Posts mit dem Label Courtney Cox werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Courtney Cox werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24. März 2015

Die Top 5: Friends

When it hasn’t been your day, your week, your month, or even your year…
I’ll be there for you. (The Rembrandts, “I’ll Be There for You”)


Wenn von den großen Sitcoms der Fernsehgeschichte die Rede ist, geht es um Shows wie Cheers, Seinfeld, aber auch Friends. Die 1994 von David Crane und Martha Kauffman ins Leben gerufene Sitcom sollte das popkulturelle Leben seiner Zuschauer bestimmen. Zur “water-cooler” Show werden, über die man am nächsten Tag im Büro sprach. Martha Kauffmans Rabbi fragte sie damals, ob Rachel und Ross je zusammenkommen würden und Matt LeBlanc wird noch heute auf eine Reunion angesprochen, wie zum Beispiel von den britischen Thronfolgern. Über zehn Jahre und 236 Episoden fanden diese sechs Figuren Einzug in das Herz der Zuschauer – und in das von einander. Denn die Friends wurden auch im echten Leben zu Freunden.

Dabei startete die Serie nicht vom Start weg durch, erst im zweiten Jahr, als Wiederholungen der ersten Staffel ausgestrahlt wurden. Und selbst wenn Friends selten die Quoten von Cheers oder Seinfeld erreichte, gehörte die Show doch stets zu den Top-5-Programmen und erreichte über 20 Millionen Menschen. Über zehn Jahre begleitete sie das Coming of Age ihrer sechs Figuren, die von mit dem (Berufs-)Leben hadernden Twens zu im Leben stehenden Erwachsenen Anfang 30 avancierten. Manche mehr als andere. Außer ihrer Freundschaft stand dabei selten etwas im Mittelpunkt. “What emerged was a wonderful set of characters that loved each other, touched each others lives”, sagt der damalige NBC-Präsident Warren Littlefield.

Egal ob Paläontologe Ross (David Schwimmer) von seiner Frau verlassen wird, weil sie homosexuell ist, Schauspieler Joey (Matt LeBlanc) mal wieder eine Rolle nicht bekam oder die verzogene Rachel (Jennifer Aniston) vor ihrer Hochzeit nach New York flieht, immer war jemand von ihren Freunden für sie da. Versorgte sie Köchin Monica (Courtney Cox) mit Essen, Masseuse Phoebe (Lisa Kudrow) mit einem selbstgeschriebenem Gitarrensong oder der… Transponster Chandler (Matthew Perry) mit einem sarkastischen Kommentar. Über die Jahre begleiteten sie einander bei der Geburt ihrer Kinder, bei ihren Hochzeiten, Ross’ Scheidungen und ihren Umzügen und Berufswechseln. Einander waren sie dabei viel mehr als nur Freunde – sondern eine Familie.

“You put those six people together and there was magic”, sagt Regisseur James Burrows über seine Darsteller. Und so wurden die Friends auch für eine Generation von Zuschauern zu Freunden und einer Art Familie – wenn auch nur einmal in der Woche für 22 Minuten. Entsprechend kam es nicht so sehr darauf an, was genau in einer Folge passierte, sondern dass man sie mit diesen sechs Figuren verbringen konnte. “It always seemed to me that the best episodes were ones with them in a room, at each other (…) because the six of them are what you want to see”, beschreibt es Martha Kauffman korrekt. Auch wiederkehrende Nebenfiguren wie Maggie Wheelers Janice (“Oh…my…God!”) oder Gunther (James Michael Tylor) wuchsen ans Herz.

Über allem schwebte stets die Frage, ob Rachel und Ross zusammenkommen würden, schlicht da die Macher mehr Potential in diesem Konflikt sahen, als wenn beide Figuren in einer gemeinsamen Beziehung wären. Wobei wohl jedem Zuschauer klar war, dass dies letzten Endes der Fall sein würde (schließlich wusste bereits Phoebe: “He’s her lobster”). Der Gegensatz ihrer Beziehung fand sich ab der fünften Staffel dann in der Romanze zwischen Chandler und Monica, deren Beziehungsentwicklung die kommenden drei Jahre bestimmen würde, vom Zusammenzug über ihre Verlobung bis hin zu ihrer Hochzeit – ehe der Fokus in der achten Staffel mehr auf Rachels Schwangerschaft und ihr Liebesleben zwischen Ross und Joey gelegt wurde.

Grundsätzlich war Friends jedoch eine Show über Konstanz. Egal ob es Joeys Naivität war (“I have two words for you: threesome”), Ross’ Hang zu übereilten romantischen Entscheidungen (“Oh my God, you did it already! You married her, didn’t you?”), Phoebes schrullig-kauzige Art, Rachels Unbeholfenheit, Chandlers Flucht in sarkastische Kommentare oder Monicas Kontrollwahn. Als Folge war über zehn Jahre hinweg überdurchschnittliche Unterhaltung gesichert, selbst wenn sich immer wieder verzichtenswerte Clip-Show-Folgen einschlichen. Die Episoden, die herausstachen, verdankten dies oft der betonten Darstellung von Charakteristika der Figuren oder auch dem prägnanten Spiel eines besonders auftrumpfenden Episoden-Gastes.

