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6. März 2015

Parks and Recreation – Season 7

Get on with it. I can’t hold this smile forever. I look ridiculous.

Es ist eher die Ausnahme von der Regel, dass eine Serie mit den Jahren an Qualität zulegt. Und sich damit quasi auf dem Höhepunkt ihres Schaffens verabschiedet. Zuletzt war dies Vince Gilligans Breaking Bad gelungen, eine Dramaserie, die speziell in ihren letzten drei Jahren einen qualitativen Sprung machte. Ähnliches vollbrachte auch Michael Schur mit Parks and Recreation, einer Show, die vor sieben Jahren von Greg Daniels als Variation seiner Show The Office ins Leben gerufen wurde. Und die Ende Februar nach sieben Staffeln ihr Ende fand – nachdem sie in 13 Folgen nochmals ein kleines Feuerwerk abbrannte. Was den Abschied der wohl besten TV-Serie des Jahres für Fans und Kritiker nur noch schmerzlicher machen dürfte.

Dabei traf Schurs Sitcom ein in den USA nicht unübliches Schicksal: der jährliche Quoten-Kampf für eine Staffelverlängerung. So lobend die Kritiken – speziell ab der dritten Staffel – für Parks and Recreation ausfielen, so fielen auch mit jedem Jahr die Zuschauerzahlen. Schauten in der ersten Staffel noch bis zu sechs Millionen Menschen rein, waren es in den letzten beiden Jahren nur noch um die vier Millionen. Die finale siebte – und ironischerweise zugleich beste – Staffel dagegen fiel zuletzt sogar unter drei Millionen Zuschauer. Umso erstaunlicher ist es dann, dass es die Serie dennoch auf 125 Episoden brachte, die zwar nicht immer alle ins Schwarze trafen, aber wenn sie es denn taten, in der US-Fernsehlandschaft ihresgleichen suchten.

Allerdings fand Parks and Recreation nicht sofort ihren Rhythmus, sondern musste sich erst finden. Das erste Jahr mit seinen sechs Episoden war (zu) nah am Vorbild The Office orientiert – vermochte aber dennoch Akzente zu setzen. Das zweite Jahr scheiterte wiederum an seiner plötzlich vierfachen Episodenzahl, was generell viel zu viel ist, um ausreichend Handlung und Witz verteilen zu können. Mit einer reduzierten Staffel und den Ensemble-Ergänzungen von Rob Lowe und Adam Scott schaffte die Show im dritten Jahr dann den Schritt in die richtige Richtung. So konnte in den folgenden drei Jahren trotz wieder erhöhter Folgenanzahl die Qualität gehalten werden. Um nun mit 13 Episoden glorreich in den Sonnenuntergang zu reiten.

Welchen Weg die Show hinter sich hat, zeigt sich auch in meiner persönlichen Rezeption. Noch in der zweiten Staffel beschrieb ich Andy (Chris Pratt) aufgrund seiner infantilen Art und Naivität als „nervtötend“, ähnlich charakterisierte ich in der dritten Staffel die sich damals vertiefende Beziehung zwischen ihm und April (Aubrey Plaza). Heute will ich Andy nicht mehr missen, der gemeinsam mit Nick Offermans misanthropischem Ron Swanson das wöchentliche Highlight in Pawnee, Indiana war. Gleichzeitig spricht dies jedoch auch für die Klasse der Serie, Figuren wie Andy, April oder Tom (Aziz Ansari) einem ans Herz wachsen zu lassen, genauso wie es mögliche Wiederholungssichtungen der ersten Jahre zum Anreiz macht.

Man mag es NBC nicht vorwerfen, dass sie Parks and Recreation in ihrem letzten Jahr im Midseason Replacement Spot in Doppelfolgen „verheizten“. Die Tatsache, dass 13 Folgen Zeit sind, um sich zu verabschieden, spielte der Show dabei in die Karten. Wirkliche Handlungsstränge gibt es höchstens zu Beginn, wenn die inzwischen in der Zukunft spielende Serie eine Animosität zwischen Leslie (Amy Poehler) und Ron anteasert. Die Figuren haben sich weiterentwickelt, so wie auch die Zukunft. In Gryzzl gibt es zwar eingangs eine Art von Antagonist, der jedoch bald zu den Akten gelegt wird. Stattdessen werden die einzelnen Charaktere auf ihren Weg gebracht, wie im Falle von Bens (Adam Scott) Kandidatur als Kongressabgeordneter.

Auch Figuren wie April und Donna (Retta) bekommen eine neue berufliche Herausforderung, aber allen voran Momente, in denen sich das Publikum von ihnen verabschieden kann. Genauso wie von zahlreichen Nebenfiguren, egal ob sie Jamm, Tammy Two, Ron Dunn, Jean-Ralphio oder Perd Hapley heißen. Dass sich Parks and Recreation die Zeit für alle seine Figuren nehmen kann, gereicht der siebten Staffel zum Vorteil. Speziell die ersten vier Folgen legen die Messlatte mit Episoden wie Ron & Jammy und Leslie & Ron hoch. Im Falle von Letzterer darf Nick Offermans Figur ausnahmsweise ihre verletzlichere Seite zeigen – und obendrein den eingangs so befremdlich wie amüsant wirkenden Konflikt zwischen den beiden Figuren schnell wieder begraben.

Wie sich in einer Abschlussstaffel erwarten lässt, finden sich mehrere Momente für emotionale Einschübe. So auch in The Johnny Karate Super Awesome Musical Explosion Show, die als Abgesang für Andy und zugleich als Zeugnis für seine Liebe und Hingabe zu April gesehen werden kann. Dass Aziz Ansari zeitweise drei Folgen aussetzt, kann man hierbei ebenfalls verschmerzen. Da passt es wiederum, dass das Serienfinale One Last Ride sich voll und ganz seinen Figuren widmet, indem es den Zuschauern für alle von ihnen einen Blick in die Zukunft gewährt. Das Six Feet Under-Ende in lustig quasi, wenn Jean-Ralphio seinen eigenen Tod vortäuscht oder Leslie und Ben sich zum nächsten Schritt in ihrer Karriere entscheiden müssen.

Insofern ist das Finale eines zum Abschiednehmen gewesen, was es sicherlich zurecht zur besten Folge einer jedoch grundsätzlich starken Staffel macht. Etwas schade ist, dass wir vom Familienleben der Wyatt-Knopes kaum etwas mitbekommen, obschon hin und wieder eines der drei Kinder im Hintergrund vorbeirennt. Zumindest einen Subplot in einer der Folgen hätten Schur und Co. jedoch hierfür opfern können. Genauso wie auch Rons Familie ausgespart wird und Chris und Ann praktisch durchweg nichtexistent sind (also nicht einmal erwähnt werden). All das lässt sich jedoch im siebten Jahr Parks and Recreation verschmerzen, da die Serie nicht mit einem Wimmern zu Ende geht, sondern mit einem Knall. Und so muss es schließlich sein.

8/10

21. Mai 2010

Kurz & Knackig: US-Serien - Teil III

30 Rock - Season One

By the hammer of Thor!

An Sonntagnachmittagen kann man sich die Zeit damit vertreiben, in der IMDb die ganzen Emmy-Nominierungen von 30 Rock nach zu verfolgen. Eine Show, die wie keine Zweite in den letzten Jahren jene Fernsehpreisverleihung bestimmt hat und bei der IMDb aktuell mit einer Bewertung von 8.9/10 geführt wird. Die kreative Mutter der Sitcom ist Tina Fey, ehemals Chef-Autorin von Saturday Night Live. Anfang der Dekade trat sie mit ihrer Idee von 30 Rock an die Bosse von NBC heran, die in der Show damals zuerst einen Sketch für SNL sahen. Ende 2006 gab es dann doch den Serienableger, angereichert mit vielen von Feys SNL-Kollegen. Und auch wenn die Show keine überragenden Quoten hat - im Schnitt sehen sie 6,6 Millionen Amerikanern -, dürfte sie die Kritikeranerkennung in Form der zahlreichen Preise über Wasser gehalten haben.

