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18. September 2009

Daredevil - Director’s Cut

How do you kill a man without fear?

Nach Bryan Singers gelungenem Comic-Reboot X-Men oblag es 2001 Sam Raimis Spider-Man, den damals erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinzulegen. Inzwischen sind Superhelden-Verfilmungen zur Regel geworden und vormerklich die bekannten Helden finden ihren Weg auf die Leinwand. Außerhalb der USA weiß man wenig mit Iron Man, Ghost Rider oder Daredevil anzufangen. Letzterer steht nicht zuletzt auch aufgrund seines Wohnortes im Big Apple stets im Schatten von Spider-Man. Dieser erblickte zwei Jahre zuvor das Licht der Welt, ehe sein Schöpfer Stan Lee Daredevil aus den Angeln hob. Im April 1964 feierte der rechtschaffene Held seine Geburt und vergnügt sich somit seit 45 Jahren im New Yorker Stadtteil Hell’s Kitchen. Dabei verdient Daredevil besonderes Augenmerk, ist er doch ein etwas anderer Superheld, der mit anderen Umständen zu kämpfen hat als zum Beispiel ein Wolverine, Spider-Man oder Hulk.

Von seinem Vater dazu ermutigt strebsam zu lernen, um einmal als Arzt oder Anwalt zu arbeiten, sollte eine Heldentat das Leben des jungen Matt Murdock für immer verändern. Als er einen Mann vor einem Laster mit radioaktivem Material rettet, sorgt der daraus resultierende Unfall dafür, dass Murdock selbst erblindet. Die Radioaktivität verändert dafür seine restlichen Sinne, so sind sein Geruchs- und Tastsinn verbessert und an die Stelle der Augen tritt eine Echoortung. Diese dient ihm fortan als Sicht durch die Straßen New Yorks. Als sein Vater von Gangstern ermordet wird, stürzt sich der Junge in seine Studien und wird später gemeinsam mit seinem Studienkommilitonen Frank ‘Foggy’ Nelson eine Pro-Bono-Anwaltskanzlei aufmachen. Doch Justitia ist ebenso blind wie Murdock selbst, weshalb er des Nachts kostümiert den Verbrechen in seinem Viertel nachgeht, um die zur Strecke zu bringen, die das Gesetz nicht erreicht.

Eine Renaissance erfuhr Daredevil als sich 1979 der 24-jährige Frank Miller an der Figur versuchte. Er war es, der den Kingpin als Antagonisten aus dem Spider-Man-Universum entlieh und zudem in seiner ersten Tätigkeit als Autor (er war zuvor bereits an einigen Ausgaben als Zeichner beteiligt) Murdocks große Liebe, Elektra Natchios, einführte. Zugleich bescherte er der Serie einen lockeren Humor, der bisweilen die Vierte Wand durchbrach. “Exit Matt Murdock, attorney-at-law – enter Daredevil, man without fear, bane of the underworld, champion of the oppressed – and so on”, scherzt da sein maskierter Held – der sich Anfangs jeder Ausgabe stets nochmals kurz vorstellt – zum Beispiel in Daredevil goes berserk (#173). “I don’t care how many cop shows you’ve seen it on. You can’t tell if somebody is following you”, wendet sich Auftragskiller Bullseye in Last Hand (#181) ans lesende Publikum, als er selbst im Taxi gerade jemanden verfolgt.

Ohnehin ist Daredevil ein besonderer Superheld – schon allein, weil er nicht wirklich ein Superheld ist. Speziell sein Moralbewusstsein fällt auf, tötet Daredevil doch nie. Nicht einmal seine Nemesis Bullseye – was mehrmals zu Reueempfindungen führt, wenn dieser anschließend Zivilisten ermordet. “The moment one man takes another man’s life in his own hands, he is rejecting the law -- (…) But I’m not God -- I’m not the law -- and I’m not a murderer”, erklärt Daredevil in Devils (#169). Dies unterscheidet ihn von zwiegespaltenen Helden wie Batman oder Wolverine, deren Weste nicht unbedingt rein ist. Und wenn man Daredevil schlägt, trifft man ihn auch. Er blutet und leidet und verfügt nicht über abnormale oder regenerierende Kräfte. Murdocks Echolot ist somit letztlich nicht unbedingt eine Gabe, sondern nur Ersatz für den Verlust seiner Augen. Was ihn schon mal menschlicher als andere Marvel-Helden macht.

Das Budget des Films bewegt sich auf X-Men-Niveau, während Spider-Man und Hulk (ebenfalls von 2003) fast das doppelte Budget erhielten. Hier zeigt sich der Stellenwert der Figur innerhalb der Comic-Welt, entsprechend wirken gerade die Spezialeffekte im Film ziemlich unsauber. Johnson erklärt es im Audiokommentar damit, dass eben zu wenig Geld zur Verfügung stand, was sich gerade im Orgel-Kampf zwischen Daredevil (Ben Affleck) und Bullseye (Colin Farrell) zeigt. Dennoch lag es nicht an den Effekten, dass der Film trotz 100 Millionen Dollar Gewinn floppte. Aus Pacinggründen forderte das Studio, dass Johnson eine Nebenhandlung und die Gewalt trimmte. “Too much punching and kicking”, rezitiert Johnson lakonisch im Audiokommentar. Die fertige Fassung konnte dann PG 13-gerecht an die Kinos geliefert werden. Ein Modus operandus, den Marvel auch bei Iron Man und The Incredible Hulk anwandte.

