilmung tragen, die ansonsten sehr stark in der Realität verankert ist.

Die Handlung rund um Kirigis Jagd nach Abby, als auserwählter Schatz zwischen den Mächten von Gut und Böse wirkt in der filmischen Verortung reichlich abgehoben. Die Wiedererkennung von Elektra in dem Mädchen als Motiv ist dagegen glaubwürdig und nachvollziehbar. Obschon auch hier, ähnlich wie in Daredevil, der Antagonist wieder als Verursacher des Elternmordes ausgemacht wird. Und wäre die Verwendung des überzogen Comichaftem in dieser zu realen Umgebung nicht, hätte man Bowmans ansonsten relativ soliden Film sicherlich auch besser aufgenommen. Zudem verkommen Typhoid und Co. nur zu bloßen Bauern im Schachspiel von Kirigi, deren Kräfte – bedenkt man, dass Elektra eben keine Mutantin oder dergleichen ist – als überbordende Bedrohung wahrgenommen werden müssen. Von dem etwas fehl platzierten The Shining-Zitat im Finale ganz zu schweigen. Zwar war Kirigi auch in Gantlet ein übermenschlicher Gegenspieler, doch fand dies eine andere als eine mystische Begründung. So wirkt er als Antagonist relativ blass, sein finaler Kampf gegen Elektra etwas flach und die gesamte Vermischung von übersinnlichen Fähigkeiten und Realität ziemlich unharmonisch.

Zudem ergibt sich eine große Frage nach der Chronologie. Schließlich sah man in Daredevil, wie Elektra die Kette ihrer Mutter Matt Murdock hinterlassen hat. In Elektra wiederum trägt sie diese Kette, auch wenn sich die Darstellung des Anhängers verändert hat. Bedenkt man die geschnittene Traumsequenz mit Murdock (Ben Affleck) – eine Reminiszenz an den Director’s Cut von Terminator 2: Judgment Day -, so ist nicht wahrscheinlich, dass Elektra zwischen den Ereignissen von Elektra und Daredevil nochmals Kontakt zu Murdock hatte. Nichtsdestotrotz weiß Bowman auch einige Dinge richtig zu machen. Zum einen darf Elektra hier endlich ihr klassisches, rotes Kostüm tragen (selbst wenn das Kopftuch fehlt), zum anderen weiß die musikalische Untermalung im Gegensatz zu Daredevil besser zu gefallen, da hier ausschließlich auf einen instrumentalen Score gesetzt wurde. Der gesamte Film ist jedoch in seiner Grundhaltung stark familiär ausgelegt. Elektra als Ersatzmutter neben Millar und Abby läuft etwas ihrem Ruf als eiskalte Killerin zuwider. Dennoch ist Elektra keineswegs ein missratener Film, selbst wenn er selten wirklich sein Potential auszuschöpfen vermag.

5.5/10

18. September 2009

Daredevil - Director’s Cut

How do you kill a man without fear?

Nach Bryan Singers gelungenem Comic-Reboot X-Men oblag es 2001 Sam Raimis Spider-Man, den damals erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen. Inzwischen sind Superhelden-Verfilmungen zur Regel geworden und vormerklich die bekannten Helden finden ihren Weg auf die Leinwand. Außerhalb der USA weiß man wenig mit Iron Man, Ghost Rider oder Daredevil anzufangen. Letzterer steht nicht zuletzt auch aufgrund seines Wohnortes im Big Apple stets im Schatten von Spider-Man. Dieser erblickte zwei Jahre zuvor das Licht der Welt, ehe sein Schöpfer Stan Lee Daredevil aus den Angeln hob. Im April 1964 feierte der rechtschaffene Held seine Geburt und vergnügt sich somit seit 45 Jahren im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen. Dabei verdient Daredevil besonderes Augenmerk, ist er doch ein etwas anderer Superheld, der mit anderen Umständen zu kämpfen hat als zum Beispiel ein Wolverine, Spider-Man oder Hulk.