Ähnlich wie die im selben Jahr gestartete Aaron-Sorkin-Serie Studio 60 on the Sunset Strip dreht sich alles um die Produktion einer Comedy-Show. Hier wie da fokussiert sich die Geschichte auf die Produzenten und Autoren, hier wie da gibt es drei Show-Protagonisten wie das Blondchen, den nerdigen Schlaks und den token black guy. Vielleicht lag es nur an der doppelten Laufzeit von Sorkins Format, dass seine Serie sich nicht durchsetzen konnte. Hier ist jedenfalls Liz Lemon (Tina Fey) die Chef-Autorin der „The Girlie Show“, deren Star Jenna Maroney (Jane Krakowski) ist. Als die Show mit Jack Donaghy (Alec Baldwin) einen neuen Studioleiter erhält und dieser mit dem diskutablen Eddie-Murphy-Verschnitt Tracy Jordan (Tracy Morgan) einen neuen Star präsentiert - in dessen Zuge die Show nach ihm umbenannt wird -, müssen die Fähnchen innerhalb des Studios am Rockefeller Plaza 30 neu ausgerichtet werden.

Die Sitcom lebt nun von den Eingriffen Donaghys in Lemons Arbeitsgefüge. Personifiziert in Tracy Jordan, auch wenn dieser im Laufe der ersten Staffel zum anerkannten Zugpferd der Show innerhalb der Show aufsteigt. Dabei wird jedoch nie wirklich klar, welche wirtschaftlichen Auswüchse die Prämisse der Serie hat. Donaghy erklärt zwar, mit Jordan wolle man jene Zielgruppe erreichen, die man bisher noch nicht angesprochen hat. Ob dies am Ende nun gelungen ist, enthält Fey dem Zuschauer jedoch vor. So verkommt die Serie innerhalb der Serie bald auch eher zur bloßen Rahmenhandlung und 30 Rock fokussiert sich auf Lemons Privatleben (welches jedoch meist im Arbeitsumfeld stattfindet). Es geht um Anerkennung und speziell in der zweiten Hälfte auch um Beziehungen und Liebe. Kleine berufliche Scharmützel bilden hier dann die Ausnahme von der Regel. Grundsätzlich weiß die Show in ihrer Mitte am meisten zu überzeugen, was nach den enttäuschenden Auftaktfolgen nicht unbedingt zu erwarten war.

The Source Awards bildet hierbei den Höhepunkt einer ersten Staffel, die selten wirklich zu fesseln wusste. Zwar wächst einem besonders Lemon als Figur ans Herz, aber es sind Tracy Jordan und der Page Kenneth (Jack McBrayer), die aufgrund ihrer oft infantil-naiven Art die meisten Lacher abstauben. Baldwin wiederum kann aufgrund guter Dialogzeilen hier und da punkten. Dennoch sind die brillanten Ideen (z.B. Kenneths Show „Gold Case“) in 30 Rock eher rar gesät. Als Gaststars finden sich bekannte Gesichter wie Emily Mortimer, Rip Torn, LL Cool J, Isabella Rossellini, Will Arnett, Nathan Lane und ganz besonders erfreulich, wenn auch nur in einer Folge, Anna Chlumsky. Nachdem Feys Serie in der achten Folge (The Break-Up) die Kurve zu kriegen schien, ging der ersten Staffel in den letzten drei Episoden leider wieder die Luft aus. Insofern lässt die Serie erkennen, warum ihr so wenig Zuschauer in den USA zufallen, nicht jedoch, warum dies bei den Auszeichnungen umgekehrt der Fall ist.

6.5/10

Southland - Season Two

So what do you think, man? Is this thing really over?

Das amerikanische Fernsehen ist ein Haifischbecken. Hier kommen nur die Harten in den Garten, der Rest wird aussortiert bzw. gecancelled. Und manchmal trifft man Zombies, sprich Serien, die von den Toten wieder auferstehen. Zu jener Gruppe von Wackelkandidaten zählt beispielsweise Chuck, dessen dritte Staffel bereits auf der Kippe stand. Aber auch Serien wie Dirty Sexy Money oder Better Off Ted wurden bzw. werden gerne im Laufe einer Staffel unterbrochen, um einige Monate später vollends ausgestrahlt zu werden, ehe man sie gleich ganz aus dem Programm nimmt. Ein ähnliches Szenario erlebte Ann Bidermans Cop-Serie Southland, die nach der ersten Staffel gecancelled wurde, weil der Ton der Serie angeblich zu düster war. Um dann im Nachhinein doch für eine zweite Staffel verlängert zu werden, die anschließend nach der Hälfte der Staffel erneut gecancelled wurde. Manchmal weiß die linke Hand eben nicht, was die Rechte tut.

Im Falle von Southland ist dies besonders schade, steigert sich Bidermans Show nicht nur in ihrer zweiten Instanz, sondern bewies erneut, dass sie Potential zu haben schien. Inhaltlich fügt sich die Serie quasi nahtlos an die letzte Staffel an. Immer noch verfolgt man als Zuschauer die drei Zweiergespanne, von denen Sherman (Ben McKenzie) und Cooper (Michael Cudlitz) die meiste Aufmerksamkeit kriegen. Russell (Tom Everett Scott) wiederum ist durch seine im Staffelfinale erlittene Schusswunde nicht gestorben, scheint aber nach der Verletzung neben seinem Job auch seiner Partnerin Lydia (Regina King) aus dem Weg zu gehen. Diese erhält Amaury Nolasco für ein paar Folgen als Ersatzpartner. Dagegen treibt sich Nate (Kevin Alejandro) nicht nur mit Sammy (Shawn Hatosy) herum, sondern ermittelt auch mit einem ehemaligen Kollegen gegen einen Drogenring. Fortgesetzte Themenkomplexe sind hierbei allen voran Coopers Schmerzmittelabhängigkeit wegen seiner Rückenprobleme, die in nahezu jeder Episode kurz angesprochen wird.

Seinem semi- oder pseudo-dokumentarischen Stil bleibt die Serie dabei treu. Oft beginnt eine Folge mit einer Vorwegnahme eines Ereignisses, wie man es auch aus manchen Breaking Bad-Episoden kennt. Aufgrund der erneuten Einstampfung gehen jedoch manche Handlungsstränge nun etwas verloren. So wird zu Beginn nochmals Sherman als Kind zweier Welten vorgestellt, mit Nora Zehetner in einer viel versprechenden Nebenrolle, die aber leider daraufhin nicht mehr thematisiert wird. Ähnlich verhält es sich mit Coopers Rückenschmerzen und Schmerzmittelabhängigkeit, Sammys Eheprobleme oder auch Chickie Browns (Arija Bareikis) „Re-Integration“ in den Arbeitsalltag, nachdem sie ihren Partner verpetzt hat. Etwas konfus wird es mit Lydias Partner, sprang Nolasco doch nach drei Episoden ab, um dann zuerst von Clifton Collins Jr. ersetzt zu werden, ehe Scott wieder seine alte Position einnahm. Da somit nur sechs der dreizehn Episoden umgesetzt wurden, endete die Staffel im vermeintlichen Serienfinale Maximum Deployment untypisch.

Offene Fragen wären bei einem Serienfinale im Gegensatz zu My Own Worst Enemy jedoch ausgeblieben. Zu den stärkeren Folgen zählen Phase Three, Butch and Sundance sowie What Makes Sammy Run?, wobei jedoch alle sechs Folgen ausgesprochen unterhaltsam waren. Hauptsächliche Sympathiefigur ist wieder Sherman, aber auch Cooper, Lydia, Russell und Sammy sind einem inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Es ist bedauerlich, dass in all jenem Forensik- und Ermittler-Sud von Cold Case über die ellenlangen CSI-Ableger bis hin zu Criminal Minds und Co. scheinbar kein Platz zu sein scheint, für eine bemühte und couragierte Cop-Serie, wie Southland eine ist. Ähnlich Gedanken überfallen einen, wenn man an Potential-Serien wie insbesondere Better Off Ted denkt. Wie schon nach der ersten Staffel wurde die Serie nun aber doch erneuert, wenn auch in angeblich neuem Look. Man darf also gespannt sein.

7.5/10

Accidentally on Purpose

I should facebook that girl.