Umso erfreulicher, dass Johnson die Chance gegeben wurde, sich mit seinem Director’s Cut zu rehabilitieren. “It’s a different movie”, erklärt der Regisseur gleich zu Beginn und fasst die um 30 Minuten erweiterte Fassung als “the story-version of the story” zusammen. Und wie in vielen Fällen steht diese dem Film gut zu Gesicht, was nicht kaschieren soll, dass Daredevil weiterhin über Mängel verfügt. Generell problematisch ist die Tatsache, dass der Film einfach zu over-styled ist. Dies merkt man besonders an der musikalischen Untermalung, die jedes Mal, wenn sie den instrumentalen Score verlässt, durch ihren Pop-Faktor unpassend wirkt. Lediglich Evanescences „My Immortal“ gefällt, während die restlichen Tracks eher abstoßend wirken. Im Grunde sind alle Annäherungen an die Sehgewohnheiten der Zuschauer etwas misslungen, selbst wenn Johnson sie bisweilen durch nette Referenzen geschickt zu überspielen weiß.

Der Film beginnt mit der Geburt des Helden und folgt hier weitestgehend der Vorlage. Ein Vertrauensbruch zwischen Vater (David Keith) und Sohn (Scott Terra) führt zum tragischen Unfall und die veränderte Moral von Jack Murdock schließlich zu seinem Tod. Diesen verbindet Johnson in Batman-Manier im Finale mit Kingpin (Michael Clarke Duncan). Der Wendung, dass der Antagonist für den Vater-Tod verantwortlich ist, musste man bereits bei Burton kritisch gegenüberstehen. Umso erstaunlicher, wie gerne dieser Kniff in Comicverfilmungen Verwendung findet, so auch in Rob Bowmans Adaption von Elektra. Anschließend springt die Geschichte in die Gegenwart und stellt sich der problematischsten Änderung zum Comic. Murdock und Partner Foggy (Jon Favreau) sind nicht im Stande, den angeklagten Triebtäter Quesada dem Recht zu überführen.

Dies obliegt also Daredevil und was folgt, ist eine schöne Reminiszenz an Devils, wenn Daredevil Quesada in die U-Bahn-Station verfolgt, wo er sein Echolot nicht zum eigenen Vorteil nutzen kann. Problematisch wird es, als der Mann ohne Angst Quesada auf die Gleise stürzen und dort liegen lässt, während ein Zug einfährt. Selbst wenn Daredevil aus Selbstverteidigung reagiert, verkommt die Szene letztlich zu vorsätzlichem Mord – wie Produzent Avi Arad zurecht im Audiokommentar anmerkt. “It was the right thing to happen. But it shouldn’t have been a choice”, fasst er das Dilemma zusammen. Was Johnson nun so sympathisch macht, ist sein Bewusstsein für diese Problematik. Für ihn stellt diese Szene den Beginn einer Katharsis dar, die mit der Verschonung von Kingpin im Finale abgeschlossen wird. “I’m still trying to convince myself”, gesteht Johnson, wenn er erklärt, es war das Richtige für den Film, aber nicht für die Figur.

Nicht weniger prekär ist jedoch auch die Szene zwischen Bullseye und Daredevil, als Ersterer gehandicapt um Gnade bettelt (“Show mercy”) und anschließend von Daredevil aus dem Fenster geschmissen wird. Zwar handelt es sich auch hier um ein (indirektes) Zitat aus Last Hand, doch ging dem im Comic eine längere Vorgeschichte voraus. Verzeihlich ist da, das die erste halbe Stunde durch ihre vielen Referenzen gefällt, zum Beispiel wenn Quesada nach Joe Quesada, ehemals Autor für Daredevil und inzwischen Chefredakteur des Marvel-Verlags, benannt wurde. Oder wenn Murdock auf seinem Anrufbeantworter die Abschiedsworte von Heather, seiner Langzeitfreundin, hört. Ähnliche Verweise werden später eingebaut, wenn einer von Murdocks Klienten „Mr. Lee“ heißt, Frank Miller persönlich einen Cameo als Opfer von Bullseye hat oder Kevin Smith – ebenfalls Autor einer Daredevil-Reihe – als Pathologe glänzt.

An dieser Stelle tritt mit dem Mord an Lisa Tazio nun erstmals deutlich der Director’s Cut in Aktion. Und mit ihm auch die Nebenrolle von Coolio als Tatverdächtiger Dante Jackson. Seine Referierung von Turk (einer Figur der Comics) weiß sehr zu gefallen und Tazios Fall dient wiederum hauptsächlich dazu, im Finale Wilson Fisk als Kingpin zu überführen. Zudem bieten die zusätzlichen Szenen mehr Raum für Favreau als Foggy Nelson, der in einer weiteren Referenz an Gantlet (#175) den Fall letztlich auch ohne die Hilfe Murdocks für sich zu entscheiden weiß. Die zusätzlichen Szenen bieten etwas comic relief, der größtenteils durch Favreau transportiert wird, wie auch dessen Alligator-Anekdote erneut ein Querverweis zu einer Daredevil-Ausgabe, in diesem Fall The Damned (#180), ist. Ansonsten bietet der Director’s Cut ausführlichere Einblicke, so auch in die Beziehung zwischen Murdock und Elektra (Jennifer Garner).

