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25. Dezember 2015

Magic Mike XXL

It’s not bro time. It’s show time.

Fleischbeschau kennt man in der Regel ja nur mit Frauen als Objekten, etwas ungewöhnlich war da, dass Steven Soderbergh 2012 eine Stripper-Komödie rund um Channing Tatum ankündigte. Magic Mike avancierte zum moderaten Erfolg, der wie so oft Gerüchte um eine Fortsetzung nach sich zog. Die erschien nun dieses Jahr in den Kinos – wenn auch relativ wenig beachtet. Zumindest in Nordamerika, wo Magic Mike XXL nur etwa die Hälfte seines Vorgängers einspielte. Bei den Kritikern fand die Fortsetzung dafür erneuten Anklang, obschon es in dem Film, bei dem nunmehr Gregory Jacobs Regie führte, nicht mehr allzu viel gibt, was wirklich eindrucksvoll gerät. Allen voran die Handlung – oder besser gesagt: die Abwesenheit einer solchen.

Ging es in Magic Mike um eine Katharsis der Hauptfigur, muss diese nun für eine Weiterführung der vorangegangenen Prämisse wieder ignoriert werden. So ist Mikes (Channing Tatum) Beziehung zu seiner Freundin Brooke in die Brüche gegangen – in einem müden Halbsatz erklärt – und auch sein Möbelunternehmen schlittert dem Abgrund entgegen. Da passt es, dass seine alten Stripper-Kollegen um Big Dick Richie (Joe Manganiello), Tarzan (Kevin Nash), Tito (Adam Rodríguez) und Ken (Matt Bomer) auf dem Weg nach Myrtle Beach zu einer Stripper Convention sind. Club-Besitzer Dallas ist mit Protegé Adam nach Macau abgehauen, weshalb auch sie ihrer Profession Adieu sagen wollen. Aber nicht vor einem letzten gemeinsamen Hurra.

In der Folge beschränkt sich Magic Mike XXL darauf, ein Road Movie sein zu wollen, in dem die Figuren und ihre Beziehung zueinander das Fehlen einer Geschichte übertünchen sollen. Was mal mehr und mal weniger funktioniert, aber grundsätzlich bereits am prinzipiellen Rezept dieses Films scheitert. Das Loslösen von entscheidenden Figuren des Vorgängerfilms geschieht dabei reichlich lieblos, indem sowohl Brooke (Cody Horn) als auch Dallas (Matthew McConaughey) lediglich mit einem Satz verabschiedet werden. Zumindest eint sie, dass sie beide Dinge wollten, die sie in Mike nicht (mehr) fanden. Und weil Mikes Geschäft aus unerklärten Gründen ohnehin schon schlecht läuft, kann auch dieses ruhigen Gewissens sich selbst überlassen werden.

Das Strippen und die Freundschaft zu den Kollegen bereitet Mike einfach zu viel Spaß. So die Botschaft, die der Film ans Publikum übertragen will. Nur kriegt das Publikum von der Freundschaft der Männer selbst wenig mit. Etwaige plötzlich existierenden Animositäten zwischen Mike und Ken werden bei – oder eher: nach – einem Alkoholgeschwängerten Lagerfeuer-Abend aus der Welt geräumt, Tito kriegt nicht mal einen Subplot und Tobias (Gabriel Iglesias) wird alsbald aus dem Film geschrieben. Tarzan darf immerhin in einer Szene erwähnen, dass er Kriegsveteran ist. Etwas, dass auch Mike nicht wusste; da es aber auch nicht weiter thematisiert wird, ist es ohnehin so unerheblich wie eigentlich alles, was in Magic Mike XXL geschieht.

