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19. November 2010

South Park - Season Fourteen

What’s up with that?

Auf diesem Blog werden ja gerne Serien-Analogien gepflegt. Um mal eine Neue zu bedienen: Serien sind wie… Beziehungen. Wenn sie gut laufen, erachtet man sie als selbstverständlich und irgendwann merkt man zu spät, dass sie beginnen, in eine Sackgasse zu laufen. In den vergangenen Jahren war South Park, ähnlich wie The Office, Serientechnisch der Fels in der Brandung. Ein konstant gutes Niveau wurde Jahr um Jahr aufrecht erhalten. Bis zur 13. Staffel im Vorjahr, die plötzlich einbrach. Etwas lief schief und dies schien auch Matt Stone und Trey Parker aufzufallen, kam die 14. Staffel doch erstaunlich stark zurück. Es gab treffende, passende und vielleicht in dieser überhypten Gesellschaft auch notwendige pop-kulturelle Seitenhiebe. Doch eine Doppelfolge sowie eine Folgentrilogie sollte der Staffel einen Strich durch die Rechnung machen.

Welchen qualitativen Spagat South Park dieses Jahr unternahm, ist beachtlich. Öffnete die Staffel sehr gelungen mit Sexual Healing und der Aufgreifung der Affären Tiger Woods’ sowie der Sexsucht anderer Prominenter, kombinierte die zweite Episode The Tales of Scrotie McBoogerballs den gewohnt pubertären Humor der Serienmacher mit einer gefälligen Gegenkritik an der Popkulturkritik. Besonders das Bohei um J.D. Salingers The Catcher in the Rye wurde hierbei in Erinnerung gerufen, während sich Medicinal Fried Chicken der Tatsache widmete, dass Marihuana in den USA zwar illegal ist, aber aus medizinischen Gründen verschrieben werden darf. Nach den ersten drei Folgen glaubt man die Serie in den guten alten Zeiten zu wissen, erscheint doch alles, wie in der Hochphase der Beziehung. Besonders als der Höhepunkt der Staffel folgt.

Sehr voraus denkend beschäftigt sich You Have 0 Friends mit der Unsinnigkeit „Facebook“, der inzwischen 500 Millionen Menschen verfallen sind und die dieses Jahr eine Kinoauswertung erfahren hat. Ähnlich wie zuvor schon Make Love, Not Warcraft rufen Parker und Stone den Suchtfaktor des sozialen Netzwerkes in Erinnerung, um gleichzeitig die Idiotie des gesamten Systems zu karikieren. Wenn Stan am Ende der Folge zu dem Urteil kommt: „Fuck Facebook, seriously“, ist das wohl die wahrste Aussage, die sich 2010 angesichts von The Social Network (und dessen mehr als wahrscheinliche Auszeichnungen bei den kommenden Oscars) treffen lässt. Umso bedauerlicher, dass nach dieser herausragenden Folge mit den Jubiläumsfolgen zur 200. produzierten Episode (simpel 200 und 201 genannt) ein Teufelskreis eingeläutet wurde.

Fiel die 200. Folge 200 noch annehmbar aus, avancierte 201 eine Woche später mit zu den schlechtesten Episoden, die die Serie je gesehen hatte. Überbordend mit Nebenhandlungen (u.a. Cartmans Vater, Tom Cruise, Terrorismus) verlor sich die Folge in ungewollter Lächerlichkeit, die auch durch Alan-Moore-Zitate nicht gerettet werden konnte. Umso erfreulicher der Übergang in den Sommer-Hiatus mit Crippled Summer und der Catchphrase der Staffel schlechthin („Mimsyyyy!“). Zwar startete die Serie im Oktober eher durchwachsen mit der NASCAR-Persiflage Poor and Stupid, doch ließen schon die anschließenden Folgen wie zuvor der Start in die 14. Staffel die vorherigen Tiefpunkte vergessen. Nur um dann innerhalb eines (Halb-)Jahres denselben Fehler erneut zu machen.

Die Sehgewohnheiten des Zuschauers wurden in der zweiten Hälfte der Staffel angegriffen: Zuerst in der amüsanten Folge It’s a Jersey Thing Reality-Shows wie Jersey Shore und The Real Housewives of New Jersey, im Staffelfinale Crème fraiche die inzwischen omnipräsenten Kochshows rund um Jamie Oliver und Co., sowie wohl am ehrlichsten und akkuratesten der Filmhype rund um Inception in Insheeption. Während sich darin mit Mr. Mackey einer der Randfiguren gewidmet wird, holen Stone und Parker zugleich zum Rundumschlag (wenn auch inspiriert durch CollegeHumor) gegen einen der meistüberschätzten Filme aller Zeiten aus („It’s so complex and cool.“). Während It’s a Jersey Thing und Insheeption nicht an die vier Auftaktfolgen der Staffel herankommen, stechen sie dennoch problemlos aus den letzten sieben Folgen des 14. Jahres heraus.