Ist ihre erste Begegnung, etwas infantil Elektra (#168) entlehnt, verliert sich Johnson aber in überbordenden Humor, wenn sich beide Figuren auf einem Schulhof eine Prügelei liefern. Gelungen ist die Abwandlung der Regen-Szene, die im Gegensatz zur Kinoversion nicht mit dem Beischlaf beider Figuren endet, sondern im Gegenteil Matt die Romanze hinter seine Pflichten als Daredevil zurückstellt. Johnson verleiht ihrer Beziehung weitaus tragischere Konturen. Es sind zwei Menschen, die sich brauchen und verdienen, aber aufgrund ihrer Umstände nicht zusammen sein können, weil Matt alles hinter Daredevil zurückstellt und der Verlust ihres Vaters Elektra zur Abwendung von der Gesellschaft führt. Mit den neuen Szenen wirken alle Begegnungen zwischen beiden sehr viel harmonischer, romantischer und glaubwürdiger. Da weiß selbst die Abwandlung von Natchios’ Mord nicht zu stören, da sie glaubwürdig inszeniert wird.

Von allen Figuren macht Bullseye wohl die größte Wandlung durch. In Daredevil verkommt er zu einem irischen Punk, dessen Gesichtszüge oft schizophrene Ausmaße annehmen. Die Tatsache, dass Bullseye ohne Kostüm auftritt, wird von Johnson auch in bester Singer-Manier selbst referiert. “I want a fucking costume”, fordert Bullseye nach seiner ersten Begegnung mit Daredevil von Kingpin. Dessen angeordnetes Attentat auf Natchios ist auch einer der Höhepunkte des Films. Zwar weiß weder Daredevils Kampf gegen Elektra sonderlich zu überzeugen, noch Elektras Auseinandersetzung mit Bullseye, doch dieser erste von drei Finalkämpfen überzeugt allein durch seine Vorlagentreue. Praktisch Panel für Panel übernimmt Johnson hier Elektras Tod aus Last Hand, der in der erweiterten Fassung des Films – wie auch später der Kampf zwischen Daredevil und Kingpin – sehr viel runder daherkommt als noch in der Kinofassung.

Dagegen wirkt der Kampf in der Kirche zwischen Daredevil und Bullseye etwas schwach, hier ist es eher eine Referenz an Gangwar (#172), die den Moment zu retten weiß. Letztlich ist Bullseye nichts mehr,als der letzte Gegner vor dem Endboss, der sich in etwas platter Form (“I was raised in the Bronx.”) dem finalen Kampf stellt, der selbst in der erweiterten Fassung recht kurz geraten ist. Hier bringt Johnson nun die Katharsis zu Ende, die als solche für die Erzählung der Geschichte nicht unbedingt von Nöten war. Alle gewalttätigen Begegnungen sind eher enttäuschend geraten, doch ist dies kein Problem, dem sich allein Daredevil ausgesetzt sieht. Auch seine Vorgänger X-Men, Spider-Man und Hulk wussten in ihren Kampfinszenierungen nicht unbedingt zu glänzen (am ehesten noch Spider-Man). Man ist jedoch dankbar für die ausführlicheren Einstellungen, die im Vergleich zur Kinofassung mehr zur jeweiligen Szene beitragen.

Der Director’s Cut besticht durch seine Handlungsstringenz, die auch in den Ermittlungen von Ben Urich (Joe Pantoliano) zum Tragen kommt. Hier weicht Johnson seltsamerweise ab, wenn er entgegen der zahlreichen anderen Referenzen Urich als Reporter der New York Post darstellt. Diese ersetzt ohnehin den Daily Bugle, was hinsichtlich der cross reference zu Spider-Man ein kleines Sahnebonbon gewesen wäre. In vielen Bereichen macht Johnson nahezu alles richtig. Die Romanze zwischen Murdock und Elektra ist schön herausgearbeitet, ebenso wie der Mord an Natchios und die daraus resultierenden Umstände. Wenig überzeugen will dagegen so manche Charakterausarbeitung, muss doch gerade Wilson Fisk/Kingpin zurückstecken, aber auch Bullseye wirkt etwas verschenkt. Beides wäre vermeidbar gewsen, hätte man beispielsweise ein Crossover aus The Assassination of Matt Murdock, Gangwar und Last Hand gewählt.