Jenna Elfman zählt ebenfalls zum Club der Scientologen, macht darum aber in der Öffentlichkeit weit weniger Aufhebens als die Herren Cruise oder Travolta. Lange war sie die Dharma in Dharma and Greg, dann war es still, nun ist sie zurück. Natürlich im Fernsehen, dass es TV-Stars nicht ins Kino schaffen, hatten wir hier schon zur Genüge. Als Filmkritikerin Billie gerät Elfman eines Abends in einer Bar an den Twen Zack (Jon Foster), ihr One-Night-Stand verkommt zur Schwangerschaft. So hatte sich Billie das nicht vorgestellt, wollte sie doch eigentlich ihren Chefredakteur James (Grant Show) heiraten. Nun ist sie Ende Dreißig, Single und kommende Mutter. Billie und Zack arrangieren sich, er will für das Kind da sein und zieht bei der Journalistin ein. Und mit ihm findet auch sein bester Kumpel, der Chaot Davis (Nicolas Wright), Einzug in Billies Leben, welches durch ihre Schwester Abby (Lennon Parham) und Kollegin Olivia (Ashley Jensen) geerdet bleiben soll.

Die achtzehn Episoden tragen liebevoller Weise alle Titel von Filmen und sind damit nahe dran an Billies Beschäftigung. Ohnehin ist die Darstellung der Zeitungslandschaft in der ersten Hälfte sehr gelungen (Arbeitsplatzabbau, etc.), sodass es zu bedauern ist, dass Show später aus der Serie scheidet. Accidentally on Purpose ist daher eine durchwachsene Sitcom, die mal ausgesprochen komisch gerät, dann wieder nur durchschnittlich ist. Das Herz der Serie sind die abgedrehten Figuren von Wright und Parham, während Jensen auch wegen ihres gekünstelt wirkenden schottischen Akzentes (obschon sie ist in der Tat Schottin ist) bisweilen nervt. Die gelungenste Episode findet sich in It Happened One Christmas, auch das Doppelfinale erzeugt einige gelungene Lacher. Grundsätzlich ist Elfmans Show also ein harmloser Spaß für Zwischendurch, dem man nicht sonderlich viel vorwerfen kann, außer vielleicht, dass die erste Staffel zwei Gesichter hat (die zweite Hälfte fokussiert sich ausschließlich auf die Schwangerschaft). Ob es eine zweite Staffel gibt ist bisher allerdings noch unklar.

7/10

The Vampire Diaries - Season One

You have some serious emotional damage.

Wohin das Auge reicht, treiben Vampire dieser Tage ihr Unwesen. Auf HBO inszeniert Drama-Meister Alan Ball True Blood, ein offenes Zusammenleben von Mensch und Vampir, im Kino lässt Team Edward rund um RPattz in Stephenie Meyers Twilight-Serie die Herzen höher schlagen. Und nun brachte The CW auch noch The Vampire Diaries ins Kabelfernsehen. Was alle Produkte vereint: junges hübsches Ding verknallt sich in charmanten und heißen Vampir. Nun mutet The Vampire Diaries vielleicht wie ein Sprung auf den fahrenden Zug an, doch basiert die Serie auf L.J. Smiths gleichnamiger Reihe, die Anfang der Neunziger entstand (und somit noch vor Meyers und Balls Werken). Der TV-Adaption nahm sich dabei kein geringerer als Kevin Williamson, Meister der teen angst dank Dawson’s Creek, an. Und Williamson fühlt sich inmitten all des jugendlichen emotionalen Trubels sichtlich pudelwohl.

Erzählt wird die Geschichte von Elena (Nina Dobrev), Schülerin der Mystic Falls High School und seit kurzen Vollwaise. Einige Monate nachdem ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, trifft sie den geheimnisvollen neuen Mitschüler Stefan (Paul Wesley). Dieser entpuppt sich bald darauf als Vampir, der nicht alleine ist. Sein emotional gestörter Bruder Damon (Ian Somerhalder) trudelt ebenfalls in der Stadt ein, in der beide Brüder eine gemeinsame Vergangenheit haben. Einst liebten sie mit der Vampirin Katherine dieselbe Frau, die pikanterweise Elenas Doppelgängerin ist. Doch Stefans Verhalten führte zu Katherines Tod, ein Verlust, den der Bruder ihm nicht verzeihen kann und über die Jahrzehnte hinweg spüren lässt. Und als wären ihre Gefühle für Stefan nicht genug, beginnt die Anwesenheit der beiden Vampire nicht nur Konsequenzen in Elenas Umgebung nach sich zu ziehen, sondern weitere Blutsauger nach Mystic Falls zu locken.

Wie es sich für Vampire gehört, sind Stefan und Damon etwas blass um die Nase, allerdings ist der gesamte Look von Vampire Diaries derart düster gehalten, dass es weit weniger auffällt als bei seinem Twilight-Bastard. Nach etwas holprigem Beginn startet Williamsons Serie plötzlich unverhofft durch, findet in der vierten Episode Family Ties relativ früh ihren Höhepunkt und lässt sich anschließend auf eine leichte Berg- und Talfahrt ein, die zwischen starken und durchschnittlichen Folgen - lediglich The Turning Point kann noch ein wirkliches Ausrufezeichen setzen - schwanken. Was jedoch kein zwingender Kritikpunkt ist, lädt die Serie doch stets aufs Neue zum interessanten Drama ein, auch wenn kaum ein großartiger Spannungsaufbau stattfindet. Dennoch weiß besonders der Konfliktbelastete Bruderzwist zu gefallen, lehnen sich Stefan und Damon einerseits zwar ab, kommen andererseits jedoch nicht über ihre Familienbande hinweg.

Etwas redundant wird es lediglich, wenn nach dem ersten Drittel konstant neue Vampire (u.a. Kelly Hu und Mia Kirshner) nach Mystic Falls geschwemmt werden und sich bisweilen die Aufmerksamkeit zu ausführlich auf bedeutungslose Charaktere wie Elenas Ex, Matt (Zach Roerig), und dessen neue Flamme (Katerina Graham) richtet. Gerade die letzten fünf Folgen wissen nicht mehr wirklich zu fesseln, da sich bereits abzeichnet, welchen Ausgang die erste Staffel nimmt. Gewürzt jedoch durch die erfreulichen Gastrollen von Hu, Kirshner, sowie Melinda Clarke und David Anders und insbesondere durch Wesleys und Somerhalders Bruderzwist, sowie die attraktive Dobrev, lässt sich der kitschigen High-School-Vampir-Zote dennoch in den meisten Fällen etwas abgewinnen. Auch weil sich Williamson nicht zu schade ist, hin und wieder drastische Entscheidungen für manche Figuren zu treffen. In alter Frische geht es somit im Herbst weiter.

7.5/10

Cougar Town - Season One

Bitches be loco.

Jahrelang war sie sein Baby, die Ärzte-Sitcom Scrubs, die Bill Lawrence (s)einen Namen in Hollywoods Serienlandschaft bescherte. Aber alles was einen Anfang hat, findet auch sein Ende. Und dieses kam nach einer Spin-Off-Staffel nun dieses Jahr. Umso erfreulicher also, dass Lawrence noch ein zweites Eisen im Feuer hatte, welches hinsichtlich der Quoten besser lief. Immerhin ist seine Sitcom Cougar Town für eine Rückkehr im Herbst bereits gebucht. Seinem Schema blieb sich der Auteur dabei weitestgehend treu. Eine Gruppe von Freunden wird in ihrem natürlichen Habitat beobachtet. Passend zum Verlauf von Scrubs handelt es sich hierbei um Personen eines etwas älteren Semesters. Genauer gesagt um Mittvierziger, deren Anführerin die Maklerin Jules (Courtney Cox) ist. Diese lebt als alleinerziehende Mutter neben ihrer besten Freundin Ellie (Christa Miller) und vertreibt sich die Zeit zusätzlich mit ihrer freizügigen Kollegin Laurie (Busy Phillipps).

In Cougar Town dreht sich zu Beginn, ähnlich zu Accidentally on Purpose, alles um die Liebe einer älteren Frau zu einem jüngeren Mann. Das Konzept wird dann aber beseitigt und sich stattdessen der Annäherung der Gruppe (ein exzentrischer Nachbar und der Ex-Mann komplettieren die Gruppe) aneinander gewidmet. Was selten wirklich beeindruckt - die Pilotfolge stellt im Grunde den Höhepunkt dar -, aber ansonsten auch nicht unbedingt sonderlich enttäuscht. In Gastrollen darf man Lawrence-Veteran Scott Foley, Lisa Kudrow und Sheryl Crow bewundern, die als Kurzzeitpartner der beiden Hauptfiguren (Cox und Josh Hopkins), was das Liebesleben angeht, fungieren. Insofern ist Lawrence kein neues Scrubs gelungen (wie auch?), eher eine - wenn man ehrlich ist - belanglose Serie, die bisweilen lustige Szenen hervorruft (eine Foto-Strecke im Stile von The Hangover beispielsweise). Kann man sehen, muss man aber nicht.