Wie Jon Lovitz’ Auftritt als hoffnungslose Verabredung von Rachel in The One with the Blind Dates (S9E14) oder dem von Brad Pitt in The One with the Rumor (S8E9) als Rachel-Hasser, der an Thanksgiving bei den Freunden vorbeischaut. Generell waren speziell die Folgen zu Thanksgiving qualitativ eine Nummer für sich, sei es das von der restlichen Gruppe erst geforderte, dann aber vernachlässigte Essen in The One with the Late Thanksgiving (S10E8), die in die Kochvorbereitung eingeschobene Football-Partie, die Ross’ und Monicas Wettkampfstreben im Zentrum hatte in The One with the Football (S3E9) oder der Klassiker, als Rachel in The One Where Ross Got High (S6E9) versehentlich ihr Rezept eines English Trifle misslingt.

In ihrer Summe ist Friends eine Serie, die auch nach einem Jahrzehnt nichts von ihrem Humor und ihrer Qualität eingebüßt hat, deren meiste Folgen unwahrscheinlichen Wiederholungswert haben. Eine Serie, die einen stets zum Lachen brachte und zugleich in wohl dosierten Abständen auch zum Rühren verführte. Und trotz 236 Folgen fiel es nicht schwer, die fünf gelungensten davon zu suchen, selbst wenn der Abstand zu den nächsten fünf Episoden nicht allzu groß ist. YouTube sei Dank kann sich jeder ob der beschriebenen Szenen mittels Titeleingabe selbst ein Bild machen, wieso die Wahl für mich auf diese Folgen fiel. Ansonsten bleibt mir im Zusammenhang mit Friends nur zu sagen: I’ll be there for you, ’cuz you’re there for me too.


5. The One with Joey’s Fridge (Season 6, Episode 19, Ben Weiss): Weder Ross’ Sorge, dass seine College-Freundin Elizabeth (Alexandra Holden) sich beim Spring Break verlustiert, noch das Konkurrenzgebaren zwischen Phoebe und Monica & Chandler über einen Date-Kandidaten für Rachel zeichnen diese Folge aus, sondern Joeys unermüdliches und vergebliches Bestreben, nacheinander von jedem seiner Freunde – außer Monica – eine finanzielle Beteiligung für einen neuen Kühlschrank zu fordern. Zum Beispiel von Chandler: “Suppose we were a divorced couple and I got custody of the kid, right? Now suppose the kid dies and I gotta buy a new kid… give me $400!”

4. The One Where Everybody Finds Out (Season 5, Episode 14, Michael Lembeck): Während Ross der Nachmieter von Ugly Naked Guy werden will, erfährt Phoebe von Monica und Chandlers Beziehung. Was sie und Rachel dazu nutzen, um beide in Verlegenheit zu bringen. Sehr zum Missfallen von Joey, der all die Geheimniskrämerei satt hat und dennoch von beiden Parteien involviert wird. Bis das Spiel, in dem Phoebe Chandler Avancen macht, ausartet (“They don’t know that we know they know we know”). Am Ende steht eine berührende Liebesgeste von Chandler an Monica – und Ross kriegt zwar eine neue Wohnung, verliert aber endgültig seinen alten Job.

3. The One Where No One’s Ready (Season 3, Episode 2, Gail Mancuso): Um Kosten zu sparen, begannen Crane und Kauffman damit, Bottle Episodes zu produzieren, in denen die sechs Freunde die gesamte Folge über in einem Raum verhaftet bleiben. Meisterhaft veranschaulicht in diesem ersten Vertreter, wenn Ross alle seine Freunde in Echtzeit für eine Veranstaltung in ihre Kleider kriegen will. Während Monica durch eine alte Nachricht von Richard auf ihrem AB durcheinander gerät und Rachel nach einer Anfuhr von Ross zu schmollen beginnt, fechten Joey und Chandler eine Privatfehde aus, die – wie so oft – eskaliert. Oder: “Could I BE wearing any more clothes?”

2. The One with the Embryos (Season 4, Episode 12, Kevin S. Bright): Gilt gemeinhin als der Höhepunkt der Seriengeschichte, was zuvorderst an dem wohl besten Sketch der Show liegt. Eine harmlose Wette zwischen Joey, Chandler, Monica und Rachel schaukelt sich zu einem von Ross organisierten Identitätsquiz hoch, in dessen Verlauf das Apartment der Mädchen auf dem Spiel steht. Unterdessen wird Phoebe mit Embryos befruchtet, um für ihren Bruder und seine Frau als Leihmutter zu fungieren. Was zwar berührt, aber hinter dem brillant-komischen Spiel des Ensembles beim Quiz zurücksteht. Highlight ist fraglos Chandlers angeblicher Job: “He’s a… transponster!”

1. The One with the Jellyfish (Season 4, Episode 1, Shelley Jensen): Den Spitzenplatz nimmt jedoch – wenn auch nur hauchdünn – der Auftakt zur vierten Staffel ein, als Ross und Rachel wieder zusammengekommen. Nur um sich am Ende erneut zu trennen, weil Ross die Schuld am Scheitern ihrer ersten Beziehung auf sich nehmen soll. Phoebe lernt derweil ihre biologische Mutter kennen, Höhepunkt ist jedoch das Strandtrauma, das Chandler, Joey und Monica ereilt, als Letztere von einer Qualle gestochen wird. “If I had to, I’d pee on anyone of you!”, versichert Joey seinen Freunden, doch Chandler ist es, der zur Schmerzbehandlung von Monicas Fuß auf diesen uriniert.

1. Mai 2011

Scream 4

Don’t fuck with the original.