Von seinem Vater dazu ermutigt strebsam zu lernen, um einmal als Arzt oder Anwalt zu arbeiten, sollte eine Heldentat das Leben des jungen Matt Murdock für immer verändern. Als er einen Mann vor einem Laster mit radioaktivem Material rettet, sorgt der daraus resultierende Unfall dafür, dass Murdock selbst erblindet. Die Radioaktivität verändert dafür seine restlichen Sinne, so sind sein Geruchs- und Tastsinn verbessert und an die Stelle der Augen tritt eine Echoortung. Diese dient ihm fortan als Sicht durch die Straßen New Yorks. Als sein Vater von Gangstern ermordet wird, stürzt sich der Junge in seine Studien und wird später gemeinsam mit seinem Studienkommilitonen Frank ‘Foggy’ Nelson eine Pro-Bono-Anwaltskanzlei aufmachen. Doch Justitia ist ebenso blind wie Murdock selbst, weshalb er des Nachts kostümiert den Verbrechen in seinem Viertel nachgeht, um die zur Strecke zu bringen, die das Gesetz nicht erreicht.

Eine Renaissance erfuhr Daredevil als sich 1979 der 24-jährige Frank Miller an der Figur versuchte. Er war es, der den Kingpin als Antagonisten aus dem Spider-Man-Universum entlieh und zudem in seiner ersten Tätigkeit als Autor (er war zuvor bereits an einigen Ausgaben als Zeichner beteiligt) Murdocks große Liebe, Elektra Natchios, einführte. Zugleich bescherte er der Serie einen lockeren Humor, der bisweilen die Vierte Wand durchbrach. “Exit Matt Murdock, attorney-at-law – enter Daredevil, man without fear, bane of the underworld, champion of the oppressed – and so on”, scherzt da sein maskierter Held – der sich Anfangs jeder Ausgabe stets nochmals kurz vorstellt – zum Beispiel in Daredevil goes berserk (#173). “I don’t care how many cop shows you’ve seen it on. You can’t tell if somebody is following you”, wendet sich Auftragskiller Bullseye in Last Hand (#181) ans lesende Publikum, als er selbst im Taxi gerade jemanden verfolgt.

Ohnehin ist Daredevil ein besonderer Superheld – schon allein, weil er nicht wirklich ein Superheld ist. Speziell sein Moralbewusstsein fällt auf, tötet Daredevil doch nie. Nicht einmal seine Nemesis Bullseye – was mehrmals zu Reueempfindungen führt, wenn dieser anschließend Zivilisten ermordet. “The moment one man takes another man’s life in his own hands, he is rejecting the law -- (…) But I’m not God -- I’m not the law -- and I’m not a murderer”, erklärt Daredevil in Devils (#169). Dies unterscheidet ihn von zwiegespaltenen Helden wie Batman oder Wolverine, deren Weste nicht unbedingt rein ist. Und wenn man Daredevil schlägt, trifft man ihn auch. Er blutet und leidet und verfügt nicht über abnormale oder regenerierende Kräfte. Murdocks Echolot ist somit letztlich nicht unbedingt eine Gabe, sondern nur Ersatz für den Verlust seiner Augen. Was ihn schon mal menschlicher als andere Marvel-Helden macht.

Das Budget des Films bewegt sich auf X-Men-Niveau, während Spider-Man und Hulk (ebenfalls von 2003) fast das doppelte Budget erhielten. Hier zeigt sich der Stellenwert der Figur innerhalb der Comic-Welt, entsprechend wirken gerade die Spezialeffekte im Film ziemlich unsauber. Johnson erklärt es im Audiokommentar damit, dass eben zu wenig Geld zur Verfügung stand, was sich gerade im Orgel-Kampf zwischen Daredevil (Ben Affleck) und Bullseye (Colin Farrell) zeigt. Dennoch lag es nicht an den Effekten, dass der Film trotz 100 Millionen Dollar Gewinn floppte. Aus Pacinggründen forderte das Studio, dass Johnson eine Nebenhandlung und die Gewalt trimmte. “Too much punching and kicking”, rezitiert Johnson lakonisch im Audiokommentar. Die fertige Fassung konnte dann PG 13-gerecht an die Kinos geliefert werden. Ein Modus operandus, den Marvel auch bei Iron Man und The Incredible Hulk anwandte.