7/10

Parks and Recreation - Season Two

Please have a good time and shut your mouth.

Im ersten Jahr wirkte Greg Daniels neue Sitcom Parks and Recreation noch wie eine Halbschwester von The Office. Dies ändert sich nun in der zweiten Staffel ein wenig, wenn auch nur bedingt. In vierfacher Form - die Episodenzahl wurde auf 24 Folgen erhöht - präsentiert sich der Arbeitsplatz von Leslie Knope (Amy Poehler), und diese selbst auch, als weitaus differenzierter denn ihr Kollege Michael Scott aus Scranton. Schließlich ist sie sehr viel kompetenter als Steve Carells Figur, auch wenn sich das Bürogefüge sonst nicht unähnlich ist. Pam und Jim finden sich in Mark (Paul Schneider) und Anne (Rashida Jones), außerdem stellt Aziz Ansaris Tom Haverford so etwas wie den Dwight Schrute von Pawnee dar. Die Krone der Schöpfung ist jedoch wieder/weiterhin Leslies arbeitsscheuer Boss, der grandios von Nick Offerman gespielte Ron Swanson. Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt.

Nach starken Start, die zweite Folge The Stakeout ist neben Sweetums die amüsanteste Episode, brechen der Sitcom dann die vielen Folgen letztlich das Genick. Eine Unmenge an durchschnittlichen Folgen vermag, auch mit speziell in der zweiten Hälfte der Staffel vermehrt auftretenden (männlichen) Gaststars - Will Arnett, Justin Theroux, Detlef Schrempf, Rob Lowe, Andy Samberg -, schlussendlich nicht einen qualitativen Rückgang zum Vorjahr zu vermeiden. Gut möglich, dass es das Fehlen eines roten Fadens ist, das hier vermisst wird. Grundsätzlich würde es Parks and Recreation daher besser zu Gesicht stehen, wenn man sich auf weniger Episoden und in diesen mehr auf die Einbindung von Offerman anstatt auf Chris Pratts nervtötenden Andy fokussieren würde. Denn dass die Show über Potential verfügt, hat sie nicht nur in ihrer zweiten, sondern bereits in der ersten Staffel durchaus unter Beweis gestellt.

7/10

6. Dezember 2009

Classic Scene: Southland Tales - "You're a fucking slut"

DIE SZENERIE: Eine Gruppe von Neo-Marxisten rund um Zora Carmichaels plant einen moralischen Angriff auf die republikanische Regierung. Zwei ihrer Mitglieder, Dream und Dion, inszenieren einen Ehestreit eines frisch getrauten Paares. Hinzu kommen sollen Ronald Taverner, der als sein Zwillingsbruder verkleidet einen rassistischen UPU-Polizisten mimt und die beiden Eheleute vermeintlich erschießt. Blutpäckchen sollen von Bing, einem Helfershelfer, gezündet werden, um die Authentizität zu wahren. Als Vermittler dient Schauspieler Boxer Santaros, der für seinen neuen Film recherchiert und mit der Tochter des Gouverneurs verheiratet ist. Doch als der Beamte Bart Bookman auftaucht, eskaliert die Situation.

INT. HOUSE – LIVING ROOM
- DAY

Dream and Dion breathe slowly in and out, eyes closed.

DREAM: Transform. Breath. Dream.
DION (screams and gestures): Did you fuck him?
DREAM: Yeah, I fucked him!

Dion groans.

DREAM: I fucked him real good.
DION: You liked it?
DREAM: I fucking loved it.
DION: You bitch!
DREAM: I fucked your brother last night, too!

Dion groans again.

DREAM: I’ll fuck him in front of you, too.
DION (points his finger at her): You’re a fucking slut.
DREAM: Don’t point your finger at me.
DION: Bitch, I’ll fucking kill you!
DREAM: You kill me I get the fucking cops down here so fast.
DION (gestures wildly): How? How? How? You’re going to be dead.
DREAM: I know people.

INT. SHACK
- DAY

BING: They’re so good at improv.
ZORA: Shh.

INT. HOUSE – LIVING ROOM

DION (jumps up and down): Oh, I fucking hate you!
DREAM: I fucking hate you!
DION: Don’t marry a ho.
DREAM: I wish we’d never got married.
DION: You can’t make one a housewife. You can’t! Fuck!
DREAM: I don’t want to be a fucking housewife! I like to suck dick!

Dion groans again.

DREAM (cont.): That’s what I like to do.

Dion groans and starts to punch the air.

EXT. STREET
-DAY

Boxer and Ronald arrive outside on the street in their police car. So does Bart Bookman.

BOXER: Oh, look. Fellow officer of the law.

BOOKMAN: Howdy.

Boxer smiles naively and raises his hand in greeting.

BOOKMAN (cont.): Hermosa Beach. Little bit out of your jurisdiction. Don’t you think?

RONALD: Well, there is no jurisdiction. We’re all UPU 2 now.

WOMAN ON RADIO (O.S.): We have a possible domestic disturbance at 14000 Nowita Place, do you copy?

BOOKMAN: Boxer Santaros?

BOXER (raises his hand in greeting again): Good evening, Officer. I’m researching my movie.

DION (O.S.): I call you what you are. I’ll call you what I see. You’re a fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck You!

BOOKMAN: Sounds like you could use a little back-up.

Boxer nods his head in agreement.

RONALD: I think I can handle this.

BOOKMAN: No. I think you could use a little back-up.

DION (O.S.): You fucking bitch!
DREAM (O.S.): Fuck you. Don’t call me a fucking bitch.
DION (O.S.): That’s what I called you and I’ll fucking kill you.
DREAM (O.S.): His fucking dick was 200 inches long. You can’t get your dick hard.
DION (O.S.): What?
DREAM (O.S.): You can’t fucking lay me.
DION (O.S.): What?

Ronald, Boxer and Bookman walk down the path to 14000 Nowita Place.

RONALD: Right behind you, Officer.
DION (O.S.): I give you my dick hard.
RONALD: Never seen so much fog.
BOOKMAN: Tidal generator.
DREAM (O.S.): Fucking asshole.

They enter the backyard garden.

DION (O.S.): You fucking slut. That’s what you are. A fucking slut.
DREAM (O.S.): You can’t get your fucking dick hard. You want me to go fuck your brother on our wedding night.

INT. SHACK

Bing holds the detonator for the fake blood wounds.

DION (O.S.): I’ll fucking knock the shit out of you, bitch.

Zora holds him back, afraid he detonates too early.

DREAM (O.S.): You’ll have to tie me up…
DION (O.S.): I’ll fucking kill you!

EXT. BACKYARD
- DAY

To Moby’s 3 Steps Bookman, Ronald and Boxer with his camera approach the backdoor of Dion’s and Dream’s house while both are still heavily arguing.

DREAM: Fuck you! Don’t fucking say that to me! You’re a fucking dick. I can’t even believe I married you.
BOOKMAN (interrupts): What the fuck is wrong with you people?

Dion and Dream turn to the intruding trio.
INT. SHACK

BING: Is that Ronald?

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Dream and Dion look at each other, uncertain what to do.

DREAM (raps): Check this out, pig. Fascist dogma applied. Revolution by surprise. My vagina will not be denied a vote in your subjective election. That’s an original poem. By Dream.

Bookman pulls his gun out of his holster and points it at Dream. Boxer’s eyes widen in shock. Bookman shoots Dream in the chest.

DION (O.S.): Oh, shit.

INT. SHACK

Bing detonates the fake blood explosion. It explodes obviously too late.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

BOOKMAN: Dream over.

Dion looks at Dream’s body in shock. He turns to Bookman who points his gun at him and shoots him in the chest, too.

INT. SHACK

Again, Bing triggers the detonator too late which causes a delayed fake blood explosion.

INT. HOUSE - LIVING ROOM

Boxer gasps in disbelief of what he just witnessed.


BOOKMAN (cont.): Flow my tears.

ZORA: Now that was loud. And that was funny.

BOXER: They weren’t armed.

Bookman takes Boxer’s camera from him and films the actor who starts a nervous dance with his finger tips.

BOOKMAN: This is my deal now. Now get the fuck out of here. Santaros.