Insgesamt geht die Besetzung in Ordnung. Ben Affleck macht seine Sache weitestgehend gut. Er ist nicht ganz so charismatisch wie Millers Murdock, weiß jedoch ebenso wie Favreau als Foggy seine Funktion zu erfüllen. Jennifer Garner spielt die Elektra etwas zu weiblich, wobei auch hier berücksichtigt werden muss, dass Johnsons Elektra noch nicht ihren Reifeprozess durchschritten hat. Colin Farrell als Bullseye ist ein kleiner Höhepunkt für sich, verdankt dies allerdings auch dem Potential der Figur. Eine kleine Enttäuschung ist dagegen Michael Clarke Duncan als Kingpin, selbst wenn die Entscheidung, die Rolle mit einem Afroamerikaner zu besetzen, löblich war. Aber natürlich leidet Duncan unter der geringen Präsenz seiner Figur. Ingesamt ist Daredevil im Director’s Cut jedoch eine gute Comicverfilmung, die zwar so ihre Fehler hat, dafür aber besonders durch ihre Vorlagentreue und Referenzen zur Materie gefällt.

7/10

9. Juli 2008

The Incredible Hulk

Is that all you’ve got?

Fast wäre Ang Lees Hulk der Auftakt einer Hulk-Reihe geworden, die in diesem Film ihre Fortsetzung gefunden hätte. Das ursprüngliche Drehbuch von Zak Penn zu The Incredible Hulk war nämlich mit einigen Andeutungen versehen, manche von ihnen (wie die Erwähnung, dass Bruce Banner seit fünf Jahren untergetaucht ist) existieren auch noch im fertigen Film. Aber The Incredible Hulk ist kein Sequel, sondern ein Reboot. Zu verdanken ist das auch Hauptdarsteller Edward Norton, der Penns Drehbuch fast täglich nach Belieben umschrieb, die Regie jedoch dann Louis Leterrier überließ. Dabei war The Incredible Hulk für Leterrier selbst lediglich ein Trostpreis, wollte der Franzose ursprünglich doch Iron Man inszenieren, dessen Regie ihm Marvel aber nicht zutraute. Beim Hulk-Reboot sah dies anders aus.

Seit fünf Jahren ist Bruce Banner (Edward Norton) auf der Flucht vor dem US-Militär unter der Führung von General Ross, dem Vater von Banners Freundin Betty Ross (Liv Tyler). Dies erklärt der Vorspann, der sich Anleihen an die Fernsehserie aus den Siebzigern erlaubt, jedoch einen eigenständigen Prolog erzählt. Ein Selbstversuch geht schief, Banner wird zum Hulk und fortan von Ross gejagt. Seinen potentiellen Frieden findet er in Brasilien beziehungsweise in den Favelas von Rio de Janeiro. Dort arbeitet Banner in einer Getränkefabrik und versucht in seiner Freizeit mit einem Wissenschaftler über Internet ein Gegenmittel für seine Gamma-Verstrahlung zu finden. Zur zeitlichen Verortung wird die Anzahl der Tage eingeblendet, die seit Banners letzter Transformation vergangen sind.

Mit Pulsarmbanduhr und Atemübungen versucht er seinen Puls unter 200 zu halten. Ein Unfall in der Fabrik sorgt allerdings dafür, dass General Ross Banners Aufenthaltsort erfährt. Kurzerhand organisiert Ross eine Sondereinheit rund um den britischen Spezialagenten Emil Blonsky (Tim Roth) und macht sich auf den Weg nach Rio de Janeiro. Dort kann Banner dank Transformation zum Hulk entkommen und macht sich anschließend auf den Weg nach Amerika. Denn seine Internetbekanntschaft Mr. Blue bedarf für ein Gegenmittel der Daten von Banners Versuchsreihe, diese befinden sich jedoch auf seinem Universitätsrechner. Um endgültig ein normales Leben führen zu können, muss Banner die Daten zurückholen und dabei den suchenden Augen von Ross und Blonsky entgehen.

Mehr Action wollte Leterrier in seiner Hulk-Adaption haben und mehr Action hat der Film am Ende auch bekommen. Drei Mal kommt der Hulk zum Einsatz, drei Mal darf sich Emil Blonsky an ihm als Gegenspieler versuchen. Zu Lasten der Action scheint dabei allerdings jegliche Form von Handlung gegangen zu sein, denn eine Geschichte weiß der Film nicht wirklich zu erzählen. Banner strebt nach einer Heilung, das ist klar, aber hätte er sich nicht denken können, dass dies nur anhand seiner bisherigen Ergebnisse möglich ist? Warum ein Dr. Sterns (Tim Blake Nelson), den Banner nur aus dem Internet kennt, erfolgreicher an einer Heilung arbeitet, als dieser selbst, ist ebenso unverständlich, gehört Banner laut Marvel-Comics doch zu den schlausten Wissenschaftlern des Planeten.

Ohnehin schöpft The Incredible Hulk so gut wie nie das Potential aus, welches in der Comicvorlage steckt. Warum rennt Hulk zum Beispiel ständig, wo er doch kilometerweit springen kann? Und warum ist der Hulk die ganze Zeit über so winzig, armselige zweieinhalb Meter groß? Allein in der Campus-Szene wurde ein ganzes Waffenarsenal auf ihn abgefeuert, weshalb er locker fünf Meter groß werden müsste. Schließlich wird der Hulk je größer und stärker, desto wütender er wird. Das ist es ja, was ihn zur stärksten Figur des Marvel-Universums macht. Der Hulk von Ang Lee konnte kilometerweit springen, er wurde größer und stärker, je wütender man ihn machte. Von all dem ist Leterriers und Nortons Figur meilenweit entfernt, fehlt dem Hulk doch alles, was ihn in den Comics auszeichnet.