Umso erfreulicher, dass Johnson die Chance gegeben wurde, sich mit seinem Director’s Cut zu rehabilitieren. “It’s a different movie”, erklärt der Regisseur gleich zu Beginn und fasst die um 30 Minuten erweiterte Fassung als “the story-version of the story” zusammen. Und wie in vielen Fällen steht diese dem Film gut zu Gesicht, was nicht kaschieren soll, dass Daredevil weiterhin über Mängel verfügt. Generell problematisch ist die Tatsache, dass der Film einfach zu over-styled ist. Dies merkt man besonders an der musikalischen Untermalung, die jedes Mal, wenn sie den instrumentalen Score verlässt, durch ihren Pop-Faktor unpassend wirkt. Lediglich Evanescences „My Immortal“ gefällt, während die restlichen Tracks eher abstoßend wirken. Im Grunde sind alle Annäherungen an die Sehgewohnheiten der Zuschauer etwas misslungen, selbst wenn Johnson sie bisweilen durch nette Referenzen geschickt zu überspielen weiß.

Der Film beginnt mit der Geburt des Helden und folgt hier weitestgehend der Vorlage. Ein Vertrauensbruch zwischen Vater (David Keith) und Sohn (Scott Terra) führt zum tragischen Unfall und die veränderte Moral von Jack Murdock schließlich zu seinem Tod. Diesen verbindet Johnson in Batman-Manier im Finale mit Kingpin (Michael Clarke Duncan). Der Wendung, dass der Antagonist für den Vater-Tod verantwortlich ist, musste man bereits bei Burton kritisch gegenüberstehen. Umso erstaunlicher, wie gerne dieser Kniff in Comicverfilmungen Verwendung findet, so auch in Rob Bowmans Adaption von Elektra. Anschließend springt die Geschichte in die Gegenwart und stellt sich der problematischsten Änderung zum Comic. Murdock und Partner Foggy (Jon Favreau) sind nicht im Stande, den angeklagten Triebtäter Quesada dem Recht zu überführen.

Dies obliegt also Daredevil und was folgt, ist eine schöne Reminiszenz an Devils, wenn Daredevil Quesada in die U-Bahn-Station verfolgt, wo er sein Echolot nicht zum eigenen Vorteil nutzen kann. Problematisch wird es, als der Mann ohne Angst Quesada auf die Gleise stürzen und dort liegen lässt, während ein Zug einfährt. Selbst wenn Daredevil aus Selbstverteidigung reagiert, verkommt die Szene letztlich zu vorsätzlichem Mord – wie Produzent Avi Arad zurecht im Audiokommentar anmerkt. “It was the right thing to happen. But it shouldn’t have been a choice”, fasst er das Dilemma zusammen. Was Johnson nun so sympathisch macht, ist sein Bewusstsein für diese Problematik. Für ihn stellt diese Szene den Beginn einer Katharsis dar, die mit der Verschonung von Kingpin im Finale abgeschlossen wird. “I’m still trying to convince myself”, gesteht Johnson, wenn er erklärt, es war das Richtige für den Film, aber nicht für die Figur.

Nicht weniger prekär ist jedoch auch die Szene zwischen Bullseye und Daredevil, als Ersterer gehandicapt um Gnade bettelt (“Show mercy”) und anschließend von Daredevil aus dem Fenster geschmissen wird. Zwar handelt es sich auch hier um ein (indirektes) Zitat aus Last Hand, doch ging dem im Comic eine längere Vorgeschichte voraus. Verzeihlich ist da, das die erste halbe Stunde durch ihre vielen Referenzen gefällt, zum Beispiel wenn Quesada nach Joe Quesada, ehemals Autor für Daredevil und inzwischen Chefredakteur des Marvel-Verlags, benannt wurde. Oder wenn Murdock auf seinem Anrufbeantworter die Abschiedsworte von Heather, seiner Langzeitfreundin, hört. Ähnliche Verweise werden später eingebaut, wenn einer von Murdocks Klienten „Mr. Lee“ heißt, Frank Miller persönlich einen Cameo als Opfer von Bullseye hat oder Kevin Smith – ebenfalls Autor einer Daredevil-Reihe – als Pathologe glänzt.