Boxer and Ronald look at each other. Boxer flees the scene.

BOOKMAN (to Ronald): You’re not really here.

RONALD: Who am I?

BOOKMAN: None of your business. Now get the fuck out of here.

PILOT ABILENE (V.O.): It was an inspired idea. A staged double-murder, committed by a racist cop, captured on tape by a movie star with political ties.

BOOKMAN (to Ronald): Go!

PILOT ABILENE (V.O.): But no one could have anticipated the untimely arrival of Officer Bart Bookman.

Ronald flees the scene while Wave of Mutilation from the Pixies starts to play.

16. August 2009

Kurz & Knackig: US-Serien - Teil II

Parks and Recreation - Season One

Would you say that you are enjoying yourself?

Was kann man groß zu Greg Daniels neuer Show Parks and Recreation sagen? Es ist doch etwas verwunderlich, dass Daniels mit keinem eigenständigen Konzept aufzuwarten weiß. Denn im Kern ist seine neue Sitcom nichts anderes als eine Neuinterpretation von Ricky Gervais’ The Office. Im mockumentary style wird ein exzentrischer Mensch in hoher Position verfolgt, unterlegt mit Interviews von der betreffenden Person selbst, sowie deren MitarbeiterInnen. Die Ähnlichkeiten zwischen Michael Scott und Leslie Knope (Amy Poehler) sind nicht von der Hand zu weisen. Mit Tom Haverford (Aziz Ansari) findet sich dann auch ein Mitarbeiter, der wie Jim Halpert gerne mal zu Streichen aufgelegt ist. Auch wenn Tom in seinem Humor sehr viel bösartiger ist. Leslie Knope ist Vize-Direktorin des Stadtplanungsamtes von Pawnee. Als der Lebensgefährte von Krankenschwester Ann (Rashida Jones) in eine offene Baustelle fällt, setzt sich Leslie zum Ziel, diese in einen Park zu verwandeln. Architektonische Unterstützung verspricht sie sich von ihrem ehemaligen One-Night-Stand und Frauenheld Marc (Paul Schneider), der zugleich im Stadtbauamt tätig ist.

Genauso wie The Office lief die erste Staffel von Parks and Recreation in ihrer ersten Ausführung lediglich sechs Folgen. Ein wirkliches Urteil will sich hier schwer fällen lassen. Der Humor der Show ist ohne Frage charmant, wenn auch etwas weniger auf Fremdschämen fokussiert, wie im Office-Original. Poehlers Leslie ist etwas anstrengender als Carrels Michael Scott, scheint allerdings auch etwas auffassungsschneller zu sein. Die Nebenfiguren sind durchweg sympathisch, allen voran natürlich sexy Rashida Jones. Heimlicher Star ist jedoch Leslies phlegmatischer Vorgesetzter, Ron Swanson (Nick Offerman), für den Bürokratie darin besteht, am besten gar nichts zu machen. Die gelungenste Folge markiert The Reporter, während sich die Serie sonst auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau bewegt. Im Gegensatz zu The Office kann man jedoch mit dem Pärchen der Show, Jones’ Ann und Chris Pratts Andy, nicht wirklich mitfühlen. Dafür werden die Beiden als Paar zu selten fokussiert. Die Reaktionen auf die Show, die sich primär um Leslies ekelhaften Optimismus dreht, waren verhalten. Nichtsdestotrotz wurde sie von NBC für eine zweite Staffel verlängert. Grundsätzlich empfand ich Parks and Recreation somit als gelungen, auch wenn Daniels mehr eigenständige Kreativität gut getan hätte. Wird im Herbst weiterverfolgt.

7.5/10

Southland - Season One

Things aren’t always what they seem.

Bedenkt man, dass Polizisten in Amerika nicht gerade den besten Ruf haben – schon gar nicht die in Los Angeles -, verwundert es doch, dass die Amerikaner sich ihre Cop-Serien nicht nehmen lassen (s. unten auch The Unusuals). Eine Expertin auf dem Gebiet scheint Ann Biderman zu sein, die für ihre Arbeit an NYPD Blue mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Nach zwölf Jahren Abstinenz seit ihrem Drehbuch zu Smilla’s Sense of Snow kehrt Biderman nun ins Business zurück. Ihr erstes Fernsehdrama Southland folgt der Arbeit und dem Privatleben von sechs Polizeibeamten des LAPD. Die Serie orientiert sich hierbei einerlei an Genrebeiträgen wie Colors und Training Day, andererseits aber auch den Reality-TV-Serien wie dem in den USA beliebten Cops-Format. Dies äußerst sich nicht nur in dem semi-dokumentarischen Stil der Handkamera und den ausgebleichten Bildern, sondern auch in der Tatsache, dass Schimpfwörter zensiert werden. Die Handlung selbst folgt einerseits den Straßenpolizisten John Cooper (Michael Cudlitz) und dem Anfänger Ben Sherman (Ben McKenzie), andererseits den Ermittlern Nate Moretta (Kevin Alejandro) und Sammy Bryant (Shawn Hatosy) vom Morddezernat sowie ihren Kollegen Lydia Adams (Regina King) und Russell Clarke (Tom Everett Scott).

Neben einigen Nebenfiguren, wie dem von C. Thomas Howell dargestellten Officer Dewey, fokussiert sich die Serie primär auf diese sechs Cops. Während nicht zwingend stets alle sechs in einer Episode auftauchen müssen, kommt es jedoch des Öfteren vor, dass sich ihre Wege innerhalb einer Episode kreuzen. Grundsätzlich am Überzeugendsten agiert hier die Pilotfolge Unknown Trouble, an die lediglich See a Woman heranzureichen vermag. Die anderen Folgen sind an sich durchschnittlich. Wobei dies dadurch geschuldet ist, dass auch Southland zu jenen Serien zählt, deren Qualität abhängig ist, von dem Fall, der in der jeweiligen Episode behandelt wird. Ein roter Faden findet sich hier abgesehen von Janila, einer Jugendlichen, die als Zeugin gegen eine Latinobande fungieren soll, nicht. Die Serie weiß daher zuvorderst wegen ihrer sympathischen Figuren, allen voran der idealistische Sherman, zu gefallen. Die Darstellung des LAPD wirkt dann, bedenkt man die Geschichte des Dezernats, mitunter recht verblendend. Dennoch kann man Bidermans Serie eine gewisse grundsätzliche Qualität nicht absprechen. Ansätze für die bereits bestätigte zweite Staffel sind vorhanden. So zum Beispiel das Schicksal von Janila oder wieso Sherman ein Polizist wurde (seine Figur wirkt grob einem Mike Lowry aus Bad Boys entlehnt). Auch wenn Southland im Kern etwas zäh zu konsumieren ist, wird die zweite Staffel von mir wohl weiterverfolgt.

7/10

The Unusuals

You don’t deserve to wear a mustache.

Eigentlich paradox, dass es derart viele Cop-Serien gibt, wo Polizeibeamte in den USA ja nicht gerade sonderlich populär sind (s. Anm. oben) . Wahrscheinlich schauen die Amis Cops lieber bei der Arbeit zu, als selbst mit ihnen konfrontiert zu werden. Was The Unusuals jetzt im Vergleich zu Southland oder dergleichen unterscheiden soll, erklärte Produzent ABC über eine Pressemitteilung. „Like a modern-day M*A*S*H“, meint der Sender und setzte dadurch die Meßlatte ziemlich hoch. Vorausgreifend lässt sich sagen, dass die Cop-Serie nicht wirklich irgendwie mit M*A*S*H vergleich bar ist, selbst wenn mitunter einige Szenen durchaus dem Humor der Kriegssatire gerecht werden. Viel eher lässt sich The Unusuals tatsächlich mit seinem Pendant Southland vergleichen. Auch hier finden sich mehrere Cops, denen meist einzeln Paarweise gefolgt wird, auch wenn sich ihre Fälle oft überschneiden. Dies erklärt sich auch dadurch, da sie alle aus demselben Dezernat stammen. Dabei sind es die Charaktere, die herausstechen. Sei es der narzisstische Solo-Ermittler Eddie Alvarez (Kai Lennox), der von sich selbst in der dritten Person spricht, oder der übervorsichtige Leo Banks (Harold Perrineau), der zur Sicherheit stets seine kugelsichere Weste trägt.