Um die Scream-Reihe zu beschreiben, kann man sich aus den Zitaten der Trilogie ein kleines Potpourri zusammenstellen: “There’s a formula to it. A very simple formula”, verkündete Randy im 1996er Original, an das Sidney (Neve Campbell) selbst in Scream 2 ein Jahr später anschloss: “They always come back”, denn wie Dewey (David Arquette) 2000 in Scream 3 konstatierte: “Rules are rules.” Mit einem Gesamteinspiel von einer halben Milliarde Dollar und der Tatsache, dass im Horror-Genre immer langsam gestorben wird, war es letztlich irgendwie nur eine Frage der Zeit, ehe der US-Produzent Harvey Weinstein erneut den maskierten Serienkiller Ghostface auf Sidney, Dewey und Gale (Courtney Cox) loslassen würde.

Das Schöne an Scream 4 ist, dass sich die Reihe über die Jahre hinweg treu geblieben ist. “New decade, new rules”, prangert zwar als Untertitel auf dem Plakat und Rory Culkins “Randy 2.0" resümiert: “There are still rules but the rules have changed.” Insofern wird in Wes Cravens Slasher-Film immer noch mit Messern abgestochen, allerdings wird der Body Count im Vergleich zu den Vorgängern um ein Vielfaches angehoben (wie es im Film selbst heißt: “The killer’s got to be way more extreme”). In seiner filmeigenen Formel folgen Drehbuchautor Kevin Williamson und Craven folglich dem, was schon die Vorgänger ausgezeichnet hat, wenn einem Abzählreim folgend nach und nach die zahlreichen Nebendarsteller ins Jenseits befördert werden.

Zur zweiten Garde werden dieses Mal auch die Originalüberlebenden um Sidney, Dewey und Gale degradiert, die im Filmverlauf mehr reagieren denn agieren und somit im Vergleich zu den neuen Teens eine passive Rolle einnehmen. In den Fokus rückt also somit die neue Generation, die sich um Sidneys Nichte Jill (Emma Roberts) und deren beste Freundin Kirby (Hayden Panettiere) versammelt. Williamson ist hier natürlich auch soweit up-to-date, dass Schüler mit Kameraheadset ihren Alltag live auf einem Blog streamen und Ghostface-Voice-Apps auf ihren iPhones haben. Und während ebenjener Ghostface bisweilen wie immer sehr vorhersehbar seine Opfer findet, bequemt sich Scream 4, seine Stärke zu zelebrieren: die Mise-en-abyme.

Verwies Scream noch primär auf das Genre, pflegten die beiden Sequels vollends den Schritt auf die Meta-Ebene, wenn nicht nur Selbst-, sondern dank der fiktiven Stab-Reihe auch Quer-Referenz (und damit letztlich eine erneute Selbstreferenz) erwiesen wurde. Scream 4 folgt diesem Schema, wenn neben einem Schul-Filmclub und der Stab-Serie (mit sieben Filmen hat diese bereits Saw-Ausmaße angenommen) nun auch Sidney selbst in einem Buch die bisherigen Erlebnisse verarbeitet. Das selbstbewusste Diskutieren auf der Meta-Ebene – zum Beispiel wenn Polizisten (Adam Brody, Anthony Anderson) analysieren, dass außer Bruce Willis Film-Cops ein unrühmliches Ende finden – dient dann wie zuvor für die amüsanten Momente.

Die Auflösung des – oder der – Ghostface-Killer ist dabei als klassischer Whodunit erneut der erfolgreiche MacGuffin des Films, der Randys Formel des “Everybody’s a suspect” in Perfektion folgt, wenn verschiedene Figuren einzelne Szenen erhalten, die als potentielles Motiv gelten könnten. Infolgedessen wirkt das Finale wie schon bei den Vorgängern (gewollt) konstruiert und flacht, zumindest von seiner narrativen Bedeutung, etwas ab, da der/die Killer in seiner/ihrer Anonymität weitaus interessanter ist/sind, als die Auflösung dem später dann tatsächlich gerecht werden kann. Dennoch ist lobenswert, wie treu sich die Macher in ihrer neuerlichen Fortsetzung geblieben sind (bis hin zu den amateurhaft agierenden Cops).

Insgesamt ist Scream 4 nicht nur ein würdiger Vertreter der ruhmreichen satirischen Slasher-Reihe, sondern auch der gelungenste Teil seit dem Original. Der Charme und Humor, sowie die Selbstironie der Vorgänger bleiben erhalten, was dem Film angesichts aktueller Genrebeiträge (die meisten von ihnen zitiert Hayden Panettiere im Filmverlauf) erfrischend altmodisch und doch durch sein Spiel mit den Web 2.0-Mechanismen sehr modern ausfallen lässt. Sollte Scream 4 in der Tat der Auftakt einer neuen Trilogie sein, ist diese herzlich willkommen, solange sie das Spiel mit der Meta-Ebene und Mise-en-abyme ebenso gut versteht wie dieser Teil. Denn wie Randy so schön sagte: “There’s a formula to it. A very simple formula.”

6.5/10

21. Mai 2010

Kurz & Knackig: US-Serien - Teil III

30 Rock - Season One

By the hammer of Thor!