An dieser Stelle tritt mit dem Mord an Lisa Tazio nun erstmals deutlich der Director’s Cut in Aktion. Und mit ihm auch die Nebenrolle von Coolio als Tatverdächtiger Dante Jackson. Seine Referierung von Turk (einer Figur der Comics) weiß sehr zu gefallen und Tazios Fall dient wiederum hauptsächlich dazu, im Finale Wilson Fisk als Kingpin zu überführen. Zudem bieten die zusätzlichen Szenen mehr Raum für Favreau als Foggy Nelson, der in einer weiteren Referenz an Gantlet (#175) den Fall letztlich auch ohne die Hilfe Murdocks für sich zu entscheiden weiß. Die zusätzlichen Szenen bieten etwas comic relief, der größtenteils durch Favreau transportiert wird, wie auch dessen Alligator-Anekdote erneut ein Querverweis zu einer Daredevil-Ausgabe, in diesem Fall The Damned (#180), ist. Ansonsten bietet der Director’s Cut ausführlichere Einblicke, so auch in die Beziehung zwischen Murdock und Elektra (Jennifer Garner).

Ist ihre erste Begegnung, etwas infantil Elektra (#168) entlehnt, verliert sich Johnson aber in überbordenden Humor, wenn sich beide Figuren auf einem Schulhof eine Prügelei liefern. Gelungen ist die Abwandlung der Regen-Szene, die im Gegensatz zur Kinoversion nicht mit dem Beischlaf beider Figuren endet, sondern im Gegenteil Matt die Romanze hinter seine Pflichten als Daredevil zurückstellt. Johnson verleiht ihrer Beziehung weitaus tragischere Konturen. Es sind zwei Menschen, die sich brauchen und verdienen, aber aufgrund ihrer Umstände nicht zusammen sein können, weil Matt alles hinter Daredevil zurückstellt und der Verlust ihres Vaters Elektra zur Abwendung von der Gesellschaft führt. Mit den neuen Szenen wirken alle Begegnungen zwischen beiden sehr viel harmonischer, romantischer und glaubwürdiger. Da weiß selbst die Abwandlung von Natchios’ Mord nicht zu stören, da sie glaubwürdig inszeniert wird.

Von allen Figuren macht Bullseye wohl die größte Wandlung durch. In Daredevil verkommt er zu einem irischen Punk, dessen Gesichtszüge oft schizophrene Ausmaße annehmen. Die Tatsache, dass Bullseye ohne Kostüm auftritt, wird von Johnson auch in bester Singer-Manier selbst referiert. “I want a fucking costume”, fordert Bullseye nach seiner ersten Begegnung mit Daredevil von Kingpin. Dessen angeordnetes Attentat auf Natchios ist auch einer der Höhepunkte des Films. Zwar weiß weder Daredevils Kampf gegen Elektra sonderlich zu überzeugen, noch Elektras Auseinandersetzung mit Bullseye, doch dieser erste von drei Finalkämpfen überzeugt allein durch seine Vorlagentreue. Praktisch Panel für Panel übernimmt Johnson hier Elektras Tod aus Last Hand, der in der erweiterten Fassung des Films – wie auch später der Kampf zwischen Daredevil und Kingpin – sehr viel runder daherkommt als noch in der Kinofassung.

Dagegen wirkt der Kampf in der Kirche zwischen Daredevil und Bullseye etwas schwach, hier ist es eher eine Referenz an Gangwar (#172), die den Moment zu retten weiß. Letztlich ist Bullseye nichts mehr,als der letzte Gegner vor dem Endboss, der sich in etwas platter Form (“I was raised in the Bronx.”) dem finalen Kampf stellt, der selbst in der erweiterten Fassung recht kurz geraten ist. Hier bringt Johnson nun die Katharsis zu Ende, die als solche für die Erzählung der Geschichte nicht unbedingt von Nöten war. Alle gewalttätigen Begegnungen sind eher enttäuschend geraten, doch ist dies kein Problem, dem sich allein Daredevil ausgesetzt sieht. Auch seine Vorgänger X-Men, Spider-Man und Hulk wussten in ihren Kampfinszenierungen nicht unbedingt zu glänzen (am ehesten noch Spider-Man). Man ist jedoch dankbar für die ausführlicheren Einstellungen, die im Vergleich zur Kinofassung mehr zur jeweiligen Szene beitragen.