Was die Serie allerdings vermissen lässt, ist ein roter Faden. Zwar beginnt sie mit der Versetzung von Casey Shraeger (Amber Tamblyn), die ihren neuen Partner Jason Walsh (Jeremy Renner) ausspitzeln soll, doch läuft dies eher nebenbei. Auch die anderen Figuren, wie Henry Cole (Joshua Close) oder Eric Delahoy (Adam Goldberg) haben ihre kleinen Süppchen zu kochen (letzterer ist sich sicher, einen Gehirntumor zu haben, aber zu feige zum Arzt zu gehen). Somit verkommt The Unusuals zur case-of-the-week-Serie, die lediglich in 42 wirklich ihr Potential abrufen kann, auch wenn Boreland Day und The Tape Delay ebenfalls zu den besseren Folgen zählen. Generell lässt sich sagen, dass die Serie stets dann punktet, wenn sie tatsächlich die konventionelle Schiene verlässt und sich mehr an M*A*S*H und ähnlichen Satiren orientiert. Seltsam ist auch, dass hier ebenfalls wie in Southland mittels Tamblyns Figur das Mike-Lowry-Syndrom auftaucht. Reiche Menschen die als Cops lieber wenig Geld verdienen scheinen zum Genreklischee zu verkommen. Wenig überraschend wurde The Unusuals nicht für eine zweite Staffel erneuert. Schade ist das nicht unbedingt.

6.5/10

Dirty Sexy Money - Season Two

Now it’s family night.

„Raum für die 2. Staffel ist vorhanden“, schrieb ich vor mehr als einem Jahr bezüglich der ersten Staffel von Dirty Sexy Money. Die Serie schwankte zwischen humoriger Persiflage auf die Schönen und Reichen und einem spannenden Drama-Format, das sich mit dem Tod eines abwesenden Protagonisten beschäftigte. Dass durch den Autorenstreik damals die ursprünglich doppelt so vielen Episoden auf zehn Folgen beschränkt wurden und im Dezember des vergangenen Jahres die Ausstrahlung der zweiten Staffel diesmal ausgesetzt wurde, ehe nunmehr ein halbes Jahr später die verbliebenen drei Episoden (eine wurde gar ganz gestrichen) ausgestrahlt wurden, spricht wohl Bände über die Resonanz von Dirty Sexy Money. Dass das Konzept für keine dritte Staffel verlängert wurde, ergibt sich da von selbst. Inhaltlich entfernte sich DSM nochmals vom Vorjahr. Der Mord an Dutch spielt nur noch eine untergeordnete bzw. kaum noch existente Rolle. Stattdessen müssen sich Tripp Darling (Donald Sutherland) und sein Anwalt Nick George (Peter Krause) hautsächlich mit ihrem Konkurrenten Simon Elder (Blair Underwood) auseinandersetzen. Währenddessen hat Nick mit seiner Ehe zu kämpfen und auch die anderen Figuren, von Patrick (William Baldwin) bis hin zu Brian (Glenn Fitzgerald), haben mit ihrem Liebesleben zu kämpfen. Im Vergleich zur ersten Staffel verliert die Serie dieses Mal noch mehr ihre (überhaupt vorhandene?) Prämisse aus dem Blick.

Ensemble-Ergänzungen wie Nola (Lucy Liu) fallen da aufgrund ihrer konstruierten Einbindung mit gleich mehreren Figuren etwas unter den Tisch, während Samaire Armstrongs Charakter der Juliet gleich ganz gestrichen (und von den anderen Figuren auch nicht mehr erwähnt) wird. Simon Elder ist nun das große Thema, erst als finanzielle, dann als Karens (Natalie Zea) Liebhaber auch als interne Bedrohung. Das ist in der ersten Hälfte der zweiten Staffel – die ohnehin erstaunlich gut ist, allgemein, aber insbesondere im Vergleich zur zweiten Hälfte – noch eher das Thema, als in der weitestgehend themenlosen anderen Hälfte. Etwas plump gerät es dann mit dem – zugegeben, ungeplanten – Serienfinale, wenn auf einmal wieder die Frage nach Dutch George aufkommt. Eigentlich kann sich Dirty Sexy Money nicht entscheiden, was genau es sein will. Sicherlich manche Szenen sind komisch, was dieses Mal eher an Fitzgerald liegt, als an Seth Gabels Jeremy oder einer anderen Figur. Dennoch leidet die Serie nun unter ihrer Einbindung von Genreklischees (wer schläft mit wem und wieso und sowieso, am Ende schließt sich der Kreis). Das Staffel- und Serienfinale The Bad Guy ist dabei besonders enttäuschend, wobei auch die vorzeitige Klimax The Organ Donar recht schwach ist. Überzeugen können speziell The Family Lawyer und The Injured Party. Alles in allem verschenkt Craig Wright mit seiner neuen Serie gehörig Potential, weshalb es nicht schade ist, dass diese nun ihr Ende findet.

7/10

Better Off Ted - Season One

I’m Batman. And Robin.

Inzwischen wirkt der amerikanische Serienmarkt auf mich wie ein riesiges Buffet. Unglaubliche viele leckere Sachen, manche optisch ansprechender, als sie es wohl sind und dafür einige Geheimtipps, die irgendwo hinter einer Bowle oder ähnlichem etwas verdeckt werden. Wie bei einem Buffet kann man aber nicht alles Essen, schon allein logistisch nicht und auch nicht hinsichtlich der eigenen Verdauung. „Leichtere“ Kost wie die 20-Minuten-Sitcoms haben es da von Natur aus einfacher. Und hier hat auch die humorvollere Variante meist die Nase vor eher „dramatischer“ Konkurrenz (z.B. Nurse Jackie) vorn. Mit Better Off Ted kam im vergangenen Jahr eine Serie heraus, die irgendwie weder Fisch noch Fleisch ist. Erst liefen die Quoten nicht entsprechend und die letzten Folgen wurden nur stotternd veröffentlicht, dann allerdings erhielt man doch grünes Licht für eine zweite Staffel. Die Show selbst ist dabei ungemein originell und spritzig, das kann man ihr nicht absprechen. Allerdings verliert sie sich bisweilen und speziell in der zweiten Hälfte immer öfter in ihrer monotonen Spitzfindigkeit. Das stagniert, bewegt sich eher zäh vorwärts und entwickelt zu langsam, am besten verdeutlicht an der zarten Büro-Romanze zwischen Abteilungsleiter Ted (Jay Harrington) und seiner Angestellten Lina (Andrea Anders). Somit präsentiert sich Better Off Ted über 13 Folgen lang mit Stoff, der im Grunde in der Hälfte der Episoden ausreichend hätte erzählt werden können.

Beide arbeiten nun bei der Firma Veridian Dynamics, einer Entwicklungsfirma für allerlei industriellen Quatsch wie kuhfleischfreies Fleisch, einer dritten Hand oder ganz einfach nur Jabberwocky („You do know about Jabberwocky, don’t you?“). Das Team wird komplettiert durch Teds Vorgesetzte, Veronica (Portia de Rossi), sowie den beiden Wissenschaftlern Phil (Jonathan Slavin) und Lem (Malcolm Barrett). Die Serie bezieht ihren Humor allen voran aus Veronicas unterkühlter Art mit ihren Untergebenen umzugehen, sowie bisweilen auch aus dem charmanten Trio Ted, Phil und Lem. Der einzige rote Faden der Show ist Teds und Lindas gegenseitiges Interesse aneinander, welchem Ted jedoch aus abwechselnden Gründen (zuerst sein Motto nur eine Büro-Affäre zu haben, dann seine Tochter Rose, die er alleine erzieht) nicht nachgeben möchte. Dabei besticht Victor Frescos Sitcom durch ihre teils brillanten Dialoge und ihre mitunter beeindruckende Situationskomik. Wie in so vielen Fällen (The Big Bang Theory/Sheldon, How I Met Your Mother/Barney) lebt Better Off Ted allerdings mit der großartigen Portia de Rossi zuvorderst von einer kultigen Figur. Während die erste Hälfte der Staffel mit Through Rose-Colored HAZMAT Suits und allen voran Racial Sensitivity zu beeindrucken weiß, baut die zweite Hälfte jedoch stark ab. Dies liegt auch daran, dass statt sich weiterhin neu zu erfinden, auf vorherigen – wie gesagt: stagnierenden – Entwicklungen herumgeritten wird (und dabei hab ich nicht einmal mitbekommen, wie Phil seinen kryonischen Schock überwunden hat). Dennoch ist die Serie so charmant, dass sie im Herbst weitergeschaut wird.