An Sonntagnachmittagen kann man sich die Zeit damit vertreiben, in der IMDb die ganzen Emmy-Nominierungen von 30 Rock nach zu verfolgen. Eine Show, die wie keine Zweite in den letzten Jahren jene Fernsehpreisverleihung bestimmt hat und bei der IMDb aktuell mit einer Bewertung von 8.9/10 geführt wird. Die kreative Mutter der Sitcom ist Tina Fey, ehemals Chef-Autorin von Saturday Night Live. Anfang der Dekade trat sie mit ihrer Idee von 30 Rock an die Bosse von NBC heran, die in der Show damals zuerst einen Sketch für SNL sahen. Ende 2006 gab es dann doch den Serienableger, angereichert mit vielen von Feys SNL-Kollegen. Und auch wenn die Show keine überragenden Quoten hat - im Schnitt sehen sie 6,6 Millionen Amerikanern -, dürfte sie die Kritikeranerkennung in Form der zahlreichen Preise über Wasser gehalten haben.

Ähnlich wie die im selben Jahr gestartete Aaron-Sorkin-Serie Studio 60 on the Sunset Strip dreht sich alles um die Produktion einer Comedy-Show. Hier wie da fokussiert sich die Geschichte auf die Produzenten und Autoren, hier wie da gibt es drei Show-Protagonisten wie das Blondchen, den nerdigen Schlaks und den token black guy. Vielleicht lag es nur an der doppelten Laufzeit von Sorkins Format, dass seine Serie sich nicht durchsetzen konnte. Hier ist jedenfalls Liz Lemon (Tina Fey) die Chef-Autorin der „The Girlie Show“, deren Star Jenna Maroney (Jane Krakowski) ist. Als die Show mit Jack Donaghy (Alec Baldwin) einen neuen Studioleiter erhält und dieser mit dem diskutablen Eddie-Murphy-Verschnitt Tracy Jordan (Tracy Morgan) einen neuen Star präsentiert - in dessen Zuge die Show nach ihm umbenannt wird -, müssen die Fähnchen innerhalb des Studios am Rockefeller Plaza 30 neu ausgerichtet werden.

Die Sitcom lebt nun von den Eingriffen Donaghys in Lemons Arbeitsgefüge. Personifiziert in Tracy Jordan, auch wenn dieser im Laufe der ersten Staffel zum anerkannten Zugpferd der Show innerhalb der Show aufsteigt. Dabei wird jedoch nie wirklich klar, welche wirtschaftlichen Auswüchse die Prämisse der Serie hat. Donaghy erklärt zwar, mit Jordan wolle man jene Zielgruppe erreichen, die man bisher noch nicht angesprochen hat. Ob dies am Ende nun gelungen ist, enthält Fey dem Zuschauer jedoch vor. So verkommt die Serie innerhalb der Serie bald auch eher zur bloßen Rahmenhandlung und 30 Rock fokussiert sich auf Lemons Privatleben (welches jedoch meist im Arbeitsumfeld stattfindet). Es geht um Anerkennung und speziell in der zweiten Hälfte auch um Beziehungen und Liebe. Kleine berufliche Scharmützel bilden hier dann die Ausnahme von der Regel. Grundsätzlich weiß die Show in ihrer Mitte am meisten zu überzeugen, was nach den enttäuschenden Auftaktfolgen nicht unbedingt zu erwarten war.

The Source Awards bildet hierbei den Höhepunkt einer ersten Staffel, die selten wirklich zu fesseln wusste. Zwar wächst einem besonders Lemon als Figur ans Herz, aber es sind Tracy Jordan und der Page Kenneth (Jack McBrayer), die aufgrund ihrer oft infantil-naiven Art die meisten Lacher abstauben. Baldwin wiederum kann aufgrund guter Dialogzeilen hier und da punkten. Dennoch sind die brillanten Ideen (z.B. Kenneths Show „Gold Case“) in 30 Rock eher rar gesät. Als Gaststars finden sich bekannte Gesichter wie Emily Mortimer, Rip Torn, LL Cool J, Isabella Rossellini, Will Arnett, Nathan Lane und ganz besonders erfreulich, wenn auch nur in einer Folge, Anna Chlumsky. Nachdem Feys Serie in der achten Folge (The Break-Up) die Kurve zu kriegen schien, ging der ersten Staffel in den letzten drei Episoden leider wieder die Luft aus. Insofern lässt die Serie erkennen, warum ihr so wenig Zuschauer in den USA zufallen, nicht jedoch, warum dies bei den Auszeichnungen umgekehrt der Fall ist.

6.5/10

Southland - Season Two

So what do you think, man? Is this thing really over?

Das amerikanische Fernsehen ist ein Haifischbecken. Hier kommen nur die Harten in den Garten, der Rest wird aussortiert bzw. gecancelled. Und manchmal trifft man Zombies, sprich Serien, die von den Toten wieder auferstehen. Zu jener Gruppe von Wackelkandidaten zählt beispielsweise Chuck, dessen dritte Staffel bereits auf der Kippe stand. Aber auch Serien wie Dirty Sexy Money oder Better Off Ted wurden bzw. werden gerne im Laufe einer Staffel unterbrochen, um einige Monate später vollends ausgestrahlt zu werden, ehe man sie gleich ganz aus dem Programm nimmt. Ein ähnliches Szenario erlebte Ann Bidermans Cop-Serie Southland, die nach der ersten Staffel gecancelled wurde, weil der Ton der Serie angeblich zu düster war. Um dann im Nachhinein doch für eine zweite Staffel verlängert zu werden, die anschließend nach der Hälfte der Staffel erneut gecancelled wurde. Manchmal weiß die linke Hand eben nicht, was die Rechte tut.