Mit Coon 2: Hindsight, erhielt die Vorjahresfolge The Coon dann ein Sequel und war selbst nur der Auftakt für die darauffolgenden Episoden Mysterion Rises (der Titel ein zeitnaher Seitenhieb auf Nolans drittes Batman-Abenteuer) und Coon vs. Coon and Friends. Weder vermochte die Trilogie durch ihren Comic-Charakter so zu überzeugen, wie es bei The Coon noch mit Abstrichen der Fall war, noch schaffte sie es, die Fehler von 200 und 201 zu vermeiden. Auch die Trilogie kämpft mit ihrer vielen Nebenhandlungen wie dem Ölleck von BP, später dann aber auch Kennys scheinbare Unsterblichkeit oder die H.P. Lovecraft Figur Cthulhu. So reihen sich Coon 2: Hindsight und Mysterion Rises neben 201 zu den wohl drei schlechtesten Episoden in der South Park-Seriengeschichte, während zumindest Coon vs. Coon and Friends noch einige nette Momente hat.

Dass die 14. Staffel insgesamt also als bisher Schlechteste nach fast anderthalb Jahrzehnten dasteht, ist speziell diesen drei katastrophalen Folgen geschuldet, die eine ansonsten leicht überdurchschnittliche Staffel brachial nach unten ziehen. Dennoch zeigen gerade You Have 0 Friends und The Tale of Scrotie McBoogerballs, dass eine Serie wie South Park nicht nur brillante Satire sein kann, sondern dass in dieser Lemming-Gesellschaft Formate wie die kleine fiktive Stadt in Nevada zwingend notwendig sind. Dass eine Beziehung nach 14 Jahren nicht mehr so funktioniert, wie Jahre zuvor, ist kein Geheimnis. Wie jede gute Beziehung bedarf es auch in der Serienlandschaft der kontinuierlichen Arbeit am eigenen Produkt. Denn um cool zu gelten, muss etwas nicht wie Inception (pseudo-)komplex sein. Es langt schon, wenn es durchdacht ist.

6/10

20. November 2009

South Park - Season Thirteen

The fuck?

In der Wirtschaft folgt auf jedes Hoch unabdingbar ein Tief, was natürlich ist, da das eine das andere bedingt. Konstant auf einem Level zu sein und zu bleiben ist dabei eine herausragende Leistung, insbesondere in der Unterhaltungsbranche. Nur wenigen Formaten, als Beispiel sei The Office angeführt, gelingt es Jahr für Jahr, Staffel für Staffel, auf einem konstant guten Level zu bleiben. Eine Eigenschaft, die anderen Serien wie The Simpsons nach einen Dutzend Staffeln allmählich abhanden ging. Umso erfreulicher war es, dass Matt Stones und Trey Parkers Gesellschaftssatire South Park Herbst für Herbst zu überzeugen wusste. Zwar gab es stets ein, zwei etwas enttäuschende Folgen, doch im Gros waren die meisten Staffeln sehr gute Unterhaltung. Doch auf jedes Hoch folgt auch ein Tief und somit dürfte es im Nachhinein nur eine Frage der Zeit gewesen sein, ehe auch South Park einen qualitativen Absturz erleben musste. Was die erste Hälfte der dreizehnten Staffel bot, war erschreckend schlecht (für die Verhältnisse der Serie). Zwar vermochten die verbliebenen sieben Folgen noch ein wenig zu retten, doch am Ende dürfte dies wohl die bisher schlechteste Staffel von Stone und Parker geworden sein.

Wie so oft sind inhaltlich dabei gut die Hälfte der Episoden sehr nah dran am Zeitgeschehen. So befasst sich die zweite Episode The Coon mit der neuen Welle an Superhelden-Filmen, indem speziell The Dark Knight und Watchmen auf den Arm genommen werden. Gelingt dies noch mitunter recht nett, so verkommt die darauffolgende Episode Margaritaville zu einer der mit Abstand schlechtesten Folgen der Seriengeschichte. Löblich, dass sich Stone und Parker der Wirtschaftskrise und daraus resultierenden Rezession annehmen, aber ihr Versuch will im Grunde zu keinem Zeitpunkt wirklich funktionieren. Gemeinsam mit der anschließenden Episode Eat, Pray, Queef – die das Phänomen des Vaginalfurzes behandelt und damit zu den alljährlichen „Ekelfolgen“ zählt – erreicht die Show hier ihren Tiefpunkt. Auch die Geschichten, die sich mit der Piraterie in Somalia (Fatbeard) und Michael Jacksons Ableben (Dead Celebrities) beschäftigen, zünden eher schlecht als recht. Es mag daran liegen, dass das Jahr 2009 bisher nicht viel zur Persiflage hergegeben hat, wahrscheinlicher ist jedoch, dass nach über einem Jahrzehnt den Machern wohl langsam die Kreativität flöten geht.