Außer Mike kriegt nur Big Dick Richie etwas Luft zum Atmen – darunter in der Highlight-Szene des Films, wenn er zu den Backstreet Boys versucht, eine Tankstellenangestellte zum Lächeln zu strippen –, letztlich bleibt er wie alle anderen aber erneut im Schatten von Mike selbst. Der darf mit Amber Heards Fotografin Zoe flirten, die immer dann auftaucht, wenn sie der Film gebrauchen kann. Im Vergleich zu Cody Horns Brooke ist aber auch sie nur eine eindimensionale Figur als Staffage eines Films, der sich schlussendlich zum Selbstzweck gereicht. Ging es in Magic Mike noch um Figuren und darum, wie ihre Wünsche und ihr Alltag miteinander kollidierten, geht es in Magic Mike XXL um gar nichts. Allenfalls um den Spaß am Strippen.

Vielleicht scheitert deswegen der Versuch, so etwas wie eine Handlung zu installieren, die so halbgar ist, wie die neuen Figuren, die in sie geworfen werden. Elizabeth Banks als Convention Promoterin und Andie MacDowell als sexuell vernachlässigte Mutter sind verschenkt, Jada Pinkett-Smith als weibliches Dallas-Pendant und Donald Glover als Poetry-Slam-Stripper nur schwer erträglich. Selbst das Strippen verliert irgendwann seinen Reiz, wenn Gregory Jacobs ein halbstündiges Finale vom Stapel lässt, dass bis auf Mikes Tanzeinlage (wen wundert’s?) reichlich einfallslos choreografiert ist und auf Dauer ermüdend gerät. Und irgendwie kann man sich dann doch denken, wieso Brooke und Dallas dem Ganzen längst den Rücken gekehrt haben.

5.5/10

27. Juli 2014

Sabotage

Look at you, with your 48 percent body fat!

Früher wollten Jungs später mal Lokführer oder Feuerwehrmann werden. David Ayer wiederum hat ein Faible für die Polizei von Los Angeles und das dortige Viertel South Central entwickelt. Quasi alle seine Filme drehen sich um Polizisten des LAPD, die ihrer Tätigkeit in South Central nachgehen. Zuletzt durften Jake Gyllenhaal und Michael Peña für Ayer in End of Watch auf Streife gehen, in seinem jüngsten Film Sabotage ließ er Arnold Schwarzenegger die Marke tragen. Wie sich zeigt, hat es die Zeit nicht gut gemeint mit dem Hünen aus der Steiermark, avancierte Sabotage mit einem Einspielergebnis von nur 5 Millionen Dollar am Startwochenende doch zu einem der größten Flops in der Karriere des gebürtigen Österreichers.

In Sabotage gibt Schwarzenegger den alten Haudegen John “Breacher” Wharton, Kopf einer Spezialeinheit von Undercover-DEA-Agenten. Zu Beginn des Films nehmen diese ein mexikanisches Drogenkartell hops und unterschlagen dabei 10 Millionen Dollar auf eigene Rechnung. Dumm nur, dass diese später nicht da sind, wo sie sein sollen. Noch dümmer ist, dass plötzlich ein Mitglied nach dem anderen aus der Einheit umgebracht wird. Dies ruft FBI-Ermittlerin Caroline Brentwood (Olivia Williams) auf den Plan, während Breacher und seine Truppe auf eigene Faust dem Spuk ein Ende setzen wollen. Die große Frage ist: Holt die Spezialeinheit ihre Vergangenheit ein oder haben sie vielmehr einen Verräter in den eigenen Reihen?

Als das Projekt vor ein paar Jahren angekündigt wurde, klang die Prämisse des Films auf dem Papier relativ interessant, auch angesichts des Ensembles, welches Sabotage letztlich besitzt. Dieses gibt sich als schräg-schrille Gruppe, vom eher schweigsamen Schwarzen Sugar (Terrence Howard) über Redneck Neck (Josh Holloway) bis hin zum vielversprechenden Grinder (Joe Manganiello) und dem durchgeknallten Ehepaar Monster (Sam Worthington) und Lizzy (Mireille Enos). Ihr Auftreten als bessere Karnevalstruppe wird vermutlich durch ihren Status als Undercover-Cops erklärt, auch wenn zu Beginn lediglich die drogenabhängige Lizzy in dieser Rolle tätig und zu sehen ist. So werden die Figuren zuvorderst auf ihr Äußerliches reduziert.