7.5/10

17. Juli 2008

Southland Tales

Ladies and gentlemen, the party is over. Have a nice apocalypse.

Die vergangenen Zeiten sind schon lange her und inzwischen wartet jede Woche in unserem Leben mit Filmstarts bis zu sieben und mehr Werken auf. Lediglich wenn ein Großkaliber wie Indiana Jones droht, werden die Starts gerne verschoben, aber Filme sind inzwischen vollkommen nach der Nachfrage ausgerichtet. Hin und wieder gibt es sie aber noch, die kleinen Geheimtipps, Filme, die im Auge der Öffentlichkeit untergehen, durch Mundpropaganda oder letztlich auf DVD zu Ruhm aufsteigen. Oft finden sich auch Filme darunter, die von Kritikern, Fans oder beiden schlecht geredet werden, mitunter werden sie auch deswegen erst wirklich interessant. Einen solchen Geheimtipp – zwar nicht schlecht geredet, aber kaum beachtet – lieferte Richard Kelly 2001 mit seinem apokalyptischen Mysterie-Thriller Donnie Darko ab. Inzwischen hat das Werk nicht nur Kultstatus erreicht, sondern auch die Hollywood-Karriere von Newcomer Jake Gyllenhaal begründet, der sich demnächst als Prince of Persia verdingen darf. Regisseur und Autor Kelly selbst wurde hochgelobt, gefeiert und sein nächstes Projekt mit Hochspannung erwartet. Vier Jahre arbeitete Kelly an seinem neuesten Film, der den Titel Southland Tales tragen und als multimediales Konglomerat funktionieren sollte.

Die Vorgeschichte des Filmes würde in ein sechsbändiges Comicheft verpackt, der Film selbst sollte die letzten drei Kapitel der Geschichte beinhalten. Vor zwei Jahren feierte Southland Tales schließlich auf dem Filmfestspielen in Cannes seine Weltpremiere mit einer Laufzeit von 160 Minuten. Anschließend wurde der Film von den Kritikern verrissen, niedergemacht und die Karriere von Kelly quasi ad acta gelegt. Niemand konnte etwas mit den Visionen des jungen Regisseurs anfangen, geschweige denn die erzählte Geschichte ansatzweise begreifen. Doch Kelly ließ sich nicht unterkriegen, schnitt den Film um und änderte seine gesamte Planung des Projektes. Es wurden nicht nur zwanzig Minuten des Filmes zugunsten der Fokussierung auf eine Hauptfigur (Boxer) geschnitten, auch die Vorgeschichte wurde statt in sechs Comicbände der Einfachheit halber in drei Comicausgaben verpackt. Während manche Rezensenten wie das EMPIRE Magazin ihre Meinung anschließend verbesserten, blieb dem deutschen Kinopublikum bis heute eine Sichtung des Filmes verwehrt, auf DVD ist der Film nur im Bundle mit Donnie Darko erhältlich.

This is the way the world ends
This is the way the world ends
This is the way the world ends
Not with a whimper but with a bang.


Die drei Bände erschienen von Mai 2006 bis Januar 2007 und sind inzwischen auch zusammengefasst im Handel erhältlich. Zwar lässt sich Southland Tales auch ohne die Kenntnis der Comics verfolgen, doch helfen diese einzelne Beziehungen wie die zwischen Roland Taverner und Pilot Abilene besser zu skizzieren und nachzuvollziehen. In Two Roads Diverge wird das Geschehen eingeläutet, so wie es Kelly zu Beginn von seinem Film nacherzählen wird. Der ehemalige Football- und jetzige Filmstar Boxer Santaros wacht in der Wüste von Nevada auf, orientierungs- und erinnerungslos. Zufällig stößt der Spieler und Kriminelle Fortunio Balducci auf Boxer und sammelt diesen auf. Da Fortunio aufgrund von Spielschulden Los Angeles verlassen muss, braucht er ein Visum, um die Grenzen passieren zu können. Hierfür sucht er die ambitionierte Pornodarstellerin Krysta Now auf, die Verbindungen zu Regierungsbeamten hat. Die gesamte Handlung findet hierbei in einer alternativen Zukunft der Vereinigten Staaten des Sommers von 2008 statt. Al Quaeda hat zwei Nuklearwaffen am amerikanischen Unabhängigkeitstag 2005 in Amerika gezündet, ein Ereignis, das als „American Hiroshima“ in Erinnerung blieb.

I’m a pimp and pimps don’t commit suicide.

Fortan befinden sich die USA im Dritten Weltkrieg mit der Achse des Bösen (Irak, Iran, Nordkorea, Afghanistan, Syrien, Saudi-Arabien) und sind zum Überwachungsstaat verkommen. Wer einen der Bundesstaaten überqueren will, bedarf eines Visums, unzählige Kameras der Firma USIDent verfolgen die Bürger auf Schritt und Tritt. USIDent ist ein geistiges Kind von Nana Mae Frost, Ehefrau des republikanischen Senators Bobby Frost, der 2008 für die Position des Vizepräsidenten kandidiert. Beide haben eine Tochter, Madeline Frost, zugleich Ehefrau von Boxer Santaros. Die drei Comicbänden von Kelly sind so komplex, dass es unmöglich ist, sie in Kürze abzureißen. In den weiteren Ausgaben Fingerprints und The Mechanicals wird der Leser noch die Bekanntschaft von Jimmy Hermosa, Zora Carmicheals sowie Dion und Dream machen. Insbesondere aber der Baron Von Westphalen, Mitbegründer der nach seinem Heimatort Trier benannten Firma Treer und Entdecker des alternativen Treibstoffs Fluid Karma wird sich als Hauptantagonist herausstellen. Was es genau mit Fluid Karma auf sich hat und welche Rolle Simon Theory und Teena MacArthur darin spielen, wird ebenso thematisiert wie das ominöse Drehbuch „The Power“, welches von Krysta Now verfasst wurde und die letzten drei Tage auf Erden beschreibt.

Wie angesprochen bedarf es nicht notwendigerweise der Comichefte, um dem Film folgen zu können. Worum es sich genau bei USIDent, Fluid Karma und den Neo-Marxisten handelt, erfährt man auch zur Genüge im Film. Um den Themenkomplex von Kellys Offenbarung jedoch vollends – oder ansatzweise – zu verstehen, kann eine Studie der Prequels nicht schaden. Manche Dinge lässt Kelly in Southland Tales auch nochmal wiederholen, beispielsweise die Pressekonferenz von Baron Von Westphalen und seiner Mutter Inga. Im Vorspann zeigt Kelly die Geschehnisse des „American Hiroshima“ und seine Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft. Soldaten werden willkürlich zum Kriegsdienst eingezogen, darunter auch Roland Taverner (Seann William Scott) und der Nachwuchsschauspieler Pilot Abilene (Justin Timberlake). Beide werden im irakischen Falludscha ein Erlebnis teilen, welches für die Handlung von Southland Tales mitentscheidend sein wird. Doch Southland Tales befasst sich mit verschiedenen Erzählsträngen, die immer wieder miteinander verwoben werden. Essentiell für die Geschichte ist die Präsidentschaftsvorwahl der Bürger von Kalifornien, besteht in Kalifornien doch seit zwei Jahrzehnten erstmals die Chance für die Republikaner die Oberhand behalten zu können. Um liberaler zu wirken, macht Senator Bobby Frost gemeinsame Sache mit dem egomanischen Baron Von Westphalen und Treer.

Two roads diverged in a wood, and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Allerdings verfolgt der Baron eigene Pläne und der gemeinsame Interessenspunkt scheint der verschollene Boxer Santaros (Dwayne Johnson) zu sein. Dieser kann sich weder erinnern wer er ist, noch was seine Bestimmung sein soll. Pornodarstellerin Krysta Now (Sarah Michelle Gellar) nutzt dies gekonnt aus und verkauft Boxer das von ihr verfasste Drehbuch „The Power“ als dessen eigenes Gedankengut. Für die Recherche seiner Filmrolle als apokalyptischer Cop Jericho Cane bedarf es jedoch eindringlichen Nachforschunugen, welche die Neo-Marxisten um Zora Carmichaels (Cheri Oteri) für sich zu nutzen versuchen. Roland wurde entführt und sein Zwillingsbruder Ronald soll seinen Platz einnehmen. Die Idee ist, dass Roland als rassistischer Cop einen Mord an den Untergrundikonen Dion und Dream inszeniert, damit durch Boxer Santaros die Ambitionen des Republikaners Bobby Frost gedämpft werden. Letztlich kommt aber alles ganz anders, wie jeder gedacht hat, denn die Lager verschieben sich bei allen Figuren ein ums andere Mal, ebenso wie Freund und Feind.