Während das gesellschaftspolitische Geschehen nicht sonderlich gelungen einfangen ist, wissen wenigstens die Anspielungen an die eigene Branche zu gefallen. Sei es der Auftakt The Ring, in dem die überhypten Jonas Brothers thematisiert werden oder Fishsticks, wo man sich mit dem Ego von Kanye West („I’m the voice of a generation“) auseinandersetzt. Filmische Referenzen finden sich diesmal zu den oben genannten Superheldenfilmen, sowie in Whaling Whores auch ebenso aktuell wie in Pee den Werken The Cove bzw. 2012. Grundsätzlich sind es die Geschichten, die für sich stehen – und somit keine wirkliche Verbindung zum Alltagsgeschehen haben -, die runder ausfallen als die anderen. Am unterhaltsamsten funktionieren hierbei Butters’ Bottom Bitch, in welcher Butters zum Schulhofzuhälter aufsteigt, und W.T.F., die sehr schön die Wrestling-Euphorie der Amerikaner auf den Arm nimmt. Auch Pinewood Derby kann zu diesen Folgen gezählt werden, indem sich jene Folge speziell durch ihre skurrile Naivität auszeichnet. In vielen dieser Folgen (u.a. Margaritaville, Pinewood Derby, Pee) nimmt Randy eine zentrale Rolle ein, sodass konstatiert werden kann, dass er im Grunde sogar noch vor Kenny zu den fünf Hauptfiguren der Serie zu rechnen ist.

Das große Thema des H1N1-Virus haben sich Stone und Parker überraschenderweise dieses Jahr gespart, wie auch die Sozialismusprojektion auf Obama (selbst wenn sich in Dances With Smurfs eine Parodie auf Glenn Beck – den aber außerhalb der USA kaum jemand kennen wird – findet). Andere Themen wie Angelina Jolies Bestreben die ganze Welt zu adoptieren sind dann wiederum so ausgelutscht, dass sie eines Kommentars entweder nicht würdig sind oder eben bereits zu einem Zeitpunkt in der Show kommentiert wurden. Gut möglich also, dass die dreizehnte Staffel keinen Ausrutscher darstellt, sondern einen Trend einleitet. Zu wünschen wäre es South Park jedoch keineswegs, auch in dieser Hinsicht zum neuen The Simpsons zu verkommen. Dafür ist die Serie gerade wegen ihrer sozialkritischen Komponente viel zu wichtig. Insofern sollte also die Hoffnung geäußert werden, dass es im Mai in alter Frische und mit möglichst vielen zu kommentierenden Vorfällen in South Park weitergeht.

6.5/10

28. Mai 2009

South Park - Season Ten

The perfect storm of self-satisfaction.

Im Vergleich zur achten Staffel hatte die Neunte etwas gelitten. Ein grober Blick auf die Episodenübersicht verspricht jedoch schon allein durch die beiden Doppelfolgen der zehnten Staffel, dass dies eher nicht der Fall sein würde. Und es sind auch jene beiden Doppelfolgen, die sich wohl mit den politischeren Themen des Jahres 2006 auseinander setzten. Aber South Park weiß auch wie immer mit eher lockeren Folgen aufzuwarten, die sich jedoch nicht aussparen, einige bissige Kommentare in die eine oder andere Richtung abzugeben. Mittelstück und Herz der zehnten Staffel ist jedoch fraglos die mit einem Primetime Emmy ausgezeichnete Folge Make Love, Not Warcraft, die auch den Höhepunkt der Staffel bildet.

Den Auftakt bildet jedoch mit The Return of Chef die Abrechnung mit Isaac Hayes. Hayes, Sprecher der Kultfigur Chefkoch, äußerte nach Trapped in the Closet seinen Unmut über Trey Parker und Matt Stone. In besagter Folge aus der Vorjahresstaffel nahmen die Macher die Sekte Scientology aufs Korn, zu denen auch Hayes zählt. Durch dessen Abwesenheit wurden die Zeilen von Chefkoch mit ehemaligen Zitaten ausgefüllt und das Hayes-Scientology-Szenario in einer Chefkoch-Pädophilen-Konstellation aufgekocht. Bedenkt man die einige Monate später ausgetrahlte Episode Go God Go XII, müssen sich sowohl Parker als auch Stone allerdings den Vorwurf gefallen lassen, dass sie scheinbar nach zweierlei Maß messen, wenn es um Toleranz und Akzeptanz geht.

In der Doppelfolge Go God Go und Go God Go XII beschäftigt sich South Park zum einen mit dem – zuvorderst amerikanischen – Konflikt zwischen Evolutionisten und Creationisten (beide Parteien vertreten durch den Biologen Richard Dawkins und Mrs. Garrison) und der Akzeptanz von Andersdenkenden. Etwas gelockert, zugleich aber auch zusammengehalten, werden die Folgen von Cartmans Ungeduld hinsichtlich der Nintendo Wii Veröffentlichung. Gewürzt wird das Szenario dann mit Filmreferenzen an Buck Rogers in the 25th Century, A.I. – Artificial Intelligence und Life of Brian. Zwar stehen Parker und Stone hier für die Toleranz von Menschen ein, die religiöse anders gesinnt sind, doch wie oben angesprochen läuft die Moral dieser Botschaft der Auftaktsfolge etwas zuwider.