Im Falle von Southland ist dies besonders schade, steigert sich Bidermans Show nicht nur in ihrer zweiten Instanz, sondern bewies erneut, dass sie Potential zu haben schien. Inhaltlich fügt sich die Serie quasi nahtlos an die letzte Staffel an. Immer noch verfolgt man als Zuschauer die drei Zweiergespanne, von denen Sherman (Ben McKenzie) und Cooper (Michael Cudlitz) die meiste Aufmerksamkeit kriegen. Russell (Tom Everett Scott) wiederum ist durch seine im Staffelfinale erlittene Schusswunde nicht gestorben, scheint aber nach der Verletzung neben seinem Job auch seiner Partnerin Lydia (Regina King) aus dem Weg zu gehen. Diese erhält Amaury Nolasco für ein paar Folgen als Ersatzpartner. Dagegen treibt sich Nate (Kevin Alejandro) nicht nur mit Sammy (Shawn Hatosy) herum, sondern ermittelt auch mit einem ehemaligen Kollegen gegen einen Drogenring. Fortgesetzte Themenkomplexe sind hierbei allen voran Coopers Schmerzmittelabhängigkeit wegen seiner Rückenprobleme, die in nahezu jeder Episode kurz angesprochen wird.

Seinem semi- oder pseudo-dokumentarischen Stil bleibt die Serie dabei treu. Oft beginnt eine Folge mit einer Vorwegnahme eines Ereignisses, wie man es auch aus manchen Breaking Bad-Episoden kennt. Aufgrund der erneuten Einstampfung gehen jedoch manche Handlungsstränge nun etwas verloren. So wird zu Beginn nochmals Sherman als Kind zweier Welten vorgestellt, mit Nora Zehetner in einer viel versprechenden Nebenrolle, die aber leider daraufhin nicht mehr thematisiert wird. Ähnlich verhält es sich mit Coopers Rückenschmerzen und Schmerzmittelabhängigkeit, Sammys Eheprobleme oder auch Chickie Browns (Arija Bareikis) „Re-Integration“ in den Arbeitsalltag, nachdem sie ihren Partner verpetzt hat. Etwas konfus wird es mit Lydias Partner, sprang Nolasco doch nach drei Episoden ab, um dann zuerst von Clifton Collins Jr. ersetzt zu werden, ehe Scott wieder seine alte Position einnahm. Da somit nur sechs der dreizehn Episoden umgesetzt wurden, endete die Staffel im vermeintlichen Serienfinale Maximum Deployment untypisch.

Offene Fragen wären bei einem Serienfinale im Gegensatz zu My Own Worst Enemy jedoch ausgeblieben. Zu den stärkeren Folgen zählen Phase Three, Butch and Sundance sowie What Makes Sammy Run?, wobei jedoch alle sechs Folgen ausgesprochen unterhaltsam waren. Hauptsächliche Sympathiefigur ist wieder Sherman, aber auch Cooper, Lydia, Russell und Sammy sind einem inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Es ist bedauerlich, dass in all jenem Forensik- und Ermittler-Sud von Cold Case über die ellenlangen CSI-Ableger bis hin zu Criminal Minds und Co. scheinbar kein Platz zu sein scheint, für eine bemühte und couragierte Cop-Serie, wie Southland eine ist. Ähnlich Gedanken überfallen einen, wenn man an Potential-Serien wie insbesondere Better Off Ted denkt. Wie schon nach der ersten Staffel wurde die Serie nun aber doch erneuert, wenn auch in angeblich neuem Look. Man darf also gespannt sein.

7.5/10

Accidentally on Purpose

I should facebook that girl.

Jenna Elfman zählt ebenfalls zum Club der Scientologen, macht darum aber in der Öffentlichkeit weit weniger Aufhebens als die Herren Cruise oder Travolta. Lange war sie die Dharma in Dharma and Greg, dann war es still, nun ist sie zurück. Natürlich im Fernsehen, dass es TV-Stars nicht ins Kino schaffen, hatten wir hier schon zur Genüge. Als Filmkritikerin Billie gerät Elfman eines Abends in einer Bar an den Twen Zack (Jon Foster), ihr One-Night-Stand verkommt zur Schwangerschaft. So hatte sich Billie das nicht vorgestellt, wollte sie doch eigentlich ihren Chefredakteur James (Grant Show) heiraten. Nun ist sie Ende Dreißig, Single und kommende Mutter. Billie und Zack arrangieren sich, er will für das Kind da sein und zieht bei der Journalistin ein. Und mit ihm findet auch sein bester Kumpel, der Chaot Davis (Nicolas Wright), Einzug in Billies Leben, welches durch ihre Schwester Abby (Lennon Parham) und Kollegin Olivia (Ashley Jensen) geerdet bleiben soll.

Die achtzehn Episoden tragen liebevoller Weise alle Titel von Filmen und sind damit nahe dran an Billies Beschäftigung. Ohnehin ist die Darstellung der Zeitungslandschaft in der ersten Hälfte sehr gelungen (Arbeitsplatzabbau, etc.), sodass es zu bedauern ist, dass Show später aus der Serie scheidet. Accidentally on Purpose ist daher eine durchwachsene Sitcom, die mal ausgesprochen komisch gerät, dann wieder nur durchschnittlich ist. Das Herz der Serie sind die abgedrehten Figuren von Wright und Parham, während Jensen auch wegen ihres gekünstelt wirkenden schottischen Akzentes (obschon sie ist in der Tat Schottin ist) bisweilen nervt. Die gelungenste Episode findet sich in It Happened One Christmas, auch das Doppelfinale erzeugt einige gelungene Lacher. Grundsätzlich ist Elfmans Show also ein harmloser Spaß für Zwischendurch, dem man nicht sonderlich viel vorwerfen kann, außer vielleicht, dass die erste Staffel zwei Gesichter hat (die zweite Hälfte fokussiert sich ausschließlich auf die Schwangerschaft). Ob es eine zweite Staffel gibt ist bisher allerdings noch unklar.