Charakterelemente finden sich immerhin im Finale, das zwei klassische Hulk-Momente liefert, wenn einerseits Feuer mit der Kraft eines Handschlags getilgt wird und Hulk anderseits sein “Hulk smash!“-Zitat liefert. Das war es dann aber im Grunde auch schon, bedenkt man, dass sich die erste Action-Sequenz so ziemlich mit der zweiten deckt und die dritte wiederum nur eine Aufbereitung des Finales aus Iron Man darstellt. Hinzu kommt, dass der Hulk, der nach Leterriers Wünschen bedrohlich wirken sollte, eher zum Lachen anmutet. Sicherlich war Ang Lees popelgrüner Hulk in seiner Flummi-Artigkeit auch wenig überzeugend, allerdings wirkte er dennoch homogener als dies bei Edward Nortons die Zähne zusammenbeißendem gräulich-grünem Alter Ego der Fall ist.

Dessen Hände sind größer als sein Kopf und sein Bizeps platzt fast vor Adern und Gefäßen. Die Neuinterpretation des Hulk will somit nicht überzeugen, weder von ihrer Optik noch ihrem Verhalten her. Etwas interessanter sieht da schon Hulks finaler Antagonist Abomination aus, auch wenn die Filmversion ebenfalls eine etwas freie Adaption der Comicfigur darstellt. Da es den Produzenten wohl zu umständlich war, den Reptil-Ursprung von Abomination zu erklären, wird er einfach zum Wirbelmonster mit ADS-Syndrom. Das sorgt dafür, dass der Gegenspieler zwar lustig aussieht und grundsätzlich auch vielversprechend für das Finale hätte sein können, nur entpuppt sich der uninspirierte Kampf zwischen Abomination und Hulk letztlich dann doch als viel Lärm um Nichts.

Hatte man Iron Man zuvor ob seiner wagemutigen Entscheidung gelobt, Charakterdarsteller Robert Downey Jr. als Superheld zu besetzen, ging die Rechnung mit Edward Norton bei The Incredible Hulk nicht auf. Denn neben der fehlenden Geschichte ist die Besetzung von Norton sicherlich das Seppuku des ganzen Projekts. Von Bruce Banner hat Norton so irgendwie gar nichts, erst recht nicht, wenn er ständig mit seiner Mimik aus Primal Fear und Baseballmütze durch die Gegend rennt. Von Leistungen wie in American History X und Fight Club ist dies weit entfernt. Zwar konnte auch Eric Bana nur bedingt schauspielerisch überzeugen, gegenüber einen absolut fehlbesetzten Norton wäre ihm jedoch klar der Vorzug zu geben. Ähnlich verhält sich für die übrigen Neubesetzungen.

Immerhin schlägt sich William Hurt sehr tapfer, jedoch kommt man nicht umhin, sich sehnsüchtigst sowohl nach Jennifer Connelly als auch Sam Elliott zu sehnen. War das Ensemble von Hulk eines der Überzeugendsten im Comic-Genre, wirken die Namen Norton, Tyler und Hurt wie eine „B-Movie“- oder „Direct-to-DVD“- Entscheidung. Lediglich Tim Roth weiß seiner Figur noch etwas abzugewinnen, nicht zu vergessen Tim Blake Nelson, der als hysterischer Forscher und potentieller The Leader in seinen wenigen Szenen durchaus Spaß macht, jedenfalls harmonischer ausfällt, als Downey Jr.’s Cameo kurz vorm Abspann als Appetizer zu The Avengers. Insgesamt befindet sich das Ensemble von The Incredible Hulk auf einem Lebel mit dem des Marvel-Kollegen The Fantastic Four.

Bedauerlich ist auch, dass bei all dem Versagen nicht einmal die Action-Szenen zu unterhalten wissen. Hier reicht kein fast zwei Stunden durch die Gegend rennender Edward Norton, der gelegentlich MG-Salven als Hulk auf seinem Rücken gewähren lässt. Insbesondere dann nicht, wenn das Ganze hierzulande auch noch geschnitten in den Kinos startet, sodass man sich nach Iron Man fragen muss, warum Concorde eigentlich überhaupt noch Filme vertreibt, wenn sie diese anschließend ohnehin beschneiden. Ausgemerzt werden sollte das durch eine ominöse Extended Version, von der in den Internetforen die Rede war. Daraus wurde allerdings nichts, sodass sich auf Special Editions der DVD oder eben der Blu-Ray lediglich 45 Minuten geschnittener oder erweiterter Szenen sehen lassen.