Natürlich dürfen auch wieder Folgen über das Umweltthema nicht fehlen, wobei speziell ManBearPig hier im Zuge von Al Gores An Inconvenient Truth eher versagt und eine der schlechteren Folgend er zehnten Staffel ausmacht. Zwar ist Gores Persiflage („I’m super serial“) sehr amüsant, jedoch das Schema der Folge kurz darauf ziemlich eintönig. Besser weiß da „Smug Alert“ zu gefallen, welches sich über jene Menschen lustig macht, die glauben durch ihre Umweltaktivität besser als ihre Mitmenschen zu sein. Es ist jedoch gerade die Mitte der Staffel, welche die etwas missratenen Folgen beherbergt. Zwar haben Mystery of the Urinal Deuce (Verschwörung zum 11. September) und Miss Teacher Bangs a Boy („Niceee“) ihre gelungenen Momente, doch wissen die Folgen, trotz ihres Bezugs zur Realität (911truth.org, Debra Lafave), nicht vollends zu überzeugen.

Die beste Folge ist ziemlich eindeutig Make Love, Not Warcraft gefolgt von A Million Little Fibers. Erstere Episode ist eine Zusammenarbeit mit den Herstellern von World of Warcraft und nimmt sehr gekonnt jene Nutzer des Spieles auf die Schippe, die ihr ganzes Leben aufgeben und auf jene virtuelle Realität ausrichten. Die Episode, an der fünf Tage lang gearbeitet wurde, steht damit mit Good Times With Weapons (8. Staffel) in einer neuen Tradition von Inter-Kolloboration der South Park-Macher. Im Gegensatz dazu lebt A Million Little Fibers in der ersten Hälfte von dem grandiosen Towelie („You’re a towel!“) und in der zweiten Hälfte von dem nicht minder genialen dynamischen Duo: Oprah Winfreys Vagina und After („At least I could see Paris before I died.“). Es ist zwar eine Nonsens-Folge, die ohne die vier Jungs aus South Park auskommen muss, weiß jedoch zu unterhalten.

In anderen Folgen nimmt sich South Park der amerikanischen Kultur an, um dieser den Spiegel vorzuhalten (Tsst/Super-Nanny, Hell on Earth 2006/Super Sweet 16, Stanley’s Cup/Sportaffinität). Ein sehr wichtiges Thema bildet dann den Inhalt der Doppelfolge Cartoon Wars, in der zwar South Park eine kleine Hasstirade auf Family Guy platziert (unabhängig davon, dass die Vorwürfe begründet sind), wobei dennoch der Zensurstreit obsiegt. Ausgangspunkt ist die Darstellung von Mohammed in Medien jeglicher Art. Ironischerweise zensierte Comedy Central selbst die Darstellung von Mohammed in einer Folge, die sich mit der Zensur einer Darstellung von Mohammed beschäftigte. Die Problematik einer scheinbar nicht durchsetzbaren Pressefreiheit wird hier mal wieder offensichtlich. Die zehnte Staffel von South Park unterhält, fängt sich im Vergleich zum Vorgänger ein wenig, weist aber dennoch die hier im Text hervorgehobenen Mängel auf. Nichtsdestotrotz weiterhin eine der fabelhaften amerikanischen Serien.

8/10 - erschienen bei Wicked-Vision

24. Januar 2009

South Park - Season Nine

What seems to be the officer, problem?

Viel muss ich hoffentlich nicht mehr schreiben zu South Park, der Serie, die vor einigen Wochen ihre zwölfte Staffel hinter sich gebracht hat. Erschaffen von Matt Stone und Trey Parker, eine herrliche Basis für Promi- und Filmgebashe, hinreißende Hommagen und unglaublicher Sozialkritik, die sonst nicht überall in den USA Einzug in die Medien findet. South Park eben. Vor vier Jahren lief die neunte Staffel, die wie immer mit 14 Episoden versehen wurde. Während ich zu den gelungenen Staffeln Acht und Zwölf schrieb, dass das Tolle an dem Format war, dass es konstant gut ist, musste ich mich in gewisser Weise bei der neunten Staffel eines Besseren belehren lassen.

Zwei Folgen hatte ich noch in guter Erinnerung, aber erst beim neuerlichen Sehen – es dürfte sich hierbei um die dritte Sichtung handeln – fiel mir auf, wie schwach doch manche Folgen dieses Mal sind. Speziell Wing und Erection Day stechen hier heraus, wobei Ginger Kids auch nur grad so noch die Kurve bekommen hat. In Wing wird zum einen Sylvester Stallone verarscht, zum anderen sich über (Musik-)Castingsshows lustig gemacht. In Erection Day hingegen geht es um ungewollte Erektionen während der Pubertät und in Ginger Kids lassen Stone und Parker mal wieder Cartman einen Genozid anstreben. Was allen drei Folgen fehlt, ist der Pep und vor allem etwas Kritik an dem Thema, dessen sie sich annehmen. Viel zu harmlos verkommen diese drei Folgen, aber auch einige andere.