7/10

The Vampire Diaries - Season One

You have some serious emotional damage.

Wohin das Auge reicht, treiben Vampire dieser Tage ihr Unwesen. Auf HBO inszeniert Drama-Meister Alan Ball True Blood, ein offenes Zusammenleben von Mensch und Vampir, im Kino lässt Team Edward rund um RPattz in Stephenie Meyers Twilight-Serie die Herzen höher schlagen. Und nun brachte The CW auch noch The Vampire Diaries ins Kabelfernsehen. Was alle Produkte vereint: junges hübsches Ding verknallt sich in charmanten und heißen Vampir. Nun mutet The Vampire Diaries vielleicht wie ein Sprung auf den fahrenden Zug an, doch basiert die Serie auf L.J. Smiths gleichnamiger Reihe, die Anfang der Neunziger entstand (und somit noch vor Meyers und Balls Werken). Der TV-Adaption nahm sich dabei kein geringerer als Kevin Williamson, Meister der teen angst dank Dawson’s Creek, an. Und Williamson fühlt sich inmitten all des jugendlichen emotionalen Trubels sichtlich pudelwohl.

Erzählt wird die Geschichte von Elena (Nina Dobrev), Schülerin der Mystic Falls High School und seit kurzen Vollwaise. Einige Monate nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, trifft sie den geheimnisvollen neuen Mitschüler Stefan (Paul Wesley). Dieser entpuppt sich bald darauf als Vampir, der nicht alleine ist. Sein emotional gestörter Bruder Damon (Ian Somerhalder) trudelt ebenfalls in der Stadt ein, in der beide Brüder eine gemeinsame Vergangenheit haben. Einst liebten sie mit der Vampirin Katherine dieselbe Frau, die pikanterweise Elenas Doppelgängerin ist. Doch Stefans Verhalten führte zu Katherines Tod, ein Verlust, den der Bruder ihm nicht verzeihen kann und über die Jahrzehnte hinweg spüren lässt. Und als wären ihre Gefühle für Stefan nicht genug, beginnt die Anwesenheit der beiden Vampire nicht nur Konsequenzen in Elenas Umgebung nach sich zu ziehen, sondern weitere Blutsauger nach Mystic Falls zu locken.

Wie es sich für Vampire gehört, sind Stefan und Damon etwas blass um die Nase, allerdings ist der gesamte Look von Vampire Diaries derart düster gehalten, dass es weit weniger auffällt als bei seinem Twilight-Bastard. Nach etwas holprigem Beginn startet Williamsons Serie plötzlich unverhofft durch, findet in der vierten Episode Family Ties relativ früh ihren Höhepunkt und lässt sich anschließend auf eine leichte Berg- und Talfahrt ein, die zwischen starken und durchschnittlichen Folgen - lediglich The Turning Point kann noch ein wirkliches Ausrufezeichen setzen - schwanken. Was jedoch kein zwingender Kritikpunkt ist, lädt die Serie doch stets aufs Neue zum interessanten Drama ein, auch wenn kaum ein großartiger Spannungsaufbau stattfindet. Dennoch weiß besonders der Konfliktbelastete Bruderzwist zu gefallen, lehnen sich Stefan und Damon einerseits zwar ab, kommen andererseits jedoch nicht über ihre Familienbande hinweg.

Etwas redundant wird es lediglich, wenn nach dem ersten Drittel konstant neue Vampire (u.a. Kelly Hu und Mia Kirshner) nach Mystic Falls geschwemmt werden und sich bisweilen die Aufmerksamkeit zu ausführlich auf bedeutungslose Charaktere wie Elenas Ex, Matt (Zach Roerig), und dessen neue Flamme (Katerina Graham) richtet. Gerade die letzten fünf Folgen wissen nicht mehr wirklich zu fesseln, da sich bereits abzeichnet, welchen Ausgang die erste Staffel nimmt. Gewürzt jedoch durch die erfreulichen Gastrollen von Hu, Kirshner, sowie Melinda Clarke und David Anders und insbesondere durch Wesleys und Somerhalders Bruderzwist, sowie die attraktive Dobrev, lässt sich der kitschigen High-School-Vampir-Zote dennoch in den meisten Fällen etwas abgewinnen. Auch weil sich Williamson nicht zu schade ist, hin und wieder drastische Entscheidungen für manche Figuren zu treffen. In alter Frische geht es somit im Herbst weiter.

7.5/10

Cougar Town - Season One

Bitches be loco.

Jahrelang war sie sein Baby, die Ärzte-Sitcom Scrubs, die Bill Lawrence (s)einen Namen in Hollywoods Serienlandschaft bescherte. Aber alles was einen Anfang hat, findet auch sein Ende. Und dieses kam nach einer Spin-Off-Staffel nun dieses Jahr. Umso erfreulicher also, dass Lawrence noch ein zweites Eisen im Feuer hatte, welches hinsichtlich der Quoten besser lief. Immerhin ist seine Sitcom Cougar Town für eine Rückkehr im Herbst bereits gebucht. Seinem Schema blieb sich der Auteur dabei weitestgehend treu. Eine Gruppe von Freunden wird in ihrem natürlichen Habitat beobachtet. Passend zum Verlauf von Scrubs handelt es sich hierbei um Personen eines etwas älteren Semesters. Genauer gesagt um Mittvierziger, deren Anführerin die Maklerin Jules (Courtney Cox) ist. Diese lebt als alleinerziehende Mutter neben ihrer besten Freundin Ellie (Christa Miller) und vertreibt sich die Zeit zusätzlich mit ihrer freizügigen Kollegin Laurie (Busy Phillipps).