So gewöhnungsbedürftig manche der Spezialeffekte auch aussehen mögen, gebührt zumindest dem Hulk immer dann Lob, wenn man ihn im Dunkeln nicht richtig und nur schemenhaft sieht (was komischer klingt, als es ist). Auch die Verweise auf Iron Man, Nick Fury, S.H.I.E.L.D. oder Captain America sind ebenso wie die Verweise zur Fernsehserie ganz nett ausgefallen, ohne den Film jedoch vor dem Scheitern bewahren zu können. Viel zu sehr hadert The Incredible Hulk an seinen unfähigen Darstellern, der nicht existenten Handlung und langweiliger Action-Sequenzen. Mögen die 2011 anstehenden Captain America und Thor besser verfahren. The Incredible Hulk gehört jedenfalls in die Kategorie „Filme, die die Welt nicht braucht“. Oder in Hulks Worten: Puny humans.

2.5/10

10. Juni 2008

Hulk

You’re making me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.

In das goldene Jahrzehnt der Marvel Comics gehört auch Bruce Banner alias der Hulk. Er entstammte wie die meisten populären Marvel Charaktere aus der Feder des genialen Stan Lee in Zusammenarbeit mit Jack Kirby und erlebte seine ersten Abenteuer im selben Jahr wie Spider-Man, nämlich 1962. In seiner Grundstruktur verkörpert die Geschichte Lees dabei eine Mischung aus Elementen von Frankenstein bis hin zum offensichtlichen Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Dabei handelt es sich, wie so oft bei Lee, um eine Geschichte mit stark philosophischer Konnotation. Der Hulk erscheint dem unerfahrenen Leser zwar wie ein plumpes Wesen, welches sich nicht einmal richtig artikulieren kann, doch trügt der Schein. Man sollte den Hulk nicht als eigenständiges Wesen sehen, sondern immer im Zusammenhang mit seinem Alter Ego Bruce Banner. Banner ist ein genialer Wissenschaftler, innerhalb der Serie wird er sogar als einer der brillantesten Köpfe der Erde beschrieben. Da verwundert es auch nicht, dass Banner selbst für die Gammaexplosion sorgt, die ihn letztlich zu dem werden lässt, was den ziemlich eindeutigen Titel "Hulk" (dt. Koloss, Klotz) trägt.

Banner und Hulk sind ein und dieselbe Person, das grüne Monster – welches in seiner ersten Ausgabe noch grau war – verkörpert Banners dunkle, aggressive Seite. Jeder Mensch trägt einen grünen aggressiven Klotz in sich und immer wenn man eine Ungerechtigkeit hinunter schlucken muss, wird dieser Klotz genährt und gestärkt. Dieser Klotz aufgestauter Aggressionen ist der Hulk. In Stresssituationen oder wenn er wütend gemacht wird, mutiert Banner zum Hulk. Somit entsteht sein Alter Ego immer dann, wenn Banner selbst mit einer Situation überfordert scheint, dieses übernimmt man die jeweilige Konfliktlösung. Wie Spider-Man zählt auch der Hulk zu den populären Figuren des Comic-Universums und brachte es nicht nur auf 16 Comic-, sondern auch zu drei Animations- und zwei Fernsehfilmen. Diese wurden 1977 ausgestrahlt und mündeten in einer vierjährigen Serienauskopplung, die durch ihren Hulk-Darsteller Lou Ferrigno geprägt wurde. Gut vierzig Jahre nach seinem Entstehen schaffte es der Hulk 2003 nach 12 Jahren Entwicklung endlich die Kinoleinwand zu stürmen.

In den neunziger Jahren kam etwas Leben in die Bemühungen, 1994 wurde Joe Johnston als Regisseur verpflichtet und, wie bei Comicverfilmungen nicht ungewöhnlich, verschiedene Drehbuchentwürfe durchgearbeitet. Unter anderem verfassten Michael France (GoldenEye, The Punisher), Michael Tolkin (Deep Impact) und David Hayter (X-Men) verschiedene Entwürfe für Drehbücher. Hayters Version beinhaltete die Hulk-Bösewichter The Leader und The Absorbing Man und bildete die Grundlage für das finale Skript. Dieses wurde von James Schamus verfasst, dem Stammautoren von Ang Lee, der die Regie für das Projekt übernahm. Letztlich wurde auf die Verwendung der typischen Hulk-Gegner verzichtet und stattdessen erschuf man eine neue Variation, indem man Hayters Bösewichter gemeinsam mit Zzzax zu einem Bösewicht verschmelzen ließ, der im Finale als Hauptantagonist dient, indem er mit Bruce Banners Vater David Banner verschmilzt.

Für dessen Besetzung stand Nick Nolte fest, die beiden Hauptrollen von Bruce Banner und seiner großen Liebe und Arbeitskollegin Betty Ross hingegen brachten wieder einmal auf interessante Weise das Darstellerkarussell zum Drehen. Mitte der Neunziger war Johnny Depp als Banner vorgesehen, fraglos weil wie so oft der Burtonsche Name über dem Projekt schwebte. Aber auch Steve Buscemi, Tom Cruise, Jeff Goldblum und David Duchovny gehörten neben Edward Norton zu dem auserlesenen Kreis. Norton wiederum darf sich dieses Jahr in der Neuauflage unter Louis Letterier als Banner versuchen. Ang Lees Favorit auf die Rolle war Billy Crudup, der allerdings ablehnte, sodass schließlich der Australier Eric Bana engagiert wurde, der die Rolle seiner Darstellung in Chopper zu verdanken hatte. Lee selbst hatte für sein Herzensprojekt Hulk auf eine Involvierung im dritten Terminator-Abenteuer verzichtet und spickte seine Kinoadaption mit vielen Referenzen zur Fernsehserie The Incredible Hulk und dessen Darsteller Lou Ferrigno (der zu Beginn einen Cameo gemeinsam mit Schöpfer Stan Lee erhielt).