Episoden wie Free Willzyx oder Bloody Mary sind recht spannungsarm und müßig inszeniert, bieten dafür allerdings teilweise geniale Momente („Save the wales, mothafucka!“). Aber auch hier schöpft man nicht das volle Potential aus den Themen Walrettung und Heilungsglauben. Selbst in einer Episode wie Follow the Egg, in der es um das viel diskutierte Thema der gleichgeschlechtlichen Ehen geht, gelingt es nicht die Story über den Durchschnitt zu heben. Das versackt mir alles viel zu sehr, gerade da auch die Hintergrundstory mit den Eiern etwas lahm ist. Dagegen weiß Die Hippie, Die immerhin durch amüsante Verarschungen von Ghostbusters und The Core mitunter zu gefallen.

Richtig aus dem Vollen schöpfen Parker und Stone dann in drei anderen Folgen. Den Beginn macht Mr. Garrison’s Fancy New Vagina, eine Episode, die sich ausgiebig mit dem Sinn von Schönheitsoperationen beschäftigt und sich hierbei über Trinidad, Colorado („the Sex Change Capital of the World“) lustig macht. In The Day Before the Day After Tomorrow ziehen die beiden Komiker genüsslich die aufkommende Angst vor der Globalen Erwärmung und insbesondere auch Roland Emmerichs Film in den Dreck. Ähnlich wie bereits in All About the Mormons? (Staffel 7) beschäftigt sich South Park eingängiger mit einer der neuen Religionen/Sekten. Trapped in the Closet stellt Scientology an den Pranger, speziell deren Glauben, dass der außerirdische Tyrann Xenu für das Leid der Menschen verantwortlich ist. Zudem dient die Folge dazu sich mit viel Wortwitz über Tom Cruise und das Gerücht er sei homosexuell lustig zu machen.

Hier wird die Sozialkritik der Serie augenscheinlich, birgt allerdings dennoch keine wirklichen Brüller. Es sind daher zwei andere Folgen, sehr viel unscheinbarer, welche die Höhepunkte der neunten Staffel ausmachen. In Best Friends Forever, die zu Recht einen Emmy gewonnen hat, wird Kenny auf Anordnung des Himmels getötet, um die Armee Satans als „Keanu Reeves“ zu vernichten. Subversiv findet hier auch das Thema der Lebenserhaltung Einzug ins Geschehen. Fast noch gelungener ist aber Marjorine, in welcher die Jungs Butters Tod vortäuschen, um an eine Geheimwaffe der Mädchen zu kommen. Diese spielen „Himmel oder Hölle“, was die Jungs nicht verstehen und daher Butters als Mädchen tarnen. Allein das Ende der Folge ist Gold wert und der Höhepunkt der Staffel.

Nun ist auch die neunte Staffel der Kultserie nicht wirklich schlecht, selbst wenn die vorangegangenen Zeilen diesen Eindruck erweckt haben mögen. Die Serie bricht nicht ein, keineswegs. Aber sie verliert etwas an Konstanz, wirkt nicht spritzig und frisch genug. Dies mag eventuell an dem Jahr 2005 gelegen haben, sollten sich in den USA nicht genug Ereignisse gefunden haben, die einer Persiflage wert waren. Nichtsdestotrotz ziehen die schwächeren Folgen den Gesamteindruck etwas herunter. Aber wie man durch Staffel Zwölf bereits weiß, ist/war dies kein Zustand für immer, sondern eine Momenterscheinung der Serie. Die folgenden zwei Staffeln dürften sicherlich wieder an Qualität dazu gewonnen haben.

7.5/10 - erschienen bei Wicked-Vision

2. Dezember 2008

South Park - Season Eight

Dey tuk er jerbs!

Die gewöhnliche South Park-Staffel verfügt über vierzehn Episoden. Selbst die achte Instanz aus dem Jahr 2004. Dabei beschrieben die Serienschöpfer Matt Stone und Trey Parker jenes Jahr als „The Year From Hell“, mussten sie nicht nur die vierzehn Episoden für das laufende Jahr produzieren, sondern sie brachten mit T.E.A.M. America auch noch ihren zweiten Kinofilm heraus. Bedenkt man diese Leistung, muss man den Beiden applaudieren. Denn auch die achte Staffel lässt nichts von der löblichen Konstanz der Show vermissen und zugleich bescherten die beiden Amerikaner ihrem Publikum noch eine kultige Kino-Satire. Doch das Eigenlob stinkt, wissen auch Parker und Stone. Mehrfach weisen sie in ihren Audiokommentaren darauf hin, dass sie aufgrund des Kinofilmes kaum bis gar keine kreativen Ideen bekommen wollten. Besonders gestehen sie dies in der Folge Quest for Ratings ein, die allerdings keineswegs zu den schwächeren der Staffel zu zählen wäre. Im Gegenteil, auch im achten Jahr gelingt es den beiden Komikern weiterhin auf brillante Weise die amerikanische Gesellschaft der Moderne zu konterkarieren und den Zuschauern anhand aktueller Beispiele den moralischen Spiegel vorzuhalten. Hierbei werden speziell Ereignisse aus dem Vorjahr (2003) und 2004 selbst als Grundlage für die Serieninhalte herangezogen. Allerdings lassen es sich die Macher nicht nehmen, erneut zahlreiche Filmreferenzen in die Handlung einzubinden, sich mit kontroversen Blockbustern zu beschäftigen und die Stellung von Prominenten in Frage zu stellen. Auch zu soziokulturellen Themen wird erneut Position bezogen. Die Parallele zur zwölften Staffel zeigt somit auf, wie konstant South Park tatsächlich seinen enorm hohen Standard halten kann und weshalb die Serie zu den Highlights des amerikanischen Comedy-Fernsehens zu zählen ist.

