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1. Mai 2011

Scream 4

Don’t fuck with the original.

Um die Scream-Reihe zu beschreiben, kann man sich aus den Zitaten der Trilogie ein kleines Potpourri zusammenstellen: “There’s a formula to it. A very simple formula”, verkündete Randy im 1996er Original, an das Sidney (Neve Campbell) selbst in Scream 2 ein Jahr später anschloss: “They always come back”, denn wie Dewey (David Arquette) 2000 in Scream 3 konstatierte: “Rules are rules.” Mit einem Gesamteinspiel von einer halben Milliarde Dollar und der Tatsache, dass im Horror-Genre immer langsam gestorben wird, war es letztlich irgendwie nur eine Frage der Zeit, ehe der US-Produzent Harvey Weinstein erneut den maskierten Serienkiller Ghostface auf Sidney, Dewey und Gale (Courtney Cox) loslassen würde.

Das Schöne an Scream 4 ist, dass sich die Reihe über die Jahre hinweg treu geblieben ist. “New decade, new rules”, prangert zwar als Untertitel auf dem Plakat und Rory Culkins “Randy 2.0" resümiert: “There are still rules but the rules have changed.” Insofern wird in Wes Cravens Slasher-Film immer noch mit Messern abgestochen, allerdings wird der Body Count im Vergleich zu den Vorgängern um ein Vielfaches angehoben (wie es im Film selbst heißt: “The killer’s got to be way more extreme”). In seiner filmeigenen Formel folgen Drehbuchautor Kevin Williamson und Craven folglich dem, was schon die Vorgänger ausgezeichnet hat, wenn einem Abzählreim folgend nach und nach die zahlreichen Nebendarsteller ins Jenseits befördert werden.

Zur zweiten Garde werden dieses Mal auch die Originalüberlebenden um Sidney, Dewey und Gale degradiert, die im Filmverlauf mehr reagieren denn agieren und somit im Vergleich zu den neuen Teens eine passive Rolle einnehmen. In den Fokus rückt also somit die neue Generation, die sich um Sidneys Nichte Jill (Emma Roberts) und deren beste Freundin Kirby (Hayden Panettiere) versammelt. Williamson ist hier natürlich auch soweit up-to-date, dass Schüler mit Kameraheadset ihren Alltag live auf einem Blog streamen und Ghostface-Voice-Apps auf ihren iPhones haben. Und während ebenjener Ghostface bisweilen wie immer sehr vorhersehbar seine Opfer findet, bequemt sich Scream 4, seine Stärke zu zelebrieren: die Mise-en-abyme.

Verwies Scream noch primär auf das Genre, pflegten die beiden Sequels vollends den Schritt auf die Meta-Ebene, wenn nicht nur Selbst-, sondern dank der fiktiven Stab-Reihe auch Quer-Referenz (und damit letztlich eine erneute Selbstreferenz) erwiesen wurde. Scream 4 folgt diesem Schema, wenn neben einem Schul-Filmclub und der Stab-Serie (mit sieben Filmen hat diese bereits Saw-Ausmaße angenommen) nun auch Sidney selbst in einem Buch die bisherigen Erlebnisse verarbeitet. Das selbstbewusste Diskutieren auf der Meta-Ebene – zum Beispiel wenn Polizisten (Adam Brody, Anthony Anderson) analysieren, dass außer Bruce Willis Film-Cops ein unrühmliches Ende finden – dient dann wie zuvor für die amüsanten Momente.

Die Auflösung des – oder der – Ghostface-Killer ist dabei als klassischer Whodunit erneut der erfolgreiche MacGuffin des Films, der Randys Formel des “Everybody’s a suspect” in Perfektion folgt, wenn verschiedene Figuren einzelne Szenen erhalten, die als potentielles Motiv gelten könnten. Infolgedessen wirkt das Finale wie schon bei den Vorgängern (gewollt) konstruiert und flacht, zumindest von seiner narrativen Bedeutung, etwas ab, da der/die Killer in seiner/ihrer Anonymität weitaus interessanter ist/sind, als die Auflösung dem später dann tatsächlich gerecht werden kann. Dennoch ist lobenswert, wie treu sich die Macher in ihrer neuerlichen Fortsetzung geblieben sind (bis hin zu den amateurhaft agierenden Cops).