Die Dynamik des Teams lernen wir somit nicht wirklich kennen und das vermeintliche Thriller-Element, wer nun der Verräter sein könnte, wird im Verlauf mehr und mehr für Action geopfert. Scheinbar geschah dies auf Wunsch des Studios, weshalb manche Szenen ahnen lassen, dass mehr Handlung vorhanden war. Angesichts des wenig überzeugenden Endes muss man dem Entscheid des Studio weg vom Mystery-Thriller zum Action-Film jedoch fast dankbar sein. Denn es zeigt sich, dass Sabotage nach hinten raus verstärkt die Luft ausgeht. Was ihn zu einem Vertreter der Sparte „Hier wäre mehr drin gewesen“ macht. Ganz einfach, indem Ayer mit den illustren Figuren eine paranoide Dirty Cop-Variante von The Thing inszeniert hätte.

Immerhin ist das Figurendesign interessant, vom glatzköpfigen Sam Worthington hin zu Joe Manganiello mit Cornrows. Mireille Enos wirkt etwas überdreht, spannend wäre gewesen, wie geplant Malin Akerman in der Rolle zu sehen. Arnold Schwarzenegger hat man mit seinem an einen Nazi erinnernden Seitenscheitel allerdings keinen Gefallen getan und die Rolle des toughen Gruppenführers wirkt für den inzwischen 66-Jährigen etwas zu viel des Guten. Sofern also Potential vorhanden ist und es der Film im ersten Akt auch nutzt, macht Sabotage am Ende zu wenig daraus. Der aufgesetzt wirkende und vom Studio gewünschte Schluss setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Die Schuld hierfür fällt an sich dabei auch auf Schwarzenegger.

Der Governator müsste sich neu erfinden, anstatt zu versuchen, an seine Erfolge vor 20 Jahren anzuknüpfen. Somit pendelt sich Sabotage letztlich auf demselben Level ein wie seine jüngsten Kassen-Misserfolge The Last Stand und Escape Plan. Keine wirklichen Rohrkrepierer, aber auch qualitativ weder Fisch noch Fleisch. Immerhin aber besser als Werke wie The 6th Day oder End of Days. Für Fans des Genres oder Schwarzeneggers ist Sabotage also durchaus eine Sichtung wert, selbst wenn der Film hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Seine Lektion scheint zumindest David Ayer gelernt zu haben, mit Fury inszeniert der Regisseur aktuell zur Abwechslung keinen Polizei-Thriller. Irgendwann wird also wohl jeder mal erwachsen.

5/10

11. Mai 2008

How I Met Your Mother - Season Two

I had the time of my life - true story.

Das Seriengelaber auf diesem Blog lässt sich als redundant beschreiben, denn zur zweiten Staffel von How I Met Your Mother lässt sich wieder mal nur mit Worten ausdrücken, was bereits auf viele andere Serien zutrafen. Hieß es neulich bei der vierten Staffel von Scrubs noch, dass manche Serien (siehe Entourage) mit der Zeit besser und andere (siehe Prison Break) schlechter werden, so trifft dies im weitesten Sinne auch auf das zweite Jahr von How I Met Your Mother zu. Obschon sich Lily (Alyson Hannigan) und Marshall (Jason Segel) am Ende der ersten Staffel relativ spontan trennen, sind es besonders die Folgen des ersten Drittels, die in der zweiten Staffel der Sitcom besonders überzeugen können.