Das Schwellenjahr 2003/2004 war gekennzeichnet durch Skandale einiger berühmter Persönlichkeiten. So wird in der Episode The Jeffersons nicht nur die Kindesmisshandlungsanklage gegen Michael Jackson thematisiert, sondern auch die Vergewaltigungsklage gegen L.A. Lakers-Star Kobe Bryant angesprochen. Zugleich wird das Klischee hochgenommen, dass die amerikanische Polizei bestrebt ist, wohlhabenden afro-amerikanischen Bürgern Verbrechen anzuhängen („The black bastard was so rich he made bail and disappeared before the trial“). Außerdem nutzten Parker und Stone die Folge Up the Down Steroids dazu, erneut Persönlichkeiten durch Dritte an den Pranger zu stellen und zu beschimpfen. Im Jahr 2003 waren die Baseball-Spieler Mark McGwire, Barry Bonds und Jason Giambi neben anderen Sportlern in einen Steroid-Skandal verwickelt, der als BALCO in die Geschichte einging. Ähnlich wie bereits in Butters’ Very Own Episode mit O.J. Simpson und anderen geschehen. Außerdem spielte auch in der achten Staffel erneut die US-Präsidentschaftswahl eine Rolle. Dabei wurde diese weniger direkt platziert, wie in About Last Night… (Staffel 12) geschehen. Vielmehr subtil wurde die Wahl zwischen George W. Bush und John Kerry – beziehungsweise Wahlen allgemein – in Douche and Turd angesprochen. Die Folge lässt sich dadurch zusammenfassen, dass man bei Wahlen immer zwischen Not und Elend entscheiden muss. Während Parker und Stone Quest for Ratings als reine Müdigkeitserscheinung wahrnehmen, schießt die Folge jedoch gekonnt Spitzen gegen die Verboulevardisierung der öffentlichen Medien. Im Kampf um Quoten wird die seriöse Nachrichtensendung der Jungs abgesetzt, da Craigs sinnloses Unterhaltungsformat das Publikum besser anspricht. Eine durchaus gelungene Zusammenfassung der modernen Medienlandschaft.

In Good Times With Weapons (die zu einem Großteil im Mangastil gehalten ist und eine Referenz an den Nipplegate-Skandal beinhaltet) und Goobacks prangern die Macher soziale Themen an. Während in ersterer Episode das gefährliche Spiel von Kindern mit Waffen (speziell asiatische, jedoch auch im allgemeinen) zur Sprache kommt, sowie die Vernachlässigung der Eltern gegenüber dieser Problematik, beschäftigt sich Goobacks mit Immigrantenfeindlichkeit. Als der Arbeitsmarkt der Zukunft zusammenbricht, reisen die Amerikaner zurück in die Vergangenheit und übernehmen für lachhafte Gagen die Arbeitsplätze der Bewohner South Parks. Dass das eigentliche Problem dabei nicht erkannt wird, spricht Stan letztlich in der Moralpredigt der Folge an. Allerdings kommen in der achten Staffel auch die bloßen Spinnereien nicht zu kurz. So sind Episoden wie You Got F’d in the A oder Cartman’s Incredible Gift reine Verballhornungen der Filme You Got Served (2004) und Dead Zone (1983). Mit The Passion of the Jew nehmen sich Parker und Stone zudem den damaligen Kinohit The Passion of the Christ zur Brust („That wasn't a movie. That was a snuff film“). Man kann sich darüber streiten, ob die humoristische Darstellung von Mel Gibson in jener Episode nicht eine Spur zu weit getrieben wurde. Weniger weil dem antisemitischen Hollywoodstar Unrecht getan wird, sondern die Szenen so überspitzt sind, dass sie bisweilen nicht mehr lustig werden.