Insgesamt ist Scream 4 nicht nur ein würdiger Vertreter der ruhmreichen satirischen Slasher-Reihe, sondern auch der gelungenste Teil seit dem Original. Der Charme und Humor, sowie die Selbstironie der Vorgänger bleiben erhalten, was dem Film angesichts aktueller Genrebeiträge (die meisten von ihnen zitiert Hayden Panettiere im Filmverlauf) erfrischend altmodisch und doch durch sein Spiel mit den Web 2.0-Mechanismen sehr modern ausfallen lässt. Sollte Scream 4 in der Tat der Auftakt einer neuen Trilogie sein, ist diese herzlich willkommen, solange sie das Spiel mit der Meta-Ebene und Mise-en-abyme ebenso gut versteht wie dieser Teil. Denn wie Randy so schön sagte: “There’s a formula to it. A very simple formula.”

6.5/10

10. Dezember 2007

Transformers

Are you on drugs?

Spielzeug kennen wir ja alle und dass Mädchen gerne mit Puppen spielen ist sicherlich ein Klischee, welches sich jedoch bewährt hat. Jungs spielen dafür mit anderen Dingen, am liebsten mit denen sie Schießereien simulieren oder die sie kaputt machen können – gerne auch beides zusammen. Die japanische Spielzeugfirma TakaraTomy und ihr amerikanischer Partner Hasbro entwickelten 1984 eine Spielzeugreihe, die sich Transformers nannte und aus Autos, Helikoptern und anderem Kram bestand, dass man durch Ziehen und Schieben in humanoid wirkende Roboter verwandeln konnte. Und mit diesen Robotern wurden dann Schießereien und Kämpfe simuliert, um den Gegner „kaputt“ zu machen. Somit waren die Transformers wie geschaffen für Jungen und wie man weiß, gibt es kein Land dass lieber Schießereien und Kämpfe hat, bis was kaputt geht, als die US and A. In Zeiten von S.S. und Michael Bay war es somit auch nur eine Frage der Zeit, bis die Hasbro Spielzeugreihe für die große Leinwand verfilmt werden würde. In den Staaten hat sich der Film vorerst auch in den Top 20 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit einem Einspiel von über 300 Millionen Dollar etabliert, weltweit waren es insgesamt 700 Millionen, ein Sequel ist damit so sicher, wie die Konfession des Papstes.

Aufgepasst! Es gibt einen Würfel und der hat in einer Galaxie, weit weit entfernt, eine Rasse intelligenter humanoider Roboter erschaffen. Wegen der Macht des Würfels gab es aber zwischen diesen Robotern Krieg und sie spalteten sich in zwei Lager: die friedliebenden Autobots rund um ihren Anführer Optimus Prime, sowie die an der Macht stehenden fiesen Decepticons, deren Herrscher Megabot ist. Doch der Würfel ging in den Unweiten des Universums verloren, bis er von einem Hobbit gefunden wurde. Nein, Spaß, er ist nur auf der Erde gelandet. Dumm sind aber weder die Autobots, noch die Decepticons, und daher verlagern sie ihren Krieg auf die Erde und wer den Würfel in seine Hände bekommt, der wird eben wieder der Herrscher sein (bis der Würfel wieder verloren wird). Den Schlüssel zum Aufenthaltsort des Würfels hat der unscheinbare Sam Wickedywittwick (Shia LaBeouf) und daher entbrannt ein Wettlauf um ihn, in welchen schließlich auch die US-Regierung eingreift. Doch werden sie rechtzeitig kommen? Und wer sind überhaupt sie? Und spielt Xeno dabei auch eine Rolle? Hat Tom Cruise seinen Bunker rechtzeitig gebaut? Alle Antworten enthält dieser Film.

Ich wollte den Film „objektiv“ beurteilen, oder so objektiv wie man eben rangehen kann und daher widme ich mich erstmal den Dingen, die mir gefallen haben. Ohne Frage dürfte Transformers in High Definition und mit DTS-Sound ein audio-visueller Orgasmus für jeden Cineasten sein, das zeigt schon die Anfangseinstellung, in der noch nichts zu sehen ist. Der erste Angriff auf eine Militärbasis in Katar ist auch noch schön und gut und die Vorstellung des Protagonisten auch vertretbar. Hier wird da klassische Setting aufgebaut: der Loser-Nerd, der nur Loser zu Freunden hat, der beliebteste Schüler der Schule, gut aussehend und Quarterback, sowie die ultrascharfe Biene, die auf den Quarterback steht. Willkommen in den klischeehaften Highschool der USA! Richtig zum Lachen hat mich dann auch der Porsche-Witz von Sams Vater und die Musikauswahl von Sams Auto Bumblebee gebracht, sowie ein falscher Aufdruck auf einem Decepticon-Polizeiwagen, welcher lautet „to punish and enslave“. Köstlich! Dazu kommt natürlich noch Megan Fox, die zwar nicht schauspielern kann, aber von jemand der so aussieht wie sie, erwartet man das auch nicht. Man schaue sich nur diesen Bauch und diese Brüste an und fragt sich, warum die Transformers nicht wegen ihr Krieg geführt haben.