In mancher Hinsicht können die Prequels somit zum Verständnis der Figuren beitragen. Wer sich die filmische Version von Krysta Now ansieht, erblickt kaum mehr als ein blondes Dummchen, welches gegen den Krieg und die Negierung von Jugendgeilheit vorgeht. Dabei ist Krysta Now in den Prequels eine selbst bestimmte und äußerst starke Persönlichkeit. Sie hat ihren eigenen Kopf und weiß diesen auch oftmals durchzusetzen – dieser Charakter ihrer Persönlichkeit kommt bedauerlicherweise im Film nicht oft zum Tragen. Die etwas naive Krysta wird aber in dieser Hinsicht äußerst gelungen von Sarah Michelle Gellar dargestellt, der man nicht nur das blonde Dummchen, sondern auch die Pornoactrice sofort abnimmt. Ähnlich glaubhaft ist auch die übrige Besetzung gelungen, von Mandy Moore als Madeline Frost Santaros bis hin zu Seann William Scott als Roland und Ronald Taverner. Ein besonderes Lob gebührt jedoch Dwayne Johnson, ehemals als The Rock bekannt, der hier eine starke Leistung abliefert und Erinnerungen an seine überzeugende Darstellung des schwulen Bodyguards in Be Cool wachruft. In Nebenrollen sind zudem Kevin Smith und Janeane Garofalo zu sehen, auch wenn Garofalos Figur von Teena MacArthur in der neu geschnittenen Version lediglich kurz in einer Szene zu sehen ist. Wer seine Augen aufsperrt kann sogar einen Cameo von Skandal-Regisseur Eli Roth erhaschen.

Teen horniness is not a crime.

Was aber bei Southland Tales besonders herausragt, ist sein Soundtrack. Richard Kellys Entscheidung, Musiker Moby diesen komponieren zu lassen, ist ein wahres Geschenk. Dessen elegische Stücke tragen auch eine Vielzahl von Szenen, darunter die finale Doomsday-Sequenz, aber auch eine der gelungensten Einstellungen, der Inszenierung von Dion und Dreams Erschießung. Diese wird nicht nur großartig von Mobys „3 Steps“ eingeleitet, sondern auch ebenso genial mit „Wave of Mutilation“ von den Pixies beschlossen. In das Gesamtbild des Soundtracks fügen sich aber auch „All the Things I’ve Done“ von The Killers ebenso brillant ein, wie Rebekah del Rios Version des „Star Spangled Banner“. Genauso sollte man auch die vielen Referenzen zu den Prequels lobend erwähnen, wie Bart Bookmans einsilbiges „Flow my tears“, welches dem Nichtkenner ziemlich wenig sagen wird. Hierzu kann man sicher auch die etwaigen „Do you bleed?“-Anspielungen zählen, die sich ohne die Vorgeschichte nicht nachvollziehen lassen. Insgesamt ist Richard Kelly bei einem bescheidenen Budget von 15 Millionen Dollar eine sehr stimmige Anknüpfung mit seinen Kapiteln „Temptation Waits“, „Memory Gospel“ und „Wave of Mutilation“ gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass Kellys Intention die Cannes-Version noch auf DVD zu veröffentlichen Gehör finden wird, da der „Director’s Cut“ neue Einblicke gewähren dürfte.

Den ersten Drehbuchentwurf hatte Richard Kelly 2001 wenige Wochen vor dem 11. September verfasst. Damals war Southland Tales noch als Seitenhieb auf Hollywood konzipiert worden. Doch die Ereignisse und Auswirkungen von 9/11 änderten Kellys Perspektive. Jetzt ist sein Film eine Satire über den Weltuntergang geworden, die bewusst überzeichnet ist und gewollt idiotisch und lustig wirken soll. Beeinflusst wurde Kelly für seine Geschichte von vielen verschiedenen anderen Werken, darunter zuvorderst sicherlich die Offenbarung des Apostels Johannes. Aber auch Robert Aldrichs Kiss Me Deadly zählt zu den großen Einflüssen des Filmes. Hierzu kommen dann noch wiederkehrende Zitate der amerikanischen Dichter Robert Frost („The Road Not Taken“) und T. S. Eliot („The Hollow Men“), sowie von Philip K. Dick und dem auf den Soundtrack enthaltenen Lied „Three Days“ der Gruppe Jane’s Addiction. Nunmehr ist Southland Tales ein metaphysisches und psychologisches Werk, dessen wahre Deutung wohl nur Kelly selbst vorbehalten bleibt, wie zuvor auch bei seinem Mysterie-Film Donnie Darko der Fall gewesen.

We saw shadows of the morning light
the shadows of the evening sun
until the shadows and the light were one.

Entgegen mancher Interpretation ist Southland Tales jedoch keine Verfilmung der Offenbarung, sondern bedient sich nur einiger Teile von dieser, ohne direkt auf das geschilderte Geschehen von Jesus’ Lieblingsjünger näher einzugehen. Insbesondere die wiederkehrenden Zahlen (12, 7, 4) tauchen im Film selbst nicht auf, auch die vier Reiter der Apokalypse lassen sich schwerlich erkennen, wie auch keine sieben Posaunen geblasen oder Siegel gebrochen werden. Die Interpretation ist dabei nicht immer einfach, schreibt der Film schließlich mancher Figur eine Rolle zu, die man durch bloßes Sehen anders besetzen würde. Bestes Beispiel hierfür ist die Verklärung durch Pilot Abilene, der die Funktion des Erzählers und somit des Chronisten Johannes einnimmt, dass es sich bei den beiden Zeugen um Boxer und Roland handelt. Dabei hat man als Zuschauer vielmehr das Gefühl, dass diese Rolle Dion und Dream gebührt. Ebenso verhält es sich mit dem apokalyptischen Reiter des weißen Pferdes, der im Film zwar als Walter Mung (Christopher Lambert) identifiziert wird, aber letztlich durch Martin Kefauver (Lou Taylor Pucci) dargestellt wird. Ohnehin wird – auch mit den Prequels – die Rolle von Mung in der Geschichte nicht wirklich geklärt, scheinbar gehört er aber zu den Neo-Marxisten und somit zum Baron.

Nobody rocks the cock like Krysta Now!

Aber es lassen sich durchaus einige Dinge mehr oder weniger identifizieren, so zum Beispiel Utopia Three als das Wasserungeheuer Leviathan und sein Äquivalent Behemoth zu Land (der Megazeppelin). Mit diesem geht letztlich auch der falsche Prophet Boxer unter, gemeinsam mit der Hure Babylon (Krysta Now), dem Antichristen (Baron), sowie seinen Puppen und Marionetten. Was genau mit dem Messias (Roland/Ronald) passiert, bleibt am Ende des Filmes offen, wie auch einige andere Fragen noch ungeklärt sind. Eine von ihnen wäre, wie Roland aus dem Treer Fahrzeug gelangen konnte, während Boxer mit diesem in die Luft gesprengt wurde. Oder wie es den Taverners gelang, beide Exemplare von Roland einzusammeln, nicht aber Boxer, denn die Beteiligung von Fortunio war insofern nicht von Anfang an geplant (siehe Temptation Waits). Vielleicht wird hier jedoch der Director’s Cut, ein Audio-Kommentar oder Bonusmaterial zukünftig noch etwas Licht ins Dunkle bringen. Vielleicht war dies von Kelly aber auch nie beabsichtigt, denn das Tolle an Southland Tales ist, dass der mit jeder Sichtung wächst, man jedes Mal etwas mehr versteht. Mit seinem Donnie Darko–Nachfolger ist Kelly ein außergewöhnlicher Film gelungen, ein satirischer Seitenhieb auf die heutige Gesellschaft und ein äußerst amüsantes und verqueres Zerrbild einer apokalyptischen Vision. Die Reaktionen auf den Film zeigen, dass er beileibe keine einfache Geschichte erzählt, wer sich auf den Film einlässt wird allerdings belohnt.

9/10