Der Director’s Cut besticht durch seine Handlungsstringenz, die auch in den Ermittlungen von Ben Urich (Joe Pantoliano) zum Tragen kommt. Hier weicht Johnson seltsamerweise ab, wenn er entgegen der zahlreichen anderen Referenzen Urich als Reporter der New York Post darstellt. Diese ersetzt ohnehin den Daily Bugle, was hinsichtlich der cross reference zu Spider-Man ein kleines Sahnebonbon gewesen wäre. In vielen Bereichen macht Johnson nahezu alles richtig. Die Romanze zwischen Murdock und Elektra ist schön herausgearbeitet, ebenso wie der Mord an Natchios und die daraus resultierenden Umstände. Wenig überzeugen will dagegen so manche Charakterausarbeitung, muss doch gerade Wilson Fisk/Kingpin zurückstecken, aber auch Bullseye wirkt etwas verschenkt. Beides wäre vermeidbar gewsen, hätte man beispielsweise ein Crossover aus The Assassination of Matt Murdock, Gangwar und Last Hand gewählt.

Insgesamt geht die Besetzung in Ordnung. Ben Affleck macht seine Sache weitestgehend gut. Er ist nicht ganz so charismatisch wie Millers Murdock, weiß jedoch ebenso wie Favreau als Foggy seine Funktion zu erfüllen. Jennifer Garner spielt die Elektra etwas zu weiblich, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass Johnsons Elektra noch nicht ihren Reifeprozess durchschritten hat. Colin Farrell als Bullseye ist ein kleiner Höhepunkt für sich, verdankt dies allerdings auch dem Potential der Figur. Eine kleine Enttäuschung ist dagegen Michael Clarke Duncan als Kingpin, selbst wenn die Entscheidung, die Rolle mit einem Afroamerikaner zu besetzen, löblich war. Aber natürlich leidet Duncan unter der geringen Präsenz seiner Figur. Ingesamt ist Daredevil im Director’s Cut jedoch eine gute Comicverfilmung, die zwar so ihre Fehler hat, dafür aber besonders durch ihre Vorlagentreue und Referenzen zur Materie gefällt.

7/10

11. März 2008

Juno

You're being really immature.

„Mein Name ist Diablo Cody – naja, nicht wirklich. Aber was soll’s?“. Quizfrage: Wo würde man diese Person am ehesten antreffen? Oder anders, würde es Hollywood nicht geben, hätte es für diese Frau erfunden werden müssen. Eine Frau namens Brook Busey, die ihren Job aufgibt um ganztägig als Stripperin zu arbeiten, nur um auch das aufzugeben und sich stattdessen Telefonsex zuzuwenden, die sich selbst nach der spanischen Bezeichnung für „Teufel“ und einem Ort in Wyoming benennt, ihren Mann im Internet kennen lernt und nicht mal zwei Jahre später von ihm scheiden lässt. Während sie neben dem Strippen Artikel für Zeitungen schrieb, veröffentlichte sie mit 24 Jahren ihre Memoiren (heutzutage immer früher, bald wird man welche von 10-Jährigen lesen können).