Nun denn, das waren leider schon die positiven Aspekte, so traurig das auch ist. Vornweg lässt sich sagen, dass sich Transformers das, was man vertretbar als „Handlung“ bezeichnen kann, wild zusammengeklaut ist. Schon der Anfang ist 1:1 von Lord of the Rings geklaut, teilweise sogar in der Wortwahl, da kann man dann nur noch den Kopf schütteln. Ein Würfel/Ring, wegen dem Krieg ausbricht und der alles Gute in Verdammnis reißt, beherrscht von einem Roboter der aussieht wie Sauron? Meine Fresse. Und dann noch von Terminator – Judgement Day klauen, wenn sich Bumblebee und ein als Polizist daherkommender Decepticon darum schlagen, wer zuerst an den entscheidenden Teenager rankommt. Armselig ist das, nicht mal eine eigenständige Geschichte kann man hier erzählen. Die Musik von Steve Jablonsky klingt dabei als hätte er einfach den Soundtrack von The Rock rückwärts aufgenommen und Bay geschickt. Jedenfalls lässt er sich nicht von allen anderen Bay-Soundtracks unterscheiden. Aber die Musik ist halb so wild bei dem ganzen, passende pathetische Unterstützung zu dem Rest des Filmes.

Autobots und Decepticons, humanoide Roboter, die sich wegen einem Würfel kloppen. Das ist Science-Fiction, damit kann ich leben. Warum da der eine ein Sauron-Bot und ein anderer ein Gremlin-Bot ist, egal. Science-Fiction, da muss nicht alles logisch sein. Bei allem anderen erwarte ich das schon. Vor allem die US-Regierung agiert im Film abwegig, da werden unidentifizierte Helikopter in Armeebasen landen gelassen und außerirdische Maschinen müssen menschliche Programme hacken. Cedric the Entertainer kann einen Wagen verkaufen, ohne die Papiere zu diesem zu besitzen und der Verteidigungsminister erklärt sich in der Öffentlichkeit über einen Angriff auf eine Militärbasis, dessen Ausmaße und Überlebende noch nicht bekannt sind. Irgendwann hab ich aufgehört zu zählen, aber alles, angefangen von Sektion 7, von der keiner was weiß bis hin zu den fünf Marines, die allesamt von Anfang bis Ende überleben und sich alleine erfolgreich gegen die Decepticons-Armada stellen, ist einfach nur so lächerlich, wie es der ganze Filme im Endeffekt ist. War die erste halbe Stunde noch so schlecht, dass sie schon wieder gut war, machte der Film ab der Mitte überhaupt keinen Sinn mehr. Schwer erträglich ist auch diese dauernde Glorifizierung des Militärs, no sacrifice - no victory!, was für eine grauenhafte Botschaft an Kinder und Jugendliche, besonders in Zeiten von wöchentlichen Amokläufen.

Die Decepticons sehen so aus, wie böse Roboter aussehen müssen und die Autobots wusseln mit ihrer Slangsprache herum und „pinkeln“ sogar auf Regierungsbeamte. Hihi, da lachen wir alle herzlich. Dazu kommt noch Anthony Anderson als zu fett geratener Steve Urkel. Und Optimus Prime ist von allen Beteiligten die größte Niete, da fragt man sich, was das für ein Anführer sein soll, der zuschaut wie einer seiner „Soldaten“ entführt wird und der am Ende von seinem Gegner beinah zerstört wird, wenn nicht so ein menschlicher Teenager kommt und das Universum im Alleingang rettet. Ich glaube ehrlich, dass am Ende Sam und die fünf Marines um Josh Duhamel mehr Decepticons zerstört haben, als die gesamten Autobots zusammen. Der größte Verlierer des Jahres scheint dabei Zack Ward zu sein, der hier und in Postal gleich in zwei schrecklichen Filmen auftreten musste. Bei Shia LaBeouf nehm ich das schließlich gar nicht mehr so übel, ein schlechter Film braucht einen schlechten Hauptdarsteller – da haben sich am Ende zwei gefunden (ich befürchte wieder Schlimmes für Indy nächstes Jahr *seufz*). Dass man mit einem Film, der kein richtiges Drehbuch, von einer Handlung ganz zu schweigen, aufweisen kann, soviel Geld verdient, ist schon erstaunlich. Künstlerisch wertvoll ist dass jedoch nicht und finde ich es bezeichnende Ironie, das Bay am Ende im Abspann von Linkin Park „What I’ve Done“ spielt.

1.5/10