In Cougar Town dreht sich zu Beginn, ähnlich zu Accidentally on Purpose, alles um die Liebe einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann. Das Konzept wird dann aber beseitigt und sich stattdessen der Annäherung der Gruppe (ein exzentrischer Nachbar und der Ex-Mann komplettieren die Gruppe) aneinander gewidmet. Was selten wirklich beeindruckt - die Pilotfolge stellt im Grunde den Höhepunkt dar -, aber ansonsten auch nicht unbedingt sonderlich enttäuscht. In Gastrollen darf man Lawrence-Veteran Scott Foley, Lisa Kudrow und Sheryl Crow bewundern, die als Kurzzeitpartner der beiden Hauptfiguren (Cox und Josh Hopkins), was das Liebesleben angeht, fungieren. Insofern ist Lawrence kein neues Scrubs gelungen (wie auch?), eher eine - wenn man ehrlich ist - belanglose Serie, die bisweilen lustige Szenen hervorruft (eine Foto-Strecke im Stile von The Hangover beispielsweise). Kann man sehen, muss man aber nicht.

7/10

Parks and Recreation - Season Two

Please have a good time and shut your mouth.

Im ersten Jahr wirkte Greg Daniels neue Sitcom Parks and Recreation noch wie eine Halbschwester von The Office. Dies ändert sich nun in der zweiten Staffel ein wenig, wenn auch nur bedingt. In vierfacher Form - die Episodenzahl wurde auf 24 Folgen erhöht - präsentiert sich der Arbeitsplatz von Leslie Knope (Amy Poehler), und diese selbst auch, als weitaus differenzierter denn ihr Kollege Michael Scott aus Scranton. Schließlich ist sie sehr viel kompetenter als Steve Carells Figur, auch wenn sich das Bürogefüge sonst nicht unähnlich ist. Pam und Jim finden sich in Mark (Paul Schneider) und Anne (Rashida Jones), außerdem stellt Aziz Ansaris Tom Haverford so etwas wie den Dwight Schrute von Pawnee dar. Die Krone der Schöpfung ist jedoch wieder/weiterhin Leslies arbeitsscheuer Boss, der grandios von Nick Offerman gespielte Ron Swanson. Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt.

Nach starken Start, die zweite Folge The Stakeout ist neben Sweetums die amüsanteste Episode, brechen der Sitcom dann die vielen Folgen letztlich das Genick. Eine Unmenge an durchschnittlichen Folgen vermag, auch mit speziell in der zweiten Hälfte der Staffel vermehrt auftretenden (männlichen) Gaststars - Will Arnett, Justin Theroux, Detlef Schrempf, Rob Lowe, Andy Samberg -, schlussendlich nicht einen qualitativen Rückgang zum Vorjahr zu vermeiden. Gut möglich, dass es das Fehlen eines roten Fadens ist, das hier vermisst wird. Grundsätzlich würde es Parks and Recreation daher besser zu Gesicht stehen, wenn man sich auf weniger Episoden und in diesen mehr auf die Einbindung von Offerman anstatt auf Chris Pratts nervtötenden Andy fokussieren würde. Denn dass die Show über Potential verfügt, hat sie nicht nur in ihrer zweiten, sondern bereits in der ersten Staffel durchaus unter Beweis gestellt.

7/10

11. Mai 2009

Scrubs - Season Eight

This is our sketch show!

Er betrat die Bühne als newbie, wurde von Kollegen wegen seiner unschuldigen Naivität „Bambi“ getauft, sein Mentor belegte ihn mit Mädchennamen und für den Chefarzt war er lediglich ein Paar scrubs. Für Zach Braff bedeutete die Rolle von John “J.D.“ Dorian in Bill Lawrences Sitcom Scrubs den Durchbruch. Was im Jahre 2001 als unterhaltsames Pendant zu ernsten Krankenhausserien wie Chicago Hope oder ER begann, fand nun, nach acht Jahren, sein Ende. Den kulturellen Einfluss von Scrubs sollte man nicht unterschätzen, weisen andere Genreserien wie Grey’s Anatomy oder House, M.D. unübersehbare Parallelen zu Lawrences Lebenswerk auf. Nach acht Staffeln und einem Senderwechsel ging Scrubs dann in Rente. Zumindest in der Form, wie man es gewohnt war.

Zwar schloss Lawrence nicht aus, dass die Sitcom in einer anderen Form weitergehen könnte (sie tat dies anschließend auch), allerdings blieb fraglich, ob überhaupt jemand aus dem aktuellen Ensemble Bereitschaft zeigen würde und wenn ja, wie viele. Für Braff und die Zuschauer hieß es jedenfalls Abschied zu nehmen vom Sacred Heart und von Scrubs. Nachdem NBC die Serie gekündigt hatte, konnte ABC dazu gebracht werden, 19 abschließende Folgen auszustrahlen. Hierzu erklärten sich sowohl Lawrence als auch Braff bereit, nachdem der ursprüngliche Sender die siebte Staffel chronologisch umgeschmissen und ein ehrwürdiges Ende verhindert hatte. Ironischerweise ging dies gleich so weiter, wurde die zuerst produzierte Folge My ABC’s erst als vierte Episode ausgestrahlt.