Sie eröffnete bei Blogspot ihr eigenes Blog, Pussy Ranch, das anschließend sechs Monate von einem Hollywoodproduzenten gelesen wurde und ihr schließlich den Auftrag ein Filmdrehbuch zu schreiben bescherte. Von der Stripperin zur Oscargewinnerin – das ist der viel gerühmte American Way of Life. Nachdem sie sich bei den diesjährigen Academy Awards wohl dank des Sympathiefaktors gegenüber den besser geschriebenen Büchern von Nancy Oliver und Tamara Jenkins durchgesetzt hat, wird sie im Herbst dieses Jahres für eine Fernsehserie schreiben, mit Toni Colette in der Hauptrolle nach einer Idee des großen Steven Spielberg. Die gute Frau wird sich fortan also wohl nicht mehr auszuziehen haben, um ihr täglich Brot zu verdienen und wer schon immer mal einen Blick in den Kopf einer ehemaligen Stripperin werfen wollte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Wie so viele Autoren verarbeitet auch Miss Cody eigene Erlebnisse in ihrem Skript, als sie selbst zur Schule ging war sie Tochter einer Mittelstandsfamilie und ihre 16jährige Freundin wurde schwanger. Ein kleiner Crossover und fertig ist Juno MacGuff, hier gespielt von der talentierten Ellen Page, deren Oscarnominierung jedoch – das sei vorweg genommen – ebenso lächerlich ist, wie die der Autorin, des Regisseurs, des ganzen Filmes eigentlich. Juno ist Tochter des Mittelständlers mit dem netten Namen Mac MacGuff (J.K. Simmons) und im Besitz eines Hamburgertelefons (welches eigentlich ein Cheeseburgertelefon ist), das aus dem Besitz der Autorin selbst stammt. Der Film leitet sich selbst ein mit dem Stuhl, auf dem Juno ihre Jungfräulichkeit verlor, als sie mit ihrem besten Freund Paulie Bleeker (Michael Cera) schlief. Wie das bei ungeschütztem Sex vorkommen kann, wird Juno prompt schwanger und vertraut sich erstmal ihrer besten Freundin Leah an, ehe sie zur nächsten Abtreibungsklinik geht, um das Kind loszuwerden.

Tut sie dann aber doch nicht, wieso wird nicht klar, spielt ja auch keine Rolle, denn die restliche Spielzeit verbringt Cody damit dem Publikum einen ausgewählten Soundtrack ans Herz zu legen und nebenher irgendwas zu erzählen, was komisch sein soll. Die Komik des ganzen liegt darin, dass sie der 16jährigen Juno Worte in den Mund legt, die sie selbst wohl sagen würde, die lustig und cool sein sollen, aber es irgendwie nie sind. Was die Autorin hier betreibt ist äußerst paradox, denn einerseits erschafft sie eine Figur, die ihrem Intellekt nach und ihrer (zumindest teilweisen) Ausdrucksweise aus dem Universum von Kevin Williamson (Dawson’s Creek) stammen könnt, die jedem der es hören will – oder nicht schnell genug wegkommt – einen Vortrag darüber hält warum die Hochzeit des Rocks 1977 war und The Stooges einer der besten Bands sind.

Sie ist weder dumm, noch auf den Kopf gefallen, diese Figur Juno, scharfsinnig, ehrlich und direkt. Zugleich jedoch von einer unbeschreiblichen und für amerikanische Verhältnisse typischen Naivität, die nichts von Verhütung weiß und ihr Kind den ganzen Film hindurch als „Ding“ bezeichnet, welches sie am liebsten „wie in den guten alten Zeiten“ in einem Korb loswerden würde. Die potentielle Adoptiveltern nach dem Coolheitsschema auswählt, Graphikdesigner wären zum Beispiel angesagt (Codys Ex-Mann und Pages Vater sind Graphikdesigner). Mit ihrem Mundwerk und ihrer Art kommt sie dabei genauso gut bei dem designierten Adoptivvater (Bateman) an, wie es umgekehrt der Fall ist – Grund hierfür ist das beide Figuren praktisch identisch sind. Mark wie Juno teilen denselben Humor, hören dieselbe Musik, machen sich gegenseitig Mixtapes, haben ein Faible für Gore-Filme und wollen an sich nichts mit Kindern zu tun haben. Dies führt wiederum zu dem Paradox von Marks Ehe mit Vanessa (Jennifer Garner), die nicht verschiedener sein könnte als er. Die Frage wieso sich ein so freiheitsvernarrter Mensch wie Mark mit dem Kontrollfreak Vanessa einlässt, in dem versnobten Vorstadthaus und dem Wunsch nach Kindern, beantwortet die Autorin nicht. Ebenso wenig wie alle anderen Fragen, die das von ihr skizzierte Thema stellt. (Wem das jetzt schon zu bunt wird, dem empfehle ich die positive Kritik zum Film von Marcus).