Besonders Lob verdient die Folge AWESOM-O, die in lediglich drei Tagen gedreht wurde und neben Good Times With Weapons, Stupid Spoiled Whore Video Playset und Woodland Critter Christmas zu den gelungensten Episoden der Staffel zählt. Hierbei findet sich nicht nur eine Anspielung auf Hondas humanoiden Roboter ASIMO, sondern man holt auch zu einem Rundumschlug gegen Adam Sandler aus, dessen Komödie 50 First Dates 2004 in den Kinos lief. Sehr schön ist wie angesprochen auch Stupid Spoiled Whore Video Playset, in welcher South Park Stellung zum damals aufkommenden Paris Hilton-Hype bezieht. Im selben Jahr war das Amateurpornovideo 1 Night in Paris erschienen und Parker und Stone ließen es sich nicht nehmen, die debile Hotelerbin hier nach allen Regeln der Kunst bloßzustellen. Neben filmischen Hommagen an Terminator, Red Dragon und Street Fighter bietet allein Something Wall-Mart This Way Comes ein Konglomerat an Zitaten aus The Matrix Reloaded, Independence Day und Poltergeist. Seinen gebührenden Abschluss findet die Staffel schließlich in Woodland Critter Christmas, dem amüsantesten Beitrag des Produktionsjahres. Was somit The Simpsons in den Neunzigern waren, ist nunmehr South Park Anfang des neuen Jahrtausends. Eine grandiose Serie mit Seitenhieben gegen die Gesellschaft, die ihre Gags und Kritik auf konstant hohem Niveau zu präsentieren weiß. Wie ich bereits bei Staffel Zwölf erwähnte, wäre es sehr zu wünschen, dass die Show nicht denselben Weg wie Groenings Kultserie einschlägt und nach hinten raus immer schlechter und unlustiger wird. Bis dahin bleiben den Zuschauern jedoch hoffentlich noch einige ebenso gelungene Staffeln vergönnt. Denn an soziokultureller Kritik dürfte es bei den Vereinigten Staaten von Amerika sicherlich nie zur Neige gehen.

8/10

28. November 2008

South Park - Season Twelve

I’m so startled.

Wenn sich die Jahre neigen, bauen Serien für gewöhnlich stark ab. Bestes Beispiel ist Matt Groenings The Simpsons, die mit jedem Jahr schwerer zu ertragen sind und schon vor etwa sieben Jahren begonnen haben an Qualität einzubüßen. Ein Gegenbeispiel ist dagegen South Park, die Serie aus der Feder von Trey Parker und Matt Stone. Vor elf Jahren erblickte sie das Licht der Welt und begründete Comedy Central als tragfähigen Sender. Und auch in ihrer zwölften Staffel hat die Serie nichts von ihrer Kreativität und Spritzigkeit verloren. Ihren Ursprung fand South Park dabei bereits 1992, als Parker und Stone in der Kurzfilmanimation Jesus vs. Frosty bereits die Kultfiguren Cartman und Kenny eingebaut hatten. Drei Jahre später sah der FOX-Vorsitzende Brian Graden den Kurzfilm und beauftragte das Duo einen weiteren Film zu drehen. Mit Jesus vs. Santa hatte man sich bereits stark an jenem Schema orientiert, welches später den Charme der Serie ausmachen sollte. Deren erste Sendung, Cartman Gets an Anal Probe, wurde schließlich am 13. August 1997 ausgestrahlt und ist inzwischen ein Klassiker innerhalb des South Park-Universums. Nachdem die ersten vier Staffeln zu einem Großteil noch mit ausgeschnittener Pappmasche gefilmt wurden, hat die Serie heutzutage einen gewöhnlichen Zeichenstil als Grundlage. Ihre Inspiration für die Pappmasche-Elemente zogen Parker und Stone aus Monty Pythons Flying Circus, einer Serie von der die beiden Komiker bekennende Fans sind. Was South Park jedoch besonders auszeichnet, ist sein soziokultureller Charakter beziehungsweise seine Stellung als kritisierendes Organ von verschiedenen, meist aktuellen, amerikanischen Themenkomplexen. Seien es Fragen der Religion oder Sexualität, sowie politische Entscheidungen und Entwicklungen im pop-medialen Bereich, alles findet Einzug in die Handlungen der Kleinstadt in Nevada und werden auf teils provozierende, stets jedoch humoristische Art und Weise konterkariert.

In die zwölfte Staffel finden verschiedene Aspekte des Kalenderjahres 2008 Einzug. Zum einen die Entwicklung von Britney Spears, die Veröffentlichung von Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, aber auch die Wahl von Barack Obama zum 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Aber auch mit anderer Kritik spart die Staffel nicht aus. Gleich zu Beginn behandelt Tonsil Trouble die Vernachlässigung von AIDS in unsere Gesellschaft. Wie üblich verliert man den Blick für etwas, das an Aktualität nachlässt. Sei es BSE oder eben HIV, sprich AIDS. In Breast Cancer Show Ever dagegen beschäftigen sich Parker und Stone ausführlich mit Brustkrebs und rufen damit den Jugendlichen die medizinischen Gefahren in unserer Gesellschaft ins Gedächtnis. Mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen sich die Folgen Elementary School Musical, welches den momentanen Hype rund um Disneys High School Musical aufgreift, und The Ungroundable, das den aufkeimenden „Vampir“-Kult bei Jugendlichen portraitiert (und sicherlich Nahrung in Stephenie Meyers Twilight findet). In Over Logging wird dagegen die Abhängigkeit der Menschheit vom Internet parodiert, wenn sich die Bevölkerung in Flüchtlingcamps um den letzten Internetanschluss prügelt. Nachdem im letzten Jahr mit Imaginationland ein Dreiteiler gedreht wurde, antworten die Macher mit der Pandemic-Doppelfolge auf den Hype rund um Wackelkamerafilme wie Cloverfield und Blair Witch Project. Eine der besonders starken Folgen beschäftigt sich jedoch ausführlich mit der Boulevard-Verfolgung von Britney Spears. In Britney’s New Look gibt es die „Britney Watch“-Nachrichtenunterbrechung und allerlei Verweie auf die Probleme der Popsängerin. Brillant halten Parker und Stone hier der Medienlandschaft ihres Landes den Spiegel vor. Die Schuldzuweisung nicht nur an die Medien, sondern auch deren Konsumenten ist fraglos mehr als gerechtfertigt.