Im Jahre 1998 betrugen die Kosten für das Projekt, welches zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Drehtag hinter sich hatte, bereits zwanzig Millionen Dollar, allein aufgrund der Ausgaben für die Drehbuchentwürfe. Wenige Jahre später sollten die Arbeiten von ILM beginnen, um die Figur glaubwürdig auf die Leinwand zu zaubern. Für insgesamt 137 Millionen Dollar entstand der Film letztlich und spielte diese Summe in etwa auch wieder am amerikanischen Kinomarkt ein. Dabei verzeichnete Hulk eine traurige Bilanz, verlor er doch am zweiten Wochenende enorme 70% seines Debüteinspiels, sodass er am Ende die Hälfte seines US-Einspiels am ersten Wochenende eingespielt haben sollte. Mit weiteren 118 Millionen international ist der Erfolg von Hulk als äußerst bescheiden zu bezeichnen, allgemein wurde der Film als zu ernst aufgenommen, zu komplex. Doch dazu später mehr. Der kritischste Punkt im Projekt sollte die digitale Animation des Hulk werden, die von ILM in anderthalb Jahren betrieben wurde, über 2,5 Millionen Stunden und die Arbeit von 180 Technikern beanspruchen sollte.

Was anschließend auf Hulk einprasselte, waren Vergleich mit DreamWorks Shrek sowie Hohn und Spott. Dass es selbst fünf Jahre später nicht besser geht, beweist Leterrier mit seiner Neuauflage. Die digitale Umsetzung sollte die Techniker von ILM noch des Öfteren fordern, allen voran die umstrittene Kampfszene zwischen Hulk und den Hulk-Hunden. Jene Sequenz zählt zu den umfangreichsten Animationen, die ILM bis zu der damaligen Zeit vorgenommen hatte und wurde lediglich zu einem Drittel umgesetzt. Dabei ist die Animation des Hulk im Grunde nicht als schlechter anzusehen, wie die von Spider-Man im Jahr zuvor. Das knallige Grün ist dabei in der Serie ebenso verankert, wie die protzige Statur von Hulk, der in Lees Filmen dennoch praktisch nach dem Spitznamen „Stiernacken“ schreit. Hulk ist aber ein Fremdkörper in seiner Gesellschaft und trotz allem – bedenkt man die Umstände – gelungen animiert. Insbesondere die Momente der Metamorphose von Banner zu Hulk und vice versa lassen sich sehen und beeindrucken, wie allgemein die digitalen Effekte sich sehr gut in die von Lee angestrebte Inszenierung als wahrhaftige Comic-Adaption einfügen. Pate als Hulk beim Motion Capture stand Lee selbst.

Ein Novum und bisheriges Unikat im Genre der Comic-Adaptionen ist Lees Schnitttechnik. Diese orientiert sich fast durchweg an den gepinselten Vorlagen und strotzt nur so von Überblendungen sowie Zoom-ins und Zoom-outs. Besonders markant wird dies in Hulks Fluchszene eingesetzt, in welcher die Bilder fließend ineinander übergehen, aneinander vorbeifließen und sich praktisch die Hand reichen. Dieser explizit erzeugte Look eines bewegten Comics kam bedauerlicherweise bei den meisten Zuschauern nicht an, was mitunter dafür gesorgt haben dürfte, dass nachfolgende Kinoadaptionen wie Iron Man oder X-Men: The Last Stand auf diese Funktion verzichteten. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass das Publikum sich bei einer Kino-Comic-Version durch Comic-Stilmittel überfordert fühlte. Insgesamt zählt die Schnitttechnik von Tim Squyres allerdings zu den grandiosen Höhepunkten dieser Hulk-Verfilmung.

Lobend erwähnt werden muss auch der kongeniale Score von Danny Elfman, dessen fantastische Klänge bereits bei Spider-Man fokussiert wurden. Sein Hulk-Theme jedenfalls erzeugt die perfekte Stimmung und zugleich Tiefe. Elfman beweist auch hier, weshalb er zu den begnadensten Komponisten – vor allem im Fantasy-Genre – zählt. Sein Komposition wiederum ist selbst eine Referenz an seinen Kollegen Bernard Herrmann, der mit Altmeister Alfred Hitchcock zusammengearbeitet hatte. Nicht unterschätzen darf man auch das Casting des Filmes, für welches sinnbildlich die Besetzung von Todd Tesen steht, der als junger Verschnitt von Sam Elliotts Figur des General Ross in seinen Szenen die Leinwand für sich einnimmt, sodass sein ebenfalls gut gecastetes Pendant Paul Kersey absolut blass aussieht. Aber auch die Besetzungen von Sam Elliott (Gen. Ross), Josh Lucas (Major Talbot), Jennifer Connelly (Betty Ross) und Eric Bana (Bruce Banner) sind überaus gelungen und zählen zu den eindrucksvollsten im Bereich der Comic-Adaptionen.