Gerade die Szene in der Abtreibungsklinik ist eine der entscheidenden des Filmes, warum Juno aber schließlich so handelt wie sie handelt wird nicht erläutert. Man könnte wohl behaupten, dass der Film nicht wirklich ernst genommen werden will – alleine der Name von Junos Vater spricht dafür -, sondern der lediglich etwas Spaß machen will, eine kleine Indie-Komödie sein möchte die eine schwangere sechzehnjährige zeigt, die sagt was sie denkt und denkt was sie sagt. Im Cinefacts-Thread hab ich mich zu der Aussage hinreißen lassen, dem Film eine bedenkliche, gefährliche Tendenz zuzusprechen, durch seine Aussage „Schwanger! Na und?“ (O-Ton Filmverleih) ein falsches Bild von Schwangerschaft bei Minderjährigen zu vermitteln. Die Worte „bedenklich“ und „gefährlich“ sind hierbei etwas hart gewählt, wie ich im Nachhinein feststellte, nichtsdestoweniger ist es kritisch zu betrachten, wie der Film mit dem Thema Schwangerschaft umgeht.

Das hängt nicht unbedingt mit Konservativismus zusammen, denn niemand erwartet dass der Film eine Katharsis wie Knocked Up durchmacht, aber ein etwas rationalerer Umgang wäre sicher nicht zuviel verlangt gewesen. Vor allem wenn man seine Figur so frühreif zeichnet wie es Cody tut und ihr dann dümmliches Cheerleader-Geschwätz in den Mund legt. Gut möglich, dass es sich hierbei aber auch um ein reales Bild des heutigen Amerikas handelt, ein Cinefacts-User meinte zumindest man könnte nicht einmal in einem Wal-Mart Kondome kaufen, Sexualaufklärung findet anscheinend (entgegen der Darstellung in Definitely, Maybe) weder in der Schule noch zu Hause statt. Immerhin befinden sich die USA bei den Zahlen für minderjährige Mutterschaften auf einem Niveau mit Indonesien und Südafrika (55 Schwangerschaften kommen auf 1.000 Teenager).

Wird es in Juno mal ernst, dann weiß Regisseur Jason Reitman, der mit Thank You For Smoking nicht ein äußerst passables Regiedebüt hingelegt hatte – stets penetrant den Soundtrack drüber zu legen und Lieder von Kimya Dawson sowie andere Indie-Hits neben Veteranen wie Buddy Holly und The Kinks abzuspielen. Bei diesem schlecht geschriebenen Skript versucht Reitman dennoch zu retten, was noch zu retten ist und was am meisten überzeugen kann ist dann doch das Casting. Bedenkt man die Charaktere für sich genommen, sind alle sehr gut besetzt, von Bateman über Garner zu Cera, gerade bei letzterem sind speziell die Szenen mit Page sehr gelungen und wirken von allen im Film dargestellten am authentischsten.

Juno
ist so ein Film, bei dem vorausgesetzt wird, das man das Gesehen nicht hinterfragt, sich einfach von dem Charme verzaubern lässt und ohnehin alles richtig cool und dufte findet. Das dabei alle Figuren überzeichnet sind, die Dialoge konstruiert und die eigentliche Geschichte gar keine ist, eher ein Napoleon Dynamite mit einer Schwangeren, politisch unkorrekt, frisch, witzig – in einem Wort: Hollywood. Da verwundert es nicht, dass der Film alleine in den USA das zwanzigfache seiner Kosten eingespielt hat, mit vier Oscarnominierungen bedacht wurde, gerade in den Kategorien Bester Film und Beste Regie Konkurrenten wie Zodiac, David Fincher, Joe Wright und andere hinter sich gelassen hat. Juno ist dann doch nur das, was die Allgemeinheit als Feel-Good-Movie bezeichnet, auch wenn er bei näherer Betrachtung in fast allen Bereichen versagt.

4/10