Während Cartman in The China Probrem die Invasion der Chinesen fürchtet, dreht sich die Folge eigentlich um einen ganz anderen Aspekt: die Vergewaltigung von Indiana Jones. „Aliens don’t belong in an ‚Indiana Jones’ movie“, schluchzen die Jungs da die Meinung vieler Indy-Fans weltweit in die Kamera. So gelungen die Verschiebung des Franchises in die fünfziger Jahre auch sein mochte, mit den Außerirdischen kann man durchaus seine Probleme haben. Auf die Idee, George Lucas und Steven Spielberg deswegen zu verklagen, kann man jedoch nur in „South Park“ kommen. Zum Brüllen, will sagen Quieken, sind dann auch die Phantasiesequenzen, wenn Lucas und Spielberg Indy in etwaigen Filmreferenzen (The Accused, Deliverance) vergewaltigen. Dass Parker und Stone durchaus ihre Probleme mit ihren beiden Kollegen haben, machten sie bereits in Free Hat (Staffel 6) deutlich. Auch in Folgen wie Super Fun Time (Ferris Bueller’s Day Off, Die Hard), About Last Night… (Ocean’s Eleven/Twelve/Thirteen) und Eek, a Penis! (Stand and Deliver) finden Referenzen an andere Filme gebührend Einzug. Am offensichtlichsten ist dies jedoch in Major Boobage der Fall – ohnehin der besten Folge der Staffel. Hier verbeugen sich Parker und Stone nicht nur inhaltlich, sondern auch graphisch vor dem Kultfilm Heavy Metal – allerdings nicht, ohne erneut Kritik amerikanischen Fernsehsystem zu nehmend. Die mit Brüsten vollgepflasterte Landschaft ist grandios und ein intelligenter Seitenhieb gegen die Regel, keine nackten Brüste zu zeigen – allerdings nur wenn sie am weiblichen Körper „befestigt“ sind.

Die schwächeren Folgen wie Canada On Strike (trotz phantastischem Running Gag) oder Elementary School Musical wissen zwar durchaus die eine oder andere gelungene Szene zu präsentieren, können aber als Ganzes weit weniger unterhalten, wie es beispielsweise Britney’s New Look oder Super Fun Time zu gelingen vermag. Doch in seiner Gesamtheit ist die zwölfte Staffel wieder als ausgesprochen gelungen anzusehen, bewegt sie sich doch auf einem hohen Level und wird all jenen Aspekten der Serie gerecht, die diese seit Anbeginn ausgezeichnet haben. Dass hier auch Raum ist, um Cartman gelegentlich etwas humaner zu gestalten, nur um ihn kurz darauf wieder zum asozialen Arschloch zu deklassieren, beweist die Klasse der Serie. Schön ist ebenfalls zu sehen, dass man zu gegebenem Zeitpunkt Nebenfiguren wie Craig, Wendy oder den Goth-Kindern gebührend Aufmerksamkeit zur Entfaltung schenkt. Es versteh sich von selbst, dass die Show wieder einmal viel Angriffsfläche für Kritiker bietet. Allein der spielerische Umgang mit AIDS in der Auftaktfolge ist ein klassischer Ausgangspunkt für eine Kontroverse. Man sollte jedoch bei South Park nie den Fehler machen, nicht hinter die Kulisse zu blicken und das Geschehene stets aus retrospektiv zu betrachten. Diese Fähigkeiten, über zwölf Jahre hinweg nicht nur stets die mehr als nötige Kritik am System aufrecht zu erhalten, sondern zugleich noch eine extrem amüsante und unterhaltsame Serie zu erschaffen, nötigt enormen Respekt ab. Allerdings kommt die Show nun auch in ein problematisches Alter, denn schon die Simpsons mussten ab der zwölften Staffel stark an Frische einbüßen. Immerhin schreiben sich Parker und Stone mit lediglich 14 Episoden pro Jahr nicht tot, was viel Hoffnung für den kommenden Sommer schürt, wenn die Erfolgsserie in ihre 13. Auskopplung geht.

8/10 - erschienen bei Wicked-Vision