Neben der Vermischung von Elementen aus Frankenstein sowie Dr. Jekyll und Mr. Hyde wurde Lees Film stark beeinflusst von der griechischen Tragödie an sich, genauer gesagt von Ödipus. In Hollywood gehört es eigentlich zum guten Ton, in seine Filme eine gescheiterte Vater-Sohn-Beziehung einzubauen. Steven Spielberg kommt seit zwanzig Jahren in seinen Filmen gar nicht mehr ohne aus, und auch in Lees Hulk dreht sich alles um die Beziehung zwischen einem Vater und seinem Sohn. Im Gegensatz zum Comic ist Banners Mutation nicht eigenes Selbstverschulden, sondern genetisch bedingt. David Banner (Nick Nolte) experimentierte mit seinen eigenen Genomen und vererbte die Wirkung schließlich an seinen Sohn weiter, den er zum Testobjekt degradierte. Ein Unfall löst schließlich die Mutation aus, doch ehe das Publikum den Hulk zu sehen bekommt, vergehen beinahe 45 Minuten. Gerade in dieser Exposition ist Lees Film etwas zu lang geraten, die aufgesetzte Komplexität der Geschichte hätte man auch verkürzt darstellen können.

Zu den misslungen Szenen zählt sicherlich auch die Hulk-Hunde-Sequenz, die allgemein von den Fans missbilligend zur Kenntnis genommen wurde (selbst wenn sie auf einer Ausgabe der Serie basiert). Im Kampf zwischen Hulk und Pudel sei die Frage gestattet, weshalb die Tiere nicht über dieselben Fähigkeiten wie Hulk verfügen, doch vielleicht sollen sie dies auch gar nicht. Lächerlich wirken sie und die ganze Sequenz allemal, so gerne man sie auch versucht zu mögen, bedenkt man die Probleme, welche sie dem ILM Team bereitet hat. Die Actionsequenz in der Wüste mit Hulk und den Panzern ist jedoch weitaus gelungener und im Grunde auch das Highlight des Filmes, zumindest in der Action-Hinsicht. Das Finale wiederum zählt mit der Einleitung zu den etwas missratenen Punkten. Zu sehr legt Lee den Fokus auf David Banner und dessen Forschung, die im Grunde überhaupt nichts mit Banner/Hulk zu tun hat. Auch die Tatsache, dass man Banner zum Endgegner aufstachelte, indem man drei beliebte Hulk-Antagonisten in ihm vereinte, wirkt äußerst misslungen, ebenso wie das tatsächliche Ende.

Doch es ist nicht das Finale, an dem Lees Film für die Massen gescheitert scheint, sondern allgemein die Gewichtung der Familienbeziehung innerhalb des filmischen Kontextes. In einer ersten Hulk-Verfilmung hat eigentlich eine Familientragödie griechischen Ausmaßes nichts verloren, zumindest nicht in dieser Form und vor allem nicht in einem Piloten. Selbstverständlich, dass das den unbefleckten Kinozuschauer überforderte, nicht umsonst sind alle Piloten im Comic-Genre gleich gestrickt. Wer ist der Held, wie gewann er seine Kräfte und gegen wen muss er sich anschließend durchsetzen? All das hat Lee für seinen Hulk durchaus berücksichtigt, jedoch gelegentlich falsch ins Licht gerückt und zu sehr die Nebenfigur David Banner beleuchtet. Im Gegensatz dazu geht Talbot beispielsweise gänzlich unter, insbesondere seine Machtspielchen mit General Ross, die dem Zuschauer praktisch im Vorbeigehen serviert werden. Enttäuschend ist sicherlich auch die Tatsache, dass der Hulk hier tatsächlich zum bloßen Klotz verkommt und abgesehen von einer Traumsequenz überhaupt nicht sprechen darf (die finale Szene außen vor gelassen).

Wahrscheinlich befürchtete Lee, dass die Zuschauer den grünen Riesen aufgrund seiner fehlenden Artikulation in der von sich selbst oft in der dritten Person spricht („Hulk smash!“). Hier hätte die Gefahr bestanden, dass das Publikum Hulk für zurückgeblieben halten könnte, dabei gewinnen die Comics gerade durch Hulks oftmals unsinnigen Beschreibungen seiner eigenen Handlungen ihren humoristischen Charakter. Hauptdarsteller Bana zufolge vermied Lee jedoch konsequent eine amüsante Stimmung am Set, sah er sein Projekt doch verbissen als Superhelden-Drama. An dieser Ambition scheinen er und sein Film letztlich gescheitert zu sein, zumindest in den Augen des Massenpublikums, welches mit seinen Bewertungen und allem voran mit seinen damaligen Besucherzahlen Bände spricht (spielte der Film fast nur ein Viertel wie Spider-Man ein Jahr zuvor ein). Für den Fan ist Hulk hingegen weitaus gelungener und wer sich mit dem Genre respektive Produkt „Comic“ genauer beschäftigt, wird auch dem Drama-Schauwert dieser Verfilmung einiges abgewinnen können, auch wenn sie nicht frei von Fehlern ist.

8/10