Das Übermotto der finalen Staffel ist ziemlich offensichtlich die Liebe, wobei hier speziell drei Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Zu Beginn muss das Sacred Heart jedoch erst einmal mit seiner neuen Chefärztin (Courtney Cox) klar kommen. Da allerdings absehbar war, dass Dr. Cox (John C. McGinley) über kurz oder lang diesen Posten einnimmt, ist der Gastauftritt von Courtney Cox nichts mehr, als ein kurzes Intermezzo. Und im Vergleich zu den vergangenen Staffeln wartete die Sitcom dieses Jahr ohne wirklich große Gastrollen auf. Abgesehen von Cox geben sich nur Elizabeth Banks und Scott Foley in ihren bekannten Rollen als Kim und Sean nochmals die Ehre. Des Weiteren lässt es sich Serienvater Bill Lawrence nicht nehmen, zweimal selbst einen kleinen Part zu übernehmen.

Wie erwähnt ist im letzten Jahr das große Thema die Liebe beziehungsweise Beziehungen. Zu Beginn kommen J.D. und Elliot (Sarah Chalke) wieder zusammen. Überraschender- und erfreulicherweise ohne großes Aufhebens um diesen Fakt. Eine Entscheidung, die quasi aus der Reife der Figuren heraus resultiert. Die Beziehung der Beiden verläuft dann auch ohne wirkliche Streitigkeiten (abgesehen von My Soul on Fire - Part II). Genauso im Grunde auch die anderen beiden hervorgehobenen Beziehungen, die sich auf zuvor vernachlässigte Figuren fokussieren. Zum einen erhält Ted (Sam Lloyd) in der etwas nerdigen Stephanie Gooch (Kate Micucci) endlich eine Freundin. Dagegen hatte Scrubs bereits im Vorjahr Lady (Kit Pongetti) als Freundin des Janitors (Neil Flynn) eingeführt.

Deren Romanze beschreitet eine neue Ebene als das Paar in der Doppelfolge My Soul on Fire auf den Bahamas heiratet. Auch die zuvor etablierten Beziehungen von Dr. Cox und Jordan (Christa Miller) sowie Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes) verlaufen abgesehen von kurzen Reibereien wie bei J.D. und Elliot sehr harmonisch. Die achte Staffel versucht somit gar nicht erst, irgendwelches Drama in romantischer Hinsicht einzuführen. Der durchgehende Ton der Staffel ist vielmehr der eines ruhigen und besonnenen Abschiedes auf Raten, auf den über 19 Folgen hinweg mit Würde hingearbeitet wird. Hierbei bleibt jedoch mitunter der Humor etwas auf der Strecke, wobei dies ein Problem ist, mit dem sich Scrubs schon seit ein paar Jahren auseinander setzen musste.

Ein Merkmal dieser Staffel ist die finanzielle Einsparung. Der Wechsel zu ABC brachte eine Budgetkürzung mit sich, was sich bemerkbar macht. So wird zum einen weitestgehend auf Vignetten von J.D. verzichtet oder dieses sehr kostengünstig inszeniert. Zum anderen muss das Publikum meist auf ein oder mehrere Mitglieder des Ensembles verzichtet. Hier sollten Gehälter eingespart werden. Fehlen gelegentlich Carla oder Turk, so wartet My Full Moon lediglich mit Chalke und Faison auf, während alle anderen Darsteller durch Abwesenheit glänzen. Was unproblematisch ist, da die Folge dennoch überzeugt. Ohnehin fiel das Niveau der achten Staffel nahezu durchweg überdurchschnittlich aus, abgesehen vielleicht von My Absence, My Lawyer’s in Love, My ABC’s sowie Their Story II.

Wirkliche herausragende Episoden wusste die Serie zuletzt zu Beginn der siebten Staffel zu offerieren. Aber auch dieses Jahr darf man sich bisweilen den Bauch halten vor Lachen, selbst wenn keine Folge herausragend ausfiel. Lediglich My Last Words, M< Soul on Fire – Part II, My Jerks und My Finale - Part II heben sich aus den 19 Episoden hervor. Wie sehr das Niveau von Scrubs in den Jahren gelitten hat, merkt man jedoch schon an den jeweiligen Sketchen. Zwar sind Turks Keksdiebstahl, sein Tigerblutfleck oder Teds Selbsteifersucht wie auch sein mentaler Hänger gelungene Momente, doch an die Höhepunkte anderer Staffeln reichen sie nicht heran. Weitestgehend mag man das Lawrence, der im finalen Jahr erstaunlich oft Regie geführt hat, aber verzeihen.

Vormerklich unter dem Gesichtspunkt, dass seine Serie hier würdig altern soll. Dass die Luft inzwischen raus ist, merkt man ihr mitunter an. Mit ihren über dreißig Jahren und ihren Kindern eignen sich die Figuren einfach nicht mehr für die einst vorgegebene Prämisse der Sitcom. Dies wird schon allein durch die Wiederzusammenführung von J.D. und Elliot offensichtlich. Es ist also ein langsames Abschied nehmen, gewürzt von einigen alten Bekannten (gerade im Serienabschluss My Finale). Dieses ist weniger lustig als wehmütig, geht aber durchaus in Ordnung. Lawrence hat seine Serie zu einem ehrenvollen Abschluss gebracht, der logisch und nachvollziehbar ist. Aber eben auch melancholisch. Sie wird mir fehlen, meine Lieblingsserie. Oder wie J.D. sagen würde: smell you later.

7.5/10