Nach dem schwachen Cliffhanger des Vorjahres steigert sich die Serie glücklicher Weise sogleich und lässt im zweiten Jahr Hänger, wie sie im ersten Jahr noch auftraten, vermissen. Allerdings gelingt es auch dem Staffelfinale, das als Doppelfolge daherkommt, auf keiner sonderlich hohen Note zu enden. Im Gegenteil, findet auch hier wieder eine sehr spontane Aktion statt. Die Finalfolgen behandeln die langersehnte Hochzeit von Lily und Marshall, ohne dass diese an Konkurrenzprodukte wie die Hochzeitsfolge von Scrubs (My Best Friend’s Wedding) heranreichen kann. Am Gesamteindruck der zweiten Staffel ändert dies wenig, die eine Steigerung darstellt (auch wenn die Quoten überraschend zurück gingen).

Trotz der Trennung von Lily und Marshall dreht sich auch im zweiten Jahr alles um die Beziehung von Robin (Cobie Smulders) und Hauptfigur Ted (Josh Radnor), die im vorangegangenen Staffelfinale endlich zusammenkamen. Da bereits in der Pilot-Folge klargestellt wurde, dass Robin nicht die Titelgebende Mutter von Teds Kindern ist, wird somit frühzeitig hervorgehoben, dass die Suche nach die Mutter im zweiten Jahr hinten angestellt wird (dementsprechend selten, vier Mal, tauchen die Kinder im Vorspann auch auf). Eine Entwicklung der Show, die auch in den anschließenden Staffeln Einzug in den Serienverlauf finden und zugleich bei den Zuschauern jede Menge Geduld einfordern wird.

Nachdem sich Lily und Marshall schnell wieder versöhnen, wird ein business as usual zelebriert, als sei nie etwas vorgefallen. Auch die Beziehung zwischen Robin und Ted wird als äußerst konstant (im Vergleich zum Vorjahr) dargestellt, sodass man in vielen Episoden nicht einmal merkt, dass sie sich in einer Beziehung befinden. Ärger kommt dann gegen Ende der Staffel auf, wenn Robin Ted mit seiner Vergangenheit konfrontiert und vice versa. Ein wirklicher Unterschied zwischen dem „glücklichen“ und dem „elenden“ Ted der ersten Staffel ist jedoch kaum bemerkbar. Dass die Freundschaft zwischen ihm und Robin im Vordergrund steht, lässt erahnen, welchen Weg ihre Beziehung geht.

Weiterhin das Herzstück der Serie ist Neil Patrick Harris’ Barney Stinson, für dessen Darstellung er zu Recht im letzten Jahr mit einer Emmy-Nominierung bedacht wurde. Da Ted und Robin endlich zusammenkommen, wird sowohl sein “Suit up!“ als auch sein “Hi, have you met Ted?“ in dieser Staffel hinfällig. Dafür gewinnen “Legendary“, “Awesome“ und “True Story“ an Verwendung und sind durchaus passende Worte, um diese Figur von Craig Thomas und Carter Bays zu beschreiben. In der zweiten Staffel bekommt dann auch Barney mehr Herz, seine wahre Freundschaft zu den anderen wird unter Beweis gestellt und er ist letztlich der hauptsächliche Finanzier von Lily und Marshalls Hochzeit.

Der Höhepunkt, nicht nur der zweiten Staffel, sondern der bisherigen Serie, ist die neunte Folge Slap Bet, die einen der gelungensten running gags einbaut, den die neuere Fernsehgeschichte entwickelt hat. Die Serie lebt von solchen Einfällen und weiß durch diese zu gefallen, auch wenn sie in keiner Regelmäßigkeit aufzutreten pflegen, wie man es eben von Scrubs in der dritten und vierten Staffel gewohnt ist oder auch bei Friends - dem großen Vorbild - immer wieder antraf. Ähnlich gelungen wie Slap Bet fiel ansonsten nur noch World’s Greatest Couple aus, die übrigen Folgen bewegten sich auf einem durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Niveau. Insgesamt also eine leichte Verbesserung zum Vorjahr.

7.5/10